VIELFALT IN DER STADT

Kriegerdenkmäler in Hamburg

So unterschiedlich die ästhetisch-künstlerische Gestaltung, die Texte und Inschriften der Kriegerdenkmäler in Hamburg auch erscheinen mögen, gemeinsam sind den meisten die nachträgliche Stilisierung der getöteten Soldaten zu Helden und die Legitimation des Krieges als Kampf für Volk, Kaiser und Vaterland. Eine Absage an Krieg und Militär und ein Bewusstsein von Verantwortung und Schuld findet sich nicht.

155 Kriegerdenkmäler hat Kerstin Klingel in ihrer von der Landeszentrale für politische Bildung 2006 veröffentlichten Untersuchung für Hamburg dokumentiert. Die meisten davon sind nach dem 1.Weltkrieg errichtet worden: auf öffentlichen Plätzen, neben Kirchen, auf Friedhöfen. Alle diese Denkmäler sind über viele Jahrzehnte Orte der Kriegsverherrlichung gewesen und in der Regel bis heute gut erhalten. Nur sehr wenige sind neu oder umgestaltet worden.

Wir dokumentieren hier einige typische Beispiele aus verschiedenen Hamburger Stadtteilen. Die Fotos sind, wenn nicht anders angegeben, von Klaus Wegner.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von >Ottensen öffnet den Bericht über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«


I N H A L T
Das Denkmal
Die Einweihung
Die 1940er Jahre
Findlinge

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Lohbrügge

In einem Wäldchen am Hang

Unterhalb des Grundstücks »Am Langberg 99« führen zwei Wanderwege an dem großen Findling vorbei. Am 21. November 1920 wurde er feierlich eingeweiht, zusammen mit einem »Heldenhain«, der ihn wohl auch heute noch umgibt. Im Jahr 1999 plante die Garten- und Friedhofsabteilung des Bezirksamts Bergedorf einen Kinderspielplatz an diesem Ort und wollte dafür zahlreiche Bäume fällen. Wie man auf den aktuellen Fotos aus dem Jahr 2015 sieht, ist es dazu nicht gekommen.

HH Lohbrugge gesamt web

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs – mit der Anmutung eines Hünengrabs – besteht aus einem efeubewachsenen Erdhügel, der unregelmäßig mit kleinen Findlingssteinen und auch Ziegelsteinen gestützt wird.

HH Lohbrugge vorne web

Oben trohnt der große kantige Findling mit der Aufschrift:
1914 – 1918
Den Helden zur Ehre der Nachwelt zur Lehre

Darüber ist ein Eisernes Kreuz eingraviert. Obwohl der Denkmalsplatz insgesamt unbeachtet wirkt und der große Stein sehr bemoost ist, kann man die Schrift gut lesen; sie ist wohl vor nicht allzu langer Zeit nachgemalt worden.

HH Lohbrugge Stein web

Vor dem Stein liegt eine dunkle polierte Granittafel mit 30 schlecht lesbaren Namen.

HH Lohbrugge mitNamen web


Wir danken Christian Römmer vom Kultur- & Geschichtskontor der Initiative zur Erhaltung historischer Bauten e.V. für die Recherche.

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Die Einweihung

HH Lohbrugge Einweihung1 web

• Großer Aufmarsch im neu angepflanzten »Heldenhain«

HH Lohbrugge Einweihung2 web

• Viele Kränze, auch der Sozialdemokratische Ortsverein Boberg wollte sich da nicht ausschließen

Die historischen Bilder verdanken wir Christian Römmer vom Kultur- & Geschichtskontor der Initiative zur Erhaltung historischer Bauten e.V.
> www.geschichts-kontor.de

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Die 1940er Jahre

HH Lohbrugge 1940er web

© privat

• Am Lohbrügger Findling: Das Gedenken an die toten »Helden« des 1. Weltkriegs spielte in der NS-Zeit eine große Rolle.

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Findlinge

Der Findling kann als »Klassiker« unter den Denkmalsformen bezeichnet werden. Denkmalsfindlinge stehen meist unter einer Eiche auf einem größeren Platz. Die große Beliebtheit von Findlingsdenkmälern ist zunächst einmal in rein äußerlichen Faktoren begründet. Granitfindlinge standen in Norddeutschland allerorts zur Verfügung, die Eiszeit hatte sie aus Skandinavien mitgebracht. Das heißt, nach einem Findling musste nicht lange gesucht werden, der Transportaufwand war bei kleinen bis mittelgroßen Findlingen gering und meistens waren die Transportwege kurz. Zudem war es leicht möglich, die Findlinge mit nur wenig Bearbeitung in Denkmäler zu »verwandeln«: Bei den meisten Denkmälern wurde sich lediglich darauf beschränkt, die Vorderseite leicht zu glätten und eine Inschrift einzuhauen. Häufig umringte man den Findling mit kleineren Feldsteinen, die, real oder auch nur optisch, seinen Sockel bildeten. Alles in allem war die Errichtung eines Findlingsdenkmals finanziell gesehen eine sehr günstige Angelegenheit ...

Neben den pragmatischen »Vorzügen« bei der Entscheidung für ein Findlingsdenkmal gab es aber auch ideologische Gründe. Nach völkischer Lehre im 19. Jahrhundert wurden Findlinge als urgermanische Zeugnisse angesehen. Die so genannten »Hünengräber« aus prähistorischer Zeit wurden als germanische »Heldenhügel« gedeutet und ihnen wurde eine spezifische nationale Aura zugesprochen. Aus diesem Grund wurden sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Stiftern als besonders geeignet angesehen, identitätsstiftend zu wirken: eine geeinte deutsche Nation, die sich auf ihre germanischen Wurzeln besinnt ...

Auch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurden in Hamburg neuen Findlingsdenkmäler errichtet. Sie folgten in ihrer Bedeutung weiterhin der germanischen Tradition und zeugten von der nationalistischen Haltung der Stifter, für die der deutsche Geist im ersten Weltkrieg unzerstörbar war.

• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S. 45-47, S. 65-66

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Die Kollauer Chronik
Volkstrauertag
Für das Vaterland?

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Lokstedt

Bei der Lutherbuche, Ecke Grandweg

Das Kriegerdenkmal wurde 1923 nach Entwürfen des Wandsbeker Architekten Rudolf Reuße gebaut. Es wurde von der damals selbständigen Gemeinde Lokstedt in Auftrag gegeben. Hier wurde das Kriegerdenkmal nicht in eine vorhandene Anlage integriert, sondern die Anlage wurde um das Denkmal herum gestaltet. Das in expressionistischer Architektursprache gebaute, hoch aufragende achtstrahligen Klinkersäule auf dreistufigem sternförmigen Podest liegt eingebettet in eine kreisförmige Anlage mit Hecken, symmetrisch angelegten Wegen, Rasenflächen, vier Klinkerbänken und einem Kranz aus Blutahornbäumen, als Zeichen für das für das »Vaterland« vergossene Blut. Im unteren Bereich des Denkmals sind acht Bronzeplatten angebracht, eine davon mit Reliefs aus gekreuzten Fahnen, Eisernem Kreuz, Sternen und einem Strahlenkranz, die anderen mit den 170 Namen der getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs. Am 4. Mai 2004 wurde das Kriegerdenkmal mit dem gesamten Platz unter Denkmalschutz gestellt.


»Das Kriegerdenkmal (…) wurde bemerkenswert frei von konventionellen Vorbildern gestaltet. Kristall, Flamme oder Stern 
mit Kometenschweif sind die vagen Assoziationen, die sich angesichts des extravaganten Klinkeraufbaus einstellen, der sich
 auf seinem achtstrahligen Sternsockel gleichsam aufzufalten scheint. Diese expressive, aufsteigende Geste korrespondiert
 mit der Inschrift am sockelartigen Unterbau.«

• Ralf Lange: Architekturführer Hamburg, Stuttgart 1995, Seite 117

HH Lokstedt entfernt

               HH Lokstedt schmal


HH Lokstedt


Inschriften:
1914  1918

Den Gefallenen zum Gedächtnis
Den Lebenden ein Vermächtnis
Dem Vaterland der Schwur empor

1923 erbaut in Lokstedt


In der Parkanlage wachsen Blutahornbäume im Kreis, am umlaufenden Weg stehen vier gemauerte Sitzbänke mit dreieckigem Klinkerrückenteil im Stil des Denkmals.

HH Lokstedt Bank

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Die Geschichte

In Lokstedt hatte man sich bereits 1918 Gedanken über eine Gefallenenehrung gemacht. Den ursprünglichen Plan eines Gefallenenehrenhains hatte man bald fallen gelassen und ein Entwurf des Groß-Borsteler Bildhauers Albrecht war von der Bevölkerung abgelehnt worden. Deshalb wurde im März 1922 von allen Lokstedter Vereinen ein Ausschuss eingesetzt, der beschloss, »ein Denkmal in monumentaler Form ins Leben zu rufen.«

Die Gemeinde stellte das Grundstück des bereits 1902 abgebrannten Quast’schen Hofes an der Ecke Grandweg/Lutherstraße [Bei der Lutherbuche] zur Verfügung. Man sammelte Geld – u. a. mit einem Fußballturnier auf dem ehemaligen HSV-Sportplatz an der Rothenbaumchaussee/Turmweg – und schrieb einen künstlerischen Wettbewerb aus. 31 Entwürfe gingen ein, die anschließend ausgestellt wurden. Eine Abstimmung der Ausstellungsbesucher ergab eine Mehrheit »für den Entwurf ›Unser Schwur‹ des Wandbeker Architekten Reuße. Der Entwurf ›Bleib Deutsch‹ des Gartenarchitekten Jakob Ochs hatte den Vorteil der besseren Platzverteilung. Beide Architekten einigten sich schnell über die Verschmelzung ihrer beiden Entwürfe.«

Nachdem die Erdarbeiten Ende März 1923 von der Lokstedter Bevölkerung erledigt worden waren, mauerte der Architekt Reuße am 1. April 1923 den Grundstein ein. Auf einem dreistufigen sternförmigen Podest wurde sodann eine achtstrahlige Klinkersäule mit acht Bronzetafeln errichtet; auf sieben Tafeln sind die Namen von 172 Gefallenen verewigt. Auf der achten Tafel befindet sich folgende Inschrift:

»1914       1918
Den Gefallenen zum Gedächtnis
Den Lebenden ein Vermächtnis
Dem Vaterland der Schwur
Empor
1923 erbaut in Lokstedt«

Der Platz ist mit Blutahornbäumen umpflanzt worden.

Die Denkmalsenthüllung fand am 11. Mai 1924 unter Beteiligung nahezu der gesamten Bevölkerung Lokstedts statt. Zunächst sprach Johannes Benöhr, der Vorsitzende des Ausschusses für die Gefallenenehrung (seit 25. März 1925 auch 1. Vorsitzender des Bürgervereins zu Lokstedt von 1888), Pastor Otte hielt die Weiherede und als letzter sprach Thomas Schütz, der Schatzmeister des Denkmalausschusses. Zum Abschluss überflog der Luftfahrtpionier Paul Bäumer den Platz und warf »einen prächtigen Kranz mit meterlanger Schleife« ab, der punktgenau auf der Plattform des Ehrenmals landete. Die Gesamtkosten für das Denkmal betrugen 9 946 Goldmark, allein für die acht Bronzetafeln wurden 389 871 929 000 Papiermark ausgegeben. (Seite 116)

... die Größe eines Denkmals und die Form einer Säule (die eigentlich nur als Siegessäule gebräuchlich war) deuten auf Trotz und Revanchismus (»Sieg in der Zukunft«) hin. ... (Seite 113)

• Wir danken Jürgen Franz für den Auszug aus seinem Buch: »Lokstedt – Niendorf – Schnelsen / Die holsteinisch-deutsche Geschichte und der Erste Weltkrieg«, herausgegeben vom Forum Kollau. Die Zitate und Fotos stammen aus »Der Kollauer Chronik« II. Band aus dem Jahr 1929 von Dr. Adolph Hansen und Rudolf Sottorf.

HH Lokstedt Grundstein web

Grundsteinlegung in Lokstedt. Am 1. April 1923 (Ostersonntag) mauerte der Wandsbeker Architekt Rudolf Reuße den Grundstein mit den Worten:
»Ich nehme Dich, Stein, ich lege Dich als den 1. Stein in den Bau hinein. Du sollst Grundstein sein, um mit Dir im Verein soll das ganze Gestein unvergänglich sein, soll lange Jahrhunderte währen, den Lokstedter Helden zu Ehren.«

HH Lokstedt Einweihung web

● Die Einweihung am 11. Mai 1924.

HH Lokstedt Flieger web

● Paul Wilhelm Bäumer wirft einen Kranz mit meterlanger Schleife ab. Er war mit 43 Luftsiegen einer der »erfolgreichsten« Jagdflieger im 1. Weltkrieg. Nach dem Krieg stürzte er 1927 beim Einfliegen eines neuen Flugzeugtyps zwei Kilometer vor Öresund ins Meer. Er starb mit 31 Jahren.

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Die Kollauer Chronik

von Dr. Adolph Hansen und Rudolf Sottorf
Erschienen Weihnachten 1929

II. Band, Seite 129 - 132

 

Chronik II, S. 129 - 132

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Volkstrauertag

Gedenken in den 80er Jahren mit Bundeswehr und Kriegervereinen.

HH Lokstedt 1980er Jahre web

HH Lokstedt Schoe2 web

Auch Mitglieder der Friedensinitiative Lokstedt legen ein Gebinde nieder. Eine der Frauen sieht das Denkmal als Ort der Trauer um Ihren »gefallenen« Verlobten an. Die FI versucht aber sich von den anderen Akteuren zu distanzieren.
   

HH Lokstedt Schoe3 web

Wir danken Walter Schönfeld von der Friedensinitiative Lokstedt für die Fotos und die Geschichte.

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Für das Vaterland?

»Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das ›Vaterland‹. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das ›deutsche Vaterland‹, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das ›deutsche Vaterland‹ stellt höchsten Wert dar. Dass dieses ›Vaterland‹ aus dem Streben nach politischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet. Nach der Niederlage, die im Nachhinein durch die so genannte ›Dolchstoßlegende‹ von vielen Deutschen bereitwillig uminterpretiert wurde, und dem Versailler Vertrag entwickelte sich zu Beginn der 1920er Jahre in vielen Köpfen eine Trotz-Haltung, ein ›Jetzt erst recht‹-Gedanke, der Kritik an der deutschen Kriegspolitik nicht zuließ.

Die ›Dolchstoßlegende‹ ist eine Verschwörungstheorie der damaligen politisch Rechten, die 1919 von Feldmarschall Paul von Hindenburg, der unfähig war, sich das eigene Versagen bei der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg einzugestehen, zusätzlich genährt wurde. Sie besagt, dass das deutsche Heer ›im Felde unbesiegt‹ war, aber die Heimat ihm durch die Agitationen der politischen Linken und die Revolution 1918 in den Rücken gefallen sei. Diese Theorie entbehrt jeder berechtigten historischen Grundlage, sie stieß jedoch bei vielen Deutschen auf offene Ohren und trug schließlich auch mit zum Scheitern der Weimarer Republik bei. (Vgl. Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte. Bonn 2002, S. 239).

Die revanchistische Haltung der Stifter drückt sich auf dem Denkmal in Lokstedt besonders drastisch aus. Dort wird das Zitat des Berliner Kreuzbergdenkmals folgendermaßen umgewandelt: ›Den Gefallenen zum Gedächtnis / Den Lebenden ein Vermächtnis / Dem Vaterland der Schwur / Empor‹.«

• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Seite 94-95

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I N H A L T
Das Denkmal Turnverein Lokstedt von 1892
Das Denkmal Fußballclub Eintracht Lokstedt von 1908
Die Anlage ca. 1930
»Denkt an Versailles«
Das Denkmal mit dem Schwert
Die Skagerrak-Schlacht

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Lokstedt

Die Denkmäler der Sportvereine an der Döhrntwiete

Der Turnverein Lokstedt von 1892 hat vor dem Vereinshaus ein Kriegerdenkmal erbaut. Es ist 14 toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet, die »Turnbrüder« waren. In einen hohen Findling auf einem aus behauenen Natursteinen gemauerten wuchtigen Sockel ist die Widmungstafel aus Bronze eingelassen.

HH Lokstedt Turn1 gesamt web


Sie hat einen Schmuckrand im Stil eines Bilderrahmens, mit Halbreliefs aus Eichenblättern und Bändern. Zwischen den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs steht ein stilisiertes Kreuz, darunter die Widmungsinschrift:

Zur Erinnerung an unsere gefallenen Turnbrüder
T. V. L. v. 1892

Es folgen die 14 Namen.

HH Lokstedt Turn1 Tafel web


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das zweite Denkmal

Daneben befindet sich das Gelände des Fußballclubs Eintracht Lokstedt von 1908.

Die meisten der folgenden Informationen haben wir dem Buch von Jürgen Frantz »Lokstedt - Niendorf - Schnelsen. Die holsteinisch-deutsche Geschichte und der Erste Weltkrieg«, Edition Forum Kollau, entnommen:

35 Vereinsmitglieder sind als Soldaten im 1. Weltkrieg ums Leben gekommen. In der Festschrift zum 50-jährigen Vereinsjubiläum werden 25 Namen von toten Soldaten genannt. Auf der Skagerrak-Kampfbahn wurde ein Kriegerdenkmal in Form eines großen aufgerichteten Schwertes auf dreistufigem Postament aus Stein errichtet. Das Denkmal steht heute nicht mehr [siehe das historische Foto weiter unten]. Zur gleichen Zeit wurde direkt an der Döhrntwiete auf dem Vereinsgelände eine Anlage »Denkt an Versailles« errichtet. Dieses Denkmal sollte an die durch den Friedensvertrag von Versailles verlorenen ehemals deutschen Provinzen erinnern. Es bestand aus gemauerten Ziegelsteinsockeln auf denen Findlinge plaziert waren. Die größere Mittelsäule war demnach rechts und links umringt von mehreren kleineren Säulen, alle waren symbolträchtig mit einer langen Eisenkette umschlungen und verbunden. In der Mitte des Runds lag ein Kissenstein mit einem großen Eisernen Kreuz. Diese Anlage ist wahrscheinlich von vaterländischen Vereinen gestiftet worden.

Zitat von Volker Bulla bei einer Führung durch Lokstedt: »Vor dem 2. Weltkrieg wurde das Denkmal sicherlich auch für nationalistische Feiern am Rande der Skagerrak-Kampfbahn, wie die Sportfläche früher hieß, genutzt. Nach dem 2. Weltkrieg nahmen Altmetalldiebe alle Metalle mit.«

Umstanden war und ist die ganze Anlage von einer Buchenhecke.

HH Lokstedt Turn2 gesamt web


Die Hecke wird auch heute noch gepflegt, die Anlage selbst ist völlig verwahrlost, mit Brombeerranken überwuchert.

HH Lokstedt Turn2 Eingang web

HH Lokstedt Turn2 Stein2 web

HH Lokstedt Turn2 Stein1 web

HH Lokstedt Turn2 Stein3 web

HH Lokstedt Turn2 Eisernes Kreuz web


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die Anlage ca. 1930

HH Lokstedt Denkt an Versailles 1930 web

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»Denkt an Versailles«

Der Friedensvertrag von Versailles wurde bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 im Schloss von Versailles von den Mächten der Triple Entente und ihren Verbündeten bis Mai 1919 ausgehandelt.

Die deutsche Delegation durfte an den Verhandlungen nicht teilnehmen, sondern konnte erst am Schluss durch schriftliche Eingaben wenige Nachbesserungen des Vertragsinhalts erwirken. Der Vertrag konstatierte die alleinige Verantwortung Deutschlands und seiner Verbündeten für den Ausbruch des Weltkriegs und verpflichtete es zu Gebietsabtretungen, Abrüstung und Reparationszahlungen an die Siegermächte. Nach ultimativer Aufforderung unterzeichnete Deutschland am 28. Juni 1919 den Vertrag. Wegen seiner hart erscheinenden Bedingungen und der Art seines Zustandekommens wurde der Vertrag von der Mehrheit der Deutschen als illegitim und demütigend empfunden.

Die Unterschriften durch Hermann Müller und Johannes Bell, die durch die Weimarer Nationalversammlung 1919 in ihre Ämter gelangt waren, nährten die vor allem durch Paul von Hindenburg und Ludendorff sowie später von Adolf Hitler propagierte Dolchstoßlegende.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 13. Juni 2017

Lesen Sie mehr bei: wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles

 

Die Dolchstoßlegende war eine von der deutschen Obersten Heeresleitung in die Welt gesetzte Verschwörungstheorie, die die Schuld an der von ihr verantworteten militärischen Niederlage des Deutschen Reiches im 1. Weltkrieg vor allem auf die Sozialdemokratie und andere demokratische Politiker abwälzen sollte. Sie besagte, das deutsche Heer sei im Weltkrieg »im Felde unbesiegt« geblieben und habe erst durch oppositionelle »vaterlandslose« Zivilisten aus der Heimat einen »Dolchstoß von hinten« erhalten. Antisemiten verknüpften »innere« und »äußere Reichsfeinde« dabei zusätzlich mit dem Trugbild vom »internationalen Judentum«.

Sie gilt in der Zeitgeschichte als bewusst konstruierte Geschichtsfälschung und Rechtfertigungsideologie der militärischen und nationalkonservativen Eliten des Kaiserreichs. Sie lieferte dem Nationalsozialismus wesentliche Argumente und begünstigte seinen Aufstieg entscheidend.

Nach Wikipedia, abgerufen am 13. Juni 2017

Lesen Sie mehr bei: wikipedia.org/wiki/Dolchstoßlegende

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Das Denkmal mit dem schwert

Auch von dem heute nicht mehr vorhandenen Kriegerdenkmal, ebenfalls am Rand der Skagerrak-Kampfbahn gelegen, gibt es eine historische Fotografie.

Das aufgerichtete Schwert ist ein deutlich kriegerisches Symbol auf Denkmälern, es signalisiert Kampfbereitschaft. In der Ikonographie des Militärs gilt das aufrecht stehende Schwert als Zeichen des Wehrwillens. Zitat aus der Urkunde, die im Grundstein des Kriegerdenkmals am Pinneberger Bahnhof eingelassen worden ist: »Das Ehrenmal wird an der Vorderseite ein aufrechtes Schwert tragen. Hiermit soll die Mannhaftigkeit und der Wehrwille des deutschen Mannes vor aller Welt bekundet werden.« Es gibt auch Kriegerdenkmäler mit gesenktem Schwert als Zeichen der Aufgabe z.B. in Lübstorf/Mecklenburg-Vorpommern oder mit abgebrochenem Schwert als Zeichen der Niederlage z.B. in Thürk/Schleswig-Holstein.

HH Lokstedt skagerrak kampfbahn 1930 web


Wir danken Hans-Jürgen Storr, der diese Fotografien aus dem Nachlass seines Vaters aufbewahrt hat, dafür dass wir sie hier zeigen dürfen und Joerg Kilian für die Dateien.

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Die Skagerrak-Schlacht

Die Skagerrak-Schlacht vom 31. Mai 1916 bis zum 1. Juni 1916 in den Gewässern vor Jütland gilt als die größte Seeschlacht der Geschichte, an der 112 deutsche und 150 britische Schiffe beteiligt waren. Trotz der Übermacht der »Home Fleet« waren die Verluste auf britischer Seite erheblich größer als auf deutscher.

Die Deutschen feierten den Ausgang der Schlacht als taktischen Sieg und 2 551 ertrunkene deutsche Seemänner als »Helden«. Für die Reichsmarine war es »der größte Ruhmestag ihrer Geschichte«, der fortan alljährlich gefeiert wurde. Dieser »Ruhmestag« änderte natürlich nichts an der Übermacht der britischen Flotte und dem Kriegsverlauf.

Für die damalige Zeit bezeichnend wurde die Gedenkkultur für propagandistische Zwecke instrumentalisiert, den Menschen im nationalsozialistischen Deutschland wurde bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem »Vaterland« abverlangt.

Der Soldatentod sollte als heldenhafte Aufopferung erscheinen und der wahre Grund für das tausendfache Sterben verschleiert werden.

Bis mindestens 2010 benutzte der Fußballclub Eintracht Lokstedt von 1908 noch den Namen »Skagerrak-Kampfbahn« für seinen Sportplatz:


HH Lokstedt Skagerrak Kampfbahn

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Marmstorf

Gegenüber der alten Schule am Lüraderweg

Bilder + Text folgen

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Renovierung
Die Geschichte
Historische Postkarten

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Meiendorf

Am Deepenhornteich

Der oben spitz zulaufende Findling mit polierter Marmortafel steht auf einem gemauerten Sockel. Er ist umgeben von acht höheren gemauerten Pfeilern, die einen Kreis aus Granitbalken stützen. Das Kriegerdenkmal steht auf einem Hügel im Park am Teich. Es wurde nach einem Entwurf von Karl-Heinz Bouschka, Architekt und Baumeister aus Radebeul bei Dresden, errichtet und am Sonntag, den 20. August 1933 eingeweiht. 1963 wurde es restauriert, die ursprüngliche Kupfertafel mit der Inschrift:

Treue um Treue – Unseren Helden die dankbare Heimat Meiendorf 1914 - 1918

wurde ersetzt durch eine neue Tafel ebenfalls aus Kupfer mit der Inschrift:

Ehret die Toten des ersten und zweiten Weltkrieges.

Vor 1949 hing an jeder der acht Säulen eine Tafel mit Namen der getöteten Soldaten, alle wurden gestohlen und sind nicht ersetzt worden.

»... der Aufbau eines Denkmals in Meiendorf von 1933, nur handelt es sich um keine Skulptur, sondern einen Findling, um den ein Steinkreis auf acht Pfeilern errichtet wurde. Auch hier wird durch den Steinkreis ein Sakralraum erzeugt, der den bereits in germanischer Tradition gesehenen Findling in der Mitte zusätzlich gewissermaßen germanisch mystifiziert. Das Denkmal wirkt wie eine heidnisch-germanische Kultstätte.«

• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Seite 72


HH Meiendorf

Foto: Kerstin Klingel

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Die Renovierung


HH Meiendorf Ajepbah wikimedia commons

Foto: Ajepbah_wikimedia commons

● Das erste Foto ist schon einige Jahre alt. Im September 2013 war die Denkmalsanlage dann runderneuert.

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Die Geschichte

HH Meiendorf 2008 web
● 2008

           HH Meiendorf 1963 web

           ● 1963: Ein letztes Foto der umkränzten alten Tafel

HH Meiendorf 1939 web

● 1939

HH Meiendorf alt2 web

● Umgeben vom Deepenhornteich? Eine Überschwemmung?

Alle historischen Fotos und die Postkarten hat uns der Bürgerverein Rahlstedt zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank an Herrn Horst Schwarz!

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Historische Postkarten

HH Meiendorf alt web

HH Meiendorf 1933 web

● Diese Karte ist aus dem Jahr 1933

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I N H A L T
Das Denkmal
Die wechselvolle Geschichte
Der Wettbewerb
»Lebenszeichen aus dem Schützengraben«
Der aufsteigende Adler
Die Tommies sind da
Die Rekonstruktion des Reliefs
Historische Postkarte
Das Kaufhaus der Gebr. Hirschfeld
Der Bildhauer Ernst Barlach
Oberbaudirektor Fritz Schumacher
Das Kaiser Wilhelm Denkmal

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Mitte

Rathausmarkt, an der kleinen Alster

Die 21 Meter hohe Muschelkalkstele ist ein Entwurf des Architekten Klaus Hoffmann. Das 7 1/2 Meter hohe Relief einer schwangeren Frau mit einem größeren Kind in den Armen hat der Bildhauer Ernst Barlach geschaffen. Auftraggeber war der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg. Barlachs Entwurf wurde schon vor der Einweihung öffentlich so stark und kontrovers diskutiert, dass der Erste Bürgermeister Rudolf Ross (SPD) sie in den frühen Morgenstunden des 2. August 1931 auf einem fast menschenleeren Platz durchführte, in der Nacht hatten Zimmerleute eilig die Holzverschalung entfernt.

Die Inschrift der Stele lautet:
Vierzigtausend Söhne der Stadt liessen ihr Leben für euch
1914–1918

HH Mitte Relief web

                     HH Mitte Inschrift web

Die eindeutige Aussage des Reliefs wird durch die Inschrift wieder zurückgenommen. Die Wendung »... für euch« ist der Versuch einer Legitimation des Kriegstods. Die Diskrepanz erklärt sich aus den damaligen politischen Kräfteverhältnissen.

                      HH Mitte Stele web

                      © alle drei Fotos: http://win2014.de

»Um das Gedächtnis an den Großen Weltkrieg festzuhalten und der Opfer ehrend zu gedenken, die er von Hamburg gefordert hat, soll ein schlichtes Gedenkmal im Herzen der Stadt errichtet werden«, so stand es in den Wettbewerbsbedingungen von 1929.

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Die wechselvolle Geschichte

»In Hamburg wurde nach dem Ersten Weltkrieg über Jahre hinweg eine ›Heldengedächtnishalle‹ auf dem Ohlsdorfer Friedhof geplant. Als die Kosten für dieses Projekt mit mehr als zweieinhalb Millionen Reichsmark veranschlagt wurden, äußerten Friedensverbände und Kriegsopferorganisationen ihren Protest beim sozialdemokratischen Senat und dieser beschloss stattdessen die Gründung einer Stiftung zur Unterstützung von Kriegsbeschädigten und die Errichtung eines schlichten Denkmals.« schreibt Kerstin Klingel. So geht es weiter in ihrem Buch »Eichenkranz und Dornenkrone«:

 

Kerstin Klingel, Geschichte

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Der Wettbewerb 

Hier ein Beilage der DBZ, der Deutschen Bauzeitung, vom Juni 1930: »Wettbewerbe für Baukunst und Schwesterkünste«. Darin beschreibt der langjährige Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher den Wettbewerb um das »Kriegs-Gedenkmal« in Hamburg.

 

DBZ, Juni 1930

 

Unheroisch sollte das Denkmal sein, das hatte der damalige sozialliberale Senat beschlossen, das Leid und die Trauer der Hinterbliebenen zum Ausdruck bringen. Damit sollte auch politisch ein Zeichen gesetzt werden. Den Verlauf des Wettbewebs hat Volker Plagemann in seinem Buch »Vaterstadt, Vaterland ...« beschrieben:

 

Volker Plagemann

Doch die Reaktion blieb nicht aus. Am 31. Mai 1931 beantragte die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei in der Bürgerschaft, das Denkmal nicht aufzustellen. Ihr Abgeordneter Joseph Hoffmann erklärte: »Wenn das Barlach-Werk erst fertig ist, dann werden sie es ablehnen, wie ich es ablehne und der Stahlhelm und die vaterländischen Verbände.« Die Senatskoalition lehnte den Antrag ab. Zum Jahrestag des Kriegsausbruchs 1914 sollte das Mahnmal enthüllt werden. Doch die politische Lage spitzte sich auch in Hamburg dramatisch zu, politisch motivierte Bluttaten zeigten die Radikalisierung des gesellschaftlichen Klimas, die die Folgen der Weltwirtschaftskrise hervorgerufen hatten. Hamburg stand vor dem Bankrott. Die schnelle unangekündigte Einweihung am 2. August in aller Frühe sollte den Rechtsparteien keinen Vorwand für öffentliche Proteste liefern.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden Stimmen laut, die den Abriß des Denkmals forderten oder zumindest die Entfernung der figürlichen Darstellung verlangten. Noch 1933 holte man ein »juristisches Gutachten« ein, dessen Verfasser Regierungsrat Dr. Struwe für eine Beseitigung eintrat, »weil Relief und Ehrenmal kein einheitliches Kunstwerk sind«. Doch erst am 24.8.1937 wurde die Baubehörde von Senator Ahrens um Vorschläge ersucht, »das Barlach’sche Relief auf dem Adolf Hitler Platz gegebenenfalls durch Symbole des Krieges (Eiserne Kreuze o.ä.) zu überdecken«. 1939, ein Jahr nach dem Tod Ernst Barlachs, erhielt, nach vielen ergebnislosen Entwürfen und einem ebensolchen Wettbewerb, Hans Martin Ruwoldt den Auftrag einen aufsteigenden Adler für das Denkmal zu entwerfen.

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»Lebenszeichen aus dem Schützengraben«

Auch diese sehr lesenswerte Website hat der Stele am Rathausmarkt einen Beitrag gewidmet:

win2014.de

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Der aufsteigende Adler

Hans Martin Ruwoldt, geboren 15.2.1891 in Brunsbüttelkoog, gestorben 16.10.1969 in Hamburg, wurde von seiner kinderlosen Tante in Wismar aufgezogen. 1906 bis 1909 absolvierte er eine Bildhauerlehre in Rostock, 1911 bis 1914 studierte er an der Kunstgewerbeschule Hamburg in der Bildhauerklasse von Richard Luksch. Er nahm als Soldat am 1. Weltkrieg teil und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Um 1928 schloss sich Ruwoldt der Hamburgischen Sezession an. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er bis 1936 einer der Leiter des Bereichs Bildhauerei an der Reichskammer der bildenden Künste. Von 1926 bis 1933 war es vor allem der hamburgische Oberbaudirektor Fritz Schumacher, der Ruwoldt mit Aufträgen förderte. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten einige seiner Werke, doch er erhielt dann auch wieder Aufträge: sein Urmotiv, der Panther, ließ sich einer Kunstauffassung, die Kampfgeist und Aggression widerspiegeln sollte, anpassen. In seiner schwierigen finanziellen Lage nahm er immer wieder Aufträge der neuen Machthaber an, so fertigte er 1938 – beauftragt vom Gauleiter Hamburgs, Karl Kaufmann – für die Stele am Rathausmarkt »einen adlerartigen aus der Asche aufsteigenden Phönix« als Ersatz für das Relief von Ernst Barlach, das eine trauernde Mutter und ihr Kind darstellte. Den Machthabern missfiel Barlachs Darstellung des Gedenkens für getötete Soldaten, es würde »von weitesten Kreisen der Bevölkerung als unerfreulich, ja verletzend empfunden«, wie es in einer Pressemeldung hieß. Der aufsteigende Adler wurde am 9. November 1939, dem »Gedenktag für die Opfer der Bewegung« enthüllt. Das Hamburger Fremdenblatt kommentierte: »Ein auffliegender Adler ist Sinnbild des Wortes, das allen toten Helden gewidmet ist: Und ihr habt doch gesiegt!«. Ernst Barlach erlebte die Zerstörung seines Reliefs nicht mehr, er war 1938 gestorben.

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»... das Relief eines aufsteigenden Adlers, der jedoch bis auf die Krallen nicht als solcher zu erkennen war, der Kopf erinnert mit seinem kurzen Schnabel vielmehr an den einer Taube....« schreibt Kerstin Klingel in ihrem Buch »Eichenkranz und Dornenkrone«. Lesen Sie hier ihre Einschätzung:

 

Kerstin Klingel, Adler

Hans Martin Ruwoldt lehrte ab 1955 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Kurz vor seinem Tod spendete er einen großen Teil seiner Werke an das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

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Die Tommies sind da

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© Imperial War Museum/Wikimedia Commons

4. Mai 1945: Die Britische Armee in Hamburg

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Die Rekonstruktion des Reliefs

Um 1949 beschloß der Senat das Relief von Barlach rekonstruieren zu lassen. Die Alliierten stellten 1946 fest, dass es seit 1914 Kriegerdenkmäler gegeben hatte, die darauf abzielten, »die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu halten« oder »den Militarismus wachzurufen«. Sie ordneten an, diese zu beseitigen. Eventuell angeregt durch diese Direktive, stellte der Beschluß des neuen Senats aber auch ein Bekenntnis zur Tradition derer dar, die 1930 das Denkmal erichtet hatten. Das Relief wurde 1949 durch den Steinmetz Friedrich Busch rekonstruiert, das war mit Hilfe eines Abgusses von einem Werkmodell Barlachs möglich.

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               • Friedrich Busch rekonstruiert das Relief von Barlach

Kultursenator Hartenfels beantragte, Bürgermeister Brauer möge das Relief enthüllen. Der liess durch Senatssyndikus Kurt Sieveking erwidern:

»Herr Bürgermeister Brauer hat sich dahin entschieden, dass eine besondere Feier anlässlich der Wiederherstellung des Barlach-Reliefs am Ehrenmal nicht stattfinden soll. Vielmehr ist in Aussicht genommen, dass die Hülle des Denkmals in der Nacht vor dem Totensonntag entfernt wird, so dass es am Totensonntag wieder in alter Form erscheint. Dann werden als erste die beiden Bürgermeister, die jedes Jahr am Totensonntag die Gedenkstätten der Toten der beiden Kriege besuchen, auch am Ehrenmal einen Kranz der Stadt niederlegen.«


Die Stele ist seitdem das offizielle Gefallenendenkmal der Stadt für die Toten beider Weltkriege.

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Historische Postkarte

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• Das Denkmal am unteren rechten Rand des »Adolf Hitler Platzes«

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Das Kaufhaus der Gebr. Hirschfeld

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• Hinter dem Denkmal sieht man das Damenbekleidungskaufhaus der jüdischen Gebrüder Hirschfeld. Lesen Sie hier mehr:   

 

Gebr. Hirschfeld   

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Der Bildhauer Ernst Barlach

Bereits Barlachs frühe Arbeiten setzen sich mit dem Menschen, seinen Lebensbedingungen und seinen Haltungen zum Leben auseinander. Besonders beschäftigte er sich nach seiner Einberufung 1915 zum Landsturm mit dem Erlebnis »Krieg«. Lesen Sie mehr:

Ernst Barlach

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Oberbaudirektor Fritz Schumacher

In seinen Erinnerungen und Betrachtungen hat Fritz Schumacher kurz vor seinem Tod geschildert, welche Schwierigkeiten es bei der Entstehung des Denkmals am Hamburger Rathaus gab.

Der folgende Link führt zum Text aus dem Buch: Fritz Schumacher, Selbstgespräche, Erinnerungen und Betrachtungen, im Axel Springer Verlag Hamburg, 1949, S.202ff.

win2014.de

Kurzbiografie von Fritz Schumacher

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Das alte Kaiser Wilhelm Denkmal

Das Reiterdenkmal mit Figurengruppe wurde von Johannes Schilling entworfen und am 20. Juni 1903 in Anwesenheit des Enkels Kaiser Wilhelm II. auf dem Rathausmarkt enthüllt. 1930 in die Neustadt versetzt, besteht es seit 1997 in der heutigen Gruppierung im Park Planten un Blomen. Das Denkmal stellte den Kaiser bewusst in würdig empfundener, schlichter Uniform dar. Nicht der preußische Militarismus, sondern die sozialen, ökonomischen und juristischen Errungenschaften nach der Gründung des Deutschen Reiches und Hamburgs Anteil daran, sollten im Vordergrund stehen.

1929/1930 wurde das Denkmal, das schon während der Novemberrevolution 1918 sowie 1922 beschädigt worden war und in der nun demokratischen Weimarer Republik auch von politischer Seite kritisiert wurde, entfernt. Anlass war die aus verkehrstechnischen Gründen erfolgte Umgestaltung des Rathausmarktes 1930/1931 unter Oberbaudirektor Fritz Schumacher, der das Denkmal schon vor dem Ersten Weltkrieg entfernen wollte um die Platzgestaltung wieder an das ursprünglich geplante Raumgefüge (dem Markusplatz nachempfunden) anzunähern. Das Reiterstandbild, die allegorischen Gruppen, ein Teil der Balustraden und zwei Laternenmasten wurden vor dem Ziviljustizgebäude neu aufgestellt. Die nicht mehr verwendeten Teile, wie die Reliefs und Aufsätze der Balustraden, gelten heute als verschollen. Die Flaggenmasten verblieben – näher zum Rathaus gerückt – am alten Ort.

Zudem befinden sich ein erhaltener Lichtmast auf dem St. Anscharplatz und die beiden seitlichen Sockelreliefs des Standbildes in den Schaufenstern des Geschäftes »Thomas I Punkt« am Gänsemarkt und der Rückseite des Hulbe-Hauses. Das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Denkmal wurde 1961 wegen der bevorstehenden Umgestaltung der Wallanlagen für die IGA 1963 aufgelöst und das Reiterstandbild auf einem Betonsockel in der Parkanlage erneut umgestellt.

nach Wikipedia, abgerufen am 20. Juni 2014

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• Die Enthüllung des Kaiser Wilhelm Denkmals am 20. Juni 1903

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I N H A L T
Das Denkmal zum 1. Weltkrieg und seine Geschichte
Der Sandsteinquader zum 2. Weltkrieg
Die Sturmflut 1962
Der Findling zu den Deutschen Freiheitskriegen 1813
Die Freiheitskriege
Der Kampf um die Moorburger Schanze
Die Kirche St. Maria-Magdalena
Der Bildhauer Richard Kuöhl
Moorburg – Hafenerweiterungsgebiet

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Moorburg

Auf dem Friedhof der Kirche St. Maria-Magdalena

Die Denkmalsanlage besteht aus drei Teilen, auf dem Foto von links nach rechts zu sehen: ein Findling zu den Deutschen Freiheitskriegen 1813, ein Monument aus zwei Sandsteinplatten und halbhoher Klinkermauer zum 1. Weltkrieg und ein Sandsteinquader in einer langen Klinkermauer über Eck zum 2. Weltkrieg.

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Dahinter sieht man übrigens den Doppelturm des Kohlekraftwerks Moorburg, siehe Informationen weiter unten.

 

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Die Sandsteinplatten haben oben je eine überkragende Abschlussplatte, darauf zur Mitte die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs. Auf den Flächen stehen die insgesamt 73 Namen der getöteten Soldaten, darüber je ein Eisernes Kreuz im Kreis. An der halbhohen Klinkermauer ist der Kranzhalter angebracht. Erstaunlich: keine kriegsverherrlichende Inschrift, keine ehrende Bezeichnung für die toten Soldaten. Bei unseren Recherchen entdecken wir den Grund: Die beiden Namensplatten sind nur ein Fragment des Denkmals, das 1926 in Moorburg errichtet worden ist.

 

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Auf dem Foto sieht man den jetzt fehlenden mittleren Teil. Darauf ist ein Soldat im Relief abgebildet, der weit ausholt, um die Handgranate in der rechten Faust zu werfen. Das Denkmal wurde geschaffen vom Hamburger Bildhauer Richard Kuöhl, der u.a. bekannt ist durch sein martialisches Denkmal der marschierenden Soldaten am Dammtorbahnhof.

»Eine Treppe am Deich, der Kirchenstegel gegenüber, von der Hand des Hamburger Künstlers Kuöl ausgeführt, soll der Nachwelt Zeugnis ablegen von dem Heldentode der Söhne unserer Heimat auf französischen, russischen, serbischen, rumänischen und türkischen Schlachtfeldern. Die große der Straße zugewandte Fläche, zeigt einen Krieger, der fast widerwillig die Handgranate schleudert, ein Symbol dessen, daß wir Deutsche diesen Krieg nicht gewollt haben, daß er uns von unsern Gegnern aufgezwungen wurde, daß wir ihn notgedrungen führen mußten in heiliger Notwehr.«

• Quelle und Datum unbekannt, zitiert von der Website >www.hamburg-moorburg.de von Harald Meyer, von dem auch alle historischen Fotos von Moorburg stammen. Vielen herzlichen Dank, lieber Herr Meyer, für diese gute Website.

 

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Hier in der Bildmitte kann man die hellen Steinplatten des Denkmals erkennen. Als es auf den Friedhof versetzt werden sollte, entfernte man kurzerhand die mittlere Platte und ließ sie am Deich liegen. Nur die Namensplatten zogen auf den Friedhof und wurden dem neugeschaffenen Denkmal zum 2. Weltkrieg, das ein Sandsteinquader ist, im Stil durch die beigeordnete Halbklinkermauer angeglichen. Da die Einweihung des Sandsteinquaders zum 2. Weltkrieg am 13. November 1960 erfolgte, ist zu vermuten, dass in dieser Zeit auch der Umzug der Namensplatten stattfand und dass seitdem der Kuöhl-Soldat am Deich liegt.

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Der Sandsteinquader zum 2. Weltkrieg

Das Denkmal wurde entworfen und ausgeführt von den Architekten Sandmann und Grundmann. Dieses Architekturbüro hat in dieser Zeit viele Kirchenneubauten in Hamburg verantwortet, z.B. die Blankeneser Kirche am Markt, die Vicelinkirche in Sasel, die »Kirche zum guten Hirten« in Langenfelde.
Eingeweiht wurde das Denkmal am 13. November 1960.

 

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Auf der großen Fläche stehen die 150 Namen der Toten und Vermissten, davon sind 19 Frauen. Die Namen sind nach Jahren geordnet. Für das erste Kriegsjahr 1939 gibt es keinen Eintrag, dann steigern sich die Opferzahlen stetig.

 

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Von der Seite sieht man, wie die Klinkermauer mit den Kranzhaltern durch den Quader geführt wird. Davor ist eine leicht erhöhte Fläche in Mauerbreite gepflastert worden.

 

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Unter dem Quader, als Verbindung zum Boden, eine Platte mit der Inschrift:

Sie sanken dahin ihr Geist aber lebt
ein ewiger Mahner uns zur Pflicht

Darunter im Relief: Alpha, das Christusmonogramm Chi Rho und Omega. Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets, sind ein Symbol für Anfang und Ende, damit für das Umfassende, für Gott und insbesondere für Christus als den Ersten und Letzten. Alpha und Omega tauchen häufig – wie auch hier – als Begleitmotiv zum Christusmonogramm auf.

Auf einigen nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Denkmälern wurden unspezifische Mahnungen formuliert, bei denen sich zwangsläufig die Frage stellen muss: Mahnung wozu? Ein Beispiel dafür stellt das Denkmal in Rahlstedt dar, die Feuerschale auf gedrehter Säule, die die Inschrift trägt: »Wir mahnen die Welt.« Ein anderes Beispiel ist die Inschrift auf einem Sandsteinmonument auf dem Moorburger Friedhof, wo es heißt: »Sie sanken dahin/ Ihr Geist aber lebt/ Ein ewiger Mahner uns zur Pflicht.« Welche Pflicht damit gemeint sein könnte, wird offen gelassen, es könnte auch die militärische Pflicht sein. Hier gibt nur das Christusmonogramm auf dem Denkmal den Hinweis, dass die christliche Pflicht zur Nächstenliebe gemeint sein wird.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

 

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Die Sturmflut 1962

An dem kleineren Stück Mauer, das im rechten Winkel angesetzt wurde, ist eine Gedenktafel für die Opfer der Sturmflut vom 16. – 17. Februar 1962 angebracht. Es werden 11 Namen von Männern und Frauen genannt.

Darunter ein Bibelvers des Neuen Testaments aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther (1.Korinther 15,26)

Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod

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1962 kam es zu einer Flutkatastrophe an der deutschen Nordseeküste. An den Unterläufen von Elbe und Weser sowie ihren damals noch ungesicherten Nebenflüssen wurden hohe, vorher nicht beobachtete Wasserstände erreicht. Vor allem an den seit der Flutkatastrophe von 1953 noch nicht erhöhten Deichen in diesen Flussgebieten kam es zu schweren Schäden und zahllosen Deichbrüchen. Insgesamt waren 340 Tote zu beklagen.

Außergewöhnlich schwer betroffen war das Unterelbegebiet mit der Hansestadt Hamburg, wo vor allem der Stadtteil Wilhelmsburg durch Deichbrüche in Mitleidenschaft gezogen wurde; dort starben die meisten der in Hamburg insgesamt zu beklagenden 315 Todesopfer. Ursächlich für das Ausmaß der Katastrophe in Hamburg waren gravierende städtebauliche und verwaltungsorganisatorische Mängel sowie technisch unzureichende und sich teilweise in einem schlechten Pflegezustand befindliche Deiche und andere Hochwasserschutzeinrichtungen.

Die Sturmflut vom 16./17. Februar 1962 fand in einer Zeit statt, in der die moderne Informationstechnologie wie auch die Methodik der Wasserstands- und Wettervorhersage in den Kinderschuhen steckte. Es gab keine Wettersatelliten, die für die Wasserstands- und Wettervorhersage zuständigen Stellen arbeiteten auf nationaler Ebene, eine internationale Vernetzung war nur rudimentär vorhanden. Insbesondere auf See fand die kontinuierliche Wetterbeobachtung nur in Form stündlicher Beobachtungen statt, die dann von Hand in Wetterkarten eingetragen wurden. Plötzlich eintretende Wetterverschlechterungen konnten so teilweise erst erkannt werden, wenn es für eine rechtzeitige Warnung schon zu spät war.

Als Kommunikationsmittel standen analoge Technologien in Form von Telefon, Fernschreiber und Funk zur Verfügung. Als Bindeglied zwischen den Behörden und der Bevölkerung dienten Aushänge, Tageszeitungen, Luftschutzsirenen sowie Lautsprecherwagen von Polizei und Feuerwehr. Fernsehen und Rundfunk sendeten nur eingeschränkt für einige Stunden am Tag. Die laufenden Programme wurden oft von anderen deutschen Sendeanstalten übernommen und ließen sich nur sehr schwer ändern oder unterbrechen. Als problematisch erwies sich auch immer wieder der Umstand, dass noch in den 1960er Jahren die Stromversorgung in den Siedlungsgebieten sowohl auf dem Land, als auch in den Städten mit Freileitungen erfolgte. Diese Freileitungen wurden durch Blitzschlag und durch Sturm oft schwer beschädigt, was zu großflächigen, langandauernden Stromausfällen führte. Unter solchen Bedingungen konnte die Bevölkerung lediglich durch Lautsprecherwagen von Polizei und Feuerwehr oder durch von Haus zu Haus gehende Beamte gewarnt werden.

Nach Wikipedia, abgerufen am 4. Februar 2018

 

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Diese beiden Moorburger Gebäude wurden durch die Sturmflut völlig zerstört. Im unteren sind alle anwesenden Bewohner ums Leben gekommen.


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Der Findling zu den Deutschen Freiheitskriegen 1813

Das als erstes errichtete Denkmal dieser Dreiergruppe ist der Findling, der am 23. Oktober 1910 feierlich enthüllt wurde. Er wurde von der Firma Emil Köhler aus Hamburg aus dem Harz nach Moorburg geschafft. Er wiegt ca. 150 Zentner, ist 4 Meter hoch und 1,40 Meter breit. Er ist den dreizehn im Kampf um die Moorburger Schanze getöteten Jägern gewidmet.

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Der große Findling ist umringt von kleineren, die früher verschieden große Kanonenkugeln trugen (siehe historisches Foto weiter unten). Einen äußeren Ring bilden eckige Granitpfeiler, die früher mit Ketten verbunden waren.

 

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Auf der Vorderseite steht ganz oben:

Nunquam retrorsum
lateinisch für: »Niemals zurück«, ist ein Wahlspruch des Welfenhauses und damit der Hannoverschen Armee. Auch nach dem Untergang des Königreichs am 29. Juni 1866 tauchte er noch als Devise der Veteranenverbände und welfisch gesinnter Kreise auf. Das Motto wurde später oft in abgewandelter Form »Nunquam retrorsum, semper prorsum!«, »Niemals zurück, immer nur vorwärts!«, verwendet. So z.B. von Ernst Jünger in seinem 1920 erschienenen autobiografischen Werk »In Stahlgewittern« und bei einigen studentischen Verbindungen.

Darunter das Wappen der Welfen: ein springender Schimmel. Ebenfalls als Bronzerelief das Hamburger Wappen. Dazwischen eine polierte Fläche mit der Widmung:

Zur Erinnerung an die große Zeit der deutschen Freiheitskriege und insbesondere an die in Moorburg siegreichen freiwilligen, hannoverschen Truppenabteilungen der Kielmannseggeschen, Lüneburger und Harzer=Sollinger Jäger, sowie an die Führerdienste des Landmannes Carl Heinrich Nieber.

Auf der Rückseite unter den Relief eines Lorbeerkranzes aus Bronze die Inschrift:

Im Kampf um die Moorburger Schanze gefallen, wurden auf dem alten Friedhof bestattet: von den Lüneburger Jägern 10 Namen von den Harzer-Sollinger Jägern 3 Namen

 

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Ganz oben ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen aus Bronze.

 

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Das historische Foto zeigt die Inszenierung mit den Kanonenkugeln und Ketten.

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Die Freiheitskriege

Als Befreiungskriege oder Freiheitskriege werden die kriegerischen Auseinandersetzungen in Mitteleuropa von 1813 bis 1815 zusammengefasst, mit denen die französische Vorherrschaft unter Napoleon Bonaparte über große Teile des europäischen Kontinents beendet wurde.

Gegen das Französische Kaiserreich, das sich mit Großbritannien seit 1793 nahezu ununterbrochen in einem weltumspannenden See- und Kolonialkrieg befunden hatte, bildete sich im Jahr 1813 nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug von 1812 erneut ein Militärbündnis. In Deutschland entstand eine antifranzösische und national orientierte Publizistik, die eine Basis für den deutschen Nationalismus im 19. und 20. Jahrhundert bildete.

Nach einem wechselhaften Kriegsverlauf wurde Napoleon im Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen. Mit dem Rückzug Napoleons endete die französische Herrschaft über Teile Deutschlands, die sogenannte Franzosenzeit.

nach Wikipedia, abgerufen am 4. Februar 2018

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Der Kampf um die Moorburger Schanze

Der Kampf um die Moorburger Schanze gehört in die Hamburger »Franzosenzeit« von 1803 bis 1814. Die Dörfer der Marsch und Geest im Süden Hamburgs hatten in der Zeit der französischen Besetzung stark zu leiden. Sie mussten neben den üblichen Abgaben auch Verpflegung, Unterkunft und Dienste für die Französische Armee und später auch für die Belagerungsarmee der Alliierten stellen. Allein im Jahr 1807 wird die Anzahl durchziehender Truppen mit 959 Offizieren, 23 330 Unteroffizieren und Mannschaften sowie 1 685 Pferde angegeben, die alle jeweils eine Nacht in Harburg und Umland Quartier bezogen. Ganz schlimm kam es in den Jahren 1813 und 1814 während der Belagerung Hamburgs und Harburgs, in denen viele Dörfer fortlaufend geplündert, niedergebrannt oder sogar in die Kampfhandlungen verstrickt wurden.

Lesen Sie hier den Vortrag mit Bildern von Hans A. Gerdts, gehalten am 21. November 2013 im Süderelbe-Archiv, Neugraben
200 Jahre Moorburger Schanze – Die Kämpfe in der Franzosenzeit


Vortrag, Gerdts, 2013

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Die Kirche St. Maria Magdalena

Die evangelisch-lutherische Kirche St. Maria Magdalena wurde nahe dem Moorburger Elbdeich erbaut und 1597 geweiht. Die barocke Ausstattung stammt aus dem Jahre 1688. Auch im Inneren der Kirche befindet sich eine Wandtafel, auf der ebenfalls die 73 Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs aufgeführt werden. Darüber die Aufforderung an den Betrachter:

Wofür sie starben, sollst Du leben!

Woher kommt diese Zeile?

Schultexte zur Zeit des Nationalsozialismus

Wochenspruch:
Geboren als Deutscher,
Gelebt als Kämpfer,
Gefallen als Held,
Auferstanden für das Volk.
Wofür sie starben, sollst Du nun leben,
Vergiß es nie, Soldat der Revolution.

Andrea Schwers, Kindheit im Nationalsozialismus aus biografischer Sicht, 2002

 

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Der Bildhauer Richard Kuöhl

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Seine handwerkliche Ausbildung als Kunsttöpfer erhielt er in einer der Modellfabriken dieses Zentrums keramischer Kunst. Nach dreijährigem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wurde er als leitender Modelleur einer bauchemischen Versuchsanstalt mit den modernsten Techniken der Tonbearbeitung vertraut. 1912 folgte er seinem Dresdener Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Dort arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren mit fast industriellem Ausstoß. Es entstanden Skulpturen in Stein, Keramik und Reliefs in Terrakotta. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

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        Foto: Stormarnsches Dorfmuseum

• Mitte der 1930er Jahre arbeitete Richard Kuöhl in seinem Atelier an der Tonfigur »Kind auf einem Seehund sitzend«

Kriegerdenkmäler gehörten während der Weimarer Republik zu den häufigsten und begehrtesten Auftragswerken deutscher Bildhauer. Auch Kuöhl hatte bereits zahlreiche Kriegerdenkmäler ausgeführt, dabei war es ihm stets gelungen, die von nationalistisch und militärisch gesinnten Kreisen mit einem »Ehrenmal« beabsichtigte politische Aussage künstlerisch zu formulieren. »Nicht Jammer und Not, sondern Mannestat und Einsatzbereitschaft, das Heldische, Kraftvolle, das ein Mahnmal verkörpern muß, zeigen die »Ehrenmäler«, die er geschaffen hat ... immer wieder spricht ein trotziges ›Dennoch!‹ aus diesen Denkmälern.

»Neben idealisierten nackten Kriegern ... hatte er in kontinuierlicher Folge eine Darstellungsform des grobschlächtigen uniformierten deutschen Soldaten entwickelt, die den Vorstellungen der neuen Auftraggeber offenbar besonders entsprach: Im Mittelpunkt des Lübecker Ehrenfriedhofs, 1924, steht breitbeinig ein Infanterist, der den Helm zum Gebet abgenommen hat. Auf dem Klinkersockel des Regimentsdenkmals in Rendsburg, 1927, lagert ein sterbender Soldat, dem der Helm herabgesunken ist. Auf dem Klinkersockel des Kriegerdenkmals in Langenhorn, 1930, beugt ein Soldat mit abgenommenem Helm das Knie vor dem toten Kameraden.

Kuöhl war mit seiner Praxis als Bauplastiker und Mitarbeiter von Architekten, mit seiner praktischen Erfahrung als einsatzbereiter Gestalter von Soldatengrabmälern und Ehrenfriedhöfen an der Front, vor allen Dingen aber mit dieser Reihe von Soldatendarstellungen, die instinktsicher das trafen, was Kriegervereine und Rechtsparteien sich unter neuer deutscher Plastik vorstellen mochten, prädestiniert für weitere und größere Aufgaben dieser Art.«

Zitat aus Volker Plagemanns Buch »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986

Eine Autorengruppe um Roland Jäger veröffentlichte 1979 ein Buch über den »Kriegsklotz« hinterm Dammtorbahnhof in Hamburg (siehe auch >Hamburg Dammtor auf dieser Website), das wohl umstrittenste Denkmal Kuöhls. Hier können Sie zwei Seiten daraus lesen:

 

Kuöhl / Roland Jäger u.a.

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Moorburg – Hafenerweiterungsgebiet

Wir haben in letzter Zeit erschütternde Gespräche mit Moorburger Bürgern geführt und hoffen, dass an dieser Stelle bald ein authentischer Bericht von der Siutation im Dorf und in der Kirchengemeinde zu lesen sein wird.

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Foto: Vattenfall


Der rote Pfeil zeigt auf den Standort der Denkmäler auf dem Friedhof hinter dem Gelände des Kohlekraftwerks Moorburg. Der Güterzugverkehr dazwischen wird demnächst ausgebaut, dann führen zwei Gleise direkt am Pastorat vorbei.

 

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Dieses Plakat ist schon einige Jahre alt und hat nichts von seiner Aktualität verloren.

Eine Beschreibung der Situation von 2012:

»Moorburg, das geschundene Dorf«

> www.gegenstrom13.de

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Moorwerder

Am Moorwerder Norderdeich an der Fassade des alten Schulgebäudes

Bilder und Text folgen

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I N H A L T
Das Denkmal
Der alte Standort
Die Fassade der Friedhofskapelle
Die Sturmflut 1962
Die Euthanasiemorde
Volkstrauertag 2016
Der Bildhauer Richard Kuöhl

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Neuenfelde

Auf dem neuen Friedhof am Organistenweg

Ein Sandsteinmonument mit aufgesetztem Bronzeadler für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Der zentrale Teil in Form eines Portals trägt die Namensplatten: vorne 46 Namen mit Dienstgrad, Herkunftsort, Todesdatum und Todesort bzw Todesland, hinten 40 weitere Namen sowie sechs Namen von vermissten Soldaten, bei denen jedoch auch der genaue Todestag und das Todesland aufgeführt sind. Auf dem Querbalken darüber die Inschrift:

Ihren gefallenen Helden von Hasselwerder und Nincop in Dankbarkeit gewidmet

Im Dach links und rechts die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs in der Mitte im Halbrelief ein kaiserliches Eisernes Kreuz. Namen, Zahlen und Inschrift sind mit rostroter Farbe ausgemalt.

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An den Seiten je ein Postament, das einen Stahlhelm auf einem Ehrenkranz trägt. Darunter auf beiden Seiten das Halbrelief eines gesenkten Schwertes im Lorbeerkranz.

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Der Bronzeadler auf einem wuchtigen Sockel ist im Abflug begriffen dargestellt, sein Hakenschnabel ist geöffnet, der kräftige rechte Fang ragt über den Sockel. Nur der Adler lässt eine Vor- und Rückseite vermuten, ansonsten ist das Denkmal seitengleich.

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Der alte Standort

Bis 1962 stand das Denkmal vor der Schule am Arp-Schnitger-Stieg, dann wurde es um drei Stufen gekürzt auf den Friedhof versetzt. Nach Aussage eines Friedhofbesuchers im Dezember 2016 sollte es nicht mehr – mit all seinen optischen, symbolischen und wörtlichen Aussagen – vor der Schule stehen. Es sollte vor der Friedhofskapelle wieder aufgebaut werden. Doch der Pastor wollte es dort auch nicht an so prominenter Stelle haben, darum steht es jetzt in der Ecke ganz hinten links. Wie das Gedenken an die toten Soldaten an der Friedhofskapelle jetzt aussieht? Siehe weiter unten.

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Das Denkmal ist bis auf die aufgeführten Namen in der Mitte und die Sicht auf den Adler von vorne und hinten völlig identisch. Auf dem Foto unten ist zwar das jetzige Umfeld auf dem neuen Friedhof zu sehen, aber man kann sich vorstellen, dass Schüler- und Lehrerschaft, ob auf dem Schulhof oder aus den Fenstern der Klassenzimmer immer die Botschaft des Denkmals vor Augen hatten. Die Namenstafel, die von den Schulfenstern aus zu sehen ist, benennt ausser den toten Soldaten, die ja sicher zu einem Teil bekannt oder verwandt waren, auch die sechs vermissten Soldaten.
 

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Die Fassade der Friedhofskapelle

Die gesamte Klinkerfront sowie der Eingang zur Kapelle ist überzogen von den eingravierten Konturen verschiedener Figuren nach einem Entwurf des Bildhauers Richard Kuöhl, dessen »Meisterstück«, der militaristische »Kriegsklotz« am Dammtorbahnhof, in der Nazizeit eingeweiht wurde (siehe unter >Hamburg Dammtor auf dieser Website).


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Zur Giebelspitze ist ein Kreuz gemauert, über die Szenerie verteilt sind noch schlichte Grabkreuze zu erkennen.


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Drei Namensbänder aus roten Sandsteinplatten tragen die Namen der toten Soldaten des 1. Weltkriegs und die 225 Namen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs. Die Bänder beginnen auf der linken Kapellenseite und ziehen um Ecke zur Doppeltür. Darüber ein kleineres Band mit den Jahreszahlen beider Kriege und der Kontur eines Eisernen Kreuzes dazwischen.

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Die Figuren, je nach Lichteinfall schwerer oder leichter zu erkennen: Links oben ein Engel, der zum Kreuz strebt.

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Rechts oben Vater, Mutter und Kind zum Kreuz strebend. Der Vater scheint auf dem Bogen über dem Eingang zu laufen.

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Darunter – links über dem ersten Kranz – eine trauernde Frau, die ein Grab bepflanzt.

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Die Buchstaben in Ziegelsteinhöhe formen einen Vers aus dem Buch Hiob 36, 16:

Und auch dich lockt er aus dem Rachen / der Angst in weiten Raum | Da keine Bedrängnis mehr ist

Der zweite Teil des Satzes – und an deinem Tische, voll des Guten, wirst du Ruhe haben – fehlt. Der Vers, der auf ein Leben (!) in Ruhe, Wohlstand und Frieden verweist, soll derart verkürzt dem Soldatentod nach dem Kriegsgrauen einen tröstenden Aspekt verleihen.

Die aufgesetzte Schrift ist sehr schwer zu entziffern, auf dem Foto darüber ist sie zum großen Teil auch noch von den Kränzen verdeckt.


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Mittendrin ein Ziegelstein mit Kuöhls Signatur. Auf dieser Website haben wir auch Kuöhls Denkmäler >Hamburg Dammtor, >Hamburg Langenhorn, >Schleswig-Holstein Lübeck, >Schleswig-Holstein Rendsburg und >Schleswig-Holstein Wilster dokumentiert.

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Die Sturmflut 1962

1962 wurden nach der schweren Sturmflut auch für diese Todesopfer Namenstafeln im Gang zur Kapellentür eingesetzt. Man kann darin eine Gleichsetzung von Kriegen und Naturkatastrophen sehen.

Vor den Namen die Widmung:

Zur Erinnerung an die Opfer der Sturmflut 16/17 Februar 1962

HH Neuenfelde Sturmflut web


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Die euthanasiemorde

2013 wurde für sechs Opfer der NS-Verbrechen eine weitere Tafel angebracht:

Ermordet, weil sie anders waren
1941 – 1945
(sechs Namen)

In seiner Freiheit von mir hat Gott den Anderen zu seinem Ebenbild gemacht.
D. Bonhoeffer

Die Morde sind beim Namen genannt, aber wer sagt, dass die Opfer »anders« waren? Unklar bleibt worin das »Anderssein« bestand.
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass dieses »Anderssein« als Mordgrund aus der Nazi-Ideologie heraus bestimmt wurde.

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Volkstrauertag 2016

Einer von sechs Kränzen: der Schützenverein Neuenfelde von 1912 e.V. zeigt auf der Schleife auch sein Logo.

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Der Bildhauer Richard Kuöhl

31. Mai 1880 Meißen – 19. Mai 1961 Bad Oldesloe, bestattet auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Richard Kuöhl gehörte in der NS-Zeit zu den erfolgreichsten Künstlern in Hamburg. Maike Bruhns schreibt über ihn: »Er hatte in Meißen eine Ausbildung zum Töpfer und Modelleur absolviert, anschließend bis 1905 ein Studium an der Kunstgewerbeschule Dresden. (…) 1912 folgte er seinem ehemaligen Lehrer für Architektur in Dresden, Fritz Schumacher, nach Hamburg. (…) In den 20er-Jahren übernahm Kuöhl neben diversen Aufträgen für Grabmäler und Gartenplastik die Ausführung von Kriegsdenkmälern in Norddeutschland. (…) Der Bildhauer verstand es, sich anzupassen, die Erwartungen der Kriegervereine und nationalistischen Kreis zu erfüllen, die markige Darstellungsformen und wuchtige, uniformierte Kriegerfiguren, die ›soldatische Tugenden‹ verkörperten, wünschten.« Kuöhl schuf 1934 auch das Denkmal des Infanterie-Regiments Nr. 76 am Dammtorwall. »Das Denkmal wurde mit einem Aufmarschgelände für feierliche Veranstaltungen umgeben und 1936 mit großem militärischen und städtischen Pomp eingeweiht, es galt fortan als sein ›Meisterstück‹.

Kuöhl blieb in der NS-Zeit der meistbeschäftigte Bildhauer Hamburgs. (…) der derbe ›Hummel-Brunnen‹ im von den Nationalsozialisten unter sozialhygienischen Aspekten sanierten und neu aufgebauten Gängeviertel vermittelte volkstümliches Heimatgefühl, auch er trug zu seiner Popularität bei. Ein dort befindliches Relief, ›Marschierendes Jungvolk‹, wurde nach 1945 abgebrochen. (…)

Kuöhl scheiterte als Kunstproduzent im Dienst der Macht letztlich an seiner Flexibilität, der Fähigkeit, sich virtuos und widerspruchslos auf jegliche Anforderung einzustellen, an seiner Verfügbarkeit für alles und jedes. Er hegte keine moralischen Skrupel, bezog keine eindeutige Gesinnung, sondern passte sich den jeweiligen Anforderungen an. (…) Nach Kriegsende trug ihm seine Haltung die Ablehnung der Aufnahme in den neuformierten BBK ein«.

• Quelle: Maike Bruhns: Kunst in der Krise. Bd. 1. Hamburg 2001. Portrait von Richard Kuöhl auf www.hamburg.de

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Mauer
Das Gräberfeld
Volkstrauertag 2017

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Neuengamme

Auf dem Friedhof der Kirche St. Johannis

Der Findling mit der Inschrift in Kreuzform ist am 4. April 1920 eingeweiht worden. Diese ungewöhnliche Anordnung der Zahlen und Buchstaben wirkt zeitlos und grafisch kühl.

1914  1915  1916  1917  1918
Dank und Erfurcht allen die geblieben
1939  1940  1941  1942  1943 1944  1945

Die Trauer ist zurückgenommen, versachlicht, objektiviert, beherrscht durch die Annahme eines Trostes, die den Tod der Soldaten aus einer höheren, ehrfurchtgebietenden Bestimmung heraus erklären will. Danken soll man den Toten. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod der Soldaten begründet eine spezifische Dankespflicht.

HH Neuengamme Stein web

Auf dem Neuengammer Friedhof wird ebenso an beide Kriege erinnert. Dort heißt es: »Dank und Ehrfurcht allen die geblieben.« »Dank« und »Ehrfurcht« sind zwei Begriffe, deren Verwendung in diesem Zusammenhang nach dem Zweiten Weltkrieg als einem deutschen Angriffskrieg höchst problematisch ist, denn »Dank« zum einen suggeriert fälschlicherweise, dass die Soldaten zur Verteidigung Deutschlands in den Krieg gezogen wären, also um seine Einwohnerinnen und Einwohner zu schützen, und »Ehrfurcht« zum anderen legt die Vorbildhaftigkeit des Kriegstodes nahe.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Die Mauer

Links vom Findling steht eine breite Backsteinmauer aus gelblichen Klinkersteinen.

HH Neuengamme Mauer web

Auf sechs eingelassenen Keramiktafeln stehen die Namen der getöteten Soldaten beider Weltkriege nach Jahren geordnet, 1914 – 1945.

HH Neuengamme Mauer links web


Die Tafeln sind oberflächlich geschädigt, sodass man die Buchstaben oft schwer entziffern kann. Das Todesjahr vorangestellt wurden die Namen in zwei Spalten zur Mitte bündig graviert. Die drei linken Tafeln nennen die Namen von 113 tote Soldaten des 1. Weltkriegs mit Todesjahren von 1914 bis 1919. Acht Soldaten sind vermisst.

HH Neuengamme Mauer mitte web


Nach dreizehn Namen auf der dritten Tafel beginnen übergangslos mit der Jahreszahl 1944, danach 1940, 1941 ... die Namen der Toten des 2. Weltkriegs.

HH Neuengamme Mauer rechts web


Die Namen auf den letzten drei Tafeln sind unterteilt in 90 Männer, die wohl als Soldaten »gefallen« sind. 57 werden als vermisst genannt. 21 sind an den Kriegsfolgen gestorben, davon eine Frau. Es werden 11 Bombenopfer genannt, davon vier Frauen.

HH Neuengamme Bodenplatte web

In der Mitte vor der Mauer liegt eine Steinplatte mit dem Logo des VDK (Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands) mit der Inschrift:
Die auf diesem Friedhof beigesetzten 42 Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sind in unser Gedenken eingeschlossen

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Das Gräberfeld

Vor der Kirche St. Johannis, entlang der Hecke an der Straße, sind in zwei Reihen einfache Steinkreuze, im Stil der Kreuze auf Soldatenfriedhöfen, aufgestellt.

HH Neuengamme vorne web


Auf der Rasenfläche zwischen den Reihen sind zwei ovale Beete angelegt.

HH Neuengamme Stein vorne web


Am Anfang der inneren Reihe steht der Stein mit dem Sinnspruch:

Selig sind die reinen Herzens sind

Im Bibelvers Matthäus 5,8 sagt Jesus: Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

HH Neuengamme vorne dreier web


Auf jedem Steinkreuz ist der Name mit Geburts- und Todesdatum eines Wehrmachtssoldaten aus dem 2. Weltkrieg genannt. Unter jedem Namen ist ein Eisernes Kreuz in Kontur graviert.

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Volkstrauertag 2017

Am Findling hat die Kirchengemeinde einen Kranz niedergelegt mit dem Schleifentext:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde das Böse mit Gutem
Römer 12,21

HH Neuengamme 2017 web

Wie in der Antike üblich, sind auch die neutestamentlichen Briefe häufig mit Mahnungen versehen. In diesem Fall stammt der Satz aus der Feder des Apostels Paulus, der sich in einem Brief der Gemeinde in Rom vorstellt. Der Vers steht in einem Abschnitt, in dem Paulus sich mit seinem Verständnis der christlichen Feindesliebe auseinander setzt. Wer seinem Feind Gutes tut, wird nicht ihn sondern die Feindschaft selbst überwinden. Dieser Vers ist vor allem als Konfirmationsspruch sehr beliebt. Vielleicht liegt das daran, dass der Spruch zwar auf der einen Seite eine Ermahnung ist, auf der anderen Seite aber zunächst einmal die angeredete Person als »gut« voraussetzt – als einen guten Menschen, der aber von Bösem bedroht ist.

Erklärung von www.evangelisch.de

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Mauer
Die zweite Erweiterung
Wer ist zuständig?
An der Hauptverkehrsstraße B 73
Die Einweihung der Mauer 1923
Volkstrauertag 1958

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Neugraben

An der Cuxhavenerstraße vor der Michaeliskirche

Die kleine gut gestaltete Anlage unter Eichen steht auf dem Grundstück der Kirchengemeinde, abgeteilt durch einen schmiedeeisernen Zaun. Im Zentrum steht ein Sandsteinobelisk mit eingelassenen schwarzen Marmortafeln und als Reliefs Lorbeerkranz, Eisernes Kreuz und gekreuzte Schwerter mit Palmwedeln und Schleife. An der Spitze sitzt ein plastischer Adler mit ausgebreiteten Schwingen auf einer Kanonenkugel. 
 

HH Neugraben gesamt web

Der Obelisk wurde 1913, also ein Jahr vor Beginn des 1. Weltkriegs, vom Kriegerverein Neugraben errichtet. Er erinnert an die getöteten Soldaten der Kriege von 1848, 1864, 1866, 1870/71 und mit dem Namen R. Schumacher an den Boxeraufstand in China im Jahr 1900. 

 

           HH Neugraben 1913 web

Die Inschriften auf den Marmortafeln sind mit weißer Farbe ausgemalt. Auf der Vorderseite steht:

Mit Gott für König und Vaterland starb 1870 den Heldentod
Es folgt ein Name mit Herkunftsort

Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden Geschlechtern zum Nacheifern!

Errichtet 1913 vom Kriegerverein Neugraben u. Umg. zu Ehren der Veteranen von 1848 bis 1900

An den Seiten folgen die Namen von 43 Kriegsteilnehmern, geordnet nach Herkunftsort und mit Vermerken, an welchem Krieg sie teilgenommen haben.

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Die Mauer

im Jahr 1923 erfolgt die erste Erweiterung der Denkmalsanlage – in den Unterlagen wird sie »Grotte« oder »Felsenmal« genannt: eine leicht gebogene Feldsteinmauer mit stufigen Seiten und einem einsteinigen Vorsprung als Sockel. Drei, ebenfalls schwarze Marmortafeln mit bronzefarbenen Buchstaben sind eingelassen.

HH Neugraben Mauer web


In die größere Tafel in der Mitte sind zwei Eiserne Kreuze mit Krone, »W« für Wilhelm II und der Jahreszahl »1914« eingraviert, dazwischen die Inschrift:

Im Weltkrieg 1914 // 1918 starben für Ihr Vaterland aus den Ortschaften Neugraben: es folgen 46 Namen

Auf den Tafeln rechts und links: Hausbruch 40 Namen, Fischbeck 23 Namen, Neugraben 5 Namen.

HH Neugraben Inschrift web

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Die zweite Erweiterung

1958 erhielt die Steinmauer ein Schriftband aus grauem Sandstein mit Deckelplatte. Darauf steht:
Den Toten zur Ehr den Lebenden zur Mahnung

Ausserdem wurde ein großer Steinblock geteilt, die Hälften wurden rechts und links von der Mauer aufgestellt. Inschrift links:

(Eisernes Kreuz) Den Gefallenen, Vermissten, in Lazaretten u. Gefangenschaft Verstorbenen des Weltkriegs 1939 – 1945

Inschrift rechts: Den durch den Krieg 1939 – 1945 in der Heimat u. auf der Flucht verschollenen u. umgekommenen Männern, Frauen und Kindern

Am 16. November 1958 wurde die Erweiterung eingeweiht.

HH Neugraben links 192web   HH Neugraben rechts 192web

An diesen Inschriften kann man sehr gut erkennen, wie Sprache und Einstellung zu Militär und Krieg sich innerhalb von 45 Jahren gewandelt haben. 1913 starben die Soldaten noch mit Gott den Heldentod für König und Vaterland, die kommenden Geschlechter werden zur Nacheiferung angehalten. 1923 starben die Soldaten auch für ihr Vaterland und der Kaiser kommt noch im Eisernen Kreuz vor. 1958 werden die toten Soldaten, die ja zum großen Teil auch Täter waren, noch geehrt, aber die Lebenden schon gemahnt und auch der zivilen Opfer wird gedacht. Es wäre wünschenswert, wenn eine Informationstafel auf diese Wandlung aufmerksam machen und diese Entwicklung fortschreiben könnte, indem eindringlich zu Frieden ohne Waffen aufgefordert würde.

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Wer ist zuständig?

Auf dem Grund und Boden der Michaelisgemeinde errichtete der Kriegerverein Neugraben 1913 den Obelisk, ebenso wie 1923 die Felssteinmauer. Im Oktober 1950 beklagt der Kirchenvorstand, dass der »hiesige Krieger-Verein« die Pflege und Instandhaltung nicht mehr übernimmt: »Seit 45 ist jede Fürsorge unterblieben.« Aber die Bitte um Unterstützung wird vom Denkmalschutzamt und vom Lichtwarkausschuss negativ beschieden.

Im Jahr 1958 trat die Kyffhäuser-Kameradschaft Neugraben im deutschen Soldatenbund »Kyffhäuser« die Rechtsnachfolge des Kriegervereins an. Die Kameradschaft hat dann mit Zustimmung der Kirchengemeinde die Erweiterung für die Toten des 2. Weltkriegs durchgeführt. Im Ortsbereich Hausbruch - Neugraben - Fischbek wurden viele kleine und große Spenden gesammelt und in einer Mappe dokumentiert. In den Protokollen der Mitgliederversammlung der Kyffhäuser Kameradschaft ist vom »Kamerad Pastor Wachsmuth« als Vertreter der Michaeliskirche die Rede.

Spenden web


»Über dem Felsenmal für die Opfer des ersten Weltkrieges soll ein aus grauem Sandstein gefertigtes Schriftband mit Deckplatte angebracht werden ... Zu beiden Seiten dieses Ehrenmales werden zwei Findlingsblöcke ... aufgestellt werden. Über dem linken Findling wird sich das Eiserne Kreuz erheben....« (Harburger Nachrichten, 15. April 1958). Der Kirchenvorstand sagte zu, dass das »Abschirmgitter« zurückgesetzt werden kann, damit die Öffentlichkeit jederzeit von der Straße aus Zugang hat.

In einem Brief vom 24. Dezember (!) 1958 beklagt der Ausschuß des Ev.-luth. Gesamtverbandes Harburg die Kosten, die durch die Verantwortung der Denkmäler auf Kirchengrund entstehen. »Wir meinen auch, daß es ein Unrecht ist, wenn der Staat sich der Ehrenpflicht gegenüber seinen Gefallenen glaubt entziehen zu dürfen.« (siehe PDF-Download weiter unten)

Zur Einweihung am 16. November 1958 werden 18 Vereine und Verbände und andere Kameradschaften im Kyffhäuserbund eingeladen. »Ich bitte Sie, zu dieser Einweihung eine Abordnung zu entsenden. Falls Sie mit Fahne erscheinen und sich am Kirchgang beteiligen, wollen Sie sich bitte um 9 Uhr 30 beim Gastwirt Peter Wolkenhauer einfinden, damit ein geschlossener Fahneneinmarsch erfolgen kann.«

In einer Vereinbarung vom 18.10.1966 verpflichtet sich die Kameradschaft, weiterhin für die Unterhaltung des Denkmals und der gärtnerischen Anlagen zu sorgen.

HH Neugraben Vereinbarung 1966 web

Bei Auflösung der Kameradschaft sollten Rechte und Pflichten auf die Kirchengemeinde als Eigentümerin übergehen. Dieser Fall trat 1973 ein.

HH Neugraben Abtretung 1973 web

Das Denkmal verwahrlost nun zusehends. Eine zeitlang übernehmen Kirchenmitglieder pflegerische Arbeiten, hatten dies aber 1997 schon seit ein paar Jahren eingestellt.

1997/98 wird eine umfassende Renovierung von der Michaelisgemeinde, dem Schützenverein Scheideholz und dem Schützenverein Neugraben durchgeführt. An den Materialkosten beteiligen sich die Kirchengemeinde, das Kreisdenkmalschutzamt und der Ortsausschuß Süderelbe. Die Schützen malten die Inschriften neu aus und leisteten die erforderlichen Maurerarbeiten. Herr Kaiser vom SV Neugraben spendete die Bepflanzung.

         HH Neugraben Renovierung2 1997 web

HH Neugraben Renovierung1 1997 web

Harburger Nachrichten, 30. April 1997

Hier nun einige Dokumente aus dem Süderelbe-Archiv:

 

Süderelbe Archiv

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An der Hauptverkehrsstraße B 73

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Heute liegt die Anlage an der viel befahrenen Cuxhavenerstraße. Die B 73 von Harburg nach Cuxhaven gehört zu den gefährlichsten Straßen Niedersachsens.

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Die Einweihung der Mauer 1923

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Es gibt noch eine Wiese vor der Denkmalsanlage!

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Volkstrauertag 1958

HH Neugraben1957 web

Die Einweihung der zweiten Erweiterung am 16. November 1958

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Wir danken sehr herzlich Frau Katrin Ehlberg vom Süderelbe-Archiv für die großzügige Unterstützung. Die historischen Fotos und die Dokumente stammen aus dem Archiv in der Bücherhalle Neugraben.

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I N H A L T
Das Denkmal
Volkstrauertag 2015
Christliche Motive
»Zum Opfer«
Für Deutschland gestorben
Die Einweihung 1920
Die Geschichte
Es stand in der Zeitung
Die Erweiterung
Hinter der Hecke ...

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Nienstedten

Auf dem Friedhof in der Rupertistraße

Achteckiges Sandsteinmonument, aus dem das Relief von Jesus am Kreuz hervortritt. Der obere Abschluß ist ein überdimensionaler Stahlhelm auf Eichenlaub, ebenfalls aus Sandstein. An den Seiten sieben senkrechte Tafeln mit den Namen der 277 im 1.Weltkrieg getöteten Soldaten. Darüber eine umlaufende Inschrift:

Dem Vaterlande brachten ihr Leben zum Opfer

Das Monument wurde nach einem Entwurf des Bildhauers Richard Luksch aus einem Sandstein hergestellt, es ist am 5. Dezember 1920 eingeweiht worden. Richard Luksch ist am 23. Januar 1872 in Wien geboren und am 21. April 1936 in Hamburg gestorben. Er wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Von 1907 bis 1936 war er Professor an der Kunstgewerbeschule Hamburg am Lerchenfeld (heute Hochschule für bildende Künste Hamburg). In seiner künstlerischen Arbeit blieb er zeitlebens dem Jugendstil verbunden, sein später Stil war aber »geometrisch geschärft«.


               HH Nienstedten entfernt

HH Nienstedten

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Volkstrauertag 2015

Nach dem Gottesdienst, im Beisein der uniformierten Abordnung der Bundeswehr, werden die Kränze aus dem Altarraum der Nienstedtener Kirche zum Kriegerdenkmal getragen.

HH Nienstedten VTT 15 11 2015 02 Kirche web

Am Denkmal wird dann »Da Pacem Domine« intoniert:

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.

HH Nienstedten VTT 15 11 2015 05 web


Der Kranz der Bundesministerin für Verteidigung, Ursula von der Leyen:

               HH Nienstedten VTT 15 11 2015 08 web

... und noch ein Erinnerungsfoto mit den Kameraden:

HH Nienstedten VTT 15 11 2015 10 web

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Christliche Motive

Auf einem großen Teil der Denkmäler des Ersten Weltkriegs finden sich christliche Motive. Diese Denkmäler sind vorwiegend von Kirchengemeinden oder auf Friedhöfen aufgestellt. Der Gedanke des Trost für die Angehörigen der vielen toten Männer stand bei den Stiftern und Künstlern im Vordergrund. Dieser wurde jedoch fast nie mit einer kriegskritischen Haltung verbunden. Im Gegenteil: bei Darstellungen eines Kreuzes oder sogar von Jesus am Kreuz wird der Kreuzestod Christi, als Opfer für die Menschheit, in Analogie zum Kriegstod des Soldaten, der sich auf die gleiche Weise opfert und dadurch bereits gerechtfertigt ist, gesehen. Das Denkmal, bei dem dies in Hamburg am deutlichsten wird, ist das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof Nienstedten von Richard Luksch (1872 – 1936). An der einen Seite des Denkmals hängt dort buchstäblich ein Relief des gekreuzigten Jesus. Dieser ist im Strahlenkranz mit Strahlen aus seinen Wundmalen dargestellt und das Wort »Opfer« aus der Inschrift prangt über dem Kreuz. Zudem krönt das Denkmal ein überdimensionales Stahlhelmrelief. In Verbindung von Trophäe und christlicher Ikonographie wird das Motiv des christlichen Trostes völlig aufgehoben, diesem widersprechen zudem auch die martialischen Gesichtszüge der Jesusfigur.

• Zitiert aus Kerstin Klingels Buch »Eichenkranz und Dornenkrone«, Seite 66/67. Siehe auch Menüpunkt Texte >Hintergründe >Formen.

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»Zum Opfer«

HH Nienstedten Detail web

Genau zwischen Stahlhelm mit Eichenlaub und Jesus am Kreuz lesen wir die Wörter »ZUM OPFER« – das kann kein Zufall sein:

»Mit dieser Inschrift wird eine Analogie des Gefallenenschicksals mit dem Märtyrertod von Jesus Christus hergestellt: die Soldaten haben sich für das ›Vaterland‹ geopfert wie Jesus Christus für die Menschheit. Diese Argumentation versucht, dem Kriegstod einen Sinn zu geben.«

• Wiederum zitiert aus »Eichenkranz und Dornenkrone«, Seite 93

»Es ist nicht wahr, dass die Opfer mahnen, bezeugen, Zeugenschaft für etwas ablegen, das ist eine der furchtbarsten und gedankenlosesten, schwächsten Poetisierungen (...) Auf das Opfer darf sich keiner berufen. Es ist Missbrauch.
Kein Land und keine Gruppe, keine Idee, darf sich auf ihre Toten berufen.«

• Ingeborg Bachmann: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.
Dieses Zitat steht auf einer Tafel zum Kriegerdenkmal in Neustadt in Holstein.

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Zitate aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

Für Deutschland gestorben

Von Clemens Tangerding

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...
Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu:
»Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

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Die Einweihung 1920

Aus der Rede von Pastor Thun:

»Da steht es denn nun, unser Ehrendenkmal! Unseren Gefallenen zu Ehren, zu dankbarem, treuem Gedächtnis ist es gesetzt von Männern und Frauen unserer Gemeinde; ernster Künstlersinn hat es uns erdacht, heraus aus dem Miterleben der schweren Zeit, nervige Faust hat es aus Wesergestein herausgemeißelt, der deutsche Ahorn soll seine Zweige darüber wölben, Tannengrün es dicht umhegen. Euch allen soll es gehören, ihr Väter und Mütter, ihr Frauen und Bräute, ihr Brüder und Schwestern, die ihr den Namen eures geliebten Sohnes, Mannes oder Bruders hier eingegraben findet. Euch soll es vor allem gehören.«

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Die Geschichte

HH Nienstedten Sinter GW Ott web


Dieser Brief des Steinmetzbetriebs Gebr. Reichert wurde im April 1971 im »Heimatboten« Nr. 4 des Bürger- und Heimatvereins Nienstedten e.V. veröffentlicht. Es gab nämlich bei den Nienstedtener Bürgern unterschiedliche Meinungen darüber, wie mit den Verfärbungen und Verschmutzungen des Kriegerdenkmals umzugehen sei.


»Der Heimatbote«

Unser Dank geht an die Geschichtswerkstatt Ottensen, die uns das Material zur Verfügung gestellt hat.

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Es stand in der Zeitung

Redakteur Hintze schreibt in der Zeitung »Norddeutsche Nachrichten« am 25. November 1950 unter dem Titel:

Grabstätten von Schönheit und Kultur

... Im Jahre 1920 wurde durch Professor Luksch ein Ehrendenkmal für die im ersten Weltkriege gefallenen Gemeindemitglieder errichtet: Ein zwei Meter hoher Rundbau mit eichenlaubbekränztem Stahlhelm und einer eigenartigen Christusfigur an der Vorderseite, die das blutende Deutschland symbolisiert. Die 260 Namen auf den seitlich angebrachten Gedenktafeln werden von Blutbuchen beschattet. ...

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Die Erweiterung

An der Seite wurde nach dem 2.Weltkrieg ein rechteckiges, leicht konkaves Sandsteinmonument errichtet. Die Inschrift:

1939    Lasset euch versöhnen mit Gott 2. Kor. 5,20    1945


HH Nienstedten 2WK

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Hinter der Hecke ...

... befindet sich das Grab der Familie Fürchtegott Reemtsma.

HH Nienstedten Reemtsma web

Das Gedicht von Rainer Maria Rilke über das »Fallen« links neben der nackten Soldatenfigur liest sich in dieser Nachbarschaft anders als gewohnt.


Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh Dir andre an: Es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
 

Links und rechts daneben liegen die Grabplatten:

Reemt
10. Oktober 1927
3. September 1943

Jochen
11. Mai 1923
1. März 1945

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Ochsenwerder

Auf dem Friedhof der Kirche St. Pankratius

Bilder + Text folgen

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I N H A L T
Das Denkmal
Das Problem
Volkstrauertag 2017
Volkstrauertag 2013
Willi-Bredel-Gesellschaft
Kriegerehrenallee wird umbenannt
Der Volksbund
Der Soldatenfriedhof
Private Grabmale
Dazwischen Hakenkreuz und SS-Runen
Die »Heldengedächtnishalle«

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Ohlsdorf

Auf der Mittelallee des Ohlsdorfer Friedhofs

Der kleine, aber wuchtige begehbare Rundbau, das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs, steht im Zentrum des zweiflügeligen Soldatenfriedhofs beider Weltkriege.

HH Ohlsdorf Gesamt web

Das Monument besteht aus acht kapitellosen Granitsäulen und einem Kern aus rotem Backstein, in den zwei offene sich gegenüberliegende Eingänge führen. Die Halle wurde unter der Leitung des Architekten Gustav Oelsner erbaut, J. Meinert hat sie entworfen, mitgearbeitet hat auch Robert Tischler, der Architekt des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK). Die Anlage wurde am 27. September 1953 eingeweiht.

HH Ohlsdorf Gesamt nah web

Innen stehen sich zwei große Reliefs von Franz Mikorey gegenüber. Auf der einen Seite Soldaten auf einem Friedhof, die wohl gerade einen Kameraden beerdigen. Ihnen gegenüber ist Gruppe von Frauen und Kindern dargestellt – nachdenklich und trauernd.

HH Ohlsdorf Soldaten web

© Michael Wassenberg, https://gottesacker.wordpress.com

HH Ohlsdorf Familie web
© Michael Wassenberg, https://gottesacker.wordpress.com

Ein »Ehrenbuch« unter einer roten Marmorplatte im Boden enthält die Namen von 2330 im 2. Weltkrieg getöteten Soldaten. Die Inschrift auf der eingelassenen Platte lautet:
1939  Sonne und Sterne seht Ihr nicht mehr, Ihr Geopferten, aber Ihr lebt in den Herzen derer, die glauben.  1945

HH Ohlsdorf Tempel 2016 05 22 web

• Die Marmorplatte am 22. Mai 2016

Innen, über einem Ausgang:
1939  Ihr findet sie, wo Ihr nach ihnen fragt. Im Osten gefallen, im Westen beklagt.  1945

»Die verwendeten Texte, die einerseits eine freie Inschriftenlyrik versuchen, andererseits abstrakte Religionsmetaphern benutzen, kennzeichnen die Ratlosigkeit der Zeit und die Unmöglichkeit, für den Soldatentod eine Sinngebung zu finden.«
Volker Plagemann, Vaterstadt, Vaterland..., Christiansverlag, 1986.

HH Ohlsdorf Inschrift web

An der Außenwand steht unter dem Logo des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK):
Zum Gedenken an die im Weltkriege 1939 (Eisernes Kreuz) 1945 gefallenen Soldaten

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© Staro1/Wikimedia Commons

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Das Problem

»Das ist ja ein sehr wuchtiger Rundbau mit Säulen, es hat eine monumentale Anmutung und ist natürlich nur vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund zu verstehen.« Und der bedarf heute einer Kommentierung, betonte Ulrike Dorfmüller vom Volksbund 2012 im Deutschlandradio Kultur. Die monumentale Ästhetik und vor allem die Inschriften im Inneren des tempelartigen Rundbaus seien aus heutiger Sicht problematisch.

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Volkstrauertag 2017

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Trotzdem wurden auch 2017 wieder viele ehrende Kränze niedergelegt.

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Trotzdem gedachte am Volkstrauertag 2017 wieder ein Bundeswehroffizier am »Kriegstempel« der toten Soldaten.

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© Fotos: René Senenco

Trotzdem durften die rechtslastigen Verbände U-Boot-Kameradschaft Hamburg (mit Eisernem Kreuz und U-Boot im Logo) und der Bund Deutscher Fallschirmjäger e.V. (mit Kriegsflugzeugen im Logo) wieder ihre Kränze aufstellen.

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Volkstrauertag 2013

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Trotzdem gedachte am Volkstrauertag 2013 wieder ein Bundeswehroffizier am »Kriegstempel« der toten Soldaten, trotzdem wurde auch 2014 vom Vertreter der Freien und Hansestadt Hamburg dort ein Kranz niedergelegt:

             HH Ohlsdorf Halle 2014

                Fotos: René Senenko

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Willi-Bredel-Gesellschaft

Die Geschichtswerkstatt e.V. lud zum Volkstrauertag 2014 mit folgendem Text zu einer Aktion ein:

Unter den eisernen Lettern »Zum Gedenken an die im Weltkriege 1939-1945 gefallenen Soldaten« legen am Volkstrauertag jedes Jahr der Hamburger Senat, der Bundesverteidigungsminister und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit zwei rechtslastigen Kameradschaftsverbänden der U-Bootfahrer und der Fallschirmjäger Kränze nieder. Auf der Internetseite der U-Boot-Kameraden Hamburgs lässt sich deren große Verehrung für den Großadmiral und Hitlernachfolger Dönitz nachlesen. An der Kranzniederlegung zum Volkstrauertag 2013 gedachte am Rundbau ein Offizier der Führungsakademie Hamburg auch den »in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten«. Wir halten diese Geste für einen schlimmen Missbrauch der hier beigesetzten 2300 Toten. Die wochenlang am Rundbau verbleibenden Kränze erwecken zudem den Eindruck, dass es bei der Ehrung ausschließlich um tote Soldaten des 2. Weltkriegs geht. Dabei ist seit 22 Jahren bekannt, dass auf dem Gräberfeld Hunderte Opfer des Nationalsozialismus liegen, die mit den Kränzen völlig ignoriert werden. Auf dem Gräberfeld liegen ohne jede Kennzeichnung der Gräber Hunderte Hitlergegner, KZ-Häftlinge, 46 jüdische Kriegsgefangene der Roten Armee, acht verhungerte Kinder von Zwangsarbeiterinnen und rund 70 hingerichtete Wehrmachtsdeserteure. Auf Anregung der Willi-Bredel-Gesellschaft wurde 2013 ein Runder Tisch eingerichtet, um diesen unhaltbaren Zustand zu ändern. Dennoch hält der Volksbund wegen seiner Abhängigkeit von der Bundeswehr an seinem alljährlichen Ritual fest. 
Der Deutsche Bundestag hat am 15. Mai 1997 festgestellt: »Der Zweite Weltkrieg war ein Angriffs- und Vernichtungskrieg, ein vom national- sozialistischen Deutschland verschuldetes Verbrechen.« Wir fordern deshalb, auf eine öffentliche Ehrung von Soldaten des Vernichtungskrieges künftig zu verzichten.

HH Ohlsdorf mummenschanz web

 

Schon seit vielen Jahren bemüht sich die Willi-Bredel-Gesellschaft um eine historisch und politisch angemessene Gestaltung und Kommentierung der Gräberanlage:

Am 5. Juni 2010 machte sie mit einer ersten Aktion auf dem Soldatenfriedhof (Friedhof Ohlsdorf) erstmals auf die in Hamburg hingerichteten Deserteure aufmerksam, die sich dem verbrecherischen Krieg der Wehrmacht verweigert oder entzogen hatten. Der Künstler Uwe Schmidt las am Mikrofon die Namen der bisher ermittelten 68 Opfer vor. Ludwig Baumann, Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz, erzählte von seinem eigenen Schicksal und Elke Olsson führte die Teilnehmer zum Grab ihres Vaters Willi Dittmann. Dittmann war kurz vor Kriegsende noch wegen Fahnenflucht am Höltigbaum hingerichtet worden. Sein Grab liegt nur wenige Meter vom Gefallenendenkmal entfernt. Feuerwehr und Baumpfleger befestigten für die Dauer von zwei Wochen ein 3,50 x 5 Meter großes Transparent am Gefallenendenkmal. Darauf hat die Bredelgesellschaft die erwähnten 68 Namen verzeichnet.

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© A. Mundt

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Kriegerehrenallee wird umbenannt

Am Mittwoch, den 24. Juni 2015 steht es auf Seite 8 im Hamburger Abendblatt:

»Die Kriegerehrenallee auf dem Ohlsdorfer Friedhof wird noch in diesem Jahr umbenannt – vorraussichtlich noch im Sommer ... ›Eine Ehrung von Soldaten der Reichswehr beziehungsweise der Wehrmacht impliziert die Akzeptanz der deutschen Kriegsziele im Ersten und Zweiten Weltkrieg‹, sagte der Vorsitzende [der Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V.] Hans Matthaei dem Abendblatt. ›Die hier bestatteten Soldaten haben nicht ihr Vaterland verteidigt, sondern ausschließlich Eroberungskriege geführt.‹ Daher sei eine Umbenennung ›seit Langem überfällig‹.

Auch die Friedhofsleitung ist mittlerweile für eine Umbenennung aufgeschlossen. Rainer Wirz, Leiter Friedhöfe, teilt dazu mit: ›Wir begrüßen den runden Tisch der Initiative ›Umgang mit Weltkriegsgräbern‹ zum Thema Umbenennung der Kriegerehrenallee. Wenn es mit Zustimmung der zuständigen Behörde zu einer Änderung kommt, werden wir umgehend die Beschilderung und die Friedhofspläne entsprechend der neuen Benennung anpassen‹.«

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Der Volksbund

Der Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK) informiert nun auf seiner Internetseite über die Initiative »Umgang mit den Weltkriegsgräbern«:

Dass auf Kriegsgräberstätten nicht ausschließlich Soldaten und Teilnehmende des Krieges liegen, sondern auch zivile Opfer und weitere Personengruppen, ist gemeinhin bekannt. Dass »Deutsche Soldatengräber« jedoch neben Soldaten auch Flüchtlinge, Zivilisten oder Kriegsgefangene bergen, ist weniger bekannt.
Dies ist auf den »Soldatengräbern« des Ohsldorfer Friedhofs der Fall: Dort sind nicht nur Soldaten beigesetzt. Die Grabfelder, die sich rechts und links des Rundbaus von 1953 erstrecken und als »Deutsche Soldatengräber« gekennzeichnet sind, lässt genau wie die Inschrift auf der Südseite des Rundbaus darauf schließen, dass es sich um einen Soldatenfriedhof handelt. Es finden sich auf den Flächen jedoch auch Gräber von Angehörigen anderer Personengruppen. Darunter gibt es Flüchtlinge und andere Zivilisten, KZ-Häftlinge, im Hamburger Untersuchungsgefängnis Hingerichtete, von der NS-Militärjustiz verurteilte Deserteure, jüdische sowjetische Kriegsgefangene und Kinder von Zwangsarbeiterinnen.
Der Volksbund Hamburg hat sich im Februar 2013 mit einigen Hamburger Institutionen und Organisationen zusammengetan, um dies genauer zu erforschen und dafür eine Initiative zu gründen: die Initiative »Umgang mit den Weltkriegsgräbern auf dem Ohlsdorfer Friedhof«. Erklärtes Ziel ist ein angemessener Umgang mit den Weltkriegsgräber-Anlagen auf dem Ohlsdorfer Friedhof und deren historisch sachgerechte Kommentierung. Zu den Mitgliedern der Initiative gehören die Hamburger Friedhöfe-AöR, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die Landeszentrale für politische Bildung, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., die VVN-BdA Landesverband Hamburg und die Willy-Bredel Gesellschaft e.V.

Derzeit wird eine korrekte Bezeichnung erarbeitet, die den historischen Umständen gerecht wird. Bis dahin verbleiben die bisherigen Beschriftungen am Ort, ergänzt durch eine Informationsschrift, die über die Umstände aufklärt. Im Verlauf der Forschung wird nicht nur für eine richtige Bezeichnung gesorgt, Besuchende können sich auch über die Forschungsergebnisse auf Informationstafeln über die Opfer und ihre Schicksale vor Ort und bei uns informieren.

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Der Soldatenfriedhof

Gleich nach Ausbruch des Krieges 1914 sahen sich die Soldaten mit der Aufgabe konfrontiert, ihre toten Kameraden begraben zu müssen. Die mittlerweile ausgebauten Bahnnetze erlaubten einen schnellen Transport Verletzter und Toter in ihre Heimatorte. Die Zahl der im Lazarett Sterbenden und der überführten Toten war so groß, dass die Verwaltung des Ohlsdorfer Friedhofs schon 1914 die Anlage eines Soldatenfriedhofs planen mußte. Der Entwurf von 2015 stammte von Friedhofsdirektor Wilhelm Cordes. Er war als V-förmige Anlage von Gräberfeldern in die übrige Friedhofslandschaft eingepaßt worden. Zunächst hatten individuelle Holzkreuze auf den Gräbern gestanden.

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Nachdem der Wettbewerb »Zur Anlage von Soldatengrabzeichen« 1920 ohne befriedigendes Ergebnis geblieben war, hatte die »Grabmalgenehmigungsstelle« 1925 gleich hohe Stelen entworfen, sie haben alle die gleiche Schrift, sind aber oben unterschiedlich geformt. Noch heute stehen auf einer offenen Rasenfläche die 3400 Sandsteinstelen mit der so genannten »Kriegstanne« in der Mitte.

HH Ohlsdorf Graber web


Der am 27. 9. 1953 eingeweihte Friedhof für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs wurde dem alten »Ehrenfriedhof« angegliedert. Er besteht aus Kissensteinen aus Keramik, unterbrochen von Steinkreuzgruppen.

HH Ohlsdorf 2WK web

Statistik des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Die Kriegsgräberstätten nehmen eine Fläche von etwa 12 Hektar des 400 Hektar großen Friedhofs ein.

1. Weltkrieg (mehr als 4.000 Kriegstote):
3400 deutsche Soldaten (Grabanlage an der »Kriegerehrenallee«)
249 Kriegstote verschiedener Nationen
676 Soldaten des British Commonwealth (Anlage der Commonwealth War Graves Commission)

2. Weltkrieg (mehr als 48.000 Kriegstote und Opfer der Gewaltherrschaft):
1.932 Opfer der Konzentrationslager
1.703 Zwangsarbeiter aus 28 Nationen
320 ausländische Kriegsopfer (nach dem Krieg verstorben)
1889 Soldaten des British Commonwealth (Anlage der Commonwealth War Graves Commission)
mehr als 400 Kriegsopfer aus den Niederlanden (Niederländische Ehrenanlage)
49 Flüchtlinge
1.931 deutsche Soldaten (Gräberfeld an der »Kriegerehrenallee«)
36.918 Bombenopfer in vier Sammelgräbern von 1943
2.282 Bombenopfer (Gemeinschaftsanlage mit Dornenkrone)

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Private grabmale

An der Peripherie der Anlage für die toten Soldaten stehen mehrere aufwändig gestaltete Grabmale, die Familien für ihre Angehörigen errichtet haben. Zum Beispiel das der Familie Brinckmann für die Söhne John und Walter:

          HH Ohlsdorf Brinckmann web


Zu Füßen des Soldaten aus dem 1. Weltkrieg mit langem Mantel und Pickelhaube liegen ausländische Opfer des NS-Regimes, darunter Kinder von Zwangsarbeiterinnen.

Herbert Diercks hat die Situation in seinem Buch »Friedhof Ohlsdorf – Auf den Spuren von Naziherrschaft und Widerstand« auf den Seiten 59-62 beschrieben.

Herbert Diercks

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Dazwischen Hakenkreuz und SS-Runen

Ein weiteres Gräberfeld mit Opfern des Naziregimes, die aber nicht als solche gekennzeichnet sind, liegt nahebei. Zwischen beiden Gräberfeldern kann man diesen Grabstein betrachten:

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• Im Februar 1939 starb der 22-jährige Heinz Schumacher den »Fliegertod für sein Vaterland«. Unten die SS-Runen.

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Die »Heldengedächnishalle«

Im Juli 1919 schlug Pastor Andresen als Vertreter der Kirche der Friedhofsdeputation eine Heldengedenkhalle als Hamburger »Gesamtkriegerehrung« vor und zwar auf dem Platz des heutigen Rundbaus. Dieser Vorschlag stieß auf allgemeine Zustimmung.

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• Diese offizielle Werbepostkarte bildet den Entwurf von Walther Puritz aus dem Jahr 1921 ab. Das »Büro des Arbeitsausschusses: Hamburg-Kunsthalle« ließ sie drucken und verkaufte sie für 1 Mark.

Viele Jahre mit den unterschiedlichsten Plänen später, klärte sich die Frage der zentralen »Gefallenenehrung«: die Stele am Rathausmarkt (siehe Hamburg > Mitte) wurde errichtet. Lesen Sie hier die schwierige Vorgeschichte eines Kriegerdenkmals auf dem Ohlsdorfer Friedhof, die 1979 eine Autorengruppe um Roland Jäger, in »Ein Kriegsdenkmal in Hamburg«, veröffentlichte. Unser Dank gilt den Autoren.

 

Roland Jäger u.a.

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I N H A L T
Das Denkmal
Umgestaltung nach Graffiti?
Die Geschichte in Bildern

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Oldenfelde

Ein Platz am westlichen Ende des Delingsdorfer Wegs

Man kann die eingefaßte kreisförmige Anlage über drei Zugänge betreten, jeweils vier Stufen führen zum erhöhten Platz des Denkmals für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs.

HH Oldenfelde gesamt web

Umgeben von Hecken und mittlerweile hohen Bäumen zeigen sich Treppenanlagen, runde Umrandungen und das Denkmal selber – ein Obelisk auf einem vierseitigen Unterbau – einheitlich in hellgrauem Granitgestein.

HH Oldenfelde Treppe web

HH Oldenfelde Tafel web


Eine leicht rautenförmige aufgesetzte Bronzetafel mit verziertem Rand trägt die Widmung in erhabenen Lettern:

Ihren im Weltkrieg gefallenen Söhnen in dankbarer Erinnerung
die Gemeinde Oldenfelde

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, wird der Kriegstod in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler als sinnvoll interpretiert, für den man den Soldaten dankbar sein muss.

Wenn getötete Soldaten als »gefallen« bezeichnet werden, wird suggeriert, dass der Soldat im Kampf stehend oder vorwärts stürmend von einer Kugel getroffen wurde und dann tot zu Boden fiel. Dass der Kriegstod tatsächlich meistens brutaler ist, wird verschleiert, über die Realität des Sterbens in den Materialschlachten wird so hinweg getäuscht.

Die häufig verwendete Bezeichnung »Söhne« stellt eine Vertrautheit her, die getöteten Soldaten werden familiär vereinnahmt, denn familiäre Verbindung verpflichtet.

HH Oldenfelde Namen web

An allen vier Seiten sind die Namen der getöteten Soldaten graviert, insgesamt sind es 45. Ursprünglich waren die Namen mit Goldfarbe ausgemalt. Jetzt sind sie kaum noch zu entziffern. Jede Seite hat einen Dachstein, aus dem in der Mitte ein Eisernes Kreuz gearbeitet worden ist.

 

HH Oldenfelde Jahreszahl web


Auf der Rückseite die Inschrift:
Errichtet 1921

 

HH Oldenfelde Schwerter web

An der linken Seite im Relief: gekreuzte Schwerter. Die Symbolik ist eindeutig: Schwerter fordern die nachfolgenden Generationen zur Wehrhaftigkeit auf.

 

HH Oldenfelde Helm web

Auf der Frontseite im Relief: ein Stahlhelm auf Eichenlaub.


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Umgestaltung nach Graffiti?

Die linksautonome Szene in Oldenfelde hat zum zweiten Mal das Kriegerdenkmal mit roter Farbe besprüht. Leute, macht mit bei der AG »Ergänzung und Umgestaltung«!

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Wir danken René Senenko für diesen Hinweis.

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Die Geschichte in Bildern

2008 ...

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Mit Blümchen im Rondeel und ordentlicher Hecke.

1952 ...

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Noch ohne die Widmungstafel, dafür mit Pflanzenkübeln auf den Pfosten, Kränzen und strammstehenden Uniformträgern.

1933 ...

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Ein Zaun mit hängenden Ketten zu den Straßen und ein freier Blick zum Denkmal.

1925 ...

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Granitkugeln auf den Pfosten mit einer Absperrkette verbunden und heller Kies auf dem Denkmalplatz.

Kurz nach der Einweihung 1923

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Ein Blick von oben zeigt den neuen Platz: am 27. Mai 1923 wurde er laut Bürgerverein Rahlstedt eingeweiht.

Alle Fotos und Postkarten haben wir vom Bürgerverein Rahlstedt erhalten. Ganz herzlichen Dank an Horst Schwarz.

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
1870/71: Der Deutsch-Französische Krieg
1848/51: Hinrich Fehrs
Volkstrauertag 2017

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OSdorf

An der Osdorfer Landstaße: Am Eichenplatz

Das Denkmal steht in einer kleinen Anlage mit Eichen und Rhododendren, direkt an der viel befahrenen vierspurigen Osdorfer Landstraße.

 

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Es ist den getöteten Soldaten beider Weltkriege gewidmet.

 

HH Osdorf ganz web


Eine große aufgesetzte Bronzetafel trägt in zarten Großbuchstaben die Aufschrift:

1914 – 18
Dem Gedenken unserer Gefallenen
1939 – 45

Die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs wurden 1950 ergänzt.

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Die Bronzetafel wurde 1965 erneuert, sie ist mit dicken Schrauben am Stein befestigt. Die Ecken zieren Blümchen.

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HH Osdorf 1939 web


Die Jahreszahlen beider Weltkriege bekommen Lorbeerzweige im Relief an die Seite gestellt.

 

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Von hinten ist der große Stein abgestützt. Direkt davor führt der Fußweg vorbei.

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Die Geschichte

Text folgt

 

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1870/71: Der Deutsch-
Französische Krieg

Links vom Hauptstein liegt ein kleinerer Findling mit den Jahreszahlen des Deutsch-Französischen Kriegs. In großen schwarzen Ziffern steht dort:

1870/71

Der Schrägstrich teilt die beiden Jahreszahlen wie einen mathematischen Bruch.

HH Osdorf 1870 web

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.

Auslöser war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck ließ die Emser Depesche, mit der er darüber informiert worden war, dass König Wilhelm I. die französischen Forderungen abgelehnt hatte, in provokant verkürzter Form veröffentlichen. Dies erregte auf beiden Seiten nationalistische Empörung und veranlasste den französischen Kaiser Napoléon III. am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung an Preußen.

Von den großen Schlachten gingen im gesamten Kriegsverlauf alle für Frankreich verloren oder endeten im Patt. Trotzdem fand sich die französische Regierung erst im Februar 1871, nach dem Fall von Paris, zum Vorfrieden von Versailles bereit. Offiziell endete der Krieg am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt, der hohe Reparationen sowie die Abtretung Elsaß-Lothringens durch Frankreich vorsah.

Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Deutschen Krieg von 1864 und 1866 gilt der Konflikt mit Frankreich als dritter und letzter der deutschen Einigungskriege. Noch während seines Verlaufs traten Baden, Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei, der sich mit Wirkung vom 1. Januar 1871 Deutsches Reich nannte. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel „Deutscher Kaiser“ an, Otto von Bismarck wurde erster Reichskanzler. In Frankreich hatte der Krieg nicht nur die endgültige Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich. Beides belastete die deutsch-französischen Beziehungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017

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1848/51: Hinrich Fehrs

Rechts vom Hauptstein liegt ein kleinerer rötlicher Findling, der dem niederdeutschen Dichter Hinrich Fehrs gewidmet ist. Neben einem Blumengebinde steht die schwarze Inschrift:

Hinr. Fehrs. 1848/51

HH Osdorf 1848 web

Johann Hinrich Fehrs, geboren am 10. April 1838 in Mühlenbarbek, gestorben am 17. August 1916 in Itzehoe, war ein niederdeutscher Erzähler und Lyriker. Er lebte den größten Teil seines Lebens in Itzehoe. Er war Lehrer und Rektor an der Auguste Viktoria-Schule.

Sein bekanntestes Werk ist ein Roman, der in über zwanzigjähriger Arbeit entstandene Text erschien 1907: »Maren – En Dörproman ut de Tiet von 1848/51«. Er spielt zur Zeit des Krieges zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark 1848/50. Die Protagonistin Maren möchte ihrer Familie durch die Heirat mit einem wohlhabenden, aber von ihr nicht geliebten Mann helfen und scheitert an dem dadurch ausgelösten inneren Konflikt. Die vielschichtige Handlung gibt einen Einblick in das dörfliche Leben in Holstein Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Titel »En Dörproman ut de Tiet von 1848/51« inspirierte wohl zu der Inschrift des Findlings.

Die Fehrs-Gilde hat sich zum Ziel gesetzt, das Werk Johann Hinrich Fehrs’ lebendig zu halten.

Im 1. Weltkrieg wurden Fehrs' heimatliterarische Texte unter einem völkisch-nationalen Aspekt als soldatisch-propagandistische Beiträge zum Krieg gewertet, siehe: Friedrich Schnoor: »Un as in den'n Kriegslarm wi staht in't Feld, / Kämpft still in sien Heimat uns' ›Dichterheld‹.«

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Volkstrauertag 2017

HH Osdorf Schleifen web


Viel Schwarz-Rot-Gold am Eichenplatz

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