NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T
Das Denkmal
»Herr mach uns frei«

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Milow

Landkreis Uckermark

Das Kriegerdenkmal steht dicht bei der Dorfkirche von Milow. Der zweistufige Sockel aus behauenen Feldsteinen verschwindet fast vor der Kirchenmauer gleichen Aussehens. Die Sockelmitte trägt eine Steinplatte mit der Inschrift:

Herr mach uns frei

Auf dem Sockel liegt ein Stein in der Form eines Sarges.

MP Milow gesamt web


Im zugemauerten Nordportal der Kirche kann man die Namenstafel der 15 getöteten Soldaten des 1. Weltkrieges lesen mit Dienstgrad und Sterbedatum. Unter einem Relief von Stahlhelm, Messer und Eichenlaub steht:

1914   1918
Unsern gefallenen Kameraden

             MP Milow Tafel web


Zum Denkmal gibt es einen kurzen Abschnitt in der 1948 von Hermann Fürst verfassten Milower Dorfchronik: »Das Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges 1914-1918 an der Hauptpforte zum Kirchvorplatz ist am 30.05.1926 eingeweiht worden«.

Vor dem Kriegerdenkmal steht, im Aussehen wie ein ganz normaler Grabstein, das Denkmal für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

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»Herr mach uns frei«

     MP Milow Herr mach uns frei web

Text folgt demnächst

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Begriffe
Der Stahlhelm

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Mistorf

Landkreis Rostock

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs steht auf einer Wiese am Dorfteich direkt an der Landstraße 142, die von Güstrow nach Schwaan führt.

MP Mistorf weit web


Unvermittelt steht es auf dem gepflegten Gelände, einen Blumentopf mit einer Bananenpflanze wurde dazu gestellt und unter der Tafel fristet ein kleiner Blumenkasten sein Dasein.

 

MP Mistorf Denkmal web


Der Denkmalstein hat einen massiven Sockel aus Feldsteinen in weiß-beige-braun Tönen. Mit reichlich fast weißem Zement zwischen den Steinen ist der Sockel deutlich heller als der mittelbraune kantige Stein.

 

MP Mistorf Tafel web


An der geraden Frontseite wurde mit drei halbkugeligen Schrauben eine kleine Eisentafel befestigt. Mittlerweile ist sie sehr dekorativ verrostet. Im dreieckigen Abschluss oben ist das Relief eines Stahlhelms zu sehen und unter den dann folgenden Jahreszahlen des 1. Weltkriegs ein schlichtes Eisernes Kreuz mit leicht wulstigem Rand – alles im Puppenstubenformat.

In erhabenen Buchstaben steht dort:

1914  –  1918.

DEN GEFALLENEN HELDEN
ZUR
EHRE.

DIE DANKBARE HEIMAT.

 

MP Mistorf Seitlich web


Von der Seite sieht man: es ist ein flacher Stein auf dem ordentlich großen Sockel. Dahinter der Dorf- und wahrscheinlich auch Feuerwehrteich.

 

MP Mistorf hinten web


Blick auf die Landstraße von Güstrow nach Schwaan, erstaunlicherweise ohne Auto.

 

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Die Begriffe

Gefallene Helden:
»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen. Durch diese »Opferhelden« werden bestimmte Werte, die dieser Held verkörperte erhöht und für die Gesellschaft als besonders erstrebenswert definiert, wie z.B. die Opferbereitschaft, »Vaterlandsliebe«, Mut, Furchtlosigkeit. Im Gegenzug lässt sich gleichfalls nicht heldisches Benehmen erkennen: Zögern, Zaudern, Furcht, Illoyalität usw. Durch den universellen Anspruch des Heldengedenkens wird die »Leistung für das Gemeinwesen« anerkannt und wirkt fortan als Vorbild, was zur Militarisierung der Gesellschaft beiträgt (Opferheldenverehrung des 1. WK trug zu Militarisierung im Zuge des 2. W.K. bei). »Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.« (Kurt Tucholsky)

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden/Gedenkorte-fuer-Verstorbene-der-Weltkriege


Mit der Bezeichnung »Held« sollte die besondere militärische Leistung des Gefallenen, die letztendlich vor allem in seinem Tod bestand, verbal ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeugt von besonderem Mut und Einsatz. Das soll die Hinterbliebenen stolz machen. [...] Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg wieder heimgekehrt sind, werden in den Inschriften nicht als Helden bezeichnet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S. 89

 

MP Mistorf Text web

 

Ehre:
Hundert Jahre nach Beginn des großen Schlachtens auf den Feldern, die angeblich die Ehre, wahrhaftig aber Elend und Tod bedeuten, steht der großdeutsche Heldenkitsch noch immer an den Mauern des Franziskanerklosters. Keine neue Gedenktafel relativiert den sträflichen Unfug von »Ehre«, »Heldentod« und »Vaterland«, kein Schaukasten erläutert, dass ein »heiliger Kampf« niemals der für Kolonien, Absatzmärkte, Macht, Einflusssphären oder Rohstoffe sein kann, sondern – zumal aus Sicht der Franziskaner – nur der für Gott und seine Liebesbotschaft, für die Zuneigung zum Nächsten und den Frieden in der Welt; dass also ein christlicher Kampf genau das Gegenteil von dem ist, was damals über Europa gebracht wurde.

• kommunal.blogspot.de / Region Aschaffenburg-Miltenberg


Als wir etwas sehen konnten und Zeit zum Nachdenken hatten, wurde mir langsam klar, was für ein schreckliches Szenario sich hier abgespielt hatte. Wir dachten an Begriffe wie »Ehre« und »Ruhm«, die so viele Menschen in ihrer Unwissenheit mit dem Krieg in Verbindung bringen. Sie hätten die Decks der SMS »Broke« am 1. Juni 1916 um 4 Uhr morgens sehen sollen. Da hätten sie gesehen, wie der »Ruhm« und die »Ehre« tatsächlich aussahen. Achtundvierzig unserer Männer waren gefallen und die meisten waren so zugerichtet, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen waren. Weitere vierzig waren sehr schwer verwundet. Ungefähr fünf Stunden lang versuchten wir, alle unsere toten Kameraden zu finden, sie von dem halbzerstörten Mannschaftsdeck zu schleifen und ihre Leichen über Bord zu werfen, damit sie in der tiefen See ihre letzte Ruhe finden konnten. Das waren die »Ehre« und der »Ruhm«, die uns zuteil wurden. Es kommt einem vor wie ein Massenmord. Man fragt sich, wie die Menschen diese Kühnheit aufbringen konnten. Hätten wir nur einmal kurz überlegt, auf was wir uns da einlassen, wären wir niemals in den Krieg gezogen.

• Telegraphist J. Croad, SMS »Broke« in Seeschlacht ohne Sieger, Skagerrak – Jutland 1916. Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven, HG. Stephan Huck


Die dankbare Heimat:
... verbreitet die Botschaft, die Toten hätten mit ihrem Leben für die Gemeinschaft eingestanden. Sie hätten ihr Leben für »uns«, für die »Heimat«, für das »Vaterland« gegeben:

Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S.94


Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Hier noch einmal der kleine Helm von Mistorf:

MP Mistorf Helm web

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Bad Malente / Schleswig-Holstein benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.13


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Das Denkmal
Die Geschichte
Die Inschriften

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Morgenitz

Auf Usedom, Landkreis Ostvorpommern

Der Gedenkstein für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs steht vor dem Glockenstuhl der Kirche in Morgenitz. Der große Findling trägt eine rechteckige Bronzeplatte mit runder Auswölbung am oberen Rand.

MP Morgenitz Kriegerdenkmal web


In der Mitte der Platte ist ein Soldat in voller Kampfausrüstung abgebildet: geschultertes Gewehr, Patronengürtel, Tornister, Stock, Stahlhelm, feste Stiefel; aber auch eine Rose im Knopfloch und das Gewehr mit Eichenlaub geschmückt. Vielleicht soll es die realistische Darstellung eines mit Begeisterung losmarschierenden Soldaten am Beginn des Krieges sein? An den Seiten kann man dann die 15 Namen der toten Soldaten lesen.

Inschrift oberhalb:
1914 – 1918
Starben für’s Vaterland:

Inschrift unterhalb:
Lebt dem Vaterlande, für das wir starben!

MP Morgenitz Platte web

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Die Geschichte

Vor dem 2. Weltkrieg hat Pastor Wilhelm Hörstel mit vielen Helfern, sechzehn Pferden und diversen Flaschenzügen den Stein aus dem Gothensee nach Morgenitz geschafft. Damals war der See an seinen flachen Stellen ohne Wasser, weil er zur Landgewinnung teilweise trockengelegt worden war.

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Die Inschriften

Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet. Nach der Niederlage, die im Nachhinein durch die so genannte »Dolchstoßlegende« von vielen Deutschen bereitwillig uminterpretiert wurde, und dem Versailler Vertrag entwickelte sich zu Beginn der 1920er Jahre in vielen Köpfen eine Trotz-Haltung, ein »Jetzt erst recht«-Gedanke, der Kritik an der deutschen Kriegspolitik nicht zuließ.

Die »Dolchstoßlegende« ist eine Verschwörungstheorie der damaligen politisch Rechten, die 1919 von Feldmarschall Paul von Hindenburg, der unfähig war, sich das eigene Versagen bei der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg einzugestehen, zusätzlich genährt wurde. Sie besagt, dass das deutsche Heer »im Felde unbesiegt« war, aber die Heimat ihm durch die Agitationen der politischen Linken und die Revolution 1918 in den Rücken gefallen sei. Diese Theorie entbehrt jeder berechtigten historischen Grundlage, sie stieß jedoch bei vielen Deutschen auf offene Ohren und trug, von den Nationalsozialisten bereitwillig aufgegriffen, schließlich auch zum Scheitern der Weimarer Republik bei. (Vgl. Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte. Bonn 2002.)

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Das Denkmal zum 1. Weltkrieg
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg aus dem Jahr 2012
Das Eiserne Kreuz
Die Inschriften

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Mueß, Stadtteil von Schwerin

An der Ecke ›Alte Crivitzer Landstraße‹ – ›Zum alten Bauernhof‹

Auf einem Randstreifen an der Straße stehen die beiden Kriegerdenkmäler für die toten Soldaten der zwei Weltkriege. Sie sind sich in Details sehr ähnlich, aber man glaubt es kaum: das Denkmal für die toten Soldaten der Deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg ist am 17. November 2012 errichtet worden – fast 70 Jahre nach Kriegsende.


MP Schwerin Muess beide web


Vor den Denkmälern verläuft der Fuß- und Radweg, knapp daneben steht eine Rundbank um die Dorflinde. Auf dem angrenzenden, tiefer liegenden Grundstück, hinter der »grünen Wand« aus verschiedenen Sträuchern, befindet sich das Dorfmuseum.

 

MP Schwerin Muess zwei naeher web


Die Denkmäler sind eingepasst in eine lose gelegte Feldsteinmauer, die ein Beet mit bunten Blumen eingrenzt. Alles sieht sehr gepflegt aus. Diese kleine Anlage mit Kranzhalter zwischen den Denkmälern ist 2012 mit dem neu aufgestellten Stein für den 2. Weltkrieg entstanden. Vorher stand das Denkmal zum 1. Weltkrieg allein an einem Plattenweg.

 

MP Schwerin Muess 1WK web


Der rundliche schwarze Stein auf der rechten Seite ist an der Frontseite poliert, er steht auf einem in etwa gleich hohen gemauerten Sockel aus bunten, unterschiedlich geformten Bruchsteinen. Der Sockel hat die Form eines Pyramidenstumpfs.

 

MP Schwerin Muess EK 1WK web

Oben auf dem Stein sehen wir ein doppelt konturiertes Eisernes Kreuz. Das militärische Ehrenzeichen ist dargestellt mit preußischer Königskrone, einem »W« für König Wilhelm II. und der Jahreszahl 1914 für das Jahr der 2. Stiftung. Darunter liegen zwei gekreuzte Eichenzweige.

Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol und eine Figur in der Heraldik (Wappenkunde). Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz und ist eine besondere Auszeichnung. Aus diesem Grund findet man Eichenlaub oft auf Orden, Symbolen und Münzen, so beispielsweise als Erweiterung des Ordens Pour le Mérite sowie auf dem Eisernen Kreuz.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019


Darunter lesen wir die Titelzeile in einer klassischen Serifenschrift:

Es starben den Heldentod 1914 - 18.

 

MP Schwerin Muess 1WK Namen web


Es folgen die Vor- und Nachnamen der zwölf toten Soldaten aus Mueß in zwei Spalten mit kräftiger Mittellinie. Geordnet sind sie nach Sterbedatum – allerdings nur die im »heldenhaften Kampf gefallenen«, hier abgekürzt mit: »gef.«, zwei Soldaten stehen am Ende der Liste als »gestorben«, hier »gest.«, womöglich im Lazarett oder bei einem Unfall.


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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg

Die Einweihung des Kriegerdenkmals für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs begann am 17. November 2012 um 11 Uhr. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. In der Einladung zu diesem Ereignis hat der Volksbund das Programm bekannt gegeben:

Begrüßung: Gesine Kröhnert, Kulturamt Schwerin
Gedenkansprache: Klaus Lemke, Kreisvorsitzender SN Volksbund
Musikstück: Posaune Jan Erik Krüger
Kirchliche Weihe: Domprediger Volker Mischok*
Totengedenken: Karsten Richter, Landesgeschäftsführer Volksbund
Verlesung Namen der Kriegstoten: Karsten Richter, s.o.

*Pastor Mischok hatte keine Zeit und wurde von Propst Holger Marquardt, Pastor der Schlosskirchengemeinde vertreten.

Der Stifter des Denkmals ist der Mueßer Steinmetz Friedrich-Walter Beckmann.

 

     MP Schwerin Muess 2WK web


Diese Denkmalsplatte ist aus dem gleichen schwarzen Stein, ist jedoch schmal und hoch und steht darum nur auf einem niedrigen Feldsteinsockel. Trotzdem überragt dieser nahezu rechteckige Denkmalsstein den rundlichen. Auf dem Stein davor wurde im Mai 2019 eine Blumenschale abgestellt.

 

MP Schwerin Muess 2WK EK web


Oben auf der Steinplatte wurde das Emblem des ersten Denkmals nachempfunden – wieder das Eiserne Kreuz auf Eichenlaub. Nur: es gab ja nun beim 2. Weltkrieg weder Königs- noch Kaiserkrone, noch ein »W« für einen Wilhelm. Das ließ man also weg. Aber eine Jahreszahl sollte schon sein, man entschied sich für »1813«, das Jahr der ersten Stiftung durch den preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.


MP Schwerin Muess 2WK EK Detail web

 

Eigentlich hätte dort ein Eisernes Kreuz mit Hakenkreuz in der Mitte abgebildet werden müssen, so wurde es von Adolf Hitler in vierter Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs für die Soldaten der Deutschen Wehrmacht vergeben, aber damit hätte man sich strafbar gemacht.

Hier wird erklärt, warum das so ist


 
     MP Schwerin Muess 2WK Namen web


Auch mit den Namen war es fast 70 Jahre nach Kriegsende nicht einfach. Viele Informationen fehlen. Darum musste man die Ordnung nach Sterbedatum aufgeben und entschied sich für eine alphabetische Reihenfolge nach dem ersten Buchstaben des Nachnamens. Die stehen nun vorne, der Vorname ist nachgestellt. Die bekannten Sterbedaten betreffen die letzten drei Kriegsjahre. Neun Soldaten sind »gefallen« (»gef.«), einer ist nach Kriegsende »gestorben« (»gest.«) und zwei sind »vermisst« (»verm.«).

 

MP Schwerin Muess Inschrift 2WK web


Die Inschrift unter der Namensliste lautet:

Im Gedenken
an die
gefallenen und vermissten
Mueßer

Dass der 2. – wie im übrigen auch der 1. – Weltkrieg ein Angriffskrieg Deutschlands war und die gefallenen Soldaten Beteiligte dieses verbrecherischen Krieges, wird nicht erwähnt.

 

MP Schwerin Muess Kranzhalter web


Zwischen den Denkmälern steht ein Kranzhalter.

 

MP Schwerin Muess beide2 web


Noch einmal der Dorfplatz mit der Mueßer Informationstafel.

 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II. dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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Die Inschriften

»Sie starben den Heldentod« steht auf den Denkmälern. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

Fachleute definieren Begriffe, die auf den Denkmälern in Mueß genannt werden:

Gefallene: »... verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.22

»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

Gedenken: »Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter.«

• zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.29

»Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.«

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

»Ende der 60er, Anfang der 70er gibt es in Deutschland einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Es kommen jüngere Historiker und jüngere Offiziere in verantwortliche Positionen, die vieles von dem was vor 1914 bis 1918 war hinterfragen, die auch ganz andere Fragen an die Vergangenheit stellen und an die entsprechenden Repräsentationen der Vergangenheit. Die sich fragen: Ist es noch zeitgemäß Erinnerungen zu pflegen, die Ausdruck von Aggression, Imperialismus und Hybris ist?«

Michael Epkenhans, Historiker, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam


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