TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

»Die Auseinandersetzung mit den Denkmälern gehört zu unserer Erinnerungskultur. Dabei wird sichtbar, dass wir auch als Kirche lernen, die eigenen Verstrickungen in die Geschichte von Krieg und Gewalt kritisch zu beleuchten. Die Erinnerung ist notwendig, um in der Gegenwart Versöhnung zu leben und auch in Zukunft dem Frieden zu dienen.

Unter dem Motto: ›Erinnern – Erkennen – Gestalten‹ greift die Evangelische Akademie Hamburg einen Appell der Synode der Nordkirche auf, sich kritisch mit den vielen hundert Ehrenmalen im Lande auseinanderzusetzen.

Gerade die vielen öffentlichen Ehrenmäler zum ersten Weltkrieg zeigen den damals prägenden Einfluss nationalistischer und auch nationalsozialistischer Ideologie. Ehrenmale zum Zweiten Weltkrieg stehen nicht selten noch unter dem Einfluss der Formensprache jener Zeit.«

Gothard Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein


Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von 

Ahrensburg und Ammersbek

öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«.

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.


I N H A L T
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Das Denkmal
Historische Fotos
Das Eiserne Kreuz
Die Gedenkstätte
Der Todesmarsch
Wegzeichen

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Ahrensbök, Kreis Ostholstein

Vor der Marienkirche, kein Kirchgänger kann es übersehen

Das Kriegerdenkmal ist den toten Soldaten beider Weltkriege gewidmet.

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Foto: Genet / Wikimedia Commons

Ein großes dreidimensionales Eisernes Kreuz steht auf der Spitze des Denkmals aus hellem Granit.

 

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Vom Weg zum Kirchportal führen Steinstufen zum Denkmal. Ein dreigliedriger flacher Sockel trägt die hohe eckige Säule.

 

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Auf der Säule in tiefergelegten Feldern ist die Widmung zu lesen:

UNSEREN TOTEN

An den Seitenflügeln des Sockels stehen die Jahreszahlen der Weltkriege:

1914–1918        1939–1945

 

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In der Mitte des Sockels, in einem runden Medaillon ist ein Stahlhelm auf Eichenlaub im Relief zu sehen.

Das Eiserne Kreuz als militärische Ehrenzeichen und die Darstellung von Stahlhelm und ehrendem Eichenlaub lassen keinen anderen Schluss zu: mit »Unseren Toten« sind die toten Soldaten gemeint.

In Deutschland starben im 1. Weltkrieg über 2 Millionen deutsche Soldaten und 700 000 Zivilisten.

Noch mehr Zahlen vom 2. Weltkrieg: Deutschland zählte etwa 6,3 Millionen Tote, darunter fast 5,2 Millionen Soldaten und 1,1 Millionen Zivilisten. Der Griff Nazideutschlands zur Weltmacht endete mit der totalen Niederlage und der Bilanz von fast 40 Millionen Opfern, die meisten davon Zivilisten, u.a. 30 Millionen Sowjetbürger, 6 Millionen Polen, 2 Millionen Jugoslawen, 500 000 Tschechoslowaken. Unter ihnen waren 5 Millionen Juden, zu denen noch 1,3 Millionen ermordeter Juden aus West- und Südosteuropa und 500 000 Sinti und Roma gerechnet werden müssen.

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Historische Fotos

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Auf dem unteren Foto sieht man sehr schön den dreieckig gestalteten Aufgang zum Denkmal. Die Aufnahme ist vor der Erweiterung nach dem 2. Weltkrieg entstanden.

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.


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Die Gedenkstätte

Vom 3. Oktober 1933 bis zum 9. Mai 1934 befand sich auf dem Gelände der heutigen Gedenkstätte Ahrensbök das wilde KZ Ahrensbök. Die Gedenkstätte Ahrensbök wurde am 8. Mai 2001 in dem einzigen in Schleswig Holstein erhaltenen Gebäude eröffnet, in dem 1933 ein frühes KZ bestand. An Beispielen aus der Region werden Anfang, Alltag und Ende der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1933 und 1945 thematisiert.

Kaum zu glauben, dass alles mit einer Konfirmandenstunde im Frühjahr 1996 begann. Der damalige Ahrensböker Pastor Michael Schwer sprach mit den Jugendlichen darüber, dass Jesus jüdisch war. Als eine Konfirmandin keifte, was Scheißjuden in einer deutschen Bibel zu suchen hätten und andere Jugendliche nickten, erkannte Schwer eine Aufgabe. Er unternahm mit seinen Konfirmanden einen Kreuzweg zu Stätten des Nationalsozialismus in Ahrensbök, besuchte dabei eine Fabrik, in der Zwangsarbeiter gelebt, gearbeitet und gelitten hatten, stieß schließlich auf ein marodes Gebäude am Ortsrand, das 1933 ein frühes KZ beherbergt hatte.

SH Ahrensboek Gedenkstaette Genet Wikimedia Commons web


Heute wird in fünf Dauerausstellungen in Bildern und Texten gezeigt, dass Terror und Kriegsfolgen zwischen 1933 und 1945 nicht nur in fernen Orten stattfanden. Auch in Gemeinden wie Ahrensbök regierte der nationalsozialistische Terror. Diese Kleinstadt steht exemplarisch für den schwierigen Versuch, die Erinnerung daran vor Ort auf eine feste Grundlage zu stellen. Mit den Ausstellungen in dieser Gedenkstätte soll das allzu lang Vergessene und Unterdrückte öffentlich gemacht werden.

Gedenkstätte Ahrensbök

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Der Todesmarsch

Am 19. Januar 1945 begann im Auschwitz-Außenlager Fürstengrube in Oberschlesien die Evakuierung des Lagers, bedingt durch die herannahenden Truppen der Roten Armee. Fehlende Ernährung, Krankheiten, Erschöpfung, Misshandlungen und Morde forderten auf diesem Todesmarsch von Januar bis Mai 1945 mit mehreren Zwischenstationen zahlreiche Opfer.

Der Todesmarsch erfolgte unter Leitung des letzten Lagerleiters SS-Oberscharführer Max Schmidt aus Neuglasau.

Vom Zeitpunkt der Evakuierung an befanden sich noch 1283 Gefangene, meist jüdischer Herkunft, in Fürstengrube. Davon wurden etwa 250 erschossen und die verbliebenen rund 1000 Gefangenen auf einen Todesmarsch nach Gleiwitz getrieben, dort in offenen Bahnwaggons deportiert und innerhalb von 14 Tagen über Mauthausen in Österreich nach Nordhausen am Harz in das KZ Mittelbau transportiert. Bei dem Transport erfroren viele Häftlinge, die unzureichend gekleidet, ungeschützt und geschwächt durch die Lagerhaft einer Witterung von minus 20° nicht mehr standhalten konnten. Die Toten, die während der Fahrt starben, wurden zum Teil bereits auf der Fahrt kurzerhand aus dem Zug geworfen. Ihre Leichen fand man entlang der Bahnschienen und bestattete sie auf den angrenzenden Friedhöfen.

Nach der Ankunft der wenigen Überlebenden dieses Transportes wurden die Häftlinge in der unterirdischen Waffenfabrik der Oda-Werke in Blankenburg eingesetzt, einem Außenlager des KZ Mittelbau, wo sie die so genannten V-Waffen V1 und V2 in Zwangsarbeit herstellen mussten.

Nach vier Wochen im KZ Mittelbau wurden 200 überlebende Häftlinge gesammelt und nach Magdeburg getrieben. Auf dem Weg dorthin traf die Kolonne auf eine Gruppe von 300 Häftlingen – mehrheitlich sowjetische Kriegsgefangene sowie Holländer, Franzosen und Belgier – die gemeinsam weitergetrieben wurden.

Die Häftlinge wurden am 9. April 1945 auf einen offenen Schleppkahn verladen und über die Elbe nach Lauenburg und den Elbe-Lübeck-Kanal nach Lübeck transportiert, wo sie am 12. April 1945 im Industriehafen Lübeck-Vorwerk eintrafen.

Von dem Industriehafen Lübeck-Vorwerk aus wurden die Häftlinge am 13. April 1945 17 km weit über Bad Schwartau (dort wurden 3 Menschen erschossen), Pohnsdorf, Curau (auf dem Weg dorthin wurden 20 Menschen erschossen) nach Ahrensbök getrieben, das sie am 14. April 1945 erreichten. Dort wurden die Häftlinge in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe wurde in eine vier Kilometer entfernte Feldscheune bei Siblin, die andere sechs Kilometer in eine Scheune bei Glasau/Sarau getrieben.

Die Häftlinge verblieben dort bis zum 30. April 1945. Während dieser Zeit wurden weitere Häftlinge erschossen. Die aus Westeuropa stammenden Häftlinge wurden Ende April vom Schwedischen Roten Kreuz unter Graf Folke Bernadotte gerettet, bekannt als die Rettungsaktion der Weißen Busse.

Anfang Mai mussten die Häftlinge über Süsel nach Neustadt in Holstein marschieren. In Süsel wurden am Abend des 1. Mai 1945 14 oder 15 Häftlinge in einer Scheune erschossen.

In Neustadt wurden die verbliebenen Häftlinge auf die Cap Arcona verschifft. Durch einen Angriff von Jagdbombern der Royal Air Force, der am 3. Mai 1945 zur Versenkung der Cap Arcona führte, kamen die meisten der 4600 Häftlinge, die sich zur Zeit des Angriffes auf dem Schiff befanden, um.

Die Toten sind auf dem Waldfriedhof der Gemeinde Timmendorfer Strand, auf dem Ehrenfriedhof Cap Arcona in Neustadt und auf dem Ehrenfriedhof für die Toten der Cap Arcona- und Thielbek-Katastrophe bei Haffkrug begraben.

Nach Wikipedia, abgerufen am 28. März 2019


Eine ausführliche Dokumentation mit vielen Fotos und Landkarten finden Sie auf der Website der Gedenkstätte Ahrensbök.

Gedenkstätte Ahrensbök


1998 erschien Gerhard Hochs Buch »Von Auschwitz nach Holstein. Die jüdischen Häftlinge von Fürstengrube«.

Lesen Sie über die Bedeutung von Gerhard Hoch für seine Heimat Holstein auf der Website der Gedenkstätte Ahrensbök:

Anstifter der ersten Stunde

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Wegzeichen

Seit dem 1. September 1999 markieren zwölf Stelen – frei und aufrecht stehende Platten aus Beton mit eingelassenen Tontafeln und Tonfiguren – die Wegstrecke, auf der im April 1945 etwa 500 Häftlinge aus den Konzentrationslagern Auschwitz-Fürstengrube und Mittelbau-Dora von Lübeck über Bad Schwartau, Pohnsdorf, Curau, Bokhof, Dunkelsdorf, Ahrensbök, Siblin, Sarau, Süsel bis nach Neustadt i.H. marschieren mussten, wo die meisten auf Häftlingsschiffen in der Lübecker Bucht während eines britischen Bombardements ihr Leben verloren.


                  SH Ahrensboek Stele Genet Wikimedia Commons web
                  Foto: Genet / Wikimedia Commons

                  • Die Stele in der Lübecker Straße bei der Marienkirche

Die Wegzeichen sind das Werk von 15 jungen Menschen aus Polen, Tschechien, Weißrussland und aus Deutschland. Während eines gemeinsamen internationalen Sommerlagers – initiiert von der Gruppe 33, einer Bürgerinitiative, die sich als Arbeitsgemeinschaft zur Zeitgeschichte in Ahrensbök organisiert hatte – und in Zusammenarbeit mit der international aktiven Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste – arbeiteten sie 14 Tage lang unter Anleitung des Berliner Künstlers Wolf Leo.

SH Ahrensboek Tafel Genet Wikimedia Commons web

Nicht an Schuld, so Leo, sollen die Stelen erinnern, sondern an die Verantwortung der Nachgeborenen.

Lesen Sie mehr auf der Website der Gedenkstätte Ahrensbök unter »Wegzeichen erinnern und mahnen«

Wegzeichen

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> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 


I N H A L T
Das Denkmal
Aus den Archiven
Volkstrauertag 2013
Historische Postkarten

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Ahrensburg, Kreis Stormarn

Feldsteinobelisk an der Kastanienallee

SH Ahrensburg

Das Denkmal in der Parkanlage hinter dem Ahrensburger Schloß trägt eine geweißte Gussbetontafel für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs. Darunter ist eine Messingtafel für die Opfer der Weltkriege und des Nationalsozialismus angebracht. Das Denkmal hat an jeder Seite ein aus Natursteinen gemauertes Eisernes Kreuz als Relief.

Inschriften:
Tafel aus Gussbeton mit Stahlhelm umgeben von Lorbeerzweigen als Relief: Gewidmet / den im Weltkriege 1914-18 / gefallenen Söhnen der / Gemeinde Ahrensburg.
Darunter: Wer sein Leben lässt für seine Brüder / ist der Liebe seiner Heimat wert
Messingtafel: Den Opfern der Weltkriege und des Nationalsozialismus

SH Ahrensburg Detail

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Aus den Archiven

Aus der Akte DOK 494 (16. Dezember bis zum 18. August 1950)

Das Denkmal enthielt fünf Bronzeplatten; vier mit Namen von Gefallenen aus Ahrensburg und eine mit Namen vom Kremerberg. Diese Platten wurden »seinerzeit im Zuge einer Mobaktion abmontiert und eingeschmolzen« (18. März 1948). Nach dem Kriege wurde geplant neue Platten gießen zu lassen. Letztendlich wird daraus nichts, da z. B. eine Firma mit anderen (wichtigeren) Aufträgen zu tun hat. Am 11. Juli schreibt der Pastor, er behalte das Problem weiter im Auge; »das Projekt ist aber wegen der Kosten der Bevölkerung nicht zu vermitteln«.

Bauamt 41 38 00 (2. Januar 1989 bis heute)

Es wird der Diebstahl zweier Gedenktafeln bemerkt:


1. Tafel »Den Ahrensburger Opfern des Nationalsozialismus«.
1 m x 0,4 m; Bronze; Rechnung vom 1982.


2. Tafel »Den Opfern der Weltkriege 1914 – 1918 1937 – 1945« (dreizeilig). Ca. 1 m x 0,8 m;
über der 1. Tafel (keine Rechnung oder Herstellungsdatum).

Der Magistrat entscheidet sich am 4. September 1989 für eine Tafel mit dem Text »Den Opfern der Weltkriege und des Nationalsozialismus«.

Fazit: Wann das Denkmal errichtet wurde und wer der Initiator und Finanzier war, ließ sich nicht feststellen. Aus den Unterlagen ergibt sich jedoch, dass das Denkmal mehrfach umgestaltet wurde.

Ursprünglich ist die gesamte Anlage mit der umlaufenden Feldsteinmauer, mit den zwei Durchbrüchen für den Fußweg und den Obelisken.

Original am Obelisken sind:

● Das leicht erhabene Eiserne Kreuz aus Feldstein im oberen schmaleren Teil, von einem umlaufenden Sims abgeteilt.

● Die helle Steinplatte (im unteren Viertel des Obeliskenmittelteils) mit einem leicht erhabenen Stahlhelm, links und rechts von einem Eichenzweig flankiert.

● Die erhabene Schrift (darunter), dreizeilig, links- und rechtsbündig in Großbuchstaben »Gewidmet den im Weltkrieg 1914 – 18
 gefallenen Söhnen der
 Gemeinde Ahrensburg«.

● Die ebenfalls erhabene Schrift (darunter), zweizeilig, links- und rechtsbündig in Großbuchstaben »Wer sein Leben läßt für seine Brüder ist der Liebe der Heimat wert«. 
Unbekannten Datums, jedoch nach 1945, sind die beiden identischen Zeitangaben aus Metall im 2. Viertel von oben des mittleren Teils: »1914 – 18« und »1939 – 45«. 


Wir danken Angela Behrens und Klaus Tim für die Recherche.

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Volkstrauertag 2013

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Foto: Dorothea Benedikt

● Viele Kränze am Obelisken – Volkstrauertag 2013

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Historische Postkarten

           SH Ahrensburg Altes Foto web


SH Ahrensburg alt

 

            SH Ahrensburg Karte web

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Kunst-Aktion zur 700-Jahr-Feier

Am Kriegerdenkmal Ahrensburg in der Kastanienallee


Präsentation durch die Künstler: am Freitag, den 29. August 2014 um 11:00 Uhr. Eine öffentliche Diskussion über die Kunstaktion, das Denkmal und mögliche Umgestaltungen fand am Mittwoch, 1. Oktober 2014 um 19:30 Uhr im Kulturzentrum Marstall am Schloss, Lübeckerstraße 8, statt.

Die Intention der Kunstaktion

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Gut 30 Interessierte hatten sich in der Remise des Kulturzentrums Marstall eingefunden, um die Meinung der Podiumsteilnehmer kennenzulernen. Die Ansichten waren sehr kontrovers, zum Teil sich widersprechend. Der früheren Bürgermeisterin von Ahrensburg, Frau Pepper, ist es aber in ihrer Moderation gelungen, die Vertreter der unterschiedlichen Meinungen gut zu Wort kommen zu lassen, sodass die Denkansätze deutlich wurden. Das Publikum hat sich lebendig und engagiert beteiligt; es gab kluge, durchweg konstruktive Diskussionsbeiträge. Ob das Gespräch über das Kriegerdenkmal weitergehen wird?


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Die Aktion beginnt

Freitag, 29. August 2014, 11:00 Uhr

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● Axel Richter vom KunstHaus am Schüberg in Aktion.

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● Trotz Regen finden sich interessierte Ahrensburger ein.

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● Pressetermin mit den beiden Künstler und Pastor Ulrich Hentschel.


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Und so sieht das Medienecho aus:

In der neuen Online-Zeitung: 
Stormarn kulturell – Magazin für Kunst, Theater, Musik und Literatur

erschien am 29. August 2014 der Beitrag: »Kunst eröffnet neue Sicht auf das Ehrenmal« 

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Am 26. August 2014 konnte man den Artikel »Weiße Wäsche als provokantes Gegenbild zu Kriegerdenkmälern« lesen.

Hamburger Abendblatt, Ausgabe Stormarn

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Am Tag der Installation hat sich der Journalist dann selbst ein Bild gemacht. Sein Bericht erschien in der Sonnabendausgabe des Hamburger Abendblatts – Ausgabe Stormarn am 30./31. August 2014.

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Ein einstimmiger Beschluss

Auf Vorschlag von Bürgermeister Michael Sarach hat der Bildungs-, Kultur- und Sportausschuss der Stadt Ahrensburg am 30. Juni der temporären Kunst-Aktion am Kriegerdenkmal in der Kastanienallee (in Sichtweite des Schlosses) zugestimmt, und zwar mit den Stimmen aller Fraktionen. Das ist eine gute Voraussetzung für die Arbeit von Axel Richter, dem Leiter des nahegelegenen KunstHaus am Schüberg, der auch schon mit der Skulptur »Über-See« von Roger Rigorth im Ahrensburger Stadtzentrum präsent  und darum bekannt ist. In der Begründung für den Beschluss heißt es: »Die Kunstaktion soll das Denkmal, das sonst zumeist unbeachtet bleibt und nur am Volkstrauertag als Ort des Gedenkens und der Erinnerung Aufmerksamkeit findet, in den Focus einer breiteren Öffentlichkeit rücken. Durch die mit der Kunstaktion für einige Tage erzeugte In-Frage-Stellung sollen vor allem auch jüngere und bis dahin weniger interessierte Bürgerinnen und Bürger angesprochen werden. Wichtig ist dabei die öffentliche Debatte: Was bedeutet uns heute die Erinnerung an die Toten, Soldaten, Zivilisten, Opfer der Schlachten des 1. Weltkriegs (und dabei auch die des 2. Weltkriegs)? Dazu gibt es natürlich verschiedene Deutungen und Einstellungen, in historischer, gesellschaftlicher und religiöser Hinsicht. Unser Ziel ist, diese miteinander in einen Dialog zu bringen. Dabei kann es auch zu neuen Formen der Gestaltung und der traditionellen Rituale kommen.«


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Ahrensburg24.de web

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I N H A L T
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Das Denkmal
Die Inschrift
»Sie fanden eine bessere Heimat«
Historische Fotos
Das Eiserne Kreuz
Deutsche Eichen
Findlinge

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Ahrensfelde, Kreis Stormarn

Auf einem Rasenplatz in der Mitte des Dorfes

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Acht stattliche Eichen umstehen die kleine Denkmalsanlage für die toten Soldaten beider Weltkriege.

 

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Eine mit »Katzenkopf«-Steinen gepflasterte Fläche führt vom Fuß- und Radweg zur Pforte der Anlage. Um das vieleckige Begrenzungsmäuerchen aus Bruchsteinen wachsen immergrüner Kirschlorbeer und Rhododendren.

 

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Zum leicht erhöhten Denkmalsplatz kommt man über eine Steinschwelle und eine Steinstufe. Die Begrenzungsmauer ist an der Vorderseite höher, die Pfosten der Pforte sind massiv gemauert. Von den Pfosten ausgehend läuft ringsherum eine Eisenkette über Steinstelen an den Ecken in der niedrigeren Mauer.

 

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Durch diese einflügelige, schmiedeeiserne Pforte betritt man die Anlage nun seit fast 100 Jahren. In der abgerundeten Form in der Mitte wächst ein zartes Blümchen mit Blatt. Die zwei wellenförmigen Streben jeweils rechts und links davon enden in einem Efeublatt.

Die Bedeutung von Efeublättern
Als Hinweis auf treue Verbundenheit und ewiges Leben ist die besonders häufige Darstellung von Efeublättern auf frühchristlichen Sarkophagen und Katakomben-Fresken zu verstehen. Efeu bedeutet, dass die Seele lebt, wenn auch der Körper tot ist. Es wird berichtet, dass die ersten Christen gläubige Verstorbene auf Efeu, die Nichtbekehrten auf Zypressen legten. Wer in Christo getauft sei, der sei unsterblich, die Ungetauften aber seien ohne Hoffnung auf Auferstehung, gleich den Zypressen, die einmal gefällt, nie mehr nachwachsen. Wenn heute Grabstätten häufig mit Efeu bepflanzt werden, so ist das eine meist unbewusste Nutzung des Symbols vom ewigen Leben. »Wie im Leben so im Tod« steht als Inschrift auf manchem alten efeuumschlungenen Grabstein.

Da der Efeu nicht bestehen kann, ohne sich anzuschmiegen, ist er seit alters her auch Sinnbild für Freundschaft und Treue. Schon im Altertum war diese immergrüne Pflanze Sinnbild der Treue und des ewigen Lebens, im alten Griechenland erhielt ein Brautpaar einen Efeuzweig als Symbol immerwährender Treue.

nach Wikipedia, abgerufen am 17.12.2019

 

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Die Inschrift auf dem großen gelblichen Findling lautet:

Den teuren Gefallenen
1914 (großes Eisernes Kreuz) 1918
1939                                     1945
zum ewigen Angedenken

Über der rund gesetzten ersten Zeile ist ein kreisrundes Loch zu sehen. Was mag es bedeuten?

 

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Auf der Rückseite, wieder mit rund gesetzter ersten Zeile steht:

Sie fanden eine
bessere Heimat!

Ein Ausrufungszeichen unterstreicht die Bedeutung dieser Aussage. Was mag in der Zeit damals die bessere Heimat gewesen sein? Eine Heimat ohne das »Schanddiktat« von Versailles, ein während der Weimarer Republik geprägter politischer Kampfbegriff, mit dem vor allem konservative, deutschnationale, völkische und rechtsextreme Politiker gegen den 1919 geschlossenen Friedensvertrag von Versailles polemisierten?

Versailler Diktat bei Wikipedia


Eine Heimat ohne Verräter, wie es die »Dolchstoßlegende« suggerierte? Sie besagte, das deutsche Heer sei im Weltkrieg »im Felde unbesiegt« geblieben und habe erst durch oppositionelle »vaterlandslose« Zivilisten aus der Heimat einen Dolchstoß von hinten erhalten.

Dolchstoßlegende bei Wikipedia

 

     SH Ahrensfelde Stein links web


Nach dem 2. Weltkrieg wurden dem großen Hauptstein zwei kleinere schmale Steine an die Seite gestellt. Auf die geglätteten Frontseiten wurden große gusseiserne Platten aufgesetzt, die teilweise über den Stein hinausragen.

 

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Die linke, kupferfarbene Platte nennt in erhabenen Großbuchstaben die elf vermissten Soldaten:

VERMISSTE IM WELTKRIEG
1939 – 1945

Es folgen die Nachnamen mit nachgestelltem Vornamen, das Geburts- und das Vermisstendatum auf den Tag genau. Nur der Elfte ist eine Ausnahme:

Werner Zillmann   1889    1944

Die Namen sind nach Vermisstendatum geordnet: 1941 ein Soldat, 1944, zwei Soldaten, 1945 sieben Soldaten, alle sieben in den letzten vier Kriegsmonaten.

 

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Die bläulich-anthrazitfarbene Tafel auf der rechten Seite nennt die »Gefallenen«:

GEFALLENE IM WELTKRIEG
1939 – 1945

 

     SH Ahrensfelde Tafel Gefallene web


Auch hier wieder: Nachname, nachgestellter Vorname, Geburts- und Sterbedatum. Die Namen sind nach Sterbesatum geordnet: 1942 fünf Soldaten, 1943 zwei Soldaten, 1944 drei Soldaten und 1945 sechs Soldaten. Der letzte stirbt drei Tage vor der Kapitulation Deutschlands. Der jüngste Soldat war 20, der älteste 59 Jahre alt.

 

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Um die großen Steine herum sind die Namenssteine für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aufgestellt. Sie sind heute fast alle schwer bis gar nicht zu lesen.

 

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Den Stein oben rechts kann man gerade noch entziffern. Er soll uns als Muster für die anderen dienen:

Jäger Hans Schilling
Res. Jäg. Battl. Nr.9, 2. Comp.
geb. 16. 12. 1886   gest. 7. 10. 1913
im Laztt. z. Nojon; verw. b. Chauni

 

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Die niedrige Begrenzungsmauer, die Steinpfosten mit der Eisenkette von innen. Der erhöhte Platz um die Denkmalssteine ist mit dunkler Erde aufgefüllt.

 

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Ein paar Löwenzahnpflanzen hoffen auf ein Bleiberecht.

 

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Die Inschrift

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...] Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: »im Felde gefallen« oder »auf dem Felde der Ehre gefallen«. Nicht auf ein »Gefallenendenkmal« gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22, Gerstenberg, 2006


Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 60/61

 

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Die Inschrift erinnert an die letzten Zeilen eines Gedichts von Theodor Körner, die manchmal auf Kriegerdenkmälern – auch in der Variation »die teuren Toten« – zitiert werden. Körner war ein Dichter zur Zeit der Freiheitskriege. Nach seinem Kriegstod wurde er zur patriotischen Identifikationsfigur für nachfolgende Generationen. Dies ist die letzte Strophe des Gedichts:  

Der Himmel hilft, die Hölle muß uns weichen!
Drauf, wack'res Volk! Drauf! ruft die Freiheit, drauf!
Hoch schlägt dein Herz, hoch wachsen deine Eichen.
Was kümmern dich die Hügel deiner Leichen?
Hoch pflanze da die Freiheitsfahne auf!
Doch stehst du dann, mein Volk, bekränzt vom Glücke,
In deiner Vorzeit heil'gem Siegerglanz:
Vergiß die treuen Toten nicht und schmücke
Auch unsre Urne mit dem Eichenkranz!

Theodor Körner: Leyer und Schwerdt. Berlin, 1814.

 
Zum ewigen Angedenken:
Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324]

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29, Gerstenberg, 2006

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Historische Fotos

Der »Ehrenhain Ahrensfelde« auf einer Postkarte aus dem Jahr 1926. Der mit einer Eichenlaubgirlande geschmückte Findling und die vielen Kränze drumherum lassen vermuten, dass hier die Einweihung abgebildet ist.

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Die niedrige Bepflanzung erkennt man im Inneren der Begrenzungsmauer. Um die Mauer herum liegt Sand und die Eichen sind noch nicht gepflanzt. Die angelehnten Namenssteine stehen sehr gleichmäßig, es scheinen weniger zu sein als heute. Die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs auf dem Findling und die beiden kleineren spitzen Steine mit den Tafeln zum 2. Weltkrieg fehlen natürlich. Aber sonst ist alles geblieben, sogar die schmiedeeiserne Pforte.

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1935, immer noch vor dem 2. Weltkrieg: Die Bepflanzung ist üppig gewachsen, die Eichen sind gepflanzt und auf dem gepflegten Dorfanger rundherum sind Gänse mit ihrer kleinen Hüterin und einem ebenso kleinen Hütehund unterwegs.


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Ein großer Zeitsprung: 1985 – der wachsende Autoverkehr beansprucht Raum. Die Straße ist fast bis zur Denkmalsanlage verbreitert worden.

 

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Die Gedenksteine für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs sind nun dazugestellt, die Jahreszahlen sind ergänzt. Dier Platz um die Denkmalssteine ist mit hellem Sand aufgefüllt.

 

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Volkstrauertag 1994: Bürgervorsteherin Helma Schuhmacher und Bürgermeister Klaus Boenert vor den niedergelegten Kränzen.

 

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2009 sind die beiden letzten Bilder fotografiert worden. Eine Bank ist dazugekommen, um die Denkmalsanlage wachsen jetzt schon üppig immergrüner Kirschlorbeer und Rhododendren, auch der Efeu rankt sich schon um die Steine. Vor den Denkmalssteinen sind bunte Eisbegonien und Farne gepflanzt.

 

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Bis auf die erste Postkarte sind alle Fotos (bearbeitet) vom Kreisarchiv Stormarn, lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 >internationale Lizenz


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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


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• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008


Soldaten der Wehrmacht kämpfen nicht nur pflichtschuldig  und gehorsam. Ohne die Gefühlswelt aus Stolz, Ehre und Männlichkeit ist nicht zu erklären, warum so viele an die Front streben – und dem Krieg bis zum Untergang verhaftet bleiben. (Frank Werner in ZEITGeschichte 4/2018)

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Geschickte Propaganda: Begehrenswerte Ordensbrust in »Die Woche« Januar 1940.

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

 

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deutsche Eichen

Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.

Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.

Aus diesem Grund findet man Eichenlaub oft auf Orden, Symbolen und Münzen, so beispielsweise als Erweiterung des Ordens Pour le Mérite sowie auf dem Eisernen Kreuz. Während des Zweiten Weltkrieges gab es zudem das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub. Seit 1957 ist es Vorschrift, dass Orden aus der Zeit des Nationalsozialismus nur noch ohne das damals – bis auf wenige Ausnahmen – obligatorische Hakenkreuz getragen werden dürfen. Dieses wurde daher beim Eisernen Kreuz sowie dessen Erweiterungsstufen – wie bei den ersten Eisernen Kreuzen aus der Zeit der Befreiungskriege – durch drei Eichenblätter ersetzt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019

 

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Das Eiserne Kreuz auf dem Denkmal zur Völkerschlacht bei Leipzig in Sagard auf Rügen.

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt. Wörtlich heißt es dazu:

»Se. Königl. Maj. haben beschlossen, für die Dauer des jetzigen Krieges eine eigenthümliche Auszeichnung des Verdienstes eintreten zu lassen. Sie soll in einem schwarzen in Silber gefaßten Kreuz aus Gußeisen bestehen, und dessen Vorderseite ganz glatt und ohne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite aber zu oberst den Namenszug FW mit der Krone, in der Mitte drey Eichenblätter, unter die Jahreszahl 1813 enthalten. Se. Maj. haben allerhöchstselbst die anliegende Zeichnung davon entworfen, und wünschen eine sauber ausgeführte Zeichnung.«

 

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Foto: Wikimedia Commons / Concord

Das Emblem der DDR mit Eichenlaub über dem Eingang zum Opernhaus in Leipzig.

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Findlinge

»Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.«

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Gerstenberg 2006, S. 134

»Germanisierende Motive finden sich in Gestalt zahlreicher Findlingsdenkmäler. In den Hünengräbern sah man ›Vorbilder für Erinnerungsmale, würdig der Größe des Opfers, das die Söhne unseres Volkes gebracht haben‹.

• Gerhard Schneider, »... nicht umsonst gefallen»?, Hannoversche Geschichtsblätter 1991, S. 203

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> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 


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Das Denkmal in Bünningstedt
Volkstrauertag 2012
Das Denkmal in Hoisbüttel

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Bünningstedt/Ammersbek
Kreis Stormarn

Gepflegte Anlage in der Ortsmitte

Dreiteiliges Denkmal mit einem großen Findling im Zentrum. Am Findling ist ein gesenktes Schwert aus Metall befestigt.

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Inschriften:

1914 / 1918
As in a Stormwind de Eekboom, stebig un stark, / so hebt se wehrt sick – tru bit int Mark
Auf Hochdeutsch: Wie die Eiche im Sturmwind, standhaft und stark, so haben sie sich gewehrt – treu bis ins Mark

Links: Dem Gedenken unserer Toten 1939=1945
Rechts: Sie opferten ihr Leben für Volk und Heimat

SH Buenningstedt Stein

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Volkstrauertag 2012


SH Buenningstedt Ajepbah Wikimedia Commons

Foto: Ajepbah/wikimedia commons

● Volkstrauertag in Bünningstedt

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Hoisbüttel/Ammersbek

Hier wurde 1920 das erste Kriegerdenkmal der Gegend aufgestellt. Ein halbes Jahr später wurde dann in der Bergstedter Kirche eine Tafel angebracht, auf der dann schon der »Helden« gedacht wurde.

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● Geforderte Ehrfurcht vor Tod und Tapferkeit in Hoisbüttel

                 Amm Hoisbuttel Detail web

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» ... tru bit int Mark«

Die Gemeinde Ammersbek wünscht sich eine Kommentierung

In der Gemeinde Ammersbek gibt es gleich zwei Denkmäler zum Gedenken an die getöteten Soldaten. Der Bürgermeister und das KunstHaus am Schüberg haben schon viele gemeinsame Projekte durchgeführt. So sollte es auch diesmal sein.

Die Intention der Kunstaktion

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Echo in den Medien

Das Hamburger Abendblatt berichtet am 11. September 2014

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Kunstaktion

Ab Freitag, 29. August 2014 ab 15:00 Uhr war die Kunstinstallation am alten Dorfplatz in Hoisbüttel und anschließend an der Dorfstraße in Bünningstedt für 10 Tage zu sehen. Eine öffentliche Diskussion fand statt am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek« in Ammersbek.

Eine kleine, aber feine Runde diskutierte im Gemeindezentrum. Es wurde von der Aktion »Gedankenloses Gedenken« der Nachbargemeinde Bergstedt und von mulmigen Gefühlen beim bisherigen Ritual am Volkstrauertag in Ammersbek berichtet. Am Ende eines lebhaften Gesprächs stand wieder die Frage: Muss alles so bleiben wie es ist? Wie ist Ihre Meinung dazu, liebe Ammersbeker?

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Einladung

auf der Website der ev.-luth. Kirchengemeinde Hoisbüttel

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Am Freitag, 29. August 2014
um 15:00 Uhr in Hoisbüttel


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● Pastor Ulrich Hentschel spricht über die künstlerische Intervention.

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● Bürgermeister Horst Ansén und Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling im Gespräch mit interessierten Ammersbekern.

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Am Freitag, 29. August 2014
um 16:00 Uhr in Bünningstedt

SH Buenningstedt Aktion1

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● Alle sind gespannt auf die Reaktionen der Ammersbeker und auf die Diskussion am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek«.


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Im »Markt« wird die Kunstaktion am 27. August 2014 angekündigt:

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Am 26. August 2014 konnte man den Artikel »Weiße Wäsche als provokantes Gegenbild zu Kriegerdenkmälern« lesen.

Hamburger Abendblatt, Ausgabe Stormarn

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Das Denkmal
Die Inschriften
Der Obelisk

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Appen, Kreis Pinneberg

In einem gepflegten Park an der Hauptstraße

Der schwarze Obelisk in der Ortsmitte hat einen aus Natursteinen gemauerten Sockel und einen Unterbau mit quadratischem Grundriss auf dem auf allen vier Seiten die Namen, Geburts- und Sterbedaten der toten Soldaten des 1. Weltkriegs eingraviert sind, dreimal 14 und einmal 13.

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Jede Seite des Obelisken trägt eine Inschrift:

Weltkrieg 1914-19

Glücklicher, der du die Sonne noch siehst, o grüss uns die Heimat, die wir getreu bis zum Tod mehr als das Leben geliebt

Niemand hat grössere Liebe denn die, dass er sein Leben lässet für seine Brüder

Ihren gefallenen Helden die dankbare Heimat

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Auf zwei Seiten ist unter der Inschrift ein Lorbeerkranz eingraviert.

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Die Inschriften

Glücklicher, der du die Sonne noch siehst,
o, grüß uns die Heimat, die wir, getreu bis zum Tod,
mehr als das Leben geliebt

Der Text wurde von den Spartanern 480 v. Chr. dem tapferen König Leonidas und seinen 300 Männern im Pass der Thermophylen auf ihre Grabsäule gesetzt. Die mehrtägige Schlacht bei den Thermopylen fand zu Beginn des Zweiten Perserkrieges, vermutlich um den 11. August 480 v. Chr., statt.

Die Thermopylen, der Engpass zwischen Kallidromos-Gebirge und dem Golf von Malia, waren seit jeher von hoher strategischer Bedeutung. In der Antike maß der durchschnittlich 15 Meter breite Durchgang an den beiden engsten Stellen nur wenige Meter. Infolge von Versandung hat er sich bis heute auf mehrere Kilometer ausgedehnt.

480 v. Chr. stand ein großes persisches Heer unter König Xerxes I. vor diesem Durchgang. Das Kommando über die Truppen hatte der spartanische König Leonidas. Erst ein Verrat erlaubte es den Persern, die griechischen Linien zu umgehen und die griechischen Truppen einzukesseln. Leonidas hatte dieses Manöver in Betracht gezogen und einen Teil seiner Truppen mit der Bewachung des Umgehungspasses beauftragt. Als diese die Perser herankommen sahen, zogen sie sich in eine nahegelegene Befestigungsanlage zurück. Dessen ungeachtet führten die Perser ihr Umgehungsmanöver weiter durch.

Am Morgen des dritten Tages erreichten Spähläufer Leonidas' Lager, die ihm von der Umgehung berichteten. Leonidas handelte von nun an in dem Bewusstsein, dass ein vollkommener Rückzug die Vernichtung durch die persische Reiterei nach sich ziehen würde. Er beschloss, mit seinen 300 Spartanern den Engpass zu halten, um den Abzug des griechischen Hauptheers zu decken.

Die Thermopylenschlacht wurde später als Beispiel singulären Heldenmutes dargestellt und gefeiert. Auch in der Neuzeit wurde sie immer wieder als Beispiel für einen heroischen Opfertod in Anspruch genommen:

In unmittelbarem Bezug auf den Schauplatz sagte Thomas Mann in einer BBC-Ansprache über diese Thermopylenschlacht von 1941: »Ein Grieche steht gegen sechs oder sieben von euch. Daß er es wagt, daß er den Engpaß der Freiheit mit seinem Leibe deckt, ist erstaunlich – nicht, daß ihr siegt. Ist euch ganz wohl bei der Rolle, in die das Spiel der Geschichte euch drängt – wenn nun das Menschheitssymbol der Thermopylen an Ort und Stelle sich wiederholt? Die Griechen sind’s wieder – und wer seid ihr?«

nach Wikipedia, abgerufen am 10. Mai 2018


Niemand hat grössere Liebe denn die, dass er sein Leben lässet für seine Brüder

So spricht Jesus am Ende des Johannes-Evangeliums (15,13). Es ist ein Beispiel für die pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods. Christliche Analogien sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben und ihn als »Opfertod« verklären. 


Ihren gefallenen Helden die dankbare Heimat

Obwohl der Erste Weltkrieg so ungleich viel mehr Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.

Die häufigste Bezeichnung für die Gefallenen ist das Wort »Helden«. Dieser Begriff macht die toten Soldaten zu Vorbildern.

Der Begriff »Gefallener« für die getöteten Soldaten [...] suggeriert, dass der Soldat im Kampf stehend, oder besser vorwärts stürmend von einer Kugel getroffen wurde und dann tot zu Boden fiel. Dass der reale Kriegstod zumeist weitaus brutaler ist, wird in diesem Begriff verschleiert.

Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

nach Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Der Obelisk

Der Obelisk ist eine ebenso klassizistische wie klassische Denkmalsform, die bis ins Dritte Reich hinein immer wieder für Kriegerdenkmäler gewählt wurde. Diese Bezeichnung meint eine vierkantige Säule, die sich nach oben verjüngt und eine Pyramide als Spitze trägt. Die Errichtung eines Obelisken lässt sich als formale »Mode« weder einer bestimmten Zeit noch einem bestimmten Stifterkreis zuordnen, der Obelisk war seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert eine gängige, überall, auch in der zivilen Grabmalskunst, gebräuchliche Denkmalsform.

Gerade die kleineren Gemeinden entschieden sich nach dem 1870/71er Kriege bis zu den 1890er Jahren häufig für die Errichtung eines Obelisken. Im späteren 19. Jahrhundert wurde diese klassizistische Form dann aber meist von den germanisierenden Findlingen verdrängt.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Das Denkmal
Schloss Ascheberg

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Ascheberg, Kreis Plön

Denkmalsanlage an der Hauptstraße zur Seeseite

Das Kriegerdenkmal steht in einer hinten abgerundeten Anlage am Uferwäldchen des Plöner Sees. Halbhohe Mauern aus behauenen Feldsteinen begrenzen die Anlage.

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Hinten steht der Gedenkstein für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs auf einem altarartigen Unterbau. Unter einem eingravierten Eisernen Kreuz steht die Inschrift:

Dem Andenken der Gefallenen
1914 - 1918
Heldentum und Menschenliebe,
lebe, strebe du neuem Leben zu:
Ascheberg-Langenrade

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In die Mauer sind in Bodennähe unterschiedlich geformte Steine mit 37 Namen eingemauert worden, siehe Foto unten.

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Weiter vorne liegt ein großer heller Granitfindling für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs mit folgender schon sehr verwitterter Inschrift:

Den Opfern des Krieges (Kreuz)
Totensonntag 1949

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Schloss Ascheberg

Auf den Namenssteinen sind auch zwei Bewohner des Schlosses aufgeführt:

Thilo, Graf von Brockdorff-Ahlefeldt
Carl-Lorenz, Graf von Brockdorff-Ahlefeldt

Seit dem 13. Jahrhundert existierte in Ascheberg ein Rittersitz, der um die Mitte des 15. Jahrhunderts von der Familie Rantzau erworben wurde. 1739 begann Hans Graf zu Rantzau, der auf Schloss Ascheberg wohnte, als erster Gutsherr in Holstein die Leibeigenschaft seiner Bauern aufzuheben. Der Graf teilte die Felder des Besitzes auf, überließ den Bauern das Land und erhob dafür von ihnen einen Zins. Zu dieser Zeit war ein großer Umbau der Anlage im barocken Stil geplant, die Pläne wurden aber nicht umgesetzt. Im 19. Jahrhundert kam das Schloss an die Familie der Grafen Brockdorff-Ahlefeld. Das heutige Ascheberger Schloss, ein schlichter klassizistischer Bau aus dem 19. Jahrhundert, wird als christliche Jugendfreizeit- und Erholungsstätte genutzt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 20. Mai 2015

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I N H A L T
Das Denkmal
»Vergangenheit, die nicht vergehen will?«
Die Geschichte
Der Bildhauer
Historische Fotos
Paul von Lettow-Vorbeck
www.sachsenwald.de
Das Grab in Pronsdorf

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Aumühle, Kreis Herzogtum Lauenburg

Im Garten des Bismarckschen Hotels
»Waldesruh am See«

Das Restaurant und Hotel »Waldesruh am See« wirbt mit dem Satz: »Hotel am See im Adelsbesitz mit antik eingerichteten Zimmern, kostenlosem Frühstück und elegantem Restaurant«. Das Kriegerdenkmal aus Muschelkalk für die Schutztruppe in der damaligen Kolonie Deutsch-Ost-Afrika im 1. Weltkrieg steht im Garten nahe dem Wanderweg zum Mühlenteich. Der Bildhauer Walter von Ruckteschell, Adjudant von General Paul von Lettow-Vorbeck, hat es geschaffen. 1955 wurde es eingeweiht, noch ganz im Geiste der Kolonialzeit: es soll die deutschen Offiziere und deren rekrutierte einheimische Hilfstruppen ehren.

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In der Mitte der deutsche Soldat, alles überragend, detailreich mit typischer Uniform, Gewehr, Kurzschwert und Patronentaschen am Koppel dargestellt. Er beschattet die Augen, um in die Ferne gucken zu können. Er trägt kurze Hosen, seine Unterschenkel sind von den Schuhen bis zu den Knien mit Binden umwickelt – so war es üblich. Rechts hinter ihm steht ein kleinerer offensichtlich afrikanischer Soldat ebenso detailreich in der Askari-Uniform, auch bewaffnet und am Geschehen beteiligt. Er macht den Offizier auf etwas aufmerksam.

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Auch auf der Rückseite kann man viele Details erkennen: Am Gürtel des deutschen Offiziers hängt eine Tasche mit Trinkflasche, am Kurzschwert eine Quaste oder eine Kapsel. Der Askarisoldat trägt eine zusammengerollte Matte (hier nicht im Bild).

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Auf der anderen Seite kauert ein einheimischer Lastenträger barfuß mit gewickeltem Turban und nur mit einem knielangen Tuchrock bekleidet, er schaut nach unten, gestützt auf eine gerollte Matte, wohl die für den deutschen Offizier. Abgewandt von den beiden Soldaten macht er einen traurigen Eindruck, man hat Mitleid mit ihm. Sein Gesicht ist teilweise zerstört worden.

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Eine dem Sockel vorgesetzte Steintafel trägt die Inschrift:

Deutsch-Ost-Afrika 1914 - 19    

Die genaue Jahresangabe zum Ende des 1. Weltkriegs fehlt.

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»Vergangenheit, die nicht vergehen will?«

Das »Deutsch-Ostafrika-Ehrenmal« in Aumühle

Eingeweiht am 8. Mai 1955, zeigt diese spätexpressionistische Plastik den behelmten Generalmajor Paul von Lettow-Vorbeck (1870-1964), flankiert von einem Soldaten der ostafrikanischen Hilfstruppen (links) sowie einem sitzenden indigenen Träger (rechts). Das kolonialrevisionistisches Denkmal mystifiziert die vermeintliche Treue tansanischer Afrikaner während des Ersten Weltkriegs zu den deutschen Kolonialtruppen. Tatsächlich aber beruhte Lettow-Vorbecks militärisches Vorgehen auf Terror und Zwang, wie die wissenschaftliche Forschung nachgewiesen hat. Er selbst, der seit einem Freikorpseinsatz in Hamburg im Jahr 1919 mit den Bismarcks in Friedrichsruh bekannt war, hatte sich an die Familie gewandt, die einen Standort nahe des Restaurants Waldesruh zur Verfügung stellte – an eine Aufstellung dieses Denkmals (das Mitte der 1930er-Jahre in Auftrag gegeben worden war) in einer Großstadt war 1955 schon lange nicht mehr zu denken. Die Figurengruppe steht weiterhin am östlichen Rand des Sachsenwaldes. Der verwickelte Entstehungszusammenhang, die einseitige Botschaft sowie der zunächst kolonial- und später auch zeitgeschichtliche Hintergrund des unkritisch an den Kolonialismus erinnernden Denkmals erschließen sich nicht ohne Kommentierung. (Recherche: Dr. Ulf Morgenstern)

Zitiert aus der Einladung zu einer Veranstaltung der Otto-von-Bismarck-Stiftung »Vergangenheit, die nicht vergehen will? 135 Jahre deutsche Kolonialgeschichte« am 19. September 1919


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Die Geschichte

Das Denkmal wurde von Bildhauer Walter von Ruckteschell geschaffen. Es soll an den Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika von 1914 bis 1918 erinnern sowie »an Altkanzler Fürst Otto von Bismarck, dessen diplomatisches Geschick Deutschland diese ehemalige Afrika-Kolonie einbrachte«, wie einem Zeitungsausschnitt vom 10. Mal 1955 über das Ereignis zu entnehmen ist.

Im 2. Weltkrieg vergrub die Witwe des Künstlers das Werk ihres Mannes, das in Düsseldorf wieder aufgestellt werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht. Schließlich fand das Denkmal seinen Platz im Sachsenwald nahe der Bille, wo es im Mal 1955 vom damaligen Ministerpräsidenten Kai-Uwe von Hassel und Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg enthüllt wurde. An der Feier nahmen auch über fünfhundert Angehörige der ehemaligen »Schutztruppe« Ostafrika teil. »General Paul von Lettow-Vorbeck, den die alten Afrikaner besonders ehren wollten«, konnte aus Krankheitsgründen nicht dabei sein.

Nach Auskunft von Dr. Andreas von Seggern von der Bismarck-Stiftung

»Das ›Deutsch-Ostafrikaner Ehrenmal‹, eine safari-romantische Darstellung der Kolonialzeit, steht heute versteckt im Park des Restaurants Waldesruh in Hamburg-Aumühle. Ursprünglich sollte das Denkmal in den 1930ern in Potsdam errichtet werden, wo es wegen der geringen künstlerischen Qualität jedoch abgelehnt wurde. Dann wurde ein Standort in Düsseldorf in Erwägung gezogen. Im Zweiten Weltkrieg unterblieb die Aufstellung an einem öffentlichen Platz. Paul v. Lettow-Vorbeck hat sich persönlich für den jetzigen Standort stark gemacht.«

• Ein Zitat von der Website afrika-hamburg.de


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Der Bildhauer

Walter Alexander Moritz von Ruckteschell (geboren 1882 in St. Petersburg als Sohn eines später in Hamburg amtierenden baltendeutschen Pfarrers, ertrunken auf einer militärischen Mission 1941 im Mittelmeer) war ein deutscher Offizier der »Schutztruppe« für Deutsch-Ostafrika, Illustrator, Bildhauer und Schriftsteller.

1913 ging er mit seiner Frau Clara in die deutsche Kolonie Deutsch-Ostafrika, wo Ruckteschell Denkmäler und Skulpturen für öffentliche Plätze und Einrichtungen entwarf. Er meldete sich im Ersten Weltkrieg freiwillig zur »Schutztruppe« und wurde Adjudant von Paul von Lettow-Vorbeck. Ruckteschell verfasste als Ghostwriter einen Großteil von Lettow-Vorbecks erfolgreichem Buch »Heia Safari! Deutschlands Kampf in Ostafrika«, zu dem er offiziell nur die Illustrationen lieferte. Neben den vielen Illustrationen in der deutschen Kolonialliteratur, wendete sich Ruckteschell nach dem Ersten Weltkrieg vornehmlich der Gestaltung von Kriegsdenkmälern zu.

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• Ankunft am Lehrter Bahnhof: Ganz rechts Walter von Ruckteschell, neben ihm Paul von Lettow-Vorbeck

Walter von Ruckteschell schuf das umstrittene »Deutsch-Ostafrika-Ehrenmal«, das 1938 eingeweiht und zu beiden Seiten des Eingangs der » Lettow-Vorbeck-Kaserne« in Hamburg-Jenfeld aufgestellt wurde. Es stand in der Tradition einer direkt nach dem Ersten Weltkrieg einsetzenden Verehrung der deutschen Kolonial-Truppen, die zur Zeit der Nationalsozialisten kultartige Züge erlangte.

Nach Schließung der Kaserne, 1999, geriet auch die Aufstellung des Reliefs, im Rahmen einer Gedenkstätte für die Opfer der Kolonialzeit, in die Diskussion. Kritisiert wurde dabei, dass:

... ein Konzept, dass die historischen Bezüge erklärt [fehlt]. Das Askari-Relief zeigt eine Truppe afrikanischer Soldaten, die scheinbar treu ergeben ihrem weißen Offizier folgen. Dadurch werde der Blick auf die Herrschaftsverhältnisse des Kolonialreiches verwischt. Der Ausstellungsort ist problematisch. Die Lettow-Vorbeck-Kaserne wurde von den nationalsozialistischen Machthabern als zentraler Ort kolonialrevisionistischer Traditionspflege des Militärs eingerichtet. Zeitweise abgebaut, wurde das Relief 2003 im Rahmen des sogenannten »Tansania-Park«, unter Protesten, wiedererrichtet.

nach Wikipedia, 14. November 2017


SH Aumuehle Lettow Mappe web

• Die zehn Steinzeichnungen von Ostafrikanern der »Lettow-Mappe« von Walter von Ruckteschell. Veröffentlicht wurde die Mappe in der Nachkriegszeit, das Vorwort schrieb Lettow-Vorbeck


Lesen Sie hierzu auch unseren Bericht über das Ruckteschell-Heim in Hamburg Eilbek

Hamburg Eilbek


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Historische Fotos

Als »Askari« wurden vor allem in Afrika einheimische Soldaten oder Polizisten in den Kolonialtruppen der europäischen Mächte bezeichnet. Foto aus der Zeit vor 1910.

HH Jenfeld Askaris vor 1910 web


Das Foto unten könnte fast als Vorbild für den Bildhauer gedient haben. Auch hier macht der Hilfssoldat wohl den deutschen Offizier auf etwas aufmerksam. Man kann genau die typische Kopfbedeckung mit Nackenschutz und die gewickelten Unterschenkel sehen.

 

        SH Aumuehle Walther Dobbertin Wikimedia Commons web
        Foto: Walther Dobbertin/Wikimedia Commons

Lesen Sie auch unsere Dokumentation des »Schutztruppenehrenmales« in Hamburg Jenfeld

Hamburg Jenfeld


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Paul von Lettow-Vorbeck

• Paul Emil von Lettow-Vorbeck (20. März 1870 in Saarlouis – 9. März 1964 in Hamburg-Othmarschen) war ein deutscher Offizier, zuletzt General der Infanterie sowie Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika im 1. Weltkrieg.

Lettow-Vorbeck war laut seinem Biografen dem Historiker Uwe Schulte-Varendorff ein »Militarist, der im Soldatentum die höchste Form des menschlichen Dasein erblickte«. Im Krieg seien für ihn alle Mittel erlaubt gewesen, wie seine rücksichtslose Kriegsführung in Ostafrika zeige. Die für ihn rassisch minderwertigen Afrikaner habe er als reines »Menschenmaterial« betrachtet. Als »autoritärer Selbstdarsteller« und »absoluter Machtmensch« habe er sich in seinen »selbstverherrlichenden Schriften« seine eigene Wirklichkeit geformt.

In mehreren deutschen Städten waren und sind Straßen nach Paul von Lettow-Vorbeck benannt. Auch Schulen und Kasernen erhielten seinen Namen. Seit der Jahrtausendwende hat eine kritische Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands zu Debatten über diese Namenspraxis geführt. Infolgedessen wurden in einer Reihe von Orten nach Lettow-Vorbeck benannte Straßen und Einrichtungen umbenannt.

Nach Wikipedia, 15. Juni 2017

wikipedia.org/wiki/lettow-vorbeck


• Inzwischen hat das Bild vom Edelmann im ostafrikanischen Busch Risse bekommen. »Es gibt nichts an Lettow-Vorbeck, das heute noch verehrungswürdig wäre«, schreibt der Historiker Uwe Schulte-Varendorff in seiner Lettow-Vorbeck-Biografie »Kolonialheld für Kaiser und Führer«. Und manche, wie die »Süddeutsche Zeitung«, nennen ihn »wohl einen der größten Kriegsverbrecher« in der deutschen Geschichte.

Spiegel.de, 27. September 2013

www.spiegel.de/lettow-vorbeck

       SH Aumuehle Lettow Vorbeck Bundesarchiv Bild 183 H27605 Herbstmanover bei Celle web 

       Paul von Lettow-Vorbeck (rechts) als Gast beim großen
       Truppenmanöver bei Celle im September 1935.

 

Weitere Hintergrundtexte und viele Informationen aus den ehemaligen deutschen Kolonien auf der Website:

www.freiburg-postkolonial.de


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www.sachsenwald.de

Gregor Graf von Bismarck, der diese Website betreibt, sieht das anders. Er beschreibt das Denkmal so:

»Skulptur von General Paul von Lettow Vorbeck
Lettow Vorbeck (geboren am 20. März 1870 in Saarlouis; gestorben 9. März 1964 in Hamburg) kämpfte im Ersten Weltkrieg als Generalmajor in Tanganjika, dem heutigen Tansania. Dies wurde in der Zeit von 1885 bis 1918 als Deutsch-Ostafrika bezeichnet und war die größte Kolonie des Deutschen Reiches.
Bei seinen Gegnern galt er als geschickter, großherziger und ritterlicher Soldat. Er bildete seine schwarzen Askari Truppen wie Preußische Offiziere aus. Als er in den 1950er Jahren nach Tansania reiste, um seinen Askaris ihren Lohn vom Ersten Weltkrieg zu bezahlen, wurde er wie ein Held empfangen. Vorbeck war ein Gegner der Nazis. Sein aufregendes Leben wurde in vielen verschiedenen, sehr lesenswerten Büchern veröffentlicht.«

SH Aumuehle Bismarck Website web

Der Link zum Denkmal funktioniert im Moment nicht.

www.sachsenwald.de


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Das Grab in Pronsdorf

Lettow-Vorbecks Tochter heiratete einen Grafen zu Rantzau, den Gutsherrn von Pronsdorf am Wardersee in Ostholstein.

Dort ist Paul von Lettow-Vorbeck am 9. März 1964 begraben worden. Eine Ehrenkompanie der Bundesmarine war angetreten und Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel hielt die Grabrede.

              SH Aumuehle Grab Lettow Vorbeck 02 web

SH Aumuehle Grab Lettow Vorbeck 01 web


Lesen Sie hier Auszüge der Berichterstattung in der TAZ von 2013 zum Kampf der Angehörigen um seinen Ruf. Dabei geht es um Identität und Integrität, die Bewertung der Kolonialgeschichte und moralische Standards.

Auszüge/TAZ 2013

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Grabplatte daneben
Der Gedenkstein der Zwangsarbeiter
Die Geschichte des Denkmals
Das Grab von Karl Dönitz
Der Waldfriedhof

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Aumühle, Kreis Herzogtum Lauenburg

Auf dem kirchlichen Waldfriedhof Aumühle-Wohltorf

Eine großzügige Anlage für die toten Soldaten beider Weltkriege. Über eine breite gepflasterte Fläche, auf der Denkmalsseite von einer halbhohen Mauer begrenzt, betritt der Besucher über zwei flache Stufen den halbrunden, ebenfalls mauerbegrenzten Denkmalsplatz.

SH Aumuehle 4 web

Der Block in der Mitte, auch gemauert aus bunten behauenen Feldsteinen steht vor einem hoch aufragenden christlichen Holzkreuz, drumherum läuft ein lichtes rundes Schriftband aus Metall mit dem Text:

DEN OPFERN DER KRIEGE 1914 - 1918 + 1939 - 1945

Die Architekten Bernhard Hopp und Rudolf Jäger aus Hamburg erhielten 1957 den Auftrag, das Denkmal von 1924 so umzugestalten, wie wir es heute sehen können. Lesen Sie weiter unten über die wechselvolle Geschichte des Denkmals.

 

SH Aumuehle 3 web


Auf den drei eingelassenen Bronzetafeln auf der Frontseite sind in erhabenen Buchstaben die 70 Namen von toten Soldaten des 1. Weltkriegs, aufgeteilt nach ihrem Herkunftsort, zu lesen. Die Tafeln wurden vom ursprünglichen Denkmal von 1932, siehe weiter unten, übernommen.

SH Aumuehle 1 web

Rechts neben dem Vorplatz steht jetzt der alte Denkmalstein: ein großer Findling mit dem Relief eines Stahlhelms mit Kurzschwert. Darunter steht:
1914:18

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Die Grabplatte daneben

Am Weg an der linken Seite der Denkmalsanlage kommt man an einer großen Grabplatte vorbei:

Georg Ritter v. Schönerer
Gutsherr zu Schloss Rosenau Nieder-Österreich 1842 - 1921.
Ein Kämpfer für Alldeutschland.

SH Aumuehle Alldeutschland web

Georg Heinrich Ritter von Schönerer war ein östereichischer Gutsherr und Politiker. Schönerer hatte von 1879 bis zur Jahrhundertwende Bedeutung als Führer zunächst der Deutschnationalen und später der Alldeutschen Vereinigung. Er war ein heftiger Gegner des politischen Katholizismus, ein radikaler Antisemit und übte starken Einfluss auf den jungen Adolf Hitler aus, der ihn als eines seiner Vorbilder ansah.

Er vertrat eine völkisch-germanische Ideologie, die mit einem radikalen Antisemitismus Hand in Hand ging, der bei ihm konsequent »rassisch« begründet wurde. Seine Alldeutsche Bewegung verlangte 1900 im Wiener Parlament, eine Prämie für jeden »niedergemachten« Juden auszusetzen. Schönerer verkündete damals völkisch-antisemitische Parolen wie: »durch Reinheit zur Einheit – Ohne Juda, ohne Rom / wird gebaut Germaniens Dom« oder »Die Religion ist einerlei / im Blute liegt die Schweinerei«.

• Nach Wikipedia, 4. Februar 2017


Durch die Finanzierung eines Sponsors erhielt Georg von Schönerer auf dem Aumühler Friedhof ein »auf Dauer angelegtes Grab«.

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Der Gedenkstein der Zwangsarbeiter

Nicht ohne Weiteres sieht man ein weiteres Denkmal. Der Findling ist vom Weg aus nicht zu sehen. Man muss sich schon auf die Rückseite der Anlage begeben, um ihn zu entdecken.
 

SH Aumuehle Stein total web


Der Gedenkstein ist russischen Kriegsgefangenen gewidmet, die im Sachsenwald Zwangsarbeit verrichten mussten. Die Inschrift:

In den Jahren 1941 – 1942 wurden mehr als 30 unbekannte russische Kriegsgefangene auf dem Friedhof in Aumühle beigesetzt.
Sie waren im Lager Ödendorf untergebracht und arbeiteten im Forst Sachsenwald.
Zwischen 1950 – 1960 wurden die meisten auf russische Soldatenfriedhöfe umgebettet.

SH Aumuehle Stein web


Die Ev.-luth. Kirchengemeinde Aumühle veröffentlichte 2012 einen ausführlichen Aufsatz von Lothar Neinass zur Geschichte des Waldfriedhofs. Lesen Sie hier das Kapitel zum Gedenkstein für die russischen Zwangsarbeiter, in dem zum Schluß auch ein geeigneterer Platz für den Stein angemahnt wird.

Gedenkstein Zwangsarbeiter

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Die Geschichte des Denkmals 


SH Aumuehle Heldengedenktag1932 web
Foto: Gemeindearchiv Aumühle

• Am Heldengedenktag 1932 wurden die drei Bronzetafeln mit den Namen der getöteten Soldaten aus Aumühle, Friedrichsruh und Wohltorf angebracht.

Die Errichtung eines Ehrenmales für die gefallenen Soldaten erschien den Bürgern in Aumühle und Wohltorf wichtig. In den beiden Gemeinden bildete sich ein Kriegerverein, der eine Erinnerungsstätte für die Gefallenen des Weltkrieges von 1914 bis 1918 schaffen wollte. Die Pläne sahen einen von einer Feldsteinmauer eingefassten runden Hof vor. In der Mitte sollte auf einem ebenfalls aus Feldsteinen gemauerten Sockel ein großer Findling stehen. In den Feldstein eingemeißelt waren ein Stahlhelm und ein Schwert sowie die Jahreszahlen 1914/18. Unterhalb des Findlings war auf einer Steintafel zu lesen:

Die Edelsten sind auf deiner Höhe erschlagen. Wie sind die Helden gefallen! 2. Sam. 1 Vers 19

In der Bibel lautet der Vers 19 vollständig:
»Die Edelsten in Israel [!] sind auf deiner Höhe erschlagen ...«

(Zitiert wiederum aus dem Aufsatz von Lothar Neinass, dem wir sehr herzlich danken)

Lesen Sie hier die ganze wechselvolle Geschichte des Denkmals, in deren Verlauf der Findling auch schon mal vergraben worden war. Lothar Neinass hat sie für die Kirchengemeinde aufgeschrieben.


Geschichte des Denkmals

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Das Grab von Karl Dönitz

Karl Dönitz, geboren am 16. September 1891 in Grünau bei Berlin; gestorben am 24. Dezember 1980 in Aumühle, war ein deutscher Marineoffizier – ab Januar 1943 Großadmiral, Nationalsozialist. NSDAP-Mitglied, enger Gefolgsmann Adolf Hitlers und letztes Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches.

Anfang 1936 wurde Dönitz »Führer der U-Boote« und war in der deutschen Kriegsmarine die treibende Kraft beim Aufbau der U-Boot-Waffe. Ende Januar 1943 zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ernannt, wurde er in Hitlers politischem Testament vom 29. April 1945 zu dessen Nachfolger als Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht ernannt.

Nach Hitlers Suizid am 30. April 1945 setzte Dönitz am 5. Mai 1945 eine bereits Ende April vorbereitete geschäftsführende Reichsregierung unter Lutz Graf Schwerin von Krosigk als Leitendem Reichsminister ein, die allgemein als »Regierung Dönitz« oder »Flensburger Regierung« bekannt ist. Ungefähr zwei Wochen nach der am 8. Mai erklärten bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht wurden am 23. Mai 1945 Dönitz, die hohen Generäle des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und alle Mitglieder der Regierung verhaftet, die in der Marinesportschule auf dem Marinestützpunkt in Flensburg-Mürwik residierten.

Dönitz gehörte zu den 24 Angeklagten im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Er wurde wegen Führens von Angriffskriegen und Kriegsverbrechen schuldig gesprochen und am 1. Oktober 1946 zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er bis zum 1. Oktober 1956 vollständig verbüßte.

• Nach Wikipedia, 4. Februar 2017

SH Aumuehle Karl Doenitz Udo Grimberg WikimediaCommons web
Foto:Udo Grimmberg/Wikimedia Commons


Das Familiengrab Dönitz mit einer ungewöhnlich großen Darstellung des gekreuzigten Jesus aus dunklem Holz befindet sich ebenfalls auf dem Waldfriedhof.
Auf den liegenden hellen Platten stehen die Namen und Daten von Karl Dönitz, seiner Frau und seinen im 2. Weltkrieg ums Leben gekommenen Söhnen, beides Marinesoldaten.

SH Aumuehle Doenitz1 web


Noch in den neunziger Jahren gab es uniformierte Aufmärsche von Neonazis am Grab, mittlerweile geht es eher unauffällig zu beim »Heldengedenken« der rechten Szene. Die Kränze auf dem Farbfoto vom 4. Februar 2017 waren am 28. Dezember 2016, wohl aus Anlass des Sterbetages von Dönitz, von Neonazis niedergelegt worden, siehe Foto unten. Der Stahlhelm, den sie vor den Kränzen plaziert hatten, war im Februar nicht mehr zu entdecken.

SH Aumuehle 28 Dez 2016 Nazis web

 

Ein Bericht aus dem Jahr 2011 von Volker Weiss, Frankfurter Rundschau:

Von der Öffentlichkeit unbemerkt trafen sich dort knapp 30 Personen. In kleinen Grüppchen seien sie über den Friedhof gelaufen und hätten sich vor einer Ruhestätte versammelt, erinnert sich eine Anwohnerin. Ein Kranz der NPD wurde niedergelegt, ehe man zum Kriegerdenkmal weiterzog. Die Dame hatte ein »Heldengedenken« norddeutscher Neonazis am Grab von Großadmiral a.D. Karl Dönitz beobachtet.

Schon bei der Beerdigung des letzten Oberbefehlshabers der deutschen Kriegsmarine vor dreißig Jahren war es auf dem Friedhof mit der Ruhe vorbei. Viertausend Trauergäste kamen, um Dönitz das letzte Geleit zu geben.
Die Presse listete die Kranzschleifen auf: Veteranenverbände der Marine, Wehrmacht und Waffen-SS, die »Nationalzeitung« und Rudolf Hess rühmten den Verstorbenen. Die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger hielt die Ehrenwache, auch die heute verbotene Wiking-Jugend marschierte auf. Angehörigen der Bundeswehr war die Teilnahme an der Zeremonie in Uniform vom Verteidigungsministerium verboten worden ...

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Der Waldfriedhof

Seit März 1911 gibt es den
 Waldfriedhof in Aumühle. Die
 Witwe von Fürst Herbert von 
Bismarck, Marguerite von
 Bismarck, überließ im Namen
 ihres damals 12-jährigen Sohnes Otto der Kirchengemeinde Aumühle kostenlos ein Waldgelände von 18 000 qm für den Friedhof und weitere 17 000 qm für den Bau der Kirche und eines Gemeindehauses. In der Überlassungsurkunde für den Friedhof wurde beiden Kirchengemeinden, Aumühle und Wohltorf, das dauernde Nutzungsrecht übertragen.

Das Eigentum der Waldfläche für den Friedhof einschließlich der Bäume auf dem Gelände blieb bei der Familie von Bismarck.

Während die Anlage des Friedhofes bereits ab 1911 umgesetzt wurde, konnten die Kirchen in Aumühle und Wohltorf erst in den Jahren von 1928 bis 1930 gebaut werden.


SH Bismark Gedaechtnis Kirche Aumuehle Matzematik WikimediaCommons web

Foto: Matzematik/Wikimedia Commons

• Die Bismarck-Gedächtnis-Kirche neben dem Waldfriedhof

 

»Ein ungewöhnlicher Name. Kann ein Politiker, auch wenn er eine entscheidende Figur der deutschen und europäischen Geschichte war, Namenspatron einer Kirche sein?« fragt Pastor Georg Laitenberger auf der Website der Gemeinde.

www.kirche-aumuehle.de

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