NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
1946: Der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde
Die Erneuerung
Die Website von Neukalen

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Neukalen

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Im Park an der Peene steht die Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs aus Neukalen. Eine achtstufige Treppe führt auf die kleine Anhöhe mit dem Denkmal. Der Steinmetzmeister Georg Berendt aus Neukalen hat es entworfen und mit seinen Leuten 1930 errichtet. Das Denkmal wurde mit vorgefertigten Steinblöcken an Ort und Stelle aufgebaut. Die Inschrift in großen bronzenen Lettern lautet:

Vergiss mein Volk die treuen Toten nicht!
1914 - 1918

An der linken und rechten Seite befindet sich jeweils eine gegossene Bronzetafel mit den Namen der toten Soldaten. Oben sitzt ein Adler mit aufgestellten Flügeln, eine Kralle auf einem Stahlhelm. Am 19. Oktober 1930 wurde es in seiner ursprünglichen Form (siehe unten) eingeweiht. Die Inschrift 1939 - 1945 wurde nachträglich angebracht.

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Die Geschichte

nach einem Text von Wolfgang Schimmel:

Bald nach Ende des 1. Weltkriegs gab es verschiedene Bemühungen, die Gefallenen aus Neukalen und Umgebung zu ehren. So wurden 1922 zwei hölzerne Gedenktafeln in der Kirche aufgehängt. Ab 1925 gab es konkrete Bemühungen durch den Kriegerverein zur Aufstellung eines Ehrenmals. Um 1929 wurde zur Beschaffung der nötigen Gelder eine Denkmalslotterie durchgeführt.

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• »Neukalener Tageblatt« vom 12. März 1930

Es sollte kein einfacher Gedenkstein, sondern etwas Besonderes sein. Die speziell gegründete Denkmalsgemeinschaft wurde vom Gendarmeriemeister August Hasselmann geleitet.

 

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• »Neukalener Tageblatt« vom 21. Mai 1930

Die Denkmalsgemeinschaft verfasste einen Aufruf zur Gestaltung des Denkmals. In einem Geschäft am Markt waren bald verschiedene Entwürfe und Modelle zu sehen. Die Auswahl fiel auf den Vorschlag des Steinmetzmeisters Georg Berendt aus Neukalen.

Während Georg Berendt mit seinen Leuten im Sommer 1930 mit der Errichtung des Denkmals begann, sorgte ein eigens geschaffenes »Baukommitte des Kriegerdenkmals« dafür, dass die notwendigen Erd- und Transportarbeiten durchgeführt, Grünflächen und Blumenrabatten angelegt sowie Bäume gepflanzt wurden.

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• Grundsteinlegung, links: August Hasselmann, rechts Bürgermeister Franz Ziegler

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• Die gesamte Denkmalsgemeinschaft

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• Meister Berendt und seine Leute errichten das Kriegerdenkmal

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• Der 2,25 Meter große Adler war auf der Leipziger Messe ausgestellt und von der Denkmalsgemeinschaft gekauft worden. Diese nach einer Form gegossene Adlerdarstellung wurde einmalig nur in Neukalen verwendet.

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• Bei der Weihe des Denkmals am 19. Oktober 1930 gab es einen gemeinsamen Ausmarsch der verschiedenen Vereine vom Markt zum Denkmalsplatz. Voran marschierte der Kriegerverein mit den Kriegerwiten, gefolgt vom Magistrat, der Schützenzunft, dem Gesangsverein usw. Mancher Neukalener Bürger mußte sich entscheiden, wo er sich einreihte, denn viele waren Mitglied in mehreren Vereinen.

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• Die feierliche Enthüllung war verbunden mit Ansprachen des Bürgermeisters Ziegler, des Pastor Hohmann, des Vorsitzenden der Denkmalsgemeinschaft Hasselmann und anderer Persönlichkeiten.

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Während der Zeit des 2. Weltkriegs verwahrloste der Platz. Nach dem Einmarsch der Roten Armee forderten deutsche Kommunisten, die das Sagen im Rathaus hatten, vom Erbauer des Denkmals Steinmetzmeister Georg Berendt  und seinem Sohn Heinrich die Entfernung des Adlers gemäß dem Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde 1946. Aus Angst vor Schwierigkeiten schlichen beide nachts in den Park, schlugen den Adler in Stücke und versenkten alles in der nahen Peene.

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• 1979: Das Denkmal ohne Adler, ohne Hinweis auf den 2. Weltkrieg

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• Anfang der 90er Jahre: noch kein Adler, aber jetzt sind auch die Soldaten des 2. Weltkriegs unter den »treuen Toten« und werden mit Kränzen bedacht.

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1946: Der Befehl Nr. 30

... Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone gibt am 5. 5. 1946 die Richtlinien für die Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler heraus. Danach müssen alle Denkmäler militärischen Charakters beseitigt werden, sofern sie nicht besonderen künstlerischen Wert besitzen.

Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Kriegerdenkmälern, darin heißt es:

»Da sie als Erinnerung für die Gesamtheit der in den Kriegen Gefallenen gelten, muss jeder Eingriff mit starken Rückwirkungen auf die Bevölkerung rechnen. Zu beseitigen sind auch hier all jene Denkmäler usw. die Aufforderungen zur Rache, zum erneuten Kriegseinsatz, Verherrlichungen des Krieges usw. enthalten. Dies trifft nicht zu für Kriegerdenkmäler, die vor 1860 entstanden sind, da sie fast immer bescheiden in der Haltung sind und fast ausnahmslos einigen künstlerischen Wert besitzen. Kriegerdenkmäler nach 1918 sind fast ausnahmslos wertlos. Ihre Beseitigung ist anzuregen, falls nicht in Sonderfällen künstlerischer Rang vorliegt. Denkmäler mit künstlerischem Wert sind einem Museum zu übergeben. Die Säuberungsaktion soll als Willensausdruck breiter Schichten des Volkes vorgenommen werden.« Infolge der Richtlinien sind zunächst Listen zu erstellen gewesen. ...

Am 13. Mai 1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde herausgegeben. Das ist eine Woche nach dem Rundschreiben der Deutschen Zentralverwaltung. Hier heißt es im Abschnitt Kriegerdenkmäler:
»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.« Ebenfalls wird eine Erstellung von Listen zur Erfassung aller Kriegerdenkmäler, bevor an deren Beseitigung herangegangen wird, gefordert.

Auf Grundlage des Befehls Nr. 30 der Alliierten und der Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung sind die schon erwähnten Listen der Jahre 1946/47 entstanden.

Deren Auswertung ist bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig abgeschlossen. Es lässt sich aber feststellen, dass ca. 900 - 1000 Ehrenmale erfasst sind. Dazu kommen dann die bereits vor dem II. Weltkrieg vernichteten Kriegerdenkmäler und sicher auch noch ein Teil kleinerer Denkmäler die aus den verschiedensten Gründen nicht erfasst wurden.

Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern verschwunden. Einzelne, vor allem figürliche Denkmäler sind vernichtet oder magazinisiert worden. Im nächsten Jahrzehnt erfolgte eine Welle der Umwidmungen. Ehemalige Weltkriegsdenkmäler oder auch nur ihre stehengebliebenen Sockel werden zu VVN-, OdF- oder personellen Denkmälern.

Hier sei nur kurz auf den Nexö-Stein ›unter einem alten deutschen Baum‹ in Greifswald verwiesen. Ursprünglich der Gedenkstein des Greifswalder Infanterie Regiments (Findling) erinnert er heute an den Dichter A. Nexö. Bei günstigem Lichteinfall lassen sich aber unter der Bronzeplatte mit dem Porträt Nexös die Jahreszahlen 1914, 1918 erkennen.

Ein weiteres Beispiel für die Umwidmung eines Gefallenensteines sei hier noch eingefügt. Es gab in Kühlungsborn zwei Denkmäler für die Gefallenen des I. Weltkrieges. Bei dem in Kühlungsborn-West gelegenen dreieckigen Steinblock beseitigte man nach 1945 die Namenstafel und brachte stattdessen ein Dreieck dort an. Dieses fortan den »Opfern des Faschismus« gewidmete Denkmal wurde etwa 1972 entfernt, als in der Strandstraße in Kühlungsborn-Ost ein neues den Opfern des Nationalsozialismus gewidmetes Denkmal eingeweiht wurde. Auch dieses befindet sich an derselben Stelle wie zuvor das Denkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges, teilweise wurde das alte Material verwendet. Es handelt sich um eine etwa 8 m lange Mauer, an der eine Metallskulptur der Künstlerin Renata Ahrens angebracht wurde – ein stilisierter Vogel.

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, Seite 4-5

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Die Erneuerung

Nach der »Wende« setzten sich Bürger der Stadt dafür ein, dass das Denkmal wieder einem Adler erhält.

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• Am Volkstrauertag 2006 wurde das Denkmal mit dem neuen Adler geweiht. Hier die Ansprache von Pastor Johannes Höpfner:

Ansprache Pastor Hübner

 

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Die Website von Neukalen

Lesen Sie die lange Fassung der Geschichte des Denkmals und einen Bericht über Steinmetzmeister Georg Berendt mit vielen historischen Fotos auf der Website der Stadt Neukalen:

www.stadt-neukalen.de


Wir bedanken uns sehr herzlich für die Genehmigung hier Fotos und Texte aus dieser sehr guten und ausführlichen Dokumentation verwenden zu dürfen.

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Die Dorfkirche von Pantlitz

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Pantlitz

Ortsteil von Ahrenshagen-Daskow im Landkreis Vorpommern-Rügen

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs steht im Garten der Dorfkirche Pantlitz. Es besteht aus zwei Teilen: einer Stele aus Granit mit rechteckigem Grundriss, einem ungewöhnlich geformten oberen Abschluss und einer Bronzeplatte mit Relief und Inschrift und davor einem großen Findling mit Namenstafel, ebenfalls aus Bronze. Ein Haufen kleiner Findlingssteine verbindet diese beiden Elemente.

In der runden Aussparung am Kopf der Stele sieht man noch die Reste einer Befestigung. Dort wurde wahrscheinlich eine weitere Bronzeplatte entfernt. Darunter die längliche Platte mit dem detailreichen Relief eines Soldaten in voller Montur: Uniform, Stiefel, Stahlhelm, Patronengürtel, Schultertasche, ein aufgestelltes Gewehr in der rechten, eine Stabhandgranate in der linken Hand. Umlaufend ist der Bibelvers Johannes 15.13 in leicht veränderter Form zu lesen:

Niemand hat grössere Liebe
denn der
sein Leben lässt für seine
Brüder (auf den Kopf gestellt)

Die Ecken sind mit Eisernen Kreuzen ausgefüllt. Als Verbindungstück zur entfernten runden Platte ist oben noch ein mit Blätterranken verziertes Bronzeteil vorhanden.

Auf dem quergelegten Findling vor der Stele ist eine rechteckige Bronzeplatte angebracht. Eine Reliefborte aus Romben, Halbkügelchen und Blüten in den Ecken umschließt die 20 Namen und das Sterbedatum der Soldaten. Überschrieben sind die Namen mit:

Gefallen im Krieg ... (unleserlich) 

MP Pantlitz Kriegerdenkmal Schiwago Wikimedia Commons web

Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

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Die Inschrift

Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässt für seine Freunde

Diese Bibelspruch aus dem Johannesevangelium 15,13 ist häufig auf Kriegerdenkmälern zu lesen. Er ist ein Beispiel für eine pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods. Die für fast alle Denkmäler typische Kriegstodverklärung findet eine Steigerung in einer spezifisch kirchlichen Deutung.

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Die Dorfkirche von Pantlitz

Das Denkmal steht auf der Südseite der Kirche, im Bild ist es gerade noch hinter der Feldsteinmauer links vom Portal zu erkennen.


MP Pantlitz Kirche Schiwago Wikimedia Commons web

Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

Die Dorfkirche Pantlitz ist ein neugotischer einschiffiger Bau aus Backstein von 1868. Sie hat einen hohen Westturm mit achteckigem Aufsatz und Turmhelm. Seit 2006 ist sie Vorpommerns erste Radfahrerkirche.

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I N H A L T
Das Denkmal
Jahrelang sah das Denkmal so aus
Die Einweihung 1922
Kürassiere des Regiments Nr. 2
Dem Krieg einen Sinn geben?
Gedenktafel in der Marienkirche
Historische Postkarten

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Pasewalk

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Das Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof ist den im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten des Kürassier-Regiments »Königin« Pommersches Nr. 2 gewidmet. Der Stettiner Architekt und Bildhauer Adolph Dahl (1886 - 1940) hat es entworfen. 1921 war die Grundsteinlegung, am 11. Juni 1922 wurde es eingeweiht. Es ist ein sehr ausgewogenes, fast zierliches Denkmal aus Sandstein. Die Platte in der Mitte trägt die Inschrift:

1914 (Eisernes Kreuz) 1918

An beiden Seiten schließen sich je vier eckige Säulen an, die im Bogen geführt werden. Platte und Säulen sind verbunden durch einen schmalen Sockel und einen Architrav, oben aufliegende behauene Sandsteine mit der hervorgehobenen Aufschrift:

Die Königin-Kürassiere ihren teuren Toten

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            MP Pasewalk Kuerassier Helm web

Der Helm mit Spitze wurde vom Volksmund »Pickelhaube« genannt.

 

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Das Wappen der Kürassiere: ein Königsadler mit Degen und Stock in den Krallen, viele Speere, die Königskrone und vor allem die Botschaft für die trauernden Hinterbliebenen und die noch lebenden Kameraden:

Durch Nacht zum Licht

 

            MP Pasewalk Kuerassier Krone web

Dem Kürassier-Regiment »Königin« Pommersches Nr. 2 stand ab Anfang des 19. Jahrhunderts die jeweilige preußische Königin, seit 1871 war sie zugleich auch die deutsche Kaiserin, als Regimentschefin vor. An den äußeren Säulen des Denkmals ist das Initial von Königin Luise, Ehefrau von König Friedrich Wilhelm III. dargestellt. Sie war von 1797 bis 1810 preussische Königin und wurde 1806 zur ersten Chefin des Regiments ernannt. Seitdem durften sich die Mitglieder des Regiments »Königin-Kürassiere« nennen.

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Auf den acht Säulenfronten wurden die 238 Namen der Kürassiere nach dem Jahr ihres Todes geordnet. Der abgekürzte Dienstgrad ist vorangestellt, der Todestag wird nach dem Namen angegeben

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     MP Pasewalk Kuerassier Front web

Die Farbe der Kürassiere ist weiß: die Uniformen, die Darstellung der Pickelhaube und hier nun passend dazu der Kranz mit weißen Lilien.

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Der Gedenkstein für die Toten beider Weltkriege wurde 1990 ergänzt.

Alle Fotos sind von Mr.Pommeroy / Wikimedia Commons. Vielen Dank!

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Jahrelang sah das Denkmal so aus


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Laut Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde vom 13. Mai 1946 (siehe weiter unten) mussten kriegsverherrlichende Attribute der Denkmäler entfernt werden. Das galt für alle Besatzungszonen, in der sowjetisch besetzten Zone wurde der Befehl allerdings konsequenter durchgeführt als im übrigen Deutschland. Nach 1990 wurde das Denkmal in Pasewalk – wie auch viele andere auf ehemaligem DDR-Gebiet – in nahezu ursprünglicher Form wieder hergestellt.

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Die Einweihung 1922

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Kürassiere des Regiments Nr.2

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Namensherkunft

Das Wort Kürass (von französisch cuirasse für » Lederpanzer« von cuir für Leder) kam im 15. Jahrhundert im deutschen Sprachraum auf und bezeichnete den Brust- und Rückenpanzer des Reiters. Daraus abgeleitet entstand um 1500 die Bezeichnung Kürisser für die voll gerüsteten Ritter, sie ging später auf die Pistolenreiter über.

Die Kürassiere waren das Bindeglied zwischen den gepanzerten Lanzenreitern des Mittelalters und der neuzeitlichen Kavallerie. Erstmals kämpften mit Pistolen bewaffnete Reiterverbände 1547 in der Schlacht bei Mühlberg. Aus ihnen gingen die Kürassiere hervor. Die Kürassiere trugen bis in das 17. Jahrhundert hinein einen so genannten Trabharnisch, der bis zu den Knien reichte und über einen geschlossenen Helm oder eine Sturmhaube verfügte. Die typische Bewaffnung eines Kürassiers bestand seit dem 16. Jahrhundert aus zwei Pistolen und einem Rapier bzw. Reitschwert oder einem Degen. Vor allem Männer gehobenen Standes bemühten sich um die Aufnahme in eine Kürassier-Einheit, dort wollten sie an die ritterlichen Ideale des Mittelalters anknüpfen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 23.3.2015

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Dem Krieg einen Sinn geben?

»Für die damaligen Großherzogtümer und die preußische Provinz Pommern waren die traditionellen Kavallerieregimenter äußerst repräsentativ. Auf den großen Gütern der norddeutschen Junker waren Pferdezucht und Offizierslaufbahn untrennbar miteinander verbunden. Ein Regiment zu stiften war nicht nur sehr ehrenvoll, es war vor allem sehr kostspielig und somit den Fürsten vorbehalten. Die Garnisonen der Regimenter trugen nicht selten maßgeblich zur Entwicklung der jeweiligen Städte bei. Pasewalk trägt sogar wegen seines Kavallerie-Regiments den Beinamen ›Kürassier-Stadt‹. So war jedes Regiment betrebt, seinen in erheblicher Zahl gefallenen Angehörigen ein würdiges Denkmal zu stiften. Diese sogenannten Regimentsdenkmäler gingen in ihrer Gestaltung oft weit über reines Totengedenken hinaus, meist strotzten sie nur so von militärischem Pathos, wonach sie gemäß der Direktive Nr. 30 1946 der Zerstörung unterlagen.«

Zitiert aus Matthias Hübner, »Der Erste Weltkrieg anhand von Kriegerdenkmälern in Mecklenburg-Vorpommern«, Band 4, Edition Hübner

Aus dem Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde vom 13. Mai 1946

»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.«

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Gedenktafel in der Marienkirche

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Die Gedenktafeln für die im 1. Weltkrieg getöteten Kürassiere wurden am 11. Juni 1922 in der Marienkirche angebracht. Sie sind mit Gott für König und Vaterland gestorben.

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Historische Postkarten

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Die großzügige Kasernenanlage des Kürassierregiments »Königin« in der Straße »An der Kürassierkaserne«: Bei der Planung wurden die Kosten mit 1.657.684,75 Mark angegeben. Beim Bau konnten dann 200.00 Reichsmark eingespart werden. Erbaut wurde das Backsteingebäude von 1879 – 1882. Am 29. April 1882 ist es bezogen worden, die bis dahin bestehenden »Einquartierungen« von Soldaten in Privatwohnungen hatten ein Ende. Heute beherbergt die Kaserne  das Landratsamt.

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Auf den historischen Postkarten sieht man noch die Reliefs der Waffen, die senkrecht an den Frontseiten der äußeren Säulen angebracht waren.

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Das Denkmal zum 1. Weltkrieg
Die Geschichte
Das Keltenkreuz
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
Wilhelm Wandschneider
Die »Hitler«-Eiche

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Röbel/Müritz

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Die zweiteilige Denkmalsanlage vor der Marienkirche ist beiden Weltkriegen gewidmet.

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Das helle Hochkreuz des Denkmals für die toten Röbeler Soldaten des 1. Weltkriegs hebt sich deutlich ab von der roten Backsteinkirche im Hintergrund.

 

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Nach einem Entwurf des Bildhauers Wilhelm Wandschneider aus Plau am See wurde das steinerne Denkmal in Form eines Keltenkreuzes erstellt. Am 5. August 1928, fast exakt zwischen den Weltkriegen, wurde es eingeweiht.

 

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Das Denkmal ist etwa 2,20 m hoch und hat einen dreistufigen Sockel mit rechteckigem Grundriss. Das lange Mittelteil verjüngt sich nach oben, die Vor- und Rückseiten sind immer etwa doppelt so breit wie die dazugehörigen Schmalseiten.

 

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An der Spitze ein Ringkreuz, wie bei den keltisch-irischen Vorbildern. Die Muster auf Kreuz und Untersatz sind ebenfalls keltisch-irisch inspiriert.

 

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Wie ein kleines Keltenkreuz wirkt das winzige schwarze Eiserne Kreuz im Medaillon. Das mag Wilhelm Wandschneider gefallen haben.

Darunter steht die Inschrift:

DEN
IM WELTKRIEG
1914 – 1918
GEFALLENEN
DER STADT
RÖBEL
ZUM GEDÄCHTNIS


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Am unteren Ende wieder ein keltisch, irisch inspiriertes Dekorband. Hier Beispiele für irische Stickmuster heuzutage:

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Der imposante, vielfältig gestaltete Sockel. Wir vermuten, dass die unterste Stufe in der Zwischenzeit einmal erneuert wurde.


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Die glatte Rückseite und links davon die hinter dem Kreuz stehende Eiche. Von der Anhöhe des Kirchbergs guckt man auf die Hauptstraße von Röbel.


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Über fünf Steinstufen erreicht man die Ebene des Steinkreuzes. Eine balkonartige Bruchsteinmauer stützt den Denkmalsplatz zur unten liegenden Wiese ab. Sechs kleine Sandsteinpoller mit Eisenstangenverbindungen begrenzen ihn vorne.


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An den Seiten schließt sich die rote Backsteinmauer des Kirchgeländes an.

 

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Die Geschichte

Jürgen Kniesz und Helmut Klaue haben in der Schriftenreihe des Warener Museums- und Geschichtsvereins, Heft 18 aus dem Jahr 1999 »Denkmäler zur politischen Geschichte im Landkreis Müritz« die Geschichte beschrieben:

»Die Vorarbeiten für das Denkmal begannen 1921. Es sollte ein Granitfindling auf einen Unterbau gestellt werden, in dessen Wände die Namen der Gefallenen eingehauen werden. Von dem geplanten Bezug des Granitblocks aus Schweden wurde abgesehen, da die Kosten von der Stadt nicht aufzubringen waren. Statt dessen sollte ein Stein aus der Röbeler Umgebung verwendet werden. ›Seit Urzeiten lagert am Waldsaume in der Nähe des Rohrteichs ein Findling von seltener Größe, der sich außerordentlich für den beregten Zweck eignen und für alle Zeiten der Stadt Röbel zur Zierde gereichen würde, während anders derselbe wie bisher auf seiner Ruhestatt verbleiben und sein Vorhandensein nur wenigen Einwohnern bekannt sein dürfte.‹ Der ›Engere Ausschuß für den Bau eines Kriegerdenkmals in Röbel‹ unter Vorsitz des Klempnermeisters Zöllner bat die Stadt um die kostenlose Überlassung des Steins. Bei den Zusammenkünften war Höncke als Bildhauer und Steinmetz zugegen. Der vorgelegte Entwurf ähnelte dem Kriegerdenkmal 1970/71 und wurde deshalb vom Rat abgelehnt. Der Findling sollte nur zur Verfügung gestellt werden, wenn er als Denkmal unverändert bleibt und lediglich eine Inschrift erhält. Im Gespräch war auch ein Entwurf Wandschneiders. Erst im November 1926 fand die Denkmalsangelegenheit ihre Fortsetzung. Man bemühte sich um den Aufstellungsplatz vor der Marienkirche, der als städtische Anlage hergerichtet werden sollte. Im Frühjahr 1928 begannen die Vorarbeiten. Die Kirche genehmigte aber die Aufstellung des Denkmals vor der Kirche nur unter Bedingungen, u.a. mußte die Stadt das Denkmal pflegen und den Platz an die Kirche zurückgeben, wenn er nicht mehr als Denkmalsplatz benutzt wird. Am Denkmal werden keine Veranstaltungen und Reden geduldet, ›die das Empfinden der Kirchengemeinde zu verletzen geeignet sind oder direkt gegen die Kirche gerichtet sind.‹

Denkmalsweihe war am 5. August 1928. Sämtliche Röbeler Vereine traten auf dem Marktplatz an. Man marschierte zum Kriegerdenkmal von 1870/1871, wo ein Festgottesdienst stattfand, und danach zur Denkmalsweihe bei der Marienkirche. Am 13. 8. 1928 wurden die Anstricharbeiten an dem Staketenzaun um das Denkmal nach einem Erachten Professor Wandschneiders, der auch den Entwurf des Denkmals geliefert hatte, beschlossen. Frühjahr 1929 wurden Sträucher angepflanzt. Nach dem Machtantritt der NSDAP wurden dem Denkmal weitere Elemente politischer Aktivitäten hinzugefügt.

1935 gab es Auseinandersetzungen zwischen evangelischem Pfarramt St. Marien und dem Rat der Stadt Röbel, ›ob die Kirche oder die Stadtverwaltung den Denkmalplatz, auf dem der Hitlerstein und die Hitlereiche stehen, in Ordnung zu halten haben.‹

Die nationalsozialistischen Kultstätten wurden nach Kriegsende beseitigt.«

Jürgen Kniesz zitierte aus den Akten des Stadtarchivs Röbel. Betr. das Kriegerdenkmal, Akten-Nr. IV 15/1

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Das Keltenkreuz

Ein Merkmal ist das Ringkreuz an der Spitze. Im Zuge der Christianisierung wurde das ursprüglich heidnische Sonnensymbol in einen christlichen Kontext übernommen und durch missionierende - oft irische - Mönche in ganz Nordeuropa verbreitete. Seit dem Frühmittelalter bis heute ist das Keltenkreuz als Grabstein oder Mahnmal in verschiedenen Ausformungen zu finden.


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Foto: Llywelyn2000 / Wikimedia Commons. Lizenz 4.0

Hier ein keltisches Hochkreuz in Wales neben der Prion Kapelle


Als das Denkmal in Röbel eingeweiht wurde, stand das Keltenkreuz für eine historisierende Darstellung und war politisch nicht eindeutig besetzt. Heute ist das Keltenkreuz verboten, wenn es nicht alleine steht, sondern mit der Darstellung ein Zusammenhang mit verbotenen Organisationen erkennbar wird.

Für rechtsextreme Gruppen weltweit steht das »Keltenkreuz« zum Beispiel als das Symbol für die angebliche »Vormachtstellung der weißen Rasse« und die »White-Power«-Bewegung. 


Das »gleichschenklige« Keltenkreuz war auch das Zeichen der rechtsextremen und verbotenen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands (VSBD/PdA) und ist noch heute als Symbol in der rechtsextremen Szene – in stark stilisierter Form – weit verbreitet. In diesem Zusammenhang handelt es sich um ein nach dem deutschen Strafgesetzbuch strafbares Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann auch eine isolierte Verwendung eines stilisierten gleichschenkligen Keltenkreuzes (also »die Darstellung eines gleichschenkligen Balkenkreuzes, um dessen Schnittpunkt ein Ring gelegt ist«) nach § 86a des deutschen Strafgesetzbuches strafbar sein, wenn nicht die äußeren Umstände eindeutig ergeben, dass der Schutzzweck der Norm nicht tangiert ist.

In Frankreich war das Keltenkreuz seit 1945 das Symbol mehrerer rechtsextremer und neofaschistischer Gruppierungen, besonders prominent wurde es in den 1960er Jahren durch die Verwendung durch die OAS, eine paramilitärische Organisation, die mit Gewalt die Unabhängigkeit Algeriens zu verhindern versuchte.

Die Europäische Nationale Front (ENF), ein ehemaliger Zusammenschluss europäischer rechtsextremer Parteien, verwendete ein stilisiertes Keltenkreuz in ihrem Logo. In Polen wurde das Symbol 2011 von der Partei Nationale Wiedergeburt Polens (polnisches Mitglied der ENF) als eingetragene Marke registriert.

Nach Wikipedia, abgerufen am 21. 9. 2020

 

MP Keltenkreuz strafbar web


Seit vielen Jahren erscheint das Keltenkreuz im Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz »Rechtsextremismus: Symbole, Zeichen und verbotene Organisationen«.


Bericht 2018, Keltenkreuz: S. 53f

 

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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg

Am 8. Mai 2008, am Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und der Befreiung vom Nationalsozialismus, wurde der Gedenkstein auf der Wiese vor dem Kirchplatz eingeweiht.

Die Inschrift lautet:

1939-1945
WIR GEDENKEN
ALLER OPFER DES II. WELTKRIEGES
DER STADT RÖBEL/ MÜRITZ

GEGEN KRIEG UND GEWALTHERRSCHAFT

»Wer ist mit den ›Opfern‹ gemeint? Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder die toten Wehrmachtssoldaten auch? Waren eben alle Opfer der ›Bestie Krieg‹, die ausgebrochen ist, von niemandem verschuldet und von niemandem gewollt? Nicht erfasst werden hierbei auch die Opfer des Deutschen Faschismus vor dem Krieg: Jüdinnen und Juden, die Menschen im Widerstand, Sinti und Roma, sogenannte Behinderte ...

Die ›Opfer‹ gelten als solche von ›Krieg und Gewaltherrschaft‹. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 101

 

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Eine Vertreterin der »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes« schreibt dazu:

»In Röbel, einem Ort in Mecklenburg-Vorpommern, soll der 8. Mai 2008 auf besondere Weise begangen werden. Unter einem Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg soll an diesem denkwürdigen Tag eine Tafel feierlich enthüllt werden. Man gedenkt der Opfer des Zweiten Weltkrieges, der ums Leben gekommenen ›Feuerwehrleute, Zivilisten, Soldaten und auch der Juden, die aus Röbel deportiert und ermordet wurden‹. Mit diesen Worten wird die Vorsitzende des eigens für dieses Vorhaben gegründeten Vereines zur ›Förderung des Gedenkens der Opfer des Zweiten Weltkrieges‹ zitiert. Neun Jahre zuvor hat der heutige Verein ›Engelscher Hof an der Alten Synagoge‹ mit großem Engagement das ruinös erhalten gebliebene Bethaus der jüdischen Gemeinde saniert und zum Mittelpunkt von Bildungs- und Kulturveranstaltungen, internationalen Jugendbegegnungen und regionaler Jugendarbeit gemacht. Der Initiator dieser Aktivitäten und Leiter der Bildungsstätte fragt berechtigt: Waren die Röbler Juden etwa keine Zivilisten? Und was hat ihre Ermordung mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun? Weil Röbeler ›Kriegswitwen‹ eine öffentliches Gedenken bisher vermissten, haben ›engagierte Bürger‹ beschlossen, ein solches an einem der wenigen, vormals zahlreichen ›Kriegerdenkmäler‹ des Bildhauers Wilhelm Wandschneider anbringen zu lassen. Wandschneider war bekennender Nationalsozialist und sein Denkmal in Röbel schmückt ein so genanntes Keltenkreuz. Wenn man bedenkt, dass diese Symbol von den Rechtsextremisten gerne als Hakenkreuz-Ersatz verwendet wird, ist die Frage erlaubt: Was soll man davon halten?«

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Wilhelm Wandschneider

Wilhelm Wandschneider (1866 - 1942), geboren und gestorben in Plau am See, war bis 1915 ein im In- und Ausland bekannter Bildhauer, der schon viele Aufträge und Preise erhalten hatte. Nach dem 1. Weltkrieg geriet eine große Zahl der bildenden Künstler – so auch Wandschneider – in existenzielle Bedrängnis. Die alten Auftraggeber öffentlicher Denkmäler gab es durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nicht mehr, ebenso sank die Zahl privater Auftraggeber.

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• Wilhelm Wandschneider, gemalt von Heinrich Hellhoff, 1909

Einzige Auftraggeber waren in den frühen 1920er Jahren die Militär- und Kriegervereine, die zunehmend mit revanchistischen Inhalten versehene Denkmäler für ihre gefallenen Kameraden errichten ließen. Als ab 1930 der Nationalsozialismus zunehmend erstarkte, wurde Wandschneider 1930 Mitglied der NSDAP und wie man an den Modellen (siehe Fotos unten) sehen kann, trifft er die Bildsprache der Nazis für deutsche »Helden« perfekt.

1936 fertigt Wandschneider eine Hitlerbüste an, 1940 lässt Hitler Wandschneiders Figur »Aphrodite« für die Reichskanzlei ankaufen; im gleichen Jahr wird Wandschneiders Denkmal für Kaiser Friedrich III. in Dortmund eingeschmolzen, »da es aus nationalsozialistischer Sicht weder einen historischen, noch einen künstlerischen Wert besaß«.

1926 verlieh die Stadt Plau Wandschneider zum 60. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde, am 26. April eröffnete das »Wandschneider-Museum«. Im März 1947 wurde das Museum aufgelöst, der Modellbestand fast komplett zerstört. 1994 eröffnete das »Bildhauermuseum Prof. Wandschneider« neu, es zeigt unter anderem 30 Originalplastiken.

 

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Das Regimentsdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs in Schweidnitz/Schlesien. Das Foto zeigt Wandschneider in seinem Atelier bei der Arbeit am Modell.

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Das Kriegerdenkmal »Soldat« steht auf dem Soldatenfriedhof in Schwerin. 1936 wurde es für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aufgestellt. Das Foto zeigt ein Detail des Modells in Wandschneiders Atelier.

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Die »Hitler«-Eiche

Bei der Geschichte des Denkmals zum 1. Weltkrieg haben wir zum Schluss gelesen: »1935 gab es Auseinandersetzungen zwischen evangelischem Pfarramt St. Marien und dem Rat der Stadt Röbel, ›ob die Kirche oder die Stadtverwaltung den Denkmalplatz, auf dem der Hitlerstein und die Hitlereiche stehen, in Ordnung zu halten haben.‹ Die nationalsozialistischen Kultstätten wurden nach Kriegsende beseitigt.«

Womöglich gilt das nicht für die »Hitlereiche«?


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»Die Eiche ist knorrig. So kann man sich auch die alten Germanen vorstellen, weniger die feinsinnigen Römer. Die Eiche ist überdauernd. Das wollten auch die Deutschen im Heiligen Römischen Reich. Die Eiche ist standfest. Treue, unerschütterliche Souveränität schrieben die deutschen Fürsten und Könige auf ihr Panier – und nach ihnen Adolf Hitler. Mit der Reichsgründung 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen, Orden und dergleichen diente es in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches. Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP hatte von 1920 bis 1945 einen Adler als Zeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt. Unerschütterlich ›wie die deutsche Eiche‹ und ähnliche Sprüche ließ die NS-Propaganda ab 1933 in Zeitungen veröffentlichen und über Lautsprecher verkünden. Da griff dann auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zum Spaten und pflanzte Eichen. [...] Im deutschen Volk wurde Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler fast schlagartig mit der deutschen Eiche gleichgesetzt. Denn für ihn pflanzten fast alle Städte und Dörfer, Stadt- und Ortsteile ihre ›Hitler-Eichen‹ und manchmal auch Linden. Es müssen Zigtausende gewesen sein, die teils noch stehen und bekannt sind, meistens inzwischen vergessen, wenn sie nicht schon 1945 umgehauen wurden.«

Wolf Stegemann, 20. Januar 2014 auf der Website >www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de


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I N H A L T
Das Denkmal
Für das Vaterland gefallene Helden
Noch mehr Gedenktafeln
»Für uns!«
Die Schmuckelemente der Wände
»Christus« von Thorvaldsen
St. Nicolai in der Röbler Neustadt

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Röbel/Müritz

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

St. Nikolai ist eine gotische Kirche im Stadtkern von Röbel. In einer Seitenkapelle wurde (von der Stadt Röbel finanziert, die Kirche stellte nur den Raum) nach dem 1. Weltkrieg ein »Gedächtnisraum« eingerichtet, der dann aber in späteren Jahren eher als Abstellkammer benutzt wurde. 2006 begann ein Verein von Röbler Bürgern mit der Restaurierung des Raums.


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»Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt [...]

Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab. Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. [...] Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.«

Clemens Tangerding, Für Deutschland gestorben, Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

 

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Die Wände sind im unteren Bereich mit Sandsteinplatten kunstvoll und aufwändig verkleidet. Sie sind mit Namen und Jahreszahlen (bis 1920) beschriftet und tragen als Schmuckelemente Reliefs eines antiken Soldatenhelms, ein gesenktes Kurzschwert auf einem Strahlenkranz und bronzene Kappen mit je vier brennenden Herzen. Oberhalb der großen Platten zieht sich ein Fries durch den gesamten Raum. Dort sind wiederum Gruppen von insgesamt 143 Namen, getrennt von den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, zu lesen.

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In der Mitte des Raums steht ein Steinblock in Form eines Sarkophags, auf dem mit Bronzebuchstaben die Inschrift angebracht ist:

Die Stadt Röbel u die vereinigt Kirchengemeinden v St Marien u St Nicolai ihren im Weltkriege für das Vaterland gefallenen Helden

Darunter sind ein Blumenkorb und rechts und links je ein Füllhorn im Relief herausgearbeitet worden. Rechts und links neben dem Sarkophag liegt je eine Kanonenkugel, davor steht zu den Öffnungszeiten eine brennende Kerze. Auf dem Sarkophag steht jetzt eine segnende Christusfigur nach dem bekannten Entwurf Bertel Thorvaldsen (siehe weiter unten). Auf früheren Fotos kann man sehen, dass die Christusfigur erst vor einigen Jahren wieder dort hinauf gestellt wurde, vorher lagen nur die Kananenkugeln auf dem Sarkophag, die Figur stand auf dem breiten ersten Sockel und davor ein Taufbecken mit Spendenbox. 2006 hat der Verein von Röblern begonnen, den als Abstellkammer benutzten Raum aufzuräumen. Eine Nachbargemeinde erhielt das dort abgestellte Taufbecken, die Christusfigur, die wohl zu ihrem Schutz auf den Boden gestellt worden war, wurde wieder auf den Sarkophag gehoben. Danach begann die Wiederherstellung des Raums unter der Leitung der Diplom-Restauratorin Bettina Strauß, die zuvor schon für den Kirchenraum zuständig gewesen war. Ab 2010 ist der Raum nun wieder in seinem ursprünglichen Zustand zu sehen. Ein Erinnerungsbuch für toten Soldaten des 2. Weltkriegs, alle anderen Röbler, die im Krieg ums Leben gekommen sind und die Röbler, die im benachbarten Kriegsgefangenenlager Stalag IIA auf dem Gelände des Gutes Fünfeichen ermordet worden sind und verschiedene Tafeln zum 1. Weltkrieg aus anderen Kirchen, auch aus der älteren Stadtkirche St. Marien, sind dazu gekommen.

 

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In dem Gewölbebogen auf der linken Seite steht die Aufschrift:

Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßet für seine Freunde. Joh. 15, vers 13.

Hier wird zitiert aus der Abschiedsrede des letzten Abendmahls. Zitat und Figur auf dem Sarkophag zeigen den gewünschten Bezug vom Opfertod Christi zum Kriegstod der Soldaten.

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Für das Vaterland gefallene Helden

»Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses ›Vaterland‹ aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

 

»›Gefallenendenkmal‹ verweist auf das Wort ›fallen‹, dem Wörter wie ›hinfallen‹ aber auch ›fällen‹ zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.22

 

»Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: ›der Gefallenen‹. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung ›Gefallene‹ eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort ›fallen‹ verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der ›fiel‹, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort ›fallen‹, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.«

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

 

»Mit der Bezeichnung ›Held‹ sollte die besondere militärische Leistung des Gefallenen, die letztendlich vor allem in seinem Tod bestand, verbal ausgezeichnet werden. Der Tod der Soldaten belegt nicht ihr militärisches Versagen, sondern zeugt von besonderem Mut und Einsatz. [...] Die Soldaten, die lebend aus dem Krieg wieder heimgekehrt sind, werden in den Inschriften nicht als Helden bezeichnet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S.89

 

»Keine neue Gedenktafel relativiert den sträflichen Unfug von ›Ehre‹, ›Heldentod‹ und ›Vaterland‹, kein Schaukasten erläutert, dass ein ›heiliger Kampf‹ niemals der für Kolonien, Absatzmärkte, Macht, Einflusssphären oder Rohstoffe sein kann, sondern [...] nur der für Gott und seine Liebesbotschaft, für die Zuneigung zum Nächsten und den Frieden in der Welt; dass also ein christlicher Kampf genau das Gegenteil von dem ist, was damals über Europa gebracht wurde.«

kommunal.blogspot.de / Region Aschaffenburg-Miltenberg

 

»Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.«
Kurt Tucholsky


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Noch mehr Gedenktafeln

Im Gedächnisraum stehen noch diverse andere Gedenktafeln. Diese besonders aufwändig dekorierte aus Holz wollen wir hier noch zeigen:
Das kunstvoll geschnitzte Werk enthält über allem thronend die Kaiserkrone und darunter im Wappen die Aufschrift »Für uns!«, geraffte Vorhänge, jede Menge Kordeln und Quasten, Fahnen mit speerartigen Stangen, Lorbeerzweige usw.

Auf der Schriftplatte stehen 48 Namen von getöteten Soldaten geordnet nach Sterbejahr im 1. Weltkrieg, dahintergesetzt ist jeweils der abgekürzte Herkunftsort und der Sterbetag.

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MP Robel St.Nicolai Tafel web

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»Für Uns!«

Fern im Osten gähnt ein Grab

Fern, fern im Osten, da gähnt ein Grab
da senkt man zu tausend die Toten hinab
für uns!

Im Westen, da ragt manch Kreuz schlicht und klein
da liegen sie stumm in langen Reih’n
für uns

Und wo im Winde rauschet das Meer
da gaben sie freudig ihr Leben her
für uns

Sie opferten Zukunft und Jugendglück
sie kehren nie wieder zur Heimat zurück
für uns

Sie gaben ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut
sie gaben es hin mit heiligem Mut
für uns

Und wir? wir können nur weinen und beten
für sie, die da liegen bleich, blutig, zertreten
für uns

Denn es gibt kein Wort, für das Opfer zu danken
und es gibt keinen Dank für sie, die da sanken
für uns

Neue Kriegslieder für den Schulgebrauch, Breslau 1916 , herausgegeben von Kreisschulinspektor Dr. J. Radtke. Bei einer Schulfeier für den im Osten gefallenen Lehrer eines Charlottenburger Gymnasiums wurde dieses Gedicht 1915 erstmals vorgetragen. Der Obertertianer Reinhold Samuelsohn hat es verfasst.


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Die Schmuckelemente der wände

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• Antiker Soldatenhelm

»Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. [...] Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang [...] zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« [...]

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

 

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• Gesenktes Bajonett im Strahlenkranz

 

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• Bronzekappe, bestehend aus der Darstellung eines undifferenziert gestalteten Militärordens mit vier brennenden Herzen in den Zwischenräumen.


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»christus« von Thorvaldsen

»Christus« ist eine klassizistische Statue von Bertel Thorvaldsen (1770–1844). Die Statue aus Carrara-Marmor stellt den auferstandenen Jesus Christus dar. Seit ihrer Fertigstellung 1838 steht sie in der Frauenkirche, der Domkirche des Bistums Kopenhagen, in Dänemark. Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde sie in ganz Europa populär und vielfach kopiert.

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Foto: Ib Rasmussen / Wikimedia Commons


Die Originalstatue im Dom von Kopenhagen ist 3,20 Meter hoch

Die Kopenhagener Domkirche war zusammen mit großen Teilen der Stadt beim Bombardement Kopenhagens 1807 zerstört worden. Der klassizistische Neubau wurde 1817 begonnen und war 1829 vollendet. Thorvaldsen wurde beauftragt, für den neuen Dom Statuen von Jesus und den Aposteln anzufertigen. Die Statue von Jesus wurde 1821 fertig. Der Habitus erinnert an Darstellungen der Schutzmantelmadonna. Der Gestus ist der des zum Himmel auffahrenden Christus, der die zurückbleibenden Jünger mit ihnen zugewandten Händen segnet. Diese Darstellung erlangte im 19. Jahrhundert in ganz Europa Berühmtheit. 1896 bezeichnete ein amerikanischer Schriftsteller sie als die »perfekteste Statue von Christus in der Welt«.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam die Figur in kirchlichen Kreisen in Mode. Viele Pfarrer hatten damals kleine Repliken in ihren Amtszimmern stehen. Die Figur war auch als Grabdenkmal beliebt. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage benutzt das Bild des Christus auf seiner Homepage und in anderen offiziellen Publikationen.

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Foto: Wikimedia Commons


Das Motiv wurde auch für das australische Werbeposter von David Henry Souter (1862–1935) zur Rekrutierung von Krankenschwestern für den Einsatz im 1. Weltkrieg verwendet.

nach Wikipedia, abgerufen am 21. September 2020


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St. Nicolai in der Röbler Neustadt

 

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                  Foto: Christian Pagenkopf/Wikimedia Commons

Die Kirche wurde zwischen 1270 und 1290 geweiht, im 19. Jahrhundert wurde sie umfassend restauriert. Ausbau und Renovierung von St. Nicolai sind stets 20-40 Jahre nach der Marienkirche in der Altstadt erfolgt, in allem jedoch repräsentativer, wie es dem Selbstverständnis der Bürger in der Neustadt entsprach. So auch der massige Turm, der zur Zeit der Raubritterkriege im 15. Jahrhundert nicht zuletzt auch als Wehr- und Wachturm erbaut wurde. Die im Jahr 2000 freigelegten Wandmalereien wurden dokumentiert und dann wieder mit weißer Farbe übertüncht.

 

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Das vierstufige Südportal erhält – wie beim Höhendrang der gotischen Architektur üblich – durch eine giebelartige Bekrönung, einen sogenannten Wimperg, durch Strebepfeiler und Türmchen, ein zum Himmel strebendes Aussehen.

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