NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
1946: Der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde
Die Erneuerung
Die Website von Neukalen

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Neukalen

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Im Park an der Peene steht die Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs aus Neukalen. Eine achtstufige Treppe führt auf die kleine Anhöhe mit dem Denkmal. Der Steinmetzmeister Georg Berendt aus Neukalen hat es entworfen und mit seinen Leuten 1930 errichtet. Das Denkmal wurde mit vorgefertigten Steinblöcken an Ort und Stelle aufgebaut. Die Inschrift in großen bronzenen Lettern lautet:

Vergiss mein Volk die treuen Toten nicht!
1914 - 1918

An der linken und rechten Seite befindet sich jeweils eine gegossene Bronzetafel mit den Namen der toten Soldaten. Oben sitzt ein Adler mit aufgestellten Flügeln, eine Kralle auf einem Stahlhelm. Am 19. Oktober 1930 wurde es in seiner ursprünglichen Form (siehe unten) eingeweiht. Die Inschrift 1939 - 1945 wurde nachträglich angebracht.

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Die Geschichte

nach einem Text von Wolfgang Schimmel:

Bald nach Ende des 1. Weltkriegs gab es verschiedene Bemühungen, die Gefallenen aus Neukalen und Umgebung zu ehren. So wurden 1922 zwei hölzerne Gedenktafeln in der Kirche aufgehängt. Ab 1925 gab es konkrete Bemühungen durch den Kriegerverein zur Aufstellung eines Ehrenmals. Um 1929 wurde zur Beschaffung der nötigen Gelder eine Denkmalslotterie durchgeführt.

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• »Neukalener Tageblatt« vom 12. März 1930

Es sollte kein einfacher Gedenkstein, sondern etwas Besonderes sein. Die speziell gegründete Denkmalsgemeinschaft wurde vom Gendarmeriemeister August Hasselmann geleitet.

 

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• »Neukalener Tageblatt« vom 21. Mai 1930

Die Denkmalsgemeinschaft verfasste einen Aufruf zur Gestaltung des Denkmals. In einem Geschäft am Markt waren bald verschiedene Entwürfe und Modelle zu sehen. Die Auswahl fiel auf den Vorschlag des Steinmetzmeisters Georg Berendt aus Neukalen.

Während Georg Berendt mit seinen Leuten im Sommer 1930 mit der Errichtung des Denkmals begann, sorgte ein eigens geschaffenes »Baukommitte des Kriegerdenkmals« dafür, dass die notwendigen Erd- und Transportarbeiten durchgeführt, Grünflächen und Blumenrabatten angelegt sowie Bäume gepflanzt wurden.

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• Grundsteinlegung, links: August Hasselmann, rechts Bürgermeister Franz Ziegler

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• Die gesamte Denkmalsgemeinschaft

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• Meister Berendt und seine Leute errichten das Kriegerdenkmal

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• Der 2,25 Meter große Adler war auf der Leipziger Messe ausgestellt und von der Denkmalsgemeinschaft gekauft worden. Diese nach einer Form gegossene Adlerdarstellung wurde einmalig nur in Neukalen verwendet.

MP Neukalen Aufmarsch web

• Bei der Weihe des Denkmals am 19. Oktober 1930 gab es einen gemeinsamen Ausmarsch der verschiedenen Vereine vom Markt zum Denkmalsplatz. Voran marschierte der Kriegerverein mit den Kriegerwiten, gefolgt vom Magistrat, der Schützenzunft, dem Gesangsverein usw. Mancher Neukalener Bürger mußte sich entscheiden, wo er sich einreihte, denn viele waren Mitglied in mehreren Vereinen.

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• Die feierliche Enthüllung war verbunden mit Ansprachen des Bürgermeisters Ziegler, des Pastor Hohmann, des Vorsitzenden der Denkmalsgemeinschaft Hasselmann und anderer Persönlichkeiten.

MP Neukalen 1932 web

Während der Zeit des 2. Weltkriegs verwahrloste der Platz. Nach dem Einmarsch der Roten Armee forderten deutsche Kommunisten, die das Sagen im Rathaus hatten, vom Erbauer des Denkmals Steinmetzmeister Georg Berendt  und seinem Sohn Heinrich die Entfernung des Adlers gemäß dem Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde 1946. Aus Angst vor Schwierigkeiten schlichen beide nachts in den Park, schlugen den Adler in Stücke und versenkten alles in der nahen Peene.

MP Neukalen ohneAdler web

• 1979: Das Denkmal ohne Adler, ohne Hinweis auf den 2. Weltkrieg

MP Neukalen 1995 Schimanke web

• Anfang der 90er Jahre: noch kein Adler, aber jetzt sind auch die Soldaten des 2. Weltkriegs unter den »treuen Toten« und werden mit Kränzen bedacht.

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1946: Der Befehl Nr. 30

... Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone gibt am 5. 5. 1946 die Richtlinien für die Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler heraus. Danach müssen alle Denkmäler militärischen Charakters beseitigt werden, sofern sie nicht besonderen künstlerischen Wert besitzen.

Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Kriegerdenkmälern, darin heißt es:

»Da sie als Erinnerung für die Gesamtheit der in den Kriegen Gefallenen gelten, muss jeder Eingriff mit starken Rückwirkungen auf die Bevölkerung rechnen. Zu beseitigen sind auch hier all jene Denkmäler usw. die Aufforderungen zur Rache, zum erneuten Kriegseinsatz, Verherrlichungen des Krieges usw. enthalten. Dies trifft nicht zu für Kriegerdenkmäler, die vor 1860 entstanden sind, da sie fast immer bescheiden in der Haltung sind und fast ausnahmslos einigen künstlerischen Wert besitzen. Kriegerdenkmäler nach 1918 sind fast ausnahmslos wertlos. Ihre Beseitigung ist anzuregen, falls nicht in Sonderfällen künstlerischer Rang vorliegt. Denkmäler mit künstlerischem Wert sind einem Museum zu übergeben. Die Säuberungsaktion soll als Willensausdruck breiter Schichten des Volkes vorgenommen werden.« Infolge der Richtlinien sind zunächst Listen zu erstellen gewesen. ...

Am 13. Mai 1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde herausgegeben. Das ist eine Woche nach dem Rundschreiben der Deutschen Zentralverwaltung. Hier heißt es im Abschnitt Kriegerdenkmäler:
»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.« Ebenfalls wird eine Erstellung von Listen zur Erfassung aller Kriegerdenkmäler, bevor an deren Beseitigung herangegangen wird, gefordert.

Auf Grundlage des Befehls Nr. 30 der Alliierten und der Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung sind die schon erwähnten Listen der Jahre 1946/47 entstanden.

Deren Auswertung ist bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig abgeschlossen. Es lässt sich aber feststellen, dass ca. 900 - 1000 Ehrenmale erfasst sind. Dazu kommen dann die bereits vor dem II. Weltkrieg vernichteten Kriegerdenkmäler und sicher auch noch ein Teil kleinerer Denkmäler die aus den verschiedensten Gründen nicht erfasst wurden.

Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern verschwunden. Einzelne, vor allem figürliche Denkmäler sind vernichtet oder magazinisiert worden. Im nächsten Jahrzehnt erfolgte eine Welle der Umwidmungen. Ehemalige Weltkriegsdenkmäler oder auch nur ihre stehengebliebenen Sockel werden zu VVN-, OdF- oder personellen Denkmälern.

Hier sei nur kurz auf den Nexö-Stein ›unter einem alten deutschen Baum‹ in Greifswald verwiesen. Ursprünglich der Gedenkstein des Greifswalder Infanterie Regiments (Findling) erinnert er heute an den Dichter A. Nexö. Bei günstigem Lichteinfall lassen sich aber unter der Bronzeplatte mit dem Porträt Nexös die Jahreszahlen 1914, 1918 erkennen.

Ein weiteres Beispiel für die Umwidmung eines Gefallenensteines sei hier noch eingefügt. Es gab in Kühlungsborn zwei Denkmäler für die Gefallenen des I. Weltkrieges. Bei dem in Kühlungsborn-West gelegenen dreieckigen Steinblock beseitigte man nach 1945 die Namenstafel und brachte stattdessen ein Dreieck dort an. Dieses fortan den »Opfern des Faschismus« gewidmete Denkmal wurde etwa 1972 entfernt, als in der Strandstraße in Kühlungsborn-Ost ein neues den Opfern des Nationalsozialismus gewidmetes Denkmal eingeweiht wurde. Auch dieses befindet sich an derselben Stelle wie zuvor das Denkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges, teilweise wurde das alte Material verwendet. Es handelt sich um eine etwa 8 m lange Mauer, an der eine Metallskulptur der Künstlerin Renata Ahrens angebracht wurde – ein stilisierter Vogel.

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, Seite 4-5

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Die Erneuerung

Nach der »Wende« setzten sich Bürger der Stadt dafür ein, dass das Denkmal wieder einem Adler erhält.

                MP Neukalen 2007 web

• Am Volkstrauertag 2006 wurde das Denkmal mit dem neuen Adler geweiht. Hier die Ansprache von Pastor Johannes Höpfner:

Ansprache Pastor Hübner

 

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Die Website von Neukalen

Lesen Sie die lange Fassung der Geschichte des Denkmals und einen Bericht über Steinmetzmeister Georg Berendt mit vielen historischen Fotos auf der Website der Stadt Neukalen:

www.stadt-neukalen.de


Wir bedanken uns sehr herzlich für die Genehmigung hier Fotos und Texte aus dieser sehr guten und ausführlichen Dokumentation verwenden zu dürfen.

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Die Dorfkirche von Pantlitz

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Pantlitz

Ortsteil von Ahrenshagen-Daskow im Landkreis Vorpommern-Rügen

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs steht im Garten der Dorfkirche Pantlitz. Es besteht aus zwei Teilen: einer Stele aus Granit mit rechteckigem Grundriss, einem ungewöhnlich geformten oberen Abschluss und einer Bronzeplatte mit Relief und Inschrift und davor einem großen Findling mit Namenstafel, ebenfalls aus Bronze. Ein Haufen kleiner Findlingssteine verbindet diese beiden Elemente.

In der runden Aussparung am Kopf der Stele sieht man noch die Reste einer Befestigung. Dort wurde wahrscheinlich eine weitere Bronzeplatte entfernt. Darunter die längliche Platte mit dem detailreichen Relief eines Soldaten in voller Montur: Uniform, Stiefel, Stahlhelm, Patronengürtel, Schultertasche, ein aufgestelltes Gewehr in der rechten, eine Stabhandgranate in der linken Hand. Umlaufend ist der Bibelvers Johannes 15.13 in leicht veränderter Form zu lesen:

Niemand hat grössere Liebe
denn der
sein Leben lässt für seine
Brüder (auf den Kopf gestellt)

Die Ecken sind mit Eisernen Kreuzen ausgefüllt. Als Verbindungstück zur entfernten runden Platte ist oben noch ein mit Blätterranken verziertes Bronzeteil vorhanden.

Auf dem quergelegten Findling vor der Stele ist eine rechteckige Bronzeplatte angebracht. Eine Reliefborte aus Romben, Halbkügelchen und Blüten in den Ecken umschließt die 20 Namen und das Sterbedatum der Soldaten. Überschrieben sind die Namen mit:

Gefallen im Krieg ... (unleserlich) 

MP Pantlitz Kriegerdenkmal Schiwago Wikimedia Commons web

Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

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Die Inschrift

Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässt für seine Freunde

Diese Bibelspruch aus dem Johannesevangelium 15,13 ist häufig auf Kriegerdenkmälern zu lesen. Er ist ein Beispiel für eine pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods. Die für fast alle Denkmäler typische Kriegstodverklärung findet eine Steigerung in einer spezifisch kirchlichen Deutung.

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Die Dorfkirche von Pantlitz

Das Denkmal steht auf der Südseite der Kirche, im Bild ist es gerade noch hinter der Feldsteinmauer links vom Portal zu erkennen.


MP Pantlitz Kirche Schiwago Wikimedia Commons web

Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

Die Dorfkirche Pantlitz ist ein neugotischer einschiffiger Bau aus Backstein von 1868. Sie hat einen hohen Westturm mit achteckigem Aufsatz und Turmhelm. Seit 2006 ist sie Vorpommerns erste Radfahrerkirche.

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I N H A L T
Das Denkmal
Jahrelang sah das Denkmal so aus
Die Einweihung 1922
Kürassiere des Regiments Nr. 2
Dem Krieg einen Sinn geben?
Gedenktafel in der Marienkirche
Historische Postkarten

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Pasewalk

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Das Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof ist den im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten des Kürassier-Regiments »Königin« Pommersches Nr. 2 gewidmet. Der Stettiner Architekt und Bildhauer Adolph Dahl (1886 - 1940) hat es entworfen. 1921 war die Grundsteinlegung, am 11. Juni 1922 wurde es eingeweiht. Es ist ein sehr ausgewogenes, fast zierliches Denkmal aus Sandstein. Die Platte in der Mitte trägt die Inschrift:

1914 (Eisernes Kreuz) 1918

An beiden Seiten schließen sich je vier eckige Säulen an, die im Bogen geführt werden. Platte und Säulen sind verbunden durch einen schmalen Sockel und einen Architrav, oben aufliegende behauene Sandsteine mit der hervorgehobenen Aufschrift:

Die Königin-Kürassiere ihren teuren Toten

MP Pasewalk Kuerassier Denkmal gesamt web

            MP Pasewalk Kuerassier Helm web

Der Helm mit Spitze wurde vom Volksmund »Pickelhaube« genannt.

 

            MP Pasewalk Kuerassier Denkmal Wappen web

Das Wappen der Kürassiere: ein Königsadler mit Degen und Stock in den Krallen, viele Speere, die Königskrone und vor allem die Botschaft für die trauernden Hinterbliebenen und die noch lebenden Kameraden:

Durch Nacht zum Licht

 

            MP Pasewalk Kuerassier Krone web

Dem Kürassier-Regiment »Königin« Pommersches Nr. 2 stand ab Anfang des 19. Jahrhunderts die jeweilige preußische Königin, seit 1871 war sie zugleich auch die deutsche Kaiserin, als Regimentschefin vor. An den äußeren Säulen des Denkmals ist das Initial von Königin Luise, Ehefrau von König Friedrich Wilhelm III. dargestellt. Sie war von 1797 bis 1810 preussische Königin und wurde 1806 zur ersten Chefin des Regiments ernannt. Seitdem durften sich die Mitglieder des Regiments »Königin-Kürassiere« nennen.

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Auf den acht Säulenfronten wurden die 238 Namen der Kürassiere nach dem Jahr ihres Todes geordnet. Der abgekürzte Dienstgrad ist vorangestellt, der Todestag wird nach dem Namen angegeben

MP Pasewalk Kuerassier Seitlich web

     MP Pasewalk Kuerassier Front web

Die Farbe der Kürassiere ist weiß: die Uniformen, die Darstellung der Pickelhaube und hier nun passend dazu der Kranz mit weißen Lilien.

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Der Gedenkstein für die Toten beider Weltkriege wurde 1990 ergänzt.

Alle Fotos sind von Mr.Pommeroy / Wikimedia Commons. Vielen Dank!

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Jahrelang sah das Denkmal so aus


MP Pasewalk 1995 Schimanke web

Laut Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde vom 13. Mai 1946 (siehe weiter unten) mussten kriegsverherrlichende Attribute der Denkmäler entfernt werden. Das galt für alle Besatzungszonen, in der sowjetisch besetzten Zone wurde der Befehl allerdings konsequenter durchgeführt als im übrigen Deutschland. Nach 1990 wurde das Denkmal in Pasewalk – wie auch viele andere auf ehemaligem DDR-Gebiet – in nahezu ursprünglicher Form wieder hergestellt.

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Die Einweihung 1922

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Kürassiere des Regiments Nr.2

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Namensherkunft

Das Wort Kürass (von französisch cuirasse für » Lederpanzer« von cuir für Leder) kam im 15. Jahrhundert im deutschen Sprachraum auf und bezeichnete den Brust- und Rückenpanzer des Reiters. Daraus abgeleitet entstand um 1500 die Bezeichnung Kürisser für die voll gerüsteten Ritter, sie ging später auf die Pistolenreiter über.

Die Kürassiere waren das Bindeglied zwischen den gepanzerten Lanzenreitern des Mittelalters und der neuzeitlichen Kavallerie. Erstmals kämpften mit Pistolen bewaffnete Reiterverbände 1547 in der Schlacht bei Mühlberg. Aus ihnen gingen die Kürassiere hervor. Die Kürassiere trugen bis in das 17. Jahrhundert hinein einen so genannten Trabharnisch, der bis zu den Knien reichte und über einen geschlossenen Helm oder eine Sturmhaube verfügte. Die typische Bewaffnung eines Kürassiers bestand seit dem 16. Jahrhundert aus zwei Pistolen und einem Rapier bzw. Reitschwert oder einem Degen. Vor allem Männer gehobenen Standes bemühten sich um die Aufnahme in eine Kürassier-Einheit, dort wollten sie an die ritterlichen Ideale des Mittelalters anknüpfen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 23.3.2015

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Dem Krieg einen Sinn geben?

»Für die damaligen Großherzogtümer und die preußische Provinz Pommern waren die traditionellen Kavallerieregimenter äußerst repräsentativ. Auf den großen Gütern der norddeutschen Junker waren Pferdezucht und Offizierslaufbahn untrennbar miteinander verbunden. Ein Regiment zu stiften war nicht nur sehr ehrenvoll, es war vor allem sehr kostspielig und somit den Fürsten vorbehalten. Die Garnisonen der Regimenter trugen nicht selten maßgeblich zur Entwicklung der jeweiligen Städte bei. Pasewalk trägt sogar wegen seines Kavallerie-Regiments den Beinamen ›Kürassier-Stadt‹. So war jedes Regiment betrebt, seinen in erheblicher Zahl gefallenen Angehörigen ein würdiges Denkmal zu stiften. Diese sogenannten Regimentsdenkmäler gingen in ihrer Gestaltung oft weit über reines Totengedenken hinaus, meist strotzten sie nur so von militärischem Pathos, wonach sie gemäß der Direktive Nr. 30 1946 der Zerstörung unterlagen.«

Zitiert aus Matthias Hübner, »Der Erste Weltkrieg anhand von Kriegerdenkmälern in Mecklenburg-Vorpommern«, Band 4, Edition Hübner

Aus dem Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde vom 13. Mai 1946

»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.«

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Gedenktafel in der Marienkirche

MP Pasewalk Kuerassier Kirche web
 
Die Gedenktafeln für die im 1. Weltkrieg getöteten Kürassiere wurden am 11. Juni 1922 in der Marienkirche angebracht. Sie sind mit Gott für König und Vaterland gestorben.

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Historische Postkarten

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Die großzügige Kasernenanlage des Kürassierregiments »Königin« in der Straße »An der Kürassierkaserne«: Bei der Planung wurden die Kosten mit 1.657.684,75 Mark angegeben. Beim Bau konnten dann 200.00 Reichsmark eingespart werden. Erbaut wurde das Backsteingebäude von 1879 – 1882. Am 29. April 1882 ist es bezogen worden, die bis dahin bestehenden »Einquartierungen« von Soldaten in Privatwohnungen hatten ein Ende. Heute beherbergt die Kaserne  das Landratsamt.

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MP Pasewalk Kuerassier Karte3 web

 

Auf den historischen Postkarten sieht man noch die Reliefs der Waffen, die senkrecht an den Frontseiten der äußeren Säulen angebracht waren.

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Das Denkmal
Ehre ihrem Andenken
Allen Opfern?
Zur Erinnerung
Das Schwert
Eichenlaub
Das Grab
Das Eiserne Kreuz
Die alte Ausspanne

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Reinshagen

Landkreis Rostock

Am Eingang zur Dorfkirche von Reinshagen steht das mächtige Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

MP Reinshagen Kirchentur web


Unmittelbar neben den Gräbern des Friedhofs erhebt es sich auf einem großen ansteigenden viereckigen Sockel aus Steinen, Erde und Pflanzen.

 

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Das Denkmal aus rötlich-grauem Stein ist in etwa dreieckig, es ist vorne und hinten grob flächig geglättet, um Schild und Gravuren anbringen zu können.

 

     MP Reinshagen Platte ganz web


Das länglich-ovale Bronzeschild hat einen wulstigen Rand aus stilisierten Lorbeerblättern. Ein Lorbeerkranz bzw. Lorbeer ist das Symbol für eine Auszeichnung, insbesondere für einen Sieg oder einen Erfolg. Oben und unten sind die Schnittstellen der Lorbeergirlanden mit gekreuzten Bändern bedeckt.

Auf dem Schild sind in zwei Spalten, die von einem langen gesenkten Schwert getrennt werden, 42 Namen von toten Soldaten aufgeführt. Alle Buchstaben und Schmuckelemente auf dem Schild sind erhaben, die Buchstaben sind als Majuskeln (groß) geschrieben. Geordnet nach ihrer Herkunft aus neun Ortschaften der Kirchengemeinde Reinshagen. Innerhalb der Ortschaften sind die Soldaten nach Sterbedatum aufgelistet. Es werden Vor- und Nachname und rechtsbündig das Sterbedatum in Ziffern genannt, fünf Soldaten sind als vermisst (VERM.) bezeichnet.

 

MP Reinshagen Platte oben web


Überschrieben ist die Namensliste mit:

IM WELTKRIEG 1914 – 18
FIELEN AUS DER GEMEINDE REINSHAGEN

 

MP Reinshagen Platte unten web


Die Namensliste endet auf der rechten Seite mit einem Schmuckelement, zwei verbundene schräggestellte Linien, um die Leerstelle zu füllen.

In der unteren Spitze des Schildes steht:

EHRE IHREM ANDENKEN

Darunter als Abschluss wieder ein Schmuckelement, diesmal sind es schwungvolle symmetrische Linien, Vogelschwingen ähnlich. Geschickt eingebaut sind Loch und Schraubenkopf der Befestigung.

 

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Über dem Bronzeschild kann man die Gravur eines Eisernen Kreuzes zwischen zwei gekreuzten Eichenlaubzweigen entdecken. Im Eisernen Kreuz sieht man oben die preußische Königskrone, in der Mitte das »W« für den preußischen König Wilhelm II., der 1914 in dritter Stiftung das Eiserne Kreuz als militärisches Ehrenzeichen erneuert hatte und einer Linie als Kontur.

 

MP Reinshagen seitlich web


Noch einmal von der Seite der große Sockel und der abgeplattete große Denkmalstein. Am Fuß des Steins und an seiner Seite wurde je eine Tafel eingelassen. Weiter unten werden beide beschrieben.

 

MP Reinshagen EK hinten web


Auf der Rückseite ein eingemeißeltes, großes Eisernes Kreuz, in der Ausgestaltung wie das kleine Eiserne Kreuz auf der Vorderseite.

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Ehre Ihrem andenken

Ehren kann mehr bedeuten als nur jemanden in guter Erinnerung zu bewahren. Es kann die Absicht beinhalten, jemanden auszuzeichnen, also eine besondere Leistung, ein besonderes Verhalten, eine besondere Haltung hervorzuheben. Eine solche Form der Ehrung ist im zivilen Bereich mit der Verleihung von Ehrenbezeichnungen, Urkunden, Ehrenringen oder -plaketten oder auch Orden verbunden, im militärischen Bereich vor allem mit Orden [meist dem Eisernen Kreuz]. Das Kriegerdenkmal wird diesen Ordens- und Ehrenzeichen gleichsam zur Seite gestellt und posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit. [...]

Das verehrungswürdige Sujet verträgt keine Beschädigung, keine Beschmutzung. Das hat es mit dem Idol gemein oder im geistigen Kontext mit dem Ideal. Der Krieger mutiert zum Held, das Kriegerdenkmal zum Heldenehrenmal – und ist damit jeder kritischen Betrachtung entzogen. Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene »Dolchstoßlegende« oder die Proteste gegen die »Wehrmachtsausstellung« über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 33. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

 

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Allen Opfern?

Auch wenn die Intention der Ergänzung vermutlich darauf abzielte, die Botschaft des Kriegerdenkmals zu relativieren, bewirkt sie doch das Gegenteil. Wer ist mit »Allen Opfern« gemeint? Nehmen wir den letzten Weltkrieg, dem diese Tafel wahrscheinlich zugeordnet werden kann: Sind die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder auch die toten Wehrmachtssoldaten gemeint?  Die Millionen Opfer des Nationalsozialismus werden in eine Reihe gebracht mit den Soldaten, die am Verbrechen des Zweiten Weltkriegs beteiligt waren.

 

MP Reinshagen Opfer web

 

Die »Opfer« gelten als solche von »Krieg und Gewaltherrschaft«. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können. Die Schwierigkeit, dieser Anforderung gerecht zu werden, liegt letztlich in den Dimensionen des zu erinnernden Tötens und Sterbens selbst begründet. Die »postheroische« Gesellschaft der Bundesrepublik ist ein Kind der Erfahrung, dass sich alle Versuche der Verherrlichung von Krieg und Tod 1945 endgültig desavouriert hatten.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 101

 

Auf der Tafel in Reinshagen steht unter der Widmung »Allen Opfern von Krieg und Gewalt« ein biblisches Zitat:

Ich weiß, dass mein
Erlöser lebt
Hiob 19.25

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Zur Erinnerung

Die Tafel aus rötlich-schwarzem Granit an der Seite des Denkmals ist, wenn wir den Text richtig verstehen, den vertriebenen und geflüchteten Menschen aus den sogenannten Ostgebieten gewidmet. Der Text lautet:

Der in unserem Elend an uns dachte,
dessen Güte währt ewig
Psalm 136,23

Zur Erinnerung
an jene, die in den
Wirren der Nachkriegszeit
hierher kamen und auf dem
Neuen Friedhof in Gremmelin
beerdigt wurden.

Kirchengemeinde Reinshagen

 

MP Reinshagen Tafel Wirren web

 

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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf. 

Ab 1980 wurde die Symbolkraft des Schwertes umgekehrt: Wer »Schwerter zu Pflugscharen« macht, schafft Frieden. »Schwerter zu Pflugscharen« ist ein Teilzitat aus der Bibel beim Propheten Micha, das zur Redewendung geworden ist. Es drückt das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion aus. Es wurde der Slogan staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen in der DDR, den auch Teile der westdeutschen Friedensbewegung übernahmen.


Schwerter zu Pflugscharen bei Wikipedia

 

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Eichenlaub

Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.

Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.

Aus diesem Grund findet man Eichenlaub oft auf Orden, Symbolen und Münzen, so beispielsweise als Erweiterung des Ordens Pour le Mérite sowie auf dem Eisernen Kreuz. Während des Zweiten Weltkrieges gab es zudem das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub. Seit 1957 ist es Vorschrift, dass Orden aus der Zeit des Nationalsozialismus nur noch ohne das damals – bis auf wenige Ausnahmen – obligatorische Hakenkreuz getragen werden dürfen. Dieses wurde daher beim Eisernen Kreuz sowie dessen Erweiterungsstufen – wie bei den ersten Eisernen Kreuzen aus der Zeit der Befreiungskriege – durch drei Eichenblätter ersetzt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019

 

MP Sagard Eisernes Kreuz web2


Das Eiserne Kreuz auf dem Denkmal zur Völkerschlacht bei Leipzig in Sagard auf Rügen.

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt. Wörtlich heißt es dazu:

»Se. Königl. Maj. haben beschlossen, für die Dauer des jetzigen Krieges eine eigenthümliche Auszeichnung des Verdienstes eintreten zu lassen. Sie soll in einem schwarzen in Silber gefaßten Kreuz aus Gußeisen bestehen, und dessen Vorderseite ganz glatt und ohne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite aber zu oberst den Namenszug FW mit der Krone, in der Mitte drey Eichenblätter, unter die Jahreszahl 1813 enthalten. Se. Maj. haben allerhöchstselbst die anliegende Zeichnung davon entworfen, und wünschen eine sauber ausgeführte Zeichnung.«

 

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Foto: Wikimedia Commons / Concord

Das Emblem der DDR mit Eichenlaub über dem Eingang zum Opernhaus in Leipzig.

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Der alte 5-Mark-Schein, es gab ihn bis zum 1. Januar 2002

 

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Das Grab

Der Rückseite des Denkmals mit dem großen Eisernen Kreuz gegenüber steht der Grabstein des Soldaten Hans Passow.

 

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Der Stein aus schwarzem Marmor, von immergrünem Efeu umwachsen, trägt ebenfalls ein Eisernes Kreuz. Die Eltern und Geschwister fanden wohl Trost in diesem militärische Ehrenzeichen, das ihm posthum durch den Tod besiegelte besondere Treue und Tapferkeit bescheinigt, Haltungen, die übrigens auch heute noch der Soldateneid einfordert.

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Hans Passow war ein Feuerwerker. So bezeichnet man einen Munitionsfachkundigen, zu dessen Aufgaben die Räumung, also das Lokalisieren, Entfernen und Unschädlichmachen von Munition gehört. Im 1. und 2. Weltkrieg eine gängige militärischer Dienstbezeichnung.
 

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Das Eiserne Kreuz

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt.

Friedrich Wilhelm III. stiftete mit dem Eisernen Kreuz die erste Auszeichnung in Deutschland überhaupt, für deren Verleihung hervorragende Handlungen im Befreiungskrieg ohne Rücksicht auf Stand, Herkunft, Dienstgrad und militärischen Rang maßgebend war. Unterstützend zu der beginnenden Verleihungspraxis kam hinzu, dass mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht alle Standesunterschiede gefallen waren. Mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes sollte auch ausdrücklich die Verleihung mehrerer Kriegsorden ausgeschlossen werden und nur noch in besonderen Ausnahmefällen zulässig sein. Das Eiserne Kreuz war auch derjenige Orden, bei dem die Verleihung der nächsthöheren Stufe die Erreichung der vorherigen Verleihungsklasse zwingend voraussetzte.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 10. November 2019


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• Das Eiserne Kreuz auf der Rückseite des Kriegerdenkmals in Reinshagen

 

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. Dezember 2017

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Die alte Ausspanne

... ist jetzt ein Café, das Dorfzentrum und der Sitz des Vereins »Alte Ausspanne Denkmalpflege Reinshagen e.V.«. Es ist das Gebäude, das an den Friedhof angrenzt.

 

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Lesen Sie hier weiter: Blog des Vereins


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I N H A L T
Das Denkmal
Noch mehr Gedenktafeln
Die Schmuckelemente der Wände
St. Nicolai in der Röbler Neustadt

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Röbel/Müritz

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

St. Nikolai ist eine gotische Kirche im Stadtkern von Röbel. In einem Nebenraum wurde (von der Stadt Röbel finanziert, die Kirche stellte nur den Raum) nach dem 1. Weltkrieg ein »Gedächtnisraum« eingerichtet, der dann aber in späteren Jahren eher als Abstellkammer benutzt wurde. 2006 begann ein Verein von Röbler Bürgern mit der Restaurierung des Raums.

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Die Wände sind im unteren Bereich mit Sandsteinplatten kunstvoll und aufwändig verkleidet. Sie sind mit Namen und Jahreszahlen (bis 1920) beschriftet und tragen als Schmuckelemente Reliefs eines antiken Soldatenhelms, ein gesenktes Kurzschwert auf einem Strahlenkranz und bronzene Kappen mit je vier brennenden Herzen. Oberhalb der großen Platten zieht sich ein Fries durch den gesamten Raum. Dort sind wiederum Gruppen von insgesamt 143 Namen, getrennt von den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, zu lesen.

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In der Mitte des Raums steht ein Steinblock in Form eines Sarkophags, auf dem mit Bronzebuchstaben die Inschrift angebracht ist:

Die Stadt Röbel u die vereinigt Kirchengemeinden v St Marien u St Nicolai ihren im Weltkriege für das Vaterland gefallenen Helden

Darunter sind ein Blumenkorb und rechts und links je ein Füllhorn im Relief herausgearbeitet worden. Rechts und links neben dem Sarkophag liegt je eine Kanonenkugel, davor steht zu den Öffnungszeiten eine brennende Kerze. Auf dem Sarkophag steht jetzt eine segnende Jesusfigur im Stil der Figuren am Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf früheren Fotos kann man sehen, dass die Jesusfigur erst vor einigen Jahren wieder dort hinauf gestellt wurde, vorher lagen nur die Kananenkugeln auf dem Sarkophag, die Figur stand auf dem breiten ersten Sockel und davor ein Taufbecken mit Spendenbox. 2006 hat der Verein von Röblern begonnen, den als Abstellkammer benutzten Raum aufzuräumen. Eine Nachbargemeinde erhielt das dort abgestellte Taufbecken, die Jesusfigur, die wohl zu ihrem Schutz auf den Boden gestellt worden war, wurde wieder auf den Sarkophag gehoben. Danach begann die Wiederherstellung des Raums unter der Leitung der Diplom-Restauratorin Bettina Strauß, die zuvor schon für den Kirchenraum zuständig gewesen war. Ab 2010 ist der Raum nun wieder in seinem ursprünglichen Zustand zu sehen. Ein Erinnerungsbuch für toten Soldaten des 2. Weltkriegs, alle anderen Röbler, die im Krieg ums Leben gekommen sind und die Röbler, die im benachbarten Kriegsgefangenenlager Stalag IIA auf dem Gelände des Gutes Fünfeichen ermordet worden sind und verschiedene Tafeln zum 1. Weltkrieg aus anderen Kirchen, auch aus der älteren Stadtkirche St. Marien, sind dazu gekommen.

 

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In dem Gewölbebogen auf der linken Seite steht die Aufschrift:

Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßet für seine Freunde. Joh. 15, vers 13.

Hier wird zitiert aus der Abschiedsrede des letzten Abendmahls. Zitat und Figur auf dem Sarkophag zeigt den gewünschten Bezug vom Opfertod Christi zum Kriegstod der Soldaten.

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Noch mehr Gedenktafeln

Im Gedächnisraum stehen noch diverse andere Gedenktafeln. Diese besonders aufwändig dekorierte aus Holz wollen wir hier zeigen:
Das kunstvoll geschnitzte Werk enthält über allem thronend die Kaiserkrone und darunter im Wappen die Aufschrift »Für uns!«, geraffte Vorhänge, jede Menge Kordeln und Quasten, Fahnen mit speerartigen Stangen, Lorbeerzweige usw.

Auf der Schriftplatte stehen 48 Namen von getöteten Soldaten geordnet nach Sterbejahr im 1. Weltkrieg, dahintergesetzt ist jeweils der abgekürzte Herkunftsort und der Sterbetag.

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Die Schmuckelemente der wände

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• Antiker Soldatenhelm

 

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• Gesenktes Kurzschwert im Strahlenkranz

 

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• Bronzekappe mit vier brennenden Herzen


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St. Nicolai in der Röbler Neustadt

 

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                  Foto: Christian Pagenkopf/Wikimedia Commons

Die Kirche wurde zwischen 1270 und 1290 geweiht, im 19. Jahrhundert wurde sie umfassend restauriert. Ausbau und Renovierung von St. Nicolai sind stets 20-40 Jahre nach der Marienkirche in der Altstadt erfolgt, in allem jedoch repräsentativer, wie es dem Selbstverständnis der Bürger in der Neustadt entsprach. So auch der massige Turm, der zur Zeit der Raubritterkriege im 15. Jahrhundert nicht zuletzt auch als Wehr- und Wachturm erbaut wurde. Die im Jahr 2000 freigelegten Wandmalereien wurden dokumentiert und dann wieder mit weißer Farbe übertüncht.

 

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Das vierstufige Südportal erhält – wie beim Höhendrang der gotischen Architektur üblich – durch eine giebelartige Bekrönung, einen sogenannten Wimperg, durch Strebepfeiler und Türmchen, ein zum Himmel strebendes Aussehen.

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