NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
1946: Der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde
Die Erneuerung
Die Website von Neukalen

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Neukalen

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Im Park an der Peene steht die Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs aus Neukalen. Eine achtstufige Treppe führt auf die kleine Anhöhe mit dem Denkmal. Der Steinmetzmeister Georg Berendt aus Neukalen hat es entworfen und mit seinen Leuten 1930 errichtet. Das Denkmal wurde mit vorgefertigten Steinblöcken an Ort und Stelle aufgebaut. Die Inschrift in großen bronzenen Lettern lautet:

Vergiss mein Volk die treuen Toten nicht!
1914 - 1918

An der linken und rechten Seite befindet sich jeweils eine gegossene Bronzetafel mit den Namen der toten Soldaten. Oben sitzt ein Adler mit aufgestellten Flügeln, eine Kralle auf einem Stahlhelm. Am 19. Oktober 1930 wurde es in seiner ursprünglichen Form (siehe unten) eingeweiht. Die Inschrift 1939 - 1945 wurde nachträglich angebracht.

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Die Geschichte

nach einem Text von Wolfgang Schimmel:

Bald nach Ende des 1. Weltkriegs gab es verschiedene Bemühungen, die Gefallenen aus Neukalen und Umgebung zu ehren. So wurden 1922 zwei hölzerne Gedenktafeln in der Kirche aufgehängt. Ab 1925 gab es konkrete Bemühungen durch den Kriegerverein zur Aufstellung eines Ehrenmals. Um 1929 wurde zur Beschaffung der nötigen Gelder eine Denkmalslotterie durchgeführt.

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• »Neukalener Tageblatt« vom 12. März 1930

Es sollte kein einfacher Gedenkstein, sondern etwas Besonderes sein. Die speziell gegründete Denkmalsgemeinschaft wurde vom Gendarmeriemeister August Hasselmann geleitet.

 

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• »Neukalener Tageblatt« vom 21. Mai 1930

Die Denkmalsgemeinschaft verfasste einen Aufruf zur Gestaltung des Denkmals. In einem Geschäft am Markt waren bald verschiedene Entwürfe und Modelle zu sehen. Die Auswahl fiel auf den Vorschlag des Steinmetzmeisters Georg Berendt aus Neukalen.

Während Georg Berendt mit seinen Leuten im Sommer 1930 mit der Errichtung des Denkmals begann, sorgte ein eigens geschaffenes »Baukommitte des Kriegerdenkmals« dafür, dass die notwendigen Erd- und Transportarbeiten durchgeführt, Grünflächen und Blumenrabatten angelegt sowie Bäume gepflanzt wurden.

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• Grundsteinlegung, links: August Hasselmann, rechts Bürgermeister Franz Ziegler

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• Die gesamte Denkmalsgemeinschaft

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• Meister Berendt und seine Leute errichten das Kriegerdenkmal

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• Der 2,25 Meter große Adler war auf der Leipziger Messe ausgestellt und von der Denkmalsgemeinschaft gekauft worden. Diese nach einer Form gegossene Adlerdarstellung wurde einmalig nur in Neukalen verwendet.

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• Bei der Weihe des Denkmals am 19. Oktober 1930 gab es einen gemeinsamen Ausmarsch der verschiedenen Vereine vom Markt zum Denkmalsplatz. Voran marschierte der Kriegerverein mit den Kriegerwiten, gefolgt vom Magistrat, der Schützenzunft, dem Gesangsverein usw. Mancher Neukalener Bürger mußte sich entscheiden, wo er sich einreihte, denn viele waren Mitglied in mehreren Vereinen.

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• Die feierliche Enthüllung war verbunden mit Ansprachen des Bürgermeisters Ziegler, des Pastor Hohmann, des Vorsitzenden der Denkmalsgemeinschaft Hasselmann und anderer Persönlichkeiten.

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Während der Zeit des 2. Weltkriegs verwahrloste der Platz. Nach dem Einmarsch der Roten Armee forderten deutsche Kommunisten, die das Sagen im Rathaus hatten, vom Erbauer des Denkmals Steinmetzmeister Georg Berendt  und seinem Sohn Heinrich die Entfernung des Adlers gemäß dem Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde 1946. Aus Angst vor Schwierigkeiten schlichen beide nachts in den Park, schlugen den Adler in Stücke und versenkten alles in der nahen Peene.

MP Neukalen ohneAdler web

• 1979: Das Denkmal ohne Adler, ohne Hinweis auf den 2. Weltkrieg

MP Neukalen 1995 Schimanke web

• Anfang der 90er Jahre: noch kein Adler, aber jetzt sind auch die Soldaten des 2. Weltkriegs unter den »treuen Toten« und werden mit Kränzen bedacht.

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1946: Der Befehl Nr. 30

... Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone gibt am 5. 5. 1946 die Richtlinien für die Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler heraus. Danach müssen alle Denkmäler militärischen Charakters beseitigt werden, sofern sie nicht besonderen künstlerischen Wert besitzen.

Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Kriegerdenkmälern, darin heißt es:

»Da sie als Erinnerung für die Gesamtheit der in den Kriegen Gefallenen gelten, muss jeder Eingriff mit starken Rückwirkungen auf die Bevölkerung rechnen. Zu beseitigen sind auch hier all jene Denkmäler usw. die Aufforderungen zur Rache, zum erneuten Kriegseinsatz, Verherrlichungen des Krieges usw. enthalten. Dies trifft nicht zu für Kriegerdenkmäler, die vor 1860 entstanden sind, da sie fast immer bescheiden in der Haltung sind und fast ausnahmslos einigen künstlerischen Wert besitzen. Kriegerdenkmäler nach 1918 sind fast ausnahmslos wertlos. Ihre Beseitigung ist anzuregen, falls nicht in Sonderfällen künstlerischer Rang vorliegt. Denkmäler mit künstlerischem Wert sind einem Museum zu übergeben. Die Säuberungsaktion soll als Willensausdruck breiter Schichten des Volkes vorgenommen werden.« Infolge der Richtlinien sind zunächst Listen zu erstellen gewesen. ...

Am 13. Mai 1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde herausgegeben. Das ist eine Woche nach dem Rundschreiben der Deutschen Zentralverwaltung. Hier heißt es im Abschnitt Kriegerdenkmäler:
»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.« Ebenfalls wird eine Erstellung von Listen zur Erfassung aller Kriegerdenkmäler, bevor an deren Beseitigung herangegangen wird, gefordert.

Auf Grundlage des Befehls Nr. 30 der Alliierten und der Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung sind die schon erwähnten Listen der Jahre 1946/47 entstanden.

Deren Auswertung ist bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig abgeschlossen. Es lässt sich aber feststellen, dass ca. 900 - 1000 Ehrenmale erfasst sind. Dazu kommen dann die bereits vor dem II. Weltkrieg vernichteten Kriegerdenkmäler und sicher auch noch ein Teil kleinerer Denkmäler die aus den verschiedensten Gründen nicht erfasst wurden.

Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern verschwunden. Einzelne, vor allem figürliche Denkmäler sind vernichtet oder magazinisiert worden. Im nächsten Jahrzehnt erfolgte eine Welle der Umwidmungen. Ehemalige Weltkriegsdenkmäler oder auch nur ihre stehengebliebenen Sockel werden zu VVN-, OdF- oder personellen Denkmälern.

Hier sei nur kurz auf den Nexö-Stein ›unter einem alten deutschen Baum‹ in Greifswald verwiesen. Ursprünglich der Gedenkstein des Greifswalder Infanterie Regiments (Findling) erinnert er heute an den Dichter A. Nexö. Bei günstigem Lichteinfall lassen sich aber unter der Bronzeplatte mit dem Porträt Nexös die Jahreszahlen 1914, 1918 erkennen.

Ein weiteres Beispiel für die Umwidmung eines Gefallenensteines sei hier noch eingefügt. Es gab in Kühlungsborn zwei Denkmäler für die Gefallenen des I. Weltkrieges. Bei dem in Kühlungsborn-West gelegenen dreieckigen Steinblock beseitigte man nach 1945 die Namenstafel und brachte stattdessen ein Dreieck dort an. Dieses fortan den »Opfern des Faschismus« gewidmete Denkmal wurde etwa 1972 entfernt, als in der Strandstraße in Kühlungsborn-Ost ein neues den Opfern des Nationalsozialismus gewidmetes Denkmal eingeweiht wurde. Auch dieses befindet sich an derselben Stelle wie zuvor das Denkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges, teilweise wurde das alte Material verwendet. Es handelt sich um eine etwa 8 m lange Mauer, an der eine Metallskulptur der Künstlerin Renata Ahrens angebracht wurde – ein stilisierter Vogel.

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, Seite 4-5

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Die Erneuerung

Nach der »Wende« setzten sich Bürger der Stadt dafür ein, dass das Denkmal wieder einem Adler erhält.

                MP Neukalen 2007 web

• Am Volkstrauertag 2006 wurde das Denkmal mit dem neuen Adler geweiht. Hier die Ansprache von Pastor Johannes Höpfner:

Ansprache Pastor Hübner

 

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Die Website von Neukalen

Lesen Sie die lange Fassung der Geschichte des Denkmals und einen Bericht über Steinmetzmeister Georg Berendt mit vielen historischen Fotos auf der Website der Stadt Neukalen:

www.stadt-neukalen.de


Wir bedanken uns sehr herzlich für die Genehmigung hier Fotos und Texte aus dieser sehr guten und ausführlichen Dokumentation verwenden zu dürfen.

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Das Denkmal
Die Inschrift
Die Dorfkirche von Pantlitz

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Pantlitz

Ortsteil von Ahrenshagen-Daskow im Landkreis Vorpommern-Rügen

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs steht im Garten der Dorfkirche Pantlitz. Es besteht aus zwei Teilen: einer Stele aus Granit mit rechteckigem Grundriss, einem ungewöhnlich geformten oberen Abschluss und einer Bronzeplatte mit Relief und Inschrift und davor einem großen Findling mit Namenstafel, ebenfalls aus Bronze. Ein Haufen kleiner Findlingssteine verbindet diese beiden Elemente.

In der runden Aussparung am Kopf der Stele sieht man noch die Reste einer Befestigung. Dort wurde wahrscheinlich eine weitere Bronzeplatte entfernt. Darunter die längliche Platte mit dem detailreichen Relief eines Soldaten in voller Montur: Uniform, Stiefel, Stahlhelm, Patronengürtel, Schultertasche, ein aufgestelltes Gewehr in der rechten, eine Stabhandgranate in der linken Hand. Umlaufend ist der Bibelvers Johannes 15.13 in leicht veränderter Form zu lesen:

Niemand hat grössere Liebe
denn der
sein Leben lässt für seine
Brüder (auf den Kopf gestellt)

Die Ecken sind mit Eisernen Kreuzen ausgefüllt. Als Verbindungstück zur entfernten runden Platte ist oben noch ein mit Blätterranken verziertes Bronzeteil vorhanden.

Auf dem quergelegten Findling vor der Stele ist eine rechteckige Bronzeplatte angebracht. Eine Reliefborte aus Romben, Halbkügelchen und Blüten in den Ecken umschließt die 20 Namen und das Sterbedatum der Soldaten. Überschrieben sind die Namen mit:

Gefallen im Krieg ... (unleserlich) 

MP Pantlitz Kriegerdenkmal Schiwago Wikimedia Commons web

Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

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Die Inschrift

Niemand hat grössere Liebe denn die dass er sein Leben lässt für seine Freunde

Diese Bibelspruch aus dem Johannesevangelium 15,13 ist häufig auf Kriegerdenkmälern zu lesen. Er ist ein Beispiel für eine pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods. Die für fast alle Denkmäler typische Kriegstodverklärung findet eine Steigerung in einer spezifisch kirchlichen Deutung.

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Die Dorfkirche von Pantlitz

Das Denkmal steht auf der Südseite der Kirche, im Bild ist es gerade noch hinter der Feldsteinmauer links vom Portal zu erkennen.


MP Pantlitz Kirche Schiwago Wikimedia Commons web

Foto: Schiwago / Wikimedia Commons

Die Dorfkirche Pantlitz ist ein neugotischer einschiffiger Bau aus Backstein von 1868. Sie hat einen hohen Westturm mit achteckigem Aufsatz und Turmhelm. Seit 2006 ist sie Vorpommerns erste Radfahrerkirche.

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Das Denkmal
Jahrelang sah das Denkmal so aus
Die Einweihung 1922
Kürassiere des Regiments Nr. 2
Dem Krieg einen Sinn geben?
Gedenktafel in der Marienkirche
Historische Postkarten

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Pasewalk

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Das Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof ist den im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten des Kürassier-Regiments »Königin« Pommersches Nr. 2 gewidmet. Der Stettiner Architekt und Bildhauer Adolph Dahl (1886 - 1940) hat es entworfen. 1921 war die Grundsteinlegung, am 11. Juni 1922 wurde es eingeweiht. Es ist ein sehr ausgewogenes, fast zierliches Denkmal aus Sandstein. Die Platte in der Mitte trägt die Inschrift:

1914 (Eisernes Kreuz) 1918

An beiden Seiten schließen sich je vier eckige Säulen an, die im Bogen geführt werden. Platte und Säulen sind verbunden durch einen schmalen Sockel und einen Architrav, oben aufliegende behauene Sandsteine mit der hervorgehobenen Aufschrift:

Die Königin-Kürassiere ihren teuren Toten

MP Pasewalk Kuerassier Denkmal gesamt web

            MP Pasewalk Kuerassier Helm web

Der Helm mit Spitze wurde vom Volksmund »Pickelhaube« genannt.

 

            MP Pasewalk Kuerassier Denkmal Wappen web

Das Wappen der Kürassiere: ein Königsadler mit Degen und Stock in den Krallen, viele Speere, die Königskrone und vor allem die Botschaft für die trauernden Hinterbliebenen und die noch lebenden Kameraden:

Durch Nacht zum Licht

 

            MP Pasewalk Kuerassier Krone web

Dem Kürassier-Regiment »Königin« Pommersches Nr. 2 stand ab Anfang des 19. Jahrhunderts die jeweilige preußische Königin, seit 1871 war sie zugleich auch die deutsche Kaiserin, als Regimentschefin vor. An den äußeren Säulen des Denkmals ist das Initial von Königin Luise, Ehefrau von König Friedrich Wilhelm III. dargestellt. Sie war von 1797 bis 1810 preussische Königin und wurde 1806 zur ersten Chefin des Regiments ernannt. Seitdem durften sich die Mitglieder des Regiments »Königin-Kürassiere« nennen.

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Auf den acht Säulenfronten wurden die 238 Namen der Kürassiere nach dem Jahr ihres Todes geordnet. Der abgekürzte Dienstgrad ist vorangestellt, der Todestag wird nach dem Namen angegeben

MP Pasewalk Kuerassier Seitlich web

     MP Pasewalk Kuerassier Front web

Die Farbe der Kürassiere ist weiß: die Uniformen, die Darstellung der Pickelhaube und hier nun passend dazu der Kranz mit weißen Lilien.

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Der Gedenkstein für die Toten beider Weltkriege wurde 1990 ergänzt.

Alle Fotos sind von Mr.Pommeroy / Wikimedia Commons. Vielen Dank!

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Jahrelang sah das Denkmal so aus


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Laut Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde vom 13. Mai 1946 (siehe weiter unten) mussten kriegsverherrlichende Attribute der Denkmäler entfernt werden. Das galt für alle Besatzungszonen, in der sowjetisch besetzten Zone wurde der Befehl allerdings konsequenter durchgeführt als im übrigen Deutschland. Nach 1990 wurde das Denkmal in Pasewalk – wie auch viele andere auf ehemaligem DDR-Gebiet – in nahezu ursprünglicher Form wieder hergestellt.

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Die Einweihung 1922

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Kürassiere des Regiments Nr.2

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Namensherkunft

Das Wort Kürass (von französisch cuirasse für » Lederpanzer« von cuir für Leder) kam im 15. Jahrhundert im deutschen Sprachraum auf und bezeichnete den Brust- und Rückenpanzer des Reiters. Daraus abgeleitet entstand um 1500 die Bezeichnung Kürisser für die voll gerüsteten Ritter, sie ging später auf die Pistolenreiter über.

Die Kürassiere waren das Bindeglied zwischen den gepanzerten Lanzenreitern des Mittelalters und der neuzeitlichen Kavallerie. Erstmals kämpften mit Pistolen bewaffnete Reiterverbände 1547 in der Schlacht bei Mühlberg. Aus ihnen gingen die Kürassiere hervor. Die Kürassiere trugen bis in das 17. Jahrhundert hinein einen so genannten Trabharnisch, der bis zu den Knien reichte und über einen geschlossenen Helm oder eine Sturmhaube verfügte. Die typische Bewaffnung eines Kürassiers bestand seit dem 16. Jahrhundert aus zwei Pistolen und einem Rapier bzw. Reitschwert oder einem Degen. Vor allem Männer gehobenen Standes bemühten sich um die Aufnahme in eine Kürassier-Einheit, dort wollten sie an die ritterlichen Ideale des Mittelalters anknüpfen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 23.3.2015

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Dem Krieg einen Sinn geben?

»Für die damaligen Großherzogtümer und die preußische Provinz Pommern waren die traditionellen Kavallerieregimenter äußerst repräsentativ. Auf den großen Gütern der norddeutschen Junker waren Pferdezucht und Offizierslaufbahn untrennbar miteinander verbunden. Ein Regiment zu stiften war nicht nur sehr ehrenvoll, es war vor allem sehr kostspielig und somit den Fürsten vorbehalten. Die Garnisonen der Regimenter trugen nicht selten maßgeblich zur Entwicklung der jeweiligen Städte bei. Pasewalk trägt sogar wegen seines Kavallerie-Regiments den Beinamen ›Kürassier-Stadt‹. So war jedes Regiment betrebt, seinen in erheblicher Zahl gefallenen Angehörigen ein würdiges Denkmal zu stiften. Diese sogenannten Regimentsdenkmäler gingen in ihrer Gestaltung oft weit über reines Totengedenken hinaus, meist strotzten sie nur so von militärischem Pathos, wonach sie gemäß der Direktive Nr. 30 1946 der Zerstörung unterlagen.«

Zitiert aus Matthias Hübner, »Der Erste Weltkrieg anhand von Kriegerdenkmälern in Mecklenburg-Vorpommern«, Band 4, Edition Hübner

Aus dem Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde vom 13. Mai 1946

»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.«

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Gedenktafel in der Marienkirche

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Die Gedenktafeln für die im 1. Weltkrieg getöteten Kürassiere wurden am 11. Juni 1922 in der Marienkirche angebracht. Sie sind mit Gott für König und Vaterland gestorben.

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Historische Postkarten

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Die großzügige Kasernenanlage des Kürassierregiments »Königin« in der Straße »An der Kürassierkaserne«: Bei der Planung wurden die Kosten mit 1.657.684,75 Mark angegeben. Beim Bau konnten dann 200.00 Reichsmark eingespart werden. Erbaut wurde das Backsteingebäude von 1879 – 1882. Am 29. April 1882 ist es bezogen worden, die bis dahin bestehenden »Einquartierungen« von Soldaten in Privatwohnungen hatten ein Ende. Heute beherbergt die Kaserne  das Landratsamt.

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MP Pasewalk Kuerassier Karte3 web

 

Auf den historischen Postkarten sieht man noch die Reliefs der Waffen, die senkrecht an den Frontseiten der äußeren Säulen angebracht waren.

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Das Denkmal
Noch mehr Gedenktafeln
Die Schmuckelemente der Wände
St. Nicolai in der Röbler Neustadt

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Röbel/Müritz

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

St. Nikolai ist eine gotische Kirche im Stadtkern von Röbel. In einem Nebenraum wurde (von der Stadt Röbel finanziert, die Kirche stellte nur den Raum) nach dem 1. Weltkrieg ein »Gedächtnisraum« eingerichtet, der dann aber in späteren Jahren eher als Abstellkammer benutzt wurde. 2006 begann ein Verein von Röbler Bürgern mit der Restaurierung des Raums.

            MP Robel St.Nicolai Tur web

 

            MP St.Nicolai Sarko web

Die Wände sind im unteren Bereich mit Sandsteinplatten kunstvoll und aufwändig verkleidet. Sie sind mit Namen und Jahreszahlen (bis 1920) beschriftet und tragen als Schmuckelemente Reliefs eines antiken Soldatenhelms, ein gesenktes Kurzschwert auf einem Strahlenkranz und bronzene Kappen mit je vier brennenden Herzen. Oberhalb der großen Platten zieht sich ein Fries durch den gesamten Raum. Dort sind wiederum Gruppen von insgesamt 143 Namen, getrennt von den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, zu lesen.

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In der Mitte des Raums steht ein Steinblock in Form eines Sarkophags, auf dem mit Bronzebuchstaben die Inschrift angebracht ist:

Die Stadt Röbel u die vereinigt Kirchengemeinden v St Marien u St Nicolai ihren im Weltkriege für das Vaterland gefallenen Helden

Darunter sind ein Blumenkorb und rechts und links je ein Füllhorn im Relief herausgearbeitet worden. Rechts und links neben dem Sarkophag liegt je eine Kanonenkugel, davor steht zu den Öffnungszeiten eine brennende Kerze. Auf dem Sarkophag steht jetzt eine segnende Jesusfigur im Stil der Figuren am Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf früheren Fotos kann man sehen, dass die Jesusfigur erst vor einigen Jahren wieder dort hinauf gestellt wurde, vorher lagen nur die Kananenkugeln auf dem Sarkophag, die Figur stand auf dem breiten ersten Sockel und davor ein Taufbecken mit Spendenbox. 2006 hat der Verein von Röblern begonnen, den als Abstellkammer benutzten Raum aufzuräumen. Eine Nachbargemeinde erhielt das dort abgestellte Taufbecken, die Jesusfigur, die wohl zu ihrem Schutz auf den Boden gestellt worden war, wurde wieder auf den Sarkophag gehoben. Danach begann die Wiederherstellung des Raums unter der Leitung der Diplom-Restauratorin Bettina Strauß, die zuvor schon für den Kirchenraum zuständig gewesen war. Ab 2010 ist der Raum nun wieder in seinem ursprünglichen Zustand zu sehen. Ein Erinnerungsbuch für toten Soldaten des 2. Weltkriegs, alle anderen Röbler, die im Krieg ums Leben gekommen sind und die Röbler, die im benachbarten Kriegsgefangenenlager Stalag IIA auf dem Gelände des Gutes Fünfeichen ermordet worden sind und verschiedene Tafeln zum 1. Weltkrieg aus anderen Kirchen, auch aus der älteren Stadtkirche St. Marien, sind dazu gekommen.

 

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In dem Gewölbebogen auf der linken Seite steht die Aufschrift:

Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßet für seine Freunde. Joh. 15, vers 13.

Hier wird zitiert aus der Abschiedsrede des letzten Abendmahls. Zitat und Figur auf dem Sarkophag zeigt den gewünschten Bezug vom Opfertod Christi zum Kriegstod der Soldaten.

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Noch mehr Gedenktafeln

Im Gedächnisraum stehen noch diverse andere Gedenktafeln. Diese besonders aufwändig dekorierte aus Holz wollen wir hier zeigen:
Das kunstvoll geschnitzte Werk enthält über allem thronend die Kaiserkrone und darunter im Wappen die Aufschrift »Für uns!«, geraffte Vorhänge, jede Menge Kordeln und Quasten, Fahnen mit speerartigen Stangen, Lorbeerzweige usw.

Auf der Schriftplatte stehen 48 Namen von getöteten Soldaten geordnet nach Sterbejahr im 1. Weltkrieg, dahintergesetzt ist jeweils der abgekürzte Herkunftsort und der Sterbetag.

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MP Robel St.Nicolai Tafel web

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Die Schmuckelemente der wände

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• Antiker Soldatenhelm

 

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• Gesenktes Kurzschwert im Strahlenkranz

 

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• Bronzekappe mit vier brennenden Herzen


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St. Nicolai in der Röbler Neustadt

 

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                  Foto: Christian Pagenkopf/Wikimedia Commons

Die Kirche wurde zwischen 1270 und 1290 geweiht, im 19. Jahrhundert wurde sie umfassend restauriert. Ausbau und Renovierung von St. Nicolai sind stets 20-40 Jahre nach der Marienkirche in der Altstadt erfolgt, in allem jedoch repräsentativer, wie es dem Selbstverständnis der Bürger in der Neustadt entsprach. So auch der massige Turm, der zur Zeit der Raubritterkriege im 15. Jahrhundert nicht zuletzt auch als Wehr- und Wachturm erbaut wurde. Die im Jahr 2000 freigelegten Wandmalereien wurden dokumentiert und dann wieder mit weißer Farbe übertüncht.

 

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Das vierstufige Südportal erhält – wie beim Höhendrang der gotischen Architektur üblich – durch eine giebelartige Bekrönung, einen sogenannten Wimperg, durch Strebepfeiler und Türmchen, ein zum Himmel strebendes Aussehen.

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Das Denkmal
Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71
Eine historische Postkarte

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Schönberg

Landkreis Nordwestmecklenburg

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs ist von aussen in ein Fenster der Stadtkirche St. Laurentius und Katharina eingepasst. Es besteht aus glatten hellgrauen Sandsteinen, die über einem Sockel zum Kreuz gemauert sind. An der vorspringenden Mitte des Sockels ist ein Kranzhalter angebracht, der Querstein des Kreuzes trägt die Widmungsschrift in herausgehobenen geblockten Buchstaben:

Unseren im Weltkriege
1914 – 1918 – gebliebenen

Helden zum Gedächtnis

Ober- und unterhalb der Schrift läuft ein Mäanderband in gleicher Breite.


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Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71

Auf dem Platz vor der Kirche ist auch noch eine große Säule mit Adler für die toten Soldaten des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 zu sehen. Rechts im Bild das Denkmal im Kirchenfenster.

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Foto: Kresspahl / Wikimedia Commons

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.

Auslöser war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck ließ die Emser Depesche, mit der er darüber informiert worden war, dass König Wilhelm I. die französischen Forderungen abgelehnt hatte, in provokant verkürzter Form veröffentlichen. Dies erregte auf beiden Seiten nationalistische Empörung und veranlasste den französischen Kaiser Napoléon III. am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung an Preußen.

Von den großen Schlachten gingen im gesamten Kriegsverlauf alle für Frankreich verloren oder endeten im Patt. Trotzdem fand sich die französische Regierung erst im Februar 1871, nach dem Fall von Paris, zum Vorfrieden von Versailles bereit. Offiziell endete der Krieg am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt, der hohe Reparationen sowie die Abtretung Elsaß-Lothringens durch Frankreich vorsah.

Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Deutschen Krieg von 1864 und 1866 gilt der Konflikt mit Frankreich als dritter und letzter der deutschen Einigungskriege. Noch während seines Verlaufs traten Baden, Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei, der sich mit Wirkung vom 1. Januar 1871 Deutsches Reich nannte. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel „Deutscher Kaiser“ an, Otto von Bismarck wurde erster Reichskanzler. In Frankreich hatte der Krieg nicht nur die endgültige Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich. Beides belastete die deutsch-französischen Beziehungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017

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Eine Historische Postkarte

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I N H A L T
Das Denkmal
»Treue um Treue«
Die Geschichte
Das Eiserne Kreuz

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Steinhagen

Landkreis Vorpommern-Rügen

Neben der Kirche von Steinhagen, angrenzend an den Friedhof, steht das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

MP Steinhagen Ensemble web

Die Errichtung des Denkmals wurde am 10. September 1933 (!) von der Kirchengemeinde beschlossen, 1935 war es fertiggestellt und wurde eingeweiht.

Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 33

MP Steinhagen Gesamt web

Ein großer Findling steht erhöht im Zentrum der Anlage. Kantige Steine bilden das Fundament und lassen Platz für Bepflanzung. Unter einem konturierten Eisernen Kreuz als Relief im Kreis steht die Inschrift:

1914 – 1918
Kirchengemeinde Steinhagen
TREUE UM TREUE
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Darunter lehnt eine kleine Steintafel, vermutlich aus der Zeit nach 1945. In weißer Schrift steht darauf:

FÜR
ALLE OPFER
DER KRIEGE
UND GEWALT 


Die »Opfer« gelten als solche von »Krieg und Gewaltherrschaft«. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?
Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018


MP Steinhagen EK web


Das Eiserne Kreuz ist mit Krone, »W« für Wilhelm II und »1914« für die erneute Stiftung in diesem Jahr durch den preußischen König Wilhelm II, der es durch massenhafte Verleihung zu dem deutschen Kriegsorden machte.

MP Steinhagen alleSteine web


Hinter dem Hauptstein stapeln sich kleinere Findlinge, für jeden der 78 toten Soldaten der Gemeinde Steinhagen einer.


MP Steinhagen Namenssteine web

Soweit die Buchstaben noch zu lesen sind, kann man Vor- und Nachnamen sowie das Todesdatum erkennen.

 

MP Steinhagen wir starben fuer dich web


In der Mitte oben liegt der Stein, der das massenhafte Sterben erklären soll. Im Rundsatz steht dort:

WIR STARBEN FÜR
DICH

»Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.«

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

 

     MP Steinhagen Stein Tabbert web


Von hinten sieht man die stützenden Steine, die den großen Findling hoch halten.

 

MP Steinhagen Tabbert web


Steinmetz R. Tabbert aus Steinhagen hat auf der Rückseite des Findlings sein Signet hinterlassen.

 

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Eine breite Mauer aus Feldsteinen und Beton erhält die Kulisse der 78 Namenssteine hinter dem Findling.

 

     MP Steinhagen Stein von hinten web


Auch die Restaurateure haben im Jahr 2001 ihr Signet hinterlassen.

MP Steinhagen Errichtet web


Errichtet: 1935
Kirchengemeinde
Restau.: 2001 BQB
B. Olbrisch / S. Witt /
U. Jacobs

 

MP Steinhagen mit Schaukasten web


Im Schaukasten neben der Anlage bekommen wir weitere Informationen. Sie sind überschrieben mit dem Titel:

Erinnerung an die Opfer des 1. Weltkrieges 1914 – 1918

Darunter wird die Geschichte des Kriegerdenkmals in Wort und Bild beschrieben. Mit den »Opfern« sind also die 78 toten Soldaten gemeint, sie werden auch in der letzten Zeile wieder explizit erwähnt.

 

     MP Steinhagen Schaukasten web

 

Davor steht ein Text in dem der Opfergruppen von Gewalt und Krieg, Kinder, Frauen und Männer aller Völker ... von 1914 bis heute gedacht wird. Er endet mit dem Satz:

Doch unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.

 

MP Steinhagen Schild BfuerA web


Im Dach des Schaukastens ist dieses Schild angebracht. Nun erklärt sich auch der Stein hinter dem Findling: nach unserer Recherche beauftragte die Bundesanstalt für Arbeit die Unternehmensberatung BQB GmbH mit der Durchführung des Projektes. B. Olbrisch, S. Witt und U. Jacobs haben so im Jahr 2001 Arbeit erhalten. Was sie wohl gedacht haben, als sie den Spruch »Treue um Treue« aus dem Jahr 1935 schwarz ausgemalt haben?

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»Treue um Treue«

Der Wahlspruch der Waffen-SS hieß »Unsere Ehre heißt Treue«. Der SS-Wahlspruch oder Abwandlungen davon sind in einigen Ländern strafbar, in Deutschland durch das Strafgesetzbuch, § 86a StGB, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

»Treue« war innerhalb der SS-Ideologie ein widerspruchsloser Gehorsam. Durch die Gleichsetzung der Begriffe »Treue« und »Ehre« wurde ein Treuebruch zu einem Ehrverlust. Der Begriff »Ehre« verlor dadurch seinen traditionellen moralischen Inhalt. Denn die Ehre eines Soldaten etwa, der sich aus Ehrgefühl weigern könnte, an einem Kriegsverbrechen teilzunehmen, spielte im Ehrbegriff der SS keine Rolle mehr. Es zählte allein der blinde Gehorsam.
Die Projektion der Tugendbegriffe auf den Führer hin war notwendig, um den bedingungslosen Gehorsam auch bei verbrecherischen Befehlen zu erreichen. Dies konnte man nicht durch ein Gesetz erzwingen. Es bedurfte der Freiwilligkeit des Soldaten, die durch Umdeutung traditioneller Tugendideale erreicht wurde.

nach Wikipedia, abgerufen am 16.2.2014

Erlass von Heeresinspekteur Bruno Kasdorf vom 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai:
»Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte] wird der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom ›Karfreitagsgefecht‹ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.

In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.

In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung des InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches ›Treue um Treue‹ für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.«

Die im Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:
»Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift ›Treue um Treue‹. (…) Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.«

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Die Geschichte

Die Fotos aus dem Schaukasten haben wir leider nicht im Original erhalten, darum zeigen wir hier die abfotografierten, verblichenen Bilder so gut es uns möglich ist. Und zitieren die dazugehörigen Texte:

Aus unserer Chronik:
Der damalige Pfarrer Schmidt aus Voigdehagen schrieb: Am 10. September 1933 wurde die Errichtung eines Kriegsgefallenen-Ehrenmales beschlossen. Ursprünglich sollte es auf dem Pfarrwitwenland zwischen Schule und Pfarrgarten erbaut werden, während am 19. November 1933 der Beschluss gefasst wurde, das Denkmal zwischen der Ostseite des Alten Friedhofs und des Pfarrhauses unmittelbar an der Dorfstrasse zu errichten.


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Der große Findling wird mit einem Flaschenzug herabgelassen.

 

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Der Stand wird begutachtet, vielleicht von Meister Tabbert?

 

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Ein Foto mit vielen Kränzen, auch an einzelnen Namenssteinen sind Blumengebinde niedergelegt worden. Zur Einweihung 1935?

Aus der Chronik:
Der damalige Pfarrer von Waldow schrieb 1935: Eine meiner ersten Amtshandlungen war die Errichtung [wahrscheinlich ist hier »Einweihung« gemeint] des inzwischen fertiggestellten Kriegsgefallenen-Denkmals hierselbst. Der bisherige Vakanzverwalter, Herr Pastor Schmidt aus Voigdehagen, der sich um die Errichtung in der Vakanzzeit besondere Verdienste erworben hatte, wirkte bei der stark von der Gemeinde besuchten Feier mit. Ich wurde wegen meiner Rede, die angeblich Angriffe gegen das »Dritte Reich« enthalten hatte, bei der Geheimen Staatspolizei denunziert. Eine daraufhin einsetzende Untersuchung ergab meine völlige Unschuld. 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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Das Denkmal
Einweihung des Soldaten 1921
Die Geschichte
Kriegerdenkmäler in der SBZ
... und dann stand er wieder da
»Links lang« in Mecklenburg
Volkstrauertag 2006

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Stolpe

Landkreis Ostvorpommern

Ein in Stein gehauener breitbeinig da stehender Soldat in Kampfausrüstung: Uniform, Stahlhelm, Stiefel, Patronengürtel, Handgranate – vor der Kirche in Stolpe. 1921 wurde das Kriegerdenkmal erbaut. Eine schwarze Marmorplatte überdeckt die ursprüngliche Inschrift auf dem Podest. Auch auf dem Einweihungsbild kann man sie nicht mehr entziffern. Die heutige Tafel trägt die Inschrift:

Wir gedenken der Opfer
Wir mahnen zum Frieden


     MP NEU Stolpe Soldat web
 

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Einweihung des Soldaten 1921

 

            MP Stolpe 1921 web

Leider ist die frühere Inschrift nicht zu entziffern.

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Die Geschichte

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke, gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, S.1:

... stelle ich Ihnen hier als erstes Beispiel einen Weltkriegssoldaten aus Muschelkalkstein (etwas über Lebensgröße) in Stolpe auf Usedom vor. Er steht zum Kampf bereit, mit Felduniform mit Stahlhelm bekleidet, da, in seiner rechten Hand hält er eine Handgranate. Durch den ca. 1 1/2 Meter hohen Sockel ist er über den Betrachter erhoben. Das Entstehungsdatum ist nicht genau bekannt. Ich schätze, daß der Krieger Ende der 20iger Jahre aufgestellt wurde. Nach dem II. Weltkrieg mußte er auf Beschluß der Alliierten oder auch einiger Aktiver im Dorf vom Sockel.

Dazu näheres später. Da man sicher anderes zu tun hatte und auch nicht wußte wohin mit ihm, gelangte er in die Pfarrscheune. Dies muß recht bald nach Kriegsende geschehen sein, da das Denkmal bereits 1946 in einer Liste der militärischen Denkmäler als »entfernt« verzeichnet ist. In der Scheune unter Heu und Stroh begraben überdauerte es die Zeit, bis es 1992/93 Usedomer dort wiederfanden. Kurzerhand wurde der Soldat an seinem alten Platz an der Dorfstraße am Westrand des alten Friedhofes wieder aufgestellt. Ebenso neu hergerichtet wurde der Platz, mit einer niedrigen Hecke ist das Denkmalsareal gut abgegrenzt. Verändert ist lediglich die Inschriftentafel, typisch für den Umgang mit Kriegerdenkmälern in den letzten Jahren, wie auch andere Beispiele noch zeigen werden. ...

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Kriegerdenkmäler in der SBZ

Die Denkmäler, die die Nationalsozialisten aufstellten wurden zum allergrößten Teil 1945/47 vernichtet oder in Teilen beseitigt. Wiederum zitiert aus Margrit Schimankes Vortrag (S. 4-5), können Sie hier die Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone in Bezug auf Kriegerdenkmäler und den eine Woche später herausgegebenen Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde lesen.

Vortrag Margrit Schimanke, 1996


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... Und dann stand er wieder da

             MP Stolpe2 Schimanke web

             MP Stolpe1 Schimanke web

• Im Jahr 1995 konnte Margrit Schimanke dann diese Fotos machen.

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»Links lang« in Mecklenburg

»Links lang« war ein Internetprojekt aus und für Mecklenburg-Vorpommern. Zum Jahresende 2016 ist es leider eingestellt worden. Aber das Archiv ab 2001 steht digitalisiert zur Verfügung

www.links-lang.de

Hier ein Bericht über die Geschichte des Soldaten von Stolpe als Kommentar auf einen Leserbrief aus dem Jahr 2005. Wir zitieren:

Der auf einen Sockel gehobene Soldat würde »jedem neonazistischen Landser-Heft Ehre machen«, schreiben die Greifswalder in ihrem Leserbrief. Sie schildern ihren Eindruck wie folgt: »Handgranate in der Rechten, Patronengürtel und Feldspaten um den Leib. Die Tafel darunter klingt wie Hohn: Wir gedenken der Opfer. Das Schlimmste aber ist ein Kranz des Kameradschaftsbundes Insel Usedom, der in goldenen Lettern verkündet: Eure Taten sind unser Vorbild. Wes Geistes Kind die Urheber solcher Sätze sind, ist bekannt. Bestürzend aber ist, dass eine Gemeinde solch eine Demonstration des Ungeistes nicht nur duldet, sondern sich offensichtlich damit arrangiert. Auf einem zweiten Kranz steht nämlich: Kirche und Gemeinde Stolpe. Beide Institutionen wären hier eine Erklärung schuldig. Mahnung und Gedenken sind legitim – aber bitte nicht so! In das Bild passt, dass man unweit vom Denkmal noch immer ganz gut jenes Plakat lesen kann, dass eine »Pommersche Aktionsfront« (sicher schon vor längerer Zeit) mit BDM-Mädel-Porträt und graphischem »Stürmer«-Outfit gestaltet hat.«

Soweit unsere Leser.

Was hat es mit Denkmal eigentlich auf sich? »Das hängt mit der Gräfin zusammen, deren Sohn im 1. Weltkrieg gefallen ist«, erzählt Wilhelm Langhoff. Der 75-jährige pensionierte Bäckermeister erinnert sich: »Die Russen haben das Denkmal '45 nicht angerührt, aber die deutschen Genossen haben verfügt, dass es verschwindet. Daraufhin haben wir im Gemeindekirchenrat beschlossen, es in der Pfarrscheune zu verstecken, wo es all die Jahre unter Holz verborgen lag. Wir haben im Dorf oft mit dem Gedanken gespielt, es wieder aufzustellen. Aber man konnte es sich ja nicht einfach bei Nacht und Nebel unter den Arm klemmen.«

Vom Kreis sei seinerzeit vorgeschlagen worden, den Soldaten wenigstens »zu entwaffnen«. Aber darauf ließ sich die Gruppe um Langhoff nicht ein. Als die DDR unterzugehen drohte, schritten die Männer zur Tat. »Wir wussten: Wenn man uns da eingebuchtet hätte, hätte es ja nicht mehr lange dauern können.« Selbst Manfred Metz, damals als Pastor für Stolpe zuständig, habe davon nichts gewusst. Auf die Aktivitäten des Kameradschaftsbundes Insel Usedom angesprochen, sagt Langhoff: »Die verurteile ich auch. Für die Brüder müssten in der BRD die Gesetze geändert werden.«

Der heutige Pastor, Hans-Ulrich Schäfer, sagt völlig wertfrei, dass er das Denkmal vor seiner Kirche so hingenommen hat, wie es ist. »Als gewisse Kräfte vor zwei Jahren begannen, hier ihre Heldengedenken zu veranstalten und Kränze niederzulegen, haben wir uns entschlossen, mit den Kranznierderlegungen zum Volkstrauertag unsere Sicht der Dinge darzustellen. Wir wollten ihnen das Denkmal einfach nicht allein überlassen.«

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Volkstrauertag 2006

                                MP Stolpe VTT.2006 web

In der Nacht vom Freitag zum Samstag hatten Unbekannte den Soldaten in ein zartes Rosa getaucht.

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Das Denkmal
Aus der Geschichte
Der Gedenkraum
Zwischenbericht
Historische Postkarte
Zeitgeist zwischen den Kriegen

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Teterow

Landkreis Rostock

Das Klinkerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs liegt weithin sichtbar auf der 90 Meter hohen Kuppe des Heidbergs. Es ist 1927 vom 12. Juni bis 25. September nach einem Entwurf des Architekten Paul Korff aus Laage als Aussichtsturm gebaut worden. Die Flügelbauten an den beiden Seiten des Turms tragen als oberen Abschluß einen Fries aus Metall, auf dem die Namen der 291 getöteten Soldaten aus Teterow und Umgebung zu lesen sind. An die Steinvorsprünge darunter können Kränze gehängt werden. 1999 wurden zwei Tafeln ohne Namen für die Kriegstoten des 2. Weltkriegs ergänzt. Im unteren Teil des Turms kann man durch eine zweiflügelige Gittertür einen Gedenkraum betreten.

• Die Höhe des expressionistischen Denkmals beträgt 20,1 Meter
• die Breite an der Basis 5,6 Meter, oben 7,7 Meter
• die Schwertlänge 8,5 Meter
• 114 Stufen, davon 88 auf der Innentreppe, führen auf die Plattform
• die Plattform liegt 114 Meter über dem Meeresspiegel
• verbaut wurden 23350 Ziegel und 972 Zentner Zement

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Foto: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

 

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Foto: Fischbuerger / Wikimedia Commons

Der Turm soll den Schaft eines in den Boden gerammten Schwertes darstellen. Margrit Schimanke schreibt 1998 in ihrem Beitrag für das Buch »Barlach – das Güstrower Ehrenmal« auf Seite 135:

»Als Form wählte Korff (1875 - 1945) den stilisierten Griff eines tief in die Erde gesteckten Schwertes. Der Symbolgehalt dieses Ehrenmals kann sehr verschieden gedeutet werden. Zum einen als das nun endlich in den Schaft gesteckte Schwert des Krieges, aber auch als ein Schwert, das darauf wartet, herausgezogen zu werden.«

Für die zweite Möglichkeit spricht die zusätzlich herausgemauerte Form eines langen aufgerichteten Schwertes auf der Fassade des Aussichtsturms, genau über der Tür zum Gedenkraum.

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Aus der Geschichte

Am 2. Oktober 1924 tagte der »Ehrenmalausschuss zur Errichtung einer Gedächtnisstätte für die Gefallenen der Kirchengemeinde Teterow« im 1. Weltkrieg unter dem Vorsitz des Molkereidirektors Wickboldt. Folgende Leitsätze wurden formuliert:

1. Standort: Fern vom Alltagsgetriebe in freier Natur und weitem Gelände (deshalb Standort Heidberg)
2. Schlichtheit: Kriegerehrungen vertragen keinen Prunk. Behauene Steine in einer kraftvollen Landschaft sind nüchtern und kalt (deshalb Backsteinbau)
3. Wahrhaftigkeit: Nicht falscher Glanz durch Gold und Bronze, keine Siegesgöttinnen
4. Persönlich: Nicht allgemeine Inschrift, sondern Tafeln mit allen Namen der Gefallenen zur Erinnerung für die lebenden Angehörigen und deren Nachkommen.

Während der Inflation verhinderte die Geldentwertung immer wieder den Baubeginn. Finanziert wurde das Kriegerdenkmal schließlich über Spenden und eine Lotterie. Als Hauptgewinne waren ausgelobt: eine Standuhr, eine Nähmaschine und ein Teppich.

Am 7. April 1927 beschloß die Ehrenmalkommission die Annahme des Entwurfs von Architekt Paul Korff aus Laage. Die Bauausführung wurde dem Maurermeister Krentzin aus Rostock übertragen. Die eigentlichen Arbeiten sollten die ortsansässigen Maurermeister Kohlert und Rathke ausführen. Der ursprünglich angesetzte Preis von 10.850 RM erhöhte sich letztendlich auf 18.000 RM. Die preisgünstigere Stahlbetonausführung wurde zugunsten eines Backsteinbaus verworfen.

Am 12. Juni 1927 war die Grundsteinlegung. Der Vorsitzende der Denkmalskommission Molkereibesitzer Wickbold hielt eine Ansprache. Anschließend wurde mit symbolischen Hammerschlägen das Fundament gelegt.

Am 25. September 1927 beging man unter breiter Beteiligung der Teterower Öffentlichkeit die Einweihung mit 12 Böllerschüssen und Glockengeläut. Alle 35 Denkmalkommissionsmitglieder waren anwesend, u.a. Propst Schumacher und Bürgermeister Dr. Scharf. Das Programm in Kürze: »2 Uhr nachmittags Abmarsch der Vereine vom Wilhelmsplatz, Rückmarsch 5 Uhr – Marktplatz Auflösung!«

1979 wurde der Turm als »Mahnmal für die Opfer des 1. Weltkrieges« in die Kreisdenkmalsliste aufgenommen.

1989 wurde das Kriegerdenkmal wegen Verwitterung der Turmkrone und allgemeiner Verwahrlosung bis zur Instandsetzung geschlossen.

Seit 1991 kümmert sich der »Heimatbund Teterow e.V.« um das Denkmal.

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Der Gedenkraum

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Auf dem Foto oben sieht man noch die alte Inschrift im Rahmen über dem Kreuz. Nach erfolgter Renovierung des Innenraumes wurde er am Volkstrauertag 1991 mit einer neuen Gedenktafel in einem Festakt wieder eingeweiht. Der Stahlhelm durfte bleiben.

Schon ein Jahr vorher hatte der Heimatbund Bundespräsident Weizsäcker angeschrieben, in der »Heimatgeschichte« des Nordkuriers wird am 19.1.1991 berichtet:

»Da nach erfolgter Restaurierung des Innenraums der gotischen Halle im Innenraum des Teterower Ehrenmals auch wieder eine Inschrift angebracht werden soll, schrieb der 2. Vorsitzende des Heimatbundes e.V. Hans Joachim Sänger Ende letzten Jahres an den Bundespräsidenten. Es ging um die Einwilligung des Bundespräsidenten, R. v. Weizsäcker, ihn zitieren zu dürfen. Mit Datum vom 11. Dezember 1990 erhielt der Heimatbund ein Schreiben aus dem Bundespräsidialamt in Bonn, wo Volker Schluroff u.a. im Auftrage des Bundespräsidenten folgendes mitteilt: , ... Der Herr Bundespräsident begrüßt Ihre Initiative zur Bewahrung und Pflege von heimatlichen Traditionen, Brauchtum und Denkmalschutz. Zur Frage der Verwendung des Textes der vom Herrn Bundespräsidenten anläßlich des Volkstrauertages gesprochenen Totenehrung kann ich Ihnen mitteilen, daß aus seinen Reden und anderen öffentlichen Äußerungen zitiert werden darf. ... Den gegenüber 1987 geänderten Wortlaut der Totenehrung aus Anlaß des Volkstrauertages am 18. November 1990 bitte ich der beigefügten Anlage zu entnehmen.«

Wir gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Kinder, der Frauen und Männer aller Völker, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

• Bundespräsident Richard von Weizsäcker

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Zwischenbericht 

Am 22.11.1991 schreibt ein Vertreter des Heimatbundes im Nordkurier unter der Überschrift »Renaissance des Ehrenmals«:

Dieses, am 25. September 1927, nach nur drei Monaten Bauzeit, errichtete Ehrenmal für die gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges aus Teterow und Umgebung, erlebte am Volkstrauertag 1991 seine erste offizielle Einweihung nach der begonnenen Objektrekonstruktion.

Die Wiedereingliederung des Ehrenmals in das gesellschaftliche Leben der Stadt, nach 45 Jahren offiziellen Vergessens in der früheren DDR, ist das Ziel des »Heimatbund Teterow e.V.«. Heimatverbundenheit und Traditionspflege sind auf dessen Fahne geschrieben.

An den Außenseiten, jeweils links und rechts in Höhe der alten Schrifttafeln beginnend und von oben bis unten den Platz dann ausfüllend, werden hier zukünftig die Namen der Gefallenen des 2. Weltkrieges – wie vordem in Metallplatten gegossen – angebracht werden.

Gegenwärtig wird die Rekonstruktion mit dem Wachlokal am Eingang des Ehrenmals fortgeführt.

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Historische Postkarte

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Zeitgeist zwischen den Kriegen

Im August 1929 schreibt Oscar Gehring im Mecklenburgischen Monatsheft des Carl Hinstorff-Verlags Rostock:

Allenthalben, auf Plätzen der Städte und Dörfer, in Kirchenhallen oder in öffentlichen Gebäuden und Schulen, erinnern uns Gedenkzeichen als Bauwerke, Standbilder oder einfache Schrifttafeln an Deutschlands größte und zugleich schwerste Zeit. Stumme Buchstaben und harte Ziffern schließen Kampf, Sieg und Tod vieler, vieler Volksgenossen in sich ein. Sie gelten den toten Kameraden, die in jenen unvergeßlichen Augusttagen des Jahres 1914 in ehrlicher Begeisterung Gut und Blut, das Leben selbst zur Rettung des Vaterlandes einzusetzen bereit waren. Sie sind, wo allgemein gehalten, darum mittelbar auch Zeugen für die Tat des ganzen Volkes, formgewordener Ausdruck einer Gemeinschaft über den Tod hinaus, als Erinnerungsmäler den toten Helden geweiht, als Mahnmäler den lebenden und kommenden Geschlechtern hingestellt, damit sie in allen Prüfungen und zu jeder großen Aufgabe immer wieder zusammenstehen mögen – wie ein Mann. Fern jeder Überheblichkeit durften diese Steine gesetzt werden von einem Volke, das im Ertragen übermenschlicher Bürden und Gefahren seinesgleichen nicht mehr hat und das den Beweis hierfür durch nichts anderes als durch seine Existenz im »Trotzdem« liefert. So hat das aus gegenwärtigem Lebensgefühl erwachsene Monument einen doppelten Sinn; rückwärts blickend ist es sinnfälliger Ausdruck des Dankes und der Pietät, vorwärtsweisend hoffentlich Vorzeichen endgültigen Sieges und einer Morgenröte nach langer, schwarzer Nacht, die uns das Schicksal um des erhofften Aufstiegs willen auferlegt hat. »Wir haben manches verloren, um vieles zu gewinnen.« ...

In diesen Spalten wurden bereits wiederholt für die Weltkriegsgefallenen errichtete Denkmäler aus mecklenburgischen Gemeinden gezeigt, und zwar vornehmlich solche Werke, die schöpferischen Geistes und zwingenden Ernstes neue, unserem Lebensgefühl entsprechende Lösungen anbieten. Wie fast immer in der Kunst, wird es auch hier im engeren Bezirk nicht ohne Auseinandersetzungen abgehen können, diese aber sind fruchtbringend, wenn sie geistig bleiben. Am Konventionellen, zumal wenn es im Formalen allein stecken blieb, schärft sich der Geist nicht mehr, und die Seele gerät kaum in Schwingung. Wir denken jetzt dagegen an die hier gezeigten Bilder der Monumente von Ribnitz, aus dem Güstrower Dom, von Hagenow, von Teterow und schließlich auch von Doberan. ...

Denn – dies gilt vorab für uns – »das Normale nur maßstäblich vergrößert, wird nicht schon Größe an sich. Krieg und Erleben des Krieges wuchsen weit über die Norm hinaus. Darum kann die Monumentalisierung des Gefallenen-Gedenkens nur im Sinn absoluter Größe dargestellt werden«, so etwa drückte sich ein ehemaliger Frontkrieger einmal aus.

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I N H A L T
Das Denkmal
»Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben«

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Trent

Landkreis Vorpommern-Rügen

Auf dem Friedhof der St.-Katharinen-Kirche steht ein flacher Naturstein auf einem kleinen Hügel, darauf als Relief ein Stahlhelm und gekreuzte Schwerter.

MP Trent Chron Paul Wikimedia Commons

Foto: Chron-Paul/Wikimedia Commons

Auf der Vorderseite des Hügels eine Namenstafel, begrenzt von drei Granitquadern. Die Tafel ziert ein plastischer Eichenzweig aus Kupfer.

Inschrift:
Unseren Gefallenen zum Gedächtnis
1914-1918

Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben

 

MP Trent Denkmal

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»Süß und ehrenvoll ...«

Im Juni 1916 gab der Deutschlehrer am Realgymnasium für den Besinnungsaufsatz das patriotische Thema »Dulce et decorum est pro patria mori« (Süß und ehrenvoll ist, fürs Vaterland zu sterben) vor. Der Spruch stammte aus einer der berühmtesten Oden des römischen Dichters Horaz und wird bis heute gern zitiert, wenn auch inzwischen eher abfällig. [...]

Ein Mitschüler hat die Antwort [Berthold Brechts] überliefert. Ob der 18-jährige Brecht wirklich so brillant zu formulieren verstand, ob er wirklich bereits 1916 von »Zweck-Propaganda« sprach, ist nicht zu beweisen, doch durch das schwäbische »entwetzen« kann ihm der Aufsatz ohne Weiteres zugerechnet werden.

»Der Ausspruch, daß es süß und ehrenvoll sei, für das Vaterland zu sterben«, hebt der desillusionierte Pathetiker an, »kann nur als Zweck-Propaganda gewertet werden. Der Abschied vom Leben fällt immer schwer, im Bett wie auf dem Schlachtfeld, am meisten gewiß jungen Menschen in der Blüte ihrer Jahre. Nur Hohlköpfe können die Eitelkeit so weit treiben, von einem leichten Sprung durch das dunkle Tor zu reden, und auch dies nur, solange sie sich weitab von der letzten Stunde glauben. Tritt der Knochenmann aber an sie selbst heran, dann nehmen sie den Schild auf den Rücken und entwetzen, wie des Imperators feister Hofnarr bei Philippi, der diesen Spruch ersann.«

Willi Winkler, Süddeutsche Zeitung, 28. März 2014

Die alte Lüge vom süßen, ehrenvollen Tod 

 

     MP Trent Suess web


Ostern 1982 brachten Aktivisten des Friedenspolitischen Zentrums Harburg (Friz) ein Transparent am Kriegerdenkmal in Harburg an. In der Publikation »Der Soldat« wurde dann in einer Collage das Transparent mit einem Foto der zerstörten St. Johanniskirche und dem heil gebliebenen Denkmal verbunden.

»Der Soldat« in Harburg

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I N H A L T
Das Denkmal
Nach der »Wende« wieder hergerichtet

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Usedom

Landkreis Ostvorpommern

Im Wald am Ortsausgang in Richtung Stolpe befindet sich das sogenannte Ehrenmal. Am Zufahrtsweg ist ein Hinweisschild aufgestellt. Das Denkmal hat die Form einer flachen Stufenpyramide. Die Spitze bildet ein übergroßer Altar, der 180 cm hoch, 370 cm breit und 240 cm tief ist. Insgesamt wirkt die Anlage wie eine germanische Thingstätte. Sie wurde 1923 von einem pommerschen Architektenteam entworfen.

MP Usedom gesamt

MP Usedom seitlich

An die mittlere Stufe sind drei Steintafeln gelehnt.

MP Usedom Tafel1  

Den Heimattreuen
die treue Heimat

in unauslöschlicher Dankbarkeit
den Gefallenen
der Stadt Usedom und der
Gemeinden Amtswiek, Paske
Ostklüne, Welzien und Wilhelmshof
zum Gedächtnis

MP Usedom Tafel2  

Niemand hat grössere Liebe
denn die,
dass er sein Leben lässet
für seine Freunde.

MP Usedom Tafel3 

Wir vergehen -

Deutschland, unser Vater=
und Kinderland
muss bestehen.


An der untersten Stufe ist nachträglich eine Tafel angebracht worden.

Gewidmet allen Opfern
von Gewaltherrschaft
Unterdrückung und Krieg

Sie war kaputt, als diese Fotos entstanden sind.

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Nach der »Wende« wieder hergerichtet

»Seit der ›Wende‹ 1989 gab und gibt es vielfältige Bestrebungen Denkmäler abzureißen, aber auch wieder andere zu errichten. ... Auch erst in den letzten Jahren wieder hergerichtet ist die Denkmalsanlage am Ortsausgang von Usedom auf Usedom. Hierbei handelt es sich um eine vorwiegend gartenkünstlerische Anlage, in deren Zentrum eine Art übergroßer Altartisch gleich einer Thingstätte steht. Ca. 1923 wurde die Anlage von einem pommerschen Architektenteam geschaffen, deren Namen leider nicht überliefert sind. ABM-Kräfte reinigten die Anlage und unterhalten sie derzeit.«

• Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke, gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, S.5

Im Jahr 2015 kann man viele Kriegerdenkmäler aufzählen, die nach der »Wende« wieder hervorgeholt worden sind, zum Beispiel:
Stolpe
Alt Rehse

oder ihre entfernten Bestandteile wieder bekommen haben:
Adler in Neukalen
Helm Pasewalk
Schwert in Liepgarten
Helm Friedland

Was motiviert die Menschen dazu?

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I N H A L T
Das Denkmal
Historische Fotos
Tafel in der Kirche St. Georg

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Wiek Auf Rügen

Landkreis Vorpommern-Rügen

Von vier Seiten kann man über drei Stufen den Denkmalsplatz vor der Kirche St. Georg betreten. Das Denkmal mit viereckigem Grundriss ist aus behauenen Natursteinen nach oben spitz zulaufend gemauert, auf der Spitze sitzt eine steinerne Kugel auf einem stilisierten Eichenkranz. 

MP Wiek DenkmalVorKirche web

Foto: Andreas Steinhoff / Wikipedia Commons

Kunstvoll herausgearbeitete Muster und ein Eisernes Kreuz im geschmückten Lorbeerkranz sind auf der Vorderseite zu sehen. Auf umlaufenden Bändern die Inschriften:

1914-1918
für Euch

Den Lebenden zum Vermächtnis,
Den Toten zum Gedächtnis
In ehrender Dankbarkeit,
die Kirchengemeinde Wiek


MP Wiek Denkmal nah web
Foto: Andreas Steinhoff / Wikipedia Commons

Die eingefügte Tafel auf der Vorderseite trägt unter einem Eisernen Kreuz die Inschrift:

In den Weltkrieg / zogen / aus unserer Mitte / für das Vaterland / in Kampf und Tod:

An den drei anderen Seiten sind die Namenstafeln eingelassen.

                MP Wiek Tafel 

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Historische Fotos

Früher war die umlaufende Inschrift schwarz eingefärbt und auf der Rasenfläche hinter dem Denkmal befand sich der Friedhof. Wir sehen hier das Denkmal ohne umstehende Bäume ...

   MP Wiek alt web


... und vor der Renovierung:


MP Wiek vor der Renovierung

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Tafel in der Kirche St. Georg

 

MP Wiek StGeorg Kirche web

Im Kirchenraum an der Säule gegenüber der Kanzel hängt eine Holztafel mit der Aufschrift:

Pastor Ernst Thimm
geb. am 18. Feb. 1905
gefallen am 17. Sept. 1941
im Osten als Leutnant an der Spitze seiner Kompanie


                MP Wiek Tafel Kirche web


Eingerahmt wird der Text oben von einem christlichen und unten von einem Eisernen Kreuz.

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I N H A L T
Das Denkmal
Das Vaterland
Der Stahlhelm
Der Friedhof im Wald
Das Schloss
Von Wrangel

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Wrangelsburg

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Die Gemeinde Wrangelsburg wird vom Amt Züssow verwaltet. Sie liegt südöstlich der Kreisstadt Greifswald, hat 216 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2015) und ist flächenmäßig die kleinste Gemeinde im Amt.

MP Wrangelsburg weit web


Schloss Wrangelsburg ist ein Herrenhaus in Wrangelsburg. Es wurde 1880 errichtet und ist seit 2017 in Privatbesitz. Der Park, der sich entlang des Südufers des Sees hinter dem Schloss erstreckt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum englischen Landschaftspark erweitert.

Etwas versteckt, rechts vom Hauptweg, steht das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs von Wrangelsburg.

MP Wrangelsburg naeher web


Es ist ein schlicht aufgestellter, kantiger Findling mit einer geglätteten Frontseite.

     MP Wrangelsburg nah web


Unter einem Stahlhelm ist dort eine gußeiserne Platte eingelassen.

MP Wrangelsburg Stahlhelm web


Als Symbol für die toten Soldaten wurde ein Stahlhelm mit kräftigem Kinngurt gewählt. Er ist als Relief im tiefergelegten Kreis gearbeitet.

 

     MP Wrangelsburg Tafel ganz web

Auf der Platte mit schmalem Rahmen liest man von zehn toten Wrangelsburger Soldaten. Auf Mitte gesetzt wird jeweils in einer Zeile der Dienstgrad, Vor- und Nachname und die Einheit genannt. Dienstgrad und Einheit in kleinerer Schrift, in den üblichen Abkürzungen. In der vierten Zeile steht:

Ltn.   Hans Henning v. Kameke   Kür. Regt. 2

Da das Herrenhaus erst 1929 durch Erbschaft in den Besitz der Familie von Kameke kam, ist zu vermuten, dass das Denkmal erst nach 1929 errichtet wurde.

 

MP Wrangelsburg Tafel web


Die Überschrift der Namensliste lautet:

AUS WRANGELSBURG STARBEN FÜRS
VATERLAND IM WELTKRIEGE:

Darunter ist ein waagerechtes Schmuckelement eingefügt.

MP Wrangelsburg hinten web


Ein Foto der Rückseite des Steins zeigt noch einmal, wie versteckt er liegt. Bewohner erzählten uns, dass der Stein früher einen anderen Standort hatte, direkt an der Fahrstraße, näher am Herrenhaus.

 

MP Wrangelsburg hinten Detail web


Wappen oder Kriegssymbol auf der Rückseite – es ist nicht mehr zu erkennen.

 

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Das Vaterland

Aus Wrangelsburg starben fürs Vaterland: ... verbreitet die Botschaft, die Toten hätten mit ihrem Leben für die Gemeinschaft eingestanden. Sie hätten ihr Leben für das »Vaterland«, für die »Heimat«, für »uns« gegeben:


Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S.78

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

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Der Friedhof im wald

Wenn man weitergeht, erreicht man im Wald, fast am Ende des Sees, die Grabstätte der Familien von Homeyer und von Kameke.

 

MP Wrangelsburg Friedhof Assenmacher Wikimedia Commons web
Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons

Ein Neffe des Wolgaster Getreidehändlers August Wilhelm Homeyer erwarb 1862 das Gut Wrangelsburg. Der 1865 in den Adelsstand erhobene Carl Leopold von Homeyer ließ um 1880 das neue Herrenhaus erbauen. Es soll auf dem mittleren Teil des Wrangelschen Schlosses errichtet worden sein. Über dem Obergeschoss des Herrenhauses befindet sich auch heute noch das Wappen der Homeyers: eine Getreidepflanze. 1929 fiel das Herrenhaus dann durch Erbschaft an die Familie von Kameke.

 

MP Wrangelsburg Kreuz web


Auf der anderen Seite des Weges, direkt am Seeufer, steht das Grabkreuz eines Ehepaares. Albrecht Eduard von Kameke / General Landschafts Direktor von Pommern / * 15.4.1831  + 30.5.1897 und Luise von Kameke / geb. von Heydebreck / * 9.11.1834 + 30.7.1898 ist es gewidmet.

Vermutlich hat der Generallandschaftsdirektor von Pommern am Ende des 19. Jahrhunderts den Schlossgarten zum englischen Landschaftspark erweitert.

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Das Schloss

Der damals noch Vorwerk genannte Ort wurde 1426 der adligen Familie von Neuenkirchen als Lehen übergeben. Nach nicht völlig gesicherten Überlieferungen geschah dies zum Dank dafür, dass Rolef von Neuenkirchen, der Herzog Wartislaw VIII 1393 auf einer Pilgerreise nach Jerusalem begleitet hatte, diesem aus einer finanziellen Notlage geholfen haben soll. Nach einem Brand ließ Christoph von Neuenkirchen um 1600 ein vierflügeliges Renaissanceschloss errichten, das im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Familie von Neuenkirchen kam Vorwerk 1643 in den Besitz von Feldmarschall Hermann Wrangel, Generalgouverneur von Livland. Er stammte aus dem alten baltischen Adelsgeschlecht Wrangel. Zweige der Familie bestehen bis heute in Deutschland und im Baltikum.

Sein Sohn Carl Gustav Wrangel, Generalgouverneur von Schwedisch-Pommern, ließ ab 1652 auf den Resten des inzwischen verfallenen Gebäudes ein Barockschloss errichten und nannte es ab 1653 Wrangelsburg. Für den Bau engagierte er den Erfurter Baumeister Casper Vogel.

Während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges wurde das Schloss 1677 beschädigt. Weiteren Schaden richtete 1686 ein Brand an. Das von Wrangels Erben, den Familien Wittenberg und Brahe, nicht mehr instandgesetzte Gebäude kam mit dem Gut 1769 an Malte Friedrich von Putbus. Dieser ließ die brauchbaren Dekorationen des Hauses und des Parks nach Putbus holen und Teile des Schlosses niederbrechen.

Das Schloss wechselte in der Folgezeit mehrfach die Besitzer und das Aussehen.

MP Wrangelsburg 1910 web
Foto: Pommersches Landesmuseum Greifswald

Die Westfassade von Schloss Wrangelsburg mit dem turmartigen Aufbau, 1910.

1929 kam das Herrenhaus schließlich durch Erbschaft in den Besitz von Karz von Kameke. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Besitzer entschädigungslos enteignet und das Gebäude Quartier der Sowjetischen Militäradministration.

nach Wikipedia, abgerufen am 20. März 2019

MP Wrangelsburg Erell Wikimedia Commons 2007 web
Foto: Erell / Wikimedia Commons


1946 wurde es Altersheim und von 1950 bis 1957 war hier ein Jugendwerkhof untergebracht. Anschließend diente es bis 1958 als Pflegeheim. Danach wurde es bis 1997 als Kinderheim genutzt.

Im Jahr 1999 wurde das Gebäude von der Gemeinde gekauft und bis 2012 genutzt, um einem weiteren Verfall entgegenzuwirken. Das Foto oben ist im Jahr 2007 entstanden. In dieser Zeit wurde mit einer Sanierung begonnen. Im Jahr 2012 erwarb der Energiekonzern EWE Schloss Wrangelsburg von der Gemeinde, weil geplant war, nahe Züssow einen großen unterirdischen Gasspeicher zu errichten. Das Haus wollte der Konzern für seine Mitarbeiter nutzen. Dazu kam es aber nicht.

MP Wrangelsburg Renov1 web


Daraufhin kaufte ein Neubrandenburger Unternehmer das Bauwerk für einen siebenstelligen Betrag und lässt es seit dem Sommer 2017 aufwändig sanieren. 


MP Wrangelsburg Renov2 web


Der Park soll weiterhin teilweise öffentlich zugänglich bleiben. Der ursprünglich vorhandene Turm wurde 2018 rekonstruiert und am 5. Juli 2018 auf das Gebäude gesetzt. Diese spektakuläre Aktion kann man sich in einem Film ansehen. Da staunt das Volk!

Film der Dachspitzenmontage


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Von Wrangel

Ein Nachfahre der alten deutschbaltisch-schwedisch-pommerschen Offiziersfamilie Wrangel ist der preußische Generalfeldmarschall Friedrich Freiherr von Wrangel, ab 1864 Graf von Wrangel, geboren am 13. April 1784 in Stettin, gestorben am 1. November 1877 in Berlin.

Weniger als Heerführer – der Historiker Hans-Ulrich Wehler nennt ihn in Bezug auf den Feldzug von 1864 »völlig inkompetent« – denn als Berliner »Original« mit »drastischem Witz«, um das sich zahlreiche Anekdoten ranken, ging er in der preußischen Restaurationszeit nach 1849 ins kollektive Gedächtnis ein. Dabei wird häufig übersehen, dass er zeitlebens einen strikt militärischen, gegenrevolutionären Standpunkt vertrat und sich durch die Niederschlagung der Revolution von 1848 historisch profilierte. Der liberale dänische Literat Georg Brandes, ein feiner Beobachter der gesellschaftlichen Verhältnisse Preußen-Deutschlands in der Gründerzeit, kam so zu folgender Bewertung des alten Feldmarschalls:

»Wenn man hört, dass sich Kaiser Wilhelm bei der Enthüllung des Goethe-Denkmals zurückhielt, bei der des Wrangel-Denkmals aber einfand – Wrangel, dieser alte gestiefelte Kater, der immer mit Bonbons in den Taschen herumlief und die Berliner Straßenjugend hinter sich herzog und der nur merkwürdig war mit seinen neunzig Jahren und seinem unglaublich naiven und ungrammatikalischen Deutsch –, dann ist das allgemeinmenschlich gesehen schockierend, vom Standpunkt der deutschen Militärmonarchie ist es logisch. [...] Diesem alten Wrangel, der ein Haudegen und kein Heerführer war, wohnte der Geist inne, der Preußen groß gemacht hat. Als sein Sohn als junger Offizier in seinem Leichtsinn Schulden gemacht und schließlich den Namen des Vaters unter einen Wechsel gesetzt hatte, ging er in seiner Verzweiflung zu ihm und bat um Hilfe. Da antwortete der Alte: ›Du hast dich ehrlos betragen; ich betrachte dich nicht mehr als meinen Sohn‹. Als der Sohn fragte, was er denn jetzt noch habe, lautete die Antwort: ›Du hast deine Pistolen‹. Der Sohn ging hin und erschoss sich. Wie die deutsche Monarchie eingerichtet ist, trug in der Tat der Geist des alten Wrangel mehr als Goethes dazu bei, sie zusammenzuzimmern und ihr diese eigentümliche Atmosphäre zu verleihen.«

nach Wikipedia, abgerufen am 20. März 2019


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Der Adler
1946: Der Befehl Nr. 30 der Alliierten Konrollbehörde
Historisches Foto
Erinnerung an Bruno Jackley
Der Kapp-Putsch
Der Bildhauer Hans Kies
Wo ist die Bronzefigur heute?
Die Initiative von Edgar Offel

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Wusterhusen

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Auf einer großzügigen Grünfläche an der Wolgaster Straße befindet sich die Denkmalsanlage für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aus dem Kirchspiel Wusterhusen. Der Mittelpunkt ist ein vier Meter hoher mehrstufiger Obelisk aus unterschiedlichem Gestein.

MP Wusterhusen Rund web


Der Obelisk erhebt sich in einem lockeren Kreis aus Heckenbuchen. Im inneren Kreis stehen 10 Stelen mit den Namen der toten Soldaten.

MP Wusterhusen gesamt web


Der Obelisk steht erhöht auf einem Erdhügel, der mit Feldsteinen befestigt befestigt wurde. Feine, schmale Steinplatten kombiniert mit grob gerundeten, breiten Granitplatten sind unter und über dem Widmungssockel übereinander gelegt.

 

MP Wusterhusen Widmung web


Die Inschrift lautet:

Unsern im
Weltkriege 1914 - 18
gefallenen Helden
die dankbare Heimat.

Kirchspiel Wusterhusen

 

MP Wusterhusen Spitze web


Die Spitze des Obelisken aus rötlich-gelben Granit ist raffiniert gedreht und trägt oben die Sitzplatte des flügelschwingenden Adlers.

 

MP Wusterhusen links web


Um das Denkmal herum sind 12 flache Steine aufgestellt, jeweils 115 cm hoch und 57 cm breit.

 

MP Wusterhusen rechts web


Auf den Steinen werden die Namen und Sterbedaten der Soldaten des Kirchspiels Wusterhusen aufgezählt, geordnet nach den einzelnen Ortschaften. Wir zeigen hier beispielhaft drei Steine.

 

     MP Wusterhusen Stein1 web

     MP Wusterhusen Stein2 web

     MP Wusterhusen Stein3 web


Die Ortschaften heißen außer Wusterhusen: Lubmin, Stilow, Brünzow, Pritzwald, Katzow, Nonnendorf, Gustebin, Kräpelin und Gahlkow.

 

MP Wusterhusen hinten web


Das ist der Blick von der alten Schule von schräg hinten auf das Kriegerdenkmal. Hinter der Schule liegt die Johanneskirche mit dem Friedhof. Auf der anderen Seite der Wolgaster Straße, dem Denkmal gegenüber, befindet sich das denkmalgeschützte Ensemble der Pastoratshäuser: das Pfarrhaus mit Scheune und Brunnen und das Pfarrwitwenhaus mit Stall. 

MP Wusterhusen Winter Wikimedia Commons Assenmacher web

Foto: Wikimedia Commons / Assenmacher

Das Denkmal im schneereichen Winter 2013.

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Die Inschrift

Unsern gefallenen Helden: Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. Ralph Giordano rät deshalb, »gefallen« durch »umgebracht« zu ersetzen.
Neben diesem offenkundigen Euphemismus schränkt der Begriff »Gefallener« den Inhalt auf den Bedeutungsbereich ein, der im Englischen mit »killed in action« bezeichnet wird. Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: »im Felde gefallen« oder »auf dem Felde der Ehre gefallen«. Nicht auf ein »Gefallenendenkmal« gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.

 zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 60/61


Die dankbare Heimat: Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland [die Heimat] von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

Ebd. S.78

Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

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Der Adler

Der Adler ist als »der mächtigste König im Luftrevier« (Anfang des »Seeräuberlied«, das zum Marschliederkanon der Wehrmacht gehörte), der König der Lüfte und wehrhafter Beschützer seines Horstes. In der griechischen Mythologie ist er ein Attribut des Gottes Zeus. Als heraldisches Symbol diente er von 1433 bis 1806 den Kaisern des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen sowie deutschen Königen, Herzögen und Markgrafen als Wappenbild.

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 137


!946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Konrollbehörde herausgegeben, nach dem kriegsverherrlichende Botschaften auf deutschen »Ehrenmälern« zu entfernen sind. Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern in der Sowjetischen Besatzungszone verschwunden. Nach der »Wende« war der Reichsadler in Wusterhusen wieder erwünscht. Auf dem Kriegerdenkmal steht er stolz, in aufrechter Haltung auf der Spitze des Obelisken. Die Schwingen sind in senkrechter Stellung geöffnet. Die Luftwaffe der Bundeswehr verwendet ihn in ähnlicher Form in ihrem Wappen.

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1946: Der Befehl Nr. 30

... Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone gibt am 5. 5. 1946 die Richtlinien für die Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler heraus. Danach müssen alle Denkmäler militärischen Charakters beseitigt werden, sofern sie nicht besonderen künstlerischen Wert besitzen.

Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Kriegerdenkmälern, darin heißt es:

»Da sie als Erinnerung für die Gesamtheit der in den Kriegen Gefallenen gelten, muss jeder Eingriff mit starken Rückwirkungen auf die Bevölkerung rechnen. Zu beseitigen sind auch hier all jene Denkmäler usw. die Aufforderungen zur Rache, zum erneuten Kriegseinsatz, Verherrlichungen des Krieges usw. enthalten. Dies trifft nicht zu für Kriegerdenkmäler, die vor 1860 entstanden sind, da sie fast immer bescheiden in der Haltung sind und fast ausnahmslos einigen künstlerischen Wert besitzen. Kriegerdenkmäler nach 1918 sind fast ausnahmslos wertlos. Ihre Beseitigung ist anzuregen, falls nicht in Sonderfällen künstlerischer Rang vorliegt. Denkmäler mit künstlerischem Wert sind einem Museum zu übergeben. Die Säuberungsaktion soll als Willensausdruck breiter Schichten des Volkes vorgenommen werden.« Infolge der Richtlinien sind zunächst Listen zu erstellen gewesen. ...

Am 13. Mai 1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde herausgegeben. Das ist eine Woche nach dem Rundschreiben der Deutschen Zentralverwaltung. Hier heißt es im Abschnitt Kriegerdenkmäler:
»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.« Ebenfalls wird eine Erstellung von Listen zur Erfassung aller Kriegerdenkmäler, bevor an deren Beseitigung herangegangen wird, gefordert.

Auf Grundlage des Befehls Nr. 30 der Alliierten und der Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung sind die schon erwähnten Listen der Jahre 1946/47 entstanden.

Deren Auswertung ist bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig abgeschlossen. Es lässt sich aber feststellen, dass ca. 900 - 1000 Ehrenmale erfasst sind. Dazu kommen dann die bereits vor dem II. Weltkrieg vernichteten Kriegerdenkmäler und sicher auch noch ein Teil kleinerer Denkmäler die aus den verschiedensten Gründen nicht erfasst wurden.

Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern [in der SBZ] verschwunden. Einzelne, vor allem figürliche Denkmäler sind vernichtet oder magazinisiert worden. Im nächsten Jahrzehnt erfolgte eine Welle der Umwidmungen. Ehemalige Weltkriegsdenkmäler oder auch nur ihre stehengebliebenen Sockel werden zu VVN-, OdF- oder personellen Denkmälern.

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, Seite 4-5

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Historisches Foto

In früheren Zeiten betrat man die Denkmalsanlage durch eine zweiflügelige weiße Holzpforte. Ein Sandweg führte zum Denkmal, und auch der runde Platz war bis zu den Namensstelen mit Sand bedeckt. Die Stelen überragten die Buchenhecke.

 

     MP Wusterhusen Alt web

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Erinnerung an Bruno Jackley

Zitiert aus »Bestandsaufnahme politischer Memoriale des Landes Mecklenburg-Vorpommern«, Dr. Wolf Karge, Hugo Rübesamen, Dr. Andreas Wagner, 1998, S. 478:

Auf dem Friedhof von Wusterhusen ruht Bruno Jackley. Während des Kapp-Putsches hatten sich die Landarbeiter von Wusterhusen bewaffnet, um die Republik zu verteidigen. Auf die Nachricht der Ermordung von fünf Greifswalder Arbeitern hin beschloß das Aktionskomitee in Wusterhusen, das Greifswalder Wasserwerk in Dietrichshagen zu besetzen, um die städtischen Arbeiter im Streik zu unterstützen. Doch ihr Angriffsplan war verraten worden, so daß es am 21. März 1920 zu einem erbitterten Gefecht kam. Mehrere Landarbeiter gerieten in Gefangenschaft und wurden von den Putschisten mißhandelt. Der 18jährige Landarbeiter Bruno Jackley war durch einen Unterleibsschuß schwer verletzt und wurde durch Gewehrschläge auf den Kopf ermordet.

Der Deutsche Landarbeiterverband setzte Bruno Jackley einen schlichten Grabstein. Auf dem Dorfplatz stellte man in der DDR eine Plastik des Berliner Künstlers Hans Kies auf, die nach 1990 abgebaut wurde. An das Denkmal erinnert nur noch eine fast unscheinbare Gedenktafel (34 mal 50 cm) auf dem Boden. Die Inschrift lautet:

Zu Ehren / der heldenhaften Kämpfer / gegen den Kapp-Putsch / und zur Erinnerung an / Bruno Jackley

 

MP Wusterhusen Tafel web

Foto: Wikimedia Commons / Assenmacher

Bei unserem Besuch in Wusterhusen 2018 trafen wir ehemalige Bewohner, die ihrem Geburtsort einen Besuch abstatteten. Sie waren empört darüber, dass der Adler 1990 wieder auf das Kriegerdenkmal gesetzt und gleichzeitig die Plastik für Bruno Jackley entfernt worden war.


... und so sah die Bronzefigur »Bewaffneter Arbeiter« von Hans Kies, 1966/70, signiert »Kies, Guss, Lauchhammer 1967« aus:


     MP Wusterhusen Skulptur Hans Kies web

Foto aus: Gedenkstätten der Arbeiterbewegung im Bezirk Rostock, Herausgeber: Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Bezirksleitung Rostock der SED und vom Bezirksvorstand Rostock der Gesellschaft für Sport und Technik.
Zweite von der Kommission örtliche Arbeiterbewegung überarbeitete Auflage 1973. S. 28

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Der Kapp-Putsch

Der Kapp-Putsch, auch Kapp-Lüttwitz-Putsch, vom 13. März 1920 war ein nach 100 Stunden gescheiterter, konterrevolutionärer Putschversuch gegen die nach der Novemberrevolution geschaffene Weimarer Republik. Anführer war General Walther von Lüttwitz mit Unterstützung von Erich Ludendorff, während Wolfgang Kapp mit seiner »Nationalen Vereinigung« nur eine Nebenrolle spielte.

Der Putschversuch brachte das republikanische Deutsche Reich an den Rand eines Bürgerkrieges und zwang die sozialdemokratischen Mitglieder der Reichsregierung zur Flucht aus Berlin. Die meisten Putschisten waren aktive Reichswehrangehörige oder ehemalige Angehörige der alten Armee und Marine, insbesondere der Marinebrigade Ehrhardt, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in reaktionären Freikorps organisierten, sowie Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).

Einen großen Anteil am Scheitern des Putsches hatte, neben der bewaffneten Gegenwehr der Proletarier und Uneinigkeit der Militärs über die eigentliche Zielsetzung des Putsches, unzweifelhaft der Generalstreik – der größte in der deutschen Geschichte.

Gründe für den Putsch waren die Republikfeindlichkeit sowie die Frustration vieler früherer Soldaten, die nun in etwa 120 Freikorps organisiert waren. Konkreter Auslöser war am 29. Februar die Verfügung von Reichswehrminister Gustav Noske, die Marinebrigade Ehrhardt aufzulösen, da am 10. Januar 1920 der Versailler Friedensvertrag in Kraft getreten war, welcher das deutsche Heer auf 100 000 Mann sowie die Marine auf 15 000 Mann beschränkte. Dies bedeutete einen massiven Personalabbau der etwa 400 000 Mann starken Reichswehr von 1919, die meisten der damaligen Freikorps sollten aufgelöst werden. In diesem Punkt spielten aber die Führer der Freikorps nicht mit; die politischen Generäle waren nicht gewillt, auf die Instrumente ihrer politischen Macht zu verzichten und so kam es zu dem militärischen Staatsstreich vom 13. März 1920.

nach Wikipedia, abgerufen am 6. August 2018

 

MP Wusterhusen Bundesarchiv Bild 119 1983 0025 Kapp Putsch Berlin web

Foto: Bundesarchiv 119-1983-0025

• März 1920: Einzug der Marinebrigade Ehrhardt in Berlin, Berlin wird besetzt. Die Soldaten der Brigade pausieren mit der Kriegsflagge der Kaiserlichen Marine.


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Wikipedia, Kapp-Putsch

Lebendiges Museum online


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Der Bildhauer Hans Kies

Hans Kies, geboren am 4. Dezember 1910 in Kolberg; gestorben am 4. Juni 1984 in Berlin, war ein deutscher Bildhauer und Politiker (KPD, SED). Er lernte nach dem Besuch der Volksschule in Berlin den Beruf des Maschinenschlossers. Als Arbeiter besuchte er eine Abendschule und gehörte einem Zirkel von Arbeiterzeichnern an. 1926 wurde er Mitglied des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Später trat er der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition bei. Er wurde 1929 Mitglied der KPD.

Ab 1931 studierte Hans Kies an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst (der späteren Staatlichen Hochschule für bildende Künste) in Berlin-Charlottenburg. Das Studium beendete er 1939. Anschließend ging er zum Militär, leistete seinen Dienst von 1940 bis 1945 und ging danach nach Usedom, wo er von 1945 bis 1950 Bürgermeister von Zinnowitz war. Nebenher arbeitete er als freier Künstler, ab 1950 freischaffend. 1958 wurde er Stadtverordneter von Berlin.

Hans Kies gehörte dem Künstlerkollektiv an, das von 1955 bis 1958 die Denkmäler im Konzentrationslager Buchenwald schuf. 1960 errichtete er am Friedhof der Märzgefallenen in Berlin-Friedrichshain das Denkmal »Roter Matrose«, welches an die Gefallenen der Novemberrevolution 1918 erinnern soll. Ebenfalls von ihm stammt die Karl-Marx-Gedenkstätte in Alt-Stralau von 1964. In Schwerin schuf er 1965 das Relief für die »Gedenkstätte verdienter Kämpfer für Demokratie und Sozialismus«. Von 1964 bis 1968 war er Zirkelleiter im Haus der jungen Talente in Berlin und im Kulturhaus der Automobilbauer in Ludwigsfelde.


MP Wusterhusen Bundesarchiv Bild 183 D0329 0013 001 Hans Kies web

Foto: Bundesarchiv_Bild_183-D0329-0013-001

• 1965 bei einer Ausstellungseröffnung. Von rechts: Prof. Otto Nagel, Vizepräsident der Deutschen Akademie der Künste, Bildhauer Hans Kies und Johanna Grotewohl

Ab 1969 wurde Hans Kies Dozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Hans Kies gehörte dem Präsidium des Verbandes Bildender Künstler der DDR an und war Vorsitzender des Bezirksvorstandes Berlin.

Nach Wikipedia, abgerufen am 6. August 2018


MP Wusterkusen Gedenktafel Kapp Putsch Wikimedia Commons OTFW Berlin web

Foto: Wikimedia Commons / OTFW, Berlin

Gedenktafel zum Kapp-Putsch in der Friedlander Straße 156, Berlin-Adlershof. Die Skulptur »Der Kämpfer« von Hans Kies wurde 1970 eingeweiht. Sie ist eine Kopie der Bronzefigur »Bewaffneter Arbeiter«, die 1967 für Wusterhusen gegossen wurde.

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Wo ist die Bronzefigur heute?

Auf der Website der Mecklenburger Antikdiele in Neustrelitz kann man sie unter dem Menüpunkt »Deko-Interieur« betrachten und für 22 000 Euro kaufen.

mecklenburger-antikdiele.de/grosse-bronzefigur-bewaffneter-arbeiter-von-hans-kies


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Im Begleittext auf der Website wird die Herkunft genannt:

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Wie es aussieht, ist sie Anfang der 90-ern an einen Greifswalder »Kunsthändler« verkauft worden. Jedenfalls taucht sie in der Denkmalliste des Kreises Ostvorpommern von 1996 nicht mehr auf. Die  Landkreise hatten nach dem Denkmalschutzgesetz MV von 1991 die Aufgabe, bis 1996 alle Denkmäler zu erfassen. (Eine Liste der Denkmäler des DDR-Kreises Greifswald habe ich bisher nicht gefunden.)

zitiert nach dem Beitrag »Ein Denkmal taucht wieder auf« von Edgar Offel auf seiner Website:

wuhu.offelnet.de

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Die Initiative von Edgar Offel

Edgar Offel, freier Journalist und bis Oktober 2019 Mitarbeiter der Pressestelle des Landwirtschaftsministeriums in Schwerin, engagiert sich in der Kommunalpolitik seiner Heimatstadt Wusterhusen. Er schreibt auf seiner Website:

Wusterhusen hat einen »Denkmalplatz«. Ohne Denkmal. Die Statue »Bewaffneter Arbeiter« von Hans Kies, die an den Arbeiterwiderstand gegen den Kapp-Putsch 1920 erinnert und als Kopie auch in Berlin steht (ich hatte zu DDR-Zeiten verwundert auch eine Kopie aus Gips, vielleicht die Gussform, vor dem Armeemuseum in Dresden gesehen), ist verschwunden.
Das Original stand in Wusterhusen als Denkmal für Bruno Jackley, der bei Kämpfen um das Wasserwerk Diedrichshagen von der Soldateska ermordet worden sein soll. Ich vermute, dass es 1970 aufgestellt wurde – zum 50. Jahrestag des Kapp-Putsches. Denn ich kann mich nicht an Veranstaltungen am Denkmal erinnern. Da ich seit 1969 die Woche über im Internat der EOS war, müsste es also danach nach Wusterhusen gekommen sein.

Ich würde die Statue gern wieder nach Wusterhusen holen. Zumal ein aktueller Anlass besteht:

Im März 2020 ist der 100. Jahrestag des Kapp-Putsches. Ein guter Anlass, um das Denkmal als Mahnmal gegen die Folgen deutscher Volkstümlerei zu nutzen. Die Truppen, auf deren Gewehrläufen gestützt der Lüttwitz-Kapp-Putsch erfolgte, hatten oft als Zeichen für ihren »Patriotismus« das Hakenkreuz auf ihren Stahlhelm, das später das Symbol des Faschismus wurde. Und SA und NSDAP rekrutierten sich insbesondere aus den Zeitfreiwilligen dieser Truppen. Zeitfreiwillige des in Greifswald stationierten Bataillons ermordeten auch Jackley (wie mir mein Vater berichtete, wurde die Story verbreitet, dass Bruno Jackley nicht ermordet worden sei, sondern bei einem Unfall beim Waffenreinigen oder Herumspielen ums Leben kam. Zwar weiß man, dass die DDR die Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung glorifizierte und dafür auch nicht vor Fälschungen zurückschreckte, diese Story halte ich jedoch für nur allzu offensichtlich als moralische Rechtfertigung des unrechtmäßigen Verkaufs).

In diesem Zusammenhang besonders bedenklich finde ich, dass offenbar dieselben, die in blinder Wut gegen ein vermeintliches Symbol der DDR die Statue verkauften (was auch damals eine schwere Ordnungswidrigkeit und Barbarei war), den Reichsadler ausfindig machten und wieder auf das Kriegerdenkmal stellten. Denn Reichsadler und Kriegerdenkmal stehen wiederum für den Nationalismus des Kaiserreiches, den die Zeitfreiwilligen des Kapp-Putsches weitertrugen.

Also wehret den Anfängen. Die Geschichte zeigt, wohin das führen kann.

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