VIELFALT IN DER STADT

Kriegerdenkmäler in Hamburg

So unterschiedlich die ästhetisch-künstlerische Gestaltung, die Texte und Inschriften der Kriegerdenkmäler in Hamburg auch erscheinen mögen, gemeinsam sind den meisten die nachträgliche Stilisierung der getöteten Soldaten zu Helden und die Legitimation des Krieges als Kampf für Volk, Kaiser und Vaterland. Eine Absage an Krieg und Militär und ein Bewusstsein von Verantwortung und Schuld findet sich nicht.

155 Kriegerdenkmäler hat Kerstin Klingel in ihrer von der Landeszentrale für politische Bildung 2006 veröffentlichten Untersuchung für Hamburg dokumentiert. Die meisten davon sind nach dem 1.Weltkrieg errichtet worden: auf öffentlichen Plätzen, neben Kirchen, auf Friedhöfen. Alle diese Denkmäler sind über viele Jahrzehnte Orte der Kriegsverherrlichung gewesen und in der Regel bis heute gut erhalten. Nur sehr wenige sind neu oder umgestaltet worden.

Wir dokumentieren hier einige typische Beispiele aus verschiedenen Hamburger Stadtteilen. Die Fotos sind, wenn nicht anders angegeben, von Klaus Wegner.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von >Ottensen öffnet den Bericht über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«

Meiendorf

Am Deepenhornteich

Der oben spitz zulaufende Findling mit polierter Marmortafel steht auf einem gemauerten Sockel. Er ist umgeben von acht höheren gemauerten Pfeilern, die einen Kreis aus Granitbalken stützen. Das Kriegerdenkmal steht auf einem Hügel im Park am Teich. Es wurde nach einem Entwurf von Karl-Heinz Bouschka, Architekt und Baumeister aus Radebeul bei Dresden, errichtet und am Sonntag, den 20. August 1933 eingeweiht. 1963 wurde es restauriert, die ursprüngliche Kupfertafel mit der Inschrift:

Treue um Treue – Unseren Helden die dankbare Heimat Meiendorf 1914 - 1918

wurde ersetzt durch eine neue Tafel ebenfalls aus Kupfer mit der Inschrift:

Ehret die Toten des ersten und zweiten Weltkrieges.

Vor 1949 hing an jeder der acht Säulen eine Tafel mit Namen der getöteten Soldaten, alle wurden gestohlen und sind nicht ersetzt worden.

»... der Aufbau eines Denkmals in Meiendorf von 1933, nur handelt es sich um keine Skulptur, sondern einen Findling, um den ein Steinkreis auf acht Pfeilern errichtet wurde. Auch hier wird durch den Steinkreis ein Sakralraum erzeugt, der den bereits in germanischer Tradition gesehenen Findling in der Mitte zusätzlich gewissermaßen germanisch mystifiziert. Das Denkmal wirkt wie eine heidnisch-germanische Kultstätte.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Seite 72


HH Meiendorf

Foto: Kerstin Klingel

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HH Meiendorf Ajepbah wikimedia commons

Foto: Ajepbah_wikimedia commons

● Das erste Foto ist schon einige Jahre alt. Im September 2013 war die Denkmalsanlage dann runderneuert.

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Geschichte des Kriegerdenkmals

HH Meiendorf 2008 web
● 2008

           HH Meiendorf 1963 web

           ● 1963: Ein letztes Foto der umkränzten alten Tafel

HH Meiendorf 1939 web

● 1939

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● Umgeben vom Deepenhornteich? Eine Überschwemmung?

Alle historischen Fotos und die Postkarten hat uns der Bürgerverein Rahlstedt zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank an Herrn Horst Schwarz!

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Alte Postkarten

HH Meiendorf alt web

HH Meiendorf 1933 web

● Diese Karte ist aus dem Jahr 1933

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Mitte

Rathausmarkt, an der kleinen Alster

Die 21 Meter hohe Muschelkalkstele ist ein Entwurf des Architekten Klaus Hoffmann. Das 7 1/2 Meter hohe Relief einer schwangeren Frau mit einem größeren Kind in den Armen hat der Bildhauer Ernst Barlach geschaffen. Auftraggeber war der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg. Barlachs Entwurf wurde schon vor der Einweihung öffentlich so stark und kontrovers diskutiert, dass der Erste Bürgermeister Rudolf Ross (SPD) sie in den frühen Morgenstunden des 2. August 1931 auf einem fast menschenleeren Platz durchführte, in der Nacht hatten Zimmerleute eilig die Holzverschalung entfernt.

Die Inschrift der Stele lautet:
Vierzigtausend Söhne der Stadt liessen ihr Leben für euch
1914–1918

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                     HH Mitte Inschrift web

Die eindeutige Aussage des Reliefs wird durch die Inschrift wieder zurückgenommen. Die Wendung »... für euch« ist der Versuch einer Legitimation des Kriegstods. Die Diskrepanz erklärt sich aus den damaligen politischen Kräfteverhältnissen.

                      HH Mitte Stele web

                      © alle drei Fotos: http://win2014.de

»Um das Gedächtnis an den Großen Weltkrieg festzuhalten und der Opfer ehrend zu gedenken, die er von Hamburg gefordert hat, soll ein schlichtes Gedenkmal im Herzen der Stadt errichtet werden«, so stand es in den Wettbewerbsbedingungen von 1929.

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Die wechselvolle Geschichte

»In Hamburg wurde nach dem Ersten Weltkrieg über Jahre hinweg eine ›Heldengedächtnishalle‹ auf dem Ohlsdorfer Friedhof geplant. Als die Kosten für dieses Projekt mit mehr als zweieinhalb Millionen Reichsmark veranschlagt wurden, äußerten Friedensverbände und Kriegsopferorganisationen ihren Protest beim sozialdemokratischen Senat und dieser beschloss stattdessen die Gründung einer Stiftung zur Unterstützung von Kriegsbeschädigten und die Errichtung eines schlichten Denkmals.« schreibt Kerstin Klingel. So geht es weiter in ihrem Buch »Eichenkranz und Dornenkrone«:

 

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Wettbewerb 

Hier ein Beilage der DBZ, der Deutschen Bauzeitung, vom Juni 1930: »Wettbewerbe für Baukunst und Schwesterkünste«. Darin beschreibt der langjährige Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher den Wettbewerb um das »Kriegs-Gedenkmal« in Hamburg.

 

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Verlauf, Ausführung und Reaktion

Unheroisch sollte das Denkmal sein, das hatte der damalige sozialliberale Senat beschlossen, das Leid und die Trauer der Hinterbliebenen zum Ausdruck bringen. Damit sollte auch politisch ein Zeichen gesetzt werden. Den Verlauf des Wettbewebs hat Volker Plagemann in seinem Buch »Vaterstadt, Vaterland ...« beschrieben:

 

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Doch die Reaktion blieb nicht aus. Am 31. Mai 1931 beantragte die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei in der Bürgerschaft, das Denkmal nicht aufzustellen. Ihr Abgeordneter Joseph Hoffmann erklärte: »Wenn das Barlach-Werk erst fertig ist, dann werden sie es ablehnen, wie ich es ablehne und der Stahlhelm und die vaterländischen Verbände.« Die Senatskoalition lehnte den Antrag ab. Zum Jahrestag des Kriegsausbruchs 1914 sollte das Mahnmal enthüllt werden. Doch die politische Lage spitzte sich auch in Hamburg dramatisch zu, politisch motivierte Bluttaten zeigten die Radikalisierung des gesellschaftlichen Klimas, die die Folgen der Weltwirtschaftskrise hervorgerufen hatten. Hamburg stand vor dem Bankrott. Die schnelle unangekündigte Einweihung am 2. August in aller Frühe sollte den Rechtsparteien keinen Vorwand für öffentliche Proteste liefern.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden Stimmen laut, die den Abriß des Denkmals forderten oder zumindest die Entfernung der figürlichen Darstellung verlangten. Noch 1933 holte man ein »juristisches Gutachten« ein, dessen Verfasser Regierungsrat Dr. Struwe für eine Beseitigung eintrat, »weil Relief und Ehrenmal kein einheitliches Kunstwerk sind«. Doch erst am 24.8.1937 wurde die Baubehörde von Senator Ahrens um Vorschläge ersucht, »das Barlach’sche Relief auf dem Adolf Hitler Platz gegebenenfalls durch Symbole des Krieges (Eiserne Kreuze o.ä.) zu überdecken«. 1939, ein Jahr nach dem Tod Ernst Barlachs, erhielt, nach vielen ergebnislosen Entwürfen und einem ebensolchen Wettbewerb, Hans Martin Ruwoldt den Auftrag einen aufsteigenden Adler für das Denkmal zu entwerfen.

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»Lebenszeichen aus dem Schützengraben«

Auch diese sehr lesenswerte Website hat der Stele am Rathausmarkt einen Beitrag gewidmet:

win2014.de

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Der aufsteigende Adler

Hans Martin Ruwoldt, geboren 15.2.1891 in Brunsbüttelkoog, gestorben 16.10.1969 in Hamburg, wurde von seiner kinderlosen Tante in Wismar aufgezogen. 1906 bis 1909 absolvierte er eine Bildhauerlehre in Rostock, 1911 bis 1914 studierte er an der Kunstgewerbeschule Hamburg in der Bildhauerklasse von Richard Luksch. Er nahm als Soldat am 1. Weltkrieg teil und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Um 1928 schloss sich Ruwoldt der Hamburgischen Sezession an. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er bis 1936 einer der Leiter des Bereichs Bildhauerei an der Reichskammer der bildenden Künste. Von 1926 bis 1933 war es vor allem der hamburgische Oberbaudirektor Fritz Schumacher, der Ruwoldt mit Aufträgen förderte. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten einige seiner Werke, doch er erhielt dann auch wieder Aufträge: sein Urmotiv, der Panther, ließ sich einer Kunstauffassung, die Kampfgeist und Aggression widerspiegeln sollte, anpassen. In seiner schwierigen finanziellen Lage nahm er immer wieder Aufträge der neuen Machthaber an, so fertigte er 1938 – beauftragt vom Gauleiter Hamburgs, Karl Kaufmann – für die Stele am Rathausmarkt »einen adlerartigen aus der Asche aufsteigenden Phönix« als Ersatz für das Relief von Ernst Barlach, das eine trauernde Mutter und ihr Kind darstellte. Den Machthabern missfiel Barlachs Darstellung des Gedenkens für getötete Soldaten, es würde »von weitesten Kreisen der Bevölkerung als unerfreulich, ja verletzend empfunden«, wie es in einer Pressemeldung hieß. Der aufsteigende Adler wurde am 9. November 1939, dem »Gedenktag für die Opfer der Bewegung« enthüllt. Das Hamburger Fremdenblatt kommentierte: »Ein auffliegender Adler ist Sinnbild des Wortes, das allen toten Helden gewidmet ist: Und ihr habt doch gesiegt!«. Ernst Barlach erlebte die Zerstörung seines Reliefs nicht mehr, er war 1938 gestorben.

         HH Mitte Adler web

»... das Relief eines aufsteigenden Adlers, der jedoch bis auf die Krallen nicht als solcher zu erkennen war, der Kopf erinnert mit seinem kurzen Schnabel vielmehr an den einer Taube....« schreibt Kerstin Klingel in ihrem Buch »Eichenkranz und Dornenkrone«. Lesen Sie hier ihre Einschätzung:

 

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Hans Martin Ruwoldt lehrte ab 1955 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Kurz vor seinem Tod spendete er einen großen Teil seiner Werke an das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

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© Imperial War Museum/Wikimedia Commons

4. Mai 1945: Die Britische Armee in Hamburg

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Die Rekonstruktion des Reliefs

Um 1949 beschloß der Senat das Relief von Barlach rekonstruieren zu lassen. Die Alliierten stellten 1946 fest, dass es seit 1914 Kriegerdenkmäler gegeben hatte, die darauf abzielten, »die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu halten« oder »den Militarismus wachzurufen«. Sie ordneten an, diese zu beseitigen. Eventuell angeregt durch diese Direktive, stellte der Beschluß des neuen Senats aber auch ein Bekenntnis zur Tradition derer dar, die 1930 das Denkmal erichtet hatten. Das Relief wurde 1949 durch den Steinmetz Friedrich Busch rekonstruiert, das war mit Hilfe eines Abgusses von einem Werkmodell Barlachs möglich.

               HH Mitte Busch1949 web

               • Friedrich Busch rekonstruiert das Relief von Barlach

Kultursenator Hartenfels beantragte, Bürgermeister Brauer möge das Relief enthüllen. Der liess durch Senatssyndikus Kurt Sieveking erwidern:
»Herr Bürgermeister Brauer hat sich dahin entschieden, dass eine besondere Feier anlässlich der Wiederherstellung des Barlach-Reliefs am Ehrenmal nicht stattfinden soll. Vielmehr ist in Aussicht genommen, dass die Hülle des Denkmals in der Nacht vor dem Totensonntag entfernt wird, so dass es am Totensonntag wieder in alter Form erscheint. Dann werden als erste die beiden Bürgermeister, die jedes Jahr am Totensonntag die Gedenkstätten der Toten der beiden Kriege besuchen, auch am Ehrenmal einen Kranz der Stadt niederlegen.«

Die Stele ist seitdem das offizielle Gefallenendenkmal der Stadt für die Toten beider Weltkriege.

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Postkarten

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• Das Denkmal am unteren rechten Rand des »Adolf Hitler Platzes«

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• Hinter dem Denkmal sieht man das Damenbekleidungskaufhaus der jüdischen Gebrüder Hirschfeld. Lesen Sie hier mehr:   

 

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Der Bildhauer Ernst Barlach

Bereits Barlachs frühe Arbeiten setzen sich mit dem Menschen, seinen Lebensbedingungen und seinen Haltungen zum Leben auseinander. Besonders beschäftigte er sich nach seiner Einberufung 1915 zum Landsturm mit dem Erlebnis »Krieg«. Lesen Sie mehr:

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In seinen Erinnerungen und Betrachtungen hat Fritz Schumacher kurz vor seinem Tod geschildert, welche Schwierigkeiten es bei der Entstehung des Denkmals am Hamburger Rathaus gab.
Der folgende Link führt zum Text aus dem Buch: Fritz Schumacher, Selbstgespräche, Erinnerungen und Betrachtungen, im Axel Springer Verlag Hamburg, 1949, S.202ff.

win2014.de


Kurzbiografie von Fritz Schumacher

 

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Das alte Kaiser Wilhelm Denkmal

Das Reiterdenkmal mit Figurengruppe wurde von Johannes Schilling entworfen und am 20. Juni 1903 in Anwesenheit des Enkels Kaiser Wilhelm II. auf dem Rathausmarkt enthüllt. 1930 in die Neustadt versetzt, besteht es seit 1997 in der heutigen Gruppierung im Park Planten un Blomen. Das Denkmal stellte den Kaiser bewusst in würdig empfundener, schlichter Uniform dar. Nicht der preußische Militarismus, sondern die sozialen, ökonomischen und juristischen Errungenschaften nach der Gründung des Deutschen Reiches und Hamburgs Anteil daran, sollten im Vordergrund stehen.

1929/1930 wurde das Denkmal, das schon während der Novemberrevolution 1918 sowie 1922 beschädigt worden war und in der nun demokratischen Weimarer Republik auch von politischer Seite kritisiert wurde, entfernt. Anlass war die aus verkehrstechnischen Gründen erfolgte Umgestaltung des Rathausmarktes 1930/1931 unter Oberbaudirektor Fritz Schumacher, der das Denkmal schon vor dem Ersten Weltkrieg entfernen wollte um die Platzgestaltung wieder an das ursprünglich geplante Raumgefüge (dem Markusplatz nachempfunden) anzunähern. Das Reiterstandbild, die allegorischen Gruppen, ein Teil der Balustraden und zwei Laternenmasten wurden vor dem Ziviljustizgebäude neu aufgestellt. Die nicht mehr verwendeten Teile, wie die Reliefs und Aufsätze der Balustraden, gelten heute als verschollen. Die Flaggenmasten verblieben – näher zum Rathaus gerückt – am alten Ort.

Zudem befinden sich ein erhaltener Lichtmast auf dem St. Anscharplatz und die beiden seitlichen Sockelreliefs des Standbildes in den Schaufenstern des Geschäftes »Thomas I Punkt« am Gänsemarkt und der Rückseite des Hulbe-Hauses. Das im Zweiten Weltkrieg beschädigte Denkmal wurde 1961 wegen der bevorstehenden Umgestaltung der Wallanlagen für die IGA 1963 aufgelöst und das Reiterstandbild auf einem Betonsockel in der Parkanlage erneut umgestellt.

(nach Wikipedia)

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• Die Enthüllung des Kaiser Wilhelm Denkmals am 20. Juni 1903

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Neuenfelde

Auf dem neuen Friedhof am Organistenweg

Ein Sandsteinmonument mit aufgesetztem Bronzeadler für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Der zentrale Teil in Form eines Portals trägt die Namensplatten: vorne 46 Namen mit Dienstgrad, Herkunftsort, Todesdatum und Todesort bzw Todesland, hinten 40 weitere Namen sowie sechs Namen von vermissten Soldaten, bei denen jedoch auch der genaue Todestag und das Todesland aufgeführt sind. Auf dem Querbalken darüber die Inschrift:

Ihren gefallenen Helden von Hasselwerder und Nincop in Dankbarkeit gewidmet

Im Dach links und rechts die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs in der Mitte im Halbrelief ein kaiserliches Eisernes Kreuz. Namen, Zahlen und Inschrift sind mit rostroter Farbe ausgemalt.

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An den Seiten je ein Postament, das einen Stahlhelm auf einem Ehrenkranz trägt. Darunter auf beiden Seiten das Halbrelief eines gesenkten Schwertes im Lorbeerkranz.

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Der Bronzeadler auf einem wuchtigen Sockel ist im Abflug begriffen dargestellt, sein Hakenschnabel ist geöffnet, der kräftige rechte Fang ragt über den Sockel. Nur der Adler lässt eine Vor- und Rückseite vermuten, ansonsten ist das Denkmal seitengleich.

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Der alte Standort

Bis 1962 stand das Denkmal vor der Schule am Arp-Schnitger-Stieg, dann wurde es um drei Stufen gekürzt auf den Friedhof versetzt. Nach Aussage eines Friedhofbesuchers im Dezember 2016 sollte es nicht mehr – mit all seinen optischen, symbolischen und wörtlichen Aussagen – vor der Schule stehen. Es sollte vor der Friedhofskapelle wieder aufgebaut werden. Doch der Pastor wollte es dort auch nicht an so prominenter Stelle haben, darum steht es jetzt in der Ecke ganz hinten links. Wie das Gedenken an die toten Soldaten an der Friedhofskapelle jetzt aussieht? Siehe weiter unten.

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Das Denkmal ist bis auf die aufgeführten Namen in der Mitte und die Sicht auf den Adler von vorne und hinten völlig identisch. Auf dem Foto unten ist zwar das jetzige Umfeld auf dem neuen Friedhof zu sehen, aber man kann sich vorstellen, dass Schüler- und Lehrerschaft, ob auf dem Schulhof oder aus den Fenstern der Klassenzimmer immer die Botschaft des Denkmals vor Augen hatten. Die Namenstafel, die von den Schulfenstern aus zu sehen ist, benennt ausser den toten Soldaten, die ja sicher zu einem Teil bekannt oder verwandt waren, auch die sechs vermissten Soldaten.
 

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Die Fassade der Friedhofskapelle. ein Entwurf von Richard Kuöhl

Die gesamte Klinkerfront sowie der Eingang zur Kapelle ist überzogen von den eingravierten Konturen verschiedener Figuren nach einem Entwurf des Bildhauers Richard Kuöhl, dessen »Meisterstück«, der militaristische »Kriegsklotz« am Dammtorbahnhof, in der Nazizeit eingeweiht wurde (siehe unter Hamburg A-K, > Dammtor).


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Zur Giebelspitze ist ein Kreuz gemauert, über die Szenerie verteilt sind noch schlichte Grabkreuze zu erkennen.


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Drei Namensbänder aus roten Sandsteinplatten tragen die Namen der toten Soldaten des 1. Weltkriegs und die 225 Namen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs. Die Bänder beginnen auf der linken Kapellenseite und ziehen um Ecke zur Doppeltür. Darüber ein kleineres Band mit den Jahreszahlen beider Kriege und der Kontur eines Eisernen Kreuzes dazwischen.

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Die Figuren, je nach Lichteinfall schwerer oder leichter zu erkennen: Links oben ein Engel, der zum Kreuz strebt.

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Rechts oben Vater, Mutter und Kind zum Kreuz strebend. Der Vater scheint auf dem Bogen über dem Eingang zu laufen.

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Darunter – links über dem ersten Kranz – eine trauernde Frau, die ein Grab bepflanzt.

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Die Buchstaben in Ziegelsteinhöhe formen einen Vers aus dem Buch Hiob 36, 16:

Und auch dich lockt er aus dem Rachen / der Angst in weiten Raum | Da keine Bedrängnis mehr ist

Der zweite Teil des Satzes – und an deinem Tische, voll des Guten, wirst du Ruhe haben – fehlt. Der Vers, der auf ein Leben (!) in Ruhe, Wohlstand und Frieden verweist, soll derart verkürzt dem Soldatentod nach dem Kriegsgrauen einen tröstenden Aspekt verleihen.

Die aufgesetzte Schrift ist sehr schwer zu entziffern, auf dem Foto darüber ist sie zum großen Teil auch noch von den Kränzen verdeckt.


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Mittendrin ein Ziegelstein mit Kuöhls Signatur.

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1962 wurden nach der schweren Sturmflut auch für diese Todesopfer Namenstafeln im Gang zur Kapellentür eingesetzt. Man kann darin eine Gleichsetzung von Kriegen und Naturkatastrophen sehen.

Vor den Namen die Widmung:

Zur Erinnerung an die Opfer der Sturmflut 16/17 Februar 1962

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2013 wurde für sechs Opfer der NS-Verbrechen eine weitere Tafel angebracht:

Ermordet, weil sie anders waren
1941 – 1945
(sechs Namen)
In seiner Freiheit von mir hat Gott den Anderen zu seinem Ebenbild gemacht.
D. Bonhoeffer

Die Morde sind beim Namen genannt, aber wer sagt, dass die Opfer »anders« waren? Unklar bleibt worin das »Anderssein« bestand.
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass dieses »Anderssein« als Mordgrund aus der Nazi-Ideologie heraus bestimmt wurde.

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Volkstrauertag 2016

Einer von sechs Kränzen: der Schützenverein Neuenfelde von 1912 e.V. zeigt auf der Schleife auch sein Logo.

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Richard Kuöhl

31. Mai 1880 Meißen – 19. Mai 1961 Bad Oldesloe, bestattet auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Richard Kuöhl gehörte in der NS-Zeit zu den erfolgreichsten Künstlern in Hamburg. Maike Bruhns schreibt über ihn: »Er hatte in Meißen eine Ausbildung zum Töpfer und Modelleur absolviert, anschließend bis 1905 ein Studium an der Kunstgewerbeschule Dresden. (…) 1912 folgte er seinem ehemaligen Lehrer für Architektur in Dresden, Fritz Schumacher, nach Hamburg. (…) In den 20er-Jahren übernahm Kuöhl neben diversen Aufträgen für Grabmäler und Gartenplastik die Ausführung von Kriegsdenkmälern in Norddeutschland. (…) Der Bildhauer verstand es, sich anzupassen, die Erwartungen der Kriegervereine und nationalistischen Kreis zu erfüllen, die markige Darstellungsformen und wuchtige, uniformierte Kriegerfiguren, die ›soldatische Tugenden‹ verkörperten, wünschten.« Kuöhl schuf 1934 auch das Denkmal des Infanterie-Regiments Nr. 76 am Dammtorwall. »Das Denkmal wurde mit einem Aufmarschgelände für feierliche Veranstaltungen umgeben und 1936 mit großem militärischen und städtischen Pomp eingeweiht, es galt fortan als sein ›Meisterstück‹.

Kuöhl blieb in der NS-Zeit der meistbeschäftigte Bildhauer Hamburgs. (…) der derbe ›Hummel-Brunnen‹ im von den Nationalsozialisten unter sozialhygienischen Aspekten sanierten und neu aufgebauten Gängeviertel vermittelte volkstümliches Heimatgefühl, auch er trug zu seiner Popularität bei. Ein dort befindliches Relief, ›Marschierendes Jungvolk‹, wurde nach 1945 abgebrochen. (…)

Kuöhl scheiterte als Kunstproduzent im Dienst der Macht letztlich an seiner Flexibilität, der Fähigkeit, sich virtuos und widerspruchslos auf jegliche Anforderung einzustellen, an seiner Verfügbarkeit für alles und jedes. Er hegte keine moralischen Skrupel, bezog keine eindeutige Gesinnung, sondern passte sich den jeweiligen Anforderungen an. (…) Nach Kriegsende trug ihm seine Haltung die Ablehnung der Aufnahme in den neuformierten BBK ein«.

Quelle: Maike Bruhns: Kunst in der Krise. Bd. 1. Hamburg 2001. Portrait von Richard Kuöhl auf www.hamburg.de

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Neuengamme

Auf dem Friedhof am Feldstegel

Der Findling mit der Inschrift in Kreuzform ist am 4. April 1920 eingeweiht worden. Diese ungewöhnliche Anordnung der Zahlen und Buchstaben wirkt zeitlos modern. Auf Keramiktafeln an einer Backsteinmauer daneben sind die Namen der getöteten Soldaten nach Jahren geordnet 1914 – 1945.

Inschrift:
1914  1915  1916  1917  1918
Dank und Erfurcht allen die geblieben
1939  1940  1941  1942  1943 1944  1945

Davor liegt eine Steinplatte mit dem Logo des VDK (Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands) mit der Inschrift:
Die auf diesem Friedhof beigesetzten 42 Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sind in unser Gedenken eingeschlossen


HH Neuengamme

Foto: Kerstin Klingel

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Neugraben

An der Cuxhavenerstraße vor der Michaeliskirche

Die kleine gut gestaltete Anlage unter Eichen steht auf dem Grundstück der Kirchengemeinde, abgeteilt durch einen schmiedeeisernen Zaun. Im Zentrum steht ein Sandsteinobelisk mit eingelassenen schwarzen Marmortafeln und als Reliefs Lorbeerkranz, Eisernes Kreuz und gekreuzte Schwerter mit Palmwedeln und Schleife. An der Spitze sitzt ein plastischer Adler mit ausgebreiteten Schwingen auf einer Kanonenkugel. 
 

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Der Obelisk wurde 1913, also ein Jahr vor Beginn des 1. Weltkriegs, vom Kriegerverein Neugraben errichtet. Er erinnert an die getöteten Soldaten der Kriege von 1848, 1864, 1866, 1870/71 und mit dem Namen R. Schumacher an den Boxeraufstand in China im Jahr 1900. 

 

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Die Inschriften auf den Marmortafeln sind mit weißer Farbe ausgemalt. Auf der Vorderseite steht:

Mit Gott für König und Vaterland starb 1870 den Heldentod
Es folgt ein Name mit Herkunftsort

Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden Geschlechtern zum Nacheifern!

Errichtet 1913 vom Kriegerverein Neugraben u. Umg. zu Ehren der Veteranen von 1848 bis 1900

An den Seiten folgen die Namen von 43 Kriegsteilnehmern, geordnet nach Herkunftsort und mit Vermerken, an welchem Krieg sie teilgenommen haben.

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Die Mauer

im Jahr 1923 erfolgt die erste Erweiterung der Denkmalsanlage – in den Unterlagen wird sie »Grotte« oder »Felsenmal« genannt: eine leicht gebogene Feldsteinmauer mit stufigen Seiten und einem einsteinigen Vorsprung als Sockel. Drei, ebenfalls schwarze Marmortafeln mit bronzefarbenen Buchstaben sind eingelassen.

HH Neugraben Mauer web


In die größere Tafel in der Mitte sind zwei Eiserne Kreuze mit Krone, »W« für Wilhelm II und der Jahreszahl »1914« eingraviert, dazwischen die Inschrift:

Im Weltkrieg 1914 // 1918 starben für Ihr Vaterland aus den Ortschaften Neugraben: es folgen 46 Namen

Auf den Tafeln rechts und links: Hausbruch 40 Namen, Fischbeck 23 Namen, Neugraben 5 Namen.

HH Neugraben Inschrift web

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Die zweite Erweiterung

1958 erhielt die Steinmauer ein Schriftband aus grauem Sandstein mit Deckelplatte. Darauf steht:
Den Toten zur Ehr den Lebenden zur Mahnung

Ausserdem wurde ein großer Steinblock geteilt, die Hälften wurden rechts und links von der Mauer aufgestellt. Inschrift links:

(Eisernes Kreuz) Den Gefallenen, Vermissten, in Lazaretten u. Gefangenschaft Verstorbenen des Weltkriegs 1939 – 1945

Inschrift rechts: Den durch den Krieg 1939 – 1945 in der Heimat u. auf der Flucht verschollenen u. umgekommenen Männern, Frauen und Kindern

Am 16. November 1958 wurde die Erweiterung eingeweiht.

HH Neugraben links 192web   HH Neugraben rechts 192web

An diesen Inschriften kann man sehr gut erkennen, wie Sprache und Einstellung zu Militär und Krieg sich innerhalb von 45 Jahren gewandelt haben. 1913 starben die Soldaten noch mit Gott den Heldentod für König und Vaterland, die kommenden Geschlechter werden zur Nacheiferung angehalten. 1923 starben die Soldaten auch für ihr Vaterland und der Kaiser kommt noch im Eisernen Kreuz vor. 1958 werden die toten Soldaten, die ja zum großen Teil auch Täter waren, noch geehrt, aber die Lebenden schon gemahnt und auch der zivilen Opfer wird gedacht. Es wäre wünschenswert, wenn eine Informationstafel auf diese Wandlung aufmerksam machen und diese Entwicklung fortschreiben könnte, indem eindringlich zu Frieden ohne Waffen aufgefordert würde.

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Wer ist zuständig?

Auf dem Grund und Boden der Michaelisgemeinde errichtete der Kriegerverein Neugraben 1913 den Obelisk, ebenso wie 1923 die Felssteinmauer. Im Oktober 1950 beklagt der Kirchenvorstand, dass der »hiesige Krieger-Verein« die Pflege und Instandhaltung nicht mehr übernimmt: »Seit 45 ist jede Fürsorge unterblieben.« Aber die Bitte um Unterstützung wird vom Denkmalschutzamt und vom Lichtwarkausschuss negativ beschieden.

Im Jahr 1958 trat die Kyffhäuser-Kameradschaft Neugraben im deutschen Soldatenbund »Kyffhäuser« die Rechtsnachfolge des Kriegervereins an. Die Kameradschaft hat dann mit Zustimmung der Kirchengemeinde die Erweiterung für die Toten des 2. Weltkriegs durchgeführt. Im Ortsbereich Hausbruch - Neugraben - Fischbek wurden viele kleine und große Spenden gesammelt und in einer Mappe dokumentiert. In den Protokollen der Mitgliederversammlung der Kyffhäuser Kameradschaft ist vom »Kamerad Pastor Wachsmuth« als Vertreter der Michaeliskirche die Rede.

Spenden web


»Über dem Felsenmal für die Opfer des ersten Weltkrieges soll ein aus grauem Sandstein gefertigtes Schriftband mit Deckplatte angebracht werden ... Zu beiden Seiten dieses Ehrenmales werden zwei Findlingsblöcke ... aufgestellt werden. Über dem linken Findling wird sich das Eiserne Kreuz erheben....« (Harburger Nachrichten, 15. April 1958). Der Kirchenvorstand sagte zu, dass das »Abschirmgitter« zurückgesetzt werden kann, damit die Öffentlichkeit jederzeit von der Straße aus Zugang hat.

In einem Brief vom 24. Dezember (!) 1958 beklagt der Ausschuß des Ev.-luth. Gesamtverbandes Harburg die Kosten, die durch die Verantwortung der Denkmäler auf Kirchengrund entstehen. »Wir meinen auch, daß es ein Unrecht ist, wenn der Staat sich der Ehrenpflicht gegenüber seinen Gefallenen glaubt entziehen zu dürfen.« (siehe PDF-Download weiter unten)

Zur Einweihung am 16. November 1958 werden 18 Vereine und Verbände und andere Kameradschaften im Kyffhäuserbund eingeladen. »Ich bitte Sie, zu dieser Einweihung eine Abordnung zu entsenden. Falls Sie mit Fahne erscheinen und sich am Kirchgang beteiligen, wollen Sie sich bitte um 9 Uhr 30 beim Gastwirt Peter Wolkenhauer einfinden, damit ein geschlossener Fahneneinmarsch erfolgen kann.«

In einer Vereinbarung vom 18.10.1966 verpflichtet sich die Kameradschaft, weiterhin für die Unterhaltung des Denkmals und der gärtnerischen Anlagen zu sorgen.

HH Neugraben Vereinbarung 1966 web

Bei Auflösung der Kameradschaft sollten Rechte und Pflichten auf die Kirchengemeinde als Eigentümerin übergehen. Dieser Fall trat 1973 ein.

HH Neugraben Abtretung 1973 web

Das Denkmal verwahrlost nun zusehends. Eine zeitlang übernehmen Kirchenmitglieder pflegerische Arbeiten, hatten dies aber 1997 schon seit ein paar Jahren eingestellt.

1997/98 wird eine umfassende Renovierung von der Michaelisgemeinde, dem Schützenverein Scheideholz und dem Schützenverein Neugraben durchgeführt. An den Materialkosten beteiligen sich die Kirchengemeinde, das Kreisdenkmalschutzamt und der Ortsausschuß Süderelbe. Die Schützen malten die Inschriften neu aus und leisteten die erforderlichen Maurerarbeiten. Herr Kaiser vom SV Neugraben spendete die Bepflanzung.

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HH Neugraben Renovierung1 1997 web

Harburger Nachrichten, 30. April 1997

Hier nun einige Dokumente aus dem Süderelbe-Archiv:

 

PDF Download

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Heute liegt die Anlage an der viel befahrenen Cuxhavenerstraße

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Die Einweihung der Mauer 1923

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Es gibt noch eine Wiese vor der Denkmalsanlage!

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Volkstrauertag 1958

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Die Einweihung der zweiten Erweiterung am 16. November

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Wir danken sehr herzlich Frau Katrin Ehlberg vom Süderelbe-Archiv für die großzügige Unterstützung. Die historischen Fotos und die Dokumente stammen aus dem Archiv in der Bücherhalle Neugraben.

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Nienstedten

Auf dem Friedhof in der Rupertistraße

Achteckiges Sandsteinmonument, aus dem das Relief von Jesus am Kreuz hervortritt. Der obere Abschluß ist ein überdimensionaler Stahlhelm auf Eichenlaub, ebenfalls aus Sandstein. An den Seiten sieben senkrechte Tafeln mit den Namen der 277 im 1.Weltkrieg getöteten Soldaten. Darüber eine umlaufende Inschrift:

Dem Vaterlande brachten ihr Leben zum Opfer

Das Monument wurde nach einem Entwurf des Bildhauers Richard Luksch aus einem Sandstein hergestellt, es ist am 5. Dezember 1920 eingeweiht worden. Richard Luksch ist am 23. Januar 1872 in Wien geboren und am 21. April 1936 in Hamburg gestorben. Er wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Von 1907 bis 1936 war er Professor an der Kunstgewerbeschule Hamburg am Lerchenfeld (heute Hochschule für bildende Künste Hamburg). In seiner künstlerischen Arbeit blieb er zeitlebens dem Jugendstil verbunden, sein später Stil war aber »geometrisch geschärft«.


               HH Nienstedten entfernt

HH Nienstedten

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Volkstrauertag 2015

Nach dem Gottesdienst, im Beisein der uniformierten Abordnung der Bundeswehr, werden die Kränze aus dem Altarraum der Nienstedtener Kirche zum Kriegerdenkmal getragen.

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Am Denkmal wird dann »Da Pacem Domine« intoniert:

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.

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Der Kranz der Bundesministerin für Verteidigung, Ursula von der Leyen:

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... und noch ein Erinnerungsfoto mit den Kameraden:

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Christliche Motive

Auf einem großen Teil der Denkmäler des Ersten Weltkriegs finden sich christliche Motive. Diese Denkmäler sind vorwiegend von Kirchengemeinden oder auf Friedhöfen aufgestellt. Der Gedanke des Trost für die Angehörigen der vielen toten Männer stand bei den Stiftern und Künstlern im Vordergrund. Dieser wurde jedoch fast nie mit einer kriegskritischen Haltung verbunden. Im Gegenteil: bei Darstellungen eines Kreuzes oder sogar von Jesus am Kreuz wird der Kreuzestod Christi, als Opfer für die Menschheit, in Analogie zum Kriegstod des Soldaten, der sich auf die gleiche Weise opfert und dadurch bereits gerechtfertigt ist, gesehen. Das Denkmal, bei dem dies in Hamburg am deutlichsten wird, ist das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof Nienstedten von Richard Luksch (1872 – 1936). An der einen Seite des Denkmals hängt dort buchstäblich ein Relief des gekreuzigten Jesus. Dieser ist im Strahlenkranz mit Strahlen aus seinen Wundmalen dargestellt und das Wort »Opfer« aus der Inschrift prangt über dem Kreuz. Zudem krönt das Denkmal ein überdimensionales Stahlhelmrelief. In Verbindung von Trophäe und christlicher Ikonographie wird das Motiv des christlichen Trostes völlig aufgehoben, diesem widersprechen zudem auch die martialischen Gesichtszüge der Jesusfigur.

Zitiert aus Kerstin Klingels Buch »Eichenkranz und Dornenkrone«, Seite 66/67. Siehe auch Menüpunkt Texte >Hintergründe >Formen.

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»Opfer«

Genau zwischen Stahlhelm mit Eichenlaub und Jesus am Kreuz lesen wir die Wörter »ZUM OPFER« – das kann kein Zufall sein:

»Mit dieser Inschrift wird eine Analogie des Gefallenenschicksals mit dem Märtyrertod von Jesus Christus hergestellt: die Soldaten haben sich für das ›Vaterland‹ geopfert wie Jesus Christus für die Menschheit. Diese Argumentation versucht, dem Kriegstod einen Sinn zu geben.«

Wiederum zitiert aus »Eichenkranz und Dornenkrone«, Seite 93

»Es ist nicht wahr, dass die Opfer mahnen, bezeugen, Zeugenschaft für etwas ablegen, das ist eine der furchtbarsten und gedankenlosesten, schwächsten Poetisierungen (...) Auf das Opfer darf sich keiner berufen. Es ist Missbrauch.
Kein Land und keine Gruppe, keine Idee, darf sich auf ihre Toten berufen.«

Ingeborg Bachmann: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.
Dieses Zitat steht auf einer Tafel zum Kriegerdenkmal in Neustadt in Holstein.

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Zitate aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

Für Deutschland gestorben

Von Clemens Tangerding

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...
Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu:
»Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

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Die Einweihung 1920

Aus der Rede von Pastor Thun:

»Da steht es denn nun, unser Ehrendenkmal! Unseren Gefallenen zu Ehren, zu dankbarem, treuem Gedächtnis ist es gesetzt von Männern und Frauen unserer Gemeinde; ernster Künstlersinn hat es uns erdacht, heraus aus dem Miterleben der schweren Zeit, nervige Faust hat es aus Wesergestein herausgemeißelt, der deutsche Ahorn soll seine Zweige darüber wölben, Tannengrün es dicht umhegen. Euch allen soll es gehören, ihr Väter und Mütter, ihr Frauen und Bräute, ihr Brüder und Schwestern, die ihr den Namen eures geliebten Sohnes, Mannes oder Bruders hier eingegraben findet. Euch soll es vor allem gehören.«

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Aus der Geschichte des Denkmals

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Dieser Brief des Steinmetzbetriebs Gebr. Reichert wurde im April 1971 im »Heimatboten« Nr. 4 des Bürger- und Heimatvereins Nienstedten e.V. veröffentlicht. Es gab nämlich bei den Nienstedtener Bürgern unterschiedliche Meinungen darüber, wie mit den Verfärbungen und Verschmutzungen des Kriegerdenkmals umzugehen sei.


PDF Download

Unser Dank geht an die Geschichtswerkstatt Ottensen, die uns das Material zur Verfügung gestellt hat.

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Es stand in der Zeitung

Redakteur Hintze schreibt in der Zeitung »Norddeutsche Nachrichten« am 25. November 1950 unter dem Titel:

Grabstätten von Schönheit und Kultur

... Im Jahre 1920 wurde durch Professor Luksch ein Ehrendenkmal für die im ersten Weltkriege gefallenen Gemeindemitglieder errichtet: Ein zwei Meter hoher Rundbau mit eichenlaubbekränztem Stahlhelm und einer eigenartigen Christusfigur an der Vorderseite, die das blutende Deutschland symbolisiert. Die 260 Namen auf den seitlich angebrachten Gedenktafeln werden von Blutbuchen beschattet. ...

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An der Seite wurde nach dem 2.Weltkrieg ein rechteckiges, leicht konkaves Sandsteinmonument errichtet. Die Inschrift:

1939    Lasset euch versöhnen mit Gott 2. Kor. 5,20    1945


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Hinter der Hecke ...

... befindet sich das Grab der Familie Fürchtegott Reemtsma.

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Das Gedicht von Rainer Maria Rilke über das »Fallen« links neben der nackten Soldatenfigur liest sich in dieser Nachbarschaft anders als gewohnt.


Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh Dir andre an: Es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
 

Links und rechts daneben liegen die Grabplatten:

Reemt10. Oktober 1927
3. September 1943

Jochen
11. Mai 1923
1. März 1945

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Ohlsdorf

Auf der Mittelallee des Ohlsdorfer Friedhofs

Der kleine, aber wuchtige begehbare Rundbau, das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs, steht im Zentrum des zweiflügeligen Soldatenfriedhofs beider Weltkriege.

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Das Monument besteht aus acht kapitellosen Granitsäulen und einem Kern aus rotem Backstein, in den zwei offene sich gegenüberliegende Eingänge führen. Die Halle wurde unter der Leitung des Architekten Gustav Oelsner erbaut, J. Meinert hat sie entworfen, mitgearbeitet hat auch Robert Tischler, der Architekt des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK). Die Anlage wurde am 27. September 1953 eingeweiht.

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Innen stehen sich zwei große Reliefs von Franz Mikorey gegenüber. Auf der einen Seite Soldaten auf einem Friedhof, die wohl gerade einen Kameraden beerdigen. Ihnen gegenüber ist Gruppe von Frauen und Kindern dargestellt – nachdenklich und trauernd.

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© Michael Wassenberg, https://gottesacker.wordpress.com

HH Ohlsdorf Familie web
© Michael Wassenberg, https://gottesacker.wordpress.com

Ein »Ehrenbuch« unter einer roten Marmorplatte im Boden enthält die Namen von 2330 im 2. Weltkrieg getöteten Soldaten. Die Inschrift auf der eingelassenen Platte lautet:
1939  Sonne und Sterne seht Ihr nicht mehr, Ihr Geopferten, aber Ihr lebt in den Herzen derer, die glauben.  1945

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• Die Marmorplatte am 22. Mai 2016

Innen, über einem Ausgang:
1939  Ihr findet sie, wo Ihr nach ihnen fragt. Im Osten gefallen, im Westen beklagt.  1945

»Die verwendeten Texte, die einerseits eine freie Inschriftenlyrik versuchen, andererseits abstrakte Religionsmetaphern benutzen, kennzeichnen die Ratlosigkeit der Zeit und die Unmöglichkeit, für den Soldatentod eine Sinngebung zu finden.«
Volker Plagemann, Vaterstadt, Vaterland..., Christiansverlag, 1986.

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An der Außenwand steht unter dem Logo des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK):
Zum Gedenken an die im Weltkriege 1939 (Eisernes Kreuz) 1945 gefallenen Soldaten

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© Staro1/Wikimedia Commons

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Das Problem

»Das ist ja ein sehr wuchtiger Rundbau mit Säulen, es hat eine monumentale Anmutung und ist natürlich nur vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund zu verstehen.« Und der bedarf heute einer Kommentierung, betonte Ulrike Dorfmüller vom Volksbund 2012 im Deutschlandradio Kultur. Die monumentale Ästhetik und vor allem die Inschriften im Inneren des tempelartigen Rundbaus seien aus heutiger Sicht problematisch.

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Trotzdem gedachte am Volkstrauertag 2013 wieder ein Bundeswehroffizier am »Kriegstempel« der toten Soldaten, trotzdem wurde auch 2014 vom Vertreter der Freien und Hansestadt Hamburg dort ein Kranz niedergelegt:

             HH Ohlsdorf Halle 2014

                Fotos: René Senenko

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Die Willi-Bredel-Gesellschaft, Geschichtswerkstatt e.V. lud zum Volkstrauertag 2014 mit folgendem Text zu einer Aktion ein:

Unter den eisernen Lettern »Zum Gedenken an die im Weltkriege 1939-1945 gefallenen Soldaten« legen am Volkstrauertag jedes Jahr der Hamburger Senat, der Bundesverteidigungsminister und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit zwei rechtslastigen Kameradschaftsverbänden der U-Bootfahrer und der Fallschirmjäger Kränze nieder. Auf der Internetseite der U-Boot-Kameraden Hamburgs lässt sich deren große Verehrung für den Großadmiral und Hitlernachfolger Dönitz nachlesen. An der Kranzniederlegung zum Volkstrauertag 2013 gedachte am Rundbau ein Offizier der Führungsakademie Hamburg auch den »in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten«. Wir halten diese Geste für einen schlimmen Missbrauch der hier beigesetzten 2300 Toten. Die wochenlang am Rundbau verbleibenden Kränze erwecken zudem den Eindruck, dass es bei der Ehrung ausschließlich um tote Soldaten des 2. Weltkriegs geht. Dabei ist seit 22 Jahren bekannt, dass auf dem Gräberfeld Hunderte Opfer des Nationalsozialismus liegen, die mit den Kränzen völlig ignoriert werden. Auf dem Gräberfeld liegen ohne jede Kennzeichnung der Gräber Hunderte Hitlergegner, KZ-Häftlinge, 46 jüdische Kriegsgefangene der Roten Armee, acht verhungerte Kinder von Zwangsarbeiterinnen und rund 70 hingerichtete Wehrmachtsdeserteure. Auf Anregung der Willi-Bredel-Gesellschaft wurde 2013 ein Runder Tisch eingerichtet, um diesen unhaltbaren Zustand zu ändern. Dennoch hält der Volksbund wegen seiner Abhängigkeit von der Bundeswehr an seinem alljährlichen Ritual fest. 
Der Deutsche Bundestag hat am 15. Mai 1997 festgestellt: »Der Zweite Weltkrieg war ein Angriffs- und Vernichtungskrieg, ein vom national- sozialistischen Deutschland verschuldetes Verbrechen.« Wir fordern deshalb, auf eine öffentliche Ehrung von Soldaten des Vernichtungskrieges künftig zu verzichten.

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Schon seit vielen Jahren bemüht sich die Willi-Bredel-Gesellschaft um eine historisch und politisch angemessene Gestaltung und Kommentierung der Gräberanlage:

Am 5. Juni 2010 machte sie mit einer ersten Aktion auf dem Soldatenfriedhof (Friedhof Ohlsdorf) erstmals auf die in Hamburg hingerichteten Deserteure aufmerksam, die sich dem verbrecherischen Krieg der Wehrmacht verweigert oder entzogen hatten. Der Künstler Uwe Schmidt las am Mikrofon die Namen der bisher ermittelten 68 Opfer vor. Ludwig Baumann, Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz, erzählte von seinem eigenen Schicksal und Elke Olsson führte die Teilnehmer zum Grab ihres Vaters Willi Dittmann. Dittmann war kurz vor Kriegsende noch wegen Fahnenflucht am Höltigbaum hingerichtet worden. Sein Grab liegt nur wenige Meter vom Gefallenendenkmal entfernt. Feuerwehr und Baumpfleger befestigten für die Dauer von zwei Wochen ein 3,50 x 5 Meter großes Transparent am Gefallenendenkmal. Darauf hat die Bredelgesellschaft die erwähnten 68 Namen verzeichnet.

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© A. Mundt

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Kriegerehrenallee wird umbenannt

Am Mittwoch, den 24. Juni 2015 steht es auf Seite 8 im Hamburger Abendblatt:

»Die Kriegerehrenallee auf dem Ohlsdorfer Friedhof wird noch in diesem Jahr umbenannt – vorraussichtlich noch im Sommer ... ›Eine Ehrung von Soldaten der Reichswehr beziehungsweise der Wehrmacht impliziert die Akzeptanz der deutschen Kriegsziele im Ersten und Zweiten Weltkrieg‹, sagte der Vorsitzende [der Willi-Bredel-Gesellschaft Geschichtswerkstatt e.V.] Hans Matthaei dem Abendblatt. ›Die hier bestatteten Soldaten haben nicht ihr Vaterland verteidigt, sondern ausschließlich Eroberungskriege geführt.‹ Daher sei eine Umbenennung ›seit Langem überfällig‹.

Auch die Friedhofsleitung ist mittlerweile für eine Umbenennung aufgeschlossen. Rainer Wirz, Leiter Friedhöfe, teilt dazu mit: ›Wir begrüßen den runden Tisch der Initiative ›Umgang mit Weltkriegsgräbern‹ zum Thema Umbenennung der Kriegerehrenallee. Wenn es mit Zustimmung der zuständigen Behörde zu einer Änderung kommt, werden wir umgehend die Beschilderung und die Friedhofspläne entsprechend der neuen Benennung anpassen‹.«

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Der Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK) informiert nun auf seiner Internetseite über die Initiative »Umgang mit den Weltkriegsgräbern«:

Dass auf Kriegsgräberstätten nicht ausschließlich Soldaten und Teilnehmende des Krieges liegen, sondern auch zivile Opfer und weitere Personengruppen, ist gemeinhin bekannt. Dass »Deutsche Soldatengräber« jedoch neben Soldaten auch Flüchtlinge, Zivilisten oder Kriegsgefangene bergen, ist weniger bekannt.
Dies ist auf den »Soldatengräbern« des Ohsldorfer Friedhofs der Fall: Dort sind nicht nur Soldaten beigesetzt. Die Grabfelder, die sich rechts und links des Rundbaus von 1953 erstrecken und als »Deutsche Soldatengräber« gekennzeichnet sind, lässt genau wie die Inschrift auf der Südseite des Rundbaus darauf schließen, dass es sich um einen Soldatenfriedhof handelt. Es finden sich auf den Flächen jedoch auch Gräber von Angehörigen anderer Personengruppen. Darunter gibt es Flüchtlinge und andere Zivilisten, KZ-Häftlinge, im Hamburger Untersuchungsgefängnis Hingerichtete, von der NS-Militärjustiz verurteilte Deserteure, jüdische sowjetische Kriegsgefangene und Kinder von Zwangsarbeiterinnen.
Der Volksbund Hamburg hat sich im Februar 2013 mit einigen Hamburger Institutionen und Organisationen zusammengetan, um dies genauer zu erforschen und dafür eine Initiative zu gründen: die Initiative »Umgang mit den Weltkriegsgräbern auf dem Ohlsdorfer Friedhof«. Erklärtes Ziel ist ein angemessener Umgang mit den Weltkriegsgräber-Anlagen auf dem Ohlsdorfer Friedhof und deren historisch sachgerechte Kommentierung. Zu den Mitgliedern der Initiative gehören die Hamburger Friedhöfe-AöR, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die Landeszentrale für politische Bildung, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., die VVN-BdA Landesverband Hamburg und die Willy-Bredel Gesellschaft e.V.

Derzeit wird eine korrekte Bezeichnung erarbeitet, die den historischen Umständen gerecht wird. Bis dahin verbleiben die bisherigen Beschriftungen am Ort, ergänzt durch eine Informationsschrift, die über die Umstände aufklärt. Im Verlauf der Forschung wird nicht nur für eine richtige Bezeichnung gesorgt, Besuchende können sich auch über die Forschungsergebnisse auf Informationstafeln über die Opfer und ihre Schicksale vor Ort und bei uns informieren.

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Der Soldatenfriedhof

Gleich nach Ausbruch des Krieges 1914 sahen sich die Soldaten mit der Aufgabe konfrontiert, ihre toten Kameraden begraben zu müssen. Die mittlerweile ausgebauten Bahnnetze erlaubten einen schnellen Transport Verletzter und Toter in ihre Heimatorte. Die Zahl der im Lazarett Sterbenden und der überführten Toten war so groß, dass die Verwaltung des Ohlsdorfer Friedhofs schon 1914 die Anlage eines Soldatenfriedhofs planen mußte. Der Entwurf von 2015 stammte von Friedhofsdirektor Wilhelm Cordes. Er war als V-förmige Anlage von Gräberfeldern in die übrige Friedhofslandschaft eingepaßt worden. Zunächst hatten individuelle Holzkreuze auf den Gräbern gestanden.

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Nachdem der Wettbewerb »Zur Anlage von Soldatengrabzeichen« 1920 ohne befriedigendes Ergebnis geblieben war, hatte die »Grabmalgenehmigungsstelle« 1925 gleich hohe Stelen entworfen, sie haben alle die gleiche Schrift, sind aber oben unterschiedlich geformt. Noch heute stehen auf einer offenen Rasenfläche die 3400 Sandsteinstelen mit der so genannten »Kriegstanne« in der Mitte.

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Der am 27. 9. 1953 eingeweihte Friedhof für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs wurde dem alten »Ehrenfriedhof« angegliedert. Er besteht aus Kissensteinen aus Keramik, unterbrochen von Steinkreuzgruppen.

HH Ohlsdorf 2WK web

Statistik des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Die Kriegsgräberstätten nehmen eine Fläche von etwa 12 Hektar des 400 Hektar großen Friedhofs ein.

1. Weltkrieg (mehr als 4.000 Kriegstote):
3400 deutsche Soldaten (Grabanlage an der »Kriegerehrenallee«)
249 Kriegstote verschiedener Nationen
676 Soldaten des British Commonwealth (Anlage der Commonwealth War Graves Commission)

2. Weltkrieg (mehr als 48.000 Kriegstote und Opfer der Gewaltherrschaft):
1.932 Opfer der Konzentrationslager
1.703 Zwangsarbeiter aus 28 Nationen
320 ausländische Kriegsopfer (nach dem Krieg verstorben)
1889 Soldaten des British Commonwealth (Anlage der Commonwealth War Graves Commission)
mehr als 400 Kriegsopfer aus den Niederlanden (Niederländische Ehrenanlage)
49 Flüchtlinge
1.931 deutsche Soldaten (Gräberfeld an der »Kriegerehrenallee«)
36.918 Bombenopfer in vier Sammelgräbern von 1943
2.282 Bombenopfer (Gemeinschaftsanlage mit Dornenkrone)

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Familiengrabmale

An der Peripherie der Anlage für die toten Soldaten stehen mehrere aufwändig gestaltete Grabmale, die Familien für ihre Angehörigen errichtet haben. Zum Beispiel das der Familie Brinckmann für die Söhne John und Walter:

          HH Ohlsdorf Brinckmann web


Zu Füßen des Soldaten aus dem 1. Weltkrieg mit langem Mantel und Pickelhaube liegen ausländische Opfer des NS-Regimes, darunter Kinder von Zwangsarbeiterinnen.

Herbert Diercks hat die Situation in seinem Buch »Friedhof Ohlsdorf – Auf den Spuren von Naziherrschaft und Widerstand« auf den Seiten 59-62 beschrieben.

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Ein weiteres Gräberfeld mit Opfern des Naziregimes, die aber nicht als solche gekennzeichnet sind, liegt nahebei. Zwischen beiden Gräberfeldern man diesen Grabstein betrachten:

HH Ohlsdorf Grab Schumacher SS web        

• Im Februar 1939 starb der 22-jährige Heinz Schumacher den Fliegertod für sein Vaterland. Unten die SS-Runen.

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Die »Heldengedächnishalle«

Im Juli 1919 schlug Pastor Andresen als Vertreter der Kirche der Friedhofsdeputation eine Heldengedenkhalle als Hamburger »Gesamtkriegerehrung« vor und zwar auf dem Platz des heutigen Rundbaus. Dieser Vorschlag stieß auf allgemeine Zustimmung.

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• Diese offizielle Werbepostkarte bildet den Entwurf von Walther Puritz aus dem Jahr 1921 ab. Das »Büro des Arbeitsausschusses: Hamburg-Kunsthalle« ließ sie drucken und verkaufte sie für 1.00 M.

Viele Jahre mit den unterschiedlichsten Plänen später, klärte sich die Frage der zentralen »Gefallenenehrung«: die Stele am Rathausmarkt (siehe Hamburg > Mitte) wurde errichtet. Lesen Sie hier die schwierige Vorgeschichte eines Kriegerdenkmals auf dem Ohlsdorfer Friedhof, die 1979 eine Autorengruppe um Roland Jäger, in »Ein Kriegsdenkmal in Hamburg«, veröffentlichte. Unser Dank gilt den Autoren.

 

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Othmarschen

Gemauerte Pyramide im kleinen naturbelassenen Park

Zur Anlage mit dem Kriegerdenkmal geht man drei Stufen hinunter. Hinter einer riesigen Eibe in der Mitte des Parks ist die kleine Pyramide erst gar nicht zu entdecken. Sie hat einen Sockel aus behauenen Natursteinen, der Aufbau besteht aus geformten Betonsteinen, die streifig verputzt sind – eine empfindliche Konstruktion, wie man an vielen Stellen sieht, dort platzt der Putz ab.

            HH Othmarschen Pyramide web

An der Frontseite liegt als Relief ein Stahlhelm auf einem Podest – es könnte auch ein Sarkophagdeckel sein? – umgeben von einem heroisierenden Strahlenkranz.

HH Othmarschen Helm web


Die Inschrift, in erhabener Schrift gestaltet, lautet:

Die Einwohner Othmarschens Ihren Gefallenen zum Gedächtnis
1914 – 1918 
1939 – 1945 (nachträglich ergänzt?)

Darunter ist ein steinerner Kranzhalter eingemauert, der inzwischen beschädigt ist.

 

            HH Othmarschen seitlich web

An den Seiten stehen 87 Namen unter der Überschrift auf der rechten Seite: Es starben für das Vaterland

 

HH Othmarschen Vaterland web


Für die Inschrift und die Namen wurde eine Kunstschrift gewählt, die für die Namen fein gemeisselt wurde. Kaputte Stellen wurden früher wohl kunstvoll repariert, mittlerweile scheint das Denkmal weitgehend unbeachtet zu sein.

 

HH Othmarschen Schrift web

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> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 

Ottensen

Klopstockstraße, Friedhof bei der Christianskirche

Fast zugewachsen von Rhododendronbüschen und sehr verwittert: Ein großer Findling mit einem »Eisernen Kreuz« im Relief. Inschriften:

1914 – 1918
Treue um Treue

Ihren gefallenen Helden die Christians-Gemeinde

Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande

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Foto: Kerstin Klingel

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Umdeutung traditioneller Ideale

Traditionelle Tugendbegriffe wie »Ehre« und »Treue« oder auch »Kameradschaft«, »Gehorsam« usw. waren in der Sprache der SS-Ideologie reichlich enthalten. Jedoch hat die SS durch einen spezifisch nationalsozialistischen Gebrauch diesen Wörtern ihren eigenen Sinn verliehen. So war der Begriff »Treue« allein auf die Person Adolf Hitlers ausgerichtet. Dies drückte sich unter anderem im Eid der SS-Männer aus:

»Wir schwören Dir, Adolf Hitler (…) Treue und Tapferkeit. Wir geloben Dir und den von Dir bestimmten Vorgesetzten Gehorsam bis in den Tod« […]

»Treue« war innerhalb der SS-Ideologie ein widerspruchsloser Gehorsam. Durch die Gleichsetzung der Begriffe »Treue« und »Ehre« wurde ein Treuebruch zu einem Ehrverlust. Der Begriff »Ehre« verlor dadurch seinen traditionellen moralischen Inhalt. Denn die Ehre eines Soldaten etwa, der sich aus Ehrgefühl weigern könnte, an einem Kriegsverbrechen teilzunehmen, spielte im Ehrbegriff der SS keine Rolle mehr. Es zählte allein der blinde Gehorsam.
Die Projektion der Tugendbegriffe auf den Führer hin war notwendig, um den bedingungslosen Gehorsam auch bei verbrecherischen Befehlen zu erreichen. Dies konnte man nicht durch ein Gesetz erzwingen. Es bedurfte der Freiwilligkeit des Soldaten, die durch Umdeutung traditioneller Tugendideale erreicht wurde.

(nach Wikipedia)

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»Treue um Treue«

Erlass von Heeresinspekteur Bruno Kasdorf vom 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai:
»Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte] wird der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom ›Karfreitagsgefecht‹ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.
In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.
In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches ›Treue um Treue‹ für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.«

Die im Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:
»Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift ›Treue um Treue‹. (…) Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.«

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»1914 − 1918 / Treue um Treue«

Christianskirche in Hamburg-Ottensen

So ist es auf dem großen Findling mit Eisernem Kreuz neben der Christianskirche zu lesen.
Nur schwer zu entziffern sind die weiteren Inschriften:
»Ihren gefallenen Helden die Christiansgemeinde.
Ps. 101.6: Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande.«

Für Pastor Frank Howaldt und eine Gruppe von Gemeindemitgliedern ein Anlass, nachzuforschen und zu fragen: Um welche Treue geht es hier? Waren die getöteten Soldaten Helden? Wie kann heute ein Gedenken an die Millionen Toten des 1. und auch des 2. Weltkriegs gestaltet werden?

Kontakt: Pastor Frank Howaldt, howaldt@kirche-ottensen.de

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Um das Gespräch über das Kriegerdenkmal auf dem Kirchhof und seine Inschrift in Gemeinde und Stadtteil herauszufordern, beteiligte sich die Gemeinde an der temporären Kunst-Aktion. Wenn Sie mehr über die Intention der Kunstaktion wissen wollen, dann klicken Sie oben auf Aktivitäten >Initiativen.

Fast zeitgleich mit der 350-Jahr-Feier von Altona begann die Aktion am 22. August 2014 um 15:00 Uhr. Am Mittwoch, 3. September 2014 um 19:00 Uhr fand in der Christianskirche im Anschluss an den Abendgottesdienst »Man wollte vergessen die Tränen« eine öffentliche Diskussionsveranstaltung statt.

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● Diskussion vor dem »Treue um Treue«-Stein am Abend des 3. September: Pastor Howaldt und die Gemeindemitglieder wollen die Wahrnehmung verändern. Welche Idee wird umgesetzt werden?

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3. September 2014, 19:00 Uhr

»Man wollte vergessen die Tränen«

Abendgottesdienst zum Gedenken: 100 Jahre WK1

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Freitag, 22. August 2014

Die Aktion beginnt

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● Auf der Wiese zwischen Rathaus und Christianskirche: Uwe Schloen.

HH Altona Aktion Wiese web

● Pastor Ulrich Hentschel erklärt das Projekt.

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● Der »Schlachtgesang« von Klopstock wurde an seinem Grab gelesen.

HH Altona Lied web

● Dorothea Kyrieleis (Gesang) und Hans Bunge (Akkordeon) tragen das damals weit verbreitete Kriegslied »Burg Stolzenfels am Rhein« vor.

HH Altona Aktion Putzen web

● Ein Pastor und eine Pastorin, die ein Kriegerdenkmal putzen.

Wir sind sehr gespannt, wie die zahlreichen Besucher des großen Altona-Jubiläums am Samstag und Sonntag reagieren werden.

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Kristian Stemmler berichtet am gleichen Tag für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) von der Veranstaltung:
»Vergebens fließet unser Blut fürs Vaterland«, Hamburger Kunstaktion will Blick auf Kriegerdenkmäler verändern.

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... und so trubelig sah es dann am Sonntag auf der großen Wiese aus:

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Elbe Wochenblatt, 20. August 2014

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Soldatengräber

Stefan Peker hat Frottagen (die Oberflächenstruktur eines Gegenstandes wird durch Abreiben mittels Kreide oder Bleistift auf ein aufgelegtes Papier übertragen) von zwei Soldatengräbern des alten Friedhofs der Christianskirche hergestellt. Am Buß- und Betttag 2014 wurden Fotos der Frottagen im Kirchenraum ausgestellt.

HH Altona PeterBahr1918 web

HH Altona EnriqueNollau1914 web

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