geschichte

Mit Gott für Deutschland?

Die Kirchen und der 1. Weltkrieg


Mit der Glorifizierung des Kaisers und der Heiligung des Vaterlandes förderten die deutschen Kirchen von Anfang an die Kriegsbegeisterung. Als der rasche Sieg trotz größter Menschenopfer ausbleibt und Trauer und Zweifel auch in der deutschen Bevölkerung stärker werden, verstärken vor allem die protestantischen Prediger und Professoren ihre Kriegsunterstützung. Der Soldatentod wird als Opfertod Jesu mystifiziert, der Kriegsdienst zum Gottesdienst verklärt.

Von den zahllosen Kriegspredigten und Kriegs-Postkarten sind hier einige Beispiele dokumentiert. Den historischen Kontext erläutern Dr. Jörn Halbe, Prof. Günter Brakelmann und Prof. Rainer Hering.

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Gedenkblatt web
 

Per allerhöchster Kabinettsorder wurde am 27. Januar 1915 von Kaiser Wilhelm II. das Gedenkblatt für die Hinterbliebenen aller getöteten deutschen Soldaten in Auftrag gegeben.

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Dr. Jörn Halbe

Vaterlandsliebe, Kriegslust und christlicher Glaube

Die Kirchen des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg

Vortrag auf Einladung der Diözese Ely gehalten am 08.05.2015, deutsche Fassung, gekürzt

Jörn Halbe zeigt an zahlreichen Beispielen nicht nur die schon vorlaufende Begeisterung der Kirchen für den Krieg, sondern auch die Steigerung ihrer Kriegspropaganda im Wissen um die zahllosen Toten: »Je schlimmer die Tatsachen, desto höher … das Pathos der Siegesverheißungen im Rufen und Drängen der Kirchen zu Durchhaltewillen, Leidensbereitschaft und Loyalität im Namen des Gottes, der sich im Kampf für die deutsche Nation in diesem Krieg offenbare.«

 

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                 3 vorne web

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Prof. Günter Brakelmann

Eine kleine Reise durch Kriegs-
predigten und -schriften 1914/15

Vortrag auf der Tagung der Evangelischen Akademie der Nordkirche
am 13. Juni 2014

Mit einer Fülle von Beispielen zeigt Günter Brakelmann, bis zu seiner Emeritierung Professor für Kirchengeschichte in Bochum, mit welchen Gebeten, Liedern und religiös-politischen Formeln die etwa 16.000 evangelischen Pfarrer und fast alle Theologieprofessoren zu Hauptsprachrohren für die deutsche Kriegspolitik wurden.

 

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                    Texte Kriegsnagelungen St.Michael

Nagelung des St. Michael

Als Kriegsnagelungen werden hunderte von Aktionen im Deutschen Kaiserreich bezeichnet, bei denen während des 1. Weltkriegs gegen eine Spende ein Nagel in ein dafür aufgestelltes hölzernes Objekt eingeschlagen wurde. An den Nagelungen beteiligten sich im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen mit feierlichem Charakter breite Bevölkerungskreise. Die dadurch eingenommenen Gelder dienten der Unterstützung von Kriegsopfern. Die Einnahmen im geschätzten einstelligen Millionenbetrag an Mark waren eher nicht entscheidend für den Erfolg der Nagelungen. Weit bedeutender war ihre propagandistische Wirkung, da sie den Patriotismus und das Gemeinschaftsgefühl der Menschen ansprachen und so zur Stärkung der »Heimatfront« beitrugen. Lesen Sie mehr:

 

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Ein weiteres Beispiel aus der Michaeliskirche in Kaltenkirchen:

                    SH Kaltenkirchen Nagelbild Hl Michael web

Auf der historischen Informationstafel ist zu lesen, dass das 1915 begonnene Nagelbild 13 Jahren später, im Jahr 1928 (!) vollendet wurde. Lesen Sie auch im Menüpunkt Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein (> Heiligenhafen) über die Bedeutung des heiligen Michaels.

 

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»Der Geist, in dem wir kämpfen.«

1. Kriegspredigt des Hauptpastors D. Hunzinger,
gehalten am 5. August 1914 im Hamburger Michel

 

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                 13 vorne web

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Materialsammlung

Eine Zusammenstellung ausgewählter Bildpostkarten zur Unterstützung der Kriegsbereitschaft mit christlich-kirchlichen Motiven und Zitaten, von Predigten und mehren Lied- und Gebetstexten finden Sie in der Materialsammlung.
Diese lässt sich auch gut als Grundlage für Gespräche in Gruppen verwenden.

 

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                15 vorne web

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Prof. Rainer Hering

Zwischen Schuldabwehr und Demokratieablehnung

Vom Umgang der protestantischen Kirchen mit der Niederlage
und ihren Folgen

Vortrag auf der Tagung der Evangelischen Akademie
der Nordkirche am 14. Juni 2014

Unzählige Menschen waren in den Schlachten des 1. Weltkriegs getötet worden, viele Millionen kehrten verstümmelt und traumatisiert von den Schlachtfeldern zurück. Doch statt Verantwortung für ihre Kriegsunterstützung und Durchhaltepredigten zu übernehmen und eigene Schuld zu erkennen, blieben die Kirchen ihren nationalprotestantischen Überzeugungen treu und verweigerten sich dem Aufbau der Demokratie der Weimarer Republik. Vor allem am Beispiel Hamburgs zeigt Rainer Hering diese Entwicklung, eine der Voraussetzungen für die weitgehende Zustimmung der Kirchen für die verbrecherische Kriegspolitik Nazi-Deutschlands ab 1939.

 

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                 17 vorne web

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Zitat

Wenn aber Christus, der gesagt hat: »Du sollst nicht töten!«
an seinem Kreuz sehen muß, wie sich die Felder blutig röten;
wenn die Pfaffen Kanonen und Flugzeuge segnen
und in den Feldgottesdiensten beten, daß es Blut möge regnen;
und wenn die Vertreter Gottes auf Erden
Soldaten-Hämmel treiben, auf daß sie geschlachtet werden;
Und wenn die Glocken läuten: »Mord!« und die Choräle hallen:
»Mord! Ihr sollt eure Feinde niederknallen!«
Und wenn jemand so verrät den Gottessohn
Das ist keine Schande.
Das ist Religion.

Kurt Tucholsky, 1890 − 1935, Freitod, Pseudonyme: Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel, deutscher Schriftsteller und Journalist, Literatur- und Theaterkritiker der Zeitschrift »Die Schaubühne«

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Predigt von Pastor Burmeister

zur Denkmalsweihe am 7. September 1924

 

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Mehr Informationen über das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in Eckernförde finden Sie unter >Kriegerdenkmäler >Schleswig-Holstein >Eckernförde.

Wir danken Dr. Uwe Beitz, Museumsleiter und Stadtarchivar von Eckernförde.

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Kriegsvaterunser web

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»Gott mit uns«

Kirchliche und religiöse Propaganda für Krieg und Vaterland im 1. Weltkrieg

So hieß die Ausstellung, die die Ev. Akademie der Nordkirche vom 30. Januar bis 30 Juni 2015 im Flandernbunker/Kiel zeigte. Die christlichen Kirchen, insbesondere die protestantischen mit ihrer engen Anbindung an Kaiser und Reich, förderten fast vorbehaltlos  die Begeisterung für den Krieg und bestärkten nach Kriegsende die Abwehr von Schuld und Verantwortung für die Millionen Menschen, die im Krieg getötet hatten und getötet wurden. Die Exponate, zahlreiche Postkarten, Kriegspredigten und Feldgesangbücher, verdeutlichen dies.
Hier können Sie die Exponate betrachten:

 

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theologie

Erinnern für die Gegenwart

Reflektionen über Soldaten- und Kriegsgedenken


Die Millionen Toten des 1.Weltkriegs und die Mitverantwortung der christlichen Kirchen für den Krieg stellen für Theologie, Kirchen und Christen eine stete Herausforderung dar. Das Gedenken an die Toten ist wie die Auseinander- setzung mit persönlicher und kollektiver Schuld eine grundlegende biblische Vorgabe. Warum das so ist und wie dieses Gedenken heute zu einer Ethik des Friedens beitragen kann, ist das Thema der folgenden Texte.

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Theologie steffensky web

Fulbert Steffensky

»Gott mit uns« haben alle gesagt

Was blendet die Augen und rüstet für Kriege?

Beitrag 2014 für den NDR, uns freundlicherweise
vom Autor zur Verfügung gestellt

Die Stimmen der Toten und ihre Spuren bis ins Gegenwärtige sind Fulbert Steffensky wichtig. Dabei erinnert er auch an diejenigen, die dem Kriegsgeschrei wiedersprachen, die aber oft bis heute nicht beachtet werden.

 

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KircheundKrieg Kirchentag web
Fotos: Joachim Gottschalk, Ulrich Hentschel

Erinnern an die Opfer der NS-Militärjustiz

Biblisch-theologische Reflektionen, politische Impulse und aktuelle Bezüge waren am 4. Mai 2013 während des Kirchentages neben dem zentralen Hamburger Kriegerdenkmal am Stephansplatz zu hören. Verschiedene prominente Redner würdigten die Opfer der NS-Militärjustiz, von denen allein in Hamburg mehr als dreihundert Menschen hingerichtet wurden.

Die Vorträge sind hier dokumentiert: Reden von Bischof Gerhard Ulrich, Wolfgang Rose, ehemals Vorsitzender von Ver.di Hamburg, Prof. Fulbert Steffensky, Prof. Jürgen Ebach, Friedrich Schorlemmer und Ludwig Baumann, Wehrmachtsdeserteur.

 

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                             Theologie andreasmertin web

Andreas Mertin

Mahnung  Eingedenken  Zeichensetzung?

Zur theologischen Kritik des Kriegerdenkmals und den Folgen
für das kirchliche Handeln

Vortrag bei einem Seminar der Evangelischen Akademie 2011

Schon immer waren die Kriegerdenkmäler sowohl bei ihrer Errichtung wie auch bei den bis heute fortdauernden Ritualen ein Ort kirchlichen Handelns und Redens. Damit setzt sich Andreas Mertin auseinander und fragt nach Kriterien für einen theologisch begründeten Umgang mit dieser Tradition.

 

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Opfer, Täter, Trauer & Schuld

Vortrag von Prof. Fulbert Steffensky, Luzern. Gehalten am 13. Oktober 2014 im Dorothee-Sölle-Haus, Hamburg.

              13Oktober14 Steffensky web

                      Foto: Joachim Gottschalk

 

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Evangelischer Kirchentag 2015

Theologie Kirchentag2015 Uniform2 web

Theologie Kirchentag2015 uniform web

Während des Kirchentags in Stuttgart. Christliche Friedensaktivisten fordern zeitgleich vor der Kirche, kein Militär in Gottesdiensten zu dulden.

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Dr. Uwe-Karsten Plisch

100 Jahre danach – Gefahr gebannt?

Fortwirkungen von Kriegslegitimation in die Gegenwart

Vortrag auf der Tagung der Evangelischen Akademie
der Nordkirche am 14. Juni 2014

Auch vor dem Hintergrund seiner DDR-Biographie formuliert Uwe-Karsten Plisch deutliche Kritik an den politischen und vor allem den kirchlichen Legitimationen des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan und der deutschen Militärstrategie. Er sieht insbesondere die Äußerungen aus der Militärseelsorge in deutlichem Widerspruch zu einer »verantwortlichen Schriftauslegung im öffentlichen Raum«.

 

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»Hilf uns im heiligen Kriege!«

Vor 100 Jahren war der große Krieg, der schnell zum Sieg führen sollte, zu einem Massensterben auf den Schlachtfeldern eskaliert. Doch statt Einsicht, Humanität und Frieden zu predigen, hielten auch die Kirchen an ihrer Kriegsunterstützung fest und steigerten sie noch mit der Aufforderung zum Opfergang. Für Volk und Vaterland und Plicht musste weiterhin Blut fließen – das der Feinde und das eigene. Das sei Gottes Wille. Diese erschütternde und beschämende Legitimation eines mörderischen Kriegs ist heute nicht mehr vorstellbar und scheint überwunden.

Aber ist das wirklich so? In Europa gibt es christliche Kirchen, die unter dem Banner ihrer Nation kriegerische Aktionen unterstützen. Auch für Deutschland stellt sich die Frage, ob Kirchen und Christen frei sind von Einstellungen wie:

• Vorrang der Loyalität zu Nation, Staat und Regierung
• Primat des eigenen Wohlstandes und seiner auch militärischen Absicherung
• Überzeugung von der Überlegenheit der eigenen Wert-Vorstellungen

Theologie hilf uns im heiligen kriege web 

Im Kontext der Ausstellung »Für Kaiser und Reich – Gott mit uns« der Evangelischen Akademie der Nordkirche im Flandernbunker/Kiel diskutierten Dr. Jens Rönnau, Vorsitzender des Vereins Mahnmal Kilian, Pastor Ulrich Hentschel und Dr. Uwe-Karsten Plisch, Theologischer Referent der Bundes-ESG (von links nach rechts) im Frühjahr 2015 über religiöse und kirchliche Legitimation von Krieg.

Theologie UKPlisch web

Fotos: Gabriele Rennert

Der Vortrag von Dr. Uwe-Karsten Plisch »Hilf uns im heiligen Kriege!«:

 

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Dr. Uwe-Karsten Plisch

Kriegsdienst als Gottesverachtung

Frühchristliche Friedenstheologie bis zur konstantinischen Wende

 

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