TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes zu finden oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Die hier dokumentierten Denkmäler wurden mit freundlicher Unterstützung lokaler Institutionen weitgehend selbst recherchiert. Die Fotos sind, wenn nicht anders angegeben, von Klaus Wegner.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

Lübeck

»Ehrenfriedhof« beim Burgtor

Auf dem »Ehrenfriedhof« werden als einzigem der fünf städtischen Friedhöfe keine Bestattungen mehr vorgenommen. Er dient als reine Gedenkstätte und Mahnmal an die Opfer beider Weltkriege aus Lübeck und Hamburg und ist komplett mit Soldatengräbern, zivilen Kriegsopfern und Kriegerdenkmälern belegt. Da es sich bei diesen Gräbern ausschließlich um Kriegsgräber im Sinne des Gräbergesetzes handelt, laufen die Nutzungsrechte nie ab, und die Gräber werden unbegrenzt vom Bereich Stadtgrün und Verkehr der Hansestadt Lübeck gepflegt.

Der »Ehrenfriedhof« ist etwa fünf Hektar (50.000 m2) groß, umfasst 1882 Grabstätten und ca. 500 Gedenksteine. Er liegt an der Travemünder Allee der in Höhe der Kreuzung Sandberg/Heiliger-Geist-Kamp und gegenüber dem Burgtorfriedhof.

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»Helm ab zum Gebet«

Das Denkmal liegt im Zentrum einer halbkreisförmigen Anlage in der Hauptachse des Ehrenfriedhofs.

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1924 entwarf der Bildhauer Richard Kuöhl im Auftrag des Städtischen Friedhofamtes Lübeck die vier Meter hohe Statue »Helm ab zum Gebet« aus Muschelkalk. Sie ist dem 3. Hanseatischen Infanterie-Regiment »Lübeck« gewidmet. Die vier Meter hohe Statue steht im Vorhof des Ehrenfriedhofs – eingefasst von einem Halbkreis, an dessen Mauern für jedes Kriegsjahr eine Tafel eingelassen ist. Sie dokumentieren die Namen der getöteten Soldaten und ihre Einsatzorte. Die Statue steht auf einem runden Sockel und soll einen an den Gräbern von getöteteten Kriegern betenden Soldaten darstellen. Er hält seinen Helm vor der Brust, steht breitbeinig da, in Uniformmantel mit Patronengürtel und Stiefeln, sein kantiges Gesicht ist leicht gesenkt. An der Seite trägt er ein Langmesser und eine Feldflasche. Eine Tafel zwischen seinen Füßen zeigt das Wappen des Regiments, den Lübecker Doppeladler.

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Auf dem Sockel befindet sich die Inschrift:
1914 - 1918 den gefallenen Helden des Inf. Regts. Lübeck
3. Hanseatisches Nr. 162
85 Offiziere 1755 Unteroffiziere und Mannschaften

Eingerahmt wird die Inschrift von einer Zeile aus Ludwig Uhlands Gedicht »Der Gute Kamerad«:
Ich hatt’ einen Kameraden, einen bessren findst Du nicht


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Volkstrauertag

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Foto: Andreas Braeger

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Foto: 1970gemini@GermanWikipedia

Alljährlich am Volkstrauertag gedenken am Kriegerdenkmal »Helm ab zum Gebet« Vertreter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge sowie Abgesandte der Hansestadt Lübeck und der politischen Parteien der getöteten Soldaten. In der Mitte des Bildes liegt der Kranz des Bundesministers der Verteidigung. Das Foto ist 2009 aufgenommen worden.

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Aber auch die NPD und andere Neonazis fühlen sich aufgerufen, der »Helden« zu gedenken.

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Die EntstehungsGeschichte

Am 29. Juli 1919 genehmigte der Senat der Freien und Hansestadt Lübeck der Abwicklungsstelle des Infanterie-Regiments Lübeck unter Verwendung der Mittel aus der regimentseigenen Loigny-Stiftung die Errichtung des sich danach zur zentralen Gedenkstätte des Friedhofs entwickelnden Kriegerdenkmals.

In der Jahresversammlung des Offiziervereins 162 des Jahres 1921 wurde die Errichtung eines »dem Platze würdigen Ehrenmals« beschlossen. Der Lübecker Architekt von Ladiges hatte diesem Projekt seit dem Frühjahr 1922 beratend zur Seite gestanden.

Es wurde ein Denkmals-Ausschuss unter dem Vorsitz von General von Heynitz und den Ehrenvorsitzenden Bürgermeister Neumann und General der Infanterie von Morgen gebildet.

Der Ausschuss stand mehrmals vor der Frage, angesichts der zerrinnenden Geldmittel, den Plan der Errichtung vorläufig aufzugeben.

Die Architekten Lübecks erboten sich dann aber auf Anregung von v. Ladiges einen Wettbewerb durchzuführen, der für den Ausschuss kostenlos sein sollte. Von Ladiges nahm daran allerdings nicht teil. Die Entscheidung fiel dann auf den Entwurf »Morituri« von Oberbaurat Virck, Architekt Meyer und dem Hamburger Bildhauer Kuöhl mit der Maßgabe, dass die kniende Figur des am Grabe seiner Kameraden betenden Kriegers in eine aufrechte, nicht allein Trauer, sondern auch Kraft, Trotz und Vertrauen in die Zukunft dokumentierende Kriegergestalt umzuwandeln sei. Dies entspräche dem Geist ihrer 162er.

Von der Realisierung dieser Aufgabe überzeugten sich die Ausschussmitglieder in den verschiedenen Stadien der Entwicklung durch persönliche Besichtigung in der Werkstatt des Bildhauers.

Der Ausschuss erwog das Für und Wider der geplanten Aufstellungsorte des Ehrenmals. Sie wurden besichtigt und die Eindrücke wurden auch unter Aufstellung von Stangengerüsten gesammelt. Das Regimentsdenkmal steht nun nicht irgendwo auf dem Ehrenfriedhof, sondern bildet als integrierender Teil des Ehrenfriedhofs dessen Krönung. Diese Stellung behielt das Ehrenmal auch nach der Erweiterung des Ehrenfriedhofs durch die Opfer des 2. Weltkriegs.

Die für den 27. Juli 1924 festgesetzte feierliche Enthüllung des Denkmals musste in aller Stille erfolgen. Am 2. Regimentstag der 162er, dem 10. Mai 1925, wurde dann aber die Einweihung im festlichen Rahmen nachgeholt. Der Weihegottesdienst wurde in der überfüllten Marienkirche abgehalten, danach zog man zum Ehrenfriedhof, wo die Weihe von Pastor Balcke durchgeführt wurde.

Nach Wikipedia

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Der Bildhauer Richard Kuöhl

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Seine handwerkliche Ausbildung als Kunsttöpfer erhielt er in einer der Modellfabriken dieses Zentrums keramischer Kunst. Nach dreijährigem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wurde er als leitender Modelleur einer bauchemischen Versuchsanstalt mit den modernsten Techniken der Tonbearbeitung vertraut. 1912 folgte er seinem Dresdener Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Dort arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren mit fast industriellem Ausstoß. Es entstanden Skulpturen in Stein, Keramik und Reliefs in Terrakotta. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

Kriegerdenkmäler gehörten während der Weimarer Republik zu den häufigsten und begehrtesten Auftragswerken deutscher Bildhauer. Auch Kuöhl hatte bereits zahlreiche Kriegerdenkmäler ausgeführt, dabei war es ihm stets gelungen, die von nationalistisch und militärisch gesinnten Kreisen mit einem »Ehrenmal« beabsichtigte politische Aussage künstlerisch zu formulieren. »Nicht Jammer und Not, sondern Mannestat und Einsatzbereitschaft, das Heldische, Kraftvolle, das ein Mahnmal verkörpern muß, zeigen die »Ehrenmäler«, die er geschaffen hat ... immer wieder spricht ein trotziges ›Dennoch!‹ aus diesen Denkmälern.

»Neben idealisierten nackten Kriegern ... hatte er in kontinuierlicher Folge eine Darstellungsform des grobschlächtigen uniformierten deutschen Soldaten entwickelt, die den Vorstellungen der neuen Auftraggeber offenbar besonders entsprach: Im Mittelpunkt des Lübecker Ehrenfriedhofs, 1924, steht breitbeinig ein Infanterist, der den Helm zum Gebet abgenommen hat. Auf dem Klinkersockel des Regimentsdenkmals in Rendsburg, 1927, lagert ein sterbender Soldat, dem der Helm herabgesunken ist. Auf dem Klinkersockel des Kriegerdenkmals in Langenhorn, 1930, beugt ein Soldat mit abgenommenem Helm das Knie vor dem toten Kameraden.

Kuöhl war mit seiner Praxis als Bauplastiker und Mitarbeiter von Architekten, mit seiner praktischen Erfahrung als einsatzbereiter Gestalter von Soldatengrabmälern und Ehrenfriedhöfen an der Front, vor allen Dingen aber mit dieser Reihe von Soldatendarstellungen, die instinktsicher das trafen, was Kriegervereine und Rechtsparteien sich unter neuer deutscher Plastik vorstellen mochten, prädestiniert für weitere und größere Aufgaben dieser Art.«

Zitat aus Volker Plagemanns Buch »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986

Eine Autorengruppe um Roland Jäger veröffentlichte 1979 ein Buch über den »Kriegsklotz« hinterm Dammtorbahnhof in Hamburg (siehe auch > Kriegerdenkmäler Hamburg > Dammtor), das wohl umstrittenste Denkmal Kuöhls. Hier können Sie zwei Seiten daraus lesen:

 

Kuöhl

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Der Bildhauer Fritz Behn

Die aus ursprünglich weißem Muschelkalk gefertigte Skulptur von Fritz Behn steht auf einer halbrunden Rasenfläche des Lübecker Ehrenfriedhofs. Behn widmete die Plastik »Der sterbende Krieger« seinem Schwager, dem Hauptmann und Rechtsanwalt Dr. Küstermann. Er hatte den Krieger schon 1916, während des Krieges, fertiggestellt, siehe Postkarte weiter unten. Die Ergänzungen, Sockel und Inschriften, zum Kriegerdenkmal waren dann eine Stiftung der Witwe.

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Einem antiken griechischen Helden nachempfunden ist der Akt eines muskulösen sterbenden Kriegers, der in unnatürlicher Haltung auf dem Boden sitzt. Den Kopf mit Stahlhelm gesenkt, fasst er sich mit der linken Hand an die Brust und hält mit dem ausgestreckten rechten Arm die Reste seines zerbrochenen Schwerts.

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Die Inschriften auf dem Sockel des sterbenden Kriegers lauten vorne (nach einem Vers des Lübecker Schriftstellers Otto Anthes) bzw. hinten:

Der mir der Liebste war, ihm sei es ein Grüßen der Liebe
Allen, die fielen wie er, schmerzlichen Dankes ein Mal

Dem Gedenken Dr. jur. Hans Hermann Küstermann
Gefallen im Priesterwald 1915

Die Buchstaben »Gedenk« sind zerstört worden.

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Die einzelnen Felder bzw. Plätze des Ehrenfriedhofs liegen wegen des Gefälles der Sandbergkoppel auf unterschiedlichem Niveau. Dadurch entsteht eine natürliche Abtreppung, mit dem sterbenden Krieger im Vordergrund und der Treppe zum zentralen, ovalen Feld im Hintergrund.

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Der Münchner Bildhauer Fritz Behn (1878 – 1970) ist ein Enkel des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Theodor Behn. Schon früh erringt er Berühmtheit mit seinen Tierplastiken, die nach seinen Reisen durch die Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (heute Tansania, Ruanda und Burundi) entstehen. Er ist ein entschiedener Befürworter der deutschen Kolonialherrschaft und Vertreter eines rigiden Herrenstandpunktes gegenüber den Kolonialvölkern. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet Behn sich als Freiwilliger und kommt an der Westfront und im Ägäischen Meer zum Einsatz.

Nach dem Krieg bewegt er sich sowohl in konservativen wie in rechtsradikalen Kreisen und vertritt nationalistische und antidemokratische Positionen. Eine Zeit lang ist er Präsident des 1920 von ihm mitbegründeten Bayerischen Ordnungsblockes, eines Verbandes völkisch-nationalistischer Organisationen. Auch in seinen zahlreichen Zeitschriftenartikeln positioniert er sich auf Seiten der extremen Rechten. Um 1920 engagiert sich Behn im Umkreis der Nationalsozialisten und soll 1923 auch der SA beigetreten sein. Bis in die 1930er Jahre hinein tritt er als Schöpfer zahlreiche Kriegerdenkmäler in Erscheinung. Außerdem ist er ein gefragter Porträtist. Im Verlauf seines Lebens entstehen über 100 Büsten, u.a. von Bach, Beethoven, Bismarck, Mussolini, Hitler, Hindenburg, Furtwängler, Schweitzer, Callas und Adenauer.

Im Jahr 1927 bekleidet er für kurze Zeit das Amt des Präsidenten der Münchner Künstlergenossenschaft. Im Mai 1928 ist Behn Mitunterzeichner des von dem NS-Chefideologen Alfred Rosenberg erlassenen Aufrufs zur Gründung des »Kampfbundes für deutsche Kultur«. Er ist »Gelegenheitsberichterstatter« im Feuilleton des NS-Kampfblattes ›Völkischer Beobachter‹. Als erklärter Gegner avantgardistischer Kunst polemisiert er gegen den »Kunstbolschewismus« und das »Chaos der Kulturzersetzung«.

Noch im Monat von Hitlers Machtübernahme votiert Behn für die Wiedereinsetzung der bayerischen Monarchie. In der Folgezeit lässt er eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem NS-Regime erkennen, wohl auch deshalb, da er keine großen Staatsaufträge erhält. Es entstehen weitere – von privaten Auftraggebern aus der Industrie finanzierte – Kriegerdenkmäler, so in Oberhausen, Hannover, Nürnberg und Osnabrück. Für die Wehrmacht entwirft er Hoheitszeichen in den Kasernenanlagen. Außerdem erhält er den Auftrag für ein Martin-Luther-Denkmal in Lübeck und das Heinrich-von-Buz-Denkmal in Augsburg.

Text: Joachim Zeller

• Lesen Sie mehr in der Dokumentation des »Trauernder Landsturmmann« in der Lübecker Kirche St. Jakobi auf dieser Website

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Weitere Gedenksteine auf dem Ehrenfriedhof

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                    Alle vier Fotos: Concord / Wikimedia Commons

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Die Idee des Ehrenfriedhofs

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Foto: Peter Oldekop/Wikimedia Commons

Die Grundidee des städtischen Ehrenfriedhofs am Sandberg stammt von Harry Maasz. Er war von 1912-22 Leiter des Lübecker Gartenbauamts und bezeichnete sich selbst gerne als Gartenbaukünstler. An der Anlage des Ehrenfriedhofs lässt sich erkennen, wie Harry Maasz die Topografie der Landschaft in seine Gestaltungen einbezog. Eingebettet in das Gefälle des Sandbergs verteilen sich 1.884 Gräber, davon 1.817 Kriegsgräber, sowie mehrere Skulpturen auf einzelne Felder und Plätze. Es sind mal ovale, mal runde Waldlichtungen, die verschiedenen Opfergruppen gewidmet sind. Zentrum und Ursprung der fünf Hektar großen Anlage ist seit 1915 das »ovale Feld« – ein weites Rasenfeld mit Gedenktafeln. Der Ehrenfriedhof ist die größte öffentliche Anlage, die Harry Maasz in Lübeck erschaffen hat. Er ist auch einer der Wenigen, der dort ein Nichtkriegsgrab erhalten hat.

Nach einem Text der Stadtentwicklungsbehörde Lübeck

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• Der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz (1880 - 1946)

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Historische Fotos

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• Pfingsten 1916: Gedächtnisfeier für die auf dem »Ehrenfriedhof ruhenden Helden« am 4. Juni. Pastor Ziesenitz hält die Rede.

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SH Lubeck Postkarte1 web


SH Luebeck Alte KarteBehn web

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Lübeck

Auf dem Marienkirchhof

Seit 1929 steht das Denkmal dicht an der Mauer der Kirche St. Marien auf einem dreistufigen Podest. Der Bildhauer Hermann Joachim Pagels aus Berlin hat es für die Kirchengemeinde aus schwedischem Granit geschaffen. Am Totensonntag 1929 wurde das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten der Gemeinde eingeweiht.

SH Luebeck St Marien web

 

Auf der Vorderseite des Hauptblocks steht die Widmung:
Die sanct Marien-Gemeinde ihren Toten
1914   1918

Später hinzugefügt wurde:

und 1939    1945

Oben läuft ein Schriftband mit dem Bibelspruch (1 Kor 13,13):
Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe

Auf der Rückseite erscheint das Werkzeichen der Marienkirche.

Auf dem Granitblock sitzt eine dornenkranzumzogene Weltkugel, die für die Trauer der ganzen Welt stehen soll. Darüber ein Kreuz aus Bronze

Der Hauptblock des Denkmals aus Granit wiegt 23 000 Kilo, er wurde mit einem Schiff aus Schweden in den Lübecker Hafen gebracht.


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Auf der Ostseite steht im Schriftband die Zeile aus einem Altniederländischen Dankgebet:

Herr mach uns frei

Darunter das Relief des Drachentöters St. Michael (siehe dazu auch die Dokumentation des Kriegerdenkmals in Heiligenhafen)

 

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Auf der Westseite steht im Schriftband der Titel einer Kantate von Johann Sebastian Bach (BMV 197):

Gott ist unsere Zuversicht

Darunter das Relief des Drachentöters St. Jürgen.

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Die VorGeschichte

Der Plan für ein Kriegerdenkmal in St. Marien wurde schon in den Kriegsjahren gefasst. Man dachte an den Ausbau einer der größeren Seitenkapellen zu einer Ehrenhalle. Auch andere Vorschläge, die mit dem Ehrenfriedhof (siehe Lübeck > Ehrenfriedhof) in Verbindung standen, wurden gemacht. Die anderen Hauptkirchen Lübecks stellten im Laufe der Jahre Gedenktafeln auf oder errichteten Kapellen für die im 1.Weltkrieg getöteten Soldaten ihrer Gemeinde.

Im Jahre 1920 begann auch die Marien-Gemeinde mit der Vorbereitung eines Denkmals. Auf die öffentliche Ausschreibung unter den in Lübeck geborenen oder hier wirkenden Künstlern und Kunstgewerblern wurden 48 Entwürfe von 38 Bewerbern eingereicht, die in der Bürgermeisterkapelle der Kirche öffentlich ausgestellt wurden.

Von der aus Mitgliedern des Kirchenvorstandes und Kunstsachverständigen gebildeten Jury wurden drei Entwürfe zur Ausführung vorgeschlagen: von Regierungsbaumeister a. D. Blohm und Bildhauer Oskar Ulmer (1888–1963) aus Hamburg; von den Architekten Runge & Lenschow aus Lübeck und vom Architekten Meyer ebenfalls aus Lübeck. Von den Entwürfen kam jedoch keiner zur Ausführung, alle Verhandlungen zerschlugen sich.

Nach einer langen Unterbrechung wurde 1927 die Frage durch eine Projektierung des Bildhauers Kuöhl (siehe Hamburg > Dammtor) wieder aufgenommen. In einem beschränkten Wettbewerb entschied sich der Kirchenvorstand dann für ein vor der Kirche aufzustellendes Denkmal nach dem Entwurf des aus Lübeck stammenden Bildhauers Hermann Joachim Pagels aus Berlin und im Innern der Kirche für eine Tafel mit den Namen der toten Soldaten, für die der ebenfalls aus Lübeck stammende Bildhauer Hans Schwegerle aus München einen Entwurf in Form eines Kreuzes geliefert hatte.

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Nachdem alle deutschen Steinbrüche wegen der Transportschwierigkeiten auf dem Landwege abgesagt hatten, erhielten die schwedischen Karlshällawerke den Auftrag.

Der Hauptblock des Denkmals vor der Mauer von St. Marien erreichte am 25. Juni nach dreitägiger Fahrt auf dem Schiff den Lübecker Hafen. Dort wurde er von der Steinhauerfirma Ludwig Bruhn bearbeitet. Das Gestein entspricht etwa dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Grundstein der Kirche selbst. Am Sonnabend, dem 5. Oktober 1929, legte der Kirchenvorstand von St. Marien die Urkunde, in der die Vorgeschichte des Ehrenmals für die 318 Kriegsopfer der St. Mariengemeinde zu Lübeck erzählt wird, in den Grundstein des Denkmals und am Dienstag, den 8. Oktober, erfolgte der Transport des Hauptblocks vom Hafen zu St. Marien. Der Granitstein, der 23.000 kg wiegt und mit den Seitenlängen von 1,80 m x 2,70 m x 1,57 m ein Volumen von ca. 7,6 Kubikmetern hat. Der Wagen der Firma Joachim Parbs wurde von 16 starken Pferden gezogen.

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In den folgenden Wochen wurden die Reliefs durch den Berliner Bildhauer Moserker auf beiden Seiten eingehauen und die Schrift durch die Steinmetze der Firma Bruhn fertiggestellt. Auf der Rückseite erscheint jetzt das Werkzeichen der Marienkirche.

Hier können Sie sich den vollständigen Artikel über die Errichtung des Kriegerdenkmals in den »Vaterstädtischen Blättern« 1929, Nr.1 ansehen

 

Errichtung 1929

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Die Einweihung

Die Einweihung des Kriegerdenkmals und der Namenstafel im Innern der Marienkirche erfolgte in einem Trauergottesdienst am Totensonntag, den 24. November 1929.

Die Gemeinde stimmte folgendes Lied an: »Ruhm und Preis sei euch gesungen, die ihr mit aller Welt gerungen und Helden bliebt im harten Streit. Eure Leiber, euer Leben habt ihr als Schutzwall hergegeben für deutscher Heimat Sicherheit. Der Freiheit golden Licht schien euch ins Angesicht noch im Sterben. Die Freiheit brach in bitt’rer Schmach! Doch eure Saat reift neuem Tag!«

Die Predigt, in der unter anderem die Namen der 318 toten Soldaten der Gemeinde verlesen wurden, hielt Hauptpastor Denker. Nach Beendigung des Gottesdienstes folgte die Gemeinde dem Kirchenvorstand, den zahlreiche Abordnungen und Fahnenträgern auf den Kirchplatz. Unter Glockengeläut und dem von der Regimentskapelle gespielten Lied »Ich hab mich ergeben« wurde der Zug am Denkmal empfangen. Nach einer stillen Andacht enthüllte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Herr Dahms, das Denkmal mit den Worten: Möge es für alle Zeit Zeugnis darüber ablegen, dass unser Geschlecht der teuren Toten unauslöschlich gedenkt.

Den Kranzniederlegungen folgte die Weiherede von Pastor Pautke. Mit dem Lied »Ich hatt’ einen Kameraden« schloss die Feier.

Während der in Lübeck geborene Schwegerle der Veranstaltung beiwohnte, war Pagels durch eine Verpflichtung in der Villa Hügel in Essen verhindert.

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Hier können Sie sich den vollständigen Artikel über die Einweihung des Kriegerdenkmals in den »Vaterstädtischen Blättern« 1929, Nr.5 ansehen

 

Einweihung

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Der Bildhauer Pagels

Pagels war ein Sohn von Heinrich Pagels, dem Seniorchef der seinerzeit deutschlandweit bedeutenden Firma Heinr. Pagels in der Breiten Straße zu Lübeck, einem Porzellan- und Haushaltswarengeschäft. Er war Mitschüler von Thomas Mann auf dem Katharineum. Mit Fritz Behn (siehe Lübeck > Ehrenfriedhof) und Hans Schwegerle bildet er eine Gruppe von fast gleichaltrigen Lübeckern, die erfolgreiche Bildhauer wurden und deren Arbeiten dem Zeitgeschmack entsprachen.

Auf dem Burgtorfriedhof schuf Pagels 1921 das Mausoleum für Emil Possehl.

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde Pagels durch seine Adolf-Hitler-Büsten bekannt. Hitler erwarb von Pagels das Werk »Schwimmerin«  für 8000 Reichsmark. Pagels Werke wurden zur NS-Zeit auch 1936 auf der »Großen Münchner Kunstausstellung« gezeigt, wo er mit Marmor- und Bronzebüsten von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt und Generaloberst Walther von Brauchitsch vertreten war. Im Haus der Deutschen Kunst in München waren 1940 unter anderem seine Bronzebüsten von Rudolf Heß, Joseph Goebbels und Benito Mussolini ausgestellt.

Nach Wikipedia

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Die Possehl-Stiftung

Die Possehl-Gruppe mit der Holding L. Possehl & Co. mbh wurde am 1. Mai 1847 von Ludwig Possehl mit Sitz in Lübeck gegründet. Sie betrieb einen Handel mit Kohlen und Eisen. Das Erbe des Gründers ging von seinem Soh, Emil Possehl in eine Stiftung über. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in der Beckergrube  der Lübecker Altstadt. Heute ist die in Anteilseignerschaft der gemeinnützigen Possehl-Stiftung befindliche Possehl-Gruppe ein weltweit tätiges Unternehmen. Es werden in 62 inländischen und 97 ausländischen Unternehmen mehr als 12.000 Menschen beschäftigt. Dabei arbeiten die Unternehmen weitgehend selbstständig. Der Mischkonzern erwirtschaftete zuletzt 3,283 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Nach Wikipedia

Die Lübecker Nachrichten schrieben am 12. Juli in ihrer Onlineausgabe:

»So viele Millionen: Wie die Possehl-Stiftung zu Geld kommt»

Sie gehört zu den größten wohltätigen Einrichtungen in Lübeck. Das Geld, das die Stiftung ausgibt, verdienen aber andere. Und die machen ihren Job richtig gut.

Alle Welt blickt auf Lübeck – und aufs Hansemuseum. Zwei Tage lang tagen die sieben Außenminister der wichtigsten Industrienationen dort – sechs Wochen vor der Eröffnung. 45 Millionen Euro kostet das Hansemuseum. Die Possehl-Stiftung hat 35,6 Millionen Euro hineingesteckt, die EU 9,42 Millionen Euro, die Stadt keinen einzigen Cent.

Woher kommt das viele Geld, das die Possehl-Stiftung anscheinend mühelos in Lübeck verteilt? Nicht nur ans Hansemuseum, sondern auch die jährlichen Millionen Euro, die Kitas, Jugendprojekte, Schulen, Museen und lübsche Altstadthäuser erhalten. Diese Leichtigkeit im Umgang mit Finanzen hat nichts mit Glück zu tun, sondern mit geschicktem Management. Und das sitzt im sechsten Stock im Possehl-Haus in der Beckergrube 38-52. Dort hat der Vorstand L. Possehl & Co. mhH seine Chefetage. Vorsitzender ist Uwe Lüders. Er ist der Mann, der das Geld verdient, das die Stiftung wieder ausgibt. »Er ist mehr wert als ein Sechser im Lotto«, lobt Renate Menken, Vorsitzende der Possehl-Stiftung. Sie sitzt bezeichnenderweise noch einen Stock höher – in der siebten Etage des Hauses.

Die Stiftung ist alleinige Gesellschafterin dieses riesigen Konzerns L. Possehl. Er ist weltweit tätig, besteht mittlerweile aus 140 Gesellschaften, beschäftigt mehr als 11500 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon arbeitet in Deutschland. L. Possehl ist ein Gemischtwarenladen: Die Palette der Unternehmen reicht von Edelmetallverarbeitungs-Firmen über Hersteller von Druckmaschinen, Halbleitern und Reinigungsmaschinen. Im vergangenen Jahr hat L. Possehl einen Rekordumsatz von 3,3 Milliarden Euro gemacht. Der Gewinn vor Steuern beträgt 125 Millionen Euro. Als Lüders seinen Job 2004 anfing, lag der Umsatz bei 695 Millionen Euro – und der Gewinn vor Steuern bei 22 Millionen Euro. Lüders hat den Gewinn des Konzerns fast versechsfacht.

Die Formel für die Possehl-Stiftung als Gesellschafter ist dabei ganz einfach. Je mehr Lüders verdient, desto mehr Geld kann Menken ausgeben. Denn ein Fünftel bis ein Viertel des Gewinns fließt an die Stiftung. Der Rest der Millionen bleibt im Unternehmen – und wird dort auch gebraucht. Der Konzern wird hanseatisch, konservativ, zurückhaltend geführt – und erweitert sich dabei stetig im Stillen. Lüders hat seit 2006 immerhin 19 Firmen gekauft – die haben den Konzern in der Wirtschaftskrise 2008 so gestärkt, dass er 2009 immer noch 21 Millionen Euro Gewinn verbucht hat.

Davon profitiert die Stiftung – und somit auch Lübeck. Denn das Budget der Stiftung ist mit dem Erfolg des Konzerns gestiegen. In den 90er Jahren und um die Jahrtausendwende betrug es zwischen 3,5 und fünf Millionen Euro pro Jahr. 2012 waren es schon elf Millionen Euro — in diesem Jahr sind es satte 15 Millionen Euro. So viel wie nie. »Das Budget der Stiftung wächst jedes Jahr um eine Million Euro«, sagt Menken...«

Josephine von Zastrow

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• Schild neben dem Kriegerdenkmal an der Mauer von St. Marien

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I N H A L T
Das Denkmal
Die neue Gedenkkultur
Volkstrauertag 2017
Der Bildhauer Fritz Behn

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Lübeck

In der St. Jakobi Kirche

Das Kriegerdenkmal »Trauernder Landsturmmann«, das bis heute in der Kirche St. Jakobi in Lübeck steht, ist von Fritz Behn. Das steinerne Denkmal ist 1919 errichtet worden. Im September 2017 ist eine 8 Meter hohe Stoffbahn vor den Landsturmmann gehängt worden, siehe weiter unten.

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In die Ziegelsteine rechts und links vom Landsturmmann sind die Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs graviert. Der überlebensgroße Landsturmmann hat ein Gewehr mit Bajonett im Arm und ist mit Uniformmantel, Patronengürtel und Stiefeln bekleidet. Den Stahlhelm trägt er vor der Brust, der Kopf ist gesenkt.

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• Viele brennende Kerzen für den Landsturmmann an einem sonnigen Julitag im Jahr 2016

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Die Neue Gedenkkultur

Die Kirchengemeinde hatte die renommierte österreichische Künstlerin Maria Moser beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, der Gefallenen des Krieges als Opfer und nicht als Helden zu gedenken.

In ihrem Konzept hat Maria Moser die Skulptur von Fritz Behn durch eine 8 Meter hohe translozierende Stoffbahn in der Form eines angedeuteten Kreuzes verdecket, ohne dass diese dahinter komplett verschwindet. Die „Alte Gedenkkultur“ tritt in den Schatten des neuen Denkens. Die Farbigkeit des mit durchsichtigen Glasfarben bemalten Stoffes, orientiert sich bewusst an der Farbigkeit der Lutherrose und soll zur Diskussion anregen.
D.h. die schwarzen, roten, weißen – in Mischung von Schwarz und Weiß – auch grauen Farbtöne der Lutherrose finden sich auf der Stoffbahn wieder. Blau und Gold spiegelt sich im Wasser des quadratischen Beckens. Das Gedenken der Toten findet im Angesicht des Kreuzes statt. Der Soldat als Zeichen für die Absurdität von Krieg und Gewalt steht hinter dem lichtdurchfluteten Kreuz. Die Papierwand soll zum Beschriften von Gebeten und Wünschen einladen.

• Aus dem Informationen auf den weißen Stelen auf der rechten Seite der Installation. Den vollständigen Text und Statements der Künstlerin und des Kurators Björn Engholm können Sie hier lesen.


Text zur Gedenkkultur

Am 9. September 2017 lud die Kirchengemeinde zur Vernissage ein.

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Die Namensziegelsteine sind jetzt mit weißen Stoffbahnen verdeckt, damit die leuchtenden Farben der Stoffbahn besser zur Geltung kommen.

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• Das Wasserbecken symbolisiert die Farben Blau (Wasser) und Gold (Kerzenlicht).    

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Volkstrauertag 2017

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• Während des Gottesdienstes zum Volkstrauertag gingen die Besucher für eine Gedenkminute ins nördliche Seitenschiff und stellten Kerzen auf die Glasplatte des Wasserbeckens.

Pastor Lutz Jedeck ließ in seiner Predigt mit vielen Zitaten den Geist, der in der Entstehungszeit des Denkmals herrschte, lebendig werden.

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Der Bildhauer Fritz Behn

Der Münchner Bildhauer Fritz Behn (1878 – 1970) ist ein Enkel des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Theodor Behn. Schon früh erringt er Berühmtheit mit seinen Tierplastiken, die nach seinen Reisen durch die Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (heute Tansania, Ruanda und Burundi) entstehen. Er ist ein entschiedener Befürworter der deutschen Kolonialherrschaft und Vertreter eines rigiden Herrenstandpunktes gegenüber den Kolonialvölkern. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet Behn sich als Freiwilliger und kommt an der Westfront und im Ägäischen Meer zum Einsatz.

Nach dem Krieg bewegt er sich sowohl in konservativen wie in rechtsradikalen Kreisen und vertritt nationalistische und antidemokratische Positionen. Eine Zeit lang ist er Präsident des 1920 von ihm mitbegründeten Bayerischen Ordnungsblockes, eines Verbandes völkisch-nationalistischer Organisationen. Auch in seinen zahlreichen Zeitschriftenartikeln positioniert er sich auf Seiten der extremen Rechten. Um 1920 engagiert sich Behn im Umkreis der Nationalsozialisten und soll 1923 auch der SA beigetreten sein. Bis in die 1930er Jahre hinein tritt er als Schöpfer zahlreiche Kriegerdenkmäler in Erscheinung. Außerdem ist er ein gefragter Porträtist. Im Verlauf seines Lebens entstehen über 100 Büsten, u.a. von Bach, Beethoven, Bismarck, Mussolini, Hitler, Hindenburg, Furtwängler, Schweitzer, Callas und Adenauer.

Im Jahr 1927 bekleidet er für kurze Zeit das Amt des Präsidenten der Münchner Künstlergenossenschaft. Im Mai 1928 ist Behn Mitunterzeichner des von dem NS-Chefideologen Alfred Rosenberg erlassenen Aufrufs zur Gründung des »Kampfbundes für deutsche Kultur«. Er ist »Gelegenheitsberichterstatter« im Feuilleton des NS-Kampfblattes ›Völkischer Beobachter‹. Als erklärter Gegner avantgardistischer Kunst polemisiert er gegen den »Kunstbolschewismus« und das »Chaos der Kulturzersetzung«.

Noch im Monat von Hitlers Machtübernahme votiert Behn für die Wiedereinsetzung der bayerischen Monarchie. In der Folgezeit lässt er eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem NS-Regime erkennen, wohl auch deshalb, da er keine großen Staatsaufträge erhält. Es entstehen weitere – von privaten Auftraggebern aus der Industrie finanzierte – Kriegerdenkmäler, so in Oberhausen, Hannover, Nürnberg und Osnabrück. Für die Wehrmacht entwirft er Hoheitszeichen in den Kasernenanlagen. Außerdem erhält er den Auftrag für ein Martin-Luther-Denkmal in Lübeck und das Heinrich-von-Buz-Denkmal in Augsburg.

Von 1937 bis 1940 ist Behn auf der Großen Deutschen Kunstausstellung im Münchner Haus der Deutschen Kunst vertreten.

1939 erhält er den Ruf an die Akademie der Bildenden Künste in Wien. Behn ist bei Eintritt in die Akademie nicht Mitglied der NSDAP. Von Gauleiter und Reichstatthalter der Ostmark Baldur von Schirach erhält er Aufträge für einige Porträtbüsten. Entwürfe für größere Werke, darunter ein Orpheus-Brunnen, bleiben unausgeführt, da man ihm nach Ausbruch des Krieges die Zuteilung von Bronze verweigert. 1943 erhält er den Emanuel-Geibel-Preis der Stadt Lübeck.

Im Juni 1945 wird Behn seines Amtes an der Wiener Kunstakademie enthoben. Die Spruchkammer München stuft ihn in die Gruppe 5 der Entlasteten ein. Behn lebt mittellos in seinem Landhaus in Ehrwald/Tirol.

In Günsbach im Elsass wird im Jahr 1969 das schon einige Jahre zuvor von Behn fertiggestellte Albert-Schweitzer-Denkmal eingeweiht.

Zu seinem 90. Geburtstag wird Fritz Behn mit der Lübecker Senatsplakette ausgezeichnet.

Zwischen 1973 und 2006 gibt es in Bad Dürrheim im Schwarzwald ein privates Fritz-Behn-Museum. Der Werkbestand des aufgelösten Fritz-Behn-Museums kommt im November 2007 beim Münchner Auktionshaus Neumeister zur Versteigerung. Der allergrößte Teil der Arbeiten gelangt in die private Kunstsammlung von Karl H. Knauf nach Berlin.

Text: Joachim Zeller

In der 2016 erschienen Behn-Biographie von Joachim Zeller wird die schillernde Persönlichkeit des Künstlers folgendermaßen charakterisiert:

»(…) der politisierende Bildhauer Behn hat seine Person und Lebensleistung durch seine schon lange vor 1933 begonnene Mitarbeit auf Seiten der extremen Rechten – von seinem kolonialistischen Herrenmenschentum der frühen Jahre ganz zu schweigen – diskreditiert und sich selbst ins Abseits gestellt. Er mischte in den völkischen und nationalsozialistischen Kreisen Münchens mit und bekämpfte die Republik von Weimar. (…) Politisch ein Erzkonservativer, mehr noch ein Reaktionär, ließ er die Distanz zu den totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts vermissen und machte sich sogar, wie sein Mussolini-Buch zeigt, zu deren Propagandisten (…) Überblickt man das Œuvre von Fritz Behn, wird deutlich, dass er im Großen und Ganzen keine ›Nazi-Kunst‹ lieferte, jedenfalls keine Werke im Stile von NS-Staatskünstlern wie Arno Breker oder Josef Thorak. Nicht zu übersehen ist gleichwohl, dass mancher seiner Arbeiten der braune Hauch des Nazismus entströmt. Dieser Verrat Behns an seiner Kunst ist nicht zu leugnen. Und doch, ein Protagonist der NS-Staatskunst war Behn nicht. Er erhielt keinen einzigen großen repräsentativen Auftrag von Seiten des NS-Regimes. Die damaligen Machthaber bekundeten ein nur mäßiges Interesse an seiner Kunst, obwohl sie ihm zur Professur in Wien verhalfen. Das Hauptwerk seiner Wiener Jahre, der nicht zur Ausführung gelangte Orpheus-Brunnen, kann weder ikonographisch, noch stilistisch der NS-Kunst zugeschrieben werden. Davon abgesehen ist mit dem dichotomischen Bild der ›Nazi-Kunst‹ auf der einen und der als ›entartet‹ verfemten Avantgardekunst auf der anderen Seite der Kunst in Deutschland zwischen 1933 und 1945 nicht beizukommen. Fritz Behn ist dem breiten Mittelfeld zuzurechnen, das aus einer eher traditionell, mitunter moderat-modern arbeitenden Künstlerschaft bestand. Bei alledem kann Fritz Behn, dessen bildhauerisches Werk der Wiederentdeckung harrt, zu den wichtigen Animaliers des 20. Jahrhunderts gezählt werden. Mit seinen besten Werken ist er in eine Reihe mit Tierbildhauern vom Range eines August Gaul, Rembrandt Bugatti, François Pompon, Ewald Mataré, Gerhard Marcks, Philipp Harth oder einer Renée Sintenis zu stellen. Mit ihnen zusammen trug er dazu bei, der autonomen Tierplastik zum Durchbruch zu verhelfen.« (S. 141 f.)

Joachim Zeller: Wilde Moderne. Der Bildhauer Fritz Behn (1878-1970), Berlin 2016.

• In Lübeck sind noch mehr Werke von Fritz Behn zu sehen, z.B. auf dem »Ehrenfriedhof«: Das Grabmal »Sterbender Krieger« für seinen Schwager (siehe unter Lübeck auf dieser Website).

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschriften
Ein historisches Foto
Der Reichsarbeitsdienst

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Lütjenholm, Kreis Nordfriesland

Direkt am Dorfeingang

Die kleine gepflegte Anlage befindet sich neben dem Ortsausgangsschild, auf das die Dorfgemeinschaft freundlich »Tschüß« geschrieben hat. Sie ist den getöteten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs gewidmet. 1931 ist sie eingeweiht worden, 1953 wurde sie um die getöteten und vermißten Soldaten des 2. Weltkriegs erweitert.

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Eine bunte Feldsteinmauer schließt die Anlage zur Durchgangsstraße. Man betritt die Anlage durch eine schmiedeeiserne Pforte, die an zwei Pfosten aufgehängt ist.

 

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Der Platz ist mit Kies ausgelegt. Zwischen einer Steinkante und der Rhododendronbepflanzung rundherum, sind am Ende des Platzes im Halbrund die Gedenksteine aufgestellt.

 

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Das Hauptdenkmal ist ein vorne gerader Findlingstein auf einem bunten Feldsteinsockel mit eckigem Grundriß und wulstigen Fugen.

 

SH Luetjenholm Inschrift web

Oben ist ein Eisernes Kreuz in Kontur graviert. Kontur und Innenfläche mit ausgesparter Kaiserkrone sind schwarz ausgemalt, ebeso wie die Inschrift:

Wanderer der Du hier verweilst
falte still die Hände
denke eh du weiter gehst
einmal an dein Ende.
Suchst du irdischen Gewinn,
wirst du rastlos wandern,
diese gaben alles hin,
für das Wohl der anderen.

Darunter:

Zum Gedächtnis der im Weltkriegen
1914 - 18 u. 1939 - 45
gefallenen Söhne unseres Dorfes errichtet
1931 / 1953

 

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Davor ein dunklerer kleiner Findling auf einem Bruchsteinsockel in einem abgegrenzten Viereck mit Blumenbepflanzung.

 

SH Luetjenholm Osten web

Die Widmungsinschrift lautet:

Den ungezählten Gefallenen
und Vermißten des deutschen Ostens

 

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Rechts und links der Hauptsteine liegen kleine Findlinge mit den Namen der getöteten Soldaten mit Einsatzort und Todesjahr.

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Die Inschriften

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal. In der Inschrift des Denkmals von Lütjenholm wird das Schicksal der getöteten Soldaten sogar als das sinnvollere beschrieben, denn wir, die Lebenden, sind in Gefahr nach irdischen Gewinnen zu streben und rastlos zu wandern, während die toten Soldaten ihr Leben für das Wohl der anderen hingaben und »ehrenvoll« gestorben sind. Es steht hier nicht die Trauer im Vordergrund vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Dass Soldaten auch Täter waren, wird auf allen Kriegerdenkmälern in Deutschland ausgeblendet.

Wenn getötete Soldaten als »gefallen« bezeichnet werden, suggeriert man, dass der Soldat im Kampf stehend oder vorwärts stürmend von einer Kugel getroffen wurde und dann tot zu Boden fiel. Dass der Kriegstod tatsächlich meistens brutaler ist, wird verschleiert, über die Realität des Sterbens in den Materialschlachten wird so hinweg getäuscht.

Die häufig verwendete Bezeichnung »Söhne« stellt eine Vertrautheit her, die getöteten Soldaten werden familiär vereinnahmt, denn familiäre Bindung verpflichtet.

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Ein historisches Foto

Dieses Foto ist wohl vor dem 2. Weltkrieg aufgenommen worden: der Findling für die »Gefallenen und Vermißten des deutschen Ostens« ist noch nicht gesetzt.

       SH Luetjenholm alt web

Statt der heutigen Rhododendron-Büsche am Rand, wuchs damals Efeu am Denkmal hoch.

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Der Reichsarbeitsdienst

Wie überall in Deutschland wurden auch in Lütjenholm nach 1935 junge Menschen zum Arbeitsdienst verpflichtet.

SH Luetjenholm Arbeitsdienst web 

Die Funktion des Reichsarbeitsdienstes (RAD):

Seit 1935 war im NS-Regime der halbjährige Arbeitsdienst für männliche Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren obligatorisch, für weibliche freiwillig. Unter dem Motto »Mit Spaten und Ähre« zogen diese Arbeitskolonnen durch Deutschland, die – meist tatsächlich nur mit Spaten ausgerüstet – Moore trockenlegten, neues Ackerland kultivierten oder beim Bau der Reichsautobahnen und des Westwalls mitwirkten. [...] Wenige Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurde die Arbeitsdienstpflicht auch für weibliche Jugendliche eingeführt, die als »Arbeitsmaiden« karitative Aufgaben übernahmen, Mütter im Haushalt entlasteten oder zu Einsätzen in der Landwirtschaft herangezogen wurden. Männliche Arbeitsgruppen unterstützten im Krieg zumeist als Bau- und Instandsetzungstrupps die Wehrmacht und standen an Flugabwehrgeschützen. 1943 wurde der RAD Oberste Reichsbehörde, die Adolf Hitler direkt unterstand.

Zitiert aus: Arnulf Scriba, Deutsches Historisches Museum, Berlin, 7. August 2014

SH Luetjenholm RAD web

• Die Hausflagge des Reichsarbeitsdienstes

 

Innerhalb des nationalsozialistischen Systems erfüllte der Reichsarbeitsdienst mehrere Aufgaben. Den offiziellen Zweck nannte § 1 des Gesetzes über den Reichsarbeitsdienst:

»Der Reichsarbeitsdienst ist Ehrendienst am deutschen Volke. Alle jungen Deutschen beiderlei Geschlechts sind verpflichtet, ihrem Volke im Reichsarbeitsdienst zu dienen. Der Reichsarbeitsdienst soll die deutsche Jugend im Geiste des Nationalsozialismus zur Volksgemeinschaft und zur wahren Arbeitsauffassung, vor allem zur gebührenden Achtung der Handarbeit erziehen. Der Reichsarbeitsdienst ist zur Durchführung gemeinnütziger Arbeiten bestimmt.« Reichsarbeitsdienstgesetz vom 26. Juni 1935.

Der RAD verfolgte mehrere Ziele:

1. Ein Hauptziel war die Disziplinierung der jungen Generation, deren Angehörige während der Weltwirtschaftskrise oft jahrelang arbeitslos gewesen waren. Dem entsprach die paramilitärische Struktur des RAD. Konstantin Hierl prägte schon 1934 den sehr bezeichnenden Begriff »Soldat der Arbeit« für die Arbeitsdienstleistenden.

2. Der RAD war ein Versuch, die nationalsozialistische Ideologie der Volksgemeinschaft in die Praxis umzusetzen. Konstantin Hierl hob diesen Aspekt in seinen Reden besonders hervor: »Es gibt kein besseres Mittel, die soziale Zerklüftung, den Klassenhass und den Klassenhochmut zu überwinden, als wenn der Sohn des Fabrikdirektors und der junge Fabrikarbeiter, der junge Akademiker und der Bauernknecht im gleichen Rock, bei gleicher Kost den gleichen Dienst tun als Ehrendienst für das ihnen allen gemeinsame Volk und Vaterland.«

3. Die wirtschaftliche Bedeutung des Arbeitsdienstes war demgegenüber wegen mangelnder Arbeitsproduktivität gering.

4. Der Rad übernahm schließlich seit 1938 zunehmend Hilfsdienste für die Wehrmacht.

Danach war der RAD in seinen Anfängen ein Teil des nationalsozialistischen Erziehungssystems. Die Ableistung der Arbeitsdienstpflicht war Voraussetzung für die Zulassung zum Hochschulstudium.

Der RAD überhöhte Arbeit zum »Ehrendienst« an der »Volksgemeinschaft«. Besonders brisant und ideologisch paradox wurde dieser Anspruch dann, wenn an Projekten und Baustellen, an denen der RAD arbeitete, auch Zwangsarbeiter, Strafgefangene oder Häftlinge aus Arbeitserziehungslagern, mithin »Gemeinschaftsfremde«, eingesetzt wurden.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Nettelsee, Kreis Plön

Umfasst von Eisenketten

 

SH Nettelsee gesamt

Kriegerdenkmal aus Natursteinen. In der Mitte eine angedeutete Halle mit zwei Säulen, darüber ein Stahlhelm im Relief. Darin eine Tafel mit den 11 Namen der getöteten Soldaten im 1.Weltkrieg, darüber Eisernes Kreuz und die Inschrift: Jungs hier to Hus – Helden in der Frömm (Hochdeutsch: Jungs hier zu Hause – Helden in der Fremde).

SH Nettelsee Mitte

 

Auf jeder Seite eine Tafel zum Gedenken der Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges, ohne Namen.

Inschrift auf der linken Tafel:
1939 (Stahlhelm) 1945
Euch, die Ihr in hartem Kampf fürs Vaterland Euer Leben gabet, gilt unser Gruß und unser inniger Dank. Treue um Treue


SH Nettelsee Tafel2

 

Inschrift auf der rechten Tafel:
1939 (Stahlhelm) 1945
Auch Eurer gedenken wir, die Ihr wehrlos dem Kriege zum Opfer fielet nach Gottes unerforschlichem Ratschluß. Sein Wille geschehe


SH Nettelsee Tafel1


Die für fast alle Denkmäler typische Kriegstodverklärung findet eine Steigerung in einer spezifisch kirchlichen Deutung – von »christlich« zu sprechen verbietet der Respekt vor dem biblisch christlichen Glauben.

In Nettelsee werden die Soldaten nicht nur zu wehrlosen Opfern erklärt, es wird auch noch der von Menschen verantwortete Krieg als Gottes Wille geheiligt. Das ist Häresie.

Für die Mehrheit der Christinnen und Christen, der Gemeinden und der Kirchen kann davon ausgegangen werden, dass sie mit dieser »Verkündigung« und der Botschaft der Kriegerdenkmäler nicht einverstanden sind. Dennoch gibt es bei den allermeisten dieser Denkmäler keine Veränderung.

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Neumünster

Nahe dem Hauptbahnhof

Es ist das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs, die im zivilen Leben bei der Deutschen Reichsbahn beschäftigt waren. Errichtet wurde es 1926 vom Eisenbahnverein und dem Reichsbund Deutscher Eisenbahn-Kriegsteilnehmer nach dem Entwurf von Reichsbahnoberrat Wilhelm Eitner von der Eisenbahndirektion Altona. Die 8,5 Meter hohe, mehrstufige Säule mit quadratischem Grundriss wurde im expressionistischen Stil aus roten Klinkersteinen gemauert. Die Terrakottatafeln an allen vier Seiten sind nach Modellen von Richard Kuöhl (siehe z. B. auch Hamburg Dammtor) aus Hamburg gefertigt worden. Ursprünglich waren sie leicht vergoldet. Stufen und Tafeln haben Kupferabdeckungen. Die Pfeilerform wurde gewählt, weil sich zur Zeit der Errichtung in der unmittelbaren Nachbarschaft die Tore zum Güterbahnhof befanden.


SH Neumuenster ganz Seite web

An allen vier Seiten gibt es oben ein Eisernes Kreuz im Relief, ein hohes gemauertes Zierelement mit streng diagonal gesetzten Steinen, auf den Tafeln eine gezackte Kupferabdeckung und auf der im geometrischen Muster gemauerten Sockelstufe einen Kranzhalter.

SH Neumuenster Tafelvorne web


Auf der Seite zur Straße ist die Haupttafel aufgesetzt. Im Medaillon das Relief eines Soldatenkopfs mit Stahlhelm und einem Lorbeerkranz. Darunter die Inschrift:

Für Euch!

Alle Tafeln haben an den Seiten schmale Zierranken.


SH Neumuenster Seite3 web


Rechts und links werden die Namen von insgesamt 109 toten Soldaten aufgeführt. Über den zweispaltigen Listen ist ein Stein mit dem Halbrelief eines Flügelrads, dem Symbol der Reichsbahn, eingefügt.


SH Neumuenster Seite4 web


Auf der Rückseite befindet sich die Widmungstafel. Unter einem Lorbeerkranz mit Schleife befindet sich die Inschrift:

Unseren 1914=1918 auf dem Felde der Ehre gebliebenen Kameraden zum ehrenden Gedenken
gewidmet vom Eisenbahnverein und Reichsbund Deutscher Eisenbahnkriegsteilnehmer
Neumünster 1926

Neben der Jahreszahl noch zwei Lorbeerzweige.


SH Neumuenster 2 web

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Das Flügelrad

Das Flügelrad ist ein Symbol der Eisenbahn und des Schienenverkehrs, es ist weltweit verbreitet. Es steht für die Geschwindigkeit, die in den Anfangsjahren der Eisenbahn für die Menschen sehr – manchmal fast beängstigend – groß war. Es hat seinen Ursprung in den Darstellungen des geflügelten Götterboten Hermes.

Nahezu 150 Jahre wurde dieses Symbol von jedem Eisenbahner in unterschiedlicher Ausführung auf der Uniform, Mütze und zugehörigen Gegenständen getragen. Es war der bildliche Begriff für die Eisenbahn schlechthin, lange bevor man »Logos« kreierte.

Nach Wikipedia, 17. 11. 2016

 

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Foto: SchiDD / Wikimedia Commons


Das geflügelte Rad der Deutschen Reichsbahn: eine Skulptur am Gebäude der Deutschen Bundesbahn in Dresden, Ammonstraße 8

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»Der ideale Soldat«

1930 beschreibt der NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg im »Mythus des 20. Jahrhunderts – Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit« das typische Gesicht des idealen Soldaten so:

»In allen Städten und in allen Dörfern Deutschlands sehen wir hier bereits die Ansätze dazu. Die Gesichter, die unterm Stahlhelm auf den Kriegerdenkmälern hervorschauen, sie haben fast überall eine mystisch zu nennende Ähnlichkeit. Eine steile durchfurchte Stirn, eine starke gerade Nase mit kantigem Gerüst, ein festgeschlossener schmaler Mund mit der tiefen Spalte eines angespannten Willens. Die weitgeöffneten Augen blicken geradeaus vor sich hin. Bewußt in die Ferne, in die Ewigkeit. Diese willenhafte Männlichkeit des Frontsoldaten unterscheidet sich merklich vom Schönheitsideal früherer Zeiten: die innere Kraft ist noch deutlicher geworden als zur Zeit der Renaissance und des Barock. Diese neue Schönheit ist aber auch ein arteigenes Schönheitsbild des deutschen Arbeiters, des heutigen ringenden Deutschen schlechtweg.«

SH Uetersen Kopf web


Detail des Denkmals auf dem Friedhof von Uetersen

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Neustadt in Holstein

Am Heisterbusch gegenüber dem Marinehafen

Die großzügige Denkmalsanlage am Hang zum Hafenbecken besteht aus zwei Teilen: einem gemauerten Obelisken mit Widmung nah am Wasser und einer Mauer mit Inschrift am Rand zum Wäldchen. Der Entwurf stammt vom Kieler Architekten Hans Schnittger. Nach dreijähriger freiwilliger Arbeit von Neustädter Bürgern wurde sie 1924 eingeweiht.

SH Neustadt Hafen web


Die ganze Anlage ist einheitlich aus bunten behauenen Felssteinen gemauert. Am langen Abgang ist sie von einer Mauer begrenzt.

SH Neustadt beide web


Der Obelisk mit quadratischer Grundfläche am unteren Eingang zur Anlage wurde mit vier überkragenden Ringen versehen. 

SH Neustadt Detail web


Im untersten Abschnitt steht in schlichten Versalien die Widmung für die 162 getöteten Neustädter Soldaten des 1. Weltkriegs:

Unseren Helden

Vor den Abschnitt darüber ist eine Platte mit einem Halbrelief gesetzt:
In der Mitte ein Stahlhelm; darunter zwei gekreuzte Kurzschwerter, umwickelt mit einem Koppel; rechts und links kunstvoll geschwungene Fahnen.

 

SH Neustadt Flamme Empor web


Die Mauer trägt am oberen Rand die Inschrift:

1914 - 1918  Flamme empor  1939 - 1945

Die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs wurden 1952 hinzugefügt. Die Mauer wird rechts und links mit mächtigen Pfeilern abgeschlossen.

SH Neustadt 1870 71 web


Am oberen Rand steht noch ein kleiner schlichter Findling mit den Jahreszahlen des Deutsch-Französischen Kriegs:

1870 / 71

SH Neustadt Schiffe web


In Sichtweite die Kriegsschiffe der Deutschen Marine der Bundeswehr.

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Historische Fotos



Aus den 20er-Jahren – die komplette Denkmalsanlage steht schon da. Nur die Mauerinschrift lautet zu der Zeit noch:

1914  Flamme empor  1918


SH Neustadt 1939 web


Aus dem Jahr 1939

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Kommentierung

»Während unseres Neujahr-Urlaubs besuchten wir Neustadt in Holstein und schauten uns um, die Winterlandschaft genießend – und stießen auf diese Gedenkstätte gegenüber dem Marinehafen, nahe der Innenstadt.

Als geschichtlich Interessierter war ich sehr erschrocken; sowohl über den Zustand als auch den Inhalt.

Ungepflegt, ja sogar als Strauchschnittablage dienend ist es nicht das was man sich eigentlich unter einem Ehrenmal vorstellt.

Noch befremdlicher jedoch ist für mich der Inhalt. Gehalten im Backsteinstil der Marinesiedlungsbauten ist schon die Aufschrift »Unseren Helden« und den militärischen Insignien die Intention dieser Anlage m. E. eindeutig zu erkennen.

In der Gedenkmauer prangen nicht nur die Jahreszahlen des 1. und 2. Weltkriegs, sondern dazwischen das Motto »Flamme empor«, das mir einen Schauer über den Rücken jagt – hier ist in diesem Zusammenhang ganz sicher nicht das Studentenlied der Befreiungskriege 1814 gemeint – Alt- und Neonazis haben es für ihre Sonnenwendfeier eingenommen.

Ist dieses Ehrenmal wirklich mit unserer Kultur vereinbar?

Nur wenige hundert Meter nordöstlich Richtung Pelzerhaken fand ich dann im Ehrenfriedhof Cap Arcona die Beschreibung von Verbrechen die mit diesem »Heldentum« verbunden sind und ich frage mich – ist das vereinbar?

Nach einiger Überlegung möchte ich den Stadtverordneten in Neustadt einen Vorschlag unterbreiten:

Das bisherige Ehrenmal sollte stilistisch wie inhaltlich so umgestaltet werden, dass es den Bruch mit Nationalismus, Militarismus, Rassismus und die daraus resultierende Zeit der Gewaltherrschaft und ein klares Zeichen für die grundlegenden Werte unserer Kultur versinnbildlicht.

Als Motto schlage ich den Art 1 GG vor: »Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Aufgabe aller staatlicher Gewalt.«

»Zum Gedenken an alle Opfer von Nationalismus, Militarismus und Rassismus die zu schützen wir nicht vermochten.«

Dies schließt sowohl das Gedenken an die Opfer als auch unsere Abkehr von den Ursachen und die Verpflichtung von Staat und Gesellschaft ein einer möglichen Wiederholung schon im Ansatz aktiv entgegenzutreten.

Gerade in der heutigen Zeit finde ich es wichtig hierfür einzutreten denn um ein Zitat aufzugreifen:

»Die deutsche Republik ist nicht an zu viel Nationalsozialisten oder Kommunisten zugrunde gegangen sondern durch einen Mangel an aufrechten Demokraten.«

Ob mein Anliegen wohl Gehör finden wird?«

www.myheimat.de/neustadt-in-holstein/politik/neustaedter-denk-mal, 6.3.2011

Als die Fotos für die Dokumentation dieses Denkmals im Dezember 2016 gemacht wurden, fanden wir diese Informationstafel:

SH Neustadt Info web


SH Neustadt Text web

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Das Lied »Flamme Empor«

Den ursprünglichen Text des Liedes schrieb der evangelische Pastor Johann F. Christian Nonne. Das Lied selbst entstand im Oktober 1814 am Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig. An diesen Kämpfen hatten viele Studenten teilgenommen, die hier erstmals das Gefühl hatten, für ihre Bürgerrechte und nicht für irgendeine Fürstendynastie oder einen Teilstaat des Reiches zu kämpfen. Das Lied brachte den Drang nach Freiheit zum Ausdruck.

Seitdem existieren zahlreiche Versionen des Liedes – eine davon wurde von den Nationalsozialisten beim rituellen Entzünden der Sonnwendfeuer gesungen.

Sonnenwende Hitlerjugend Creative Commons web

Beide Fotos: Creative Commons


       Flamme empor Creative Commons web


Pfadfinder sangen das Lied ebenfalls, verbannten es aber später wegen der Nähe zum Nationalsozialismus aus ihrem Repertoire.

Die Inschrift »Flamme empor« ist heute durch die Instrumentalisierung des Liedes in der NS-Zeit belastet, es ist gut, dass die Menschen in Neustadt darüber informiert werden.

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Volkstrauertag 2014

SH Neustadt VTT 2014 web

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Cap Arcona

Die Cap Arcona war ein Luxusdampfer. Er wurde nach dem Kap Arkona auf der Insel Rügen benannt.

Ab 1940 wurde die Cap Arcona von der deutschen Kriegsmarine verwendet und verblieb in der Ostsee. Ab Ende 1944 wurde das Schiff zum Transport von Flüchtlingen aus Ostpreußen nach Westen eingesetzt, danach von der Kriegsmarine. Ab dem 14. April lag die Cap Arcona wegen des Maschinenschadens manövrierunfähig vor Neustadt. Sie wurde daher von der Kriegsmarine ausgemustert und dem Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann unterstellt, der zugleich »Reichskommissar für die Seeschiffahrt« war.

Vor den anrückenden britischen Truppen wurden die verbliebenen KZ-Häftlinge aus dem Konzentrationslager Neuengamme Ende April nach Lübeck transportiert. Mehr als 9.000 Häftlinge wurden dort auf Schiffe gebracht. Am 20. April 1945 trafen vorerst über 4.000 Gefangene aus dem KZ Neuengamme im Lübecker Industriehafen ein und wurden mit ihrer Bewachung auf drei kleinere beschädigte Schiffe gebracht. Am 26. April kamen weitere 2.500 Häftlinge aus dem KZ-Neuengamme sowie Überlebende des Todesmarsches vom KZ-Fürstengrube und anderen schlesischen Lagern an und wurden auf der Cap Arcona eingeschifft. Zeitweilig war die Cap Arcona mit 7.500 Häftlingen an Bord völlig überfüllt. Mangelhafte Ernährung und unzureichende hygienische Zustände führten zu einem Massensterben.

Anfang Mai befanden sich noch etwa 4.600 Häftlinge und 500 Seeleute, Flakmatrosen und Bewacher auf der Cap Arcona.

Am 3. Mai 1945 lag die Cap Arcona mit anderen Schiffen in der Lübecker Bucht. Da die Schiffe nicht besonders gekennzeichnet und mit Bordwaffen ausgestattet waren, wurden sie von alliierten Fliegern für Truppentransporter gehalten. Die Cap Arcona wurde von Jagdbombern der britischen Luftwaffe angegriffen und in Brand geschossen.

Rund 6.400 der etwa 7.000 KZ-Insassen auf der Cap Arcona und der Thielbek verbrannten, ertranken oder wurden erschossen. Da die Wassertemperatur an dem Tag nur 8 °C betrug, konnten die meisten Häftlinge sich nicht schwimmend ans Ufer retten.

Auf dem Ehrenfriedhof Cap Arcona in Neustadt im Kreis Ostholstein sind 621 Opfer des Untergangs der Cap Arcona und der Thielbek bestattet worden, er ist zudem die zentrale Gedenkstätte für alle Opfer.

Er liegt östlich der Innenstadt von Neustadt direkt an der Lübecker Bucht. Die nach dem Untergang der Schiffe bei Neustadt angespülten Toten wurden zunächst in Einzel- oder Massengräbern – meist in Strandnähe – bestattet. 1948 wurde der Ehrenfriedhof angelegt.

Nach Wikipedia, 20.Dezember 2016

SH Neustadt Cap Arcona Waterproof947 Wikimedia Commons

Foto: Waterproof947/Wikimedia Commons

Die zentrale Gedenkstätte für alle Opfer auf dem Ehrenfriedhof Cap Arcona in Neustadt.

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Nieblum / Föhr

Auf dem Kirchhof des »Friesendoms«

Die Kriegerdenkmalsanlage für die toten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs liegt genau zwischen der St. Johanniskirche, die »Friesendom« genannt wird und dem Pastorat. Der Obelisk mit stumpfer Spitze ist mit bunten behauenen Feldsteinen ca. 4,5 Meter hoch aufgemauert. Er steht der Anlage vor und trägt die Widmungsplatten.

SH Nieblum F Dom web

SH Nieblum DenkuDom2 web


In die Frontseite des Obelisken sind vom Boden aus drei Steinplatten übereinander eingelassen. Die oberste – unter einem Schmuckbalken mit gebogenen Enden – trägt den Bibelspruch 11,25 aus dem Johannesevangelium:

Wer an mich glaubt
der wird leben
ob er gleich stürbe

SH Nieblum Johannes 11 25 web

Darunter ein Medaillon, das einen Soldatenkopf mit Stahlhelm im Halbrelief zeigt.


SH Nieblum Soldat web


Auf der mittleren Tafel steht die Widmung:

Die dankbare St. Johannisgemeinde widmet diesen Ehrenfriedhof ihren in den Kriegen 1914 - 1918 und 1939 - 1945 gefallenen tapferen Söhnen

Da das Denkmal in den 20er-Jahren errichtet worden ist, sie historisches Foto weiter unten, muss diese mittlere Platte nach dem 2. Weltkrieg ausgetauscht worden sein.

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen. »Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat«, Clemens Tangerding im Deutschlandfunk am 18. November 2012.

       SH Nieblum Widmung web


Die unterste Tafel zitiert unter einer Reihe aus drei Kreisen wieder einen Spruch aus dem Johannesevangelium, nämlich 15,13, darunter ein Kreuz mit je einem Kreis an den Seiten:

Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässt für seine Freunde

Diese Bibelspruch ist häufig auf Kriegerdenkmälern zu lesen. Er ist ein Beispiel für eine pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods. Die für fast alle Denkmäler typische Kriegstodverklärung findet eine Steigerung in einer spezifisch kirchlichen Deutung – von »christlich« zu sprechen verbietet der Respekt vor dem biblisch christlichen Glauben.

       SH Nieblum Johannes 15 13 gr web

Die Buchstaben, die oberen drei Zeilen in Textbändern, das  Medaillon mit dem Soldatenkopf, das Kreuz und die Kreise sind erhaben aus dem Stein herausgearbeitet worden.

Vor dem Denkmal liegen in langen Reihen, angelehnt an Erdwälle die Namenstafeln der toten Soldaten. Aussen die der Soldaten des 1. Weltkriegs. Nach dem 2. Weltkrieg kamen die zwei inneren Reihen dazu.

SH Nieblum 2Reihen web


Geordnet nach Herkunftsort werden Name, Geburtsdatum, Sterbedatum und Sterbeort genannt.

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SH Nieblum gesamt web


Dem großen Obelisken gegenüber steht – von einem hohen Busch umwachsen – ein Stein mit der Aufschrift:

Zum Andenken an die durch Kriegseinwirkung verstorbenen Männer Frauen und Kinder

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Da ist der Grabstein auf der anderen Seite des Denkmals schon auffälliger.

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Von oben besehen

Der »Friesendom« mit Friedhof und der Denkmalsanlage auf der rechten Bildseite. Wir danken Christof Munzlinger, dass wir seine Fotos verwenden dürfen.

SH Foehr Nieblum Luft

 

 

Luftaufnahmen

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Eine historische Postkarte

Auf diesem Foto von 1926 lehnen die Namenssteine noch an beiden Seiten an einer Feldsteinmauer. Dazwischen eine Sandfläche mit flachen Beeten.

SH Nieblum 1926 web

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Nienborstel
Kreis Rendsburg-Eckernförde

Große Anlage an der Hauptstraße


SH Nienborstel Total

Mehrere Gedenksteine sind auf dem Platz verteilt, in der Mitte das Kriegerdenkmal mit den Namen der getöteten Soldaten aus dem 1.Weltkrieg.

               SH Nienborstel 1WK

Inschriften: Up ewig ungedeelt / 1848 / 1864 - 1866

Durch Kampf zur Einheit und / Macht zum Sieg u. Frieden /
1870 - 1871

1914 (Eisernes Kreuz) 1918 / Den Gefallenen zu Ehren!

Zum ehrenden Gedenken / an die Opfer des 2. Weltkrieges /
1939 - 1945

Mögen wir sterben unseren Erben
gilt dann die Pflicht,
es zu erhalten und zu gestalten
Deutschland stirbt nicht!

SH Nienborstel Stein

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Opfer

»Es ist nicht wahr, dass die Opfer mahnen, bezeugen, Zeugenschaft für etwas ablegen, das ist eine der furchtbarsten und gedankenlosesten, schwächsten Poetisierungen (...) Auf das Opfer darf sich keiner berufen. Es ist Missbrauch.
Kein Land und keine Gruppe, keine Idee, darf sich auf ihre Toten berufen.«

Ingeborg Bachmann: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.
Dieses Zitat steht auf einer Tafel zum Kriegerdenkmal in Neustadt in Holstein.

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I N H A L T
Die Findlinge
Der Obelisk
Die Schlacht von Oeversee
Pastor Wolfgang Grell

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Oeversee, Kreis Schleswig-Flensburg

Auf dem Friedhof der Kirche St. Georg

Die Denkmalsanlage besteht aus zwei Teilen: im hinteren Teil des Friedhofs liegen unter hochgewachsenen Lebensbäumen ein großer Findling als Widmungsstein in der Mitte und an den Seiten acht kleinere für die getöteten Soldaten beider Weltkriege der Gemeinden Barderup, Frörup, Jarplund, Juhlschau, Munkwolstrup, Oeversee und Tarp, der achte ist den getöteten Soldaten der Flüchtlingen und Heimatvertriebenen gewidmet.

Die Findlinge

SH Oeversee alle web

 

SH Oeversee Findling web

Beim Hauptfindling wurde ein Grabkreuz mit angehängtem Eichenlaubkranz, rechts und links davon die Jahresangaben zu den zwei Weltkriegen und darunter die Inschrift herausgearbeitet. Sie lautet:

Unseren Toten
zur Ehre
Kirchengemeinde
Oeversee

 

SH Oeversee Barderup web

Als Beispiele für die kleineren Gemeindefindlinge: Barderup mit Schmuckrelief Eisernes Kreuz auf Eichenlaub.

SH Oeversee Juhlschau web

Gemeinde Juhlschau mit übergroßen Eichenblättern.

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Der Obelisk

SH Oeversee mit Kirche web

Nördlich neben der Kirche, fast an der Straße, steht ein roter polierter Steinobelisk mit den Namen der 96 getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs, sortiert nach Heimatgemeinden. Angegeben sind Initial des Vornamens, Nachname und Sterbedatum.

 

     SH Oeversee Obelisk web

Der vielstufige Obelisk ist aus verschiedenen Materialien, unterschiedlich geformt, zusammengesetzt, er trägt ein klobiges dreidimensionales Eisernes Kreuz, auf dem schlanken oberen Teil ist auf der Frontseite ein Stahlhelm zart eingraviert – er ist kaum zu erkennen. Im Hintergrund kann man die oben beschriebene Findlingsgruppe zum 1. und 2. Weltkrieg sehen.

Umlaufend kann man an den vier Seiten Sprüche lesen:

 

SH Oeversee Seite vorne web


Vorne die Widmung:

Den für das deutsche Vaterland gestorbenen Söhnen
der Kirchengemeinde Oeversee
1914 – 1919 [!]

 

SH Oeversee Seite4 web

Gott sei Dank der uns den Sieg gegeben hat
durch unseren Herrn Jesum Christum.
1. Kor. 15, 57.

SH Oeversee Seite1 web


Wer den Tod im Heilgen Kampfe fand,
ruht auch in fremder Erde im Vaterland.

 

SH Oeversee Seite2 web


Niemand hat grössere Liebe denn die
dass er sein Leben lässet für seine Freunde
Joh. 15, 13.

So spricht Jesus am Ende des Johannes-Evangeliums. Es heißt natürlich nicht: »... dass er in den Krieg zieht und tötet für seine Freunde.«

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

Es steht nicht die Trauer im Vordergrund vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht.

Die für fast alle Denkmäler typische Kriegstodverklärung findet eine Steigerung in einer spezifisch kirchlichen Deutung – von »christlich« zu sprechen verbietet der Respekt vor dem biblisch christlichen Glauben.

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Die Schlacht von Oeversee

Bei Oeversee fand im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 ein großes Gefecht statt. Darum kann man auf dem Friedhof neben verschiedenen Einzelgräbern von daran beteiligten Soldaten auch einen großen grauen Obelisken, das sogenannte Belgier-Denkmal, betrachten.

Die dänische Armee hatte am Abend des 5. Februar 1864 während eines Schneesturmes mit einem Rückzug aus der Danewerk-Befestigungsanlage begonnen, was von der preußisch-österreichischen Armeeführung als Truppenbewegung wahrgenommen wurde. Am nächsten Morgen gelang den preußischen Truppen dann der Übergang über die Schlei. Der dänische Oberbefehlshaber befahl daraufhin den weiteren Rückzug, um eine Einkesselung seiner Truppen zu vermeiden.

Stunden später trafen zwischen den Dörfern Sankelmark und Oeversee die mit den Preußen verbündeten Österreicher, unter anderem das steirische Infanterie-Regiment Nr. 27 »König der Belgier«, auf die Dänen. Nach mehreren Angriffen wurden die Dänen zum Rückzug gezwungen.

Während des nur wenige Stunden dauernden Kampfes verloren die Österreicher 28 Offiziere und 403 einfache Soldaten, die Dänen, die auf der Flucht in schweres Artilleriefeuer gerieten, 18 Offiziere und 944 Soldaten. Die verwundeten Soldaten wurden im Historischen Krug in Oeversee, dem weltweit ersten Feldlazarett unter der Flagge des kurz zuvor gegründeten Roten Kreuzes, versorgt.

Weil die hauptsächlich im Gefecht beteiligten Soldaten ihre Heimatgarnison in Graz hatten, gibt es in der Stadt eine Oeverseegasse und ein in dieser Gasse befindliches Oeversee-Gymnasium. Umgekehrt gibt es in Oeversee einen Grazer Platz.

Nach Wikipedia, 20. November 2017

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Der mehrstufige Obelisk aus grauem Sandstein trägt vier schwarze Kanonenkugeln als Spitze. Am Volkstrauertag 2016 wurde dort auch ein Kranz der Republik Österreich niedergelegt.

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Pastor Wolfgang Grell

Er war von 1959 bis 1972 Pastor in Oeversee. 1966 verweigert er der Fahnendelegation eines Kriegervereins den Zutritt zur Oeverseer Kirche St. Georg. 1967 drängten dann die Pastoren von St. Marien im nahegelegenen Flensburg darauf, ein Denkmal, das die gefallenen Soldaten der Weltkriege unkritisch ehrte, zu entfernen. Das führte bundesweit zu einer scharf geführten Kontroverse um militaristische Traditionen und antidemokratisches Denken in der Bundeswehr und das Verhältnis der Kirche hierzu.

Lesen Sie hier die Erklärung von 18 Pastoren des Kirchenkreises:

Erklärung 1967

 

                           SH Oeversee grell cover web

Das Buch von Stephan Linck über das Leben von Wolfgang Grell können Sie zum Preis von 7 Euro zuzüglich Porto online bestellen.

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Osterstedt,
Kreis Rendsburg-Eckernförde

Der Bildhauer und Maler Bendix Passig ist hier geboren

SH Osterstedt total

Das Denkmal für die getöteten Soldaten beider Weltkriege in einer großzügigen und gepflegten Anlage ist ein Gesamtkunstwerk des Osterstedter Kunstmalers und Bildhauers  Bendix Passig (5. Februar 1864 - 19. Oktober 1957).

SH Osterstedt Mitte


An der Frontseite vier Reliefs mit Abschieds- und Kampfszenen. 

SH Osterstedt Relief rechts

SH Osterstedt Relief links  

An den Seiten zwei Pfeiler mit den Namen der 22 bzw. 52 Kriegstoten der Weltkriege.

Inschrift:
Zum stillen
 Gedenken 
unserer 
Gefallenen 
1914 – 1918
 (rechts)
1939 – 1945 (links)

Im Park weitere Werke des Künstlers sowie eine Stele mit den Jahreszahlen 1848, 1898 und 1870/71.

               SH Osterstedt Gruppe

               ● Eins der Werke über die man staunen kann

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Aus den Aufzeichnungen des Meieristen Julius Babbe von 1937

1870-1871
Nach dem Krieg 1870 - 1871 wurden Beratungen abgehalten, wie man am besten ein bis in die fernste Zukunft hinein erhalten bleibendes Andenken an den glücklich verlaufenden Deutsch-Französischen-Krieg schaffen könnte.
Man kam dahin überein, man wolle zur Erinnerung an die große Zeit auf dem Meenland Eichen pflanzen. Der Bauer Matthiesen lieferte die Eichen aus seinen Waldungen.
In der Mitte des abgesteckten Platzes hinein wurde eine Doppeleiche gepflanzt.
Um diese herum andere Eichen. In jedes Pflanzloch kam eine Fuhre Mergel. Daher haben sich die Bäume verhältnismäßig gut entwickelt.

1872
Im April fand die feierliche Einweihung des Platzes statt. Lehrer Reimer Sievers hielt die Weihrede. Er weihte den Ort auf den Namen »Friedenshain«. Die ganze Bevölkerung nahm Anteil an den Feierlichkeiten. Die Schulkinder mit den schulentlassenen Jugendlichen sangen unter Leitung von Lehrer Sievers Choräle und vaterländische Lieder. Die Feier nahm einen erheblichen Verlauf.

1898
Im März 1898, zur 50-jährigen Erhebung Schleswig-Holsteins wurde vor der Doppeleiche ein Gedenkstein aufgestellt und eingeweiht. Der Gedenkstein trägt die Jahreszahl 1848 - 1851, 1870 - 1871 und 1898.

1914
Im Frühjahr 1914 wurde der Friedenshain parkartig erweitert. Der Wasserturm hatte in ihm bereits einen Platz gefunden. Der Maurer Joachim Seeland baute eine doppelte Springbrunnenanlage und eine Ruhebank aus Stein.
Der Kunstmaler Bendix Passig zierte die Anlage mit allerlei Figuren. Passig baute auch den großen Adler aus Zement, der auf dem großen Findling steht. Der Gärtner Hans Vollert erschuf die gärtnerische Anlage.
Das Ehrenmal ist erbaut zur Ehre und zum Andenken derer, die im Völkerringen 1914 - 1918 auf dem Feld der Ehre geblieben sind.
Hinter dem Denkmal steht ein Eichenwald bestehend aus 22 Eichen für die 22 Gefallenen aus Osterstedt.

1919
1919 hat der Bauer Andreas Matthiesen den Grund und Boden für diese Anlage kostenlos hergegeben. Die Osterstedter haben in gemeinsamer Arbeit die Sandkuhle, ein mit Wasser gefülltes Sandloch, zu einem schönen Teich umgearbeitet. Später hat der Arbeitsdienst das Ufer befestigt und eine Feuerlöschanlage an dem Teich geschaffen.
Das Denkmal ist vom Kunstmaler Passig entworfen und künstlerisch ausgestaltet. Es versinnbildlicht Deutschlands Macht und Größe vor dem Krieg, die Kameradentreue, den Heldenmut und die Hingabe für das Vaterland in dem großen Weltkrieg. Und es zeigt uns aber auch, wie böse und schlechte Elemente im Krieg hochkommen und sich breit machen.
Es erinnert auch an das tragische Ende des Krieges. An der Rückseite ist eine bronzene Tafel angebracht, auf dieser stehen die Namen der gefallenen Helden.

1920
1920 waren die Arbeiten an der ganzen Anlage beendet. Der Ort des Friedens wurde eingeweiht. Die Weihrede hielt der Lehrer Adolf Vollstedt. er hatte seiner Rede die Bibelworte zugrunde gelegt: »Ziehe deine Schuhe aus, denn das Land darauf du stehst, ist heiliges Land«.
Vollstedts Worte waren ergreifend und erbauend. Die Weihe wurde von Pastor Clausen aus Todenbüttel vorgenommen. Die Anlage wurde auf den Namen Ehrenhain geweiht.
In späteren Jahren hat Bendix Passig ein überlebensgroßes Germanenpaar aus Stein gefertigt. Es steht auf einem Steinsockel mitten in dem Parkteich.
Bei jeder größeren Feier im Ort gedenken die Osterstedter ihrer Toten. Ein weiser Mann hat einmal gesagt: »Die Kultur eines Volkes sei zu messen an dem Grad seiner Totenehrung«.
Es mag Wahrheit in diesen Worten liegen.

(Text auf einer Informationstafel an der Straße vor dem Park)



2. Infotafel

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Postkarte

SH Osterstedt Karte

Da hat der Besiegte noch sein Gewehr vor der Brust!

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Der Maler

Im Bestand des Museums in Hohenwestedt befindet sich auch dieses Gemälde von Bendix Passig. Da wird die Gesinnung dann endgültig klar.




Ein Ausschnitt:


SH Osterstedt Bendix Passig Ausschnitt web

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Die Heimatgemeinde

Osterstedt ist stolz auf den Künstler und Menschen Bendix Passig:

»Die menschlichen Tugenden waren stark entwickelt, von einer idealistischen Haltung geprägt, aber der Wirklichkeit eng verbunden.«

www.osterstedt.de

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Pinneberg

Zwischen Christuskirche und Bahnhof

Am Rande eines kleinen Gehölzes führt eine breite, 4-stufige Treppe zu einer übergroßen, aus hellen Sandsteinen errichteten Stele mit einem nach oben gerichteten bronzenen Schwert und einem Reichsadler auf einen Ehrenkranz mit Eisernem Kreuz. Die Inschriften an der Stele sind in den Stein graviert, an der Mauer als Relief herausgearbeitet worden.

SH Pinneberg ganz

Am Fuß der Stele:
 1914-1918

Inschrift an der Seite:

In unwandelbarer / Treue zum Vaterland / in der Hoffnung / auf den Sieg liessen / =312= Helden dieser / Stadt ihr teures Leben / auf dem Felde der Ehre

SH Pinneberg Inschrift


● Links an der Mauer:

Die Heimat / ruft ihre Kriegsgefangenen / und Vermissten

SH Pinneberg Tafel


Eine kleine Signatur weist auf das Entstehungsjahr 1934 hin

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Aus dem Stadtarchiv

Ursprünglich handelt es sich hier um ein Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Mit der Errichtung hat sich der Magistrat bereits seit 1926 beschäftigt. »Der Stadt Pinneberg mangelt es noch an einer Kriegerehrung für die im Weltkriege Gefallenen.«

In dem von Bürgermeister Backhaus 1933 einberufenen Denkmalsausschuss saßen Vertreter verschiedener Nazi-Organisationen, darunter z.B. Architekt Klaus Groth. Von der Stadt (neben dem Bürgermeister) der Stadtbaumeister Hansen und als Protokollführer der spätere Bürgermeister, Verwaltungs-Oberinspektor Glissmann.
Die Kosten für die Errichtung des Ehrenmals in Höhe von RM 12.000 wurden in voller Höhe aus Spenden (von Parteiorganisationen, von Firmen sowie Kleinstbeträge von Privatpersonen) bestritten. Die Spendenlisten sind hier leider nicht vorhanden. Da aber 1000 Ehrenurkunden gedruckt wurden um den einzelnen Spendern zu danken, werden es nicht wenige gewesen sein.

Der Anordnung des Reichsinnenministeriums von 1942, die Metallteile (Adler und Schwert) des Denkmals »zur Verstärkung der Metallreserve« abzuliefern, ist die Stadt bis Kriegsende nicht nachgekommen. Es wurde Zeit geschunden mit der Begründung des Arbeitskräftemangels und mit der Schwierigkeit ein so großes Gerüst zu errichten.

Im Rahmen der Entnazifizierung wurde 1945 das Hakenkreuz unter dem Adler durch ein eisernes Kreuz ersetzt. Genehmigung der britischen Militärregierung (Major W. Brook).

Der Hauptausschuss beschließt am 03.10.1949: »Das Denkmal soll vor Verfall geschützt werden.«

1952 beschloss der Magistrat eine Gedenktafel für Kriegsgefangene anzubringen und dauerhaft mit Grün zu schmücken und zu beleuchten.

Alljährliche Kranzniederlegungen am Volkstrauertag bis heute.

Wie auch andere noch heute vorhandene und genutzte Anlagen, wie
z. B. Bahnhofsplatz, Rosengarten, Sportanlagen, und Freibad, haben die Nationalsozialisten in den 1930er Jahren auch das Kriegerehrenmal am Bahnhof im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen errichten lassen.

Die Planungen der meisten Projekte reichen jedoch zurück in die Zeit der Weimarer Republik und wurden dann von den Nazis vereinnahmt.

Wir danken Martin Ramcke vom Stadtarchiv Pinneberg für diese Zusammenfassung.

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Die Einweihung

SH Pinneberg Einweihung web

● 1934: Bürgermeister Backhaus weiht das Ehrenmal am Bahnhof ein

Das Foto und das nachfolgende PDF stammen aus dem Buch »Pinneberg zur Zeit des Nationalsozialismus« von Johannes Seifert, herausgegeben von der VHS-Geschichtswerkstatt Pinneberg. Wir danken Rudi Ahrendt für's Einscannen.

 

Buch J. Seifert

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Denkmalsgeschichte

Das Kapitel Pinneberg aus Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit (1987): »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg« können Sie hier lesen. Unser Dank gilt der Verfasserin.

 

Examensarbeit Eisert-Hilbert


Siehe auch folgende Website:
www.spurensuche-kreis-pinneberg.de


Anfang 2017 gründete sich in Pinneberg eine Initiative, die das Kriegerdenkmal in eine kritische Erinnerungsstätte umwandeln möchte. Mehr Informationen dazu auf dieser Website unter >Aktivitäten >Initiativen.

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Alte Postkarten

SH Pinneberg Karte ohne Adler web

... und da ist der Adler ab! Wird das Hakenkreuz gerade durch das Eiserne Kreuz ersetzt?

SH Pinneberg alt web

SH Pinneberg alt2 web

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Am 27. November 2017

Das Kriegerdenkmal wird neuerdings angestrahlt. Die im Dunkeln sonst unsichtbare Schrift mit der Heldenverehrung, das Schwert, der Adler sind jetzt schon von weitem sichtbar.

     SH Pinneberg 27 11 17 web


Der Stadtverwaltung ist seit einem Jahr bekannt, dass es eine Initiative gibt, die das Kriegerkultmal zum Mahnmal machen möchte. Seit Juli gibt es einen mehrheitlichen Beschluss der Ratsversammlung in diese Richtung. Und nun dies!

Eine Kampfansage?

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Preetz, Kreis Plön

Auf dem zentralen Aussichtspunkt im Bürgerpark »Wehrberg«

In der Mitte der Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs steht ein großer natürlich kantiger Stein, der an seiner abgeflachten Frontseite die Widmung trägt. Er ist in einem gemauerten Rund aufgerichtet worden, die freigebliebene Fläche darin ist mit Blumen und losen Steinen aufgefüllt worden.

SH Preetz gesamt web

Auf der Mauer sind in Sichtrichtung auf den Lanker See (siehe weiter unten) Holzplanken als Sitzmöglichkeit montiert worden. Das Rund ist ebenso wie die acht den Denkmalstein umgebenden Säulen mit bunten grob behauenen Natursteinen aufgemauert worden. Die Säulen mit quadratischer Grundfläche haben am Fuß eine überragende Steinschicht, sie tragen Holzstaketen, die ein Achteck ergeben. An den Säulen sind Rankgewächse angepflanzt worden. Das Ganze ist von rund verlegten Katzenkopfsteinen umgeben, innerer Ring ein Stein breit, äusserer Ring drei Steine breit.

 

SH Preetz Widmung web

Die Widmung ist erhaben herausgearbeitet worden, sie lautet:

1914 – 1918
Ihren gefallenen Helden
Die Stadt Preetz

 

     SH Preetz Namenstafel1918 web

In die Innenseiten der Säulen sind Namenstafeln aus grauem Stein eingelassen. Die Namen der Soldaten sind nach dem Jahr ihres Todes geordnet, nachgestellt ist je ein Soldat für die Jahre 1919 und 1920. Dann folgen noch die Namen von 15 Vermissten.

 

SH Preetz Eisernes Kreuz web


An der rechten Seite ist in einem quadratischen Feld im Relief ein Eisernes Kreuz umgeben von zwei Eichenlaubzweigen herausgearbeitet worden. Das Eiserne Kreuz mit Krone, großem »W« für Kaiser Wilhelm II und der Jahreszahl 1914. Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung.

 

SH Preetz Helm web

Auf der linken Seite ist in einem runden Feld im Relief ein Stahlhelm umgeben von zwei Eichenlaubzweigen herausgearbeitet worden.

 

SH Preetz beide web


Vom Castöhlenweg kommend sieht man vor dem Denkmal einen großen flachen Findling liegen, umgeben von beschnittenen Hecken und Blumen, teilweise im Boden versenkt. Die Hanglage wird mit Steinreihen abgefangen. Die Inschrift lautet:
Allen Opfern des Zweiten Weltkrieges

 

SH Preetz 2WK web

Auf der anderen Seite sind die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs graviert:
1939 – 1945

Die Säule rechts daneben sieht fast so aus als trüge sie eine Feuerschale. Wir hoffen, dass diese Vermutung falsch ist, zu unangenehm würden wir an die Fackelinszenierungen der Nationalsozialisten erinnert werden.

 

SH Preetz Kranzschleife web


Ein Kranz der Preetzer Schützengilde.

 

SH Preetz Ausblick web

Die schöne Aussicht vom Denkmalsplatz auf den Lanker See.

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Historische Postkarten

SH Preetz Karte web

SH Preetz Karte 1927 2 web

• Aus dem Jahr 1927

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Der Bürgerpark »Wehrberg«

1885 wurde in Preetz der »Verschönerungsverein« gegründet um »in der Stadt und Umgebung für die Verschönerung und den Schutz der öffentlichen Anlagen durch Baumpflanzungen, Verbesserung von Promenaden und Plätzen etc. Sorge zu tragen.«

Mit Hilfe des Vereins konnte ab 1885 der bis dahin landwirtschaftlich genutzte Wehrberg parkähnlich bepflanzt werden, am höchsten Punkt wurde ein achteckiger Pavillon errichtet. 1918 legte der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz (vgl. die Dokumentation des Lübecker Ehrenfriedhofs auf dieser Website) mit seinem Entwurf die Grundlage für das heutige Erscheinungsbild. Auch die Planung des Kriegerdenkmals auf dem zentralen Aussichtspunkt des Wehrbergs geht auf ihn zurück.

                     SH Preetz Maazs web

• Der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz (1880 - 1946)

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Ratekau, Kreis Ostholstein

Vor und um die Vicelinkirche herum

Rechts und links vom Zugang in den Kirchhof steht je ein vierstufiger Pfeiler aus bunten behauenen Feldsteinen. Oben aufgestellt sind steinerne dreidimensionale Eiserne Kreuze.

SH Ratekau Eingang web

 

In jedem Pfeiler wurde ein größerer Stein mit Inschrift eingefügt.

 

SH Ratekau Stein web


Inschrift auf dem linken Pfeiler:
So selig ist kein Los
So heilig kein Gebot
Als sich für vieler Leben
Zu geben in den Tod
1914 – 1918

SH Ratekau Stein2 web


Inschrift auf dem rechten Pfeiler:
Ihren gefallenen
Vätern und Söhnen
in dankbarer Treue
die Kirchengemeinde Ratekau
1922

 

SH Ratekau Kirchenseite web


Um die Vicelinkirche herum zieht sich eine halbhohe Mauer aus behauenen bunten Feldsteinen. Einzelne herausragende Steine tragen die eingravierten Namen der toten Soldaten aus dem 1. Weltkrieg.

SH Ratekau Mauer web

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Pastor Hossenfelder

Joachim Hossenfelder war von 1954 bis 1969 Pastor für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Eutin in Ratekau.

SH Ratekau Hossenfelder web

Foto: privat

Pastor Hossenfelder ist gerade, dem Brautpaar voran, durch die »Kriegerdenkmalspforte« geschritten. Im August 1958 ist dieses Foto augenommen worden. In der Wanderausstellung »Neue Anfänge nach 1945? Wie die Kirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen« wird Hossenfelders Werdegang im Kapitel 4 »Streit um Schuld und Mitverantwortung« beschrieben. Mehr Informationen auf > www.nordkirche-nach45.de.

 

                  SH Ratekau Hossenfelder 1933 web

 

Der als »vaterländisch geprägte Persönlichkeit« und »soldatische Natur« charakterisierte Wilhelm Kieckbusch amtierte von 1930 bis 1976 ohne Unterbrechung als leitender Geistlicher der Eutinischen Landeskirche. In aller Öffentlichkeit setzte er sich nach 1945 für ehemals führende Theologen der nationalsozialistischen »Deutschen Christen« ein. Anderswo galten sie als untragbar. Kieckbusch nahm unter anderem die »Deutschen Christen« Hugo Rönck und Joachim Hossenfelder als Pastoren in seine Landeskirche auf. Hossenfelders Einstellung wurde vom damaligen Ratsvorsitzenden der EKD Otto Dibelius befürwortet. Weder Rönck noch Hossenfelder ließen nach 1945 jemals Reue über ihre Rolle im Nationalsozialismus erkennen.

Hugo Rönck war einer der radikalsten Vertreter der aggressiv antijüdischen Nationalkirchlichen Thüringer »Deutschen Christen«, frühes NSDAP-Mitglied und ab 1943 Präsident beziehungsweise Landesbischof der Thüringer Evangelischen Kirche. Und als glühender Antisemit einer der Initiatoren des Eisenacher »Entjudungsinstituts«. Noch 1944 bezeichnete er in seinen Predigten Hitler als »Führer von Gottes Gnaden«. Nach dem Krieg sah Rönck keine Notwendigkeit, sich von seiner Vergangenheit zu distanzieren, auch dann nicht, als »Der Spiegel« 1963 Einzelheiten aus seiner Thüringer Zeit aufdeckte. Er schmückte sich auch weiterhin mit dem Bischofstitel, den er sich kurz vor Kriegsende selbst verliehen hatte. Der Berliner Pfarrer Hossenfelder war treibendes Gründungsmitglied und erster Reichsleiter der »Deutschen Christen«. Er bekannte sich nach 1945 ebenfalls stolz zu dem Bischofsamt, das er als »Deutscher Christ« 1933 kurzzeitig inne gehabt hatte. Ansonsten bewahrte er über seine frühere Karriere strengstes Stillschweigen.

Text und Foto aus Kapitel 4, Tafel 4


Bis heute ist die Kirchengemeinde in Ratekau verpflichtet Joachim Hossenfelders Grab zu pflegen.

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Alte Postkarte

Man kann die zwei Pfeiler mit den Eisernen Kreuzen erkennen, die Mauer mit den Namensschildern scheint später errichtet worden zu sein.

 

  SH Ratekau Kirche web

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Ratzeburg

Das Denkmal am Röpersberg

1921 wurde die Anlage von dem Architekten Wilhelm Heilig geschaffen. Die Namen von 142 im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten der Stadt Ratzeburg sind darauf festgehalten. Um einen hohen Erdhügel, dessen Plattform zehn Linden krönen, gruppieren sich fünf Steinpfeiler, die fünf Kriegsjahre andeutend.

SH Ratzeburg Ropersberg gesamt web

Die Steinpfeiler tragen Jahreszahl und Inschrift, die lauten:

1914   Unseren Tapferen, die für Deutschland fielen und von der Heimat unvergessen im fremden Lande ruhen

1915   Kindern und Enkeln künden diese Steine die Namen der Väter, die einst für uns in Kampf und Tod zogen

1916   Lebe droben im Licht, o Vaterland, und zähle nicht die Toten, dir ist Liebes nicht eines zu viel gefallen

1917   Und wer den Tod im heiligen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im Vaterland

1918   Die dankbare Vaterstadt dem Gedenken ihrer gefallenen Söhne, die fern im Kampf für sie fielen

SH Ratzeburg Ropersberg Detail web


Die Anlage wurde am 21. Juni 1921 eingeweiht. Die 1928 in zweiter Auflage erschienene Chronik der Stadt Ratzeburg stellt die germanisierenden Bezüge des Kriegerdenkmals deutlich heraus:

»Am Abend des 21. Juni 1921 fand beim flackernden Schein der Sonnenwendfeuer und im Beisein einer nach Tausenden zählenden Trauergemeinde die Einweihung des Kriegerehrenmals statt, das die Stadt Ratzeburg ihren gefallenen Söhnen errichtet hat. Draußen auf einem hochgelegenen Felde am Farchauer Ende, abseits vom lärmenden Verkehr, erhebt sich ein Naturdenkmal, das in seiner Anlage und schlichten Größe an alte germanische Kultstätten erinnert.«


             SH Ratzeburg Ropersberg Allee web           
            
• Eine Allee führt zum Denkmalshügel

Wir danken herzlich dem Stadtarchivar von Ratzeburg Christian Lopau für die Erlaubnis seinen Text im Wesentlichen übernehmen zu dürfen und für die Fotos.

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Foto:Matzematik / Wikimedia Commons

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Die Einweihung

Am 21. Juni 1921 wurde die Anlage im Beisein des Architekten Wilhelm Heilig als Sonnwendfeier inszeniert eingeweiht. Superindendent Lange hielt die Feldpredigt, wobei wieder einmal verblüfft, wie er voller Inbrunst darlegt, dass Gott  exklusiv für das deutsche Volk Partei nimmt, auch immer genommen hat und auch in Zukunft nehmen wird. Wer die Predigt und die anschließende Festrede von Dr. Tamm liest und sich das Szenario mit Fackeln, Bataillonskapelle und Gesang vorstellt, der sieht den Boden für die Parolen der Nationalsozialisten bereitet.

 

PDF Download

Herzlichen Dank an die Damen des Kreisarchivs in Ratzeburg.

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Spendenaufruf

Mit Unterstützung vieler Spender und Organisationen sind 2014 die wesentlichen Renovierungsmaßnahmen – Säuberung der fünf Schrifttafeln für die einzelnen Kriegsjahre und Neuverfugung – durchgeführt worden. Lesen Sie hier mehr dazu:

www.herzogtum-direkt.de

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