Hintergründe

»Unseren Helden«

Historie, Inschriften und Symbole der Denkmäler


Ein Jahrzehnt nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurden in Stadt und Land Kriegerdenkmäler errichtet, oft auf Initiative von Veteranenverbänden, aber in der Regel mit politischer und kirchlicher Unterstützung. Die meisten dieser Denkmäler enthalten in ihren Inschriften, Symbolen und formaler Gestaltung Deutungen des Kriegs und des millionenfachen Soldatentodes. Diese Deutungen sind nicht einfach aus einem damaligen »Zeitgeist« heraus zu erklären (und zu rechtfertigen), sondern fügen sich bewusst in die wieder erstarkende Propaganda für Revanche und Glorifizierung des Soldaten als Kämpfer für das deutsche Vaterland ein.

Hintergruende 76er Denkmal 1936 web

• Denkmal am Dammtorbahnhof in Hamburg für tote Soldaten des 1.Weltkriegs, eingeweiht wurde es 1936 unter der Hakenkreuzfahne.

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Zitate aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

Für Deutschland gestorben

Von Clemens Tangerding

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...
Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu:
»Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

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Kriegerdenkmäler in Hamburg

Eichenkranz und Dornenkrone

von Kerstin Klingel
Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, 2006

Mehr als 150 Kriegs- und Kriegerdenkmäler stehen heute im öffentlichen Raum der Freien und Hansestadt Hamburg. Sie zeugen von fast 200 Jahren, in denen Deutschland mehrmals Krieg geführt hat.  ... Kriegerdenkmäler unterscheiden sich von anderen Denkmälern dadurch, dass mittels ihrer der Kriegstod nachträglich kommentiert bzw. interpretiert wird. Demnach sind Kriegs- und Kriegerdenkmäler immer als politische Stellungnahmen derjenigen zu verstehen, die sie errichten, also der Denkmalsstifter. Sie richten sich häufig nach außen, gegen die militärischen Gegner, aber stets auch nach innen, an die eigenen Mitbürger. Kriegerdenkmäler beziehen sich auf ein vergangenes Ereignis und entwickeln daraus Botschaften für Gegenwart und Zukunft. ... Das vorliegende Buch versucht, die Entstehungsgeschichte von Hamburgs Kriegerdenkmälern zu beleuchten und ihre Botschaften zu entschlüsseln. Denn erst das Verständnis der Denkmalsaussage ermöglicht die eigene Positionierung dazu.

Die Kapitel 1. Einleitung/Daten und Fakten, 2. Aufstellungsorte, 3. Formen und 4. Inschriften aus Kerstin Klingels Buch:

 

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SH Nienborstel Stein

Gedenkstein in Nienborstel, Kreis Rendsburg-Eckernförde  

Über den »Sinn« von Kriegerdenkmälern

Der »Gegenwind« (www.gegenwind.info), die Zeitschrift für Politik und Kultur in Schleswig-Holstein, rief im Herbst 1998 zu einem Fotowettbewerb unter dem Motto »Ehre, wem Ehre gebührt?« auf. Die Leser sollten Gedenksteine fotografieren, die Soldaten des 2. Weltkriegs gewidmet worden waren. Bei der Ausstellung der eingesandten Fotos hielt Prof. Dr. Alf Schönfeldt vom germanistischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität in Kiel den folgenden Vortrag. Er wurde im Juni des folgenden Jahres im »Gegenwind« veröffentlicht.

 

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Denkmäler

Die Kapitel: »Denkmäler für Kriegsopfer« (1) und »Denkmäler als historische Quellen« (2) aus Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit (1987): »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg« können Sie hier lesen.

 

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Zitate

In der Zeit zwischen den Weltkriegen gab es nicht nur nationalistisch gesinnte, kriegsbegeisterte Menschen.

 

                       Hintergruende TucholskyParis1928

                       • Kurt Tucholsky, 1928 in Paris

Gedenkmäler: Text von Ignaz Wrobel alias Kurt Tucholsky, 1890 − 1935, Freitod. Pseudonyme: Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel, deutscher Schriftsteller und Journalist, Literatur- und Theaterkritiker der Zeitschrift »Die Schaubühne«.

 

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Rituale

Problematisches Gedenken

Volkstrauertag zwischen Totengedenken und Militärkritik


Dass viele der bestehenden Denkmäler bis heute als Orte der Erinnerung wahrgenommen werden, zeigt sich jedes Jahr am Volkstrauertag. An diesem Tag finden an vielen Kriegerdenkmälern und Soldatengräbern in Stadt und Land Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen statt, oft im Anschluss an die Gottesdienste. Gestaltet wird das Ritual von Kirchengemeinden, Bürgermeistern, Freiwilliger Feuerwehr, Heimatvereinen und Soldaten der Bundeswehr. Früher noch regelmäßig, heute eher seltener sind auch Vereinigungen und Kameradschaften ehemaliger Soldaten des Deutschen Reiches beteiligt.

Über die Geschichte dieses Rituals und die Bemühungen um seine Neugestaltung soll hier informiert werden.

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                VT Plakat web

Lesen Sie den Bericht über die Veranstaltung der Evangelischen Akademie der Nordkirche in Kooperation mit dem Jugendarbeitskreis des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband am 3. November 2014.

http://www.volksbund.de/nc/hamburg/aktuelles1/meldungen-im-detail/artikel/der-volkstrauertag-ein-problematisches-ritual.html

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Vom Heldengedenktag zum Volkstrauertag

Eine kurze Einführung in die Geschichte und gegenwärtige Praxis vor allem in Hamburg findet sich bei Kerstin Klingel in: »Eichenkranz und Dornenkrone« (Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, 2006)

 

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In München:

Die Bundeswehr auf ihrem alljährlichen Volkstrauermarsch zum Denkmal im Hofgarten – das Sturmgewehr von Heckler & Koch geschultert.

BuWe Volkstrauer Munchen web

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Nienstedten web

● Blumengebinde zum Volkstrauertag auf dem Friedhof Hamburg-Nienstedten

Volkstrauertag web

Foto: Jennifer Held

● 2012: In Euskirchen werden Kränze am Steinkreuz niedergelegt

Bramfeld KK web

Foto: Kerstin Klingel

● Der Soldat in Hamburg-Bramfeld – reich geehrt zum Volkstrauertag

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Rituale Diss Duisburg web

• Rechte Volkstrauertage in Duisburg Kaiserberg (1982 und 2004)

Neonazis und der idealisierte deutsche Soldat

Seit dem Jahr 1987 forscht und publiziert das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung zu gesellschaftlichen Entwicklungen im In- und Ausland. Es analysiert die Genese von sozialen und kulturellen Ordnungen, um emanzipative Ansätze für eine demokratische Praxis in Politik, Pädagogik und Journalismus zu fördern. Wir dokumentieren hier einige Seiten aus der Broschüre »Kriegsdenkmäler als Lernorte friedenspädagogischer Arbeit« vom November 2012.

Weitere Informationen: www.diss-duisburg.de 

 

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Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2014

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Im Alstertal

In unserer Zeit finden traditionell am Volkstrauertag Gedenkveranstaltungen an den Denkmälern für Kriegstote statt. Beteiligt sind dabei neben den örtlichen Vereinen fast immer die Evangelisch-Lutherische Kirche und die Freiwillige Feuerwehr. Mitglieder der FF fungieren als Fackelträger. Bis vor etwa zwanzig Jahren trugen sie dabei Helme ohne Nackenleder. Diese militärähnliche Kostümierung ist in Hamburg wohl inzwischen verpönt (in Poppenbüttel postierten sich die Fackelträger 2013 sogar in Schutzanzügen anstelle von Uniformen), wurde aber 2013 in Glashütte noch praktiziert.
Zu den derzeitigen Zeremonien im Alstertal gehören Ansprachen, Musik, Lieder und Kranzniederlegungen. Auch das Lied vom »guten Kameraden« wird gesungen. Die Kränze stammen überwiegend von örtlichen Vereinen und der CDU. Das Interesse der Öffentlichkeit an den Feierstunden ist gering. So nahmen 2013 in Poppenbüttel etwa 60 Menschen teil, aber inklusive der Musikanten, Sänger und Angehörigen der beteiligten Vereine. Echte »Privatpersonen« waren kaum vertreten.

Angelika Rosenfeld im Jahrbuch des Alstervereins 2014, Seite 21

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Tradition Biermann Rathj Medaille

Bilder: Hamburger Kulturbehörde

Volkstrauertag 1954

Redner ist Hans Harder Biermann-Ratjen, in dessen Andenken bis heute Personen mit der Biermann-Ratjen-Medaille geehrt werden, die sich um die Stadt Hamburg in kultureller Weise verdient gemacht haben. Zeitgeist der 50er Jahre?

 

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