VIELFALT IN DER STADT

Kriegerdenkmäler in Hamburg

So unterschiedlich die ästhetisch-künstlerische Gestaltung, die Texte und Inschriften der Kriegerdenkmäler in Hamburg auch erscheinen mögen, gemeinsam sind den meisten die nachträgliche Stilisierung der getöteten Soldaten zu Helden und die Legitimation des Krieges als Kampf für Volk, Kaiser und Vaterland. Eine Absage an Krieg und Militär und ein Bewusstsein von Verantwortung und Schuld findet sich nicht.

155 Kriegerdenkmäler hat Kerstin Klingel in ihrer von der Landeszentrale für politische Bildung 2006 veröffentlichten Untersuchung für Hamburg dokumentiert. Die meisten davon sind nach dem 1.Weltkrieg errichtet worden: auf öffentlichen Plätzen, neben Kirchen, auf Friedhöfen. Alle diese Denkmäler sind über viele Jahrzehnte Orte der Kriegsverherrlichung gewesen und in der Regel bis heute gut erhalten. Nur sehr wenige sind neu oder umgestaltet worden.

Wir dokumentieren hier einige typische Beispiele aus verschiedenen Hamburger Stadtteilen. Die Fotos sind, wenn nicht anders angegeben, von Klaus Wegner.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

Alt-Rahlstedt

Am Anny-Tollens-Weg

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs aus Alt-Rahlstedt ist hat Maurermeister August Dabelstein 1926 entworfen und gebaut, gestiftet hat es die Gemeinde Alt-Rahlstedt.

HH Rahlstedt 2008gr web

Es ist eine aus Natursteinen gemauerte Pyramide mit stumpfer dreistufiger Spitze. An jeder Seite sind Marmortafeln angebracht: auf der Frontseite die Tafel mit der Widmung:
Den im Weltkriege 1914 - 1918 gefallenen Helden in Dankbarkeit errichtet. Die Gemeinde Altrahlstedt

Diese Tafel ist nicht mehr die ursprüngliche (siehe alte Fotos weiter unten). Wir wissen nicht was auf den alten Tafeln stand und warum sie zweimal erneuert worden sind.

Darüber das aufgesetzte Relief eines Eisernen Kreuzes aus hellem Stein. Auf den Marmortafeln der drei anderen Seiten stehen insgesamt 93 Namen mit Todesdaten. Das Denkmal steht auf einem vierstufigen Sockel. Wie man auf der Postkarte von 1935 erkennen kann, ist eine 5. Stufe später entfernt worden.

HH Rahlstedt 2008 web

HH Rahlstedt Mai2014 Matzematik web

© Matzematik/Wikimedia Commons

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Die Einweihung am 26.9.1926

HH Rahlst Einweihung web

HH Rahlst Einweihung2 web

HH Rahlst Einweihung3 web

• Neben vielen Herren mit Zylinder sind auch Veteranen mit Pickelhaube zur Einweihungsfeier gekommen

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Historische Fotos

HH Rahlst 1929 web

• 1929

HH Rahlst 1930 web

• 1930

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Postkarten aus dem Jahr 1935

HH Rahlstedt Karte1935 web

HH Rahlstedt Postkarte 1935 2

Die gleiche Persepektive, aber die Tafel wurde ausgetauscht.

Alle nicht gekennzeichneten (also alle bis auf eins!) Fotos und Postkarten haben wir vom Bürgerverein Rahlstedt erhalten. Ganz herzlichen Dank an Horst Schwarz.

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Neu-Rahlstedt

An der Remstedtstraße, Ecke Wehlbrook

HH Neurahlstadt 2004 web

• Großes Aufräumen im Frühjahr 2004

Auch dieses Kriegerdenkmal in Neu-Rahlstedt hat der Maurermeister August Dabelstein im Jahr 1926 fertiggestellt. Der Entwurf stammte von Dr.ing. Dietrich Dieckmann (1878-1936), ebenfalls aus Rahlstedt. Die Einweihung war im September 1926. In einer Anlage mit Bänken steht auf einem zweistufigen Sockel eine aus Natursteinen gemauerte Pyramide mit einer Steintafel in Wappenform. Oben im Relief ein Stahlhelm auf gebündelten Lorbeerzweigen, die noch unnatürlich eckig an den Seiten herunterhängen; unten ein ebenfalls vorstehendes Eisernes Kreuz. Das Denkmal wurde von der Gemeinde Neu-Rahlstedt gestiftet.

Die Inschrift lautet:

Unseren Helden 1914–1918

Das Wort »Helden« hat wohl schon einmal Widerspruch erzeugt, es wirkt angegriffen.

          HH Rahlstedt2 Inschrift

Auf der Rückseite ist eine Bronzetafel mit 20 Namen von getöteten Soldaten mit deren Todesdaten und Todesorten angebracht. Auf die Pyramide aufgesetzt ist eine achteckige Steinschale.

HH Neurahlstadt Einweihung web

• Die Einweihung 1926

HH Neurahlstadt Foto1937 web

• Sehr gepflegt im Jahr 1937

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Alte Postkarten

HH Neurahlstadt Karte2 web

HH Neurahlstadt Karte web

             HH Neurahlstadt Kartehoch web

Alle Fotos und Postkarten haben wir vom Bürgerverein Rahlstedt erhalten. Ganz herzlichen Dank an Horst Schwarz.

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August Dabelstein

Auch das Denkmal für den wohl bekanntesten Bürger Rahlstedts Delev von Liliencron erbaute August Dabelstein nach einem Entwurf von Arthur Wiechert. Am 3. Juni 1934 wurde es zusammen mit dem Liliencronpark, in dem es steht, eingeweiht. An diesem Tag wäre Detlev von Liliencron 90 Jahre alt geworden.

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Sinstorf

Neben dem Haus der Freiwilligen Feuerwehr

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs ist aus bunten Feldsteinen mit wulstigen Fugen gemauert worden. Drei Stufen führen auf die Ebene des Monuments. Das Mittelteil ähnelt einem Obelisk, eingelassen ist eine trapezförmige Bronzetafel mit dem Relief eines rückwärts sinkenden, nackten Fahnenträgers. Darunter die Kranzhalterung. Oben aufgesetzt ist ein Eisernes Kreuz aus Bronze.

HH Sinstorf ganz Ralf Broehan web
Foto: Ralf Bröhan


Die Ziffern und Buchstaben der Inschriften sind auffallend klein. Über dem muskulösen Nackten die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs:
1914 – 1918

Darunter, sozusagen der Boden auf dem der Fallende steht:
Den Gefallenen zur Ehre die Gemeinde Sinstorf

Nachträglich aufgesetzt sind die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs unten links und rechts der Tafel – ähnlich zurückhaltend in der Größe.


HH Sinstorf ganz Gerhard Kemme Wikimedia Commons web
Foto: Gerhard Kemme / Wikimedia Commons

Auf den seitlichen Mauerzungen sind Namenstafeln aus Bronze angebracht. Je vier Namen mit Dienstgrad, Todesdatum und Sterbeort.


HH Sinstorf ganz Ralf Broehan Tafel Links web
Foto: Ralf Bröhan

HH Sinstorf ganz Ralf Broehan Tafel Rechts web
Foto: Ralf Bröhan

Das Denkmal steht neben dem Haus der Freiwilligen Feuerwehr von Sinstorf, das im Jahr 1901 erbaut wurde und das fast wie ein Kirchlein aussieht.

HH Sinstorf ganz Ralf Broehan FF web
Foto: Ralf Bröhan

 

Wir danken Ralf Bröhan, dass wir seine Fotos vom Sinstorfer Denkmal hier zeigen dürfen.

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Historisches Foto

HH Sinstorf alt web

Aus dem Archiv des Denkmalschutzamtes Hamburg

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Sülldorf

Vor der St. Michael Kirche an der Sülldorfer Landstraße

Findling mit Soldatenkopf und Eisernem Kreuz als Relief, davor liegt seit dem 13. März 1960 eine Steinplatte mit eingelassener Inschrift. Der Findling wurde gestaltet nach einem Entwurf von Bildhauer Oskar Wilhelm Witt, geboren am 9. April 1892.


HH Sulldorf

HH Suelldorf flamenc Wikimedia Commons web

© flamenc/Wikimedia Commons


Inschriften
Findling: Ihren gefallenen Söhnen
1914  1918
Die Gemeinde Sülldorf

Steinplatte:
Den Toten des Krieges 1939 - 1945
Wir denken an euch

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Bezeichnungen für die Toten

»Bei der Bezeichnung ›Söhne‹ – außerdem kommen selten auch ›Väter‹ bzw. ›Brüder‹ vor – kommt eine andere Komponente ins Spiel. Zwischen den Stiftern und den Gefallenen wird durch die Verwendung dieser Verwandschaftsbegriffe eine familiäre Beziehung konstruiert, die Vertrautheit suggerieren soll. Auch durch dieses sprachliche Mittel soll der Kriegstod seinen Schrecken verlieren.« (Seite 89)

»Der Begriff ›Gefallener‹ für die getöteten Soldaten, der auch häufig verwendet wird, scheint an sich, aus heutiger Sicht neutral. In ihm liegt jedoch ein Euphemismus. Er suggeriert, dass der Soldat im Kampf stehend, oder besser vorwärts stürmend von einer Kugel getroffen wurde und dann tot zu Boden fiel. Dass der reale Kriegstod zumeist weitaus brutaler ist, wird in diesem Begriff verschleiert. Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurde das Wort ›Gefallener‹ als Bezeichnung für Soldaten, die im Krieg gestorben sind, so weit neutralisiert, dass die ursprüngliche Besetzung des Begriffs einer realistischeren Vorstellung vom Kriegstod gewichen und das Wort mittlerweile allgemein gebräuchlich ist. Bei der Verwendung auf Denkmälern nach dem Ersten Weltkrieg ist allerdings noch anzunehmen, dass das Wort ›Gefallener‹ dazu dienen sollte, über die Realität des Sterbens in den Materialschlachten hinwegzutäuschen. (Seite 92)

Zitiert aus Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone

Anmerkung: In unseren eigenen Texten auf dieser Website benutzen wir das Wort »Gefallene« ganz bewußt nicht. Wir glauben, dass dieses Wort auch heute noch eine sprachliche Verharmlosung ist.

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Das Eiserne Kreuz

Das Eiserne Kreuz (EK) war eine ursprünglich preußische, später deutsche Kriegsauszeichnung, die vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. am 10. März 1813 in Breslau für den Verlauf der Befreiungskriege in drei Klassen gestiftet wurde. Das erste Eiserne Kreuz verlieh Friedrich Wilhelm III. persönlich seiner verstorbenen Gemahlin Luise posthum....

Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt. Wörtlich heißt es dazu:

»Sr. Königl. Maj. haben beschlossen, für die Dauer des jetzigen Krieges eine eigenthümliche Auszeichnung des Verdienstes eintreten zu lassen. Sie soll in einem schwarzen in Silber gefaßten Kreuz aus Gußeisen bestehen, und dessen Vorderseite ganz glatt und ohne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite aber zu oberst den Namenszug FW mit der Krone, in der Mitte drey Eichenblätter, unter die Jahreszahl 1813 enthalten. Se. Maj. haben allerhöchstselbst die anliegende Zeichnung davon entworfen, und wünschen eine sauber ausgeführte Zeichnung.« ...

Im Zweiten Weltkrieg führte Hitler das Eiserne Kreuz als Kriegsauszeichnung wieder ein. Etwas dicker gefertigt, erhielt es die Jahreszahl 1939 auf die Vorderseite (1813 kam auf die Rückseite) und in die Mitte das Hakenkreuz. Es wurde nun nicht mehr wie nach preußischer Tradition am schwarz-weißen Band, sondern an einem (von außen nach innen gesehen) schwarz-weiß-roten Band getragen. Die Stiftungen von 1813, 1870 und 1914 schlossen sowohl »Tapferkeit vor dem Feind« als auch Verdienste ohne Kampfeinsatz in die Verleihungsbestimmungen ein. Die Stiftung von 1939 schloss Nicht-Kombattanten erstmals von der Verleihung aus; für sie und für Kombattanten im rückwärtigen Frontgebiet bzw. an der »Heimatfront« wurde das Kriegsverdienstkreuz (1939) gestiftet.

Wikipedia, Eisernes Kreuz

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Uhlenhorst

An der Aussenalster Schwanenwik/Hartwicusstraße

HH Schwanenwik Alster web

HH Schwanenwik frontal web

Eine Sandsteinplatte im Ecksockel der Stützmauer am Rand der Liegewiese erinnert an den Tod dreier Soldaten, die mit einem Flakgeschütz auf einer künstlichen Insel mitten auf der Alster Hamburg verteidigen sollten.

HH Schwanenwik Stein web

 

Inschrift in erhabenen Lettern:

Für Deutschland fielen [Eisernes Kreuz als Relief) auf der Alster
Ogefr. Böhmer 
λ 25.7.43
Uffz. Poggel
Lwh. Schopper
λ 30.7.43

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Die Geschichte

Im Juli 2007 erschien in der Hamburger Morgenpost folgender Bericht:

»Für Deutschland fielen auf der Alster ...«

Das Geheimnis hinter der Gedenktafel

Die Gedenktafel ist an der Liegewiese am Schwanenwik (Hohenfelde) angebracht. Der Text »Für Deutschland fielen auf der Alster ...« macht Spaziergänger ratlos. Die Gedenkplatte erinnert an den Tod dreier Soldaten im »Feuersturm von Hamburg« vor 64 Jahren. Sie waren die Besatzung eines Flak-Geschützes, das mitten auf der Alster auf einer künstlichen Insel stand.

»Feuerstellung Alsterbatterie«, so hieß die ungewöhnliche Stellung. Die Alster spielte im Luftkrieg eine wichtige Rolle. So wurde auf dem Höhepunkt der Angriffe 1942/43 die Binnenalster mit Holzbauten abgedeckt, um den angreifenden Bombern die Orientierung zu erschweren. Gleichzeitig errichtete die Luftwaffe die künstliche Insel auf der Außenalster. Am Freibad Schwanenwik entstanden Baracken für die Besatzung, ein 750 Meter langer Steg wurde angelegt, über den die Soldaten bei Alarm zu ihren Geschützen rennen mussten. Das waren vier schwere 10,5-Zentimeter-Flaks.

Die Besatzung bestand aus Soldaten – und 54 kaum 16-jährigen Schülern vor allem der Schulen Armgartstraße und der Oberschule St. Georg. Einer von ihnen war Wolfgang Schopper. Als Ende Juli eine Luftmine nahe der »Alster-Batterie« einschlug, hatte der 15-Jährige Dienst. Er wurde von Splittern getroffen, starb am 30. Juli 1943 zusammen mit Unteroffizier Poggel. Der Obergefreite Böhmer war an der Stellung bereits am 25. Juli gefallen. Ihnen gilt die Gedenktafel.

Wer sie angebracht hat, ist unbekannt. Überlebende Flakhelfer der Alster-Batterie haben sich vor zehn Jahren getroffen. Wolfgang Lange: »Ich bekam nach den Angriffen von Reichsmarschall Göring das Kriegsverdienstkreuz. Damals habe ich mich gefreut.« Doch die Nazis haben ihm seine Jugend gestohlen, resümierte er traurig. Theologe Jürgen Moltmann (Jahrgang 1927) erinnert sich: »Die Bombe, die den Freund neben mir zerriss, hat mich verschont. Und in der Nacht habe ich mich gefragt: ›Wo ist Gott?‹«

Zitiert aus der Hamburger Morgenpost, Juli 2007

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Lwh Schopper

Bei den Juli-Angriffe der »Operation Gomorrha« auf Hamburg 1943 starb in der Flak-Stellung auf der Außenalster der 16-jährige Hans-Wolfgang Schopper. Am 30. Juni 1943 verlor er als erster Luftwaffenhelfer sein Leben. Er war Schüler der Oberrealschule für Jungen in der Armgartstraße, früher Realgymnasium des Johanneums.

Als die früheren Erfolge Nazi-Deutschlands zunehmend durch Misserfolge abgelöst wurden, hatten Hitler und Göring am 20. September 1942 die Aufstellung einer Flakmiliz aus Jugendlichen vereinbart, die am 15. Februar 1943 einberufen wurden. Es waren die Jahrgänge 1926 und 1927, die Schüler der Jahrgänge 1924 und 1925 waren schon beim Militär. In Hamburg wurden 2051 Jungen zum Flakdienst rekrutiert.

HH Uhlenhorst LWH web

• Befehlsempfang für die Flakhelfer auf dem Dach des Bunkers am Heiligengeistfeld, ca. 1944

Lesen Sie mehr in »Schule und Krieg« aus Hamburger Schulen im »Dritten Reich«, Band 1, von Uwe Schmidt, herausgegeben von Rainer Hering. Erschienen in den Beiträgen zur Hamburger Geschichte, Band 64. Herausgegeben vom Verein für Hamburgische Geschichte.

 

Schule und Krieg

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Operation Gomorrha

Die Bibel berichtet im 1. Buch Mose, 19, 24:
»Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra«. Genesis 9,24

Operation Gomorrha war der militärische Codename für eine Serie von Luftangriffen, die die Westalliierten im Luftkrieg vom 24. Juli bis 3. August 1943 auf Hamburg ausführten.

HH Uhlenhorst Op Gomorrha web

• Eilbeker Weg nach den Bombenangriffen der Operation Gomorrha

Die Anzahl der Opfer der Operation Gomorrha ist nicht genau festzustellen. Bis zum 30. November 1943 wurden 31 647 Tote geborgen, von denen 15 802 identifiziert werden konnten. Heutige Beiträge der Geschichtswissenschaft nehmen eine Zahl von etwa 34 000 Toten und 125 000 Verletzten infolge der Operation Gomorrha an.

HH Uhlenhorst Marcks01 web

HH Uhlenhorst Marcks02 web

• Mahnmal von Gerhard Marcks

Auf dem Friedhof Ohlsdorf befindet sich die Kriegsgräberstätte Bombenopfer Hamburg-Ohlsdorf. Sie umfasst die Bombenopfer-Einzelgrabanlage und ein großes kreuzförmig angelegtes Massengrab mit breiten Armen von über hundert Meter Länge zwischen Eichen- und Kirschenallee. Im Mittelpunkt dieser kreuzförmigen Fläche wird der hier beigesetzten 36 918 Bombenopfer mit dem Mahnmal von Gerhard Marcks gedacht. Dargestellt ist der Totenfährmann Charon, der ein Brautpaar, einen Mann, eine Mutter mit Kind und einen Greis über den Acheron setzt. Das Denkmal wurde am 16. August 1952 unter starker Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht und ist bis heute der Ort für die offiziellen Kranzniederlegungen des Hamburger Senats.

Nach Wikipedia, 30. Juli 2017

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Zwei Husaren in Wandsbek

Am Husarendenkmal

Das bronzene Standbild »Der Meldereiter« wurde 1938 nach einem Entwurf des Berliner Bildhauers Professor Johann Jaenichen (gestorben 1945) von H. Noack errichtet. Der Husar in Kampfbewaffnung scheint sein Pferd zum Angriff zu treiben.
Am 22. Mai wurde es eingeweiht, am 135. Traditionstages des Regiments, der vom Husarenbund mit einem großen Appell begangen wurde. Auf dem Veranstaltungsabzeichen war als Motiv eine Husarenmütze zwischen Eichenblättern zu sehen. Der Husarenbund hat das Denkmal auch gestiftet. Die Inschrift ist nicht den Gefallenen gewidmet, sondern dem Regiment. Sie lautet:

Dem Husaren-Regiment Königin Wilhelmina der Niederlande Hannoversches Nr.15 und seinem Reserve-Husaren-Regiment Nr.6

HH Wandsbek2 Matzematik Wikimedia web

© Matzematik/Wikimedia Commons

HH Wandsbek2 Pincernode web

© Pincerno@de.wikipedia

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Der abschiednehmende Husar nach einem Entwurf des Bildhauers Oscar Erwin Ulmer (geboren 19.6.1888, gestorben 9.12.1963 in Hamburg) ist am 8./9. Juni 1923 während eines Regimentstreffens eingeweiht worden. Die verhaltene Inschrift lautet:

Den Gefallenen des Husaren-Regiments No 15 zum Gedächtnis 1914-1918

Das an ein Grabmal erinnernde Monument zeigt das quadratische Relief eines vor seinem gezügelten Pferd stehenden Husaren. An den Seiten jeweils ein nach unten zeigendes Schwert mit Lorbeerkranz als Relief. Auf der Rückseite kann man 95 Namen von im 1.Weltkrieg getöteten Husaren lesen, geordnet nach Eskadronen (Schwadronen) und unter »Ausserdem« die Namen von 37 Husaren, die in der Kriegszeit an Krankheiten gestorben sind. Das Denkmal ist von einem Metallzaun umgeben.

HH Wandsbek1 Matzematik Wikimedia web

© Matzematik/Wikimedia Commons

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Geschichte und Bedeutung

»Das Monument ist wirklich dem Gedächtnis der Gefallenen gewidmet. Die Darstellung des Reliefs unterstreicht diese Tendenz; es kann sowohl der Abschied des in den Krieg Ziehenden, wie der Abschied des in den Tod Gehenden gemeint sein. Der Darstellung ist die heroisierende Wirkung von Denkmälern, die nur wenig später entstanden sind, noch fern.
Dies muß auf späteren Regimentstreffen immer deutlicher geworden sein. Nur so ist es zu erklären, daß an derselben Straße und für und von demselben Regiment ein zweites Denkmal gestiftet wurde. Ein Jahr vor Kriegsbeginn, 1938, war es fertig.«

Volker Plagemann, Denkmäler in Hamburg, Hans Christians Verlag, Hamburg, S.136

Lesen Sie hier weiter zur Entstehung der beiden Denkmäler aus Volker Plagemanns Buch:

 

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»Die Entstehungsgeschichte dieser zwei ungleichen Monumente, die doch so deutlich Zeugnis ablegen von der Zeit ihrer Aufstellung«.

Eine gute Beschreibung der Zeit zwischen den Weltkriegen gibt Hans Werner Faerber.

 

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Postkarten aus früheren Zeiten

HH Wandsbek1 Karte

HH Wandsbek Karte1961 web

• Die untere ist aus dem Jahr 1961, die obere ist älter

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Die Husaren in Wandsbek

Das Regiment wurde ursprünglich am 19. Dezember 1803 als Kavallerie-Verband der Streitkräfte des Königreichs Hannover gebildet. Nach dem verlorenen Krieg von 1866 und der Annexion des Landes durch das Königreich Preußen wurde das Regiment als Husaren-Regiment (Hannoversches) Nr. 15 in die Preußische Armee übernommen. Im Zusammenhang mit der Gründung des Deutschen Reichs am 18. Januar 1871 in Versailles und dem Inkrafttreten der Verfassung vom 16. April 1871 wurde die Abteilung im Juni 1871 in die damalige Stadt Wandsbek verlegt (der erste Wandsbeker Bürgermeister Wilhelm Lesser  machte es möglich). Dieser Standort sorgte für die volkstümliche Bezeichnung Wandsbeker Husaren. Zu Ehren der niederländischen Königin Wilhelmina benannte Wilhelm II. das Regiment am 31. August 1898 in Husaren-Regiment »Königin Wilhelmina der Niederlande« (Hannoversches) Nr. 15 um.
Nach dem Waffenstillstand und dem Rückmarsch in die Heimat nach dem 1. Weltkrieg wurde das Regiment demobilisiert und schließlich 1919 aufgelöst. Teile schlossen sich der als Freikorps tätigen Brigade Grodno an und wurden später als Reichswehr-Kavallerie-Regiment 9 in die Vorläufige Reichswehr übernommen.

(nach Wikipedia)


Seit 2008 enthält das Wappen der Feuerwache 21 in Tonndorf das Bild eines Husaren, seit 2011 gibt es für das Polizeikommisariat 37 in Wandsbek ein Verbandsabzeichen, auf dem ein Husar zu Pferd zu sehen ist. Ist man wieder stolz auf militärische Traditionen?

          HH Wandsbek Husar Wb web

          • Der Husar Gerhard Wiechmann im September 1914 
          vor der Wandsbeker Kaserne. Er trägt die Friedensuniform:
          kaliblauer Rock und schwarzblaue Hose.

»Nach 43 Jahren Friedensdienst schlug die Stunde der Entscheidung. Jetzt sollte es sich zeigen, ob die Friedensarbeit sich auf rechter Bahn bewegt hatte und ob die Friedensschulung hart genug gewesen war. Durch die Sachkenntnis und Tatkraft seiner Kommandeure, durch Fleiß und Hingabe aller seiner Angehörigen wohlvorbereitet, zu strengster Pflichterfüllung erzogen, in begeisterter Liebe zu Kaiser, König und Vaterland zog das Regiment hinaus ins Feld, dem Feinde entgegen.«

Aus dem Erinnerungsbuch des Regiments aus dem Jahr 1931

HH Wandsbek 1914Metz web

• Die Wandsbeker Husaren 1914 vor Metz

HH Wandsbek Lied web

»Nach den Bestimmungen des Deutschland aufgezwungenen Waffenstillstandes und des Friedens von Versailles mußte das auf dem bewährten Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht aufgebaute alte Heer in ein Heer in der höchst zulässigen Stärke von nur 100 000 Berufssoldaten überführt werden.«

          HH Wandsbek1 Zeichnung web

»Das Denkmal besteht aus einem auf zweistufigem Untersatz ruhenden, fast vier Meter hohem Blocke aus dem feinsten und härtesten Granit, dessen Grundform ein Rechteck bildet. Der Block verjüngt sich nach oben und hat zum Schutze gegen Witterungseinflüsse eine schräge Verdachung erhalten. Die nach der Lindenstrasse gerichtete Vorderseite des Denkmals ist mit dem Relief eines abschiednehmenden Husaren geschmückt, der in seiner Rechten die Zügel seines vorwärtsstrebenden Pferdes hält, während er mit der erhobenen Linken den Zurückbleibenden Abschiedsgrüsse zuwinkt. Die beiden Schmalseiten des Denkmals zeigen je ein mit Lorbeer geschmücktes zerbrochenes Schwert, das den unglücklichen Ausgang des Krieges versinnbildlichen soll. Auf der der Schilleranlage zugekehrten Breitseite des Granitblockes sind die Namen der in den Kämpfen des Weltkrieges gefallenen oder während seiner Zeit von Krankheiten hinweggerafften Angehörigen des Regiments eingemeißelt.«

Lied, Texte und Zeichnung aus dem Erinnerungsbuch des Regiments aus dem Jahr 1931

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Wandsbek als Garnisonsstadt

Privater Bericht von Walter Frahm über die Geschichte der Wandsbeker Husaren, über Stolz auf kriegerische Erfolge und deutsche Tugenden und über die damalige Allgegenwart des Militärs. Geschrieben in der Zeit als vor dem 2. Weltkrieg die Vergrößerung des Deutschen Heeres organisiert wurde.

 

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HH Wandsbek Husaren1943 web

• Obwohl das Husarenregiment längst aufgelöst war, trafen sich die Reservisten weiter – so vor 1943 zu einer Parade auf dem Wandsbeker Markt. Foto: Archiv Fricke.

Zum Volkstrauertag 2004 legten die Reservistenkameradschaft Wandsbek und der Bürgerverein am »Meldereiter« Kränze nieder und Oberstleutnant d.R. Joachim Brilka hielt eine Ansprache.


Herzlichen Dank den Damen und Herren des Bürgervereins Wandsbek, alle nicht gekennzeichneten Bilder und die historischen Texte sind aus ihrem Archiv.

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Der Bildhauer Oscar E. Ulmer

Oscar Erwin Ulmer (geboren 19.6.1888, gestorben 9.12.1963 in Hamburg) hat Bildhauerei an der Kunstakademie in München bei Ferdinand von Hildebrandt studiert. Oft war er für Friedrich Wilhelm (genannt Fritz) Schumacher, den Architekten und Hamburger Baudirektor, an dessen Gebäuden für Ornamentschmuck tätig. Er fertigte auch, mit Fritz Schumacher als Entwurfsarchitekten, zusammen mit Friedrich Schünemann die Büste von Wilhelm Cordes. Er hat viele Grabdenkmäler erstellt, nach Angaben des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhöfe e.V. war er auch an dem KZ-Opfermahnmal beteiligt.

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Auch in Lüneburg:
Trauer unerwünscht

In Lüneburg wurde der trauernde Dragoner 1941 gesprengt. Die Darstellung entsprach auch hier nicht der Ideologie des NS-Staates.

               HH Luneburg Trauernder web

1939 war im Park an der Roten Straße das Denkmal eines antrabenden Meldereiters aufgestellt worden. Die Denkmäler haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit den beiden Husaren in Wandsbek.

HH Luneburg Meldereiter web

Foto: Sammlung Bold

 

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Wir danken Siegfried Berneis für seinen Vortrag vom 23. Januar 2014

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Wilhelmsburg

Hinter der Emmauskirche an der Mannesallee

Das Sandsteinmonument mit aufgesetztem Kreuz ist ein Entwurf des Bildhauers Hermann Hosaeus, errichtet wurde es 1932. Auf der Vorderseite trägt es drei aneinandergelehnte gekreuzte Gewehre unter einem Spruchband als Relief, darunter eine geknickte Eiche ebenfalls als Relief. 16 Grabkreuze, drei davon mit aufgesetztem Stahlhelm sind um die Gewehre herum graviert. Die Jahreszahlen 1914 1918 wurden nachträglich durch 1939 1945 ergänzt.

HH Wilhelmsburg Kirche

Foto: Kerstin Klingel


Inschriften:
Unvergessen
Den für Volk und Vaterland Gefallenen zur Ehre und im Glauben an die deutsche Zukunft errichtet 1932

»Kurz vor dem Ende der Weimarer Republik und der so genannten ›Machtergreifung‹ durch die Nationalsozialisten aufgestellt, dokumentiert diese Inschrift den Geist, der nationalsozialistischer Ideologie den Boden bereitete. Die Verwendung des Begriffes ›Volk‹ legt den Gedanken an die deutsche ›Volksgemeinschaft‹ nahe, dem nach NS-Ideologie Idealbild einer ›arischen‹, nationalsozialistischen Gesellschaft.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Seite 95.


HH Wilhelmsburg

Foto: Kerstin Klingel

                 HH Wilhelmsburg Inschrift

                          Foto: Kerstin Klingel

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Aus der Geschichte


HH Wilhelmsburg Einweihung

● Einweihung 1932: da weht sie schon, die Reichskriegsflagge


HH Wilhelmsburg 60erJahre

● 60er Jahre: Ortsamtsleiter Westphal spricht am Volkstrauertag

Herzlichen Dank an Frau Markert von der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen für die Hilfe und die historischen Fotos.

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Der Bildhauer Hermann Hosaeus (1875 – 1958), der auch das Kriegerdenkmal in Hamburg-Harburg bei der Johanniskirche, in Schleswig-Holstein das an der Aussenmauer der Johann-Heinrich-Voss-Schule in Eutin und das in Thürk entwarf und verwirklichte (siehe unsere Dokumentation) , war während des 1.Weltkriegs an leitender Stelle in der staatlichen Kriegerehrung tätig und verfasste 1922 Leitsätze für die »Vaterländische Bauhütte« zur Ausführung und Aufstellung von Kriegerdenkmälern.

Gedenktafeln und andere Kriegerehrenmale

Grundsätze und Ratschläge; Aufgestellt im Auftrag der Staatlichen Beratungsstelle für Kriegerehrungen durch die »Vaterländische Bauhütte«, Verlag Deutscher Bund Heimatschutz.

Wir danken Matthias Hübner für den Hinweis.

 

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