NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Das Eiserne Kreuz
Die Völkerschlacht 1813
Die Befreiungskriege
Friedhof der Namenlosen

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Sagard

Auf Rügen, Landkreis Vorpommern-Rügen

Die Denkmalsanlage zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 befindet sich am Quatzendorfer Weg.

MP Sagard weit web


Vier flache Steinstufen führen hinauf zu den Gedenksteinen. An den Seiten wird der Höhenunterschied mit einer bunten Bruchsteinmauer abgefangen. Zwischen der Bepflanzung mit Bäumen und Gebüsch am Ende des Rasenplatzes steht die Ansammlung verschiedenster Findlinge, mit und ohne Inschrift.

 

MP Sagard Denkmal web


Der hohe Hauptstein trägt ein großes Eisernes Kreuz im kreisrunden Medaillon.

 

MP Sagard seitlich web


Drei mittelgroße Steine haben goldfarben ausgefüllte Inschriften. Auf den hohen, kantigen Steinen an den Seiten werden Jahreszahlen genannt. Links 1813, das Jahr der Völkerschlacht bei Leipzig, rechts 1913, zur 100sten Wiederkehr ist die Denkmalsanlage vermutlich aufgestellt worden.

Der breite Stein im Vordergrund trägt die Inschrift:

Mit Gott
für König
und Vaterland

Die Anlage ist sehr gepflegt, die goldenen Buchstaben sind makellos.

 

MP Sagard Spitze web


Die kreisrunde Platte aus Gusseisen, mehrfach abgestuft umrandet, ist in der Spitze des großen Findlings eingelassen.

 

MP Sagard Eisernes Kreuz web


Darauf das Relief eines Eisernen Kreuzes, so wie es in seiner ersten Stiftung durch den preußischen Königs Friedrich Wilhelm III aussah – vermutlich das einzige unter den vielen Eisernen Kreuzen auf dieser Website. Oben die preußische Königskrone mit den Initialen »FW«, in der Mitte ein dreiblättriger Eichenzweig mit zwei Eicheln und unten die Jahreszahl der ersten Stiftung: 1813.

 

MP Sagard hinten web


Der Blick auf den Quatzendorfer Weg, der zum Bahnhof von Sagard führt.

 

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Die Inschrift

»Mit Gott für König und Vaterland« ist ein preußischer Wahlspruch und Devise eines ebenfalls von König Friedrich Wilhelm III. 1813 gestifteten Abzeichens, des Landwehrkreuzes. Dieses metallene Kreuz wurde auf die Mützen der preußischen Landwehrsoldaten genäht.

MP Sagard Inschrift web


Auf verschiedenen Varianten von Helmen und Ehrenkreuzen ist der Wahlspruch ebenfalls anzutreffen. Als Losungswort konservativer Parteien in Preußen wurde er üblich und von Soldaten kurz vor der Schlacht gerufen.

Es gab nach 1813 wieder eine enge Verbindung zwischen Staat und Evangelischer Kirche. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. war »summus episcopus«, also oberster Bischof und machte sich aktiv an die Neuordnung der evangelischen Kirche in seinem Herrschaftsgebiet.

Nach dem Desaster des 1. Weltkriegs dankte Kaiser Wilhelm II. am 28. November 1918 ab. Die Evangelische Kirche hat seitdem kein staatliches Oberhaupt mehr. Die Trennung von Kirche und Staat sollte vollzogen werden.


MP Sagard Postkarte web


Eine Postkarte aus dem Jahr 1913. Der Anlass für die Gedenkstätte in Sagard und die Postkarte ist der selbe: 100 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig – die Karte mit dem preußischen Wahlspruch und den Königspaaren der Zeit, links Friedrich Wilhelm III, rechts Wilhelm II jeweils mit ihren Gattinnen.

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Das Eiserne Kreuz

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt. Wörtlich heißt es dazu:

»Se. Königl. Maj. haben beschlossen, für die Dauer des jetzigen Krieges eine eigenthümliche Auszeichnung des Verdienstes eintreten zu lassen. Sie soll in einem schwarzen in Silber gefaßten Kreuz aus Gußeisen bestehen, und dessen Vorderseite ganz glatt und ohne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite aber zu oberst den Namenszug FW mit der Krone, in der Mitte drey Eichenblätter, unter die Jahreszahl 1813 enthalten. Se. Maj. haben allerhöchstselbst die anliegende Zeichnung davon entworfen, und wünschen eine sauber ausgeführte Zeichnung.«

Friedrich Wilhelm III. stiftete mit dem Eisernen Kreuz die erste Auszeichnung in Deutschland überhaupt, für deren Verleihung hervorragende Handlungen im Befreiungskrieg ohne Rücksicht auf Stand, Herkunft, Dienstgrad und militärischen Rang maßgebend war. Unterstützend zu der beginnenden Verleihungspraxis kam hinzu, dass mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht alle Standesunterschiede gefallen waren. Mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes sollte auch ausdrücklich die Verleihung mehrerer Kriegsorden ausgeschlossen werden und nur noch in besonderen Ausnahmefällen zulässig sein. Das Eiserne Kreuz war auch derjenige Orden, bei dem die Verleihung der nächsthöheren Stufe die Erreichung der vorherigen Verleihungsklasse zwingend voraussetzte.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 10. November 2019


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Die Völkerschlacht 1813

Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 war die Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege. Dabei kämpften die Truppen der Verbündeten, im Wesentlichen Russland, Preußen, Österreich und Schweden, gegen die Truppen Napoleon Bonapartes.

Mit bis zu 600.000 beteiligten Soldaten aus über einem Dutzend Ländern war dieser Kampf bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wahrscheinlich die größte Schlacht der Weltgeschichte. In dieser wichtigsten Schlacht des Freiheitskriegs gegen die napoleonische Herrschaft brachten die zahlenmäßig überlegenen verbündeten Heere der Österreicher, Preußen, Russen und Schweden Napoleon Bonaparte die entscheidende Niederlage bei, die ihn dazu zwang, sich mit der verbliebenen Restarmee und ohne Verbündete aus Deutschland zurückzuziehen.

In der Schlacht wurden von den rund 600.000 beteiligten Soldaten 92.000 getötet oder verwundet.


MP Sagard Fundamente Voelkerschlachtdenkmal Leipzig 1902 web
• Die Fundamente des Völkerschlachtdenkmals im Jahr 1902

Zum einhundertsten Jahrestag wurde 1913 in Leipzig das 91 Meter hohe Völkerschlachtdenkmal fertiggestellt. Dieses Wahrzeichen wurde in der Nähe des Gebietes errichtet, in dem die heftigsten Kämpfe stattfanden und die meisten Soldaten fielen.

Nach Wikipedia, abgerufen am 10. November 2019


     MP Sagard Voelkerschlachtdenkmal Bundesarchiv Bild 183 45510 0001 web
    
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-45510-0001. Junge, Peter Heinz; Krueger

Das Völkerschlachtdenkmal am 25. März 1957

 

     MP Sagard Voelkerschlachtdenkmal Erzengel Michael 2016 web
    
Foto: Wikimedia Commons / Susann Pristat

Erzengel Michael wacht über dem Eingang zum Inneren des Völkerschlachtdenkmals, Foto aus dem Jahr 2016

 

MP Sagard Voelkerschlachtdenkmal Leipzig Anti Nazi Plakat web
Foto: Wikimedia Commons / ¡0-8-15!

Protestplakat am Völkerschlachtdenkmal gegen eine Neonazi-Demonstration am 8. November 2011

Zum Weiterlesen:

Deutsches Historisches Museum (leMO)

planet wissen


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Die Befreiungskriege

Der Begriff Freiheitskrieg wurde im deutschen Sprachraum von liberalen Kräften benutzt, um das Ziel eines geeinten deutschen Verfassungsstaates anzudeuten. Konservative hingegen setzten in der Restaurationsphase nach 1815 den Begriff Befreiungskrieg zur Betonung des Kampfes als eine gegen die französische Hegemonie und Besetzung Europas gerichtete Kampagne ein. In der deutschen Geschichtsschreibung – auch in der marxistischen – hat sich Befreiungskrieg durchgesetzt.

Gegen das Französische Kaiserreich, das sich mit Großbritannien seit 1793 nahezu ununterbrochen in einem weltumspannenden See- und Kolonialkrieg befunden hatte, bildete sich im Jahr 1813 nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug von 1812 erneut eine Allianz. Diese trugen zunächst Russland und Preußen, später schlossen sich Schweden, Österreich und andere Staaten an. In Deutschland entstand eine antifranzösische und national orientierte Publizistik, die eine Basis für den deutschen Nationalismus im 19. und 20. Jahrhundert bildete.


SH Zarpen Napoleons Flucht web2
 

Nach einem wechselhaften Kriegsverlauf wurde Napoleon im Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen.

Er musste sich über den Rhein zurückziehen. Mit dem Rückzug Napoleons endete die französische Herrschaft über große Teile Deutschlands (Franzosenzeit). In der Neujahrsnacht 1813/14 begannen Preußen und Russen mit dem Rhein die französische Grenze zu überqueren. Nach mehreren Abwehrschlachten wurde Napoleon im März in der Schlacht bei Arcis-sur-Aube geschlagen. Die Sieger aus Russland, Preußen, Großbritannien und Österreich marschierten in Paris ein, zwangen Napoleon zur Abdankung und restaurierten die Königsherrschaft. Über die Neugestaltung Europas sollte der Wiener Kongress entscheiden. Während dieser noch tagte, kehrte Napoleon von der Insel Elba zurück, übernahm erneut die Herrschaft, ehe er bei Waterloo von Preußen und Großbritannien endgültig geschlagen wurde.

Die schon vor 1813 einsetzende nationale Publizistik gewann nach Kriegsbeginn einen starken Aufschwung. Preußischer Patriotismus verband sich mit deutschem Nationalismus. Die Kriegslieder von Körner, Schenckendorff, Eichendorff oder Rückert waren überaus populär. Bei Körner hieß es etwa: »es ist kein Krieg, von dem die Kronen wissen, es ist ein Kreuzzug, 's ist ein heil'ger Krieg.« Unter den Publizisten war Ernst Moritz Arndt mit seinen gesamtdeutsch ausgerichteten Schriften besonders einflussreich. Seine Schriften erzielten teilweise Auflagen von 100.000 Exemplaren, was für die Zeitverhältnisse ungewöhnlich hoch war. Sie erreichten eine Verbreitung bis in die ungebildete Bevölkerung hinein.

Bis heute müssen wir auf Kriegerdenkmälern zu den Weltkriegen nationalistische Verse aus ihren Werken lesen. Zum Beispiel in:

Bornhöved / Schleswig-Holstein (Arndt)

Gostorf / Mecklenburg-Vorpommern (Körner)

Bargischow / Mecklenburg-Vorpommern (Arndt)

 

In diesen Zusammenhang gehört auch die Aufstellung von Freiwilligeneinheiten (Freiwillige Jäger) und Freikorps, u. a. das Lützowsche Freikorps das für nichtpreußische Freiwillige aufgestellt wurde. Extrem hoch waren Angehörige der gebildeten Stände vertreten.

Charakteristisch war besonders die Abgrenzung gegenüber Frankreich. Bereits bei Arndt wurde der Franzose als Erbfeind bezeichnet.

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Postkarte zur »Jahrhundertfeier der Freiheitskriege«. Hier nimmt der deutsche Michel Bezug auf den Sieg in der Völkerschlacht bei Leipzig (im Hintergrund das gerade fertiggestellte Denkmal) und provoziert selbstgefällig den »Erbfeind« Francois am Vorabend des 1. Weltkriegs. Was für ein Reinfall!


Das Gedenken an die Befreiungskriege spielte auch schon kurz nach Kriegsende eine politisch wichtige Rolle. Das Wartburgfest von 1817 fand einerseits zur Erinnerung an den 300. Jahrestag der Reformation, andererseits am vierten Jahrestag der Völkerschlacht von Leipzig statt.


SH Zarpen Voelkerschlachtdenkmal Leipzig web2

Das Denkmal der Superlative, Text auf der Karte: »Größtes Denkmal Deutschlands: Höhe 91 Meter, Baukosten ca. 6 Millionen Mark. Errichtet vom Deutschen Patriotenbund. Grundsteinlegung 18. Okt. 1900. Schlußsteinlegung 13. Mai 1912. Denkmalweihe 18. Oktober 1913.


Nach der Niederlage Napoleons in Leipzig breitete sich diese nationale Verbundenheit nach zeitgenössischen Beobachtungen über ganz Deutschland aus und verband sich hier und da auch mit antisemitischen Untertönen. Eine besondere Rolle spielte daher die Erinnerung an die Kriege in der jüdischen Bevölkerung, waren die Befreiungskriege doch das erste Mal, dass auch jüdische Soldaten Kriegsdienst leisteten. Versuche von bestimmten Presseorganen, die jüdische Beteiligung kleinzureden, trafen auf entschiedene jüdische Gegenreaktion.

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Moritz Daniel Oppenheim schuf 1833/34 das Gemälde »Die Heimkehr des Freiwilligen aus den Befreiungskriegen zu den nach alter Sitte lebenden Seinen«. Damit stellte er die Befreiungskriege in einen Zusammenhang mit der Assimilation und Emanzipation der jüdischen Bevölkerung.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 22. März 2021

 

Mehr zu den Freiheitskriegen auf Wikipedia


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Friedhof der Namenlosen

29 Flüchtlinge und drei Marinesoldaten liegen auf dem Friedhof der Namenlosen südlich des Hafens von Martinshafen bei Sagard begraben.

MP Sagard MartinskirchenFriedhof Wikimedia Commons Global Fish web
Foto: Wikimedia Commons / Global Fish

Im Mai 1945 lag ein Konvoi mit mehreren Flüchtlingsschiffen in Martinshafen fest. Eine Epidemie brach aus und die namenlosen Toten wurden auf der kleinen, heute denkmalsgeschützen Anlage begraben.


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I N H A L T
Das Denkmal
Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71
Eine historische Postkarte

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Schönberg

Landkreis Nordwestmecklenburg

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs ist von aussen in ein Fenster der Stadtkirche St. Laurentius und Katharina eingepasst. Es besteht aus glatten hellgrauen Sandsteinen, die über einem Sockel zum Kreuz gemauert sind. An der vorspringenden Mitte des Sockels ist ein Kranzhalter angebracht, der Querstein des Kreuzes trägt die Widmungsschrift in herausgehobenen geblockten Buchstaben:

Unseren im Weltkriege
1914 – 1918 – gebliebenen

Helden zum Gedächtnis

Ober- und unterhalb der Schrift läuft ein Mäanderband in gleicher Breite.


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Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71

Auf dem Platz vor der Kirche ist auch noch eine große Säule mit Adler für die toten Soldaten des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 zu sehen. Rechts im Bild das Denkmal im Kirchenfenster.

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Foto: Kresspahl / Wikimedia Commons

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.

Auslöser war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck ließ die Emser Depesche, mit der er darüber informiert worden war, dass König Wilhelm I. die französischen Forderungen abgelehnt hatte, in provokant verkürzter Form veröffentlichen. Dies erregte auf beiden Seiten nationalistische Empörung und veranlasste den französischen Kaiser Napoléon III. am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung an Preußen.

Von den großen Schlachten gingen im gesamten Kriegsverlauf alle für Frankreich verloren oder endeten im Patt. Trotzdem fand sich die französische Regierung erst im Februar 1871, nach dem Fall von Paris, zum Vorfrieden von Versailles bereit. Offiziell endete der Krieg am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt, der hohe Reparationen sowie die Abtretung Elsaß-Lothringens durch Frankreich vorsah.

Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Deutschen Krieg von 1864 und 1866 gilt der Konflikt mit Frankreich als dritter und letzter der deutschen Einigungskriege. Noch während seines Verlaufs traten Baden, Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei, der sich mit Wirkung vom 1. Januar 1871 Deutsches Reich nannte. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel „Deutscher Kaiser“ an, Otto von Bismarck wurde erster Reichskanzler. In Frankreich hatte der Krieg nicht nur die endgültige Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich. Beides belastete die deutsch-französischen Beziehungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017

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Eine Historische Postkarte

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I N H A L T
Der »Ehrenfriedhof« auf dem Alten Friedhof
Aus der Geschichte
»Ehrenfriedhof Opfer des Faschismus«
Aus der Geschichte
Wilhelm Wandschneider
Gerhard Thieme
»Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland«

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Schwerin

Landeshauptstadt

Zwei »Ehrenfriedhöfe«, dazu jeweils eine uniformierte und bewaffnete, auf ein Podest gestellte Soldatenfigur von zwei namhaften Bildhauern – diese interessante Situation finden wir in Schwerin vor.

Erster »Ehrenfriedhof«: Der Alte Friedhof ist eine rund 28 Hektar große Parkfriedhofsanlage in der Schweriner Weststadt. Nach 1917 wurde im tiefer gelegenen südlichen Rand der »Ehrenfriedhof« für deutsche Soldaten des 1. Weltkriegs angelegt. Die zentrale Denkmalswand mit der Figur »Trauernder Soldat« besteht in dieser Form seit dem 6. Juni 1937, wurde also während der DDR-Zeit nicht verändert. Nicht nur diese Tatsache erstaunt uns: auch Gedenkkreuze für Soldaten der Deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg sind auf einer nachträglich geschaffenen Ebene aufgestellt.

Auf dem Alten Friedhof gibt es weitere große, mittelgroße und kleine Kriegsgrabfelder, die bei ihrer Anlage 1945 bis 1946 wesentlich schlichter gestaltet waren. Über 4000 Kriegstote wurden hier bestattet: Angehörige der Wehrmacht, die in verschiedenen Reservelazaretten Schwerins, im Fliegerhorst Görries, in den Kasernen Buchholz, Moltke und Haselholz und in Lagern starben, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und zivile Kriegsopfer. Nach 1961 erfolgte die Einebnung einiger Kriegsgräberfelder ohne nachvollziehbare Beschlüsse, wohl aber mit politischem Hintergrund. Die DDR hatte die vier Genfer Abkommen von 1949 und die Resolution der Rot-Kreuz-Konferenz 1965 erst Ende 1970 anerkannt.

Mit der Auflösung der »Gedenkstätte verdienter Kämpfer für Demokratie und Sozialismus« auf dem Alten Friedhof war eine Umbettung der Urnen notwendig. Sie wurden zum »Ehrenfriedhof Opfer des Faschismus« gebracht:

Zweiter »Ehrenfriedhof«: Ganz in der Nähe des Alten Friedhofs liegt der »Ehrenfriedhof Opfer des Faschismus«, ebenfalls mit einem trauernden Soldaten: dem »Kämpfer der Roten Armee«. Er steht dort seit dem 6. Juni 1978. Unterschiedliche Gruppen wurden hier bestattet: sowjetische Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Angehörige der Roten Armee, nach 1945 verstorbene Verfolgte des Naziregimes und deren Ehepartner und die umgebetteten verdienten Sozialisten vom Alten Friedhof. Zur Jahreswende 1945/1946 erhielt der Friedhof offiziell den Namen »Opfer des Faschismus«. Hier sind insgesamt ca. 1500 Tote in Einzelgräbern und eine unbekannte Anzahl in vier Sammelgräbern bestattet, davon sind 755 Kriegstote.

Die Tafel, die 2013 dort aufgestellt wurde, informiert uns: »Der Friedhof ist Gedenkstätte und Zeugnis des Umgangs mit der NS-Vergangenheit in der DDR«. Geschuldet der Freundschaft zur Sowjetunion?

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»Ehrenfriedhof« auf dem Alten Friedhof

Seit 1917 besteht der »Ehrenfriedhof« für die Soldaten beider Weltkriege. Seitdem wurde eine Erweiterung um die Gedenkkreuze der Soldaten der Deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg vorgenommen.

MP Schwerin Friedhof weit web


Vom Niveau des Grimke Sees aufsteigend ist der »Ehrenfriedhof« in zwei Terrassen angelegt, mit breiter Zuwegung über ebenso breite Treppen. Rechts und links stehen die Gedenksteine der toten Soldaten beider Weltkriege.

MP Schwerin Friedhof naeher web


Die ganze Anlage ist ausgerichtet auf die von Bildhauer Wilhelm Wandschneider bereits 1936 geschaffene Bronzefigur »Trauernder Soldat«.

MP Schwerin Friedhof Denkmal web


Der Soldat steht an einer Bruchsteinmauer vor einem erhöhten Mittelteil auf einem Podest, das genau wie die Mauer hinter ihm ohne weitere Texttafeln auskommt.

MP Schwerin Friedhof Soldat web


Breitbeinig steht er da, komplett in Uniform – das Idealbild eines Soldaten. Sehr naturalistisch ist er gearbeitet, man möchte die Falten der Uniformhose ordnen.

 

MP Schwerin Friedhof Kopf web


Er hält den Kopf gesenkt, doch mit entschlossenem Gesichtsausdruck. Trauert er?

MP Schwerin Friedhof Helm web


Den Stahlhelm hat er abgesetzt.

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Zwischen seinen Langschäftern sind Grablichter, ein Moosherz und ein Gesteck abgelegt worden.

MP Schwerin Friedhof Details links web


Von den Seiten können wir die militärische Ausrüstung betrachten: ein Bajonett, auch Seitengewehr genannt, hängt am Gürtel. Detailreich wie die ganze Figur: die Troddel, die in der Realität farbig war und die Kompaniezugehörigkeit des Trägers anzeigte.

MP Schwerin Friedhof Details rechts web


Auf der anderen Seite: Trinkflasche, Brotbeutel und Kochgeschirr.

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Am Rand des flachen Bronzesockels steht die Signatur des Bildhauers:

W.WANDSCHNEIDER PLAU.1936

 

MP Schwerin Friedhof Kreuzfeld web


Auf der Ebene der Soldatenfigur stehen die Gedenksteine der 163 Soldaten des 1. Weltkriegs in Reih und Glied. Seitlich, auf Höhe der Figur in einer Linie mit der Mauerkante.

MP Schwerin Friedhof Kreuz 1WK web


Auf den einheitlichen Steinkreuzen werden jeweils Dienstgrad, Name, Truppenzugehörigkeit, Geburts- und Sterbedatum genannt.

MP Schwerin Friedhof Kreuz web


Auf der nächst tieferen Ebene des »Ehrenfriedhofs« wurde die Anlage um die toten Soldaten des 2. Weltkriegs erweitert. Ähnliche, wieder einheitliche Kreuze kommen jetzt ohne Dienstgrad und Truppenteil aus.

 

MP Schwerin Friedhof Grab web


In vielen anderen Bereichen des Alten Friedhofs sind 1945 bis 1946 Kriegstote bestattet worden: Soldaten der deutschen Wehrmacht, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, Zivilisten – insgesamt sind hier Gräber von über 4000 Kriegstoten. Auf dem oben abgebildeten Areal liegen laut Grabplatte die Leichen von hundert Deutschen, die wohl während eines Trecks in Schwerin ums Leben kamen.

MP Schwerin Friedhof Grabstein web


Der Text auf dem Stein lautet:

100 DEUTSCHE
FANDEN HIER
ANNO 1945
NACH SCHWEREM
LEID IHRE
LETZTE RUHE


Der Alte Friedhof auf Wikipedia

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Aus der Geschichte

Im Mai 1916, im 2. Kriegsjahr, genehmigte der Magistrat den Plan des Stadtbaumeisters Paul Ehmig für einen »Ehrenfriedhof«: ein quadratischer Platz auf dem Alten Friedhof wurde von niedrigen Mauern umschlossen, in der Mitte wuchsen vier Eichen.

»Für die gärtnerischen Belange zog man den Rostocker Gartendirektor Wilhelm Schomburg zu Rate. Der Anordnung des Platzes im Süden des Friedhofes mit Ausblick auf den Grimkesee und in die umgebende Landschaft waren sorgfältige Überlegungen vorausgegangen. Der landschaftlich bevorzugte Platz wurde gestalterisch in die Erweiterungsfläche des Friedhofes mit einbezogen«, schreibt Katja Pawlak in ›Der Ehrenfriedhof auf dem Alten Friedhof in Schwerin‹, Die Denkmalpflege 2014, Heft 1, S.63f.

Der Ehrenfriedhof füllte sich schneller, als es den Schwerinern lieb sein konnte. Allein 50 Gräber wurden schon im Juli 1917 für tote Soldaten der Flieger-Beobachtungsschule gebraucht.

1920 gab es die erste Umgestaltung: neue Anpflanzungen und einen quadratischen Denkmalsstein mit einer aufgesetzten Schale und Reliefs eines Kriegers und einer Trauernden, gestaltet vom Rostocker Bildhauer Walter Rammelt. Nach 1924 wurde dieses Denkmal immer baufälliger, so dass schließlich 1926 ein Entwurf des Schweriner Architekten Andreas Hamann realisiert wurde: ein Sarkophag auf einem gemauerten Sockel, geschmückt mit vier steinernen Lorbeerkränzen. Am 4. Oktober 1934 wurde das neue Denkmal eingeweiht. Doch schon 1935 begann eine erneute Umgestaltung. Wir vermuten, dass der Ehrenfriedhof damals schon erweitert wurde, auf alle Fälle wurde der traurige Blick auf den Sarkophag ausgetauscht gegen den Anblick auf den zwar auch traurigen, aber heroischen Soldaten von Wilhelm Wandschneider.

MP Schwerin Wandschneider Schimanke Modell Schwerin web


Ein Detail des Soldaten: 1:1 Modell aus dem Atelier von Wilhelm Wandschneider. Archiv: Margrit Schimanke

Die Einweihung des nun als zeitgemäß empfundenen Denkmals fand am 6. Juni 1937 statt, zwei Jahre später begann der nächste Krieg.

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»Ehrenfriedhof Opfer des Faschismus«

Ganz in der Nähe des Alten Friedhofs liegt ein zweiter »Ehrenfriedhof« mit einem trauernden, bewaffneten Soldaten. Wir lesen auf der Informationstafel, die 2013 aufgestellt wurde: »Der Friedhof ist Gedenkstätte und Zeugnis des Umgangs mit der NS-Vergangenheit in der DDR. Auf dem Friedhof sind insgesamt ca. 1500 Tote in Einzelgräbern und eine unbekannte Anzahl in vier Sammelgräbern bestattet, davon sind 755 Kriegstote.«

Die Besonderheit dieses »Ehrenfriedhofs« besteht darin, dass hier die unterschiedlichsten Gruppen begraben liegen: KZ-Häftlinge, sowjetische Zwangsarbeiter, Angehörige der Roten Armee, nach 1945 verstorbene Verfolgte des Naziregimes und deren Ehepartner und umgebettete verdiente Sozialisten.

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Auf Wunsch des Stadtkommandanten fertigte der Berliner Bildhauer Gerhard Thieme im Auftrag des Rates der Stadt Schwerin die Bronzeplastik eines um die toten Kameraden trauernden Sowjetsoldaten. Das Denkmal »Kämpfer der Roten Armee« wurde am 6. Juni 1978 im nördlichen Bereich zwischen den sowjetischen Soldatengräbern aufgestellt.


MP Schwerin Platz Soldat close web


Kräftiger und bodenständiger als der Soldat des Deutschen Heeres auf dem Alten Friedhof wirkt der »Kämpfer der Roten Armee«, der hier als Befreier Nazi-Deutschlands auf seinem Podest steht. Erschreckt uns trotzdem seine Maschinenpistole? Einen Schutzhelm hat er nicht dabei, er hält seine Stoffmütze in der Hand.

 

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Mit gesenktem Kopf blickt er zu den Gräbern seiner Kameraden.

 

MP Schwerin Platz sowjetische web


Die Bestattung von sowjetischen Soldaten auf diesem Friedhof endete 1967, danach wurden die Toten in ihre Heimat überführt.

 

MP Schwerin Platz sowjGrab web


Durch Vandalismus wurden im Juli 2014 wieder sechs der russischen Grabsteine umgestoßen.

MP Schwerin Platz sowStern web

Bei unserem Besuch 2019 fehlten auch viele Porzellanschilder mit Fotos der Soldaten und rote Sowjetsterne – skrupellose Souvenirjäger?

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Foto: Niteshift / Wikimedia Commons

1967 wurde auch die Toranlage am Haupteingang mit der Inschrift »Ruhm der Sowjetarmee« errichtet.

 

MP Schwerin Platz weiter Blick web


Das ist der Blick vom Haupteingang zum »Kämpfer der Roten Armee«. In diesem Bereich liegen die Grabfelder der sowjetischen Zwangsarbeiter, der KZ-Häftlinge, ...

 

MP Schwerin Platz OdF2 web


... der nach 1945 verstorbenen Verfolgten des Naziregimes und deren Ehepartner, der umgebetteten »Verdienten Kämpfer für Demokratie und Sozialismus« und das Grab von Kurt Bürger.

Mehr zum Leben von Kurt Bürger auf Wikipedia


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Aus der Geschichte

1755 wurde der Bereich als städtische Sandgrube genutzt. Ab 1854 hatte man Gartenparzellen um den Sandberg angelegt und verpachtet. 1863 wurde die Gartenanlage eingeebnet. Ab 1930 wurde eine Grünanlage mit Rasenflächen, Liegewiese und einem Sandkasten für Kinder angelegt. Die in der Anlage gepflanzten fremdländischen Koniferen tauschte der Reichsstatthalter und spätere Gauleiter Friedrich Hildebrandt 1935 durch Birken aus.

1943 - 1945: Erstmalige Bestattung von Toten, vermutlich sowjetische Zwangsarbeiter.

Text einer Informationstafel auf dem Friedhof: »Vom 12. Februar bis zum 2. Mai 1945 befand sich südlich von Schwerin, in der Nähe der Ortschaft Wöbbelin, das letzte Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme. Von mehr als fünftausend Häftlingen aus vielen Ländern Europas fanden über eintausend den Tod. Die Überlebenden wurden von amerikanischen Soldaten befreit.« Am 8. Mai 1945 wurden auf dem Friedhof in Schwerin 74 unbekannte Häftlinge in Einzelgräbern beigesetzt. Die US-Militärregierung hatte angeordnet, dass die Schweriner Bevölkerung der Zeremonie der amerikanischen Geistlichen beiwohnen musste.

Film der Zeremonie vom 7.+ 8. Mai 1945, 10 Min.

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Quelle: NARA Washington

Jede Markierung bezeichnet das Grab eines Häftlings des KZ-Außenlagers Wöbbelin – ein Davidstern für jüdische, ein Kreuz für nichtjüdische Opfer. Diese Markierungen wurden für die Gedenksteine, die zu DDR-Zeiten nach 1970 aufgestellt wurden, nicht übernommen. Als neues Symbol wurde ein rotes Dreieck verwendet (wie auch bei den Todesmarsch-Gedenkstätten im Landkreis und in der Schweriner Umgebung), das für die politischen Häftlinge galt.

Website der KZ-Gedenkstätte Wöbbelin


Im KZ Wöbbelin, das am 15. April 1945 Auffanglager für Räumungstransporte aus anderen Außenlagern des KZ Neuengamme wurde, waren Menschen aus mehr als 20 Nationen und aller Religionen inhaftiert. Sie kamen fast alle mit dem letzten Transport am 26. April 1945 in das KZ Wöbbelin, siehe Film:

Rundgang durch das Lager Wöbbelin, 2020, 17:28 Minuten

 

Ab 1945: Beginn der Nutzung als Militärfriedhof der Roten Armee; vorhandene Holzgrabmäler wurden bis 1947 durch Steingrabmäler ersetzt.

1945/1946: Zur Jahreswende erhält der Friedhof offiziell den Namen »Opfer des Faschismus«.

1949: Übertragung der Zuständigkeit für den Friedhof an die Schweriner Stadtverwaltung; seit diesem Zeitpunkt Bestattung von Deutschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden (VdN).

Ab 1953 wurden in der Friedhofsmitte 397 VdN-Angehörige (Verfolgte des Naziregimes) und deren Ehepartner bestattet. Es waren Personen aus den Reihen der kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, aber auch Teilnehmer am Spanischen Bürgerkrieg. Zentraler Punkt wurde die Grabplatte für Kurt Bürger, Landesvorsitzender der KPD und kurzzeitiger Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern. Nach 1970 wurden innerhalb des VdN-Grabfeldes auch 71 Grabplatten mit den Häftlingsnummern der am 8. Mai 1945 bestatteten Häftlinge aus dem KZ Wöbbelin im Halbkreis aufgestellt.

1976 - 1978: Umgestaltung des westlichen Bereiches, Aufstellung der Plastik »Kämpfer der Roten Armee« von Gerhard Thieme anstelle eines Obelisken, der in den 1970er Jahren zentraler Gedenkort für die NS-Opfer in Schwerin war.

Ab 1991: Mit der Auflösung der »Gedenkstätte verdienter Kämpfer für Demokratie und Sozialismus« auf dem Alten Friedhof war eine Umbettung der dort befindlichen Urnen notwendig. Der Magistrat der Stadt Schwerin beschloss diese Maßnahme am 11. Dezember 1991 mit Beschluss Nr. 331.

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Wilhelm wandschneider

Der Bildhauer Wilhelm Wandschneider wurde 1866 in Plau am See geboren, dort ist er auch 1942 gestorben. Seine erfolgreichsten Jahre erlebte Wandschneider von 1897 bis 1916.

Als persönlicher Auftrag von Kaiser Wilhelm II. entstand im Kriegsjahr 1915 ein großes Denkmal Wandschneiders auf ausländischem Boden. In gegenseitiger Abstimmung mit den Behörden der besetzten französischen Gebiete beschloss die deutsche Militärbehörde, ein gemeinsames Ehrenmal für die »Gefallenen« beider Seiten zu errichten. Als Standort wurde der Soldatenfriedhof St. Martin bei St. Quentin in Nordfrankreich ausgewählt.

Nach dem 1. Weltkrieg geriet eine große Zahl der bildenden Künstler – so auch Wandschneider – in existenzielle Bedrängnis. Die alten Auftraggeber öffentlicher Denkmäler gab es durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nicht mehr, ebenso sank die Zahl privater Auftraggeber. Zeitweise musste Wandschneider seine sechs Kinder mit Essen aus der Volksküche ernähren.

Einzige Auftraggeber waren in den frühen 1920er Jahren die Militär- und Kriegervereine, die zunehmend mit revanchistischen Inhalten versehene Denkmäler für ihre toten Kameraden errichten ließen. In dieser Zeit schuf er auch das Malchower »Hakenkreuzdenkmal«.

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1924: Wilhelm Wandschneider arbeitet in seinem Atelier am Modell des Regimentsdenkmal Schweidnitz in Schlesien zum 1. Weltkrieg. Archiv: Margrit Schimanke


Als ab 1930 der Nationalsozialismus zunehmend an Bedeutung gewann, trat Wandschneider der NSDAP bei. Beruflich profitierte er durch seine frühe NSDAP-Mitgliedschaft, die ihm eine ansehnliche Zahl von Kleinaufträgen einbrachte. In den Jahren der NS-Herrschaft entstanden auch größere Werke. 1935: ›Sämann und Mähender‹ als Geschenk zur 700-Jahrfeier von Plau, 1936: das ›Skagerrakdenkmal‹ mit der Figur eines Geschützmatrosen für die Stadt Rostock und 1937: ›Der Trauernde Soldat‹ auf dem Alten Friedhof Schwerin. Mit diesen gut modellierten, aber künstlerisch wenig überzeugenden Arbeiten konnte der alternde Künstler nicht mehr an vorhergehende Erfolge anknüpfen.

Leben und Werk des Künstlers sind seit 1994 im Plauer Bildhauermuseum Prof. Wandschneider dokumentiert.

Nach Wikipedia, abgerufen am 25. November 2020

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Gerhard Thieme

Von 1952 bis 1956 war Gerhard Thieme, Jahrgang 1928, Meisterschüler bei Fritz Cremer an der Akademie der Künste in Ostberlin. Zusammen mit ihm nahm er 1956 Bertolt Brecht in dessen Sterbezimmer die Totenmaske ab. Für das gleiche, nur von Wenigen beherrschte Ritual, holte man ihn u. a. auch an die Bahren von DDR-Staatsrat Walter Ulbricht, Komponist Hanns Eisler und der Tänzerin Gret Palucca und 1993 an die seines alten Meisters Fritz Cremer.

Für die Partei- und Staatsführung der DDR fertigte Gerhard Thieme zahlreiche Auszeichnungen und Gastgeschenke an, so kleine Reliefs von Karl Marx, Friedrich Engels und Ernst Thälmann.

1965 schrieb der Kunstwissenschaftler Wolfgang Hütt in »Junge bildende Künstler der DDR« über ihn: »Intensives Beobachten von Bewegungsabläufen und detaillierte Darstellungen machten die Kleinplastiken Thiemes einzigartig«. Hütt wies darauf hin, dass jedoch gerade dies bei der Entstehung von monumentalen Plastiken hinderlich sein kann. Fast erscheint dies als Aufforderung, denn drei Jahre später entstand Gerhard Thiemes 3,40 Meter hohe und 800 Kilogramm schwere Skulptur »Bauarbeiter«, die monumentaler nicht sein kann. Der liebevolle Riese verleitete in der Berliner Karl-Liebknecht-Straße Vorübergehende immer wieder, ihm die Hand zu geben. Durch so herbeigeführte Abnutzungen erhielt die Skulptur den Beinamen „Goldfinger«.

Am 27. Mai 2018 ist Gerhard Thieme in Berlin gestorben.

Mehr auf Wikipedia


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»Dokumentationszentrum

des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland«

Die sehr informative Website des Dokumentationszentrums beginnt mit den Sätzen:

»Im Jahr 1998 beschloss die damalige Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern in der ehemaligen MfS-Untersuchungshaftanstalt Schwerin einen Gedenkort einzurichten. Als eine Einrichtung der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern wurde am 6. Juni 2001 das »Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland« eröffnet.

Wie kaum ein anderer Ort in der Region steht er für politisches Unrecht und staatliche Verfolgung im 20. Jahrhundert. Die wechselvolle Wirkungsgeschichte des 1916 errichteten Schweriner Gerichts- und Gefängniskomplexes wird in einer dreiteiligen Dauerausstellung gezeigt. In deren Mittelpunkt stehen Schicksale der Häftlinge, die während der Zeit des Nationalsozialismus, der sowjetischen Besatzungszeit und der SED-Diktatur aus politischen Gründen verfolgt, inhaftiert und verurteilt wurden. Das Dokumentationszentrum am Schweriner Demmlerplatz versteht sich als ein historischer Ort der Erinnerung, des Gedenkens und als offener Lernort.«

MP Schwerin Gefaengnis Demmlerplatz web 

Der Gefängniskomplex mit den Zellen ist erhalten worden, zum Teil mit der originalen Einrichtung. Auf insgesamt drei Ausstellungsebenen besteht die Möglichkeit, sich über die verschiedenen zeitlichen Epochen des historischen Ortes zu informieren.

1933 - 1945: »Strafrecht ist Kampfrecht!« Justiz und Terror in Mecklenburg. 1945 - 1953: »Im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken!« Justiz und Besatzungswillkür in Mecklenburg.

 

MP Schwerin Dokuzentrum Demmlerplatz web


1953 - 1989: »Gemeinsam für den Schutz der Arbeiter- und Bauernmacht« Staatssicherheit und Justiz im Norden der DDR.

Website des Dokumentationszentrums


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Begriffe
Das Eiserne Kreuz
Eichenlaub und Lorbeerzweig
Die Tafel zum 2. Weltkrieg
Die Kirche

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Sehlen

Auf Rügen, Landkreis Vorpommern-Rügen

Im Sehlener Forst etwas entfernt von Kirch- und Friedhof der Dankeskirche steht das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

 

     MP Sehlen fern web


Das Denkmal ist als Pylon gebaut, eine massive turmartige Form mit rechteckigem Grundriss und abgeschrägten Seiten. Pylone tragen – besonders im 20. Jahrhundert – symbolträchtige Figuren, z. B. den Reichsadler, eine Feuerschale oder, wie hier in Sehlen, ein Eisernes Kreuz. Das Denkmal steht auf einem zweistufigen Unterbau.

 

MP Sehlen Denkmal web


Das massive Eiserne Kreuz ist detailreich gestaltet: oben die preußische Königskrone, in der Mitte »W« für den preußischen König Wilhelm II., der 1914 in dritter Stiftung das Eiserne Kreuz als militärisches Ehrenzeichen erneuert hatte und einem Strichband als Kontur.

Das Mittelteil beginnt ringsum mit einer Bordüre aus flachen plastischen Kreisen, teilt sich dann optisch in drei Querblöcke und trägt auf der Frontseite die Widmungs- und Namenstafel aus partiell poliertem Granit.

Am Sockel wurde eine Tafel für die Toten des 2. Weltkriegs angebracht.

 

MP Sehlen Tafel web


Die eingelassene Tafel aus dunklem Granit hat oben abgerundete Ecken. Alle erhabenen Teile, Buchstaben, Zeichen und Linien sind glänzend schwarz poliert. Der Titel lautet:

Im Weltkriege 1914 – 1918
starben für uns:

Es folgen in zwei Spalten mit knapp gesetzter Mittellinie die 55 Namen der toten Soldaten. Genannt werden die Vornamen als Initial, der Nachname und das bündig gesetzte Sterbedatum. Nach Sterbedatum sind die Namen geordnet, am Ende der zweiten Spalte sind zwei Soldaten als vermisst gemeldet, der Letztgenannte ist am 14. 1. 1922 gestorben und in der letzte Zeile ist vermutlich ein Name ausgemerzt worden. Es ist dort ein eingesetzter Steinstreifen zu erkennen.

 

MP Sehlen hinten web


Auf der Rückseite bedeckt ein rechteckiges Feld eine große Fäche des Mittelteils. Direkt auf dem Stein des Denkmals ist Inschrift und Relief gearbeitet worden.

 

MP Sehlen Tafel hinten 2 web


Die Inschrift in einer zarten, klassischen Serifenschrift:

Die Kirchengemeinde
Sehlen
ihren gefallenen
Söhnen

Darunter ein Relief aus gekreuztem Eichenlaub- und Lorbeerzweig.

 

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Die Begriffe

Für uns:
Fern im Osten gähnt ein Grab (1915)

Fern, fern im Osten, da gähnt ein Grab
da senkt man zu tausend die Toten hinab
für uns!

Im Westen, da ragt manch Kreuz schlicht und klein
da liegen sie stumm in langen Reih’n
für uns

Und wo im Winde rauschet das Meer
da gaben sie freudig ihr Leben her
für uns

Sie opferten Zukunft und Jugendglück
sie kehren nie wieder zur Heimat zurück
für uns

Sie gaben ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut
sie gaben es hin mit heiligem Mut
für uns

Und wir? wir können nur weinen und beten
für sie, die da liegen bleich, blutig, zertreten
für uns

Denn es gibt kein Wort, für das Opfer zu danken
und es gibt keinen Dank für sie, die da sanken
für uns

in: Neue Kriegslieder für den Schulgebrauch, Breslau 1916 , herausgegeben von Kreisschulinspektor Dr. J. Radtke. Bei einer Schulfeier für den im Osten gefallenen Lehrer eines Charlottenburger Gymnasiums wurde dieses Gedicht, das den Obertertianer Reinhold Samuelsohn zum Verfasser hat, das erste Mal vorgetragen.

 

Gefallene:
»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. Ralph Giordano rät deshalb, »gefallen« durch »umgebracht« zu ersetzen.
Neben diesem offenkundigen Euphemismus schränkt der Begriff »Gefallener« den Inhalt auf den Bedeutungsbereich ein, der im Englischen mit »killed in action« bezeichnet wird. Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: »im Felde gefallen« oder »auf dem Felde der Ehre gefallen«. Nicht auf ein »Gefallenendenkmal« gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 60/61


Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.

Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

 

Söhne:
Die häufig verwendete Bezeichnung »Söhne« stellt eine Vertrautheit her, die getöteten Soldaten werden familiär vereinnahmt, denn familiäre Bindung verpflichtet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Das Eiserne Kreuz

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt.

Friedrich Wilhelm III. stiftete mit dem Eisernen Kreuz die erste Auszeichnung in Deutschland überhaupt, für deren Verleihung hervorragende Handlungen im Befreiungskrieg ohne Rücksicht auf Stand, Herkunft, Dienstgrad und militärischen Rang maßgebend war. Unterstützend zu der beginnenden Verleihungspraxis kam hinzu, dass mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht alle Standesunterschiede gefallen waren. Mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes sollte auch ausdrücklich die Verleihung mehrerer Kriegsorden ausgeschlossen werden und nur noch in besonderen Ausnahmefällen zulässig sein. Das Eiserne Kreuz war auch derjenige Orden, bei dem die Verleihung der nächsthöheren Stufe die Erreichung der vorherigen Verleihungsklasse zwingend voraussetzte.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 10. November 2019


MP Sehlen Eisernes Kreuz web

 

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. Dezember 2017

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Eichenlaub und Lorbeerzweig

Wie hier in Sehlen ist das Symbol der gekreuzten Zweige aus Eichenlaub und Lorbeer oft auf Kriegerdenkmälern zu sehen.

 

MP Sehlen Zweige web


Wir beschreiben im Folgenden die Symbolik:

Eichenlaub

Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.

Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.

Aus diesem Grund findet man Eichenlaub oft auf Orden, Symbolen und Münzen, so beispielsweise als Erweiterung des Ordens Pour le Mérite sowie auf dem Eisernen Kreuz. Während des Zweiten Weltkrieges gab es zudem das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub. Seit 1957 ist es Vorschrift, dass Orden aus der Zeit des Nationalsozialismus nur noch ohne das damals – bis auf wenige Ausnahmen – obligatorische Hakenkreuz getragen werden dürfen. Dieses wurde daher beim Eisernen Kreuz sowie dessen Erweiterungsstufen – wie bei den ersten Eisernen Kreuzen aus der Zeit der Befreiungskriege – durch drei Eichenblätter ersetzt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019

 

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Das Eiserne Kreuz auf dem Denkmal zur Völkerschlacht bei Leipzig in Sagard auf Rügen.

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt. Wörtlich heißt es dazu:

»Se. Königl. Maj. haben beschlossen, für die Dauer des jetzigen Krieges eine eigenthümliche Auszeichnung des Verdienstes eintreten zu lassen. Sie soll in einem schwarzen in Silber gefaßten Kreuz aus Gußeisen bestehen, und dessen Vorderseite ganz glatt und ohne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite aber zu oberst den Namenszug FW mit der Krone, in der Mitte drey Eichenblätter, unter die Jahreszahl 1813 enthalten. Se. Maj. haben allerhöchstselbst die anliegende Zeichnung davon entworfen, und wünschen eine sauber ausgeführte Zeichnung.«

 

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Foto: Wikimedia Commons / Concord

Das Emblem der DDR mit Eichenlaub über dem Eingang zum Opernhaus in Leipzig.

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Der alte 5-Mark-Schein, es gab ihn bis zum 1. Januar 2002

 

Lorbeer

Der Lorbeerkranz ist ein Symbol und ein Insigne für eine besondere Ehre oder Auszeichnung, insbesondere für einen Sieg oder einen besonderen Erfolg. Daher wird er auch als Siegerkranz bezeichnet.

Im Deutschen Reich wurden nach militärischen Siegen Ehrenmale mit dem Motiv der Göttin Victoria (lat. für Sieg) errichtet. Dabei wird diese oft mit erhobenem rechten Arm dargestellt, einen Lorbeerkranz haltend. In Berlin erhebt die Victoria auf der Siegessäule einen Lorbeerkranz, während das Eiserne Kreuz an ihrem Speer von Eichenlaub umkränzt ist.

Zahlreiche Abbildungen, Abzeichen, Orden wie zum Beispiel der Nationalorden der französischen Ehrenlegion, Rüstungen und andere Militaria zeigen Lorbeerkränze, so beispielsweise die U-Boot-Frontspange der reichsdeutschen Kriegsmarine.

Wikipedia, abgerufen am 14. November


MP Sehlen Lorbeer Rode Allegorie Friedrich Fuerstenbund 1786 web

Allegorie über Friedrich den Großen als Gründer des deutschen Fürstenbundes 1785, Gemälde von Bernhard Rode  (1725–1797)

 

MP Sehlen Lorbeer Muetze web

Uniformkäppi für den General der Schweizer Armee mit lorbeerumkränztem Spiegel

 

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Foto: Wikimedia Commons / 2006 David Monniaux


Nationalorden der französischen Ehrenlegion mit Eichenlaub und Lorbeer

 

MP Sehlen Lorbeer U Boots Frontspange 57er web

 

U-Boots-Frontspange in der 57er Version, abgebildet im Bundesanzeiger Nr. 41 vom 28. Februar 1958, mit Lorbeerkranz und je sechs Eichenblättern an den Seiten.

Die U-Boot-Frontspange wurde am 15. Mai 1944 vom Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Großadmiral Karl Dönitz in Bronze und am 24. November 1944 in Silber gestiftet. Sie konnte an alle Besatzungsmitglieder von U-Booten verliehen werden, die sich im Fronteinsatz bewährt haben.

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Die Tafel zum 2. Weltkrieg

Auch wenn die Intention der Ergänzung vermutlich darauf abzielte, die Botschaft des Kriegerdenkmals zu relativieren, bewirkt sie doch das Gegenteil. Wer ist mit den »Toten« gemeint? Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder die toten Wehrmachtssoldaten auch? Nicht erfasst werden hierbei auch die Opfer des Deutschen Faschismus vor dem Krieg: Jüdinnen und Juden, die Menschen im Widerstand, Sinti und Roma, sogenannte Behinderte ... Die Millionen Opfer des Nationalsozialismus werden in eine Reihe gebracht mit den Soldaten, die am Verbrechen des Zweiten Weltkriegs beteiligt waren.

 

MP Sehlen Tafel2WK web

 

Die »Opfer« gelten als solche von »Krieg und Gewaltherrschaft«. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können. Die Schwierigkeit, dieser Anforderung gerecht zu werden, liegt letztlich in den Dimensionen des zu erinnernden Tötens und Sterbens selbst begründet. Die »postheroische« Gesellschaft der Bundesrepublik ist ein Kind der Erfahrung, dass sich alle Versuche der Verherrlichung von Krieg und Tod 1945 endgültig desavouriert hatten.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 101

 

Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

 • Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

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Die Kirche

Die Dankeskirche, eingeweiht im Jahr 1866, steht am Hang neben der Hauptstraße, umgeben vom Sehlener Forst. Durch eine repräsentative Pforte führt die Treppe hinauf zur Kirchentür.

 

     MP Sehlen Kirche web

 

Im Jahr 1947 wurden bei der Sprengung der ehemaligen Munitionsbunker im Sehlener Forst die Kirchenfenster zerstört. Sie wurden 1948 repariert.

Ab 1976 wurde die Kirche nicht mehr genutzt, erst 1991 fand wieder ein Gottesdienst statt. In den Jahren 1993/1994 wurden umfangreiche Reparaturen durchgeführt und ein Gemeinderaum eingebaut.

Nach Wikipedia, abgerufen am 14. November 2019

 

Sehlen hat seine Kirche erhalten

In der Mitte des 19. Jahrhunderts machten die sozialen Zustände in Sehlen den Verantwortlichen der Kirche in Bergen schwere Sorgen.

Mit der bestehenden Armut gingen Gleichgültigkeit und schlechter Lebenswandel Hand in Hand. Man war sich bewußt, daß etwas für die Menschen getan werden müsse.

So heißt es in einer Schrift von 1859 »Gründliche Abhülfe kann hiernach für die kirchlichen Nothstände dieser Gemeinde nur dann beschafft werden wenn es durch Gottes Gnade gelingt für Sehlen und die nahe liegenden Ortschaften ..., eine eigene Kapelle zu erbauen ...«.

Die Notwendigkeit zum Bau der Kirche und eines dazugehörigen Pfarrhauses sahen alle Sehlener ein, aber das Dorf war zu arm. Deshalb wurde eine Hauskollekte beantragt und genehmigt. Die Sammlung wurde über die Grenzen Rügens bekannt und selbst der König sandte ein Gnadengeschenk von 3000 Talern.

Die Bausumme war bald gedeckt und am 14. Dezember 1866 konnte die Kirche eingeweiht werden. Zunächst versahen Hilfsgeistliche den Dienst und 1892 wurde Sehlen eine Pfarrstelle mit eigenem Pastor. Ab 1931 wurde die Kirchengemeinde wieder von Bergen aus verwaltet.

1942 war die Pfarrstelle noch einmal mit Pfarrer Utermark besetzt worden.

Im zweiten Weltkrieg hatte Sehlen 36 Männer verloren. Aber noch einmal bekam das kirchliche Leben durch Flüchtlinge und Umsiedler Auftrieb. Die 100-Jahrfeier wurde noch festlich begangen, doch schon 10 Jahre später stand die Kirche ungenutzt und war dem Verfall preisgegeben.

Erst 1991, mit Übernahme der Pfarrstelle durch Pfarrer S. v. Schöning, regte sich wieder Leben und der Wunsch, die Kirche zu erhalten.

Gemeindekirchenrat und Beirat wurden neu gegründet. Seitdem haben viele unermüdliche Helfer gemeinsam mit den Pastoren die Schäden beseitigt und in fleißigen Einsätzen umfangreiche Bauarbeiten unterstützt.

Website der Gemeinde

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I N H A L T
Das Denkmal
Der Stahlhelm
Findlinge
Theodor Körner
Burg Spantekow

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Spantekow

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs steht in einem kleinem Park vor dem Eingang der Burg Spantekow. die »Veste Spantekow« ist die älteste und bedeutendste Burganlage der Renaissace in Norddeutschland.

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Das kegelförmige Monument ist in vier Natursteinringen aufgemauert, die Spitze bildet ein großer Findling.

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Das Denkmal ist von einem niedrigen verspielten Zaun umgeben.

 

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Verschiedenste Bäume und Büsche und einige Ruhebänke komplettieren die gepflegte Anlage.

 

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Auf der flachen Seite des Granitfindlings sehen wir oben ein geschwärztes Stahlhelmrelief im Kreis. Darunter stehen die Widmung und die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs:

Den Brüdern
die gefallen
1914 – 1918

Eine ungewöhnliche Formulierung, kurz und bündig: durch die familiäre Anrede »Den Brüdern« wird Verbundenheit suggeriert, dass sie »gefallen« sind, klingt ehrenhaft, gar nicht grausam und martialisch, so wie der Krieg eigentlich ist. »Die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten [verlangte] nach sprachlicher Bewältigung« schreibt Klaus Latzel in ZEITGeschichte 4/2018. Mit dem Bild von den »gefallenen Brüdern« läßt sich die Realität verdrängen. 

Hartmut Häger drückt es in seinem Buch »Kriegstotengedenken in Hildesheim« so aus: »Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort ›fallen‹ seines Schreckens, im Wort ›fällen‹ verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...] Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort ›Gefallener‹ (oder ›gefallen‹) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.« 

 

MP Spantekow Sinnspruch web


Auf einem der größeren Steine des Denkmals ist als Sinnspruch ein Vers von Theodor Körner eingemeißelt:

Gut und Blut
für Volk und Freiheit geben:

Nenn die Tat,
die sich der Tat vergleicht!

Theodor Körner, 1791-1813, war ein deutscher Soldat und Dichter, der mit seinen Kriegsliedern zur patriotischen Identifikationsfigur in allen Kriegen seit den sogenannten »Befreiungskriegen« wurde.

 

MP Spantekow Namensstein 2 web


Auf vielen weiteren Steinen wird jeweils eines toten Soldaten aus Spantekow gedacht. Genannt werden das Initial des Vornamens, der Familienname, das Sterbedatum und der Sterbeort. Dieser Stein ist H. Sohn gewidmet, er ist am 27. 2. 18 in Flandern gestorben.

 

MP Spantekow Namensstein 3 web


R. Lachert am 17. 2. 15 in Rußland.

 

MP Spantekow Namensstein 1 web

 
F. Steinmüller am 26. 4. 18 im Laz[arett]. Bonn. Nur wenige Inschriften sind gut zu entziffern, manche sind noch nicht mal zu erahnen. Wir können nur die Tafel in der Kirche zu Rate ziehen: dort sind für den 1. Weltkrieg 25 tote Soldaten verzeichnet.

 

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern.

MP Spantekow Bruederstein 1 web

Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


Plakat Stahlhelm web    

Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929


Die Einführung eines Stahlhelms für die Bundeswehr im Juni 1956 war ein Politikum. Den Forderungen des Militärs nach einem wirksamen Kopfschutz für die Soldaten wurde nur sehr zögerlich entsprochen. Unter keinen Umständen sollte der Helm für die Bundeswehr auf Konstruktionen beruhen, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnerten.

Für den aktuellen »Gefechtshelm, allgemein«, der am 15. Januar 1992 eingeführt wurde, galten diese politischen Bedenken nicht mehr. Der Helm sollte unter Wahrung der modernsten militärischen Gesichtspunkte auch alle Vorteile des Stahlhelms M35 in sich vereinigen.

Die Stahlhelme der alten Form blieben weiterhin im Gebrauch beim Bundesgrenzschutz und der Polizei.

Im Internet bieten eine Menge Militaria-Händler »Original-Stahlhelme der Deutschen Wehrmacht« zum Kauf an. Auch ein »Kinderhelm wie Stahlhelm M35 Wehrmacht Luftwaffe« für 190 Euro ist im Angebot. Ein T-Shirt, das Amazon anpries mit dem Aufdruck »SS-Stiefel, die besten Wanderschuhe aller Zeiten« wurde erst nach scharfen Protesten aus dem Sortiment genommen.

»Früher musste der Wehrmachtsfan noch in schmuddelige Militaria-Läden schleichen oder dreimal nachdenken, ob er seine Adresse bei einschlägigen rechtsextremen Versandhäusern hinterlassen will. Dank Amazon genügt jetzt ein Klick und der Wehrmachtsstahlhelm liegt auf dem Gabentisch«, empört sich die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke auf www.stimme.de. SPD-Vorstandsmitglied Kevin Kühnert sagt dazu: »Ein angemessener Schritt wäre, die bisherigen Gewinne aus diesen Produkten an Gedenkstätten der Opfer des Nationalsozialismus zu spenden.«

Mehr dazu auf www.stimme.de: Stahlhelm unterm Christbaum


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Findlinge

»Der Findling kann als ›Klassiker‹ unter den Denkmalsformen bezeichnet werden. Denkmalsfindlinge stehen meist unter einer Eiche auf einem größeren Platz. Die große Beliebtheit von Findlingsdenkmälern ist zunächst einmal in rein äußerlichen Faktoren begründet. Granitfindlinge standen in Norddeutschland allerorts zur Verfügung, die Eiszeit hatte sie aus Skandinavien mitgebracht. Das heißt, nach einem Findling musste nicht lange gesucht werden, der Transportaufwand war bei kleinen bis mittelgroßen Findlingen gering und meistens waren die Transportwege kurz. Zudem war es leicht möglich, die Findlinge mit nur wenig Bearbeitung in Denkmäler zu ›verwandeln‹: Bei den meisten Denkmälern wurde sich lediglich darauf beschränkt, die Vorderseite leicht zu glätten und eine Inschrift einzuhauen. Häufig umringte man den Findling mit kleineren Feldsteinen, die, real oder auch nur optisch, seinen Sockel bildeten. Alles in allem war die Errichtung eines Findlingsdenkmals finanziell gesehen eine sehr günstige Angelegenheit [...]

Neben den pragmatischen ›Vorzügen‹ bei der Entscheidung für ein Findlingsdenkmal gab es aber auch ideologische Gründe. Nach völkischer Lehre im 19. Jahrhundert wurden Findlinge als urgermanische Zeugnisse angesehen. Die so genannten ›Hünengräber‹ aus prähistorischer Zeit wurden als germanische ›Heldenhügel‹ gedeutet und ihnen wurde eine spezifische nationale Aura zugesprochen. Aus diesem Grund wurden sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Stiftern als besonders geeignet angesehen, identitätsstiftend zu wirken: eine geeinte deutsche Nation, die sich auf ihre germanischen Wurzeln besinnt [...]

Auch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurden [...] neue Findlingsdenkmäler errichtet. Sie folgten in ihrer Bedeutung weiterhin der germanischen Tradition und zeugten von der nationalistischen Haltung der Stifter, für die der deutsche Geist im ersten Weltkrieg unzerstörbar war.«

• Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S. 45-47, S. 65-66

»Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...] Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S.134

»Germanisierende Motive finden sich in Gestalt zahlreicher Findlingsdenkmäler. In den Hünengräbern sah man ›Vorbilder für Erinnerungsmale, würdig der Größe des Opfers, das die Söhne unseres Volkes gebracht haben‹.

• Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen»?, Hannoversche Geschichtsblätter 1991, S. 203

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Theodor Körner

Körners Gedichte aus seinem Buch »Leyer und Schwert« wurden zum Vorbild für Kriegslyrik späterer Zeit. Auch der Vers, der auf dem Spantekower Denkmal steht, stammt aus diesem Buch. Das Gedicht heißt »Auf dem Schlachtfelde von Aspern«, es hat 12 Strophen. Wir zitieren hier die 1. und 11. Strophe:

Schlachtfeld! wo der Todesengel würgte,
Wo der Deutsche seine Kraft verbürgte,
Heil’ger Boden! dich grüßt mein Gesang!
Frankreichs stolze Adler sahst du zittern,
Sahst des Wüthrichs Eisenkraft zersplittern,
Die sich frech die halbe Welt bezwang. –
Euch! ihr Manen der gefall’nen Helden,
Deren Blick im Siegesdonner brach,
Ruf’ ich in den Frühling eurer Welten,
Meines Herzens ganzen Jubel nach.

...

Sieh’ umher bei fremden Nationen,
Wie sie dort ein muthig Werk belohnen,
Wie der Marmor in den Tempeln glänzt.
Jeder Sieg aus dunkler Wissenssphäre
Drängt sich in das Pantheon der Ehre,
Und der kühne Künstler steht bekränzt. –
Aber giebt es einen Preis im Leben,
Wo hinan nicht dieser Kampf gereicht?
Gut und Blut für Volk und Freiheit geben:
Nenn’ die That, die sich der That vergleicht! –

 

Carl Theodor Körner, geboren am 23. September 1791 in Dresden; im Gefecht gestorben am 26. August 1813 im Forst von Rosenow bei Gadebusch war ein deutscher Dichter und Dramatiker. Berühmt wurde er vor allem durch seine Lieder in den antinapoleonischen Befreiungskriegen. Nachdem er als »Sänger und Held« im Lützowschen Freikorps gefallen war, wurde er zur patriotischen Identifikationsfigur.

Körners teils stürmische, teils gefühlvolle Lyrik entsprach der ebenso romantischen wie vaterländisch kampfbereiten Gesinnung der Generationen in einem Deutschland, das auch nach den Befreiungskriegen noch lange Zeit in viele Einzelstaaten zersplittert war. Körners Sterben als Lützower Jäger erhob ihn zur vorbildhaften Gestalt. Die glaubwürdige Übereinstimmung von Dichtung und Leben empfahl seine Werke für die Lehrpläne erst des Deutschen Bundes, später des Deutschen Reichs.


Postkarte 1WK Theodor Koerner web


Dies ist eine von vielen Propagandapostkarten , die im 1. Weltkrieg gedruckt und verschickt wurden. Ein Soldat verliest vor dramatischer Kulisse das Gebet »Vater ich rufe Dich!« von Theodor Körner:

»Brüllend umwölkt mich der Kampf der Geschütze,
Sprühend umzucken mich rasselnde Blitze,
Lenker der Schlachten ich rufe Dich,
Vater, Du führe mich!

Vater, Du führe mich!
Führ mich zum Siege, führ mich zum Tode!
Herr, ich erkenne Deine Gebote;
Gott, ich erkenne Dich!

Gott, ich erkenne Dich!
So im herbstlichen Rauschen der Blätter, –
Als im Schlachtendonnerwetter, –
Urquell der Gnade erkenn’ ich Dich!
Vater, Du segne mich!

Vater, Du segne mich!
In Deine Hände befehl’ ich mein Leben!
Du kannst es nehmen, Du hast es gegeben!
Zum Leben, zum Sterben segne mich!
Vater, ich preise Dich!

Vater, ich preise Dich!
’s ist ja kein Kampf für die Güter der Erde. –
Das heiligste schützen wir mit dem Schwerte!
Drum fallend und singend preis’ ich Dich!
Gott, Dir ergeb’ ich mich!

Gott, Dir ergeb’ ich mich!
Wenn mich die Donner des Todes begrüßen,
Wenn meine Adern geöffnet fließen: –
Dir, mein Gott, Dir ergeb ich mich!
Vater ich rufe Dich!

 

Aber auch die Nationalsozialisten haben Theodor Körner für sich reklamiert. Das Gelände um die Grabstätte Körners und seiner Familie in Wöbbelin wurde 1938 aufwendig zur »nationalen Weihestätte« umgebaut und diente als Kulisse für Aufmärsche und Vereidigungszeremonien. Die Zeile »Das Volk steht auf, der Sturm bricht los« aus dem Gedicht »Männer und Buben« lieferte Joseph Goebbels die Textvorlage für die Phrase »Nun Volk, steh’ auf, und Sturm, brich los!«, das Finale der Sportpalastrede.

Nach 1945 wurde Theodor Körner in der BRD kritisch beleuchtet, in der DDR wurde er hingegen als patriotischer »Heldendichter« verehrt. Im 21. Jahrhundert werden ihm von Rechtsradikalen Verse unterschoben, die er nie geschrieben hat: »Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, / vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. / Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, / dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.« Dieser Spruch wird über das Internet verbreitet und u. a. bei Kundgebungen und Demonstrationen der Pegida eingesetzt. Am 23. September 2016 publizierte »Der Flügel«, eine von Björn Höcke geführte AfD-nahe Gruppierung, Körners Satz »Das Volk steht auf, der Sturm bricht los« fälschlicherweise mit dem obigen Spruch.

• Text nach Wikipedia, abgerufen am 28. November 2018

Theodor Körner wurde am 27. August 1813 in Wöbbelin im Landkreis Ludwigslust-Parchim beigesetzt. So entstand in Wöbbelin die Situation, dass in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin die Geschichte des zuletzt eingerichteten Außenlagers vom KZ Neuengamme wachgehalten und andererseits an das Leben von Theodor Körner mit Denkmal am Grab und Ausstellung im Museum erinnert wird. Auf der Website der Mahn- und Gedenkstätten heißt es dazu:

»Widersprüche deutscher Geschichte werden selten so deutlich wie in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin. Zum einen stellt das Museum das Leben des deutschen Dichters Theodor Körner in der Ausstellung ›Theodor Körner. 1791 - 1813. Poet und Patriot. Seine Erhebung zum Idol‹ dar, zum anderen wird seit 1965 an die Geschichte des Konzentrationslagers bei Wöbbelin erinnert.

Am 27. August 1813 wurde hier der Dichter Carl Theodor Körner beigesetzt, der als Freiwilliger des Lützower Freikorps in den so genannten ›Befreiungskriegen‹ gegen Napoleon in der Nähe von Gadebusch tödlich verwundet worden war. Bereits 1814 wurde ein Denkmal an der Begräbnisstätte in Wöbbelin für den bekannten Schriftstellers und Patrioten errichtet. Die Mahn- und Gedenkstätten erinnern an das Leben Körners im historischen Kontext und zeigen die politisch-ideologische Vereinnahmung seines Lebens durch nachfolgende Generationen.

Während des Zweiten Weltkriegs existierte in der Nähe von Wöbbelin an der Landstraße nach Ludwigslust ein Konzentrationslager. Das zuletzt eingerichtete Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme bestand nur zehn Wochen, vom 12. Februar bis zum 2. Mai 1945. In der kurzen Zeit seines Bestehens war das Lager Wöbbelin Station für über 5000 Opfer des Hitler-Regimes. Die Häftlinge kamen aus mehr als 25 Nationen, über 1000 von ihnen starben infolge der extremen Haftbedingungen an Krankheiten, Hunger und Erschöpfung. Die letzten Opfer wurden nach Befreiung des Lagers auf Befehl der amerikanischen Militärbehörden in verschiedenen Orten, unter anderem auch im selben Hain wie der Dichter Theodor Körner, beigesetzt.«

www.gedenkstaetten-woebbelin.de

 

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Burg Spantekow

Der Weg zur Burg führt am Denkmalspark vorbei. Die Burganlage, früher »Veste Spantekow«, ist in Norddeutschland die bedeutendste aus der Zeit der Renaissance. Seit Juni 2019 ist die Burganlage ein »Denkmal von nationaler Bedeutung«.

 

MP Spantekow Denkmal und Burg 2 web


Auf dem Foto sieht man Teile der Burgmauer und den weißen Reliefaufbau über dem Burgtor. In den 90er Jahren wurde das Relief restauriert und 2002 durch eine Replik ersetzt. Das Original befindet sich im Remter auf der Burg.

MP Spantekow Burgtor 1 web


Die frühesten Funde auf dem Burggelände stammen aus der slawischen Zeit. Anfang des 14. Jahrhunderts besaßen Werner von Schwerins Söhne das »Castrum Spantecowe«.

 

MP Spantekow Burg 1 web


Auf dem Relief sind der Großhofmeister Ulrich von Schwerin und seine Frau Anna von Arnim dargestellt. Von 1558 bis 1567 ließen sie das Hauptgebäude errichten. Später wurde die Burg zur Festung mit vorspringenden Bastionen und Wassergraben ausgebaut.

Die Nachkriegsnutzung wird auf Wikipedia folgendermaßen beschrieben: »Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie von Schwerin im Rahmen der Bodenreform 1945 enteignet. Nach der Gründung der DDR kam die Festungsanlage unter staatliche Verwaltung. Im Hauptgebäude auf der Festung, dem Schloss, wurde ein Altersheim eingerichtet. Die Festungsanlage wurde notdürftig unterhalten und zur musealen Besichtigung eingerichtet. 1964 kam die Festung in die Denkmalliste der DDR. In den 1980er Jahren wurden die Sandsteinreliefs über der Toreinfahrt zur Restaurierung abgebaut. Nach unbestätigten Informationen sollen die Reliefplatten durch Kopien ersetzt worden sein, um die Originale zu sichern. Sie waren schon sehr marode. Die Schriftfelder neben den Figuren der Erbauer waren kaum noch lesbar.

Nach der deutschen Wiedervereinigung kam die Festung zunächst unter Verwaltung der Treuhand. Das Altersheim wurde geschlossen und das Schloss stand längere Zeit leer. Auch die ganze Anlage verwilderte, wurde dann aber durch verschiedene Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen aufgeräumt, gepflegt und zur Besichtigung hergerichtet. Es fanden während der Zeit auch verschiedene kleinräumige Grabungsmaßnahmen statt.

1999 kaufte Kaspar Freiherr von Harnier, der Enkel des letzten Schlossbesitzers vor der Enteignung von 1945, die Festung zurück. Das Schloss, Wirtschaftsgebäude, Festungswälle, das Torhaus, Bastionen, Kasematten und Reste der Ringburg sind erhalten. Mithilfe von Spenden und Landesmitteln soll eine Restaurierung ermöglicht werden. Das Gelände des Wasserschlosses kann besichtigt werden, nachdem es zwischenzeitlich einige Jahre gesperrt war.«

Mehr auf Wikipedia

 

MP Spantekow Schloss webFoto: Wikimedia Commons, gemeinfrei, Privatarchiv Norbert Radtke


Auf dem Foto ist das Hauptgebäude vor der Renovierung zu sehen, die 2018 begann.

 

MP Spantekow Schild Detail web

Auf der Informationstafel am Burgtor wird das Ende der Bauzeit handschriftlich aktualisiert.

MP Spantekow Offenes Denkmal 1 web


2019 gab es einen »Tag des offenen Denkmals«, passend zum Festungsambiente mit dem Musikkorps der Bundeswehr ... doch dann kam Corona!


Mehr Informationen zum Sanierungs- und Nutzungskonzept und Fotos auf der Website von Kaspar Freiherr von Harnier:

www.burg-spantekow.de


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I N H A L T
Das Denkmal
»Treue um Treue«
Die Geschichte
Das Eiserne Kreuz

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Steinhagen

Landkreis Vorpommern-Rügen

Neben der Kirche von Steinhagen, angrenzend an den Friedhof, steht das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

MP Steinhagen Ensemble web

Die Errichtung des Denkmals wurde am 10. September 1933 (!) von der Kirchengemeinde beschlossen, 1935 war es fertiggestellt und wurde eingeweiht.

Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 33

MP Steinhagen Gesamt web

Ein großer Findling steht erhöht im Zentrum der Anlage. Kantige Steine bilden das Fundament und lassen Platz für Bepflanzung. Unter einem konturierten Eisernen Kreuz als Relief im Kreis steht die Inschrift:

1914 – 1918
Kirchengemeinde Steinhagen
TREUE UM TREUE
___ . ___

Darunter lehnt eine kleine Steintafel, vermutlich aus der Zeit nach 1945. In weißer Schrift steht darauf:

FÜR
ALLE OPFER
DER KRIEGE
UND GEWALT 


Die »Opfer« gelten als solche von »Krieg und Gewaltherrschaft«. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?
Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018


MP Steinhagen EK web


Das Eiserne Kreuz ist mit Krone, »W« für Wilhelm II und »1914« für die erneute Stiftung in diesem Jahr durch den preußischen König Wilhelm II, der es durch massenhafte Verleihung zu dem deutschen Kriegsorden machte.

MP Steinhagen alleSteine web


Hinter dem Hauptstein stapeln sich kleinere Findlinge, für jeden der 78 toten Soldaten der Gemeinde Steinhagen einer.


MP Steinhagen Namenssteine web

Soweit die Buchstaben noch zu lesen sind, kann man Vor- und Nachnamen sowie das Todesdatum erkennen.

 

MP Steinhagen wir starben fuer dich web


In der Mitte oben liegt der Stein, der das massenhafte Sterben erklären soll. Im Rundsatz steht dort:

WIR STARBEN FÜR
DICH

»Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.«

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

 

     MP Steinhagen Stein Tabbert web


Von hinten sieht man die stützenden Steine, die den großen Findling hoch halten.

 

MP Steinhagen Tabbert web


Steinmetz R. Tabbert aus Steinhagen hat auf der Rückseite des Findlings sein Signet hinterlassen.

 

MP Steinhagen hinten links web


Eine breite Mauer aus Feldsteinen und Beton erhält die Kulisse der 78 Namenssteine hinter dem Findling.

 

     MP Steinhagen Stein von hinten web


Auch die Restaurateure haben im Jahr 2001 ihr Signet hinterlassen.

MP Steinhagen Errichtet web


Errichtet: 1935
Kirchengemeinde
Restau.: 2001 BQB
B. Olbrisch / S. Witt /
U. Jacobs

 

MP Steinhagen mit Schaukasten web


Im Schaukasten neben der Anlage bekommen wir weitere Informationen. Sie sind überschrieben mit dem Titel:

Erinnerung an die Opfer des 1. Weltkrieges 1914 – 1918

Darunter wird die Geschichte des Kriegerdenkmals in Wort und Bild beschrieben. Mit den »Opfern« sind also die 78 toten Soldaten gemeint, sie werden auch in der letzten Zeile wieder explizit erwähnt.

 

     MP Steinhagen Schaukasten web

 

Davor steht ein Text in dem der Opfergruppen von Gewalt und Krieg, Kinder, Frauen und Männer aller Völker ... von 1914 bis heute gedacht wird. Er endet mit dem Satz:

Doch unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.

 

MP Steinhagen Schild BfuerA web


Im Dach des Schaukastens ist dieses Schild angebracht. Nun erklärt sich auch der Stein hinter dem Findling: nach unserer Recherche beauftragte die Bundesanstalt für Arbeit die Unternehmensberatung BQB GmbH mit der Durchführung des Projektes. B. Olbrisch, S. Witt und U. Jacobs haben so im Jahr 2001 Arbeit erhalten. Was sie wohl gedacht haben, als sie den Spruch »Treue um Treue« aus dem Jahr 1935 schwarz ausgemalt haben?

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»Treue um Treue«

Der Wahlspruch der Waffen-SS hieß »Unsere Ehre heißt Treue«. Der SS-Wahlspruch oder Abwandlungen davon sind in einigen Ländern strafbar, in Deutschland durch das Strafgesetzbuch, § 86a StGB, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

»Treue« war innerhalb der SS-Ideologie ein widerspruchsloser Gehorsam. Durch die Gleichsetzung der Begriffe »Treue« und »Ehre« wurde ein Treuebruch zu einem Ehrverlust. Der Begriff »Ehre« verlor dadurch seinen traditionellen moralischen Inhalt. Denn die Ehre eines Soldaten etwa, der sich aus Ehrgefühl weigern könnte, an einem Kriegsverbrechen teilzunehmen, spielte im Ehrbegriff der SS keine Rolle mehr. Es zählte allein der blinde Gehorsam.
Die Projektion der Tugendbegriffe auf den Führer hin war notwendig, um den bedingungslosen Gehorsam auch bei verbrecherischen Befehlen zu erreichen. Dies konnte man nicht durch ein Gesetz erzwingen. Es bedurfte der Freiwilligkeit des Soldaten, die durch Umdeutung traditioneller Tugendideale erreicht wurde.

nach Wikipedia, abgerufen am 16.2.2014

Erlass von Heeresinspekteur Bruno Kasdorf vom 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai:
»Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte] wird der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom ›Karfreitagsgefecht‹ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.

In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.

In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung des InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches ›Treue um Treue‹ für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.«

Die im Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:
»Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift ›Treue um Treue‹. (…) Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.«

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Die Geschichte

Die Fotos aus dem Schaukasten haben wir leider nicht im Original erhalten, darum zeigen wir hier die abfotografierten, verblichenen Bilder so gut es uns möglich ist. Und zitieren die dazugehörigen Texte:

Aus unserer Chronik:
Der damalige Pfarrer Schmidt aus Voigdehagen schrieb: Am 10. September 1933 wurde die Errichtung eines Kriegsgefallenen-Ehrenmales beschlossen. Ursprünglich sollte es auf dem Pfarrwitwenland zwischen Schule und Pfarrgarten erbaut werden, während am 19. November 1933 der Beschluss gefasst wurde, das Denkmal zwischen der Ostseite des Alten Friedhofs und des Pfarrhauses unmittelbar an der Dorfstrasse zu errichten.


     MP Steinhagen Schaukasten Errichtung web


Der große Findling wird mit einem Flaschenzug herabgelassen.

 

     MP Steinhagen Schaukasten Errichtung2 web


Der Stand wird begutachtet, vielleicht von Meister Tabbert?

 

MP Steinhagen Schaukasten2 web


Ein Foto mit vielen Kränzen, auch an einzelnen Namenssteinen sind Blumengebinde niedergelegt worden. Zur Einweihung 1935?

Aus der Chronik:
Der damalige Pfarrer von Waldow schrieb 1935: Eine meiner ersten Amtshandlungen war die Errichtung [wahrscheinlich ist hier »Einweihung« gemeint] des inzwischen fertiggestellten Kriegsgefallenen-Denkmals hierselbst. Der bisherige Vakanzverwalter, Herr Pastor Schmidt aus Voigdehagen, der sich um die Errichtung in der Vakanzzeit besondere Verdienste erworben hatte, wirkte bei der stark von der Gemeinde besuchten Feier mit. Ich wurde wegen meiner Rede, die angeblich Angriffe gegen das »Dritte Reich« enthalten hatte, bei der Geheimen Staatspolizei denunziert. Eine daraufhin einsetzende Untersuchung ergab meine völlige Unschuld. 

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

     EK 1940 Die Woche 360px web

Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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I N H A L T
Das Denkmal
Einweihung des Soldaten 1921
Die Geschichte
Kriegerdenkmäler in der SBZ
... und dann stand er wieder da
»Links lang« in Mecklenburg
Volkstrauertag 2006

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Stolpe

Auf Usedom, Landkreis Vorpommern-Greifswald

Ein in Stein gehauener breitbeinig da stehender Soldat in Kampfausrüstung: Uniform, Stahlhelm, Stiefel, Patronengürtel, Handgranate – vor der Kirche in Stolpe. 1921 wurde das Kriegerdenkmal erbaut. Eine schwarze Marmorplatte überdeckt die ursprüngliche Inschrift auf dem Podest. Auch auf dem Einweihungsbild kann man sie nicht mehr entziffern. Die heutige Tafel trägt die Inschrift:

Wir gedenken der Opfer
Wir mahnen zum Frieden


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Einweihung des Soldaten 1921

 

            MP Stolpe 1921 web

Leider ist die frühere Inschrift nicht zu entziffern.

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Die Geschichte

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke, gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, S.1:

... stelle ich Ihnen hier als erstes Beispiel einen Weltkriegssoldaten aus Muschelkalkstein (etwas über Lebensgröße) in Stolpe auf Usedom vor. Er steht zum Kampf bereit, mit Felduniform mit Stahlhelm bekleidet, da, in seiner rechten Hand hält er eine Handgranate. Durch den ca. 1 1/2 Meter hohen Sockel ist er über den Betrachter erhoben. Das Entstehungsdatum ist nicht genau bekannt. Ich schätze, daß der Krieger Ende der 20iger Jahre aufgestellt wurde. Nach dem II. Weltkrieg mußte er auf Beschluß der Alliierten oder auch einiger Aktiver im Dorf vom Sockel.

Dazu näheres später. Da man sicher anderes zu tun hatte und auch nicht wußte wohin mit ihm, gelangte er in die Pfarrscheune. Dies muß recht bald nach Kriegsende geschehen sein, da das Denkmal bereits 1946 in einer Liste der militärischen Denkmäler als »entfernt« verzeichnet ist. In der Scheune unter Heu und Stroh begraben überdauerte es die Zeit, bis es 1992/93 Usedomer dort wiederfanden. Kurzerhand wurde der Soldat an seinem alten Platz an der Dorfstraße am Westrand des alten Friedhofes wieder aufgestellt. Ebenso neu hergerichtet wurde der Platz, mit einer niedrigen Hecke ist das Denkmalsareal gut abgegrenzt. Verändert ist lediglich die Inschriftentafel, typisch für den Umgang mit Kriegerdenkmälern in den letzten Jahren, wie auch andere Beispiele noch zeigen werden. ...

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Kriegerdenkmäler in der SBZ

Die Denkmäler, die die Nationalsozialisten aufstellten wurden zum allergrößten Teil 1945/47 vernichtet oder in Teilen beseitigt. Wiederum zitiert aus Margrit Schimankes Vortrag (S. 4-5), können Sie hier die Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone in Bezug auf Kriegerdenkmäler und den eine Woche später herausgegebenen Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde lesen.

Vortrag Margrit Schimanke, 1996


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... Und dann stand er wieder da

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             MP Stolpe1 Schimanke web

• Im Jahr 1995 konnte Margrit Schimanke dann diese Fotos machen.

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»Links lang« in Mecklenburg

»Links lang« war ein Internetprojekt aus und für Mecklenburg-Vorpommern. Zum Jahresende 2016 ist es leider eingestellt worden. Aber das Archiv ab 2001 steht digitalisiert zur Verfügung

www.links-lang.de

Hier ein Bericht über die Geschichte des Soldaten von Stolpe als Kommentar auf einen Leserbrief aus dem Jahr 2005. Wir zitieren:

Der auf einen Sockel gehobene Soldat würde »jedem neonazistischen Landser-Heft Ehre machen«, schreiben die Greifswalder in ihrem Leserbrief. Sie schildern ihren Eindruck wie folgt: »Handgranate in der Rechten, Patronengürtel und Feldspaten um den Leib. Die Tafel darunter klingt wie Hohn: Wir gedenken der Opfer. Das Schlimmste aber ist ein Kranz des Kameradschaftsbundes Insel Usedom, der in goldenen Lettern verkündet: Eure Taten sind unser Vorbild. Wes Geistes Kind die Urheber solcher Sätze sind, ist bekannt. Bestürzend aber ist, dass eine Gemeinde solch eine Demonstration des Ungeistes nicht nur duldet, sondern sich offensichtlich damit arrangiert. Auf einem zweiten Kranz steht nämlich: Kirche und Gemeinde Stolpe. Beide Institutionen wären hier eine Erklärung schuldig. Mahnung und Gedenken sind legitim – aber bitte nicht so! In das Bild passt, dass man unweit vom Denkmal noch immer ganz gut jenes Plakat lesen kann, dass eine »Pommersche Aktionsfront« (sicher schon vor längerer Zeit) mit BDM-Mädel-Porträt und graphischem »Stürmer«-Outfit gestaltet hat.«

Soweit unsere Leser.

Was hat es mit Denkmal eigentlich auf sich? »Das hängt mit der Gräfin zusammen, deren Sohn im 1. Weltkrieg gefallen ist«, erzählt Wilhelm Langhoff. Der 75-jährige pensionierte Bäckermeister erinnert sich: »Die Russen haben das Denkmal '45 nicht angerührt, aber die deutschen Genossen haben verfügt, dass es verschwindet. Daraufhin haben wir im Gemeindekirchenrat beschlossen, es in der Pfarrscheune zu verstecken, wo es all die Jahre unter Holz verborgen lag. Wir haben im Dorf oft mit dem Gedanken gespielt, es wieder aufzustellen. Aber man konnte es sich ja nicht einfach bei Nacht und Nebel unter den Arm klemmen.«

Vom Kreis sei seinerzeit vorgeschlagen worden, den Soldaten wenigstens »zu entwaffnen«. Aber darauf ließ sich die Gruppe um Langhoff nicht ein. Als die DDR unterzugehen drohte, schritten die Männer zur Tat. »Wir wussten: Wenn man uns da eingebuchtet hätte, hätte es ja nicht mehr lange dauern können.« Selbst Manfred Metz, damals als Pastor für Stolpe zuständig, habe davon nichts gewusst. Auf die Aktivitäten des Kameradschaftsbundes Insel Usedom angesprochen, sagt Langhoff: »Die verurteile ich auch. Für die Brüder müssten in der BRD die Gesetze geändert werden.«

Der heutige Pastor, Hans-Ulrich Schäfer, sagt völlig wertfrei, dass er das Denkmal vor seiner Kirche so hingenommen hat, wie es ist. »Als gewisse Kräfte vor zwei Jahren begannen, hier ihre Heldengedenken zu veranstalten und Kränze niederzulegen, haben wir uns entschlossen, mit den Kranznierderlegungen zum Volkstrauertag unsere Sicht der Dinge darzustellen. Wir wollten ihnen das Denkmal einfach nicht allein überlassen.«

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Volkstrauertag 2006

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In der Nacht vom Freitag zum Samstag hatten Unbekannte den Soldaten in ein zartes Rosa getaucht.

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Das Denkmal
Aus der Geschichte
Der Gedenkraum
Zwischenbericht
Historische Postkarte
Zeitgeist zwischen den Kriegen

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Teterow

Landkreis Rostock

Das Klinkerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs liegt weithin sichtbar auf der 90 Meter hohen Kuppe des Heidbergs. Es ist 1927 vom 12. Juni bis 25. September nach einem Entwurf des Architekten Paul Korff aus Laage als Aussichtsturm gebaut worden. Die Flügelbauten an den beiden Seiten des Turms tragen als oberen Abschluß einen Fries aus Metall, auf dem die Namen der 291 getöteten Soldaten aus Teterow und Umgebung zu lesen sind. An die Steinvorsprünge darunter können Kränze gehängt werden. 1999 wurden zwei Tafeln ohne Namen für die Kriegstoten des 2. Weltkriegs ergänzt. Im unteren Teil des Turms kann man durch eine zweiflügelige Gittertür einen Gedenkraum betreten.

• Die Höhe des expressionistischen Denkmals beträgt 20,1 Meter
• die Breite an der Basis 5,6 Meter, oben 7,7 Meter
• die Schwertlänge 8,5 Meter
• 114 Stufen, davon 88 auf der Innentreppe, führen auf die Plattform
• die Plattform liegt 114 Meter über dem Meeresspiegel
• verbaut wurden 23350 Ziegel und 972 Zentner Zement

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Foto: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

 

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Foto: Fischbuerger / Wikimedia Commons

Der Turm soll den Schaft eines in den Boden gerammten Schwertes darstellen. Margrit Schimanke schreibt 1998 in ihrem Beitrag für das Buch »Barlach – das Güstrower Ehrenmal« auf Seite 135:

»Als Form wählte Korff (1875 - 1945) den stilisierten Griff eines tief in die Erde gesteckten Schwertes. Der Symbolgehalt dieses Ehrenmals kann sehr verschieden gedeutet werden. Zum einen als das nun endlich in den Schaft gesteckte Schwert des Krieges, aber auch als ein Schwert, das darauf wartet, herausgezogen zu werden.«

Für die zweite Möglichkeit spricht die zusätzlich herausgemauerte Form eines langen aufgerichteten Schwertes auf der Fassade des Aussichtsturms, genau über der Tür zum Gedenkraum.

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Aus der Geschichte

Am 2. Oktober 1924 tagte der »Ehrenmalausschuss zur Errichtung einer Gedächtnisstätte für die Gefallenen der Kirchengemeinde Teterow« im 1. Weltkrieg unter dem Vorsitz des Molkereidirektors Wickboldt. Folgende Leitsätze wurden formuliert:

1. Standort: Fern vom Alltagsgetriebe in freier Natur und weitem Gelände (deshalb Standort Heidberg)
2. Schlichtheit: Kriegerehrungen vertragen keinen Prunk. Behauene Steine in einer kraftvollen Landschaft sind nüchtern und kalt (deshalb Backsteinbau)
3. Wahrhaftigkeit: Nicht falscher Glanz durch Gold und Bronze, keine Siegesgöttinnen
4. Persönlich: Nicht allgemeine Inschrift, sondern Tafeln mit allen Namen der Gefallenen zur Erinnerung für die lebenden Angehörigen und deren Nachkommen.

Während der Inflation verhinderte die Geldentwertung immer wieder den Baubeginn. Finanziert wurde das Kriegerdenkmal schließlich über Spenden und eine Lotterie. Als Hauptgewinne waren ausgelobt: eine Standuhr, eine Nähmaschine und ein Teppich.

Am 7. April 1927 beschloß die Ehrenmalkommission die Annahme des Entwurfs von Architekt Paul Korff aus Laage. Die Bauausführung wurde dem Maurermeister Krentzin aus Rostock übertragen. Die eigentlichen Arbeiten sollten die ortsansässigen Maurermeister Kohlert und Rathke ausführen. Der ursprünglich angesetzte Preis von 10.850 RM erhöhte sich letztendlich auf 18.000 RM. Die preisgünstigere Stahlbetonausführung wurde zugunsten eines Backsteinbaus verworfen.

Am 12. Juni 1927 war die Grundsteinlegung. Der Vorsitzende der Denkmalskommission Molkereibesitzer Wickbold hielt eine Ansprache. Anschließend wurde mit symbolischen Hammerschlägen das Fundament gelegt.

Am 25. September 1927 beging man unter breiter Beteiligung der Teterower Öffentlichkeit die Einweihung mit 12 Böllerschüssen und Glockengeläut. Alle 35 Denkmalkommissionsmitglieder waren anwesend, u.a. Propst Schumacher und Bürgermeister Dr. Scharf. Das Programm in Kürze: »2 Uhr nachmittags Abmarsch der Vereine vom Wilhelmsplatz, Rückmarsch 5 Uhr – Marktplatz Auflösung!«

1979 wurde der Turm als »Mahnmal für die Opfer des 1. Weltkrieges« in die Kreisdenkmalsliste aufgenommen.

1989 wurde das Kriegerdenkmal wegen Verwitterung der Turmkrone und allgemeiner Verwahrlosung bis zur Instandsetzung geschlossen.

Seit 1991 kümmert sich der »Heimatbund Teterow e.V.« um das Denkmal.

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Der Gedenkraum

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Auf dem Foto oben sieht man noch die alte Inschrift im Rahmen über dem Kreuz. Nach erfolgter Renovierung des Innenraumes wurde er am Volkstrauertag 1991 mit einer neuen Gedenktafel in einem Festakt wieder eingeweiht. Der Stahlhelm durfte bleiben.

Schon ein Jahr vorher hatte der Heimatbund Bundespräsident Weizsäcker angeschrieben, in der »Heimatgeschichte« des Nordkuriers wird am 19.1.1991 berichtet:

»Da nach erfolgter Restaurierung des Innenraums der gotischen Halle im Innenraum des Teterower Ehrenmals auch wieder eine Inschrift angebracht werden soll, schrieb der 2. Vorsitzende des Heimatbundes e.V. Hans Joachim Sänger Ende letzten Jahres an den Bundespräsidenten. Es ging um die Einwilligung des Bundespräsidenten, R. v. Weizsäcker, ihn zitieren zu dürfen. Mit Datum vom 11. Dezember 1990 erhielt der Heimatbund ein Schreiben aus dem Bundespräsidialamt in Bonn, wo Volker Schluroff u.a. im Auftrage des Bundespräsidenten folgendes mitteilt: , ... Der Herr Bundespräsident begrüßt Ihre Initiative zur Bewahrung und Pflege von heimatlichen Traditionen, Brauchtum und Denkmalschutz. Zur Frage der Verwendung des Textes der vom Herrn Bundespräsidenten anläßlich des Volkstrauertages gesprochenen Totenehrung kann ich Ihnen mitteilen, daß aus seinen Reden und anderen öffentlichen Äußerungen zitiert werden darf. ... Den gegenüber 1987 geänderten Wortlaut der Totenehrung aus Anlaß des Volkstrauertages am 18. November 1990 bitte ich der beigefügten Anlage zu entnehmen.«

Wir gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Kinder, der Frauen und Männer aller Völker, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

• Bundespräsident Richard von Weizsäcker

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Zwischenbericht 

Am 22.11.1991 schreibt ein Vertreter des Heimatbundes im Nordkurier unter der Überschrift »Renaissance des Ehrenmals«:

Dieses, am 25. September 1927, nach nur drei Monaten Bauzeit, errichtete Ehrenmal für die gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges aus Teterow und Umgebung, erlebte am Volkstrauertag 1991 seine erste offizielle Einweihung nach der begonnenen Objektrekonstruktion.

Die Wiedereingliederung des Ehrenmals in das gesellschaftliche Leben der Stadt, nach 45 Jahren offiziellen Vergessens in der früheren DDR, ist das Ziel des »Heimatbund Teterow e.V.«. Heimatverbundenheit und Traditionspflege sind auf dessen Fahne geschrieben.

An den Außenseiten, jeweils links und rechts in Höhe der alten Schrifttafeln beginnend und von oben bis unten den Platz dann ausfüllend, werden hier zukünftig die Namen der Gefallenen des 2. Weltkrieges – wie vordem in Metallplatten gegossen – angebracht werden.

Gegenwärtig wird die Rekonstruktion mit dem Wachlokal am Eingang des Ehrenmals fortgeführt.

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Historische Postkarte

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Zeitgeist zwischen den Kriegen

Im August 1929 schreibt Oscar Gehring im Mecklenburgischen Monatsheft des Carl Hinstorff-Verlags Rostock:

Allenthalben, auf Plätzen der Städte und Dörfer, in Kirchenhallen oder in öffentlichen Gebäuden und Schulen, erinnern uns Gedenkzeichen als Bauwerke, Standbilder oder einfache Schrifttafeln an Deutschlands größte und zugleich schwerste Zeit. Stumme Buchstaben und harte Ziffern schließen Kampf, Sieg und Tod vieler, vieler Volksgenossen in sich ein. Sie gelten den toten Kameraden, die in jenen unvergeßlichen Augusttagen des Jahres 1914 in ehrlicher Begeisterung Gut und Blut, das Leben selbst zur Rettung des Vaterlandes einzusetzen bereit waren. Sie sind, wo allgemein gehalten, darum mittelbar auch Zeugen für die Tat des ganzen Volkes, formgewordener Ausdruck einer Gemeinschaft über den Tod hinaus, als Erinnerungsmäler den toten Helden geweiht, als Mahnmäler den lebenden und kommenden Geschlechtern hingestellt, damit sie in allen Prüfungen und zu jeder großen Aufgabe immer wieder zusammenstehen mögen – wie ein Mann. Fern jeder Überheblichkeit durften diese Steine gesetzt werden von einem Volke, das im Ertragen übermenschlicher Bürden und Gefahren seinesgleichen nicht mehr hat und das den Beweis hierfür durch nichts anderes als durch seine Existenz im »Trotzdem« liefert. So hat das aus gegenwärtigem Lebensgefühl erwachsene Monument einen doppelten Sinn; rückwärts blickend ist es sinnfälliger Ausdruck des Dankes und der Pietät, vorwärtsweisend hoffentlich Vorzeichen endgültigen Sieges und einer Morgenröte nach langer, schwarzer Nacht, die uns das Schicksal um des erhofften Aufstiegs willen auferlegt hat. »Wir haben manches verloren, um vieles zu gewinnen.« ...

In diesen Spalten wurden bereits wiederholt für die Weltkriegsgefallenen errichtete Denkmäler aus mecklenburgischen Gemeinden gezeigt, und zwar vornehmlich solche Werke, die schöpferischen Geistes und zwingenden Ernstes neue, unserem Lebensgefühl entsprechende Lösungen anbieten. Wie fast immer in der Kunst, wird es auch hier im engeren Bezirk nicht ohne Auseinandersetzungen abgehen können, diese aber sind fruchtbringend, wenn sie geistig bleiben. Am Konventionellen, zumal wenn es im Formalen allein stecken blieb, schärft sich der Geist nicht mehr, und die Seele gerät kaum in Schwingung. Wir denken jetzt dagegen an die hier gezeigten Bilder der Monumente von Ribnitz, aus dem Güstrower Dom, von Hagenow, von Teterow und schließlich auch von Doberan. ...

Denn – dies gilt vorab für uns – »das Normale nur maßstäblich vergrößert, wird nicht schon Größe an sich. Krieg und Erleben des Krieges wuchsen weit über die Norm hinaus. Darum kann die Monumentalisierung des Gefallenen-Gedenkens nur im Sinn absoluter Größe dargestellt werden«, so etwa drückte sich ein ehemaliger Frontkrieger einmal aus.

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I N H A L T
Das Denkmal
»Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben«

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Trent

Auf Rügen, Landkreis Vorpommern-Rügen

Auf dem Friedhof der St.-Katharinen-Kirche steht ein flacher Naturstein auf einem kleinen Hügel, darauf als Relief ein Stahlhelm und gekreuzte Schwerter.

MP Trent Chron Paul Wikimedia Commons

Foto: Chron-Paul/Wikimedia Commons

Auf der Vorderseite des Hügels eine Namenstafel, begrenzt von drei Granitquadern. Die Tafel ziert ein plastischer Eichenzweig aus Kupfer.

Inschrift:
Unseren Gefallenen zum Gedächtnis
1914-1918

Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben

 

MP Trent Denkmal

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»Süß und ehrenvoll ...«

Im Juni 1916 gab der Deutschlehrer am Realgymnasium für den Besinnungsaufsatz das patriotische Thema »Dulce et decorum est pro patria mori« (Süß und ehrenvoll ist, fürs Vaterland zu sterben) vor. Der Spruch stammte aus einer der berühmtesten Oden des römischen Dichters Horaz und wird bis heute gern zitiert, wenn auch inzwischen eher abfällig. [...]

Ein Mitschüler hat die Antwort [Berthold Brechts] überliefert. Ob der 18-jährige Brecht wirklich so brillant zu formulieren verstand, ob er wirklich bereits 1916 von »Zweck-Propaganda« sprach, ist nicht zu beweisen, doch durch das schwäbische »entwetzen« kann ihm der Aufsatz ohne Weiteres zugerechnet werden.

»Der Ausspruch, daß es süß und ehrenvoll sei, für das Vaterland zu sterben«, hebt der desillusionierte Pathetiker an, »kann nur als Zweck-Propaganda gewertet werden. Der Abschied vom Leben fällt immer schwer, im Bett wie auf dem Schlachtfeld, am meisten gewiß jungen Menschen in der Blüte ihrer Jahre. Nur Hohlköpfe können die Eitelkeit so weit treiben, von einem leichten Sprung durch das dunkle Tor zu reden, und auch dies nur, solange sie sich weitab von der letzten Stunde glauben. Tritt der Knochenmann aber an sie selbst heran, dann nehmen sie den Schild auf den Rücken und entwetzen, wie des Imperators feister Hofnarr bei Philippi, der diesen Spruch ersann.«

Willi Winkler, Süddeutsche Zeitung, 28. März 2014

Die alte Lüge vom süßen, ehrenvollen Tod 

 

     MP Trent Suess web


Ostern 1982 brachten Aktivisten des Friedenspolitischen Zentrums Harburg (Friz) ein Transparent am Kriegerdenkmal in Harburg an. In der Publikation »Der Soldat« wurde dann in einer Collage das Transparent mit einem Foto der zerstörten St. Johanniskirche und dem heil gebliebenen Denkmal verbunden.

»Der Soldat« in Harburg

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