NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T
Das Denkmal
Die Mehrfachverwertung
Wilhelm Wandschneider

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Crivitz

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Die Skulptur »Kniender Krieger« des Bildhauers Wilhelm Wandschneider wurde für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs von Crivitz erneut gegossen. Das Denkmal zeigt die ideale Figur eines nackten Kriegers in Bronze. Halb auf dem Steinblock sitzend, kniet er mit leicht vornüber gebeugtem Oberkörper. Er stützt sich mit der einen Hand auf sein Schwert, während er mit der anderen einen Kranz aus Eichenlaub hält. Deutlich zeigt die Figur Wandschneiders Orientierung an antiken Vorbildern, insbesondere durch die »ideale Nacktheit« des Kriegers sowie in der Gestaltung des muskulösen Körpers. Der kleine würfelförmige Sockel erhebt sich auf zwei abgestuften Postamenten aus behauenen Granitsteinen. Die Bronzefigur hat die Gießerei Lauchhammer 1922 gegossen. Den Entwurf hatte Wilhelm Wandschneider schon 1909 aus Ton gefertigt, die 1910 entstandenen Gipsmodelle sind verschollen, sie sind wohl 1947 zerstört worden aufgrund des Befehls Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde zur Vernichtung von kriegstreibenden, militärischen Abbildungen.

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             MP Crivitz gesamt web

                    Fotos: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

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Die Mehrfachverwertung

Die gleiche Figur ist siebenmal für andere Denkmäler gegossen worden: für die toten Soldaten des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 / 71 in Saarlouis 1910 und Güstrow 1910 (siehe Foto), des 1. Weltkriegs in Koblenz 1919, Landsberg / Warthe 1919, Chemnitz 1922 und Berlin 1922, für ein Grabmal in Lüdenscheid (siehe Foto) 1920.

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2. September 1910: Einweihung des Kriegerdenkmals für die toten Soldaten von 1870 / 71 auf dem Wall in Güstrow

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Foto: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

1920: Grabmal »Müder Wanderer« der Familie Noelle in Lüdenscheid

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Wilhelm Wandschneider

Wilhelm Wandschneider (1866 - 1942), geboren und gestorben in Plau am See, war bis 1915 ein im In- und Ausland bekannter Bildhauer, der schon viele Aufträge und Preise erhalten hatte. Nach dem 1. Weltkrieg geriet eine große Zahl der bildenden Künstler – so auch Wandschneider – in existenzielle Bedrängnis. Die alten Auftraggeber öffentlicher Denkmäler gab es durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nicht mehr, ebenso sank die Zahl privater Auftraggeber.

            MP Crivitz Wilhelm Wandschneider 1909 web

• Wilhelm Wandschneider, gemalt von Heinrich Hellhoff, 1909

Einzige Auftraggeber waren in den frühen 1920er Jahren die Militär- und Kriegervereine, die zunehmend mit revanchistischen Inhalten versehene Denkmäler für ihre gefallenen Kameraden errichten ließen. Als ab 1930 der Nationalsozialismus zunehmend erstarkte, wurde Wandschneider 1930 Mitglied der NSDAP und wie man an den Modellen (siehe Fotos unten) sehen kann, trifft er die Bildsprache der Nazis für deutsche »Helden« perfekt.

1936 fertigt Wandschneider eine Hitlerbüste an, 1940 lässt Hitler Wandschneiders Figur »Aphrodite« für die Reichskanzlei ankaufen; im gleichen Jahr wird Wandschneiders Denkmal für Kaiser Friedrich III. in Dortmund eingeschmolzen, »da es aus nationalsozialistischer Sicht weder einen historischen, noch einen künstlerischen Wert besaß«.

1926 verlieh die Stadt Plau Wandschneider zum 60. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde, am 26. April eröffnete das »Wandschneider-Museum«. Im März 1947 wurde das Museum aufgelöst, der Modellbestand fast komplett zerstört. 1994 eröffnete das »Bildhauermuseum Prof. Wandschneider« neu, es zeigt unter anderem 30 Originalplastiken.

 

             MP Wandschneider Atelier web

Das Regimentsdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs in Schweidnitz/Schlesien. Das Foto zeigt Wandschneider in seinem Atelier bei der Arbeit am Modell.

             MP Wandschneider Gesicht web

Das Kriegerdenkmal »Soldat« steht auf dem Soldatenfriedhof in Schwerin. 1936 wurde es für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aufgestellt. Das Foto zeigt ein Detail des Modells in Wandschneiders Atelier.

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I N H A L T
Das Denkmal
2018: Rassistische Schmierereien
So sah das Standbild aus
Die Denkmalsanlage
Fritz Richter-Elsner
Deminer Ulanen zwischen den Fronten
Ulanenstolz
1936: 700 Jahre Demmin
Eine Kulisse für’s Familienalbum
Feiern beim Ulanen
Das Modell des Reiters
Das »Ehrenmal am Stadion«
Der Findling für die Turnbrüder

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Hansestadt Demmin

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Das Reiterdenkmal und der wie eine germanische Kultstätte inszenierte Aufgang wurde für die im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten des 2. Pommerschen Ulanenregiments in den Jahren 1923/24 erbaut. Das Denkmal wurde vom »Bund vaterlandstreuer 9. Ulanen« durch Spenden finanziert und in Auftrag gegeben.

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Die Einweihung der Anlage fand am 3. August 1924 statt, am zehnten Jahrestag des Ausritts der Ulanen zum Fronteinsatz.

     MP Demmin Ulan Rechts web


Nach 1935 war die Anlage für die Nationalsozialisten ein bevorzugter Ort für rassistische Kultfeiern. Nach 1946 wurde sie, nach Anweisung Nr. 30 der alliierten Kontrollbehörde, zerstört, vergraben, die Inschriften entfernt und die Metallplatten mit den Namen der toten Ulanen demontiert und eingelagert. Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Bruchstücke des Reiterstandbildes wieder ausgegraben, der Aufgang rekonstruiert. Einige größere Teile des Ulanen wurden wieder aufgestellt und können in den »Sandbergtannen«, einem Waldgebiet im Osten Demmins in der Nähe des Bahnhofs, besucht werden.

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© Erell / Wikimedia Commons

Das Fragment des viele Meter hoch gemauerten Sockels, auf dem der steinerne Ulan seinen Platz hatte, steht immer noch auf einer fünfstufigen Anhöhe, auf der Rückseite umgeben von einer abgerundeten Mauer, in deren Nischen früher Reliefs von Szenen aus dem Ulanenleben angebracht waren. 

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Die Denkmalsanlage mit dem imposanten Aufgang wurde aus zahlreichen, unterschiedlich stark bearbeiteten Findlingen errichtet. Sie stammten aus Megalithgräbern der Umgebung, die bedenkenlos zerstört wurden. Ein Großsteingrab bei Quitzerow wurde für den Bau völlig abgetragen.

     MP Demmin Ulan von oben web


Größere Blöcke wurden gespalten und zum Teil als Runensteine aufgestellt. An einigen wurden Metallplatten mit den Namen der in den Kriegen 1866, 1870/71 und 1914-1918 gefallenen Ulanen angebracht.


     MP Demmin Ulan Tor von unten web


Die Reste eines wichtigen Details kann man auf diesem Foto entdecken. Am Boden vor dem Eingang zur Denkmalsanage war bei der Einweihung 1924 eine Kette verlegt worden, die an die Situation Deutschlands nach dem Versailler Friedensvertrag, dem »Schandvertrag«, erinnern sollte. Als 1935 in der Zeit des Nationalsozialismus die Wehrpflicht wieder eingeführt wurde, ließen die Nationalsozialisten die Kette in einem symbolischen Akt zerbrechen und beide Hälften an den Seiten des Eingangs anbringen. Dort kann man bis heute die Eisenringe der Befestigung sehen.


MP Demmin Ulan Seite web


An der Seite: aus der Vielzahl der geraubten Steine wurden »Göttersitze« gebaut ... 


MP Demmin Ulan Seite oben web


... weiter oben tragen gemauerte Säulen stilisierte Geweihe aus Holz. Der Hirsch galt als Symbol für Kraft, Neubeginn und Wiederkehr.


Der bildende Künstler Fritz Richter-Elsner hat diese Anlage in den Jahren 1923 und 1924 geschaffen. Ab den 1920er Jahren hatte er sich auf die Gestaltung von Denkmälern verlegt. Im Nachkriegsdeutschland konnte er als Künstler nicht mehr Fuß fassen, zu sehr entsprach sein Stil dem der Nationalsozialisten. Er starb 1970 in Detmold.

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2018: rassistische Schmierereien

Die germanische Symbolik der Anlage scheint bis heute, oder gerade heute wieder, Gesinnungsgenossen anzuziehen:

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Aber es gibt auch freundlichen Protest gegen antisemitische Parolen.

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so sah das standbild aus

Die Fahne hoch und das Gewehr an der Seite: vor seiner Zerstörung 1946 ragte der steinerne Reiter über die Baumspitzen.

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            MP Demmin alt3

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Eins der 1945 zerstörten Reliefs in den Mauernischen: Ein toter Ulan liegt auf einem altarähnlichen Steinblock, äußerlich unverletzt, in Uniform, das Eiserne Kreuz in der linken Hand, den Uniformmantel quer über den Leib gelegt. Über ihm hängt ein großer Lorbeerkranz, seine jungen Adjudanten halten seinen Helm und seinen Degen.

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Die Denkmalsanlage

Eine Beschreibung von Prof. Dr. Loretana de Libero aus ihrem Buch »Rache und Triumph«, Beiträge zur Militärgeschichte, Band 73, De Gruyter, S.202/203. Herausgegeben vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr:

In Demmin ließ der Bund vaterlandstreuer Ulanen für die Gefallenen des ehemaligen 2. Pommerschen Ulanen-Regiments Nr. 9 im Jahr 1924 eine »Germanenanlage« anlegen. Für dieses »deutschvölkische« Projekt zeichnete der Berliner Bildhauer Fritz Richter-Elsner verantwortlich. Zwei örtliche Megalithgräber beraubte Richter-Elsner hierbei ihrer Steine und zerstörte damit bedenkenlos ihren archäologischen Verbund. Die Steine wurden mit Runen versehen und im Osten der Stadt bei den Sandbergtannen in Hanglage terrassenförmig neu aufgestellt. Ein Reiterstandbild krönte als zentraler Blickfang das obere Ende der Anlage. Am Eingang zu diesem Regimentsmal wurde über den Boden eine Kette gelegt, welche die Fesselung Deutschlands durch den Versailler Vertrag symbolisieren sollte. Inschriftlich wurde an den Betrachter appeliert, diesen Zustand der Knechtschaft zu beenden:

Deutscher / denke daran / wenn du / schreitest / über diese Ketten [linke Tafel am Tor]

Es gilt des / Vaterlandes / Ehre und Freiheit / zu retten [rechte Tafel am Tor]

 

MP Demmin Ulanen Kette web

Nachdem die Wehrpflicht wieder eingeführt und die Wiederaufrüstung mit dem »Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht« vom 16. März 1935 nun ganz offen betrieben wurde, sprengten die Ulanenveteranen zusammen mit örtlichen Nationalsozialisten die alte Kette öffentlichkeitswirksam und befestigten das zerschlagene »Mahnmal der damaligen schmachhaften Wehrlosigkeit« beidseits des Eingangs. Die Stadt ließ die »deutschvölkische« Anlage 1995 in Teilen wiederherstellen.

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Fritz Richter-Elsner

1923 – 1924 hat er das Ulanen-Denkmal in Demmin gestaltet. Anfang 1884 im thüringischen Köppelsdorf geboren, studierte er an der Industrie- und Kunstgewerbeschule Sonneberg und in München. Von 1905 bis 1916, also schon mit 21 Jahren, war er künstlerischer Leiter der renommierte Hofbildgießerei Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen. Auf dem dortigen Friedhof hinterließ er Zeugnisse seiner Arbeit: Skulpturen und ein Grabmal für den jüdischen Arzt Dr. Max Jacoby (heute zerstört).

Ab den 1920er Jahren verlegte sich Richter-Elsner auf die Gestaltung von Denkmälern. Mitte der 1930er Jahre geriet er in Zahlungsschwierigkeiten. Im Rahmen eines entsprechenden Briefwechsels erwähnt er seine Familie, von der aber weiter nichts bekannt ist.

Das Verhältnis von Richter-Elsner zum Nationalsozialismus lässt sich derzeit nicht klären. In einem Bericht der Silesia Nova von 2011 wird er spätestens für das Jahr 1943 als »Parteigenosse« bezeichnet, seine Werke sind aber nach der Machtergreifung deutlich zurückgegangen. Spätestens im März 1943 war Richter-Elsner zu einem Arbeitseinsatz abkommandiert. Ob das mit persönlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu begründen ist oder er nicht linientreu genug war, ist heute nicht feststellbar. Er konnte sich jedenfalls dann nur noch in der Freizeit um die Bildhauer-Aufträge kümmern.

Als Künstler konnte Richter-Elsner im Nachkriegsdeutschland nicht mehr Fuß fassen. Seine Formensprache entsprach zu sehr der von den Nazis geförderten Kunst und große Kriegerdenkmäler waren auch nicht mehr gefragt. Nachkriegswerke sind nicht bekannt. Fritz Richter-Elsner starb 1970 in Detmold.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 12.6.2015

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Der Nordkurier berichtete am 9. August 2013 in seiner Onlineausgabe über den Tag des offenen Denkmals. Wir zitieren daraus:

Demminer Ulanen zwischen den Fronten

Die Bedeutung solcher Gedächtnisorte im ideologiegetränkten Kontext von Krieg und Militärtradition, Opfergedenken und Heldenpathos ins öffentliche Bewusstsein zu rücken ist Ziel einer Aktion, die der Trägerverein am bundesweiten Denkmaltag plant – maßgeblich organisiert von Petra Clemens, Museumsmitarbeiterin und Kunsthistorikerin. Doch auch die Katholische Kirche und der Bibliotheksverein beteiligen sich an dem Programm – unter anderem öffnet an diesem Tag die Hanse-Bibliothek zu einer Lesung mit dem Autor Karl Schlösser.

Woraus Schlösser vortragen wird, ist unschwer zu erraten: Der aktuelle Band seiner »Fußnoten Demminer Geschichte« enthält ein bissig-ironisches Kapitel zum Thema Ulanenkult in Demmin. Und vor allem an der Kanone auf dem Bebelplatz vor der Bibliothek, im Gedenken an die Militärgeschichte der Ulanenstadt Demmin aufgestellt, gehen die Meinungen auseinander.

Nicht dass die Kanone nur Gegner hätte in Demmin. Sie hat auch viele Verfechter in Demmin, zweifelsohne. Darüber ins Gespräch zu kommen, darum geht es den Organisatoren des Denkmaltages an diesem polarisierenden Platz. Nicht nur kontrovers, sondern – hoffentlich – auch aufeinander hörend.

MP Demmin Ulanenkanone web

Ein weiterer »unbequemer« Ort schließlich, den dieser Denkmaltag »öffnen« will, steht unweit des Bebel- und Barlachplatzes: das Ulanendenkmal am Ende der Bergstraße. Wie sonst wohl nur die vor Jahresfrist aufgestellte Kanone spaltet das Memorial sein Publikum in zwei Lager: Die einen bewundern es und würden am liebsten das 1946 zerstörte Reiterstandbild wieder rekonstruieren lassen. Die anderen verdammen es als nationalistische Kriegsverherrlichung, regelmäßig werden die martialisch wirkenden Feldsteine mit Farbe bemalt.

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Das Denkmal birgt schon in sich all das Wohl und Wehe dieser Art von militärischem Gedenken. Errichtet 1924 zu Ehren der Gefallenen des 2. Pommerschen Ulanenregiments, stilisierten es die Nazis nach 1935 zum Weiheort ihres rassistischen Germanenkults hoch. Nach dem Krieg verwüsteten die Russen das Denkmal, in der DDR-Zeit war es aus dem öffentlichen Bewusstsein der Stadt verschwunden. Erst nach der Wende ließ die Stadt Demmin es wieder herrichten. Ein umstrittener Ort ist es geblieben – geachtet, doch wohl kaum von jemandem geliebt...

www.nordkurier.de

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Ulanenstolz

Stimmt der letzte Satz des Autors? Seit einiger Zeit gibt es die Seite

www.demminer-ulanen.de

Sie ist mit der offiziellen Website der Hansestadt Demmin verlinkt.

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1936: 700 Jahre Demmin

MP Demmin alteKarte1

MP Demmin alteKarte2


Oben rechts, über dem Ulanendenkmal, kann man übrigens das »Ehrenmal am Stadion« sehen. Siehe Informationen weiter unten.

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Eine Kulisse für’s Familienalbum 

 

            MP Demmin alt1938 web

                   © Otto Paulsen - Großvater Chron-Paul/Wikimedia Commons rechtsverbindlicher
                   Lizenzvertrag: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

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Feiern beim Ulanen

 

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             MP Demmin Feier2 web

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Das Modell des Reiters

 

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Das »Ehrenmal am Stadion«

1936 wurde es eingeweiht, noch ohne Figuren und Inschriften, nur ein Reichsapfel, das Herrschaftszeichen in Form einer Weltkugel mit aufgesetztem Kreuz, krönte das einem griechischen Tempel nachempfundene Gebäude. Wie auf der Karte zu lesen ist, wurde es Gedächtnishalle genannt.

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Ende der 30er Jahre taucht es auf alten Postkarten als »Ehrenmal an der Kampfbahn« oder als »Ehrenmal für die Gefallenen« wieder auf. Es hat überlebensgroße Statuen an der Frontseite dazu bekommen, eine Inschrift und obendrein einen stilisierten Reichsadler mit ausgebreiteten Schwingen statt des Reichsapfels. Die Heldenfiguren standen auf Podesten.

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1945 wurden dann die vier Figuren und der Adler wieder entfernt. In der Folgezeit wurde auch die Inschrift verändert.

An ihre Stelle trat in den 60er Jahren der neue Name des Gebäudes. Es wurde jetzt eher als Teil der Sportstätte gesehen und hieß nun, wie in großen Buchstaben zu lesen war, das »Stadion der Einheit«. Auf den Podesten steckten unterschiedliche Fahnen und an der Klinkerwand des Treppenaufgangs hing eines Tages ein großes Schild mit der Aufschrift:

Für die Gesundheit und Lebensfreude!
Für Frieden und Sozialismus!
Auf zum IV. Deutschen Turn- und Sportfest


Heute heißt es nun ganz schlicht »Stadion der Jugend«. Auf den Podesten kann man jetzt seinen Turnbeutel ablegen.

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MP Demmin Stadion web

Sogar olympische Ringe kann man entdecken!

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Der Findling für die Turnbrüder

Noch mehr Gedenken in Demmin: Auf halber Höhe zum Ulanen, neben dem Eingang zum Sportplatz steht das Denkmal.

MP Demmin Turnbrueder web


Unter einem »Turnerkreuz« steht die Inschrift:

Unseren
gefallenen
Turnbrüdern
1914 – 1918

Das Turnerkreuz ist eine graphisch gestaltete Bildmarke, die im Jahr 1844 von dem Kupferstecher und Drucker Johann Heinrich Felsing (1800–1875) aus Darmstadt entwickelt wurde.

Es steht noch heute als Symbol für das Turnen. Das Original-Logo gemäß Deutschem Turner-Bund ist heute immer quadratisch und formt ein achsengleiches griechisches Kreuz. Es besteht aus vier Exemplaren des horizontal und vertikal gespiegelten Buchstabens F in Versalien, die den Turner-Wahlspruch »Frisch, fromm, fröhlich, frei« aufgreifen.


                 SH Ellerhoop Turnerkreuz 1968 Turnfest web

»Den Spruch in seinen vier Anfangsbuchstaben habe ich zusammengestellt in 4 F. Ich habe sie zum Zeichen vereint, […] sie bilden wie die Turnerschaft – gleiche Kraft, gleiche Form, gleiche Stärke nach allen Seiten, es ist das Viereck überall gleich stark, fest in den vier Ecken stehend, nehmt’s, wie ihr wollt: es ist das F aus dem FF. Vergeßt mir nicht, daß es auch das Christenzeichen ist« schrieb Johann Heinrich Felsing 1846.

1933 entstand im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1936 von Berlin eine Diskussion darüber, ob das Turnerkreuz oder die olympischen Ringe für die Olympiade in Berlin Verwendung finden sollten. Die Entscheidung fiel zugunsten der fünf Ringe.

Nach Einführung des Reichsflaggengesetzes vom 15. September 1935 übernahmen alle deutschen Turnvereine das von den Nationalsozialisten gebrauchte Hakenkreuz als einziges Symbol.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand man auf Vereinsebene sehr rasch wieder zum Turnerkreuz zurück, zumal die historischen Vereinswappen und -fahnen dieses zumeist beinhalteten. Demgegenüber benötigten die Verbände dazu längere Zeit. Beim Deutschen Turnfest in München 1958 fand es in der offiziellen Festzeitung noch keinerlei Verwendung, eine aus diesem Anlass herausgegebene Briefmarke der Deutschen Bundespost griff es hingegen wieder auf.

nach Wikipedia, abgerufen am 25. Mai 2018

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Der Stahlhelm
Die Kirche

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Dennin

Landkreis Vorpommern-Greifswald, Gemeinde Spantekow

Am Rand des Kirchhofs, neben der Eingangspforte, steht das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs. Die Frontseite mit einem Stahlhelmrelief und der Inschrift zeigt zur Straße.

MP Dennin Huebner web


Auf einem mit Feldsteinen befestigten Erdhügel ist ein großer Findlingsstein aufgestellt worden. Ein viereckiger Sockel gibt ihm Halt.

 

MP Dennin vorne zugewachsen web


Im Sommer 2019 war der Stein dann ziemlich zugewachsen.

MP Dennin Inschrift web


Im Halbdunklen war die eingemeißelte Inschrift dann auch kaum zu lesen:

Den gefallenen Brüdern
1914 - 1918

Es werden keine Namen genannt.

 

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Darüber im angedeuteten Medaillon das Relief eines Stahlhelms.

 

MP Dennin Hinten2 web


Die Rückseite: zum Kirchhof hin ist im Halbkreis eine lockere Feldsteinmauer aufgebaut worden

 

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Die Inschrift

Den gefallenen Brüdern

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100


»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 60/61


Gefallen/Gefallener: Dieser Begriff wird benutzt, um den Tod von Kombattanten zu beschreiben, die während Kampfhandlungen ums Leben gekommen sind. Er befindet sich häufig auf den entsprechenden Denkmälern und ist seit 2008 (seit dem Verteidigungsminister Jung ihn verwendet hat) wieder im politischen Sprachgebrauch in Deutschland zu finden. Es ist dabei zu erörtern, in wie fern eine Beschönigung des gewalttätigen Todes vorliegt, so dass er in der öffentlichen Wahrnehmung als weniger folgenschwer und damit akzeptierter als andere Todesarten angesehen wird. Außerdem bleibt durch die universelle Verwendung von »gefallen« der tatsächliche (schreckliche) Todesgrund verborgen (verblutet, erschossen, zu Tode gefoltert usw.).

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Bad Malente / Schleswig-Holstein benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.13

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Die Kirche

Der spätgotische, ziegelgedeckte Backsteinsaal entstand wohl im 15. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert wurde der verbretterte Westturm mit seinem hohen Spitzhelm angefügt. Der Turm wurde in den 1990er Jahren erneuert, er war früher mit Holzschindeln gedeckt.

Das Geläut der Kirche bestand aus zwei Glocken, eine aus dem 15. Jahrhundert, die in den Wirren des 1.Weltkrieges verloren ging. Die andere wurde im Jahr 1717 von Michael Begun aus Friedland gegossen und ist heute noch in Betrieb.

Den Kirchhof umgibt eine Feldsteintrockenmauer.

MP Dennin Kirche web


Links von der Pforte, im Lindenlaub, haben wir 2019 das Kriegerdenkmal entdeckt.


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I N H A L T
Das Denkmal
Das erste Adler
Der Adler
Die Kyffhäuser Kameradschaft
Die Widmung
Die Tafel zum 2. Weltkrieg
Die Informationswand

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Dorf Mecklenburg

Landkreis Nordwestmecklenburg

In der Dorfmitte zwischen Kirche und Kindertagesstätte steht das Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs. 1922 wurde es eingeweiht.

MP Dorf Mecklenburg fern web


Von der Bahnhofsstraße aus geht man über drei Steinstufen zum Denkmalsplatz am Rand des Kirchhofs. Der Aufgang unterbricht die Felssteinmauer des Kirchhofs mit geschwungenen Mauern auf jeder Seite.

MP Dorf Mecklenburg Denkmal web


Ein großer Findling steht auf einem aufgeschichteten Sockel aus den unterschiedlichsten Steinen. Der umlaufende ovale Sandplatz wird von acht aufgerichteten kantigen Felssteinen begrenzt. Jeweils vier sind mit einer dicken Eisenkette verbunden. 

 

     MP Dorf Mecklenburg Namen web


Eine große Bronzetafel ist in den Findling eingelassen. Sie ist mit vier Ziernägeln befestigt worden. 65 tote Soldaten werden in zwei Spalten in erhöhten Lettern genannt, geordnet nach den zwölf Herkunftsdörfern. Dienstgrad, Vorname (meist abgekürzt), Familienname und Sterbedatum sind aufgeführt, ebenso werden Vermisste und in Gefangenschaft Gestorbene bezeichnet. Einige Soldaten sind noch nach Kriegsende zu Tode gekommen. Darüber steht die Widmung:

Dieser Stein ist gesetzt zum Gedenken
unserer im Weltkriege 1914 – 18 gefallenen Helden

 

MP Dorf Mecklenburg seitlich fern web

Besonders auffällig ist der aufgesetzte Adler, der je nach Lichteinfall golden-kupfern schimmert.

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Der erste Adler

Er wurde wahrscheinlich nach 1945 bei Bekannwerden der Direktive Nr. 30 des Alliierten Kontrollrats abgebaut.

»Von dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Direktive an ist es untersagt und als gesetzwidrig erklärt die Planung, der Entwurf, die Errichtung, die Aufstellung oder die sonstige Zurschaustellung von Gedenksteinen, Denkmälern, Plakaten, Statuen, Bauwerken, Straßen- oder Landstraßenschildern, Wahrzeichen, Gedenktafeln oder Abzeichen, die darauf abzielen, die deutsche militärische Tradition zu bewahren oder die Erinnerung an die nationalsozialistische Partei aufrechtzuerhalten, oder ihrem Wesen nach in der Verherrlichung von kriegerischen Ereignissen bestehen […]«

In dieser Direktive wurde zugleich verlangt, bestehende Denkmale bis zum 1. Januar 1947 zu beseitigen, wobei Anlagen von wesentlichem Nutzen für die Allgemeinheit oder von großem architektonischen Wert ausgenommen waren. In einer am 12. Juli 1946 veröffentlichten Ergänzung dieser Verordnung wurden Gedenksteine, die zum Andenken an Verstorbene regulärer Einheiten errichtet wurden, als zu erhalten festgelegt, wobei Änderungen an der Gestaltung (z. B. durch Entfernung militaristischer Symbole und Inschriften) vorgeschlagen wurden. Entgegen diesen Festlegungen kam es jedoch vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu »wilden« Beseitigungen von Kriegerdenkmalen ohne behördliches Mitwirken.

Wikipedia, abgerufen am 1. November 2019

 

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Schwer zu erkennen auf der alten Postkarte, aber es war auf alle Fälle ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen auf dem Denkmal vor der Kirche.

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Der Adler

Der Adler ist als »der mächtigste König im Luftrevier« (Anfang des »Seeräuberlied«, das zum Marschliederkanon der Wehrmacht gehörte), der König der Lüfte und wehrhafter Beschützer seines Horstes. In der griechischen Mythologie ist er ein Attribut des Gottes Zeus. Als heraldisches Symbol diente er von 1433 bis 1806 den Kaisern des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen sowie deutschen Königen, Herzögen und Markgrafen als Wappenbild.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 137

Als Hoheitszeichen des Deutschen Reiches und als Symbol für deutsche Macht und Stärke galt der Seeadler. Der Raubvogel konnte nach 1871 wachsam nach Westen spähen, oft aufreizend mit den Flügeln schlagen und/oder den geöffneten Schnabel drohend dem französischen Feind entgegenstrecken. [...]
Unmittelbar vor der Unterzeichnung des Versailler Vertrages stieß die »Deutsche Tageszeitung« vom 26. Juni 1919 den Stoßseufzer aus, es möge »vielleicht doch in nicht so ferner Zeit [...] – der Tag komm[en], an welchem das Deutsche Volk sich aus seinem tiefen Fall wieder erheben kann und der deutsche Adler von neuem den Flug zur Sonne unternimmt.« Dieser sehnsüchtige Wunsch wurde in die Gedenkwelt hineingetragen [Hamburg-Gross Borstel, Oktober 1922: »Mit kräftigen Krallen steht er trotzig und lauernd auf seinem eisernen Grund, den scharfen Blick nach Westen gerichtet«. Wasserkuppe/Rhön, 1923, Weiherede des Oberstleutnants a.D. Walter von Eberhardt: »Und eigene Kraft wird es sein, die alle Fesseln, die Schmach und Schande, die Not und Elend uns angelegt haben, wieder sprengen wird. Nach Westen blickt der Adler. Er weist uns den Weg, den wir gehen müssen.« Auch dort die Kranzschleife des »Bundes der Jagdflieger« am Tag der Einweihung: »Adler, Du, halte die Wacht! Um uns ist Schande und Nacht. / Siehe, dort hinter dem Rhein / Schlummert der Brüder Gebein / Bis einst der Morgen erwacht. Adler, Du, halte die Wacht!«]

Loretana de Libero, »Rache und Triumph, Krieg Gefühle und Gedenken in der Moderne«, De Gruyter Oldenbourg. Beiträge zur Militärgeschichte. Band 73. S. 95f

Der Adler in Dorf Mecklenburg stellt seine Schwingen auf, nicht um loszufliegen, sondern um sich auszubreiten.

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Die Federn sind detailreich gearbeitet. Vorne an seinem Sitzsockel entdecken wir eine schwarze Tafel.

 

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gestiftet von der
KYFFHÄUSER KAMERADSCHAFT
Tangstedt
17. November 1991

steht darauf. Tangstedt im schleswig-holsteinischen Kreis Storman gelegen ist die Partnergemeinde von Dorf Mecklenburg. Der Kyffhäuser Bund e.V. unterteilt sich in regionale Kyffhäuser Kameradschaften, eine davon ist die Kyffhäuser Kameradschaft Tangstedt.

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Der Kyffhäuser Bund

Der Kyffhäuserbund e.V. ist ein deutscher Soldatenbund. Er ging im Jahr 1900 aus dem Ständigen Ausschuss der vereinten deutschen Kriegerverbände für die Verwaltung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf dem Kyffhäuser hervor und wurde als Dachverband deutscher Kriegervereine gegründet.

NS-Reichskriegerbund (»Kyffhäuserbund«) e.V.: Mit der Verordnung vom 4. März 1938 wurden alle anderen Soldatenbünde in den NS-Reichskriegerbund eingegliedert. Nur die NS-Kriegsopferversorgung (NSKOV) mit ihren Sonderaufgaben für Kriegsbeschädigte blieb neben dem NS-Reichskriegerbund bestehen. Der NS-Marinebund und der Deutsche Kolonialkrieger-Bund durften ihre Namen behalten, mussten sich aber organisatorisch dem Reichskriegerbund unterstellen. Durch Führerbefehl wurde der Deutsche Reichskriegerbund »Kyffhäuser« am 4. März 1938 in NS-Reichskriegerbund »Kyffhäuser« umbenannt.

Am 3. März 1943, einen Monat nach der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad, löste Adolf Hitler den Kyffhäuserbund auf Reichsebene auf. Das Vermögen wurde der NSDAP übertragen und die weiter bestehenden lokalen Vereine, die in der Endphase des Zweiten Weltkriegs den Grundstock für die Volkssturm-Einheiten bildeten, der Partei unterstellt.

Nach 1945: Durch Kontrollratsgesetz Nr. 2 (Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen) vom 10. Oktober 1945 werden alle Organisationen und Einrichtungen, die der nationalsozialistischen Herrschaft gedient haben, »abgeschafft und für ungesetzlich erklärt«, so unter anderem auch der NS-Reichskriegerbund.

1952 begann die Wiedergründung des Verbandes mit allen Landesverbänden. Heute betont er seine Rolle als Reservisten- und Schießsportverband. Dass er sich dabei eher am rechten Rand des politischen Spektrums bewegt, macht ein Spiegel-Artikel von 1990 ansatzweise deutlich.

Wikipedia, abgerufen am 4. November 2019


DER SPIEGEL, Nr. 44, 1990, S. 85 - 89

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Die Widmung

Dieser Stein ist gesetzt zum Gedenken
unserer im Weltkriege 1914 – 18 gefallenen Helden

MP Dorf Mecklenburg Widmung web

Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

»Sie starben den Heldentod« steht auf den Denkmälern. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

Ebd. S. 33

Vier Jahre waren die Soldaten bei zunehmender Technisierung des Krieges vor allem für das maschinelle Töten zuständig. Soldaten beider Seiten harrten im Schlamm in den Schützengräben aus und mussten den Tod als etwas jederzeit Mögliches, Alltägliches hinnehmen. Diese Abstumpfung des Einzelnen thematisiert die Inschrift nicht – im Gegenteil: sie glorifiziert den heldenhaften Kampf.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. [...] Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Clemens Tangerding, Für Deutschland gestorben, Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

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Die Tafel zum 2. weltkrieg

Seit 1991 wird am Fuss des mächtigen Findlings, hinter den Ketten, auch der Opfer des 2. Weltkriegs gedacht.

MP Dorf Mecklenburg 2WK Kette web

 

Auf einer kleinen grauen Tafel steht dort mit vorangestelltem Totenkreuz:

»Den Opfern des Krieges
1939 - 1945«

Die Inschrift ist in An- und Abführungszeichen gesetzt, soll jemand zitiert werden? Sie ist umgeben von einer feinen schwarzen Linie. Die Tafel ist mit den gleichen Ziernägeln befestigt wie die große Namenstafel für die toten 1. Weltkriegssoldaten.

 

MP Dorf Mecklenburg 2WK web


Wer ist mit den »Opfern« gemeint? Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder die toten Wehrmachtssoldaten auch? Waren eben alle Opfer der »Bestie Krieg«, die ausgebrochen ist, von niemandem verschuldet und von niemandem gewollt? Nicht erfasst werden hierbei auch die Opfer des Deutschen Faschismus vor dem Krieg: Jüdinnen und Juden, der Menschen im Widerstand, Sinti und Roma, sogenannte Behinderte ...

Die »Opfer« gelten als solche von »Krieg und Gewaltherrschaft«. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können. Die Schwierigkeit, dieser Anforderung gerecht zu werden, liegt letztlich in den Dimensionen des zu erinnernden Tötens und Sterbens selbst begründet. Die »postheroische« Gesellschaft der Bundesrepublik ist ein Kind der Erfahrung, dass sich alle Versuche der Verherrlichung von Krieg und Tod 1945 endgültig desavouriert hatten.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 101

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Die Informationswand

Neben dem Denkmal steht eine überdachte Informationswand, auf der die dortigen Sehenswürdigkeiten gemalt und bezeichnet worden sind.

 

MP Dorf Mecklenburg seitlich web

 

MP Dorf Mecklenburg Infotafel web


Detailreich gezeichnet wurde auch das Kriegerdenkmal mit dem neu aufgesetzten Adler von 1991 aufgenommen. Hier wird der Opferbegriff auch auf die toten 1. Weltkriegssoldaten angewendet.

 

MP Dorf Mecklenburg Infotafel Denkmal web

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschriften
Der Stahlhelm
»Treue um Treue«
Das Umfeld
Die Dorfkirche

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Drewelow

Landkreis Vorpommern-Greifswald, Gemeinde Spantekow

Angrenzend an den Kirchhof ist auf dem Dorfanger eine für den kleinen Ort ungewöhnlich große Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs gebaut worden.

MP Drewelow Denkmal web


Der um zwei Steinstufen erhöhte halbrunde Denkmalsplatz wird von einer sechseckigen Feldsteinmauer umschlossen. Klobige Pfeiler markieren die Ecken.

 

MP Drewelow Denkmal Mitte web


In der Mitte ist die Mauer erhöht, dort ist die Namenstafel mit der Widmung für die toten Soldaten eingelassen.


MP Drewelow Helm Huebner web


Auf der Deckplatte des erhöhten Mittelteils liegt auf einem flachen rötlichen Stein, einem Präsentierkissen ähnlich, die steinerne Skulptur eines Stahlhelms.

 

     MP Drewelow Namen web

Unter dem Ehrenkranz steht die Widmung:

Unseren Gefallenen im Weltkriege
1914 – 1918
Es starben den Heldentod fürs Vaterland

Es folgen die Namen der toten Soldaten, sie sind durchnummeriert – man sieht es mit einem Blick: es sind 22. Dienstgrad, Vor- und Nachnamen werden genannt und dann streng bündig die Todestage. Zwei Soldaten werden als »Kriegsfreiwillige« betitelt, einer als »Einjähriger«. Unter den Namen folgt in größerer Schrift die Aufforderung:

Treue um Treue

 

MP Drewelow Inschrift web


Durch die schneeweiße Farbe sind alle Gravuren auf der tiefschwarze Steinplatte sehr deutlich zu sehen: ganz oben der Ehrenkranz mit wehendem Band, je zur Hälfte aus Eichenlaub bzw. aus Loorbeerzweigen. Die Früchte sind deutlich zu sehen. In der Mitte des Kranzes ist ein Eisernes Kreuz mit Krone, einem großen »W« für Wilhelm II und der Jahreszahl 1914 für seine erneute Stiftung der Kriegsauszeichnung. Ungewöhnlich ist die Öse, es ist also ein tragbares Eisernes Kreuz.

 

MP Drewelow links hinten web


Fast wie eine Burgmauer wirkt das massive Denkmal – trutzig und wehrhaft.

 

MP Drewelow rechts hinten nah web


Das Denkmal im Jahr 2007:

MP Drewelow Wikimedia Commons Chron Paul 2007 web
Foto: Wikimedia Commons / Chron Paul

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Die Inschriften

Unseren Gefallenen im Weltkriege 1914 – 1918
Es starben den Heldentod fürs Vaterland

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100


»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

»Sie starben den Heldentod« steht auf den Denkmälern. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

Ebd. S. 33

Das erste idelogische Moment des politischen Totenkults wird in historischen Untersuchungen selten angesprochen, so selbstverständlich ist es offenbar: Der tote Feind gilt nichts. Totengedenken und nationale Feindschaft gehen Hand in Hand. Die Rechtfertigung des eigenen Tötens bleibt ausgeblendet, ist immer nur implizit anwesend, als unbefragte Voraussetzung. Explizit handelt der Totenkult allein vom Sinn des Sterbens, des Sich-Opferns.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 98

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Bad Malente / Schleswig-Holstein benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.13

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»Treue um Treue«

Traditionelle Tugendbegriffe wie »Ehre« und »Treue« oder auch »Kameradschaft«, »Gehorsam« usw. sind in der Sprache des Militärs reichlich enthalten. 

»Treue« war zum Beispiel innerhalb der SS-Ideologie ein widerspruchsloser Gehorsam. Durch die Gleichsetzung der Begriffe »Treue« und »Ehre« wurde ein Treuebruch zu einem Ehrverlust. Der Begriff »Ehre« verlor dadurch seinen traditionellen moralischen Inhalt. Denn die Ehre eines Soldaten etwa, der sich aus Ehrgefühl weigern könnte, an einem Kriegsverbrechen teilzunehmen, spielte im Ehrbegriff der SS keine Rolle mehr. Es zählte allein der blinde Gehorsam.

Die Projektion der Tugendbegriffe auf den Führer hin war notwendig, um den bedingungslosen Gehorsam auch bei verbrecherischen Befehlen zu erreichen. Dies konnte man nicht durch ein Gesetz erzwingen. Es bedurfte der Freiwilligkeit des Soldaten, die durch Umdeutung traditioneller Tugendideale erreicht wurde.

nach Wikipedia, abgerufen am 16.2.2014


Im Internet können Nazi-Freunde unter dem Stichwort »Fun-Bekleidung« folgendes Hemd kaufen:

MP Hohen Viecheln Hemd web


»Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte] wird der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom ›Karfreitagsgefecht‹ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.

In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.

In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung des InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches ›Treue um Treue‹ für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.«

Die im Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:
»Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift ›Treue um Treue‹. (…) Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.«

Erlass von Heeresinspekteur Bruno Kasdorf vom 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai

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Das Umfeld

Das Leben in Drewelow hat sich nach der »Wende« sehr verändert. Dem Kriegerdenkmal gegenüber, auf der anderen Seite des Dorfangers (im Foto unten ganz links gerade noch zu sehen), steht noch das Haus in dem früher der »Konsum«, der Dorfladen, war. Er hat zugemacht.

 

MP Drewelow rechts hinten web


Das Haus links neben dem Denkmal war früher der kulturelle Mittelpunkt von Drewelow und eine beliebte Gaststätte. Es wurde von einem Mann aus den alten Bundesländern gekauft und verfällt seitdem.

 

MP Drewelow Umfeld web

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Die Dorfkirche

Drewelow ist als Angerdorf angelegt und ist aber gleichzeitig Kirchort. Die Kirche ist ein kleiner, ziegelgedeckter Bau. Sie wurde im 15. Jahrhundert aus Findlingen errichtet.

MP Drewelow mit Kirche web


MP Drewelow Kirche Wikimedia Commons Chron Paul 2007 web
Foto: Wikimedia Commons / Chron Paul

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Historisches Foto
Der Bildhauer Hans Dammann

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Friedland

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Das Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs steht auf einer nach oben zulaufenden Sockelmauer aus bunten Natursteinen. Hinauf führt eine siebenstufige Steintreppe mit Seitenmäuerchen. Auf der höheren Ebene liegt in der Mitte auf einem Podest ein übergroßer Stahlhelm mit Eichenlaub verziert, das Podest ist an der oberen Kante mit einer steinernen Lorbeergirlande geschmückt. Um das Podest ist eine halbrunde tempelartige Szene mit sechs eckigen Säulen errichtet. An den Frontsäulen sind die Reliefs von gesenkten Schwertern zu sehen, die die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs teilen, links: 19 (Schwert) 14, rechts: 19 (Schwert) 18.

Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, fordern die nachfolgenden Generationen zu Wehrhaftigkeit auf. Zitat aus der Urkunde, die im Grundstein des Kriegerdenkmals am Pinneberger Bahnhof eingelassen worden ist: »Das Ehrenmal wird an der Vorderseite ein aufrechtes Schwert tragen. Hiermit soll die Mannhaftigkeit und der Wehrwille des deutschen Mannes vor aller Welt bekundet werden.«

Die Säulen werden oben verbunden mit einem breiten Architrav – einem ruhenden Horizontalbalken – auf dem mit erhabenen Buchstaben die Inschrift steht:

Friedlands Heldensöhnen geweiht

Das Kriegerdenkmal ist ein Werk des Bildhauers Hans Dammann aus Berlin, es wurde 1926 gebaut, die Einweihung erfolgte am 10. Oktober 1926.

 

MP Friedland Ruchhoft Plau web

Foto: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

Von 1979 bis 1990 stand statt des Stahlhelms eine Urne auf dem Sockel. Der Stahlhelm als kriegerisches Symbol war entfernt worden. Einige Bürger von Friedland waren damit nicht einverstanden und vergruben ihn daraufhin heimlich hinter dem Denkmal. Am 1. März 1990 wurde der Stahlhelm ausgegraben und wieder auf den Sockel gesetzt. Die Urne musste verschwinden.

Am 16. November 1997 wurde die heutige (zweite) Gedenktafel angebracht. Die Inschrift: »Zum Gedenken der gefallenen und vermißten Soldaten sowie aller Opfer des II.Weltkrieges von 1939-1945 aus Friedland und Umgebung«.

MP Friedland heute02 web

• Foto und Information von Matthias Hübner

www.dorfkirchen-in-mv.de

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Die Inschrift

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.


Obwohl der Erste Weltkrieg so ungleich viel mehr Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.

Die häufigste Bezeichnung für die Gefallenen ist das Wort »Helden«. Dieser Begriff macht die toten Soldaten zu Vorbildern. Er passt zur Symbolik von Stahlhelm, Waffen und Eisernem Kreuz. Durch die Ergänzung des Possessivpronomens, also »unseren Helden«, soll ein persönlicher Bezug zwischen den Gefallenen und den Stiftern des Denkmals hergestellt werden.

Eine weitere, häufig verwendete Bezeichnung ist »Söhne«. Durch den Verwandtschaftsausdruck wird eine Vertrautheit hergestellt, die Gefallenen werden familiär vereinnahmt.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Historisches Foto

Ein frühes Foto des Kriegerdenkmals mit zahlreichen Kränzen, damals ist es noch umgeben von ungepflastertem Grund und Boden.

MP Friedland alt web


Auf den vier inneren Säulen scheinen die Namen der getöteten Soldaten aufgelistet zu sein.


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Der Bildhauer Hans Dammann

Hans Dammann, geboren am 16. Juni 1867 in Proskau, gestorben am 15. Juni 1942 in Berlin, war ein deutscher Bildhauer. Nach seiner Schulausbildung besuchte er die Technische Hochschule Hannover und bis 1895 die Königliche Akademie der Künste in Berlin.

             MP Friedland Hans Dammann web

Da Hans Dammann Reserveoffizier war, wurde er gleich zu Beginn des 1. Weltkriegs eingezogen. Schon nach wenigen Wochen kehrte der Hauptmann der Reserve verwundet nach Hause zurück. Er erweiterte in der Folgezeit sein bisheriges Repertoire um das Sujet des Soldatengrabmals. Genau wie bei seinen zivilen Grabdenkmälern wurden viele seiner Entwürfe teilweise leicht modifiziert oder mehrfach verwendet.

Gerade die Modelle seiner Soldatengrabmäler, die er ab 1916 erstellte, fanden in der Weimarer Republik als Kriegerdenkmäler eine Wiederverwendung.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 16.7.2015


Von Hans Dammann stammt auch das Denkmal in Glücksburg / Schleswig-Holstein

Glücksburg

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