NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T
Das Denkmal
Die Wallfahrtskapelle
Ein Foto aus dem Jahr 1995
Die Kirche St. Maria und Johannes

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Levenhagen

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Neben der Kirche befindet sich die Marienkapelle, eine ehemalige Wallfahrtskapelle. Sie gilt als die kleinste in Nordeuropa über die Reformation hinaus erhaltene freistehende Kapelle aus dem Mittelalter. In der Marienkapelle erinnern seit 1922 Gedenktafeln an die örtlichen Opfer des 1. Weltkriegs. In den Jahren nach 1922 war die Marienkapelle auch von aussen zu einem Kriegerdenkmal geworden:

MP Levenhagen 1.WK web

Im vermauerten Spitzbogenfenster war zur Straße hin das Relief eines halb knienden Soldaten in Uniform, Koppel und Stahlhelm eingesetzt. Über einem Bein hielt er ein Tuch, möglicherweise eine abgenommene Fahne. Darunter auf einer separaten Steinplatte ein Lorbeerkranz, darüber auf weißem Grund die Widmung, an beiden Seiten verziert mit einem zarten dreiblättrigen Kleeblatt:

Unseren Gefallenen

Bis heute ist die Wallfahrtskapelle als Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs eingerichtet.

              MP Levenhagen Ruckseite Assenmacher web

              Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons


Innen im Spitzbogenfenster, also auf der Rückseite des früheren Soldatenreliefs, hängt ein Spruchbild mit dem Psalm 50:15:
Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen

Die schwarze Ablage mit der Aufschrift:
Ich will euch trösten

trägt einen Topf mit Stoffmargeriten und ein Bild von einem Weinenden. Auf beiden Seiten stehen auf dem Boden Holztafeln mit den Namen der toten Soldaten, geordnet nach ihren Heimatgemeinden. Die Fotos sind 2012 gemacht worden.

MP Levenhagen Innen Assenmacher web

Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons

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Die Wallfahrtskapelle


MP Levenhagen 2012 C.Loser web

Foto: C. Löser / Wikimedia Commons


Die 3 m² große Marienkapelle im Eingangsbereich des Friedhofs stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Früher war die Kapelle im Inneren mit einem Marienbild geschmückt. Levenhagen zählte spätestens seit dem 14. Jahrhundert bis zur Reformation zu den pommerschen Wallfahrtsorten mit Marientradition. Besondere Heilkraft soll Blinden und Lahmen zuteilgeworden sein. Darüber sind Sagen in Erinnerung geblieben, deren früheste Aufzeichnungen ins 18. Jahrhundert reichen. Die Volksfrömmigkeit setzte die Tradition der Levenhäger Marienkapelle als eines Heilungsortes bis ins 17. Jahrhundert fort. Unter der kirchlichen Obrigkeit erregte das seit dem frühen 17. Jahrhundert Anstoß. 1633 wurde der evangelische Pastor angehalten, »das Götzenbild in der Capelle, dazu sich aus der frembde und nehe Leute finden und abergleubische opfer brengen sollen« in aller Stille wegzuräumen. Doch die Tradition der Kapellenwallfahrt blieb offenbar im Volk lebendig und lässt sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in Form regelmäßiger Votiv- und Münzgaben nachweisen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 24.9.2015

MP Levenhagen von der Strasse Assenmacher web

Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons

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Ein Foto aus dem Jahr 1995

MP Levenhagen 1995 web


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Die Kirche St. Maria und Johannes

Sie ist ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes spätgotisches Kirchengebäude. Im Innenraum findet sich ein Kreuzrippengewölbe und ornamentale Gewölbemalerei aus der Zeit um 1500. Spätgotische Gewölbemalereien wurden 1965 bei Renovierungsarbeiten freigelegt. Das nach der Reformation vermauerte riesige Westportal sowie die eigentümlichen Seitenkapellen am Hauptschiff deuten auf die Bedeutung als Wallfahrtskirche hin. Einige der protestantischen Holzeinbauten wurden in den 1960er Jahren beseitigt. Das betrifft die Kanzel aus dem 19. Jahrhundert, die Westempore einschließlich der 1874 vom Berliner Orgelbaumeister F. Dinse errichteten Orgel, und das barocke Kastengestühl. Seltenheitswert hat die zwölfeckige Tauffünte aus gotländischem Kalkstein, die mit Ritzzeichnungen der Zwölf Apostel aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verziert ist. Das heutige Gestühl stammt aus der 1980 verkauften Kapelle in Alt Ungnade.

 

MP Levenhagen Kirche Schiwago web

Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

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I N H A L T
Das Denkmal
Früher war der Vogel golden

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Liepe, Gemeinde Rankwitz

Landkreis Ostvorpommern

Das Kriegerdenkmal ist in einer Fensternische der Kirche angebracht. Die St.-Johannes-Kirche in Liepe ist die älteste urkundlich bezeugte Kirche auf Usedom.

MP Liepe Kirche web

© Matthias Hübner/www.dorfkirchen-in-mv.de


Das Denkmal besteht aus drei Tafeln aus Gußeisen. Oben sitzt ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen – sie haben eine Spanne von 80 cm – und grimmigem Blick als Relief.

Inschrift: 1914   1918

 

MP Liepe Adler

 

Beide Namenstafeln zeigen unten ein Eisernes Kreuz.

Inschriften über den Namen
Links: Unseren Gefallenen Helden zur Ehre
Rechts: Die für Deutschlands Auferstehung starben

MP Liepe

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Früher war der Vogel golden

MP Liepe 1995 Schimanke web

• Bild von 1995, als die damalige Kunstgeschichtsstudentin Margrit Schimanke durch Mecklenburg-Vorpommern fuhr und Denkmäler für ihre Promotion fotografierte. Herzlichen Dank dafür!

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I N H A L T
Das Denkmal
Vor mehr als 20 Jahren
Postkarte aus dem Jahr 1930

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Liepgarten

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Ein Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs, das in Form und Farbe auffällt. 1925 wurde es errichtet, zeitlich zwar nach den Gründerzeithäusern, von denen es noch mehr als zwanzig im Dorf gibt, aber doch im Stil angepasst. Auf einem leicht erhöhten Platz, der von einer runden Natursteinmauer eingefasst wird, erhebt es sich in vielen Stufen. Die Zementblöcke sind geschmückt: der unterste mit vertieften weißen Schriftflächen für die Widmung auf der Frontseite:

Unseren Heimatsöhnen zum Gedächtnis

und für die Namen der toten Soldaten ringsherum. Der mittlere Block trägt die Reliefs von  Symbolen des Kriegs und des Kriegstods: das Schwert ist durch den Helm gestossen, die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, Lorbeerkranz und Eichenlaub. Darüber liegen an den Ecken Kanonenkugeln, dazwischen schmückende Girlanden. Oben schließlich wird an vier Seiten das Eiserne Kreuz am Bande gezeigt, gekrönt von einem »drohenden« Adler.

 

            MP Liepgarten gesamt web


Seitlich kann man über vierstufige Treppen den Denkmalsplatz betreten.

MP Liepgarten Detail web

Fotos: Matthias Hübner, www.dorfkirchen-in-mv.de

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Vor mehr als 20 Jahren

1995 ist Margrit Schimanke kreuz und quer durch Mecklenburg gefahren, um Informationen und Fotos für ihr Promotionsvorhaben über Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern zu sammeln. Sie sah das Denkmal noch ganz ohne seine kriegerischen Utensilien, die waren sicher nach 1945 entfernt worden.

MP Liepgarten 1995 Schimanke web

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PostKarte aus dem Jahr 1930

            MP Liepgarten Karte1 web

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I N H A L T
Das Denkmal
Der Heldentod
Das Eiserne Kreuz
Historische Fotos
Frischer Wind in Lohmen

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Lohmen

Landkreis Rostock

Inmitten einer großen Wiese vor der Feldsteinmauer, die den Kirchhof umgibt, ist ein kleiner Denkmalsplatz für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs gestaltet worden.

MP Lohmen mit Kirche web


Konträr zur Botschaft des Denkmals bietet es in seiner Form und Farbe ein sehr harmonisches Bild vor der alten Dorfkirche von Lohmen.

 

MP Lohmen Denkmal web


Das kleine Feld aus alten Pflastersteinen vor dem Denkmal, die hübsche Bank und die verschiedenen Gehölze, die angepflanzt wurden – alles schön gestaltet.

 

MP Lohmen Denkmal naeher web


Der Sockel des Denkmalsteins besteht aus überraschend unterschiedlich großen und geformten Steinen. Die Farbwelt Grau-Weiß-Terrakotta ergibt jedoch wieder ein harmonisches Ganzes. Geschickt vermauert halten sie die rötliche Granitplatte, die grob umrissen ein hohes Dreieck mit runden Spitzen formt.

 

MP Lohmen Tafel web


Auf der polierten Frontseite werden nun in zwei Spalten die Namen von 42 toten Soldaten aufgezählt. Es werden die Vornamen, oft abgekürzt, die Nachnamen und die Sterbetage genannt. Geordnet sind die Namen nach Herkunftsort: Alten- u. Nienhagen (5), Groß u. Kl. Breesen (3), Garden (2), Gerdshagen (8), Lohmen (13), Oldenstorf (4), Suckwitz (2) und Kl. Upahl (5). Innerhalb der Ortschaften werden die Männer nach Sterbetag aufgezählt.

 

MP Lohmen oben web


Unter einem schlichten Eisernen Kreuz, dem militärischen Ehrenzeichen seit den Befreiungskriegen, lesen wir die Inschrift:

Im Weltkriege 1914 – 18
starben den Heldentod:

 

MP Lohmen Schrift web


Die schnörkellose Schrifttype wurde vom Graveur mit einigen raffinierten Varianten ausgestattet.

 

MP Lohmen hinten web


Die schlichte Rückseite des Denkmals.

 

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Der Heldentod

Vier Jahre waren die Soldaten bei zunehmender Technisierung des Krieges vor allem für das maschinelle Töten zuständig. Soldaten beider Seiten harrten im Schlamm in den Schützengräben aus und mussten den Tod als etwas jederzeit Mögliches, Alltägliches hinnehmen. Diese Abstumpfung des Einzelnen thematisiert die Inschrift nicht – im Gegenteil: sie glorifiziert den heldenhaften Kampf. »Sie starben den Heldentod« steht dann auf den Denkmälern. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten des 1. Weltkriegs für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.


Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen. Durch diese »Opferhelden« werden bestimmte Werte, die dieser Held verkörperte erhöht und für die Gesellschaft als besonders erstrebenswert definiert, wie z.B. die Opferbereitschaft, »Vaterlandsliebe«, Mut, Furchtlosigkeit. Im Gegenzug lässt sich gleichfalls nicht heldisches Benehmen erkennen: Zögern, Zaudern, Furcht, Illoyalität usw. Durch den universellen Anspruch des Heldengedenkens wird die »Leistung für das Gemeinwesen« anerkannt und wirkt fortan als Vorbild, was zur Militarisierung der Gesellschaft beiträgt (Opferheldenverehrung des 1. WK trug zu Militarisierung im Zuge des 2. W.K. bei). »Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.« (Kurt Tucholsky)

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege


Als wir etwas sehen konnten und Zeit zum Nachdenken hatten, wurde mir langsam klar, was für ein schreckliches Szenario sich hier abgespielt hatte. Wir dachten an Begriffe wie »Ehre« und »Ruhm«, die so viele Menschen in ihrer Unwissenheit mit dem Krieg in Verbindung bringen. Sie hätten die Decks der SMS »Broke« am 1. Juni 1916 um 4 Uhr morgens sehen sollen. Da hätten sie gesehen, wie der »Ruhm« und die »Ehre« tatsächlich aussahen. Achtundvierzig unserer Männer waren gefallen und die meisten waren so zugerichtet, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen waren. Weitere vierzig waren sehr schwer verwundet. Ungefähr fünf Stunden lang versuchten wir, alle unsere toten Kameraden zu finden, sie von dem halbzerstörten Mannschaftsdeck zu schleifen und ihre Leichen über Bord zu werfen, damit sie in der tiefen See ihre letzte Ruhe finden konnten. Das waren die »Ehre« und der »Ruhm«, die uns zuteil wurden. Es kommt einem vor wie ein Massenmord. Man fragt sich, wie die Menschen diese Kühnheit aufbringen konnten. Hätten wir nur einmal kurz überlegt, auf was wir uns da einlassen, wären wir niemals in den Krieg gezogen.

• Telegraphist J. Croad, SMS »Broke« in Seeschlacht ohne Sieger, Skagerrak – Jutland 1916. Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven, HG. Stephan Huck


Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

     EK 1940 Die Woche 360px web

Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

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Historische Fotos

Auf dem Foto, das etwa 1940 aufgenommen wurde, sehen wir die kleine Denkmalanlage eingefriedet mit einem weißen Holzlattenzaun.

 

MP Lohmen ca 1940 web

 

Im Jahr 2011 entstand das nächste Foto: Das Denkmal ohne Zaun, aber die Reste der Wegbegrenzung von Zaun zum Stein sind noch zu sehen und sehr gelbe Forsythienbüsche blühen an den Seiten.

 

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Foto: Wikimedia Commons / Niteshift

 

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Frischer Wind in Lohmen

Heldentod und Eisernes Kreuz? Das will so gar nicht passen zu den heutigen aktiven und friedensbewegten Menschen in Lohmen!

Lesen Sie dazu die ersten vier Seiten des Gemeindeboten, den Pastor Jonas Görlich verantwortet.


Gemeindebote Herbst & Winter 2019, Seite 1-4


Antrittsartikel im Güstrower Anzeiger


Auch die politische Gemeinde mit Bürgermeister Bernd Dikau möchte einer lebenswerten Zukunft den Weg bereiten. Lesen Sie über die Aktivitäten in Lohmen auf der Website von »Zukunftskommunen«


Lohmen bei »Zukunftskommunen«

 

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I N H A L T
Das Denkmal
Bericht eines Besuchers
Die Einweihung
Aus der Chronik von Lubmin
Das Eiserne Kreuz

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Lubmin

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Ein großer kantiger Stein steht auf einem Berg aus Feldsteinen auf der Wiese neben der Dorfkirche an der Freester Straße. Oben ein Eisernes Kreuz, in der Mitte ein Helm mit Eichenlaub, Lorbeerzweig und Dolch. Das Denkmal ist 240 cm hoch und an der Basis 117 cm breit. An den vier Ecken des Feldsteinberges stehen zusätzliche Steine, zwei davon mit Inschrift. Für den 2. Weltkrieg wurde eine Zusatztafel, ohne Namen, davor gelegt.

Inschrift:
Die dankbare Gemeinde Lubmin ihren im Weltkrieg 1914 - 1918 gefallenden Helden

Linker Eckstein:
Für uns
Habt Ihr gestritten

Rechter Eckstein:
Schmerz,
Leiden, Wunden, Tod erlitten

2. Weltkrieg:
Zum Gedenken der Toten des 2. Weltkrieges 1939 – 1945 und seiner Folgen als Mahnung für Frieden und gegen Gewalt

MP Lubmin gesamt

 

MP Lubmin nah

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Bericht eines Besuchers

Direkt neben der kleinen Petri-Kirche steht ein Denkmal, dass an die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg erinnert. Auf eine Steintafel sind diejenigen aufgelistet, die im Krieg gestorben sind. Darunter hat man in Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges eine weitere Tafel angefertigt.

Doch wie soll man einen solchen Ort bewerten? Das Denkmal ist ein wenig ungepflegt und Blumen hat hier offenbar auch schon lange niemand mehr abgelegt. Selbst ein Hinweisschild sucht man vergebens und wenn man nicht durch den kleinen Kiefernwald geht, findet man es vermutlich gar nicht.

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Die Einweihung

MP Lubmin Einweihung web

• Die Weihefeier fand am 28. September 1924 statt

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Aus der Chronik von Lubmin

Aufgeschrieben 1995: »Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde in Lubmin der »Vaterländische Kriegerverein« gegründet. Mitglied durfte nur werden, wer persönlich an diesem unseligen Krieg teilgenommen hatte. Der Vorsitzende war Paul Radike. Seine vorrangige Aufgabe war es, sich für die Kriegsopferversorgung einzusetzen, das heißt, dafür Sorge zu tragen, daß die Kriegerwitwen ihre Hinterbliebenenrente und die Kriegsversehrten ihre Invalidenrente erhielten. Die Renten sollen sehr gering gewesen sein.

Die Ehrung der Gefallenen wurde durch die Errichtung des Kriegerdenkmals, an der heutigen Kirche, vorgenommen. Die Weihefeier fand am 28. September 1924 statt.

1. Redner war Dr. von Hansen aus Lubmin
2. Redner war der Gemeindevorsteher Lubmins, August Bendt
3. Redner war Pastor Obenaus aus Wusterhusen.

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Die Inschriften sind schon sehr verwittert und nur noch schwer lesbar.

Am 5. November 1933 fand die »Weihe der Gedächtnistafeln für die im Weltkrieg gefallenen der Kirchengemeinde Wusterhusen« statt. Mitwirkende des feierlichen Programms waren:
Sopran: E. Badekow aus Lubmin, Alt: Frau Lindow aus Lubmin, Violine u. Orgel: Pastor Häußler u. Frau, Orgel u. Chorleitung: Kantor Kölzow, der Kirchenchor der Kirchengemeinde Wusterhusen.

Eine Ehrung für die deutschen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges (1939 bis 1945) hat es in Ostdeutschlan niemals gegeben. Es gibt auch keine namentliche Auflistung der Gefallenen. In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wurden nur die gefallenen sowjetischen Soldaten geehrt, die noch in den letzten Kriegstagen in unserer Umgebung sinnlos ihr Leben lassen mußten. Jedes Jahr am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, legte eine Abordnung von deutschen Parteigenossen der Sozialistischen Einheitspartei (SED) auf dem Ehrenfriedhof in Greifswald auf dem die sowjetischen Soldaten ruhen, Kränze und Blumen nieder. Dies geschah in allen anderen Städten Ostdeutschlands am 8. Mai ebenfalls.

Die gefallenen deutschen Soldaten galten in Ostdeutschlan fast als Kriegsverbrecher, weil Deutschland diesen schrecklichen Krieg, der soviel Leid über Millionen von Menschen in Europa gebracht hatte, entfachte.

Aber die deutschen Frauen und Mütter, die ihre Männer, Söhne und Brüder in diesem Krieg verloren hatten, sagten vergrämt, daß auch ihre Männer nur auf Befehl gehandelt hatten.

Eine Rente hatten die ostdeutschen Frauen niemals erhalten. Mit einer Halbwaisenrente von anfangs fünf Mark, in späteren Jahren bis etwa zwanzig Mark je Kind, mußten sie ihre Kinder ernähren und kleiden.«

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Das Eiserne Kreuz

Auf dem Lubminer Denkmal ist es mit Krone, großem »W« für Kaiser Wilhelm II und der Jahreszahl 1914 gearbeitet worden. Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5. Juni 2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Das Denkmal vor 2018
Die Geschichte
Das Schwert
Die neue Inschrift

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Lübstorf

Landkreis Nordwestmecklenburg

Das Denkmal in einer Anlage in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs ist den toten Soldaten beider Weltkriege gewidmet. Die Fotos entstanden im April 2019.

MP Luebsdorf mit Strasse web


Die große Rasenfläche ist von einer stufig gestutzten Eibenhecke umgeben. Sie ist zur Straße hin geöffnet. Vor kurzem sind vor dem Denkmal zwei kleine Rhododendren eingesetzt worden.

 

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An den äußeren Seiten stehen schräg zum Denkmal einfache Bänke. Lackierte Bretter liegen auf geformten Betonstützen.

 

MP Luebsdorf gesamt web


Der Hauptstein des Denkmals hat eine außergewöhnliche Form: ein in die Erde gestoßenes überdimensional großes Schwert. Rechts und links daneben liegen tiefe Quader, an der Frontseite sind Metalltafeln mit den Widmungen eingelassen. Das Schwert trägt keine Inschriften. Bankstützen, Quader und Schwert sind aus dem gleichen Beton gearbeitet. Das spricht dafür, dass dies Ensemble von Anfang an so bestand und auch so erhalten wurde.

 

MP Luebsdorf Denkmal 2019 web


Das Schwert, so wie es zu sehen ist, misst 5 Meter in der Höhe. Allein die Klinge besteht aus zwei Teilen. Knauf, Heft, Parierstange und Klinge des Schwertes sind detailreich und aufwändig gearbeitet.

 

MP Luebsdorf Knauf web


Selbst die Unterseite der Parierstange ist streng im expressionistischen Stil gestaltet.

 

     MP Luebsdorf 1WK web


Auf der Tafel des linken Quaders steht in herausgearbeiteten, polierten Lettern:

Zum Gedenken an die Gefallenen
des Ersten Weltkrieges
1914-1918

 

     MP Luebsdorf 2WK web

Auf einer identischen Tafel in identischer Schrift steht auf dem rechten Quader:

Zum Gedenken an die Gefallenen
des Zweiten Weltkrieges
1939-1945

 

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Das Denkmal vor 2018

Die beiden Quader waren bis 2018 an den Vorderseiten mit Aufschriften versehen:

Rechts: Nie wieder Krieg

Links: Gedenket der Toten

 

MP Lubstorf

Man kann vermuten, dass nach 1945 die ursprünglichen dort eingelassenen Tafeln entfernt worden sind. Die Vertiefungen sind dann geweißt und mit den schwarzen Inschriften versehen worden.

 

MP Lubstorf gesamt web

• Im Herbst: Foto von Ulrike Waldraff/Amt Lützow-Lübstorf

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In früheren Jahren wechselte das Erscheinungsbild: ein Plattenweg führte zum Denkmal ...

 

MP Luebsdorf mitZaun web

... oder ein Sandweg führte zum Denkmal und ein Jägerzaun begrenzte die Anlage zur Strasse. Was immer gleich blieb: Das Schwert mit den Betonquadern an der Seite und die einfachen Bänke rechts und links.

MP Luebstorf MyRobotron Wikimedia Commons web
Foto: MyRobotron / Wikimedia Commons

Dieses Foto wurde am 22. September 2017 aufgenommen.

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Die Geschichte

MP Lubstorf Text web


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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.


     MP Luebsdorf Schwert web

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf. 

Ab 1980 wurde die Symbolkraft des Schwertes umgekehrt: Wer »Schwerter zu Pflugscharen« macht, schafft Frieden. »Schwerter zu Pflugscharen« ist ein Teilzitat aus der Bibel beim Propheten Micha, das zur Redewendung geworden ist. Es drückt das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion aus. Es wurde der Slogan staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen in der DDR, den auch Teile der westdeutschen Friedensbewegung übernahmen.


Schwerter zu Pflugscharen bei Wikipedia


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Die neue Inschrift

Gefallene: ... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22 + 60f

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

Gedenken: Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

• zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29


Ende der 60er, Anfang der 70er gibt es in Deutschland einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Es kommen jüngere Historiker und jüngere Offiziere in verantwortliche Positionen, die vieles von dem was vor 1914 bis 1918 war hinterfragen, die auch ganz andere Fragen an die Vergangenheit stellen und an die entsprechenden Repräsentationen der Vergangenheit. Die sich fragen: Ist es noch zeitgemäß Erinnerungen zu pflegen, die Ausdruck von Aggression, Imperialismus und Hybris ist?

Michael Epkenhans, Historiker, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam

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Das Denkmal
Einweihung des »Heldenhains«
Postkarte zur Einweihung

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Lübz

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Der große Findling auf einem Steinhügel im Buchenwald trägt die Aufschrift:

Den Gefallenen im Weltkriege 1914–18

Ein großer aufsteigender Adler, der gerade noch eine Weltkugel in den Krallen hat und mit ihr davon fliegen will, krönte bis 1945 den Stein, dann wurde er entfernt.

MP Luebz entfernt Ruchhoft Plau web


Der Kriegerdenkmal wurde als Mittelpunkt eines »Heldenhains« am 19. Oktober 1924 eingeweiht. 143 Lübzer Soldaten sind im 1. Weltkrieg getötet worden, vielleicht liegt der große Findling auf 143 kleinen Feldsteinen? Aus dem Gedenkblatt zur Einweihung geht hervor, dass für jeden getöteten Soldaten ein Gedenkstein vorgesehen war, dort sind die Soldaten mit der Nummer ihres Steins aufgeführt.

MP Luebz nah Ruchhoft Plau web


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Einweihung des »Heldenhains«

Im Gedenkblatt mit dem Motto: »Vergiss mein Volk, die treuen Toten nicht«, einer Zeile aus Theodor Körners Gedicht »Aufruf«, wird zur Einweihung des »Heldenhains« geschrieben:

143 unserer Söhne und Brüder sind ein Opfer des Weltkrieges geworden und liegen in fremden Landen gebettet. Da die liebende Hand ihre letzte Ruhestätte nicht zu erreichen vermag um sie zu behüten und zu bewahren und die Hügel zu pflegen, und um der Vielen, die an unbekannten Orten starben zu gedenken, wollen wir diesen Platz der Erinnerung unseren lieben Angehörigen weihen. ...

»Ein Volk, das seine Toten ehrt«, überwindet die herben Vorurteile von Gefühllosigkeit und Barbarentum, die eine ganze Welt gegen uns geschleudert und wird daraus die Kraft schöpfen, in schwerer Zeit voll niederdrückender Sorgen den Weg zum neuen Leben, zum hellen Tage zu suchen ...

MP LubzGedenkblatt web

 

Hier können Sie das vollständige Gedenkblatt vom 19. Oktober 1924 ansehen:

Gedenkblatt


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Postkarte zur Einweihung

            MP Lubz Karte web

Wir danken sehr herzlich Margrit Schimanke, die uns all diese Dokumente zur Verfügung gestellt hat.

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Das Denkmal
»Herr mach uns frei«

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Milow

Landkreis Uckermark

Das Kriegerdenkmal steht dicht bei der Dorfkirche von Milow. Der zweistufige Sockel aus behauenen Feldsteinen verschwindet fast vor der Kirchenmauer gleichen Aussehens. Die Sockelmitte trägt eine Steinplatte mit der Inschrift:

Herr mach uns frei

Auf dem Sockel liegt ein Stein in der Form eines Sarges.

MP Milow gesamt web


Im zugemauerten Nordportal der Kirche kann man die Namenstafel der 15 getöteten Soldaten des 1. Weltkrieges lesen mit Dienstgrad und Sterbedatum. Unter einem Relief von Stahlhelm, Messer und Eichenlaub steht:

1914   1918
Unsern gefallenen Kameraden

             MP Milow Tafel web


Zum Denkmal gibt es einen kurzen Abschnitt in der 1948 von Hermann Fürst verfassten Milower Dorfchronik: »Das Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges 1914-1918 an der Hauptpforte zum Kirchvorplatz ist am 30.05.1926 eingeweiht worden«.

Vor dem Kriegerdenkmal steht, im Aussehen wie ein ganz normaler Grabstein, das Denkmal für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

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»Herr mach uns frei«

     MP Milow Herr mach uns frei web

Text folgt demnächst

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Das Denkmal
Die Begriffe
Der Stahlhelm

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Mistorf

Landkreis Rostock

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs steht auf einer Wiese am Dorfteich direkt an der Landstraße 142, die von Güstrow nach Schwaan führt.

MP Mistorf weit web


Unvermittelt steht es auf dem gepflegten Gelände, einen Blumentopf mit einer Bananenpflanze wurde dazu gestellt und unter der Tafel fristet ein kleiner Blumenkasten sein Dasein.

 

MP Mistorf Denkmal web


Der Denkmalstein hat einen massiven Sockel aus Feldsteinen in weiß-beige-braun Tönen. Mit reichlich fast weißem Zement zwischen den Steinen ist der Sockel deutlich heller als der mittelbraune kantige Stein.

 

MP Mistorf Tafel web


An der geraden Frontseite wurde mit drei halbkugeligen Schrauben eine kleine Eisentafel befestigt. Mittlerweile ist sie sehr dekorativ verrostet. Im dreieckigen Abschluss oben ist das Relief eines Stahlhelms zu sehen und unter den dann folgenden Jahreszahlen des 1. Weltkriegs ein schlichtes Eisernes Kreuz mit leicht wulstigem Rand – alles im Puppenstubenformat.

In erhabenen Buchstaben steht dort:

1914  –  1918.

DEN GEFALLENEN HELDEN
ZUR
EHRE.

DIE DANKBARE HEIMAT.

 

MP Mistorf Seitlich web


Von der Seite sieht man: es ist ein flacher Stein auf dem ordentlich großen Sockel. Dahinter der Dorf- und wahrscheinlich auch Feuerwehrteich.

 

MP Mistorf hinten web


Blick auf die Landstraße von Güstrow nach Schwaan, erstaunlicherweise ohne Auto.

 

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Die Begriffe

Gefallene Helden:
»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen. Durch diese »Opferhelden« werden bestimmte Werte, die dieser Held verkörperte erhöht und für die Gesellschaft als besonders erstrebenswert definiert, wie z.B. die Opferbereitschaft, »Vaterlandsliebe«, Mut, Furchtlosigkeit. Im Gegenzug lässt sich gleichfalls nicht heldisches Benehmen erkennen: Zögern, Zaudern, Furcht, Illoyalität usw. Durch den universellen Anspruch des Heldengedenkens wird die »Leistung für das Gemeinwesen« anerkannt und wirkt fortan als Vorbild, was zur Militarisierung der Gesellschaft beiträgt (Opferheldenverehrung des 1. WK trug zu Militarisierung im Zuge des 2. W.K. bei). »Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.« (Kurt Tucholsky)

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege


Mit der Bezeichnung »Held« sollte die besondere militärische Leistung des Gefallenen, die letztendlich vor allem in seinem Tod bestand, verbal ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeugt von besonderem Mut und Einsatz. Das soll die Hinterbliebenen stolz machen. [...] Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg wieder heimgekehrt sind, werden in den Inschriften nicht als Helden bezeichnet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S. 89

 

MP Mistorf Text web

 

Ehre:
Hundert Jahre nach Beginn des großen Schlachtens auf den Feldern, die angeblich die Ehre, wahrhaftig aber Elend und Tod bedeuten, steht der großdeutsche Heldenkitsch noch immer an den Mauern des Franziskanerklosters. Keine neue Gedenktafel relativiert den sträflichen Unfug von »Ehre«, »Heldentod« und »Vaterland«, kein Schaukasten erläutert, dass ein »heiliger Kampf« niemals der für Kolonien, Absatzmärkte, Macht, Einflusssphären oder Rohstoffe sein kann, sondern – zumal aus Sicht der Franziskaner – nur der für Gott und seine Liebesbotschaft, für die Zuneigung zum Nächsten und den Frieden in der Welt; dass also ein christlicher Kampf genau das Gegenteil von dem ist, was damals über Europa gebracht wurde.

• kommunal.blogspot.de / Region Aschaffenburg-Miltenberg


Als wir etwas sehen konnten und Zeit zum Nachdenken hatten, wurde mir langsam klar, was für ein schreckliches Szenario sich hier abgespielt hatte. Wir dachten an Begriffe wie »Ehre« und »Ruhm«, die so viele Menschen in ihrer Unwissenheit mit dem Krieg in Verbindung bringen. Sie hätten die Decks der SMS »Broke« am 1. Juni 1916 um 4 Uhr morgens sehen sollen. Da hätten sie gesehen, wie der »Ruhm« und die »Ehre« tatsächlich aussahen. Achtundvierzig unserer Männer waren gefallen und die meisten waren so zugerichtet, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen waren. Weitere vierzig waren sehr schwer verwundet. Ungefähr fünf Stunden lang versuchten wir, alle unsere toten Kameraden zu finden, sie von dem halbzerstörten Mannschaftsdeck zu schleifen und ihre Leichen über Bord zu werfen, damit sie in der tiefen See ihre letzte Ruhe finden konnten. Das waren die »Ehre« und der »Ruhm«, die uns zuteil wurden. Es kommt einem vor wie ein Massenmord. Man fragt sich, wie die Menschen diese Kühnheit aufbringen konnten. Hätten wir nur einmal kurz überlegt, auf was wir uns da einlassen, wären wir niemals in den Krieg gezogen.

• Telegraphist J. Croad, SMS »Broke« in Seeschlacht ohne Sieger, Skagerrak – Jutland 1916. Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven, HG. Stephan Huck


Die dankbare Heimat:
... verbreitet die Botschaft, die Toten hätten mit ihrem Leben für die Gemeinschaft eingestanden. Sie hätten ihr Leben für »uns«, für die »Heimat«, für das »Vaterland« gegeben:

Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S.94


Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Hier noch einmal der kleine Helm von Mistorf:

MP Mistorf Helm web

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Bad Malente / Schleswig-Holstein benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.13


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Das Denkmal
Die Geschichte
Die Inschriften

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Morgenitz

Auf Usedom, Landkreis Ostvorpommern

Der Gedenkstein für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs steht vor dem Glockenstuhl der Kirche in Morgenitz. Der große Findling trägt eine rechteckige Bronzeplatte mit runder Auswölbung am oberen Rand.

MP Morgenitz Kriegerdenkmal web


In der Mitte der Platte ist ein Soldat in voller Kampfausrüstung abgebildet: geschultertes Gewehr, Patronengürtel, Tornister, Stock, Stahlhelm, feste Stiefel; aber auch eine Rose im Knopfloch und das Gewehr mit Eichenlaub geschmückt. Vielleicht soll es die realistische Darstellung eines mit Begeisterung losmarschierenden Soldaten am Beginn des Krieges sein? An den Seiten kann man dann die 15 Namen der toten Soldaten lesen.

Inschrift oberhalb:
1914 – 1918
Starben für’s Vaterland:

Inschrift unterhalb:
Lebt dem Vaterlande, für das wir starben!

MP Morgenitz Platte web

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Die Geschichte

Vor dem 2. Weltkrieg hat Pastor Wilhelm Hörstel mit vielen Helfern, sechzehn Pferden und diversen Flaschenzügen den Stein aus dem Gothensee nach Morgenitz geschafft. Damals war der See an seinen flachen Stellen ohne Wasser, weil er zur Landgewinnung teilweise trockengelegt worden war.

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Die Inschriften

Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet. Nach der Niederlage, die im Nachhinein durch die so genannte »Dolchstoßlegende« von vielen Deutschen bereitwillig uminterpretiert wurde, und dem Versailler Vertrag entwickelte sich zu Beginn der 1920er Jahre in vielen Köpfen eine Trotz-Haltung, ein »Jetzt erst recht«-Gedanke, der Kritik an der deutschen Kriegspolitik nicht zuließ.

Die »Dolchstoßlegende« ist eine Verschwörungstheorie der damaligen politisch Rechten, die 1919 von Feldmarschall Paul von Hindenburg, der unfähig war, sich das eigene Versagen bei der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg einzugestehen, zusätzlich genährt wurde. Sie besagt, dass das deutsche Heer »im Felde unbesiegt« war, aber die Heimat ihm durch die Agitationen der politischen Linken und die Revolution 1918 in den Rücken gefallen sei. Diese Theorie entbehrt jeder berechtigten historischen Grundlage, sie stieß jedoch bei vielen Deutschen auf offene Ohren und trug, von den Nationalsozialisten bereitwillig aufgegriffen, schließlich auch zum Scheitern der Weimarer Republik bei. (Vgl. Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte. Bonn 2002.)

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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I N H A L T
Das Denkmal zum 1. Weltkrieg
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg aus dem Jahr 2012
Das Eiserne Kreuz
Die Inschriften

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Mueß

Ein Stadtteil der Landeshauptstadt Schwerin

Text folgt

MP Schwerin Muess beide web

 

MP Schwerin Muess zwei naeher web

 

MP Schwerin Muess 1WK web

 

MP Schwerin Muess EK 1WK web


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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg aus dem Jahr 2012

Text folgt

 

     MP Schwerin Muess 2WK web

 

MP Schwerin Muess 2WK EK web

 

MP Schwerin Muess Inschrift 2WK web

 

MP Schwerin Muess Kranzhalter web

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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Die Inschriften

Fachleute definieren Begriffe, die auf den Denkmälern in Mueß genannt werden:

Der Heldentod: Text folgt


Gefallene: 
... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

Gedenken: Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter.

• zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29

Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

Ende der 60er, Anfang der 70er gibt es in Deutschland einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Es kommen jüngere Historiker und jüngere Offiziere in verantwortliche Positionen, die vieles von dem was vor 1914 bis 1918 war hinterfragen, die auch ganz andere Fragen an die Vergangenheit stellen und an die entsprechenden Repräsentationen der Vergangenheit. Die sich fragen: Ist es noch zeitgemäß Erinnerungen zu pflegen, die Ausdruck von Aggression, Imperialismus und Hybris ist?

Michael Epkenhans, Historiker, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam


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