TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes zu finden oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Die hier dokumentierten Denkmäler wurden mit freundlicher Unterstützung lokaler Institutionen weitgehend selbst recherchiert. Die Fotos sind, wenn nicht anders angegeben, von Klaus Wegner.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

Haale,
Kreis Rendsburg-Eckernförde

Große baumbestandene Anlage

Eine gemauerte Treppe führt auf die Anhöhe. Das Denkmal für den 1.Weltkrieg ist ein aus Natursteinen aufgesetzter gestufter Kubus, auf der Spitze eine Kugel trägt. An allen vier Seiten sind Schrifttafeln aus hellerem Stein angebracht.

SH Haale ganz


Inschriften:

Jhren in den Weltkriegen 1914-1918, 1939-45 gefallenen Söhnen.
Die Gemeinde Haale.

Sie gaben ihr Alles ihr Leben ihr Blut. Sie gaben es hin mit heiligem Mut. Für uns!

Sie opferten Jugend und Jugend=Glück und kehren nie wieder zur Heimat zurück.

Sie waren unsern Herzen Licht im Leben und sind im Tod unser Stolz geblieben.

SH Haale Tafel1    SH Haale Tafel2

SH Haale Tafel3    SH Haale Tafel4


24 einzelne Findlinge mit den Namen der getöteten Soldaten des 1.Weltkrieges sind über die Anlage verteilt. Auf zwei schräg liegenden Steintafeln stehen die Namen der 58 Opfer des 2.Weltkrieges.

SH Haale Schatten

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Zitat aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

Für Deutschland gestorben

Von Clemens Tangerding

... Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu:
»Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

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Geschichte

Die 495 Haaler hielten es für ihre Pflicht, den 24 Gefallenen ein Denkmal zu setzen. Am 23. Februar 1920 bot der ehemalige Gemeindevorsteher Jürgen Kröger Land für die Anlage eines Ehrenhains an. Als den Einwohnern die Schenkungsurkunde vorgelesen wurde, spendeten sie 7000 Mark. Aber schon setzte die Inflationszeit verstärkt ein; das Geld »lief weg«. Im Sommer 1921 fehlten schon 12000 Mark für die Vollendung des Granitehrenmals an der Schulstraße. Sie wurden aus der Gemeindekasse bewilligt. Der Ehrenhain konnte am 23. Juni 1923 feierlich eingeweiht werden. Als »Wächter« wurde Johann Brammer gewonnen, ab 1933 sein Schwiegersohn Hans Sell.

Zitiert aus »Haale – Chronik der Gemeinde« von Karl Heinz Vollstedt, Seite 86. © 1993 by Gemeinde 24819 Haale.

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Hattstedt, Kreis Nordfriesland

Auf dem Kirchhof von St. Marien

Eine Denkmalsanlage am Rande des Friedhofs. Eine erhöhten Fläche wird hinten von einer halbrunden einsteinigen Feldsteinmauer begrenzt, darauf steht in der Mitte ein großer, kantiger graumarmorierter Findling mit einem Eisernen Kreuz als Relief im Kreis und darunter die Inschrift:

Der Tod ist verschlungen in den Sieg
1. Kor. 15, 55

Der Vers aus dem 1. Korintherbrief postuliert den Sieg des Lebens über den Tod durch die Auferstehung der Toten. Dieses biblische Zitat soll wohl den Angehörigen der getöteten Soldaten Trost spenden, soll dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben. Man hat die Luther-Übersetzung des 1. Korintherbriefs benutzt, um am Soldatentod die christliche Überzeugung von der Überwindung des Todes durch Jesus Christus zu bezeugen.

Man könnte auch meinen, dass durch den Gebrauch des Wortes »Sieg« in diesem Zusammenhang eher die Niederlagen der deutschen Armeen verdrängt werden sollen.
 

SH Hattstedt gesamt web

 

SH Hattstedt Hauptstein web

Rechts und links stehen auf gemauerten Feldsteinsockeln kleinere Findlinge, jeder mit einem christlichen Kreuz und darüber die Jahreszahlen der beiden Weltkriege.

1914/18
1939/45

Vor jedem Findling steht eine Blumenschale. Neben den schmalen Gehwegen zu den Steinen sind niedrige Bodendecker gepflanzt.
Wie man weiter unten an den Schaubildern des Denkmalentwurfs sehen kann, sind die zwei Findlinge später dazu gesetzt worden.

 

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Auf der Vorderseite der Anlage ist in die Mitte der umfassenden Mauer eine Tafel eingefügt mit der Widmung:

Ihren gefallenen Söhnen zum Dank
Hattstedt · Hattstedtermarsch · Horstedt · Wobbenbüll
1914 -18  1939-45

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Opfer, als Helden, als Brüder, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

SH Hattstedt Inschrift web

Weiter eingefügt sind 15 Tafeln mit den 61 Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs und den 170 Namen des 2. Weltkriegs. Es ist ungewöhnlich, dass die toten Soldaten nach ihrem Sterbeort und Zusatzinformationen geordnet sind: im Westen, im Osten, auf See, i. d. Heimat verst., Italien, vermisst Balkan, Afrika / Italien, i. d. Gefsch. verst., in Polen usw. Innerhalb des gleichen Sterbeorts sind die Toten nach ihren Heimatgemeinden aufgezählt. Manchmal sind Geburts- und Sterbedatum aufgeführt, manchmal nur eins von beiden, manchmal erhalten die an der Kriegsfront Getöteten ein Eisernes Kreuz vor ihrem Sterbetag.

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Vor der Umgestaltung in den 50er-Jahren

SH Hattstedt 1925 web

Aus dem Jahr 1925


SH Hattstedt 1954 web

Im Jahr 1954 wurden die Findlinge an den Seiten ergänzt.

Als später auch die Namen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs aufgezählt werden sollten, wurde die Denkmalsanlage durch einen erhöhten halbrunden Platz erweitert. Nicht nur die Hattstedter, auch die toten Soldaten der Heimatvertriebenen werden jetzt auf den Frontplatten aus Granit genannt.

Die Fotos haben wir von Johann Carstensen vom Dorfarchiv Hattstedt erhalten. Herzlichen Dank.

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Die Errichtung des Denkmals

Zuerst wurden die »Ehrentafeln« in der Kirche St. Marien zu Hattstedt aufgehängt. Im Herbst 1919 gab Pastor Martensen die Gedenktafeln aus Holz bei der Kunstgewerblichen Fachschule in Flensburg in Auftrag. Ab dem 22. Dezember 1919 ist der Schriftverkehr von Pastor Martensen mit der Fachschule und der Provinzialberatungsstelle für Kriegerehrung in Schleswig-Holstein, Geschäftsstelle Flensburg dokumentiert. Wie aus einem Brief hervorgeht, war die Fachschule mit der Provinzialberatungsstelle verbandelt, Schuldirektor Huber war auch Vorstandsmitglied bei der Beratungsstelle. Die Ausführung des Auftrags verzögerte sich, es wurde um Schriftgrößen und -farben verhandelt, die Schule wurde mit Aufträgen dieser Art überhäuft und Direktor Huber wanderte zu allem Überfluss nach Dortmund ab und der 1. Lehrer Herr Weddig musste sich neu einarbeiten. Am 28. September 1920 kamen die Tafeln dann endlich »bahnamtlich angerollt«. 

SH Hattstedt RechnungTafeln web


Auf der Rechnung notierte Pastor Martensen die Überweisung am 18. Oktober und die Zusammensetzung der Einnahmen:
Von der Sammlung  3980 M
Von der Sparkasse   1500 M

Dem voraus ging ein Disput über die Höhe der Rechnung. Herr Weddig führte u.a. aus, dass die Arbeitslöhne seit Auftragsvergabe um 100% gestiegen seien, jeder Buchstabe müsse jetzt M 2,- kosten, M 1,- sei der reine Selbstkostenpreis: »Aus vorstehenden Gründen bitte ich Sie auch unsere Rechnung gütigst anerkennen zu wollen.«

Das Kriegerdenkmal

In einem Brief vom 11. Juli 1919 riet die Provinzialberatungsstelle noch von der Errichtung eines Kriegerdenkmals auf dem Kirchhof von St. Marien ab:

» ... ist der Ansicht, dass von einem Denkmal auf einem neben dem Kirchhof gelegenen und jetzt für die Kirchhoferweiterung gekauften Stück Land besser Abstand genommen wird. Da der Grund und Boden der Kirche gehört, so erscheint es fraglich, ob die kirchliche Aufsichtsbehörde ihre Zustimmung geben wird, sofern die Planung zu irgendwelchen Bedenken Anlass gibt. Die Provinzialberatungsstelle rät im allgemeinen von der Anlage besonderer Denkmäler ab, da diese nur in den seltensten Fällen künstlerisch gelingen. Falls die Gemeinde unbedingt an dem Plane, ein Denkmal aufstellen zu wollen, festhält, so empfielt die Provinzialberatungsstelle als Architekt Herrn Carl Andresen, Flensburg, Südergraben 62 für die Aufstellung einer würdigen Planung.«

Mit Architekt Andresen trat Pastor Martensen daraufhin tatsächlich in Kontakt und vereinbarte ein Treffen, nachdem Architekt Andresen schrieb, dass er keinesfalls Vorschläge machen könne, ohne den Platz und die Steine gesehen zu haben. Er bat darum die Steine, die anscheinen schon vorhanden waren, freizulegen, damit er sie vermessen könne. Am 15. September 1919 wurde der Entwurf abgeschickt, der Preis für die Errichtung des Kriegerdenkmals wurde mit 8057,- M angegeben.

Bildhauer Andreas Treede aus Flensburg in seinem Kostenvoranschlag:

SH Hattstedt Bildhauer web

 

Viele Einzelheiten wurden schriftlich und mündlich geklärt und Möglichkeiten, den Preis durch Beauftragung von einheimischen Gewerken oder Eigenarbeit der Gemeindemitglieder niedriger zu halten, erwogen. Geld war wohl knapp und auch wenn ein »Ehrenmal« erbaut werden sollte: es musste gefeilscht werden!

Am 2. Oktober schrieb Pastor Martensen an Architekt Andresen, dass an eine Ausführung seines Entwurfes nicht zu denken sei. Architekt Andresen schickte daraufhin die Kostenrechnung für seinen Entwurf und argumentierte mit verschiedenen Vorschlägen für eine weitere Kostenreduzierung. Pastor Martensen möge sich doch noch einmal bei der Gemeinde für die Ausführung seines Entwurfs verwenden. Nach langem Hin und Her schaltete Architekt Andresen die Provinzialberatungsstelle ein und Pastor Martensen erhielt folgenden Brief vom 28. November 1919:

»Durch Herrn Architekt Andresen Flensburg erfährt die Provinzialberatungsstelle in Flensburg soeben, dass der Kirchenvorstand von der Aufstellung des Denkmals, für welches Herr Andresen eine Zeichnung entworfen hat, vorläufig Abstand nehmen will und dass später vielleicht ein kleiner Stein gesetzt werden soll. Da Herr Andresen darauf hinweist, dass die zur Verfügung stehenden Mittel mit seinem vorgesehenen Denkmal nicht überschritten werden und da es in Hattstedt Schwierigkeiten macht, eine wirklich gute Lösung der Kriegerehrungen zu finden, so möchte ich dem Kirchenvorstand dringend empfehlen, dass er die sehr gute Planung, welche Herr Andresen entworfen hat, doch zur Ausführung bringt.«

Was für ein Sinneswandel! Auch in einem zweiten Brief wurde beteuert, dass die Provinzialberatungsstelle unternehmen wird was sie kann, um die »Angelegenheit so sehr wie möglich« zu fördern. Es gab neue Ideen: mit Mauer, ohne Mauer, Treppe, Pfeiler usw.

SH Hattstedt Zeichnung sw web

SH Hattstedt Zeichnung farbig web


Zwei »Schaubilder« der unterschiedlichen Entwürfe von Zeichner Max Böttcher aus dem Jahr 1920. 915 M hat er für alle seine Zeichnungen schließlich bekommen.

Schließlich wurde das Kriegerdenkmal doch noch errichtet. Am 13. November 1920 musste dann schon die Spedition Nicolaysen aus Husum die Rechnungslegung für den Transport der Steine und Platten rechtfertigen.

An den Summen in der Schlußabrechnung sieht man: Pastor Martensen hat überall gekürzt! Und das zähe Verhandeln hat sich gelohnt: die Bilanz für die Tafeln in St. Marien und dem Denkmal auf dem Kirchplatz lautete:

 

SH Hattstedt Bilanz web

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Wir bedanken uns herzlich bei Albert Panten vom Kirchenkreisarchiv Nordfriesland in Breklum und Johann Carstensen vom Dorfarchiv Hattstedt für die Informationen und die Dokumente.

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Heiligenhafen

Denkmal im Park

Eine hohe Stele, gemauert aus bunten Feldsteinen steht auf einem erhöhten Platz, den man ringsherum über fünf Stufen erreicht. Sie hat zwei gestaltete Seiten, oben hat sie einen halbrunden gefächerten Abschluss.

SH Heiligenhafen gesamthinten web

Auf der stadtzugewandten Seite ist das Reliefbild unter dem Fächer an der Spitze nicht mehr zu erkennen. Darunter stehen die Jahreszahlen 1939 – 1945 (nachträglich angebracht) und darunter 1914 – 1918. Es folgt ein Eisernes Kreuz und direkt anschließend die eingelassene Namens- und Widmungstafel. Die Inschrift lautet:

Sie alle starben für’s Vaterland
O Volk sei deiner Helden wert

Darüber werden 95 Namen von getöteten Soldaten und ihre Herkunftsorte genannt.


          SH Heiligenhafen gesamt web

SH Heiligenhafen Inschrift web

Auf der anderen Seite kann man oben im Reliefbild ein erhobenes (!) Schwert umrahmt von Eichenlaub sehen.

          SH Heiligenhafen hinten web

Darunter parallel zum Eisernen Kreuz auf der anderen Seite ist das Relief eines kleines Kreuzes im großen Strahlenkranz eingelassen. Wiederum direkt anschließend folgen Bild- und Inschriftentafel. Das Bild zeigt einen durch einen schwungvollen tischartigen Aufbau erhöhten Drachentöter.

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Hier wird jedoch nicht der Erzengel Michael abgebildet, wie im Kirchenfenster der Stadtkirche (siehe weiter unten), sondern der Drachentöter trägt Stahlhelm, Uniform und Schaftstiefel. Dazu passend die Inschrift:

Und wenn die Welt voll Teufel wär.
Es muss uns doch gelingen

Diese Zeilen stammen aus dem Kirchenlied »Ein feste Burg ist unser Gott«, dessen Text von Martin Luther wohl vor 1529 geschrieben wurde. Das Lied ist für den Protestantismus von großer Symbolkraft. Der Text ist angelehnt an den Psalm 46, »Gott ist unsre Zuversicht und Stärke«.

»Ein feste Burg ist unser Gott« erfuhr beginnend mit den Befreiungskriegen Anfang des 19. Jahrhunderts eine nationale Aufladung als Kampflied über den engeren religiösen Sinn hinaus. Davon zeugen die Einbindung in national-deutsch ausgerichtete Feiern wie das Wartburgfest 1817 oder die Einweihung des Lutherdenkmals in Worms 1868. Einen Höhepunkt erreichte die national-militaristische Instrumentalisierung während des Ersten Weltkriegs, als insbesondere die Zeilen »Ein feste Burg ist unser Gott« sowie »Und wenn die Welt voll Teufel wär« weite Verbreitung fanden (beispielsweise auf Kriegsansichtskarten). In diesem Kontext stand das Lied für das Selbstbild des von allen Seiten bedrohten Deutschland, das im Vertrauen auf Gott jedoch über alle Gegner dieser Welt triumphieren würde.

3. Strophe: Und wenn die Welt voll Teufel wär / und wollt uns gar verschlingen, / so fürchten wir uns nicht so sehr, / es soll uns doch gelingen.

Nach Wikipedia, 20. Februar 2017

SH Heiligenhafen Teufel web


Schon seit den 1920er Jahren wollten ein Militärverein und eine Kampfgenossenschaft die Erinnerung an die getöteten Soldaten aus Heiligenhafen und den Nachbargemeinden wachhalten. Ab 1924 nimmt die Planung Fahrt auf, es gibt Aufrufe zur Mitarbeit und Veranstaltungen, um Geld einzuwerben. Die Baufirma Prüß und der Architekt Johann Boller übernehmen die Bauausführung, der Bildhauer Langfeldt aus Heiligenhafen ist für die künstlerische Gestaltung zuständig. Ende 1924 gehört dann auch die Vereinigung Stahlhelm zum Denkmalsausschuss. Am 17. Mai 1925 wird das Kriegerdenkmal eingeweiht.


Hier können Sie einen Beitrag im Jahrbuch für Heimatkunde – Oldenburg / Ostholstein, 58. Jahrgang 2015 lesen. Geschrieben hat ihn der fast 90-jährige Senior der Rats-Apotheke am Markt Bendix Grasshoff. Wir danken Herrn Grasshoff, Herrn Hinrich Scheef, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde Oldenburg / Ostholstein e.V. und Frau Anja Pohle, Leiterin der Stadtbücherei für die Recherche.

 

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Die Stadtkirche in Heiligenhafen

Man betritt die Stadtkirche über einen Nebenraum, der als Erinnerungsort für die zwei Weltkriege fungiert. An der Aussenwand fiel das bunte Glasfenster ins Auge. Bei der Renovierung 2015 wurde das Fenster entfernt.

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Hier war der zweite Drachentöter in Heiligenhafen abgebildet, diesmal mit Heiligenschein, Flügeln und Lanze – der Erzengel Michael.

»Während des 1. Weltkriegs galt der Erzengel Michael als Führer und Schirmherr der Deutschen. Dabei vereinte seine Wiedergabe Relikte verschiedenster Herkunft ... Im Resultat ergab die Mixtur einen jugendlich-strahlenden Kämpfer, einen Siegfried als Schutzheiligen des deutschen Heeres. ... Das in diesen Darstellungen liegende Siegesbewußtsein, bei gleichzeitigem Gottvertrauen und der Gewißheit des gerechten Kampfs, kam auch in gleichzeitigen Gedichten zum Ausdruck:

Jetzt, Michel, zeig’ dich treu und groß,
Gürt’ nur dein altes gutes Schwert! ...
und zeig’ dem Feind in Ost und West,
wie deine Klinge zischt und loht ...

In einem 1915 zum Jahrestag des Kriegsausbruchs verfassten ›Lied vom deutschen Michel‹ von Cäsar Flaischlen heißt es über den Zustand nach dem erhofften Sieg:

Unserem Herrgott / Preis und Ehr! / Im übrigen aber / wie vorher: / Deutsche Kanonen, / zu Hütern bestellt, / bleiben der sicherste / Frieden der Welt!

Für die Situation am Kriegsende, die in der Weimarer Republik nachwirkte, ist ein Büchlein von 1918 symptomatisch. Der Verfasser Adolf Hauffen, Professor an der deutschen Universität in Prag, rekonstruierte darin die germanische Vergangenheit der Michaelsfigur, die auch das Ende der Siegesgewißheit noch unbeschadet überlebte.«

Zitiert aus Meinhold Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 3, Esprint-Verlag, 1985, S.96-97

         SH Heiligenhafen Kirche1 web

Unter einem Eisernen Kreuz und über den Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs kann man im Querbalken des Kreuzes lesen:

Unseren teuren, tapferen Helden
in Liebe, Dankbarkeit und treuem Gedenken
gewidmet von der Kirchengemeinde.
für unser Vaterland starben im Weltkriege
1914–1918

An der Längsseite des Raumes sind einzeilig in Überkopfhöhe bronzene Lettern angebracht:

* Wo sie auch ruhen in Meer und Land
sie sind gefallen in Gottes Hand
*

SH Heiligenhafen Kirche2 web

SH Heiligenhafen Kirche3 web

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Postkarten von 1920, 1939 + 1943

SH Heiligenhafen ca 1920 web

SH Heiligenhafen 1939 web

 

SH Heiligenhafen 1943 web

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Hörnerkirchen, Kreis Pinneberg

In der Ecke des Kirchhofs

Es [Das Kriegerdenkmal] besteht aus drei Schrifttafeln und einem Relief aus hellem Stein, das in der linken Ecke einen toten Soldaten zeigt, dessen Helm auf einem Podest liegt. Neben ihm stehen fünf Frauen in langen Umhängen und Lorbeerkränzen in den Händen. Ein Mann weist mit erhobener Hand eine von ihnen an, den Helm mit ihrem Kranz zu schmücken. Oben aufgesetzt ist ein Kreuz. Das Denkmal wird flankiert von zwei Tafeln mit den Namen der Toten.
Nachdem ein Feuer die Kirche am 20. September 1934 bis auf die Außenmauern zerstört hatte, wurde nordöstlich der Kirche am Rande des ehemaligen »Kirchhofes« eine neue Kriegerdenkmalsanlage errichtet, in die das alte Denkmal integriert ist.

Informationen von Helmut Trede, Autor des Buches: »Die Hörner Dörfer« Husum, 1989.

1921 wurde dem Entwurf des Berliner Bildhauers Heinrich Mißfeldt, geboren 1872, vom Denkmalsausschuß des Kirchspiels zugestimmt. In den Elmshorner Nachrichten vom 1.8.1921 wird erläutert: »Das Denkmal, das sich unmittelbar an die Südseite der Kirche lehnt, so daß es von der Straße aus in voller Front gesehen wird, stellt in seinem Mittelbilde in Reliefform 5 trauernde Frauengestalten dar, die ihren Kranz auf den »Altar des Vaterlandes« legen. Diese Frauengestalten verkörpern die fünf Gemeinden des Kirchspiels. Neben dem Altar steht die Gestalt der Hoffnung, deren erhobene Hand auf ein Kreuz weist, das nach oben hin das Mittelbild abschließt.« (Zitiert nach Claudia Eisert-Hilbert, 1987. Lesen Sie weiter im PDF weiter unten)

Am 25. Juli 1922 hielt der ehemalige Gemeindevorsteher aus Westerhorn Sandkamp die Weiherede. Zuvor hatte Pastor Fehrs einen Gottesdienst zur Denkmalseinweihung abgehalten.

SH Brande H Mitte

SH Brande H gesamt


Für den 1. Weltkrieg: 
Seinen im Weltkriege gefallenen Söhnen zum Gedächtnis! Das Kirchspiel Hörnerkirchen 

Linke Tafel:
 1914 - 1918

(im Eisernen Kreuz mit Eichenlaub und Lorbeerzweig)

Wir sind die Saat, von Deutschland ausgesät mit bebender Hand
und die Namen von toten Soldaten aus dem Kirchspiel

SH Brande H Tafel42

Rechte Tafel:
 1914 - 1918
(im Eisernen Kreuz mit Eichenlaub und Lorbeerzweig)

Wollt ernten ihr, so gebt euch hin wie wir dem Vaterland
und die Namen von toten Soldaten aus dem Kirchspiel

SH Brande H Tafel1

Für den 2. Weltkrieg
Auf beiden Außentafeln:
 1939 (Eisernes Kreuz) 1945
und jeweils die Namen von toten Soldaten aus dem Kirchspiel

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SH Brande Hoernerkirchen alt

Vor dem Brand am 19. September 1934 stand der mittlere Teil des jetzigen Kriegerdenkmals in einer Fensternische der Kirche, die beiden Steintafeln mit den Namen der getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs hingen rechts und links daneben an der Kirchenmauer. Dieser Ort verstärkte die Symbolik im Mißfeldschen Relief vom »Altar des Vaterlandes«. Das Foto ist von Osten her aufgenommen. Die Kirche brannte damals bis auf die Umfassungsmauern nieder, beim Wiederaufbau wurde das Denkmal von der Außenwand gelöst und an den Kirchhofsrand versetzt, wo man nach 1945 das Gedenken an die toten Soldaten des 2. Weltkriegs hinzufügte. In der Kirche erinnert heute nur noch ein Messing-Lorbeerblatt-Kranz am Leuchter über der sogenannten Bläserecke links vom Altar daran, dass dort eine »Heldennische« eingerichtet werden sollte. Dazu kam es nicht und es sind auch keine Pläne erhalten.

Wir danken Pastor Dr. Palmer für die Ablichtung und die Informationen.


SH Hoernerkirchen Karte

Das »Ehrenmal« war in dieser Zeit auch ein Postkartenmotiv. Die vier Bäumchen sind hineinretuschiert worden, dem Postkartengrafiker kam die Kirchenwand wohl nicht feierlich genug vor.

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Denkmalsgeschichte

Das Kapitel Hörnerkirchen aus Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit (1987): »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg« können Sie hier lesen. Unser Dank gilt der Verfasserin.


Eisert-Hilbert

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Der Bildhauer

Heinrich Missfeldt wurde am 20. Dezember 1872 in Suchsdorf bei Kiel geboren und starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.

               SH Missfeldt 280 web


Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Bad Segeberg, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.

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Notgeld aus dem Jahr 1922

Auf dem 60-Pfg-Schein der Gemeinde Brande-Hörnerkirchen werden schon die Inschriften des Kriegerdenkmals von 1922 zitiert. Auf dem 40-Pfg-Schein steht: Uns Markplatz, grot und schön den ziert en witten Steen. Dor kannst Bescheid di hahlen wat uns de Weltkrieg stahlen. Frei übersetzt ins hochdeutsche: Unsern Marktplatz, groß und schön, den ziert ein weißer Stein. Dort kannst Bescheid Dir holen, was der Weltkrieg uns gestohlen.

Auf dem Notgeld ist das frühere Denkmal, erbaut 1874, für die toten Soldaten der Kriege im 19. Jahrhundert abgebildet. Es stand in den 1920er Jahren auf dem Marktplatz. Seit es 1936 abgebaut wurde, ist das Denkmal bei der Kirche das einzige in Hörnerkirchen.

SH Hoernerkirchen Notgeld web


SH Hoernerkirchen Notgeld2 web

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Historische Postkarte

SH Hoernerkirchen Alte Karte1916 web


Ganz links oben das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz, in der Mitte ein Bild der Kirche – noch ohne das neue Kriegerdenkmal in der Fensternische. Die Karte ist ca. 1915 verkauft worden.

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Husby

Auf dem Friedhof der Kirche St. Vincentius

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege ist ein mit behauenen Feldsteinen gemauerter runder Turm mit stumpfer Kegelspitze.

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Seit er am 30. Oktober 1921 eingeweiht wurde, trägt der Turm die nach Westen gerichtete Frontplatte aus Granit mit hohem schmalen Kreuz, den über die Kreuzachsen verteilten Jahreszahlen des 1. Weltkriegs und die Widmung, unterbrochen von der Senkrechten des Kreuzes:
Den im Kampf fürs Vaterland gefallenen Heldensöhnen der Kirchengemeinde Husby

Darunter (auf dem Foto nicht zu sehen):
Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben
Bibelstelle: Offenbarung des Johannes 2, 10b

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.
Die für fast alle Denkmäler typische Kriegstodverklärung findet eine Steigerung in einer spezifisch kirchlichen Deutung – von »christlich« zu sprechen verbietet der Respekt vor dem biblisch christlichen Glauben.

  SH Husby Fronttafel web

Sieben weitere Granitplatten, um den Turm herum angebracht, nennen die Namen der 67 toten Soldaten mit Geburts- und Todes- bzw. Vermißtentag, geordnet nach Ortsteilen der Kirchengemeinde. In jede Platte ist über den Namen zwischen den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs ein Tatzenkreuz eingraviert, darunter wurde – wenn es die Länge der Namensliste zuließ – ein schmales gesenktes Schwert gesetzt. Umrahmt ist das ganze auf allen acht Platten von einer feinen Linie, alle Gravuren sind blutrot ausgemalt.

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1956 wurde das Kriegerdenkmal um die Namen der 173 toten Soldaten des 2. Weltkriegs erweitert. Acht schwere Platten wurden zu Füßen des Turm in die Lücken zwischen den senkrechten Platten ringsherum auf dem Boden verlegt. Eine kleine Steinplatte nennt im Relief eines Eisernen Kreuzes die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs.

SH Husby 1939 1945 web


Erneut sind die Namen geordnet nach den Ortsteilen der Kirchengemeinde. Die Buchstaben sind erhaben gearbeitet und wieder kunstvoll ausgeblockt. Je zwei Platten tragen das gleiche christliche Symbol über der Ortsangabe.

Hier das Christusmonogramm IHS:

Das Nomen sacrum (der heilige Name) IHS leitet sich von der Transkription der ersten beiden und des letzten Buchstaben des griechischen Namens Jesu ab. Transkription bedeutet hier »Umschrift«, d.h. die Übertragung eines sprachlichen Ausdrucks von einem Schriftsystem in ein anderes. IHS (und ihs) als Kurzform des Namens Jesus kann man in Bibeln des Mittelalters und an anderen Stellen sehr häufig finden. Bis ca. 1450 wurden in Bibeln und Urkunden die Worte Jesus und Christus und andere Nomina sacra (heilige Namen) praktisch nie ausgeschrieben. Zunächst war dieses Kürzel mit einem darüber liegenden Kürzungsstrich versehen, aus dem später ein Kreuz wurde.

Nach Wikipedia, 5.2.2017

SH Husby IHS web

 

Das Christusmonogramm ΧΡ, auch Konstantinisches Kreuz genannt, ist nach dem Kreuz und dem Fisch das am häufigsten verwendete Symbol für Jesus Christus. Es wird seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. von Christen verwendet.
Das früheste christliche Emblem – noch vor dem Kreuz – ist die Abkürzung des Titels »Christus«. Die Ähnlichkeit der griechischen Buchstaben Χ (Chi) und Ρ (Rho) mit den lateinischen Buchstaben X und P veranlasste in späterer Zeit die Interpretation des Symbols als Kurzform des lateinischen Pax (Frieden) oder Pax Christi.
Konstantin der Große soll, nach einer Vision, in der ihm gesagt wurde »In diesem Zeichen wirst du siegen«, seiner Armee befohlen haben, es auf die Schilde zu malen.

Nach Wikipedia, 15. Februar 2017

SH Husby PX web

Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets, sind ein Symbol für Anfang und Ende, damit für das Umfassende, für Gott. Bibelstelle: Offenbarung 1, 8: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

SH Husby A web


Der Kreis und das vierarmig-symetrische Kreuz gehören zu den elementaren graphischen Zeichen. In dieser Kombination ist das Zeichen allgemein Symbol für Kirche und steht in Legenden von Landkarten für Kirchengebäude. Hier sind dem Kreis noch Aussparungen hinzugefügt, die einem Smiley unserer Zeit ähneln.

SH Husby Smile web

All diese Symbol-Varianten sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben.

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Die Einweihung 1921

»Am Sonntag, den 30. Oktober, nachmittags 2 Uhr. Glockengeläute, Anmarsch der Vereine.« Pastor Lensch aus Flensburg hielt am Denkmal die Weiherede. Umrahmt von Liedern und Ansprachen wurde die Weiheurkunde verlesen und von Bauunternehmer Asmussen eingemauert.

SH Husby 1921 10 30 Einweihung Pastor Lensch Flensburg web


SH Husby Programmseite web


Die letzte Strophe aus dem Lied »Ehrenvoll sind sie gefallen«:

Und der Nachwelt soll es künden:
Wenn ein Volk die Toten ehrt,
Wird es einst auch wieder winden
Lorbeer um des Siegers Schwert

 

Programmzettel

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Notgeld

Auch auf Notgeldscheinen wird die Einweihung des Kriegerdenkmals 1921 dokumentiert. Damals hieß das ganze Gelände »Ehrenfriedhof«. Der allgemeine Friedhof wurde erst 1926 von Pastor Barharn eingeweiht. Als erste zivile Amtshandlung wurde dort eine Soldatenmutter beigesetzt.

SH Husby Notgeld2 web

SH Husby Notgeld web

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der 2. Weltkrieg

Am 10. Juni 1956 erfolgte die Einweihung der Ergänzung durch die Namensplatten für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

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Dritter von links: Peter Jensen, Ausacker

SH Husby Archivfoto 4 web


Dritter von links: Nicolaus Owesen, Gremmerup. Fünfter von links: Günther Claußen, Husby. Ganz rechts: Amtmann Hansen.

SH Husby Archivfoto 3 web

Blumenkästen stehen auf den Mauervorsprüngen, das Eiserne Kreuz mit den Jahreszahlen ist von Kränzen umgeben.

SH Husby 1956 06 10 Ehrenmal web

Das Foto von 1957 zeigt die gerade erfolgte Ergänzung, der umlaufende gepflasterte Weg, freier Raum und Bänke lassen die Anlage insgesamt größer als heute erscheinen.

SH Husby Archivfoto 1 web


Wir danken Johann Adam vom Kirchenkreisarchiv in Kappeln für die vielen Informationen und die historischen Fotos.


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Erinnerungskultur

In Deutschland war die Trauer um die getöteten Soldaten gleichzeitig verbunden mit der Erinnerung an eine Niederlage.

Das Kriegserlebnis wurde zu einem Mythos geformt, der das Sinnhafte des Kampfes und der Opfer hervorheben sollte:

»Die Erinnerung an den Krieg wurde zu einem heiligen Erlebnis umgedeutet, das der Nation eine neue Tiefe der religiösen Empfindung gab und überall präsente Heilige und Märtyrer, Stätten nationaler Andacht und ein zum Nacheifern aufforderndes Erbe lieferte.« (Mosse, 13) Der Gefallenenkult wurde zu einem zentralen Bestandteil nationaler Selbstdarstellung und entwickelte besonders in Deutschland eine gewaltige politische Wirkung.

Das Ideal der Kameradschaft wurde auf die ganze Nation ausgedehnt. Die Gedächtnisfeiern an den Ehrenmälern auf öffentlichen Plätzen betonten den Vorbildcharakter der Gemeinschaft der Frontsoldaten. Im besiegten Deutschland wurde die »Volksgemeinschaft«, aus der heraus die Nation zu neuer Stärke erwachen sollte, zum Vermächtnis, das die Gefallenen den Überlebenden hinterlassen hatten.

Die allerorts errichteten Denkmäler trugen dazu bei, diesen Sinn, der dem Soldatentod beigelegt wurde, in die Öffentlichkeit zu tragen und im Bewusstsein zu erhalten.

Die von den Nationalsozialisten angestrebte Volksgemeinschaft ist ohne das idealisierte Vorbild der Frontkameradschaft des Ersten Weltkriegs nicht vorstellbar. Der Gefallenenkult erlebte im nationalsozialistischen Deutschland dann auch seine äußerste Steigerung.

Christian Lopau, 2017, Vortrag im Ratzeburger Dom im Begleitprogramm der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?«

www.nordkirche-nach45.de

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Die Stele

An der Nordseite der Anlage steht eine aufgerichtete Steinplatte mit der Inschrift:

Gedenket der gefallenen Männer, Frauen und Kinder, der Gefangenen, Verschleppten und Vertriebenen unseres Volkes und aller Völker

Darüber ein Ankerkreuz, darunter ein Zeichen, das wie ein Stern aussieht. Bei der ausgeklügelten christlichen Symbolik der Anlage kann es sich aber auch um das Zeichen »Iota Chi« handeln. »I«, der griechische Buchstabe Iota steht für Jesus, »X«; der griechische Buchstabe Chi für Christus. Der am Rand umlaufenden Text ikann man heute kaum entziffern.

  SH Husby Stein web


Als die Stele am 10. Juni 1956 errichtet wurde, konnte man den umlaufenden Text noch lesen:

In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost ich habe die Welt überwunden Joh. 16/33

Sie stand damals noch hinter dem Denkmal, am 20. Oktober 2004 wurde sie nach vorne neben den Denkmalsturm versetzt.

       SH Husby 1956 06 10 Einweihung Stele web

 

Bauzeichnung

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Die Kirche St. Vicentius

Das Kriegerdenkmal steht in der Sichtachse zur Kirche.

SH Husby mit Kirche web


Die St. Vincentius-Kirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sie einen hölzernen Vorgängerbau gehabt. Der heutige Bau ist romanisch und aus behauenen Granit-Quadern errichtet. Das spricht für die besondere Bedeutung der Kirche, denn von den 37 erhaltenen romanischen Kirchen in Angeln sind ansonsten nur die bedeutenden Bauten in Munkbrarup, Norderbrarup und Sörup aus diesem Material. Der mächtige Turm stammt aus gotischer Zeit, ist mit Schindeln gedeckt und weithin im Land sichtbar.

Nach Wikipedia, 17. Februar 2017

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Foto: Frank Stegemann/Wikimedia Commons

SH Husby UlrikeLehmann wikimediaCommons web

Foto: Ulrike Lehmann/Wikimedia Commons

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Die Kriegsgefangenen

Durch die Abwanderung von jungen Frauen und Männern in die Kriegsindustrie hatte es bereits vor dem 2. Weltkrieg Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft gegeben.

Mit dem Überfall auf Polen begann dann der Einsatz von Kriegsgefangenen. 1939 wurden für Erntearbeiten im ganzen Reichsgebiet rund 30 000 eingesetzt. Anfang Oktober 1939 waren es bereits 110 000 und im Februar 1940 270 000 Kriegsgefangene. Die Gefangenen wurden zunächst in großen Durchgangslagern gesammelt und dann zu den Stammlagern (Stalags) verteilt, die der Wehrmacht unterstanden. Auf den Dörfern wurden Tanzsäle der Gastwirtschaften oder andere geeignete Unterkünfte ausgewählt. Dann wurden auf den Dörfern Wachmannschaften aus älteren Soldaten gebildet. So geschah es auch in dem beliebten Tanzlokal in Husbyries. Die Polen aus dem Husbyrieser Lager, es waren ca. 100 Mann, wurden auf Höfe in Husby, Husbyholz, Hodderup, Lutzhöft und Gremmerup verteilt, wo sie die eingezogenen Knechte ersetzten, und wo sie auch verpflegt wurden. Als Bewachung dienten fünf deutsche Soldaten unter der Führung eines Unteroffiziers.

Lesen Sie hier weiter: www.home.foni.net

Wir danken Claus Olsen für seine Dokumentation.

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Hutzfeld

Gepflegte Anlage vor dem Feuerwehrhaus

Das Kriegerdenkmal wurde 1928 für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs mit bunten Felssteinen errichtet. Seit Ende 1955 wurde dann über eine Neugestaltung nachgedacht. Eine Spendensammlung Ende Oktober 1962 machte die Erweiterung des Denkmals möglich. Nach einer Gemeinschaftsleistung der Dorfbewohner, die Pläne des Lehrers Matthiesen umsetzten, wurde der Umbau am 7. September 1963 eingeweiht (Quelle: Chronik von Hutzfeld von Helmut Schröder). Vor dem Denkmal wurde ein großzügiger Kiesplatz angelegt, den man über zwei gemauerte Stufe erreichte. Rechts und links wurden viereckige Pfosten als Begrenzung der Anlage aufgemauert. Die Widmung wurde in großen goldfarbenen Lettern angebracht:

Zu Ehren der Toten
1914 – 18   1939 – 45

Ein Beet in voller Länge vor der Mauer ermöglicht eine Bepflanzung. Die Pyramide mit aufgesetztem Eisernen Kreuz aus dem Jahr 1928 trägt die eingelassenen Granittafeln aus der Zeit der Errichtung.

SH Hutzfeld 2016 web


Die Inschriften lauten auf der großen zentralen Tafel, über den 24 Namen:

1914 – 1918
erlitten den Heldentod


             SH Hutzfeld Namen web


Darunter – etwas ungelenk auf der Platte verteilt – der Bibelvers Johannes 15.13 in der Fassung der Lutherbibel von 1912:

Niemand hat größere Liebe den die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde

So spricht Jesus am Ende des Johannes-Evangeliums (15,13). Es heißt natürlich nicht: »... dass er in den Krieg zieht und tötet für seine Freunde.«

Dies ist ein Beispiel für eine pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods.
Für die Mehrheit der Christinnen und Christen, der Gemeinden und der Kirchen kann davon ausgegangen werden, dass sie mit dieser »Verkündigung« und der Botschaft der Kriegerdenkmäler nicht einverstanden sind. Dennoch gibt es bei den allermeisten dieser Denkmäler keine Veränderung.


SH Hutzfeld Niemand web


An den Seiten der Pyramide auf eingelassenen Steinen:

Unser Dank

Wir für euch


SH Hutzfeld Unser web

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Historisches Foto

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Ursprünglich stand die Pyramide allein auf einer kleinen Anhöhe, ohne flankierende Mauern.

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Volkstrauertage

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1963 – der erste Volkstrauertag nach der Umgestaltung.


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2004 – mit Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr


SH Hutzfeld VTT 2008 web

2008 – die Fahne mit dem Leitspruch der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland:

Gott zur Ehr’ dem Nächsten zur Wehr


Wir danken Herrn Helmut Schröder aus Hutzfeld für die Informationen und die Fotos von den Volkstrauertagen.


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Itzehoe

Der Soldat der St. Laurentii-Kirche

Im August 1925 wurde das Kriegerdenkmal aufgestellt – auf einem damals freien Platz neben der St. Laurentii-Kirche. Ein sich nach unten verjüngender Sockel aus hellem Stein wurde mit einer breiten quadratischen Steinplatte belegt. Sie zeigt auf einem umlaufenden Relief vier Szenen mit Soldaten im Krieg. Oben steht ein Soldat mit Helm und Mantel, in der Hand einen großen Eichenzweig, den linken Fuß auf eine Erhöhung gestellt, die wie ein Geschütz aussieht.

Das Denkmal ist später durch zwei Gedenksteine ergänzt worden, die Reliefs aus Kupfer von Graf Waldersee und Freiherr von Fritzsch zeigen.


SH Itzehoe Soldat


Informationstafel des Heimatverbandes für den Kreis Steinburg

Das »Neunerdenkmal« ist ein Ehren- und Mahnmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen 378 Soldaten des Feldartillerieregiments 9.
Es wurde 1925 mit Spenden aus der Bevölkerung errichtet – ein Zeichen Ihrer Verbundenheit mit den »Neunern«, dem Traditionsregiment der Itzehoer Garnison seit 1889, in dem viele Freiwillige der Stadt und aus dem Umland gedient hatten.
Ausgeführt wurde das Denkmal vom Itzehoer Steinmetzbetrieb F. Kolbe nach dem Entwurf des Bildhauers Hans Jenkel, Berlin.
Der Platz, auf dem das Denkmal steht, gehörte seit dem 12. Jahrhundert bis 1762 zum ersten Friedhof der Kirchengemeinde.
Die später an seinen Seiten hinzugefügten Gedenksteine erinnern an hochrangige Heerführer, beide ehemals Regimentschefs der Itzehoer Artilleristen.

SH Itzehoe mit Tafel

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Das Neuner-Denkmal ...

... steht in der Kirchenstraße vor dem Propstenhaus. Es wurde am 2. August 1925 enthüllt.

Gestiftet wurde es vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe, der Kameradschaftsvereinigung des Regiments Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schlesw.) Nr. 9, der die Mittel über Spenden aufbrachte. Es soll an das Regiment, seinen Kriegsruhm und seine Gefallenen im Ersten Weltkrieg erinnern. 374 Soldaten der Itzehoer Teile des Regiments waren gefallen. Nach einer Aufstellung im Heimatbuch des Kreises Steinburg, Bd. 3 sind insgesamt 790 Soldaten aus der Stadt und der Gemeinde Klosterhof Itzehoe im Ersten Weltkrieg getötet worden.

Der Entwurf des Denkmals stammt von Hans Jenekell, Berlin-Friedenau. Durch die Inflation bedingt konnte der Neuner-Bund die Mittel für die Bauausführung des Denkmals durch den Künstler nicht aufbringen. Die Itzehoer Firma F. Kolbe übernahm dies zu einem wesentlich niedrigeren Preis, wobei Prof. Oehler aus Hamburg die bildhauerischen Arbeiten übertragen bekam.

SH Itzehoe Errichtung web

© Gemeinsames Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe

Die Inschrift auf dem Sockel lautet:

Den Gefallenen des Feldartillerieregiments Graf Waldersee (Schl.) No. 9
Des Reservefeldartillerieregiments und deren Kriegsformationen 1914-1918.

Das Regiment hatte 1889 die städtischen Kasernen in der Moltkestraße bezogen, später auch das sog. Fiskalische Kasernement an der Oelixdorfer Straße. Anfänglich hieß es Schleswigsches Feldartillerie-Regiment Nr. 9 und wurde 1901 nach ihrem Chef in Regiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schleswigsches) Nr. 9 umbenannt.

Das Denkmal wurde von zwei Seiten kritisiert. Zum einen stand die Stadt dem Projekt des Neuner-Bundes ablehnend gegenüber. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung befürchtete in dem Denkmal ein monarchisches Symbol und beschloss, sich nicht an der Finanzierung zu beteiligen. Nachdem das Denkmal aber von der Bevölkerung zum großen Teil begeistert akzeptiert wurde, hielt auch der Bürgermeister Rohde bei der Einweihung eine Festrede. Dass die Bedenken nicht unberechtigt waren, zeigt sich darin, daß viele Itzehoer bei der großangelegten zweitägigen Einweihungsfeier die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreichs hissten. Zum anderen stießen sich viele an der modernen Form des Denkmals. Sowohl am Sockel, der nach oben breiter wird und den Block mit dem Relief »emporhebt«, als auch an der Soldatenfigur, die die »Ruhe und Kraft« eines Soldaten auf Posten ausdrücken soll, schieden sich die Geister. Das Relief des Steinblocks, auf dem der Soldat steht, zeigt auf der einen Seite Kampfdarstellungen und auf der Gegenseite die »Todesruhe der zusammengeschossenen Batterie« (nach den Äußerungen des Bildhauers).

SH Itzehoe Einweihung web

© Gemeinsames Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe

                SH Itzehoe Kranz web

                ● Im Juni 1952 in der Kirchenstraße

                 © Gemeinsames Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe

Text zum Neuner-Denkmal aus dem Band »Itzehoe – genauer hingesehen: Wege durch die Stadt«. Herausgegeben vom Arbeitskreis Itzehoer Geschichte und dem Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe, 2000.
Wir danken Kirsten Puymann für die gute Zusammenarbeit und Andrea Hahn für die historischen Fotos (Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe).

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Postkarten

SH Itzehoe Postkarte 1939 web

                   SH Itzehoe Postkarte alt

● So frei stand das Kriegerdenkmal in seinen ersten Jahren

SH Itzehoe Karte3 web

 

SH Itzehoe Postkarte

 

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SH Itzehoe Karte3 web

● Ein gutes Motiv für Grüße aus Itzehoe?

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I N H A L T
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Das Denkmal
Tote Soldaten des 2. Weltkriegs
Die jüdische Familie Eichwald
Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

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Kappeln, Kreis Schleswig-Flensburg

Auf dem kirchlichen Friedhof von St. Nikolai

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs liegt perfekt in der zentralen Sichtachse des Kappeler Friedhofs.

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Es wurde erbaut nach einem Entwurf des Bildhauers Heinrich Missfeldt (1872 - 1945). Er zeichnet für diverse Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein verantwortlich, das in Bad Bramstedt ist dem Kappeler am ähnlichsten. Sie können es auch auf dieser Website kennenlernen.

 

SH Kappeln ganz web


Das etwa drei Meter hohe Denkmal besteht aus einem sarkophagähnlichen Sockel aus Sandstein, am Fuß ist er vierstufig gestaltet. Auf der Deckplatte kniet eine trauernde Frau, die rechte Hand ans Herz gedrückt, in der linken Hand einen Eichenlaubkranz haltend. Missfeldt hat sie dem Erscheinungsbild der Gottesmutter Maria nachempfunden. Vor ihr liegen Kriegsgerätschaften.

 

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Auf der Mitte der Frontplatte steht die Widmungsinschrift und unter einer Linie der Sinnspruch, umgeben von zwei Lorbeerzweigen, die den ehrenden Spruch verstärken sollen.

Ihren im Weltkriege 1914-18
gefallenen Söhnen in Dankbarkeit
die Kirchengemeinde Kappeln

Vaterland, für dich sterben
heißt im Andenken der Menschen
ewig leben.

In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

 

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SH Kappeln Detail web


Vor der Trauernden und dem ehrenden Eichenlaubkranz liegen Stahlhelm, ein Kurzschwert und ein Koppel, auf dessen Schloß das Relief nicht mehr zu erkennen ist. Die übliche Zier wäre ein Reichsadler und die Aussage »Gott mit uns«.

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An allen Seiten ist die Skulptur detailreich ausgearbeitet.

SH Kappeln Seite web

 

SH Kappeln Seite Namen web


Auf acht Sandsteintafeln an den vier Seiten des Sarkophags sind 139 Namen von getöteten Soldaten graviert und in vitriolrot (ochsenblutrot) ausgemalt. Genannt werden das Initial des Vornamens, der Nachname, Geburts- und Sterbedatum, wobei letzteres nicht immer bekannt war. Auf der Südseite sind aufgeführt die Toten aus Mehlby und Kappeln; im Osten aus Kappeln, Stutebüll und Roest; im Norden aus Kappeln und im Westen aus Grimsnis, Rabel, Mehlby und Buckhagen.

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Auf der angrenzenden Rasenfläche befinden sich 51 Kriegsgräber aus beiden Weltkriegen, teils mit Kreuzen, teils mit Bronzetafeln gekennzeichnet.

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tote Soldaten des 2. Weltkriegs

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Erinnerungstafel für eine Gruppe von 13 Soldaten, die am 7. Mai 1945 getötet wurden – einen Tag vor der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.

SH Kappeln 2WK web


Diese Bodenplatte aus Metall ist den getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs gewidmet. Die 433 Namen, in zwei Spalten gesetzt, sind nach Sterbejahren geordnet, etwa ein Viertel der Sodaten ist als »VERMISST« angegeben. Oben und unten läuft das Spruchband:

Alle die gefallen in Meer und Land
sind gefallen in deine Hand.
Gib uns das Leben durch deinen Sohn
uns und den Toten vor deinem Thron.

Diese Anrufung Gottes ist einem Gedicht von Siegfried Goes entnommen, der auch als Soldat im 2. Weltkrieg getötet wurde:

All’, die gefallen in Meer und Land,
sind gefallen in deine Hand;
alle, die kämpfen im weiten Feld,
sind auf deine Gnade gestellt;
alle, die weinen in dunkler Nacht
sind von deiner Güte bewacht.
Gib uns Augen, daß wir es sehn,
wie deine Hände mit uns gehn;
gib uns Herzen, die deine Gnad
gläubig ergreifen früh und spat;
gib uns das Leben durch deinen Sohn,
uns und den Toten vor deinem Thron.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gibt auf seiner Website die Dienstgrade der getöteten Soldaten an, soweit sie bekannt sind. Dort sind für die 433 Namen auf dieser Platte alle möglichen Dienstgrade aufgeführt: vom Rottenführer bis zum Feldwebel.

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Die jüdische Familie Eichwald

1989 haben sich die Lehrerin der Gorch-Fock-Schule, Elisabeth Andresen, und ihre 9. Hauptschulklasse mit dem Schicksal der Familie Eichwald beschäftigt und eine Gedenktafel auf dem Friedhof angeregt, für die sie auch den Text formuliert haben. Die Schrifttype und den Platz auf dem Friedhof hat der Kirchenvorstand der St. Nikolai-Kirche bestimmt.

SH Kappeln Eichwald web

Direkt neben der Platte für die Soldaten der Deutschen Wehrmacht, die unmittelbar und mittelbar am Massenmord an den Juden in Europa beteiligt war, liegt die Erinnerungstafel für die jüdische Familie Eichwald aus Kappeln, die Opfer des Nazi-Terrors wurde.

SH Kappeln beide web

Am 20. August 2004 hielt der Journalist Bernd Philipsen folgende Rede bei der Verlegung der Stolpersteine für die Familie Eichwald durch den Kölner Künstler Gunter Demnig:

Sieben Stolpersteine in Kappeln

Wer jemals in Auschwitz oder in einer anderen ehemaligen Todesfabrik Hitler-Deutschlands war, ist sprachlos angesichts der Monstrosität des Grauens, die jedes Vorstellungsvermögen sprengt. Dass aber hinter den endlos langen Zahlenkolonnen individuelle Lebensgeschichten und Schicksale stehen, wird einem erst dann richtig bewusst, wenn – wie heute hier – deutlich wird: es waren Nachbarn, Kollegen, Mitschüler, die zunehmend ausgegrenzt, dann verfolgt und schließlich umgebracht wurden.

Wie die Eichwalds in Kappeln. Sie waren – und ich benutze dieses Wort bewusst – echte Mitbürger, also Bürger, die mitmachen, sich einbrachten in das Kappelner Stadtleben, bürgerschaftliches Engagement übernahmen. »Ich war ein Kappelner Jung«, sagte – gewissermaßen stellvertretend für die gesamte Familie – einst Johnny Blunt, der als John Eichwald in Kappeln geboren wurde und hier seine Kindheit verbrachte.

Seit drei Generationen war die Familie Eichwald in Kappeln zu Hause. Sie besaß seit 1895 ein Textil- und Schuhwarengeschäft, später kam ein Tabakwarenladen hinzu.

SH Kappeln FamEichwald web

• Der Tabakladen der Familie Eichwald in der Mühlenstraße 36

Für Richard und Arthur Eichwald war es selbstverständlich, 1914 für Deutschland und den Kaiser in den Krieg zu ziehen. Sie bemühten sich um das Wohl der Stadt und ihrer Bürger, zum Beispiel durch ihren Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr. Oder durch ihre Mitwirkung in einer Guttemplerloge. Doch die Integration war trügerisch. Am 1. April 1933, schon kurz nach dem Machtantritt Hitlers, wurde ihr Geschäft von SA-Angehörigen boykottiert. Es sollte noch schlimmer kommen: in der Nacht zum 10. November 1938, dem so genannten Novemberpogrom, wurde die Familie Eichwald überfallen und verhaftet. In den Wohnungen kam es zu Plünderungen und Verwüstungen.

Hätten die Eltern keine Vorahnung gehabt, was noch weiter an Grausamkeiten auf jüdische Familien zukommen würde, dann hätten wir hier heute drei weitere Steine zu setzen gehabt. Die Jungs John, Kurt und Erik wurden noch 1938 mit Hilfe des Kindertransports nach England in Sicherheit gebracht. Dort überlebten sie die NS-Zeit.

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• Die Brüder Eichwald vor dem Tabakladen: John, der älteste der drei Eichwald-Söhne, war beim Kindertransport nach England 15, Erik war zwölf und Kurt erst zehn Jahre alt


Eltern, Großeltern und weitere Familienmitglieder der Eichwalds wurden deportiert und umgebracht:

- Senior Alfred Eichwald und seine Frau Emma Eichwald wurden in Minsk ermordet
- ihre Söhne Arthur und Richard Eichwald in Neuengamme bzw. Minsk
- deren Ehefrauen Emilie Eichwald und Selly Eichwald in Minsk
- die Tochter von Alfred und Emma Eichwald, Jeanette Simenauer, ebenfalls in Minsk.

Damit war die gesamte in Deutschland verbliebene Familie Eichwald aus Kappeln ausgelöscht.

»Ob der alte Gott noch lebte? Manchmal könnte man daran verzweifeln«, schrieb Emma Eichwald 1941 angesichts der Deportationen in den Osten an Kappelner Freunde. In einem späteren Schreiben von Emma Eichwald nach Kappeln heißt es: »Wir wollen Deutschland nicht verlassen, ohne Ihnen noch Lebewohl zu sagen. Wir wurden [von Hamburg aus] evakuiert. [...] Wir werden uns wohl in diesem Leben nicht wiedersehen.«

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• Am 21. April 1939 wurde der Hausstand der Eichwalds öffentlich versteigert.


Selbst im Tod wurden sie gedemütigt, indem ihr Name durch eine Nummer ersetzt wurde. Sie erhielten kein eigenes Grab und keinen Stein, auf dem ihr Name steht. Von heute an erinnern wenigstens kleine Steine an das Schicksal einer Kappelner Familie.

Es ist zugleich das Vermächtnis von John Eichwald, der als britischer Staatsbürger Johnny Blunt 1988 Kappeln besuchte und sich gegen ein Vergessen und Verdrängen dieses dunklen Kapitels deutscher Gesichte wandte: »Vergessen? Nein, das darf nie vergessen werden!« Insofern sind die kleinen Steine auch Stolpersteine der Lokalgeschichte.

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Foto: Herbstwald / Wikimedia Commons


• Im Spätherbst 2007 wurde auf Initiative von Dietrich Weißmann, Lehrer an der Christopherus-Schule in Kappeln, und drei seiner Schüler der ehemalige »Arnisser Platz« in »Eichwaldplatz« umbenannt. Die Schüler hatten eine Projektarbeit über die Familie Eichwald geschrieben und den Antrag auf Umbenennung gestellt.

• Ein halbes Jahr haben sechs Schülerinnen und Schüler des 12. und 13. Jahrganges der Klaus-Harms-Schule und zwei Lehrer an der multimedialen Aufbereitung der jüdischen Vergangenheit von Kappeln gearbeitet. Wir verdanken ihnen die drei Bilder zur Familie Eichwald. Lesen Sie hier den Bericht:


Ein Kappeler Jung

 

• Hier noch der Link zu einem Bericht von Bernd Philipsen, erschienen im Schleiboten am 27. Januar 2009

> Schleibote 2009

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Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

Am 20. Dezember 1872 wurde er in Suchsdorf bei Kiel geboren, er starb am 27. Oktober 1945 in Torgau. Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Bad Segeberg, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

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1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.

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Kiel

Auf dem Ostfriedhof, rechts neben der Kapelle

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs ist ein rötlicher-grauer kantiger Findling aus Granit. Er ist fast zweieinhalb Meter hoch und somit der größte Stein auf dem Ostfriedhof.

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Am unteren Rand steht in konturierten Ziffern:
1914-18

Auf der geraden Frontseite ist das lebensgroße Relief von zwei uniformierten Soldaten herausgearbeitet und poliert worden. Sie marschieren im kraftvollen Gleichschritt mit geschulterten Gewehren, Stahlhelmen, Marschgepäck, Messer und »Knobelbechern«. Der Jüngere guckt nach vorne, der Ältere mit Backenbart schaut zurück. Das Denkmal ist 1921 errichtet worden.

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Man bekommt einen Schreck, wenn man auf die Rückseite des Kriegerdenkmals schaut. Dort liegt ein toter Soldat in Uniform und Stiefeln. Im Fallen hat er wohl ein Tuch, Vorhang, eine Fahne (?) heruntergerissen.

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Darüber steht flächefüllend die Inschrift:
Fürs Vaterland kämpften unsere Brüder 1914 bis 1918.
Viele starben den Heldentod

Es folgt ein buchstabengroßes Eisernes Kreuz.

SH Kiel Soldat hinten1 web

»Der Gedenkstein nimmt durch seine bildliche Ausgestaltung im Kieler Raum eine Sonderrolle ein. Er wurde möglicherweise von den Steinmetzen Dold oder Witzel geschaffen, wegen seiner künstlerischen Ausgestaltung vermutlich eher von einem studierten Bildhauer. Aufgestellt wurde er 1921. An dem Stein finden an den Volkstrauertagen seit 1952 Gedenkfeiern für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus statt. Lange erinnerte hier indes nichts an die Zeit des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg, bis die ehemalige SPD-Ratsfrau Lisel Hofer über die ›Ellerbeker Runde‹ und den Pastor der Bugenhagen-Gemeinde, Volker König, einen Zusatzstein ins Rollen brachten. So sorgte die Stadt Kiel 1983 für eine bescheidene Erweiterung der Anlage. Eine rötliche Granitplatte von 70 Zentimetern Breite wurde vor den wuchtigen Findling in den Boden gesetzt. Darauf ist in erhabenen Buchstaben eine knappe Inschrift geschlagen: ›Den Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung‹.«

Zitiert aus Jens Rönnau, Open-Air-Galerie Kiel: Kunst und Denkmäler, Wachholtz Verlag 2011, S. 68

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1983 wurde eine rechteckige Steinplatte vor das Kriegerdenkmal gelegt. Sie trägt die Inschrift:

Den Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung

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Am Volkstrauertag 2014

SH Kiel Ostfriedhof Siegbert Brey Wikimedia Commons 1914 18 Kiel

Foto: Siegbert Brey / Wikimedia Commons

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Kiel

Auf dem Nordfriedhof zwischen den Feldern III und IV

Auf einer großzügigen Fläche zwischen dem alten Teil des Friedhofs und der Anlage mit den Kriegsgräbern des 2. Weltkriegs befindet sich auf einem dreistufigen Podest das Denkmal für die getöteten Soldaten der kaiserlichen Marine im 1. Weltkrieg. Auf dem altarähnlichen Stein liegt ein Anker mit Kette, der vom kurz vorher untergegangenen Segelschulschiff Niobe (s. unten) stammen soll.

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Die Frontseite des Steinblocks trägt, unter einem Eisernen Kreuz und den Jahreszahlen 1914 und 1918, die Aufschrift:
Wir Toten fordern als unser Recht
die alte Treue vom neuen Geschlecht

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Auf der anderen Seite steht:
Im Weltkriege starben den Heldentod 1569 Offiziere und Beamte 718 Deckoffiziere 7349 Unteroffiziere 25197 Mannschaften der Kaiserlichen Marine

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Das von Marinebaurat Kelm und Oberintendanturrat Burmeister entworfene Denkmal wurde am 31. Mai 1933 – dem 17. Jahrestag der »Skagerrak-Schlacht« – eingeweiht. Diese Schlacht gilt als die größte Seeschlacht der Geschichte, an der 112 deutsche und 150 britische Schiffe beteiligt waren. Trotz der Übermacht der »Home Fleet« waren die Verluste auf britischer Seite erheblich größer als auf deutscher.

Die Deutschen feierten den Ausgang der Schlacht als taktischen Sieg und 2.551 ertrunkene deutsche Seemänner als »Helden«. Für die Reichsmarine war es »der größte Ruhmestag ihrer Geschichte«, der fortan alljährlich gefeiert wurde. Dieser »Ruhmestag« änderte natürlich nichts an der Übermacht der britischen Flotte und dem Kriegsverlauf.

Für die damalige Zeit bezeichnend wurde die Gedenkkultur für propagandistische Zwecke instrumentalisiert. Mit dem Sinnspruch des Denkmals wurde dem »neuen Geschlecht«, nämlich den Menschen im nationalsozialistischen Deutschland, bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem »Vaterland« abverlangt.

So stellte Marinepfarrer Sontag in seiner Weiherede fest: „Opfersinn und Pflichttreue und eine hingebende Vaterlandsliebe sind im neuen Deutschland in einem besonders starken Maße wieder erwacht.« Mit solchen Formulierungen sollte der Soldatentod als heldenhafte Aufopferung erscheinen und der wahre Grund für das tausendfache Sterben verschleiert werden.

Wir danken herzlich Waldemar Kruzel für die Recherche, für das Foto mit den Kränzen und seinen Text, den wir weitgehend übernommen haben. Vielen Dank auch Friedhofsmeister Frank Wunder, dass wir die gute Website vom Nordfriedhof »ausbeuten« durften.

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Nordfriedhof – Marine- und Kriegsgedenkstätten

Seit Kiel 1865 Marinestandort wurde, haben die Seestreitkräfte viele Spuren in der Stadt hinterlassen. Die mit 16 Hektar größte Kriegsgräberstätte Kiels ist der Nordfriedhof. Auf dem Gebiet der ehemaligen Schießstände im heutigen Stadtteil Kiel-Ravensberg wurde 1878 ein Garnisonsfriedhof – der heutige Nordfriedhof – eröffnet.

SH Kiel Marinegedenkstatten web

 

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Seit 1878 sind hier mehrere Tausend Seeleute, Zwangsarbeiter, Opfer standrechtlicher Erschießungen und Bombenopfer begraben worden. Neben deutschen Militärangehörigen und Zivilisten fanden auch Soldaten, Kriegsgefangene und Internierte aus dem British Commonwealth und der Sowjetunion auf dem Nordfriedhof ihre letzte Ruhestätte.

Etwa 3000 Soldatengräber befinden sich auf dem Friedhof. Sie zeugen von der Entwicklung Kiels als Marinestützpunkt und ehemaligem Kriegshafen. 1992 wurde der Friedhof zum letzten Mal vergrößert.

Hier können Sie mehr über die Geschichte von insgesamt 39 Einzel- und Gemeinschaftsgräbern erfahren.

www.kiel.de/leben/friedhoefe/historische_graeber/marine

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Alte Postkarte

SH Kiel Marine Postkarte

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1933: »Weihe des Gedenksteins für die Gefallenen der Marine«

Auf dem Kieler Garnisonfriedhof fand am heutigen Mittwochvormittag um 10 Uhr im Rahmen der Skagerrag-Gedenkfeiern die feierliche Enthüllung des Gedenksteins für die Gefallenen des Weltkrieges statt. An der Stelle, wo bis vor kurzem noch ein einfaches Kreuz als Erinnerung an die Opfer der Marine im großen Völkerringen stand, ist nach den Entwürfen des Marinebaurates Kelm und des Oberintendanturrates Burmeister dieser

neue Denkstein

entstanden. Auf einem mächtigen Granitsockel ruht ein Anker, das Symbol des Seemannes. Als Inschrift trägt der Stein nur den einfachen, aber doch eindringlich mahnenden Satz:

»Wir Toten fordern als unser Recht,
die alte Treue vom neuen Geschlecht!«

Auf der einen Seite des Gedenksteins haben der Marinesturm, SA., Polizei, Stahlhelm, ...., vaterländische Verbände, Kriegsvereine und auf der anderen das Musikkorps der 1. Marine-Artillerie-Abteilung sowie Abordnungen der Sperr-Abteilung der Schiffs-Artillerieschule und der Marineschule Kiel Wik Aufstellung genommen. Unter den Ehrengästen bemerkt man u. a. den früheren Stationschef Gottfried Hansen, ferner den früheren Stadtkommandanten von Klei, Konteradmiral Schumacher. Punkt 11 Uhr betritt der Stationschef Vizeadmiral Albrecht den Ehrenhain, gefolgt von den Konteradmiralen Schulze und Zander.

Sodann beginnt der feierliche Weiheakt mit dem dritten Vers des Niederländischen Dankgebets »Wir loben dich oben du Lenker der Schlachten«. Kaum sind die letzten Akkorde des Chorals verklungen, als

Marinepfarrer Sontag

den Gedenkstein betritt und in seiner Ansprache u. a. folgendes ausführt: Alljährlich feiert die Reichsmarine den 31. Mai als den größten Ruhmestag ihrer Geschichte. Skagerrak ist zu einem Gebot geworden. In seinem herben Klang vereinigt sich für uns all das, was an seinem Tage in hartem Männerkampf Großes und Tapferes geleistet wurde. Wenn wir heute feiern, so stehen wir in Ehrfurcht vor den Gefallenen dieser großen Nordseeschlacht, und das Wort Skagerrag ist zu einem mahnenden Begriff geworden, zu einem Begriff für all das, was in den harten, ernsten Zeiten des Krieges auf See an Bord deutscher Kriegsschiffe und an Land von deutschen Seemännern Großes und Tapferes geleistet wurde, zu einem Begriff für die Seegeltung des deutschen Volkes.

Darum ist auch das Ehrenmal, das heute in feierlichem Gottesdienst eingeweiht werden soll, nicht nur ein Ehrenmal für die gefallenen Kameraden der Skagerrakschlacht, sondern für alle jene, die auf See und an Land als deutsche Seeleute ihr Leben für das Vaterland dahingegeben haben.

In diesem Jahre können wir diesen Tag mit besonderem Dank und mit besonderem Stolz begehen, wenn die großen und herrlichen Eigenschaften, die den Sieg von Skagerrag ermöglichten, Opfersinn und Pflichttreue und eine hingebende Vaterlandsliebe uns im neuen Deutschland in einem besonders starken Maße wieder erwacht. Das Wort, das in den schweren Nachkriegsjahren uns die Gefallenen mahnend zuriefen: »Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht!« ist zu einem großen Teil Wirklichkeit geworden bei allen denen, in denen die Liebe zu Volk und Vaterland nicht vergessen ist, in denen, die sich in ernster und zäher Arbeit für die Freiheit und Erneuerung unseres Volkes eingesetzt haben. Heute wollen wir in Dankbarkeit aller derer gedenken, die in treuer Pflichterfüllung in der Nachkriegszeit für unser deutsches Volk eingetreten sind und ihr Leben hingaben für ihr Volk und Vaterland. Wir wollen aber auch eins nicht vergessen, unseren Herrgott, der uns diese großen Zeiten nur erleben ließ, weil seine Augen im deutschen Volke wieder treue Menschen gefunden hatten.

So wollen wir denn von dieser Skagerrakfeier hinausgehen an die Arbeit des Alltags mit dem letzten Einsatz unseres Wesens, unseres Könnens und unseres Herzens, in Treue zu Volk und Vaterland.

Nach dem Gebet weihte dann der Marinepfarrer Sontag den Gedenkstein mit folgendem Spruch ein:

»Das Ehrenmal aber sei ein Ehrenmal unerschütterlicher Dankbarkeit für unsere gefallenen Kameraden, als Gedächtnis für Deutschlands schwere aber große Zeit, als eine Mahnung deutscher Treue für nachfolgende Geschlechter!«

• Artikel in den »Kieler Neueste Nachrichten« vom 31. Mai 1933

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SH Kiel Marine Artikel web

• »Kieler Neueste Nachrichten« vom 1. Juni 1933

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SH Kiel Marine Anker web

Das Segelschulschiff Niobe

Der Anker auf dem Podest des Kriegerdenkmals für die kaiserliche Marine soll vom kurz zuvor gesunkenen Segelschulschiff Niobe stammen. Die Grab- und Gedenkstätte für die 
Besatzungsmitglieder der Niobe befindet sich inmitten von Kriegsgräbern des 1. Weltkriegs.

»Nicht klagen – Wieder wagen«
wird auf der Vorderseite gemahnt. Für die Marine, die Bevölkerung und natürlich die Angehörigen war der Untergang ein harter Schicksalsschlag. Trotz wirtschaftlich schwieriger Lage sammelte die deutsche Bevölkerung für die »Volksspende Niobe« rund eine Million Reichsmark.

Auf der Rückseite befindet sich eine in Stein eingefasst liegende Metalltafel mit den Namen und Geburtstagen der in die Heimat Überführten und in der See Gebliebenen.

Die Niobe wurde 1913 gebaut und fuhr zunächst als »Morten Jensen« unter dänischer, später als »Tyholm« unter norwegischer Flagge. Im ersten Weltkrieg wurde sie von einem deutschen U-Boot aufgebracht und fuhr daraufhin unter verschiedenen Namen. 1922 kaufte die Reichsmarine das Schiff und baute es zum Segelschulschiff um.

Am 26. Juli 1932 sank die Niobe infolge einer plötzlich aufkommenden Bö vor der Küste Fehmarns. Innerhalb weniger Minuten wurde sie auf die Seite gelegt und unter Wasser gedrückt. 69 der 109 Männer ertranken. Die anderen konnten durch die herbeieilenden Rettungsboote des Feuerschiffs und des Holzdampfers »Theresia L.M. Russ« gerettet werden.

Am 23. August 1932 fand auf dem Nordfriedhof die feierliche Beisetzung von 33 Besatzungsmitgliedern statt. Die Bevölkerung nahm großen Anteil an der Tragödie und verfolgte die Trauerfeier an den Radios.

Heute noch findet jedes Jahr eine feierliche Kranzniederlegung an der Gedenkstätte statt.

                    SH Kiel Nordfriedhof Niobe web

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Kükels, Kreis Segeberg

Der Adler wacht

Ein Obelisk auf einem treppenförmig gemauerten Sockel aus rötlichen Natursteinen, oben ein steinerner Adler auf einer Kugel. Errichtet wurde es im Jahr 1921.

SH Kuekels gesamt


Inschriften
Auf der oberen grauen Granitplatte:
(Eisernes Kreuz) Unseren Helden 1914-1918
darunter ein eingravierter Helm im Halbrelief

Auf der unteren Tafel steht nach den Namen:
Treu und tapfer bis in den Tod
Hinter den Namen der Soldaten steht ein O. (Osten) oder ein W. (Westen) für das Kriegsgebiet, in dem sie getötet wurden.

SH Kuekels Tafel

 

Nachträgliche Ergänzung aus dem Jahr 1958 an beiden Seiten mit den Namen der 32 getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs mit der Inschrift:
1939 Den Toten zum Gedenken / den Lebenden zur Mahnung 1945

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Ladelund, Kreis Nordfriesland

Große Anlage an der Dorfstraße

Durch ein breites Tor, verziert mit einem großen Eisernen Kreuz betritt man die gepflegte Denkmalsanlage. In der Mitte erhebt sich auf einer Rasenfläche ein Blumenbeet in Weißrot. Ein mit Klinkersteinen im Eingangsbereich und mit rötlichen Natursteinfliesen im Rund gepflasterter Weg führt drumherum. Am äußeren Rand liegen in einem Kiesbett zwischen Zierbüschen kleine Findlingssteine mit den Namen der toten Soldaten aus dem 2. Weltkrieg. Im hinteren Bereich steht eine halbrunde Mauer aus bunten behauenen Feldsteinen.

SH Ladelund gesamt web


Im erhöhten Mittelteil befindet sich die größte Tafel mit der Widmung. Auf hellgrauem Grund sind im goldähnlichen Farbton Eisernes Kreuz und Eichenlaub im Relief herausgearbeitet. In einer Querspange darunter steht die Inschrift:

Zum Gedenken unserer Gefallenen
1914-1918 + 1939-1945
Boverstedt Ladelund Bramstedt

SH Ladelund Denkmal web


In die seitlichen Mauerteile sind je drei gleiche Namenstafeln eingelassen. Jeweils unter einem Eisernen Kreuz in Kontur stehen dort die Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs und ihr Sterbetag in schwarzer Schrift.

             SH Ladelund Detail web

Die kleinen Findlinge für die getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs im Kiesbett am Rand: Je nach Größe sind die Namen, wo vorhanden der Sterbetag, der Sterbeort und die Todesumstände (vermißt, in Kriegsgefangenschaft ...) für einen oder zwei Soldaten in die Steine graviert. Es wird ein Unterschied gemacht zwischen gef. (gefallen) und gest. (gestorben). Es ist zu vermuten, dass »gef.« der ehrenvollere Zusatz war.

SH Ladelund Steine web

 

SH Ladelund mitte web

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs stand ursprünglich auf dem Kirchhof von St. Petri in Ladelund, siehe Bild unten. Wahrscheinlich ist es nach dem 2. Weltkrieg abgetragen worden und die Namenstafeln sind in die neue Denkmalsanlage an der Dorfstraße für beide Weltkriege integriert worden.

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Die Denkmalsgeschichte

1919 Amtsbezirk Ladelund
Der Kriegerverein Ladelund und Umgebung hat beschlossen, die Errichtung eines Denkmals für unsere gefallenen Helden in die Wege zu leiten. Geplant ist ein Denkmal mit einer Gedenktafel mit den Namen sämtlicher Gefallener des Amtsbezirks Ladelund. Ein solches Denkmal erfordert, wenn etwas wirklich Hübsches geschaffen werden soll, bei den heutigen Preisen natürlich erhebliche Kosten. Aber sind wir unseren Tapferen, die für uns ihr Bestes, ihr Leben, dahingaben, nicht zu größtem Dank verpflichtet? Ist nicht das größte Opfer, das wir ihnen bringen, ein nichts gegen das, was sie gaben?

Darum: Ihr alle, die Ihr zu Hause gewesen seid, euern Geschäften nachgehen konntet, nichts von den Schrecken des Krieges merktet, und Ihr, die Ihr Eure lieben Angehörigen wieder gesund bei Euch habt, und Ihr, liebe Kameraden, die Ihr in den Gefallenen einen treuen Freund verloren, mit dem Ihr Mühen und Strapazen des Weltzuges geteilt habt, aber selbst gesund in die Heimat zurückgekehrt seid, Ihr alle, denkt an die lieben Gefallenen, tragt einen Teil Eurer ungeheuren Schuld dadurch ab, daß Ihr reichlich gebt bei der stattfindenden Sammlung für ihren Gedenkstein! Ehrt das Andenken dieser Helden dadurch, daß Ihr helft, ihnen ein würdiges Wahrzeichen zu errichten! Keiner stehe zurück!
Der Vorstand. Kriegerverein Ladelund und Umgegend


Ladelund. den 22. Januar 1920
Ein Architekt aus Flensburg war hier anwesend, um einen geeigneten Platz für den Gedenkstein für die Gefallenen des Kirchspiels auszusuchen. Es wurde hierfür der Platz vor dem Eingang zum Kirchhof vorgeschlagen. Falls der Gedenkstein dort zu stehen kommt, [soll] ein treppenförmiger Aufbau zu beiden Seiten des Kirchhofs geschaffen werden.


Kirchspiel Ladelund 1920
Da das Denkmal für unsere Gefallenen in Auftrag gegeben ist, bitte ich sämtliche Gemeindemitglieder des Kirchspiels Ladelund, – mit Ausnahme von Westre – die Angehörige im Kriege verloren haben, deren genauen Namen und Todestag mir mündlich oder schriftlich bis zum 10. Februar d. Js. mitzuteilen, da sie sonst nicht berücksichtigt werden können.
Lehrer Nissen, Ladelund


»Lecker Anzeiger«, den 1. März 1920
Der Entwurf für das Denkmal für die Gefallenen der Gemeinde Ladelund wurde den Ausschußmitgliedern von Architekt Andresen=Flensburg [vgl. Hattstedt] vorgelegt und fand allgemeine Zustimmung. Mit den Vertretern der Kirchengemeinde einigte man sich auf ein großes Steindenkmal, das auf sechs Tafeln die Namen der Gefallenen aufweist, vor dem Eingang zum Kirchhof. Dieses geplante Denkmal wird nicht nur eine würdige Ehrung der fürs Vaterland gefallenen, teuren Toten, sondern auch eine dauernde Zierde des Dorfes, sowie eine erhebliche Verbesserung und Verschönerung des Aufgangs zur Kirche sein. Allerdings werden, entsprechend der heutigen teuren Zeit, die Kosten recht erheblich sein, so daß an den Herstellungskosten noch ungefähr 5 – 6.000 M fehlen werden, für jetzige Verhältnisse ja eine verhältnismäßig geringe Summe. So hofft man denn bestimmt, daß die alte Opferfreudigkeit der Gemeinde Ladelund sich auch bei dieser guten Sache wieder beweist, und durch eine 2. Sammlung die fehlenden Mittel leicht aufgebracht werden. Mit den Vorarbeiten wird bereits in den nächsten Tagen begonnen.


30. April 1920
Zu Ehren der 1914 – 18 fürs Vaterland gefallenen und vermißten Söhne der Gemeinde Ladelund und des Gutsbezirks Boverstedt wird man am Eingang zum Kirchhof ein hübsches Denkmal errichten. Der Sockel von Feldsteinen ist fertig gestellt und die Steinplatte mit den 30 Namen der Gefallenen und Vermißten, den Gebr. Kirchhof in Flensburg in Auftrag gegeben, sind auch in etwa 14 Tagen fertig, sodaß hoffentlich die Einweihung des Denkmals um die Pfingstzeit erfolgen kann.


»Lecker Anzeiger«, den 20. Mai 1920
Die Einweihungsfeier des Denkmals für die Gefallenen wird hier in einfacher, sinniger Weise am 6. Juni begangen. Der frühere Abgeordnete Dr. Schifferer wird die Weiherede halten. Der Feier am Denkmalsplatz geht ein Kirchgang voran und folgt eine gemeinsame Kaffeetafel. Die benachbarten Kriegervereine werden gebeten, Fahnendeputationen zu entsenden. Das Denkmal wird aus einer großen Widmungstafel und fünf kleineren Tafeln bestehen. Auf der letzteren stehen 30 Namen verzeichnet, 27 sind gefallen, einer ist später an den Wunden gestorben und zwei werden vermißt.

SH Ladelund alt web


»Lecker Anzeiger«, den 13. Juni 1920
In der vollbesetzten Kirche hielt Herr Pastor Matthiesen heute nachmittag eine Predigt zu Ehren der im Kriege gefallenen Gemeindeangehörigen. Daran schloß sich die eigentliche Denkmalsweihe, die mit dem Liede »Harre meine Seele« begann. Auf Wunsch der Gemeinde hatte Dr. Schifferer, der frühere Landtagsabgeordnete des Kreises Tondern, die Weiherede übernommen. In zu Herzen gehender Weise erinnerte der Redner noch einmal an die Zeit, wo die deutschen Brüder in der Siegesgewißheit hinauszogen, um für das Vaterland zu kämpfen, an die Sieges- und die Trauerbotschaften für die Angehörigen der vielen Gefallenen und stellte sich die Frage, ob wohl alles umsonst gewesen. Er erinnerte daran, daß unsere Kämpfer die Schrecken und Verwüstungen des Krieges aus dem Lande fernhielten, daß durch den gemeinschaftlichen Kampf der deutschen Stämme die Einheit des Reiches gerettet und die Grundlage für die Wiedergeburt und die Wiederaufrichtung gegeben wurde, daß ferner die Taten der Gefallenen und das Andenken an die toten Helden den Männern und Frauen voranleuchten.


Eilt sehr  –  Bekanntmachung  –  Von Haus zu Haus
An alle Einwohner der Gemeinde Ladelund
Betrifft: Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen und Vermißten des letzten Weltkrieges.
Am Donnerstag, dem 31. Juli 1952 um 19,00 Uhr findet in der Gastwirtschaft von Carl Nissen, Ladelund eine Ortsversammlung statt, zu der alle Einwohner der Gemeinde Ladelund und Beverstedt hiermit eingeladen werden.
In dieser Versammlung soll für jeden Einwohner die Gelegenheit gegeben werden, sich zu der obigen Angelegenheit frei zu äußern, um zunächst feststellen zu können ob ein allgemeines Interesse für die Errichtung eines Ehrenmals besteht.
Ferner soll die Lage und auch die Finanzierung desselben eingehend besprochen werden.
Wegen der Aufstellung einer Liste von allen Gefallenen und Vermißten beider Weltkriege, werden die Angehörigen gleichzeitig gebeten, die noch vorhandenen Unterlagen zu der Versammlung mitzubringen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.
Die Gemeindeverwaltung, gez. Johannsen


Eilt sehr  –  Bekanntmachung  –  Von Haus zu Haus
An alle Einwohner der Gemeinde Ladelund
Betrifft: Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen.
Um den Plan zur Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen in der Gemeinde Ladelund verwirklichen zu können, tritt die Gemeindeverwaltung mit der Bitte an alle Einwohner heran, sich so viel wie möglich durch freiwillige Mitarbeit, zunächst an der Planierung und Herrichtung des vorgesehenen Platzes, zu beteiligen um dadurch die Kosten des Gesamtplanes wesentlich herabzusetzen.
Es kommen für diese Arbeiten hauptsächlich junge und kräftige Personen in Frage. Wir bitten alle Arbeitgeber ihre angestellten Arbeitskräfte einschl. der erwachsenen Söhne für einige Stunden freizugeben.
Anmeldungen zwecks Eintragung in die Liste mit Angabe der Zeit ihres Erscheinens nimmt die Gemeindeverwaltung Ladelund entgegen.
Ladelund, den 12. 11. 52         
Gemeindeverwaltung Ladelund, gez. Johannsen

 

All diese Nachrichten stammen aus dem Dorfmuseum Ladelund. Die verstorbene Frau Vollertsen hat sie gesammelt und Frau Friedrichsen hat sie für uns herausgesucht. Herzlichen Dank!

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Alte Postkarte

SH Ladelund Karte web

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Hundert Meter entfernt ...

... liegt ein anderer Gedenkort Ladelunds, die älteste KZ-Gedenkstätte Schleswig-Holsteins am authentischen Ort und eine der ältesten in Deutschland. Sie ist seit ihren Anfängen eine Einrichtung in der der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Petri
 Ladelund, fest verankert in der regionalen Bevölkerung und im örtlichen Gemeindeleben. Seit 1950 leistet KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund einen wichtigen Beitrag für das historische und politisch-gesellschaftliche Bewusstsein im Lande Schleswig-Holstein. Seit 1995 wird ihre Arbeit vom Kirchenkreis Nordfriesland und
 der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland mitgetragen und begleitet.

Bereits im August 1946 fand an den Gräbern der Ladelunder KZ-Opfer die erste öffentliche Gedenkfeier statt, an der auch ehemalige Häftlinge beteiligt waren. Es war die Entscheidung der Angehörigen der Opfer, die Toten auf dem Ladelunder Friedhof zu belassen. Die Gräber wurden der Ausgangs- und Mittelpunkt einer langjährigen Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit, die von einigen Überlebenden sowie vielen Angehörigen und Nachkommen der Opfer, Einheimischen und einem engagierten Freundeskreis bis heute mitgetragen wird.

SH Ladelund KZgedenk1950 web

• 1950: Gedenken an den KZ-Gräbern mit 130 Angehörigen aus den Niederlanden. Bis heute finden diese jährlichen Begegnungen statt.

Das Lager Ladelund war eines von 87 Aussenlagern des Konzentrationslagers Hamburg-Neuengamme. Es existierte vom 1. November bis zum 16. Dezember 1944. In Ladelund wurden die Baracken des 1938 errichteten Reichsarbeitsdienstlagers verwendet. Wo der Platz in den Baracken für 200 bis 250 junge Männer im Reichsarbeitsdienst ausgelegt war, wurde nun die zehnfache Menge Menschen eingepfercht. Über 2000 Männer wurden als KZ-Häftlinge aus Neuengamme und Husum-Schwesing nach Ladelund geschafft, um Panzergräben in Zwangsarbeit und mit einfachsten Mitteln auszuheben. Die Lebensbedingungen der Häftlinge waren verheerend. Bis zur Auflösung des Lagers am 16.12.1944 starben über 300 Häftlinge an Unterernährung, Kälte, Erschöpfung, Krankheiten, Misshandlungen …

Seit 1990 erinnert eine wissenschaftliche Dauerausstellung an das Schicksal der Häftlinge und zeigt, wie es nach 1945 zu einer Annäherung zwischen Ladelundern und den Angehörigen der Opfer gekommen ist.

www.kz-gedenkstaette-ladelund.de

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Langstedt, Kreis Schleswig-Flensburg

In der Dorfmitte zwischen Ulmenallee und An de Brüng

Die parkähnliche Anlage ist sehr gepflegt, große Rasenflächen wechseln sich ab mit Buchenhecken, Rosenbeeten, Sandwegen, mit Granit- und Katzenkopfsteinen gepflasterten Wegen. Im zentralen Rund sind Sitzbänke aufgestellt.

SH Langstedt gesamt web


Das Rund am Ende der Anlage ist den Denkmalsteinen der getöteten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs aus Langstedt vorbehalten. Auf dem runden Rosenbeet in der Mitte steht eine hohe Säuleneiche.

SH Langstedt Denkmal web

 
Das Hauptdenkmal in der Mitte steht auf einem Sockel aus zwei Reihen gemauerter Natursteinen. Der Widmungsstein hat einen Fuß und ein geformtes Dach mit einem Stahlhelm im Relief. Das Denkmal wurde nach dem 1. Weltkrieg von der Dorfschaft Langstedt gestiftet. Die Inschrift in schwarz lautet:

Unseren tapferen Söhnen
in Ehrfurcht und Dankbarkeit

Sie stritten und litten
für deutsche Ehr

Zwischen den Jahreszahlen der beiden Weltkriege ein Eisernes Kreuz. In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Das Denkmal ehrt die getöteten deutschen Soldaten als tapfere Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: »für deutsche Ehr«. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

     SH Langstedt links web

An den Schmalseiten sind jeweils neun Namen mit Todesdatum und Sterbeort angegeben.

     SH Langstedt rechts web

Auch aus der Dorfchronik erfahren wir, dass von den 84 Soldaten, die in den 1. Weltkrieg gezogen sind, 18 getötet wurden.

 

SH Langstedt linke Seite web

 

SH Langstedt rechte Reihe web

Links und rechts vom Hauptstein wurden im Halbbogen verschieden große Findlinge gesetzt, in die die Namen der 35 im 2. Weltkrieg getöteten Soldaten aus Langstedt graviert sind.

     SH Langstedt Stein 2WK web

Angegeben sind Geburts- und Sterbedatum, der Sterbeort bzw. die Kriegsfront und gef. für gefallen, ein Kreuz für gestorben, verm. für vermisst. Auf den größeren Steinen scheinen Familienangehörige zusammengefasst worden zu sein.

 

SH Langstedt Blick vom Denkmal web

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Denkmal für die Kriegsgefangenen

Der Weg vom Denkmal führt über das Buchenheckenrund bis zu einer Stele aus Metall am anderen Ende der Anlage.

SH Langstedt Saeule web

An den Seiten und oben ist sie leicht gebogen, sie hat einen grün lackierten Fuß.

     SH Langstedt Saeule Text web

Im Text wird ein Wunsch formuliert. In großen, expressiven Lettern rechtsbündig gesetzt, lautet er:

Das Leid der Gefangenen
sei ein Baustein für die Zukunft

Welches Haus mit dem Baustein errichtet werden soll, wird nicht gesagt, erschließt sich aber zum Teil aus den Intentionen des Verbandes der Heimkehrer.

SH Langstedt Heimkehrer Sign web

Errichtet vom Verband der Heimkehrer
im Juni 1959

Lesen Sie weiter unten mehr über diesen Verband und hier noch einen von vielen, im Wesentlichen gleichlautenden, Beiträgen aus dem Jahrbuch des VdH von 1952 »Wir mahnen die Welt«:

Jahrbuch 1952

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Zwischen ...

... Kriegerdenkmal und Kriegsgefangenenstele noch ein Parforceritt durch die deutsche Geschichte:

SH Langstedt 1848 web

Zur Erinnerung a. d. Erhebung
Schleswig=Holstein 1848

SH Langstedt 1990 web

... und mit schwarz-rot-goldenem Fähnchen:

3. Oktober 1990

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Die erste Fassung

 

SH Langstedt Chronik web

In der Chronik von Langstedt im Eggebeker Heimatbuch von Wilhelm Clausen findet man dieses Bild: hier sind die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs noch recht und links vom Stahlhelm graviert und die Widmung heißt:

Die Gemeinde Langstedt
ihren tapferen Söhnen

Die kleine Unterzeile ist nicht lesbar.

Zum Vergleich noch einmal die Widmung aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg:

Unseren tapferen Söhnen
in Ehrfurcht und Dankbarkeit

Sie stritten und litten
für deutsche Ehr

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Historische Postkarten

SH Langstedt Karte1920 web

• aus dem Jahr 1920: hinter dem einzeln stehenden Denkmal scheint damals noch ein Wald zu sein.

SH Langstedt Karte3 web

 

SH Langstedt Karte1972 web

Aus dem Jahr 1972: die kleinen Findlinge sind dazu gekommen, die Eiche ist gepflanzt.

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Der Verband der Heimkehrer, ...

... Kriegsgefangenen und Vermißtenangehörigen Deutschlands e. V. (VDH) besteht seit 1950. Über die auch revanchistischen Intentionen dieses Verbandes erfahren Sie mehr in einer Rezension von Elke Kimmel für den Deutschlandfunk. Birgit Schwelling: Heimkehr – Erinnerung – Integration. Der Verband der Heimkehrer, die ehemaligen Kriegsgefangenen und die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft, erschienen im Ferdinand Schöningh Verlag.

Zitat: »Dem VdH indes ging es stets um mehr als einen herzlichen Empfang für die Heimkehrer. Besonders in den ersten Jahren seines Bestehens setzte er sich massiv für die finanzielle Entschädigung der Veteranen ein. Dabei nutzte er nicht nur die emotionale Anteilnahme, die die Bevölkerung den Heimkehrern entgegen brachte, sondern er drohte auch implizit damit, dass im Falle einer ausbleibenden Wiedergutmachung eine dauerhafte Entfremdung der Kriegsgefangenen von der Gesellschaft eintreten könne, mit ähnlichen Folgen wie in der Weimarer Republik. Schwelling charakterisiert diese Mitglieder:

›Es waren ehemalige Soldaten der Wehrmacht – also einer Armee, die an einem verbrecherischen Krieg beteiligt waren – und es waren ehemalige Kriegsgefangene. Das heißt, der Krieg hat sich für diesen Personenkreis zum Teil noch bis in die Jahre 1955/56 hingezogen. Jemand, der 1940 zur Wehrmacht einzog und 1955 aus einem sowjetischen Lager zurückkehrte, hatte 15 Jahre in diesem Ausnahmezustand verbracht.‹

Die Verbandsführung wurde nie müde zu betonen, dass sie die angeblich staatsgefährdenden Veteranen im demokratischen Sinne bändige. Ein Erfolg der VdH-Politik war, dass am 30. Januar 1954 ein Entschädigungsgesetz für Kriegsgefangene in Kraft trat.«

> Dlf: VdH (Rezension)

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Lensahn

Neben der Kirche St. Katharinen

Neben dem Haupteingang steht die zweistufige Pyramide – das Kriegerdenkmal der Dörfer für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs – kunstvoll aus bunten Feldsteinen gemauert. Auch der Vorplatz ist mit Feldsteinen gepflastert. Im Zentrum ist die siebeneckige Widmungstafel aus Granit eingelassen. Das Denkmal ist 1923 eingeweiht worden. Davor liegt eine Gedenkplatte für die Toten des 2. Weltkriegs.


SH Lensahn ganz web


Oben das Halbrelief eines Stahlhelms auf zwei gekreuzten Dolchen, darunter die Inschriften:

1914–18.
Unseren gefallenen Helden
In Dankbarkeit das Kirchspiel Lensahn

SH Lensahn Tafel web


An den Seiten sind jeweils drei große Findlinge aufgestellt. Die Inschriften und Namen sind nur noch schwer zu lesen, nur ein Eisernes Kreuz ist oben auf allen Steinen zu erkennen.

SH Lensahn links web


Einige Findlinge sind von hinten mit kleineren Steinen abgestützt. Im Hintergrund sieht man die Reste des alten Friedhofs.

SH Lensahn rechts web


Der breite Weg zum Haupteingang von St. Katharinen führt am der Denkmalsanlage vorbei. Über drei Stufen erreicht man die Pyramide.


SH Lensahn Anlage web

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Historische Fotos

SH Lensahn alt web

 

SH Lehnsan alt2 web


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Die Findlinge

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SH Lensahn Stein5 web


SH Lensahn Stein6 web


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Die Kirche St. Katharinen

Der Baubeginn als Gründung der Schauenburger Landesherren war um das Jahr 1245. Der frühgotische Backsteinbau war ursprünglich eine flach gedeckte Kastensaalkirche, ohne Strebepfeiler und Gewölbe, ohne Chor und Turm. Der alte Eingang mit den noch erhaltenen grün-glasierten Steinen befindet sich an der Südseite.

Um 1300 erhält die Kirche ein Gewölbe, erst 1464 wird der 23 Meter hohe Turm, mit seinen massiven Mauern wirkt neben dem 36 Meter langen Kirchenschiff recht gedrungen.

1933/34 wird die Kirche umfassend saniert. Unter anderem gestaltet die Flensburger Künstlerin lna Hoßfeld die fünf Glasfenster für den Altarraum und die beiden kleinen Sakristeifenster. Dem Wunsch des damaligen Kirchenvorstandes, die Konterfeis von Adolf Hitler und Paul von Hindenburg in den Fenstern abzubilden, wurde – Gott sei Dank – nicht stattgegeben.

Quelle: www.kirche-lensahn.de

 

SH Lensahn Kirche Gurkentee Wikimedia Commons web
Foto: Gurkentee / Wikimedia Commons


Der Blick aus der Tür fällt auf das Kriegerdenkmal.

             SH Lensahn Blick aus der Kirchentuer web


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Lensahn

Lensahn war bis an die Schwelle dieses Jahrhunderts landwirtschaftlich geprägt, seit 1650 gehörte es mit dem jetzigen Gut Lensahner Hof zum Privatbesitz des Adelshauses Holstein-Gottorf, dem späteren großherzoglichen Haus Oldenburg. Weitere Güter, aus denen sich die heutigen amtsangehörigen Gemeinden des Amtes Lensahn entwickelten, kamen zum Familienbesitz hinzu. Die Hoheitsgewalt übte der Grundherr noch bis in dieses Jahrhundert hinein aus. Erst im Jahre 1928 wurden Lensahn und gleichzeitig alle anderen amtsangehörigen Gemeinden freie Gemeinden mit dem Recht auf Selbstverwaltung.

Quelle: www.lensahn.de

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