NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denk- mäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften zerstört wurden. Aber immer noch sind heute viele hundert Krieger- denkmäler dokumentiert. Etliche von diesen waren durch die Ent- fernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Neu erschienen sind die ersten vier Bände einer ausführlichen Zusammenstellung zahlreicher Denk- und Mahnmale aus der Publikationsreihe »Der Erste Weltkrieg – Das Andenken an die Gefallenen im Weltkrieg 1914-1918« von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de). Viele unserer Fotos durften wir mit seiner freundlichen Erlaubnis übernehmen.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.


I N H A L T
Das Denkmal
»Bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus«

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Glasow

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Der Obelisk steht auf einem dreistufigen Sockel, er trägt im oberen Bereich einen Lorbeerkranz aus Metall, darunter die Inschrift:

In Dankbarkeit den gefallenen Helden

Auf der Spitze sieht man noch die Halterung auf der wahrscheinlich früher ein Adler befestigt war.

MP Glasow


Das Kriegerdenkmal steht auf der Südseite des Kirchhofs.

MP Glasow Kirche web

© Matthias Hübner/www.dorfkirchen-in-mv.de

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»Bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus«

... Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone gibt am 5. 5. 1946 die Richtlinien für die Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler heraus. Danach müssen alle Denkmäler militärischen Charakters beseitigt werden, sofern sie nicht besonderen künstlerischen Wert besitzen.

Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Kriegerdenkmälern, darin heißt es:

»Da sie als Erinnerung für die Gesamtheit der in den Kriegen Gefallenen gelten, muss jeder Eingriff mit starken Rückwirkungen auf die Bevölkerung rechnen. Zu beseitigen sind auch hier all jene Denkmäler usw. die Aufforderungen zur Rache, zum erneuten Kriegseinsatz, Verherrlichungen des Krieges usw. enthalten. Dies trifft nicht zu für Kriegerdenkmäler, die vor 1860 entstanden sind, da sie fast immer bescheiden in der Haltung sind und fast ausnahmslos einigen künstlerischen Wert besitzen. Kriegerdenkmäler nach 1918 sind fast ausnahmslos wertlos. Ihre Beseitigung ist anzuregen, falls nicht in Sonderfällen künstlerischer Rang vorliegt. Denkmäler mit künstlerischem Wert sind einem Museum zu übergeben. Die Säuberungsaktion soll als Willensausdruck breiter Schichten des Volkes vorgenommen werden.« Infolge der Richtlinien sind zunächst Listen zu erstellen gewesen. ...

Am 13. Mai 1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde herausgegeben. Das ist eine Woche nach dem Rundschreiben der Deutschen Zentralverwaltung. Hier heißt es im Abschnitt Kriegerdenkmäler:
»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.« Ebenfalls wird eine Erstellung von Listen zur Erfassung aller Kriegerdenkmäler, bevor an deren Beseitigung herangegangen wird, gefordert.

Auf Grundlage des Befehls Nr. 30 der Alliierten und der Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung sind die schon erwähnten Listen der Jahre 1946/47 entstanden.

Deren Auswertung ist bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig abgeschlossen. Es lässt sich aber feststellen, dass ca. 900 - 1000 Ehrenmale erfasst sind. Dazu kommen dann die bereits vor dem II. Weltkrieg vernichteten Kriegerdenkmäler und sicher auch noch ein Teil kleinerer Denkmäler die aus den verschiedensten Gründen nicht erfasst wurden.

Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern verschwunden. Einzelne, vor allem figürliche Denkmäler sind vernichtet oder magazinisiert worden. Im nächsten Jahrzehnt erfolgte eine Welle der Umwidmungen. Ehemalige Weltkriegsdenkmäler oder auch nur ihre stehengebliebenen Sockel werden zu VVN-, OdF- oder personellen Denkmälern.

Hier sei nur kurz auf den Nexö-Stein ›unter einem alten deutschen Baum‹ in Greifswald verwiesen. Ursprünglich der Gedenkstein des Greifswalder Infanterie Regiments (Findling) erinnert er heute an den Dichter A. Nexö. Bei günstigem Lichteinfall lassen sich aber unter der Bronzeplatte mit dem Porträt Nexös die Jahreszahlen 1914, 1918 erkennen.

Ein weiteres Beispiel für die Umwidmung eines Gefallenensteines sei hier noch eingefügt. Es gab in Kühlungsborn zwei Denkmäler für die Gefallenen des I. Weltkrieges. Bei dem in Kühlungsborn-West gelegenen dreieckigen Steinblock beseitigte man nach 1945 die Namenstafel und brachte stattdessen ein Dreieck dort an. Dieses fortan den »Opfern des Faschismus« gewidmete Denkmal wurde etwa 1972 entfernt, als in der Strandstraße in Kühlungsborn-Ost ein neues den Opfern des Nationalsozialismus gewidmetes Denkmal eingeweiht wurde. Auch dieses befindet sich an derselben Stelle wie zuvor das Denkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges, teilweise wurde das alte Material verwendet. Es handelt sich um eine etwa 8 m lange Mauer, an der eine Metallskulptur der Künstlerin Renata Ahrens angebracht wurde – ein stilisierter Vogel.

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, Seite 4-5

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I N H A L T
Das Denkmal
Das Kalendermotiv
Postkarte aus den 50er-Jahren
Die Geschichte
Mehrfach zu gebrauchen

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Gnoien

Landkreis Rostock

Vor dem Bahnhof an der Teterower Straße steht das Kriegerdenkmal für den 1.Weltkrieg. An der Spitze der Steinsäule ist an jeder Seite ein Eisernes Kreuz zu sehen, im unteren Bereich ist das Relief eines trauernden Soldaten mit Patronengürtel eingefügt. Dem Soldaten mit Stahlhelm auf dem geneigten Kopf und der rechten Hand am Herzen rutscht der lange Mantel von der Schulter. Das Denkmal ist insgesamt 450 cm hoch. Die Pflege des Denkmals übernimmt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Ortsgruppe Gnoien.

MP Gnoien ganz

Inschriften:

Unseren im Weltkriege 1914 - 1918 gefallenen Helden.

Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung.

Wanderer, neige dein Haupt in Ehrfurcht vor Tod und Tapferkeit.

 

MP Gnoien vorne    MP Gnoien Seite2

MP Gnoien Seite4    MP Gnoien Soldat

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Das Kalendermotiv

MP Gnoien Kalender web

November-Foto des Jubiläumskalenders,
herausgegeben zur »750 Jahre«-Feier von Gnoien im Jahr 2007.

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Postkarte aus den 50er-Jahren

MP Gnoien Postkarte web

Postkarte aus den 50er Jahren.
Druck: Paul Siems, Buch- und Kunsthandlung Gnoien.

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Die Geschichte

MP Gnoien Zeitung web


Dienstag, den 17. Januar 1922

Der Ausschuß zur Errichtung des Denkmals für unsere Gefallenen tagte am Freitag. Auf der Tagesordnung stand zunächst die Frage: Wie bringen und fördern wir die weiter erforderlichen Mittel, damit das Denkmal errichtet werden kann. Nach Berichterstattung des Kassiers stehen mit den noch in letzter Zeit eingegangenen Beträgen rund 17 000 Mk. zur Verfügung. Diese Summe reicht aber nicht, um ein Denkmal auszuführen, es wurde der Beschluß gefaßt, an die Körperschaften der Stadt ein Bittgesuch zu richten, zur Förderung des Denkmals eine Summe zu bewilligen. Möge solche nicht zu klein ausfallen. Sodann wurde beschlossen, am 11. Februar einen Basar größeren Stils zu veranstalten, man setzt hierauf nochmals die Hoffnung durch Unterstützung aller Bürger der Stadt, sowie der Umgegend das Werk zu vollenden. Eine Bittaktion soll ins Werk gesetzt werden, die Sachen, die zum Glücksrad, Verlosung usw. erforderlich sind, zu erbitten. Die Landbevölkerung soll gebeten werden, Lebensmittel etc. die zum Verkauf kommen sollen, zu stiften. Zur Hilfeleistung des Basars haben sich ca. 30 Damen aus der Stadt in den Dienst der Sache gestellt, denn es gilt viele Arbeit zu schaffen. Zum Schlusse sei noch erwähnt, daß geplant wird, das Stück »Anner Lüd Kinner« auch hier für diesen Zweck zur Aufführung gelangen zu lassen.

 

Donnerstag, den 20. April 1922

(Eingesandt. Die Schriftleitung lehnt die Verantwortung für den Inhalt dieser Rubrik ab)

Der Ausschuß des Krieger-Denkmals sieht sich, durch die Ausführungen mit Unterschrift »Mehrere Kriegsteilnehmer«, veranlaßt, zu der Sache Stellung zu nehmen.

Wir können wohl annehmen, daß wir unter »kleines Grüppchen« verstanden sind. Darauf sei hingewiesen, daß dieses »kleine Grüppchen« nicht nur aus Denkmalsinteressenten sondern aus Delegierten des Krieger-, Jäger-, Kriegsbeschädigten- und Männer-Turn- und Sport-Vereins besteht. Die lächerliche Auffassung von Ihnen, daß wir den Patriotismus in Erbpacht haben, erwidern wir damit, daß wir den Patriotismus nicht in Erbpacht haben, sondern im Herzen tragen.

Als Kriegsteilnehmer und alte Soldaten hätte man erwarten sollen, daß Sie Ihr Schreiben mit Ihren Namen gedeckt hätten, anstatt feige damit hinterm Berg zu halten.

Für den Denkmalsausschuß ist der Platz vor dem neuen Schulhause, der Rechte der Stadtverordneten-Versammlung gehorchend, längst vergessen und erledigt. Wir glauben behaupten zu können, daß Sie sich ganz gewaltig irren, wenn Sie meinen, die Mehrzahl der hiesigen Einwohner sei für den alten Friedhof. Wir wissen ganz genau, daß, wenn es zur Abstimmung gekommen wäre, die Mehrzahl für den Platz vor dem neuen Schulhause gestimmt hätte. Es ist auch dieses ein Zeichen, daß Sie vom Volkswillen keinen blassen Schimmer haben.

Der Denkmalsausschuß hat sich einstimmig für den Platz in den Bahnhofsanlagen entschieden mit der Begründung, daß wir unser Denkmal der Welt gegenüber nicht verstecken wollen, dieses wäre unseres Erachtens der Fall, wenn es nach dem alten Friedhof käme. Der alte Friedhof ist ein ruhiger und wir möchten sagen, wohl einer der besten Plätze mit hier in unserem Orte, aber er liegt an einem Ende der Stadt von dem sich der Verkehr mehr und mehr wegzieht. Der Hauptspaziergang der Gnoiener ist um die Koppel, nach dem Friedhof, Bahnhof und wieder zurück. Auf diesem Spazierweg ist dann manchem Gelegenheit gegeben, beim Denkmal einen Augenblick zu verweilen. Er wird es noch viel lieber tun, wenn die Stadt unsere Bitte erfüllt und den Platz durch gut angelegte gärtnerische Anlagen verschönert und durch Aufstellen von Bänken jedem ein Ausruhen ermöglicht.

Es ist recht schade, daß Sie sich nicht schon früher mit Ihren Ratschlägen gemeldet haben. Sie sind vielleicht eine stattliche Zahl und hätten auch wohl die Zeit dazu gehabt um für uns, – da wir alle, ohne Ausnahme, im täglichen Leben voll beschäftigt sind, – die schönen Findlinge zu sammeln und zusammenzutragen. Eine traurige Auffassung ist es, wenn Sie glauben, daß wir die Gefallenen durch Vergnügungen und Basare ehren wollen. Unser Dank soll bestehen in der Errichtung eines Denkmals für alle Zeiten. Alle Einwohner, Sie natürlich ausgenommen, werden wohl den Zweck unserer Veranstaltungen richtig erkannt haben.

Sie sprechen weiter von einem teuren und protzenhaften Denkmal. Hierüber scheinen Sie ganz und garnicht orientiert zu sein. Kommen Sie zu uns, wir werden Ihnen den Entwurf gerne zeigen, dann können Sie selbst urteilen, ob Sie berechtigt waren, das Wort protzenhaft zu gebrauchen. Im übrigen können wir Ihnen empfehlen, andere Städte aufzusuchen, damit Sie sehen, was diese für ihre Gefallenen getan haben. Die 15 000 Mk. hätten wir der Stadt gerne erspart, es war uns aber nicht möglich, bis zu diesem Zeitpunkt das Geld zusammenzubringen. Je länger wir mit dem Bau warten, je teurer wird er, wegen der Geldentwertung. Deswegen haben wir es mit Freuden begrüßt, daß der Bürgerausschuß uns die Summe bewilligte. Mit Ihrer »stillen Aufopferung« ist uns nicht gedient, wir müssen Taten sehen.
                                                                 Der Denkmalsausschuß


Anmerk. d. Red.: Nachdem nun genug Worte über die Denkmalsfrage gesagt worden sind und auch der Denkmals-Ausschuß zu Wort gekommen ist, so schließen wir hiermit endgültig die Debatte. Vor allen Dingen haben wir jetzt Klarheit, wo das Denkmal aufgestellt wird. Unseres Erachtens ist der Platz in den Bahnhofsanlagen nunmehr der geeignetste für das Kriegerdenkmal. Der Platz vor dem neuen Schulhause hätte sich für das Denkmal, was man zu errichten gedenkt, doch nicht so geeignet, wie derjenige in den Bahnhofsanlagen.

 

MP Gnoien Einweihung web

 

Die Ausschnitte und Zitate stammen aus der Zeitung »Bürger und Hausfreund«, Jahrgang 1922. Wir danken sehr herzlich Frau Marianne Teske von der Stadtinformation Gnoien für ihre sorgfältige und aufwendige Recherche.

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mehrfach zu gebrauchen

MP Dargun Vorderseite web

• Kriegerdenkmal in Dargun: der gleiche Soldat im anderen Umfeld

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschriften

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Gostorf

Landkreis Nordwestmecklenburg

Am 1. Mai 1922 wurde das Kriegerdenkmal in der Ortsmitte von Gostorf eingeweiht. Ein großer Findling auf einem gemauerten Feldsteinhaufen, umgeben von Kies- und Sandbetten. Oben ein aufgesetzter Stahlhelm aus Stein, darunter nach der ersten Inschrift die eingravierte Namensliste der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs. Ein früher angebrachtes Eisernes Kreuz ist entfernt worden.

Inschrift:
Ihren gefallenen Helden
von 1914-1918 gewidmet.
Gemeinde Gostorf

MP Gostorf


Unter den Namen die Inschrift:
Daß ihr Tod uns Lebende ermutet
Daß sie für Unwürdge nicht geblutet
Das beweise deutsches Vaterland

MP Gostorf Spruch 

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Die Inschriften

Diese Denkmäler sind vor allem in den 20er Jahren in zahlreichen Städten und Gemeinden errichtet worden. Sie bringen Deutungen des Kriegs und der deutschen Niederlage zum Ausdruck, die mit Heldenverehrung und Verklärung des Opfertodes für Kaiser und deutsches Vaterland sehr problematisch sind. Vielfach konnten diese Denkmäler in der Nazi-Zeit für die ideologische Einstimmung auf den 2.Weltkrieg genutzt werden. So sind sie zu stummen und gleichwohl immer noch präsenten Zeugen einer unheilvollen Geschichte geworden.

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Das Denkmal
»Für Deutschland gestorben«
Der Bibelspruch
Das Eiserne Kreuz
Das Schwert

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Groß Kiesow

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Eine seltene, farblich intensive Form für ein Kriegerdenkmal ist dieses Buntglasfenster in der Kirche von Groß Kiesow. Das Fenster wurde 1920 gestiftet. Die typischen Symbole eines Kriegerdenkmals sind vorhanden: Eisernes Kreuz und Schwert mit Palmwedeln. Dazu kommt die Darstellung des gekreuzigten Christus mit der Kommentierung:

Sei getreu bis an den Tod,
so will ich dir die Krone des Lebens geben

Im abschließenden Band unten steht:
Den gefallenen Kriegern zum Gedächtnis 1920

Beschreibung nach Matthias Hübner, www.dorfkirchen-in-mv.de

MP Gr Kiesow

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Zitate aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

Für Deutschland gestorben

Von Clemens Tangerding

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...
Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu:
»Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

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Der Bibelspruch

Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Offenbarung 2, 10b

Dieser Vers steht im letzten Buch der Bibel, der so genannten Offenbarung des Johannes. Der Seher Johannes bekommt von Gott den Auftrag, diesen Satz in einem Brief an eine christliche Gemeinde zu schreiben. Die Offenbarung wurde in der Zeit der ersten Christenverfolgungen geschrieben.


Christliche Analogien sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben und ihn als »Opfertod« verklären. »Kriege, in denen planvoll getötet und grausam gestorben wird, fordern die Sinnstiftungsleistung des Kollektivs der Überlebenden auf ganz besondere Weise heraus.« (Kaiser 2010, Seite 12)

In Deutschland war die Trauer um die getöteten Soldaten gleichzeitig verbunden mit der Erinnerung an eine Niederlage. Das Kriegserlebnis wurde zu einem Mythos geformt, der das Sinnhafte des Kampfes und der Opfer hervorheben sollte:

»Die Erinnerung an den Krieg wurde zu einem heiligen Erlebnis umgedeutet, das der Nation eine neue Tiefe der religiösen Empfindung gab und überall präsente Heilige und Märtyrer, Stätten nationaler Andacht und ein zum Nacheifern aufforderndes Erbe lieferte.« (Mosse, 13) Der Gefallenenkult wurde zu einem zentralen Bestandteil nationaler Selbstdarstellung und entwickelte besonders in Deutschland eine gewaltige politische Wirkung.

Christian Lopau, 2017, Vortrag im Ratzeburger Dom im Begleitprogramm der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?«

www.nordkirche-nach45.de

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Das Eiserne Kreuz

In der Darstellung in Groß Kiesow ist es mit Krone, großem »W« für Kaiser Wilhelm II und der Jahreszahl 1914 gearbeitet worden. Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5. Juni 2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Das Schwert

Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, fordern die nachfolgenden Generationen zu »Mannhaftigkeit und Wehrwillen« auf.

Zitat aus der Urkunde, die im Grundstein des Kriegerdenkmals am Pinneberger Bahnhof eingelassen worden ist:

»Das Ehrenmal wird an der Vorderseite ein aufrechtes Schwert tragen. Hiermit soll die Mannhaftigkeit und der Wehrwille des deutschen Mannes vor aller Welt bekundet werden.«

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Das Denkmal
Die Einweihung 1920
Fotos Mitte der 90er-Jahre

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Kummer

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Auf einem zentralen Platz in Kummer befinden sich Stele für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs und Findling für die Opfer des 2.Weltkriegs. Es wurde 1920 eingeweiht.

MP Kummer gesamt

Inschriften oben auf der Stele:
1914 -1918 / Ihren gefallenen / Helden / aus der Gemeinde / Kummer / in Dankbarkeit / gewidmet.

In der Spitze der Stele ein Medallion mit gesenktem Schwert umgeben von Lorbeerzweigen.

MP Kummer Schwert


Auf dem Sockel:
Helden,
gefallen im Ringen Deutschlands
um Ehre und Sein,
nie wird ihr Name verklingen
heilig soll er uns sein.

               MP Kummer Spruch

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Die Einweihung 1920

               MP Kummer 1920

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Fotos Mitte der 90er-Jahre

Die damalige Kunstgeschichtsstudentin Margrit Schimanke fuhr durch Mecklenburg-Vorpommern und fotografierte Denkmäler für ihre Promotionsarbeit. Auch dieses, vielen Dank dafür!

 

             MP Kummer2 1995 Schimanke web

             MP Kummer 1995 Schimanke web

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Das Denkmal
Die Wallfahrtskapelle
Ein Foto aus dem Jahr 1995
Die Kirche St. Maria und Johannes

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Levenhagen

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Neben der Kirche befindet sich die Marienkapelle, eine ehemalige Wallfahrtskapelle. Sie gilt als die kleinste in Nordeuropa über die Reformation hinaus erhaltene freistehende Kapelle aus dem Mittelalter. In der Marienkapelle erinnern seit 1922 Gedenktafeln an die örtlichen Opfer des 1. Weltkriegs. In den Jahren nach 1922 war die Marienkapelle auch von aussen zu einem Kriegerdenkmal geworden:

MP Levenhagen 1.WK web

Im vermauerten Spitzbogenfenster war zur Straße hin das Relief eines halb knienden Soldaten in Uniform, Koppel und Stahlhelm eingesetzt. Über einem Bein hielt er ein Tuch, möglicherweise eine abgenommene Fahne. Darunter auf einer separaten Steinplatte ein Lorbeerkranz, darüber auf weißem Grund die Widmung, an beiden Seiten verziert mit einem zarten dreiblättrigen Kleeblatt:

Unseren Gefallenen

Bis heute ist die Wallfahrtskapelle als Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs eingerichtet.

              MP Levenhagen Ruckseite Assenmacher web

              Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons


Innen im Spitzbogenfenster, also auf der Rückseite des früheren Soldatenreliefs, hängt ein Spruchbild mit dem Psalm 50:15:
Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen

Die schwarze Ablage mit der Aufschrift:
Ich will euch trösten

trägt einen Topf mit Stoffmargeriten und ein Bild von einem Weinenden. Auf beiden Seiten stehen auf dem Boden Holztafeln mit den Namen der toten Soldaten, geordnet nach ihren Heimatgemeinden. Die Fotos sind 2012 gemacht worden.

MP Levenhagen Innen Assenmacher web

Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons

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Die Wallfahrtskapelle


MP Levenhagen 2012 C.Loser web

Foto: C. Löser / Wikimedia Commons


Die 3 m² große Marienkapelle im Eingangsbereich des Friedhofs stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Früher war die Kapelle im Inneren mit einem Marienbild geschmückt. Levenhagen zählte spätestens seit dem 14. Jahrhundert bis zur Reformation zu den pommerschen Wallfahrtsorten mit Marientradition. Besondere Heilkraft soll Blinden und Lahmen zuteilgeworden sein. Darüber sind Sagen in Erinnerung geblieben, deren früheste Aufzeichnungen ins 18. Jahrhundert reichen. Die Volksfrömmigkeit setzte die Tradition der Levenhäger Marienkapelle als eines Heilungsortes bis ins 17. Jahrhundert fort. Unter der kirchlichen Obrigkeit erregte das seit dem frühen 17. Jahrhundert Anstoß. 1633 wurde der evangelische Pastor angehalten, »das Götzenbild in der Capelle, dazu sich aus der frembde und nehe Leute finden und abergleubische opfer brengen sollen« in aller Stille wegzuräumen. Doch die Tradition der Kapellenwallfahrt blieb offenbar im Volk lebendig und lässt sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in Form regelmäßiger Votiv- und Münzgaben nachweisen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 24.9.2015

MP Levenhagen von der Strasse Assenmacher web

Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons

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Ein Foto aus dem Jahr 1995

MP Levenhagen 1995 web


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Die Kirche St. Maria und Johannes

Sie ist ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes spätgotisches Kirchengebäude. Im Innenraum findet sich ein Kreuzrippengewölbe und ornamentale Gewölbemalerei aus der Zeit um 1500. Spätgotische Gewölbemalereien wurden 1965 bei Renovierungsarbeiten freigelegt. Das nach der Reformation vermauerte riesige Westportal sowie die eigentümlichen Seitenkapellen am Hauptschiff deuten auf die Bedeutung als Wallfahrtskirche hin. Einige der protestantischen Holzeinbauten wurden in den 1960er Jahren beseitigt. Das betrifft die Kanzel aus dem 19. Jahrhundert, die Westempore einschließlich der 1874 vom Berliner Orgelbaumeister F. Dinse errichteten Orgel, und das barocke Kastengestühl. Seltenheitswert hat die zwölfeckige Tauffünte aus gotländischem Kalkstein, die mit Ritzzeichnungen der Zwölf Apostel aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verziert ist. Das heutige Gestühl stammt aus der 1980 verkauften Kapelle in Alt Ungnade.

 

MP Levenhagen Kirche Schiwago web

Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

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I N H A L T
Das Denkmal
Früher war der Vogel golden

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Liepe, Gemeinde Rankwitz

Landkreis Ostvorpommern

Das Kriegerdenkmal ist in einer Fensternische der Kirche angebracht. Die St.-Johannes-Kirche in Liepe ist die älteste urkundlich bezeugte Kirche auf Usedom.

MP Liepe Kirche web

© Matthias Hübner/www.dorfkirchen-in-mv.de


Das Denkmal besteht aus drei Tafeln aus Gußeisen. Oben sitzt ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen – sie haben eine Spanne von 80 cm – und grimmigem Blick als Relief.

Inschrift: 1914   1918

 

MP Liepe Adler

 

Beide Namenstafeln zeigen unten ein Eisernes Kreuz.

Inschriften über den Namen
Links: Unseren Gefallenen Helden zur Ehre
Rechts: Die für Deutschlands Auferstehung starben

MP Liepe

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Früher war der Vogel golden

MP Liepe 1995 Schimanke web

• Bild von 1995, als die damalige Kunstgeschichtsstudentin Margrit Schimanke durch Mecklenburg-Vorpommern fuhr und Denkmäler für ihre Promotion fotografierte. Herzlichen Dank dafür!

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I N H A L T
Das Denkmal
Vor mehr als 20 Jahren
Postkarte aus dem Jahr 1930

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Liepgarten

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Ein Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs, das in Form und Farbe auffällt. 1925 wurde es errichtet, zeitlich zwar nach den Gründerzeithäusern, von denen es noch mehr als zwanzig im Dorf gibt, aber doch im Stil angepasst. Auf einem leicht erhöhten Platz, der von einer runden Natursteinmauer eingefasst wird, erhebt es sich in vielen Stufen. Die Zementblöcke sind geschmückt: der unterste mit vertieften weißen Schriftflächen für die Widmung auf der Frontseite:

Unseren Heimatsöhnen zum Gedächtnis

und für die Namen der toten Soldaten ringsherum. Der mittlere Block trägt die Reliefs von  Symbolen des Kriegs und des Kriegstods: das Schwert ist durch den Helm gestossen, die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, Lorbeerkranz und Eichenlaub. Darüber liegen an den Ecken Kanonenkugeln, dazwischen schmückende Girlanden. Oben schließlich wird an vier Seiten das Eiserne Kreuz am Bande gezeigt, gekrönt von einem »drohenden« Adler.

 

            MP Liepgarten gesamt web


Seitlich kann man über vierstufige Treppen den Denkmalsplatz betreten.

MP Liepgarten Detail web

Fotos: Matthias Hübner, www.dorfkirchen-in-mv.de

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Vor mehr als 20 Jahren

1995 ist Margrit Schimanke kreuz und quer durch Mecklenburg gefahren, um Informationen und Fotos für ihr Promotionsvorhaben über Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern zu sammeln. Sie sah das Denkmal noch ganz ohne seine kriegerischen Utensilien, die waren sicher nach 1945 entfernt worden.

MP Liepgarten 1995 Schimanke web

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PostKarte aus dem Jahr 1930

            MP Liepgarten Karte1 web

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I N H A L T
Das Denkmal
Bericht eines Besuchers
Die Einweihung
Aus der Chronik von Lubmin
Das Eiserne Kreuz

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Lubmin

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Ein großer kantiger Stein steht auf einem Berg aus Feldsteinen auf der Wiese neben der Dorfkirche an der Freester Straße. Oben ein Eisernes Kreuz, in der Mitte ein Helm mit Eichenlaub, Lorbeerzweig und Dolch. Das Denkmal ist 240 cm hoch und an der Basis 117 cm breit. An den vier Ecken des Feldsteinberges stehen zusätzliche Steine, zwei davon mit Inschrift. Für den 2. Weltkrieg wurde eine Zusatztafel, ohne Namen, davor gelegt.

Inschrift:
Die dankbare Gemeinde Lubmin ihren im Weltkrieg 1914 - 1918 gefallenden Helden

Linker Eckstein:
Für uns
Habt Ihr gestritten

Rechter Eckstein:
Schmerz,
Leiden, Wunden, Tod erlitten

2. Weltkrieg:
Zum Gedenken der Toten des 2. Weltkrieges 1939 – 1945 und seiner Folgen als Mahnung für Frieden und gegen Gewalt

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Bericht eines Besuchers

Direkt neben der kleinen Petri-Kirche steht ein Denkmal, dass an die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg erinnert. Auf eine Steintafel sind diejenigen aufgelistet, die im Krieg gestorben sind. Darunter hat man in Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges eine weitere Tafel angefertigt.

Doch wie soll man einen solchen Ort bewerten? Das Denkmal ist ein wenig ungepflegt und Blumen hat hier offenbar auch schon lange niemand mehr abgelegt. Selbst ein Hinweisschild sucht man vergebens und wenn man nicht durch den kleinen Kiefernwald geht, findet man es vermutlich gar nicht.

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Die Einweihung

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• Die Weihefeier fand am 28. September 1924 statt

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Aus der Chronik von Lubmin

Aufgeschrieben 1995: »Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde in Lubmin der »Vaterländische Kriegerverein« gegründet. Mitglied durfte nur werden, wer persönlich an diesem unseligen Krieg teilgenommen hatte. Der Vorsitzende war Paul Radike. Seine vorrangige Aufgabe war es, sich für die Kriegsopferversorgung einzusetzen, das heißt, dafür Sorge zu tragen, daß die Kriegerwitwen ihre Hinterbliebenenrente und die Kriegsversehrten ihre Invalidenrente erhielten. Die Renten sollen sehr gering gewesen sein.

Die Ehrung der Gefallenen wurde durch die Errichtung des Kriegerdenkmals, an der heutigen Kirche, vorgenommen. Die Weihefeier fand am 28. September 1924 statt.

1. Redner war Dr. von Hansen aus Lubmin
2. Redner war der Gemeindevorsteher Lubmins, August Bendt
3. Redner war Pastor Obenaus aus Wusterhusen.

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Die Inschriften sind schon sehr verwittert und nur noch schwer lesbar.

Am 5. November 1933 fand die »Weihe der Gedächtnistafeln für die im Weltkrieg gefallenen der Kirchengemeinde Wusterhusen« statt. Mitwirkende des feierlichen Programms waren:
Sopran: E. Badekow aus Lubmin, Alt: Frau Lindow aus Lubmin, Violine u. Orgel: Pastor Häußler u. Frau, Orgel u. Chorleitung: Kantor Kölzow, der Kirchenchor der Kirchengemeinde Wusterhusen.

Eine Ehrung für die deutschen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges (1939 bis 1945) hat es in Ostdeutschlan niemals gegeben. Es gibt auch keine namentliche Auflistung der Gefallenen. In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wurden nur die gefallenen sowjetischen Soldaten geehrt, die noch in den letzten Kriegstagen in unserer Umgebung sinnlos ihr Leben lassen mußten. Jedes Jahr am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, legte eine Abordnung von deutschen Parteigenossen der Sozialistischen Einheitspartei (SED) auf dem Ehrenfriedhof in Greifswald auf dem die sowjetischen Soldaten ruhen, Kränze und Blumen nieder. Dies geschah in allen anderen Städten Ostdeutschlands am 8. Mai ebenfalls.

Die gefallenen deutschen Soldaten galten in Ostdeutschlan fast als Kriegsverbrecher, weil Deutschland diesen schrecklichen Krieg, der soviel Leid über Millionen von Menschen in Europa gebracht hatte, entfachte.

Aber die deutschen Frauen und Mütter, die ihre Männer, Söhne und Brüder in diesem Krieg verloren hatten, sagten vergrämt, daß auch ihre Männer nur auf Befehl gehandelt hatten.

Eine Rente hatten die ostdeutschen Frauen niemals erhalten. Mit einer Halbwaisenrente von anfangs fünf Mark, in späteren Jahren bis etwa zwanzig Mark je Kind, mußten sie ihre Kinder ernähren und kleiden.«

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Das Eiserne Kreuz

Auf dem Lubminer Denkmal ist es mit Krone, großem »W« für Kaiser Wilhelm II und der Jahreszahl 1914 gearbeitet worden. Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5. Juni 2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Einweihung des »Heldenhains«
Postkarte zur Einweihung

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Lübz

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Der große Findling auf einem Steinhügel im Buchenwald trägt die Aufschrift:

Den Gefallenen im Weltkriege 1914–18

Ein großer aufsteigender Adler, der gerade noch eine Weltkugel in den Krallen hat und mit ihr davon fliegen will, krönte bis 1945 den Stein, dann wurde er entfernt.

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Der Kriegerdenkmal wurde als Mittelpunkt eines »Heldenhains« am 19. Oktober 1924 eingeweiht. 143 Lübzer Soldaten sind im 1. Weltkrieg getötet worden, vielleicht liegt der große Findling auf 143 kleinen Feldsteinen? Aus dem Gedenkblatt zur Einweihung geht hervor, dass für jeden getöteten Soldaten ein Gedenkstein vorgesehen war, dort sind die Soldaten mit der Nummer ihres Steins aufgeführt.

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Einweihung des »Heldenhains«

Im Gedenkblatt mit dem Motto: »Vergiss mein Volk, die treuen Toten nicht«, einer Zeile aus Theodor Körners Gedicht »Aufruf«, wird zur Einweihung des »Heldenhains« geschrieben:

143 unserer Söhne und Brüder sind ein Opfer des Weltkrieges geworden und liegen in fremden Landen gebettet. Da die liebende Hand ihre letzte Ruhestätte nicht zu erreichen vermag um sie zu behüten und zu bewahren und die Hügel zu pflegen, und um der Vielen, die an unbekannten Orten starben zu gedenken, wollen wir diesen Platz der Erinnerung unseren lieben Angehörigen weihen. ...

»Ein Volk, das seine Toten ehrt«, überwindet die herben Vorurteile von Gefühllosigkeit und Barbarentum, die eine ganze Welt gegen uns geschleudert und wird daraus die Kraft schöpfen, in schwerer Zeit voll niederdrückender Sorgen den Weg zum neuen Leben, zum hellen Tage zu suchen ...

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Hier können Sie das vollständige Gedenkblatt vom 19. Oktober 1924 ansehen:

Gedenkblatt


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Postkarte zur Einweihung

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Wir danken sehr herzlich Margrit Schimanke, die uns all diese Dokumente zur Verfügung gestellt hat.

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte

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Lübstorf

Landkreis Nordwestmecklenburg

Das Denkmal in einer Anlage hinter dem Bahnhof hat eine außergewöhnliche Form: ein in die Erde gestoßenes überdimensional großes Schwert. Es trägt keine Inschriften. Nach dem 2.Weltkrieg wurden die beiden Steinquader an den Seiten ergänzt, sie haben an den Vorderseiten weiße Tafeln mit den Aufschriften:

Rechts: Nie wieder Krieg

Links: Gedenket der Toten

 

MP Lubstorf

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• Im Herbst: Foto von Ulrike Waldraff/Amt Lützow-Lübstorf

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Die Geschichte

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