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Das Jahr 2014 wurde erinnerungspolitisch stark ge-
prägt von zwei Jahrestagen: dem Beginn des
1.Weltkriegs durch die deutsche Kriegserklärung am
1. August 1914 und dem Beginn des 2.Weltkriegs
mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939. In den Medien (Zeitungen,
TV, Internet), in Filmen, Theater und Museen, in Par-
lamenten und an historischen Gedenkorten wurde
an die Ereignisse vor 100 und vor 75 Jahren erinnert.
Dabei ging es nicht nur um die Frage nach der Ver-
antwortung für den Tod von vielen Millionen Menschen und um historische »Wahrheiten«, sondern ebenso um Deutungen und Erkenntnisse für das Gestalten einer friedensorientierten Politik in unserer Zeit.

Das Projekt DENK MAL!, im Jahr 2014 durch die Kunstaktion »Weiße Wäsche«, sollte in diesem Kontext einen besonderen Beitrag leisten, indem es die zahlreichen Kriegerdenkmäler im öffentlichen Raum und auf Friedhöfen in den Focus rückte. Diese Denkmäler sind vor allem in den 20er Jahren in zahlreichen Städten und Gemeinden errichtet worden. Sie bringen Deutungen des Kriegs und der deutschen Niederlage zum Ausdruck, die mit Heldenverehrung und religiöser Verklärung des Opfertodes für Kaiser, Vaterland und Gott sehr problematisch sind. Vielfach konnten diese Denkmäler in der Nazi-Zeit für die ideologische Einstimmung auf den 2.Weltkrieg benutzt werden.
So sind sie zu stummen und gleichzeitig beredten Zeugen einer unheilvollen Geschichte geworden.

 

Spätestens seit der Friedensbewegung in den
80er Jahren besteht auch in der Kirche ein weit-
gehender Konsens darüber, dass die Botschaft
dieser Denkmäler dem Anspruch auf eine zivile
und nicht-militärische Politik widerspricht und
mit dem biblischen Friedensauftrag unvereinbar
ist. Dieser Widerspruch findet allerdings an
den allermeisten Standorten keinen sichtbaren
Ausdruck.

Nach langem öffentlichen Desinteresse hat die Nutzung der Denkmäler durch rechte Kamerad-
schaften und Nazi-Gruppen in einzelnen Orten Aufmerksamkeit und Gegenwehr bei den Bewohnern erzeugt. Dabei stellt sich die Frage, wie solcher Inanspruchnahme auf Dauer der Boden entzogen werden kann.

In zahlreichen kirchlichen oder kommunalen Gemeinden wird weiterhin am Volkstrauertag das Ritual der Gedenkfeiern mit den obligatorischen Kranzniederlegungen vollzogen. Das Unbehagen an diesem Ritual soll allerdings dadurch abgemildert werden, dass nicht mehr nur an die getöteten Soldaten, sondern an »alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft« erinnert wird.

Die damit verbundene Gefahr einer Gleich- setzung von Opfern und Tätern wird selten reflektiert.

Das Projekt DENK MAL! will die Bedeutung der Denkmäler und der mit ihnen verknüpften Rituale ins Bewusstsein bringen. Es will zu einer Auseinandersetzung ermutigen.

Zentrale christliche und kirchliche Themen
wie Trauer, Buße und Versöhnung werden dabei kritisch reflektiert und in Dialog mit anderen Überzeugungen und Traditionen gebracht.

 

Die Aktion soll generell das Bewusstsein
schaffen und verstärken, dass die
Geschichte und ihre Interpretation den
gegenwärtigen Umgang von Gesellschaft
und Kirche zu aktuellen gesellschaftlichen
Herausforderungen (Nationalismus,
Rassismus, Kriegseinsätzen …) prägen
und beeinflussen.

DENK MAL! ist ein Projekt des Arbeits-
bereiches Erinnerungskultur der
Evangelischen Akademie der Nordkirche.
Es wird unterstützt und begleitet u.a. vom
KunstHaus am Schüberg, dem Amt für
Öffentlichkeitsdienst und der kirchlichen
Gedenkstättenarbeit. Die Finanzierung
erfolgt im Wesentlichen aus Mitteln der
Hauptbereiche der Nordkirche.

Verantwortlich für Konzept und Durchführung
sind Pastor Ulrich Hentschel, Studienleiter der
Evangelischen Akademie der Nordkirche bis Oktober 2015 und sein Nachfolger Dr. Stephan Linck ab Oktober 2015. Pastor i. R. Ulrich Hentschel ist für die Texte zuständig, Marlise Appel für Recherche, Dokumentation und Gestaltung.

Im Februar 2018

 

Dr. Stephan Linck
stephan.linck@akademie.nordkirche.de

Telefon 040-30620-1455
Königstraße 52
22767 Hamburg

e-kultur@akademie.nordkirche.de
www.denk-mal-gegen-krieg.de