NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften zerstört wurden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen waren durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Neu erschienen sind die ersten vier Bände einer ausführlichen Zusammenstellung zahlreicher Denk- und Mahnmale aus der Publikationsreihe »Der Erste Weltkrieg – Das Andenken an die Gefallenen im Weltkrieg 1914-1918« von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de). Viele unserer Fotos durften wir mit seiner freundlichen Erlaubnis übernehmen.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ahrenshoop

Auf dem Darß, Landkreis Nordvorpommern

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs ist ein eher runder Findling hinter der Schifferkirche am Paetowweg. Er trägt acht eingemeißelte Namen.

Inschrift:
Für  (Eisernes Kreuz)  uns
starben den Heldentod

1914-1918

MP Ahrenshoop KD web

...................................................................................................

Die Schifferkirche

Die Kirche in Ahrenshoop mit ihrer eigenwilligen Gestaltung, einem Tonnengewölbe aus Holz, wurde 1951 vom Architekten Prof. Hardt-Waltherr Hämer konzipiert und errichtet. Wir wissen leider nicht, wie er über die kriegsverherrlichende Inschrift auf dem Stein hinter »seiner« Kirche gedacht hat.

MP Schifferkirche AhrenshoopSchiwago Wikimedia Commons web

© Schiwago/Wikimedia Commons

Lesen Sie mehr über dieses interessante Bauwerk auf der Website:

http://www.schifferkirche.de

...................................................................................................

<<< schließen

Altenkirchen

Landkreis Vorpommern-Rügen

Ein kantiger schwarzer Stein mit Eisernem Kreuz und der Inschrift:

Unsern im Weltkriege 1914-1918
gefallenen Helden zur Ehre
Die Kirchengemeinde Altenkirchen
Möge aus ihren Gebeinen der Rächer erstehen

MP Altenkirchen gesamt

Am unteren Rand ist ein leicht verwittertes Relief zu sehen. Es sieht aus wie ein ausgestreckter Arm, der nach oben zeigt.

...................................................................................................

<<< schließen

Alt Rehse

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Ein runder Findling vor dem Eingang zur Kirche und zum Friedhof trägt über den Namen der getöteten Soldaten die Inschrift:

Den Heldentod starben aus der Gemeinde Alt-Rehse
1914 – 1918

Darunter:

Deutschland muß leben
auch wenn wir sterben müssen

Er wurde 1937, kurz vorm 2. Weltkrieg, aufgestellt.

MP Alt Rehse 

MP AltREhse SteinuKirche web

...................................................................................................

Geschichte

Der Stein stand zu DDR-Zeiten unbeachtet hinter dem Kulturhaus, die Inschrift war verblichen und nicht mehr zu entziffern. 1992 holten Alt Rehser Bürger ihn hervor und stellten ihn an die Mauer zum Kirch- und Friedhof.

MP Alt Rehse 2 web

• Die Fahrt auf der Baggerschaufel durchs Dorf Alt Rehse

MP Alt Rehse 3 web

• Das Ziel: An der Steinmauer zum Kirch- und Friedhof soll er stehen

MP Alt Rehse 1 web

• Mit vereinten Kräften wird der Stein ausgerichtet

Erst als die verblasste Schrift nachgemalt worden war, konnte man die Inschrift lesen. Was nun?

Wir danken dem Ehepaar Krug von der Pension »Altes Pfarrhaus« für die Fotos aus dem Jahr 1992.

...................................................................................................

Deutschland muss leben ...

Die Zeile »Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!« stammt aus dem Gedicht »Soldatenabschied« von Heinrich Lersch. Unter dem Eindruck seiner Einberufung 1914 schrieb er es in das Gebetbuch seiner Mutter.

MP Alt Rehse Lied

Heinrich Lersch (1889 - 1936) wurde zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus, im Mai 1933, in die Preußische Akademie der Künste berufen. Im Oktober 1933 gehörte er zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichneten. Nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg unterzeichnete er am 19. August 1934 einen Aufruf der Kulturschaffenden anlässlich der Volksbefragung zur Vereinigung des Amtes des Reichskanzlers und Reichspräsidenten in der Person von Adolf Hitler. Im August 1935 trat Lersch in die NSDAP ein,im selben Jahr erhielt er den mit 200 Mark dotierten Rheinischen Literaturpreis.

Nach Kriegsende wurden in der Sowjetischen Besatzungszone Lerschs Werke »Deutschland muss leben« (1914), »Herz! Aufglühe dein Blut!« (1916), »Klinge hinaus, schlagender Schall« (1940), »Wir Werkleute« (1936) und »Das dichterische Werk« (1944) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.

Nach Wikipedia

...................................................................................................

Auf mehreren Kriegerdenkmäler auf dem Gebiet der Nordkirche ist diese Zeile zu lesen, auch in Hamburg. 1979 veröffentlichte eine Autorengruppe um Roland Jaeger das Buch »Ein Kriegsdenkmal in Hamburg«. Lesen sie hier den Beitrag zu Heinrich Lersch. Wir danken den Autoren, dass wir die Seite zur Verfügung stellen können.

 

PDF Download

...................................................................................................

Die Schrift auf dem Stein

     MP Alt Rehse Schrift web       

• Aus der Werbeschrift einer Satzanstalt im Dritten Reich

...................................................................................................

Die neue Tafel Der Alt Rehser

             MP AltRehse neue Tafel web

Auf den rechten Pfeiler der Eingangspforte zum Kirchhof ist kürzlich eine Bronzetafel angebracht worden, um dem martialischen Spruch auf dem Findling etwas entgegenzusetzen. Die Inschrift lautet:

Wir gedenken der 12 Gefallenen aus Alt Rehse, die im II. Weltkrieg ihr Leben ließen.
Wir trauern um die zahllosen anderen Opfer von Krieg, Gewalt, Vertreibung und jeder Art von Unmenschlichkeit.
Wir mahnen zu Versöhnung, Verständigung und Frieden.
Wir bitten bewahrt die Schöpfung, achtet das Leben, seid menschlich

...................................................................................................

Der historische Ort

Im Jahre 1935 wurde in dem kleinen mecklenburgischen Ort Alt Rehse in der Nähe Neubrandenburgs eine »reichsweit« einmalige Einrichtung für die ideologische Schulung von deutschen Ärztinnen und Ärzten, Hebammen, Apothekern sowie Angehörigen der gesundheitspolitischen Institutionen eröffnet. Gleichzeitig wurden die alten Gutsarbeiterhäuser des Ortes abgerissen und Alt Rehse zu einem nationalsozialistischen Musterdorf umgestaltet.
Die »Führerschule der Deutschen Ärzteschaft Alt Rehse« wurde von vielen führenden Nationalsozialisten besucht und nahm innerhalb der ärztlichen Fortbildung im »Dritten Reich« eine zentrale Rolle ein.
Hier vermittelte man den Schulungsteilnehmerinnen und Teilnehmern die ideologische Ausrichtung auf die weltanschaulichen und rassenpolitischen Zielsetzungen der NS-Gesundheitspolitik.
Auf der Grundlage von »Eugenik« beziehungsweise »Rassenhygiene« wurde von den Dozenten eine Gesundheitspolitik verbreitet, die zu den gesetzlich vorgeschriebenen Zwangssterilisationen an so genannten »rassisch minderwertigen« und angeblich »erblich belasteten« Menschen bis hin zum tausendfachen Mord an Patientinnen und Patienten in den Heil- und Pflegeanstalten führte.
In der Ausstellung »Alt Rehse und der gebrochene Eid des Hippokrates« wird dokumentiert, in wie weit sich Ärztinnen und Ärzte, aber auch Hebammen, Apotheker und Verwaltungsmitarbeiter in den Dienst des Nationalsozialismus haben stellen lassen oder in die Verbrechen der NS-Diktatur verstrickt sind. Zudem wird auf historische Hintergründe von Eugenik und Euthanasie verwiesen.

Wir sind bemüht, so viele Informationen wie möglich zur Verfügung zu stellen und neben der Ausstellung zukünftig auch weitere Veranstaltungen durchzuführen. Alt Rehse ist ein historischer Standort, dessen Bedeutung niemals in Vergessenheit geraten sollte. Deshalb bemühen wir uns um ein flächendeckendes Bekanntwerden der Einrichtung und der Erforschung der historischen Hintergründe. Als gemeinnütziger Verein werden wir nur beschränkt gefördert. Deshalb freuen wir auf über jedwede finanzielle Unterstützung und Spenden.

       Stein www.ebb alt rehse

Zitiert von der Website der Erinnerungs- Bildungs- und Begegnungsstätte Alt Rehse e.V.
www.ebb-alt-rehse.de

...................................................................................................

<<< schließen

Bad Doberan

Landkreis Rostock

Das Kriegerdenkmal für die getöteten und vermissten Soldaten aus Doberan stand auf dem Buchenberg bei der Klosterkirche. Im Volksmund wurde es »Backenzahn« genannt. Es war ein hoher Klinkerbau im expressionistischen Stil mit quadratischem Grundriß. Durch hohe, sich nach oben verjüngende Zwischenräume konnte man ins Innere treten. Es war Ende der 1920er Jahre gebaut worden, entworfen vom Architekten und Baumeister Hans Carlson aus Bad Doberan, der damals auch die Baukosten bezahlt hatte. Im Inneren stand eine gemauerte eckige Säule mit eingelassenen Terrakottaplatten, auf denen die Widmung und die Namen der toten und vermissten Soldaten zu lesen waren. Auf der Urkunde als Spendenbestätigung für Spender anlässlich der Grundsteinlegung 1926 stand:
»Zur Erinnerung an die, die ihre Treue zum Vaterlande mit dem Tode besiegelt haben. Im Jahre tieffster Erniedrigung Deutschlands und größter wirtschaftlicher Not 1926/27 opferte unser lieber Mitbürger ......... zur Errichtung des Ehrenmals für die im Weltkriege 1914/18 gefallenen Helden einen Geldbetrag von ... RM, was mit tiefem Herzensdank bescheinigt wird«.


MP Doberan Spenden web

Hier können Sie sich das Dokument aus dem Jahr 1926 ansehen:

 

PDF Spendenbescheinigung

...................................................................................................

Das ursprüngliche Kriegerdenkmal war baufällig geworden und da die Stadt kein Geld zur Verfügung stellen konnte, gründeten besorgte Bürger den Verein »Denkmale Bad Doberan e.V.«, um den »Backenzahn« zu retten. Die Stadt hatte einen Vertrag geschlossen, in dem der Verein das Recht erhielt, die Sanierung zum Erhalt des Denkmales vorzubereiten und durchzuführen. Zu den bewilligten Fördermitteln des Landesamts für Denkmalspflege sollten Bürgerspenden für die Reparaturarbeiten gesammelt werden. Am 22. Dezember 2000 war der Zustand des Denkmals jedoch so gefährlich geworden – unterhalb des Denkmals verläuft die Bundesstraße 105 – dass der Stadtrat den Abriss genehmigte. Die Terrakottaplatten wurden eingelagert und der Rest des »Backenzahns« war Bauschutt.

Vier Jahre später begannen der Verein und der neu entstandene »Freundeskreis Backenzahn«, insgesamt 25 Mitglieder, den Wiederaufbau zu planen. Bis 2007 konnte die Stadt kein Geld dazu geben, aber dann ab 2008 bot der Verein »Denkmale Bad Doberan e.V.« schon Führungen und Erläuterungen zur Geschichte und zum Wiederaufbau des Denkmals »Backenzahn« an. Jetzt steht er da, ohne die Säule im Inneren und ohne Mauereinfassung, aber doch als »Backenzahn« zu erkennen. Der Neubau hat 252.000 Euro gekostet.

 

MP Doberan Wikswat gesamt web

Foto: Wikswat@de.wikipedia / Wikipedia Commons

MP Doberan An d web

• Das Denkmal steht in direkter Sichtachse zum Münster und zur Klosteranlage. Rechts und links vom weißen Kreuz ist je eine Birke gesetzt worden.

             MP Doberan An d 2 web

                    Fotos: An-d / Wikipedia Commons

• Heute steht ein schlichtes weißes Holzkreuz vor dem Denkmal

...................................................................................................

Zustand Vor 20 Jahren

MP BadDoberan3 1995 Schimanke web

1996 steht noch die Klinkerumfassung und die gemauerte eckige Säule im Inneren des »Backenzahns« mit der Widmung und den Namen der toten und vermissten Soldaten auf eingelassenen Terrakottaplatten. Am Mauerwerk sieht man Schäden und Graffiti.

             MP BadDoberan 1995 Schimanke2 web

                Fotos: Margrit Schimanke

...................................................................................................

Alte Postkarten

MP Bad Doberan Karte2 web

MP Doberan Karte web

Auf den Postkarten ist noch die Denkmalsanlage in ihrem ursprünglichen Zustand zu sehen. Eine in etwa mannshohe Klinkermauer umgab den »Backenzahn«, an allen vier Seiten waren je nach Gefälle zwei- bis sechsstufige Treppen eingelassen. Im Inneren sieht man die gemauerte Säule mit Widmung (1914 1918) und Namen.

...................................................................................................

1916: Feierliche Nagelung

Um die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung zu erhöhen, wurden in dieser Zeit überall in Deutschland »Nagelungen eines Gedenkzeichens« durchgeführt. Es wurden Nägel verkauft, die dann in ein vorgefertigtes »Kriegswahrzeichen« gehauen wurden. Die Spenden kamen in Bad Doberan der Kriegsfürsorge zugute, zur Unterstützung von Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen.

MP Doberan Nagelung web

 

Lesen Sie hier die Argumente von Magistrat und Bürgerausschuss:

 

PDF Feierliche Nagelung


Wir danken sehr herzlich Margrit Schimanke, die uns all diese Dokumente zur Verfügung gestellt hat.

...................................................................................................

Eine gelungene Gegenüberstellung

In der Nähe des Kriegerdenkmals, im Bachgarten der Klosteranlage, steht seit 1986 das Denkmal für die Opfer des Faschismus in Bad Doberan, geschaffen von Reinhard Dietrich. Er nimmt das Motiv der Mauerspalten des »Backenzahns« auf und interpretiert sie als beängstigende Zwangslage von gequälten Menschen, die sich aber doch schließlich nach oben befreien können. Diese Denkmal steht – im Gegensatz zum neu aufgebauten »Backenzahn« – in der Liste der Baudenkmale in Bad Doberan.

MP Doberan Denkmal fur die Opfer des Faschismus Schiwago web

Foto: Schiwago / Wikipedia Commons

...................................................................................................

<<< schließen

Bargischow

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Zwei größere Findlinge übereinander, verbunden und gestützt durch vermauerte kleine Feldsteine stehen vor der Mauer zum Kirchhof. Der obere Findling trägt unter einem schwarzen Eisernen Kreuz in einer runden Vertiefung die Inschrift:

Ehre unseren gefallenen Helden
1914 – 1918

MP Bargischow


Die Inschrift auf dem unteren Findling:

Der ist ein Mann, der sterben kann für
Freiheit, Pflicht und Recht

Eisernes Kreuz und Inschriften sind nach 2008 restauriert worden, siehe Foto unten.

MP Bargischow Inschrift

 

Überregionale Aufmerksamkeit bekam Bargischow durch die hohen Wahlergebnisse der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands). Die NPD konnte in Bargischow bisher folgende Ergebnisse erzielen: Landtagswahl 2006 - 31,6 %, Kommunalwahl 2009 - 21,4 %, Landtagswahl 2011 - 22,1 %.

...................................................................................................

MP Bargischow Reportage

Foto: Dirk Eisermann

Das aufgegebene Land

Ein kleines Dorf und ein großes Problem. Nazis in Vorpommern.

Eine Reportage von Wolfgang Bauer aus dem Jahr 2008. 

 

PDF Download

...................................................................................................

<<< schließen

Belsch

Landkreis Ludwigslust-Parchim

In der Mitte ein hoher Obelisk, gemauert aus Feldsteinen, oben ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen, vorne eine große Metalltafel. Drumherum ein Zaun mit kunstvoll gemauerten Pfosten im Kreis.

MP Belsch ganz

Inschrift auf der Metalltafel:

1914 (Eisernes Kreuz im Kranz) 1918
im Weltkrieg zum Schutz für die Heimat
gaben ihr Leben

Unter den Namen der getöteten Soldaten steht:

Wachse Du Freiheit der deutschen Eichen.
Wachse empor über unsere Leichen.
Vaterland höre den heiligen Eid!
Treue um Treue!
Die dankbare Gemeinde!

 

              MP Belsch Namen

...................................................................................................

<<< schließen

Buchholz

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs ist eine grob umrissene Steinplatte, die auf ihrer glatten Frontseite ein sehr martialisches Symbol trägt:
Ein erhobenes Schwert, von einer entschlossenen Hand ergriffen ist hier dargestellt. Es wirkt, als hätte es der Krieger von hinten durch den Stein geschlagen und als hielte er jetzt das Schwert drohend dem Feind entgegen. Neben der Spitze des Schwerts stehen die Jahreszahlen für die Dauer des 1. Weltkriegs: 1914 und 1918, darüber liest man die Inschrift:

Es starben für Dich

Rechts und links vom Schwert ahnt man die Namen der getöteten Soldaten, es ist keiner mehr zu entziffern.

MP Buchholz gesamt web


Das Kriegerdenkmal steht auf einem Sockel, an dem eine Texttafel angebracht ist. Ein kleinerer Platz um das Denkmal ist mit Feldsteinen begrenzt, er wurde an den Ecken mit Kiefern bepflanzt.

 

MP Buchholz Gross web

Fotos: Matthias Hübner/www.dorfkirchen-in-mv.de

...................................................................................................

<<< schließen

Burg Stargard

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Die mittelalterliche Burg Stargard auf dem Burgberg gab der Stadt ihren Namen. Sie ist die nördlichste erhaltene Höhenburg Deutschlands und das älteste profane Bauwerk in Mecklenburg-Vorpommern. Stargard lässt sich aus dem Slawischen ableiten und steht für »stari gard« (Alte Burg). Sechs Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde dort eine Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten gebaut. Neun Stufen führen zu dem großen Findling in der Mitte des Platzes, der von einer halbrunden Natursteinmauer eingefasst wird. Auf den Abschlusspfeilern der Mauer steht je eine metallene Feuerschale mit verziertem Fuß. In die Mauer eingelassen sind drei Tafeln mit den kaum noch zu lesenden Namen der toten Soldaten. Auf dem Findling steht in weißer Schrift unter einem konturierten Eisernen Kreuz:

1914 / 1918
Unsern gefallenen Helden

MP Burg Stargard Ruchhoft Plau Wikimedia Commons Burg Stargard Kriegerdenkmal 1914 18

© Ruchhöft-Plau/Wikimedia Commons

...................................................................................................

2003 auf dem Denkmalsberg

Im Oktober letzten Jahres trotteten 50 Neonazis mit Fackeln und Fahnen auf den Burg Stargarder Denkmalsberg, um dem Wehrmachtsgeneral Otto Ernst Remer zu gedenken. Der gebürtige Neubrandenburger wirkte an der Niederschlagung des Militäraufstandes vom 20. Juli 1944 mit und blieb bis in den Tod ein Nazi, der den Holocaust leugnete. Dessen Enkel im Geiste gaben sich richtig Mühe – offenbar putzten sie das Denkmal vorher und beeindruckten abends mit einem »Laienspiel« und dem »Absingen des Liedes Ein junges Volk steht auf!«. Dass der Stein an den 1.Weltkrieg erinnert, störte MAF[Mecklenburgische Aktionsfront]-AnhängerInnen dabei nicht. Die Inschrift »Unseren gefallenen Helden« reichte dem rechten Huldigungsdrang. In Teterow lockte am 22. November 2003 zusätzlich Freibier und Gratis-Glühwein zum Heldengedenken. Wiederum im Fackelschein schmückten hier etwa 50 Neonazis die Krypta des dortigen Ehrenmals mit ihren Flaggen. Am 25. April diesen Jahres versammelte sich die rechte Gemeinschaft erneut auf dem Burg Stargarder Denkmalsberg – allerdings diesmal als ungeplante Ersatzhandlung. Kurz zuvor hatten hundert Alt- und Neonazis versucht, bei Carpin ein Gräberfeld zu Ehren der Waffen-SS zu errichten, die vor 59 Jahren hier noch kurz vor Kriegsende gegen die Rote Armee kämpfte. Die Polizei zerstörte den Runenwald, den Mecklenburgische und Pommersche Aktionsfront offenbar gemeinsam geplant hatten. Gemeinsame Sache machten die beiden Nazi-Bündnisse auch gegen die Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht« in Peenemünde.

Deutsche als Opfer

Mit der Kampagne »Opa war in Ordnung« stellten sich die Nazis von heute nicht nur klar auf die Seite der Täter von gestern – sie konstruieren gar eine deutsche Opferrolle. So propagierte die Mecklenburgische Aktionsfront am 8.Mai diesen Jahres in Neubrandenburg, Burg Stargard, Neustrelitz und bis hinein nach Brandenburg die »Befreiungslüge«. Auf den Flugblättern, Plakaten, Transparenten und Aufklebern werden die Millionen Toten der NS-Herrschaft völlig vernachlässigt und die Deutschen, die das System mehrheitlich stützten, zu den Leidtragenden stilisiert. Dafür werden Verbrechen einiger Sowjetsoldaten und Angriffe der Alliierten als Beleg angeführt. Den Angriff der Briten und Amerikaner auf Dresden bezeichneten die Demagogen der MAF bei einem Aufmarsch gar als »Bombenholocaust«. Puren Revisionismus tragen die Neonazis auf einem anderen Transparent herum – die Aufschrift »Es ist kein Verbrechen, Volk und Vaterland zu schützen« verwandelt den mörderischen Aggressor in einen Beschützer.

        MP Burg Stargard Nazi1 web

        • Nazi bis in den Tod – Kranz für Altnazi Remer

Verhüllungsaktion am 21.6.2004

Die Pressemitteilung:

Denkmal in Burg Stargard verhüllt: Deutsche Täter sind keine Helden! 

Kritik an Kriegsverherrlichung und Neo-Nazi-Treff

In Burg Stargard wurde heute um 10 Uhr ein Stein auf dem Denkmalsberg mit schwarzer Folie eingehüllt. Gleichzeitig wurde mit Blumen den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Antifaschist(inn)en aus Burg Stargard und Neubrandenburg wollen damit gegen die Inschrift des Steins und seine Nutzung durch örtliche Neonazis protestieren.


MP Burg Stargard Aktion1 web

Beide Berichte stehen auf der Website www.links-lang.de

...................................................................................................

Wer war Otto Ernst Remer?

        MP Burg Stargard Nazi Bundesarchiv Bild 183 2004 0330 500 Otto Ernst Remer web

             © Das Bundesarchiv / Wikimedia Deutschland

• Generalmajor Remer mit Orden und Ärmelband im Januar 1945

Otto Ernst Remer, geboren am 18. August 1912 in Neubrandenburg war ein deutscher Wehrmachtsoffizier. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 war er an der Niederschlagung des Umsturzversuchs beteiligt. Nach dem 2. Weltkrieg trat er als rechtsextremistischer Politiker und Publizist hervor und wurde wiederholt wegen Volksverhetzung verurteilt.

Im April 1933 trat Remer in die Reichswehr ein. Im April 1942 wurde er als Hauptmann zur Division Großdeutschland versetzt. Im Mai 1943 erhielt er für seine militärischen Leistungen das Ritterkreuz verliehen, im November des gleichen Jahres als 325. Soldaten der Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Nach einer schweren Verwundung wurde Remer Anfang 1944 als Kommandeur zum Wachbataillon »Großdeutschland« nach Berlin versetzt.

Das Wachbataillon vom Berliner Stadtkommandanten Paul von Hase, einem der Beteiligten am Umsturzversuch des 20. Juli 1944, war dafür vorgesehen, während der »Operation Walküre« das Regierungsviertel abzusperren und u. a. Joseph Goebbels zu verhaften. Remer führte diesen Besetzungsbefehl zunächst aus.

Einer der Offiziere des Wachbataillons bekam Zweifel, ob Hitler tatsächlich tot sei. Er schlug vor, sich bei Goebbels zu erkundigen. Der Propagandaminister verband den Offizier telefonisch mit Adolf Hitler, der Remer telefonisch den Befehl erteilte, den Putsch niederzuschlagen.

Remer, ein überzeugter Anhänger des Diktators, verhaftete daraufhin seinen Vorgesetzten Paul von Hase und trug damit zum Scheitern der »Operation Walküre« bei.Nach der Niederschlagung beförderte ihn Hitler zum Oberst. Die Propaganda feierte ihn als Helden.

Nach seiner Gefangennahme 1945 wurde Remer von den US-Amerikanern an die Briten übergeben, die ihn bis 1947 internierten. Anschließend wohnte er in Varel und erlernte das Maurerhandwerk.

Remer betätigte sich in den folgenden Jahrzehnten als rechtsextremer Politiker und Publizist und wurde in der Folge in mehreren Gerichtsverfahren verurteilt. So z. B.:

• 1951 wegen übler Nachrede gegen Personen des öffentlichen Lebens (Bundeskanzler und -minister) durch das Landgericht Verden zu einer viermonatigen Haftstrafe, die er verbüßte.

• 1952 wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener durch das Landgericht Braunschweig (Remer-Prozess) zu drei Monaten Freiheitsentzug, dem er sich durch Flucht ins Ausland entzog. Er war dann mehrere Jahre lang als Militärberater des ägyptischen Präsidenten Nasser sowie in Syrien tätig.

• 1985 wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener durch das Amtsgericht Kaufbeuren zu 50 Tagessätzen. Er hatte ein Flugblatt mit Schmähungen gegen Widerstandskämpfer des 20 Juli verteilt.

• 1986 wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener durch das Landgericht Kempten zu drei Monaten zur Bewährung. Er hatte Videokassetten des französischen Holocaustleugners Robert Faurisson vertrieben.

• 1992 wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass durch das Landgericht Schweinfurt.

• 1993 wird die Revision dagegen vom Bundesgerichtshof abgewiesen.

• 1994 Flucht vor der 22-monatigen Haftstrafe nach Spanien.

• 1997 Tod in einem Ort bei Marbella/Spanien.

Nach Wikipedia

...................................................................................................

<<< schließen

Crivitz

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Die Skulptur »Kniender Krieger« des Bildhauers Wilhelm Wandschneider wurde für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs von Crivitz erneut gegossen. Das Denkmal zeigt die ideale Figur eines nackten Kriegers in Bronze. Halb auf dem Steinblock sitzend, kniet er mit leicht vornüber gebeugtem Oberkörper. Er stützt sich mit der einen Hand auf sein Schwert, während er mit der anderen einen Kranz aus Eichenlaub hält. Deutlich zeigt die Figur Wandschneiders Orientierung an antiken Vorbildern, insbesondere durch die »ideale Nacktheit« des Kriegers sowie in der Gestaltung des muskulösen Körpers. Der kleine würfelförmige Sockel erhebt sich auf zwei abgestuften Postamenten aus behauenen Granitsteinen. Die Bronzefigur hat die Gießerei Lauchhammer 1922 gegossen. Den Entwurf hatte Wilhelm Wandschneider schon 1909 aus Ton gefertigt, die 1910 entstandenen Gipsmodelle sind verschollen, sie sind wohl 1947 zerstört worden aufgrund des Befehls Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde zur Vernichtung von kriegstreibenden, militärischen Abbildungen.

MP Crivitz Ruchhoft Plau web

             MP Crivitz gesamt web

                    Fotos: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

...................................................................................................

Die Mehrfachverwertung

Die gleiche Figur ist siebenmal für andere Denkmäler gegossen worden: für die toten Soldaten des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 / 71 in Saarlouis 1910 und Güstrow 1910 (siehe Foto), des 1. Weltkriegs in Koblenz 1919, Landsberg / Warthe 1919, Chemnitz 1922 und Berlin 1922, für ein Grabmal in Lüdenscheid (siehe Foto) 1920.

             MP Crivitz gustrow alt web

2. September 1910: Einweihung des Kriegerdenkmals für die toten Soldaten von 1870 / 71 auf dem Wall in Güstrow

MP Crivitz Ludenscheid Ruchhoft Plau web
Foto: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

1920: Grabmal »Müder Wanderer« der Familie Noelle in Lüdenscheid

...................................................................................................

Wilhelm Wandschneider

Wilhelm Wandschneider (1866 - 1942), geboren und gestorben in Plau am See, war bis 1915 ein im In- und Ausland bekannter Bildhauer, der schon viele Aufträge und Preise erhalten hatte. Nach dem 1. Weltkrieg geriet eine große Zahl der bildenden Künstler – so auch Wandschneider – in existenzielle Bedrängnis. Die alten Auftraggeber öffentlicher Denkmäler gab es durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nicht mehr, ebenso sank die Zahl privater Auftraggeber.

            MP Crivitz Wilhelm Wandschneider 1909 web

• Porträt Wilhelm Wandschneiders von Heinrich Hellhoff, 1909

Einzige Auftraggeber waren in den frühen 1920er Jahren die Militär- und Kriegervereine, die zunehmend mit revanchistischen Inhalten versehene Denkmäler für ihre gefallenen Kameraden errichten ließen. Als ab 1930 der Nationalsozialismus zunehmend erstarkte, wurde Wandschneider 1930 Mitglied der NSDAP und wie man an den Modellen (siehe Fotos unten) sehen kann, trifft er die Bildsprache der Nazis für deutsche »Helden« perfekt.

1936 fertigt Wandschneider eine Hitlerbüste an, 1940 lässt Hitler Wandschneiders Figur »Aphrodite« für die Reichskanzlei ankaufen; im gleichen Jahr wird Wandschneiders Denkmal für Kaiser Friedrich III. in Dortmund eingeschmolzen, »da es aus nationalsozialistischer Sicht weder einen historischen, noch einen künstlerischen Wert besaß«.

1926 verlieh die Stadt Plau Wandschneider zum 60. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde, am 26. April eröffnete das »Wandschneider-Museum«. Im März 1947 wurde das Museum aufgelöst, der Modellbestand fast komplett zerstört. 1994 eröffnete das »Bildhauermuseum Prof. Wandschneider« neu, es zeigt unter anderem 30 Originalplastiken.

 

             MP Wandschneider Atelier web

Das Regimentsdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs in Schweidnitz/Schlesien. Das Foto zeigt Wandschneider in seinem Atelier bei der Arbeit am Modell.

             MP Wandschneider Gesicht web

Das Kriegerdenkmal »Soldat« steht auf dem Soldatenfriedhof in Schwerin. 1936 wurde es für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aufgestellt. Das Foto zeigt ein Detail des Modells in Wandschneiders Atelier.

...................................................................................................

<<< schließen

Hansestadt Demmin

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Das Reiterdenkmal und der wie eine germanische Kultstätte inszenierte Aufgang wurde für die im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten des 2. Pommerschen Ulanenregiments in den Jahren 1923/24 erbaut. Die Einweihung der Anlage fand am 3. August 1924 statt, am zehnten Jahrestag des Ausritts der Ulanen zum Fronteinsatz.

Nach 1935 war die Anlage für die Nationalsozialisten ein bevorzugter Ort für rassistische Kultfeiern. Der imposante Aufgang und die Reste des 1946 zerstörten Reiterstandbildes können in den Sandtannen besucht werden. Der Rest des viele Meter hoch gemauerten Sockels, auf dem der steinerne Ulan seinen Platz hatte, steht immer noch auf einer fünfstufigen Anhöhe, auf der Rückseite umgeben von einer abgerundeten Mauer, in deren Nischen Reliefs von Szenen aus dem Ulanenleben abgebildet waren. Auch sie wurden zerstört.

MP Demmin Ulanen3 Erell Wikimedia Commons web

© Erell / Wikimedia Commons


Der bildende Künstler Fritz Richter-Elsner hat das Ulanen-Denkmal in Demmin in den Jahren 1923 und 1924 geschaffen. Ab den 1920er Jahren hatte er sich auf die Gestaltung von Denkmälern verlegt. Im Nachkriegsdeutschland konnte er als Künstler nicht mehr Fuß fassen, zu sehr entsprach sein Stil dem der Nationalsozialisten. Er starb 1970 in Detmold.

MP Demmin Ulanen2 Erell Wikimedia Commons web

© Erell / Wikimedia Commons

             MP Demmin Ulanen1 Erell Wikimedia Commons Demmin web

                    © Erell / Wikimedia Commons

Der lange von Findlingen und hünengräberartigen Steinaufbauten gesäumte Aufgang.

...................................................................................................

so sah das standbild aus

Die Fahne hoch und das Gewehr an der Seite: vor seiner Zerstörung 1946 ragte der steinerne Reiter über die Baumspitzen.

            MP Demmin alt 1943 web

            MP Demmin alt3

MP Demmin Relief web

Eins der 1945 zerstörten Reliefs in den Mauernischen: Ein toter Ulan liegt auf einem altarähnlichen Steinblock, äußerlich unverletzt, in Uniform, das Eiserne Kreuz in der linken Hand, den Uniformmantel quer über den Leib gelegt. Über ihm hängt ein großer Lorbeerkranz, seine jungen Adjudanten halten seinen Helm und seinen Degen.

...................................................................................................

Die Denkmalsanlage

Das Ulanendenkmal in Demmin wurde in Jahren 1923/1924 zum Gedenken an die Gefallenen des 2. Pommerschen Ulanen-Regiments Nr. 9 errichtet. Demmin war von 1860 bis zur Auflösung der Einheit 1919/20 Garnison des auch als Weiße Ulanen bezeichneten Kavallerieregiments. 

Auf einer Hanglage am Westrand der Sandbergtannen, einem Waldgebiet im Osten Demmins in der Nähe des Bahnhofs, wurde das Denkmal aus zahlreichen, unterschiedlich stark bearbeiteten Findlingen errichtet. Diese stammten aus Megalithgräbern der Umgebung. Ein Großsteingrab bei Quitzerow wurde für den Bau völlig abgetragen. Größere Blöcke wurden gespalten und zum Teil als Runensteine aufgestellt. An einigen wurden Metallplatten mit den Namen der in den Kriegen 1866, 1870/71 und 1914-1918 gefallenen Ulanen angebracht. Oben auf dem Hügel befand sich eine Plattform mit einem Reiterstandbild.

Das Denkmal wurde vom »Bund vaterlandstreuer 9. Ulanen« durch Spenden finanziert und in Auftrag gegeben. Die Ausführung übernahm der Berliner Bildhauer Fritz Richter-Elsner, der ein Monument im Geiste des deutschen Nationalismus und Germanenkults schuf. Die Eröffnung fand am 3. August 1924, dem zehnten Jahrestag des Ausritts der Ulanen zum Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg, statt.

MP Demmin Ulanen Kette web

Am Eingang befand sich eine eiserne Kette, die an die Situation in Deutschland nach dem Versailler Vertrag erinnern sollte. Als 1935 in der Zeit des Nationalsozialismus die Wehrpflicht wieder eingeführt worden war, ließen die Nationalsozialisten die Kette in einem symbolischen Akt zerbrechen und an den Seiten des Eingangs befestigen.

1946 wurde das Reiterdenkmal zerstört und vergraben, die Inschriften entfernt und die Metallplatten mit den Namen der Gefallenen demontiert und eingelagert. Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Bruchstücke des Reiterstandbildes wieder ausgegraben. Einige größere Teile wurden wieder aufgestellt.

Dies ist ein Auszug aus dem Artikel Ulanendenkmal der freien Enzyklopädie Wikipedia

...................................................................................................

 

MP Demmin alteKarte3

Der Künstler Fritz Richter-Elsner

1923 – 1924 hat er das Ulanen-Denkmal in Demmin gestaltet. Anfang 1884 im thüringischen Köppelsdorf geboren, studierte er an der Industrie- und Kunstgewerbeschule Sonneberg und in München. Von 1905 bis 1916, also schon mit 21 Jahren, war er künstlerischer Leiter der renommierte Hofbildgießerei Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen. Auf dem dortigen Friedhof hinterließ er Zeugnisse seiner Arbeit: Skulpturen und ein Grabmal für den jüdischen Arzt Dr. Max Jacoby (heute zerstört).

Ab den 1920er Jahren verlegte sich Richter-Elsner auf die Gestaltung von Denkmälern. Mitte der 1930er Jahre geriet er in Zahlungsschwierigkeiten. Im Rahmen eines entsprechenden Briefwechsels erwähnt er seine Familie, von der aber weiter nichts bekannt ist.

Das Verhältnis von Richter-Elsner zum Nationalsozialismus lässt sich derzeit nicht klären. In einem Bericht der Silesia Nova von 2011 wird er spätestens für das Jahr 1943 als »Parteigenosse« bezeichnet, seine Werke sind aber nach der Machtergreifung deutlich zurückgegangen. Spätestens im März 1943 war Richter-Elsner zu einem Arbeitseinsatz abkommandiert. Ob das mit persönlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu begründen ist oder er nicht linientreu genug war, ist heute nicht feststellbar. Er konnte sich jedenfalls dann nur noch in der Freizeit um die Bildhauer-Aufträge kümmern.

Als Künstler konnte Richter-Elsner im Nachkriegsdeutschland nicht mehr Fuß fassen. Seine Formensprache entsprach zu sehr der von den Nazis geförderten Kunst und große Kriegerdenkmäler waren auch nicht mehr gefragt. Nachkriegswerke sind nicht bekannt. Fritz Richter-Elsner starb 1970 in Detmold.

Nach Wikipedia

...................................................................................................

Der Nordkurier berichtete am 9. August 2013 in seiner Onlineausgabe über den Tag des offenen Denkmals. Wir zitieren daraus:

Demminer Ulanen zwischen den Fronten

Die Bedeutung solcher Gedächtnisorte im ideologiegetränkten Kontext von Krieg und Militärtradition, Opfergedenken und Heldenpathos ins öffentliche Bewusstsein zu rücken ist Ziel einer Aktion, die der Trägerverein am bundesweiten Denkmaltag plant – maßgeblich organisiert von Petra Clemens, Museumsmitarbeiterin und Kunsthistorikerin. Doch auch die Katholische Kirche und der Bibliotheksverein beteiligen sich an dem Programm – unter anderem öffnet an diesem Tag die Hanse-Bibliothek zu einer Lesung mit dem Autor Karl Schlösser.

Woraus Schlösser vortragen wird, ist unschwer zu erraten: Der aktuelle Band seiner »Fußnoten Demminer Geschichte« enthält ein bissig-ironisches Kapitel zum Thema Ulanenkult in Demmin. Und vor allem an der Kanone auf dem Bebelplatz vor der Bibliothek, im Gedenken an die Militärgeschichte der Ulanenstadt Demmin aufgestellt, gehen die Meinungen auseinander.

Nicht dass die Kanone nur Gegner hätte in Demmin. Sie hat auch viele Verfechter in Demmin, zweifelsohne. Darüber ins Gespräch zu kommen, darum geht es den Organisatoren des Denkmaltages an diesem polarisierenden Platz. Nicht nur kontrovers, sondern – hoffentlich – auch aufeinander hörend.

MP Demmin Ulanenkanone web

Ein weiterer »unbequemer« Ort schließlich, den dieser Denkmaltag »öffnen« will, steht unweit des Bebel- und Barlachplatzes: das Ulanendenkmal am Ende der Bergstraße. Wie sonst wohl nur die vor Jahresfrist aufgestellte Kanone spaltet das Memorial sein Publikum in zwei Lager: Die einen bewundern es und würden am liebsten das 1946 zerstörte Reiterstandbild wieder rekonstruieren lassen. Die anderen verdammen es als nationalistische Kriegsverherrlichung, regelmäßig werden die martialisch wirkenden Feldsteine mit Farbe bemalt.

MP Demmin Ulanendenkmal Detail web

Das Denkmal birgt schon in sich all das Wohl und Wehe dieser Art von militärischem Gedenken. Errichtet 1924 zu Ehren der Gefallenen des 2. Pommerschen Ulanenregiments, stilisierten es die Nazis nach 1935 zum Weiheort ihres rassistischen Germanenkults hoch. Nach dem Krieg verwüsteten die Russen das Denkmal, in der DDR-Zeit war es aus dem öffentlichen Bewusstsein der Stadt verschwunden. Erst nach der Wende ließ die Stadt Demmin es wieder herrichten. Ein umstrittener Ort ist es geblieben – geachtet, doch wohl kaum von jemandem geliebt...

www.nordkurier.de

...................................................................................................

Ulanenstolz

Stimmt der letzte Satz des Autors? Seit einiger Zeit gibt es die Seite

www.demminer-ulanen.de

Sie ist mit der offiziellen Website der Hansestadt Demmin verlinkt.

...................................................................................................

1936: 700 Jahre Demmin

MP Demmin alteKarte1

MP Demmin alteKarte2


Oben rechts, über dem Ulanendenkmal, kann man übrigens das »Ehrenmal am Stadion« sehen. Siehe Informationen weiter unten.

...................................................................................................

Eine Kulisse für’s Familienalbum 

 

            MP Demmin alt1938 web

                   © Otto Paulsen - Großvater Chron-Paul/Wikimedia Commons rechtsverbindlicher
                   Lizenzvertrag: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

            MP Demmin alt1 web

...................................................................................................

Feiern beim Ulanen

 

MP Demmin Feier1 web

             MP Demmin Feier2 web

...................................................................................................

Das Modell des Reiters

 

             MP Demmin Modell web

...................................................................................................

Das »Ehrenmal am Stadion«

1936 wurde es eingeweiht, noch ohne Figuren und Inschriften, nur ein Reichsapfel, das Herrschaftszeichen in Form einer Weltkugel mit aufgesetztem Kreuz, krönte das einem griechischen Tempel nachempfundene Gebäude. Wie auf der Karte zu lesen ist, wurde es Gedächtnishalle genannt.

MP Demmin Stadion1 web

Ende der 30er Jahre taucht es auf alten Postkarten als »Ehrenmal an der Kampfbahn« oder als »Ehrenmal für die Gefallenen« wieder auf. Es hat überlebensgroße Statuen an der Frontseite dazu bekommen, eine Inschrift und obendrein einen stilisierten Reichsadler mit ausgebreiteten Schwingen statt des Reichsapfels. Die Heldenfiguren standen auf Podesten.

MP Demmin Stadion30er web

MP Demmin Stadion3 web

             MP Demmin Stadion36 web

MP Demmin Stadion5 web

1945 wurden dann die vier Figuren und der Adler wieder entfernt. In der Folgezeit wurde auch die Inschrift verändert.

An ihre Stelle trat in den 60er Jahren der neue Name des Gebäudes. Es wurde jetzt eher als Teil der Sportstätte gesehen und hieß nun, wie in großen Buchstaben zu lesen war, das »Stadion der Einheit«. Auf den Podesten steckten unterschiedliche Fahnen und an der Klinkerwand des Treppenaufgangs hing ein großes Schild mit der Aufschrift:
Für die Gesundheit und Lebensfreude!
Für Frieden und Sozialismus!
Auf zum IV. Deutschen Turn- und Sportfest

Heute heißt es nun ganz schlicht »Stadion der Jugend«. Auf den Podesten kann man jetzt seinen Turnbeutel ablegen.

MP Demmin Stadion2 web

...................................................................................................

<<< schließen

Friedland

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Das Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs steht auf einer nach oben zulaufenden Sockelmauer aus bunten Natursteinen. Hinauf führt eine siebenstufige Steintreppe mit Seitenmäuerchen. Auf der höheren Ebene liegt in der Mitte auf einem Podest ein übergroßer Stahlhelm mit Eichenlaub verziert, das Podest ist an der oberen Kante mit einer steinernen Lorbeergirlande geschmückt. Um das Podest ist eine halbrunde tempelartige Szene mit sechs eckigen Säulen errichtet. An den Frontsäulen sind die Reliefs von gesenkten Schwertern – für die Niederlage – zu sehen, die die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs teilen, links: 19 (Schwert) 14, rechts: 19 (Schwert) 18. Die Säulen werden oben verbunden mit einem breiten Architrav – einem ruhenden Horizontalbalken – auf dem mit erhabenen Buchstaben die Inschrift steht:

Friedlands Heldensöhnen geweiht

Das Kriegerdenkmal ist ein Werk des Akademischen Bildhauers Hans Dammann aus Berlin, es wurde 1926 gebaut, die Einweihung erfolgte am 10. Oktober 1926.

 

MP Friedland Ruchhoft Plau web

Foto: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons


Von 1979 bis 1990 stand statt des Stahlhelms eine Urne auf dem Sockel. Der Stahlhelm als kriegerisches Symbol war entfernt worden. Einige Bürger von Friedland waren damit nicht einverstanden und vergruben ihn daraufhin heimlich hinter dem Denkmal. Am 1. März 1990 wurde der Stahlhelm ausgegraben und wieder auf den Sockel gesetzt. Die Urne musste verschwinden.

Am 16. November 1997 wurde die heutige (zweite) Gedenktafel angebracht. Die Inschrift: »Zum Gedenken der gefallenen und vermißten Soldaten sowie aller Opfer des II.Weltkrieges von 1939-1945 aus Friedland und Umgebung«.

MP Friedland heute02 web 

Foto und Information von Matthias Hübner, www.dorfkirchen-in-mv.de

...................................................................................................


Ein frühes Foto des Kriegerdenkmals mit zahlreichen Kränzen, damals ist es noch umgeben von ungepflastertem Grund und Boden.

MP Friedland alt web


...................................................................................................

Der Bildhauer Hans Dammann

Hans Dammann, 1867– 1942, war ein deutscher Bildhauer. Nach seiner Schulausbildung besuchte er die Technische Hochschule Hannover und bis 1895 die Königliche Akademie der Künste in Berlin.

             MP Friedland Hans Dammann web

Da Hans Dammann Reserveoffizier war, wurde er gleich zu Beginn des 1. Weltkriegs eingezogen. Schon nach wenigen Wochen kehrte der Hauptmann der Reserve verwundet nach Hause zurück. Er erweiterte in der Folgezeit sein bisheriges Repertoire um das Sujet des Soldatengrabmals. Genau wie bei seinen zivilen Grabdenkmälern wurden viele seiner Entwürfe teilweise leicht modifiziert oder mehrfach verwendet.

Gerade die Modelle seiner Soldatengrabmäler, die er ab 1916 erstellte, fanden in der Weimarer Republik als Kriegerdenkmäler eine Wiederverwendung.

Nach Wikipedia

...................................................................................................

<<< schließen