TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauer- tag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Die hier dokumentierten Denkmäler wurden mit freundlicher Unterstützung lokaler Institutionen weitgehend selbst recherchiert.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldoku-
mentation von 

Ahrensburg und
Ammersbek
öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«.

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.

> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 


I N H A L T
Das Denkmal
Aus den Archiven
Volkstrauertag 2013
Historische Postkarten

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Ahrensburg, Kreis Stormarn

Feldsteinobelisk an der Kastanienallee

SH Ahrensburg

Das Denkmal in der Parkanlage hinter dem Ahrensburger Schloß trägt eine geweißte Gussbetontafel für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs. Darunter ist eine Messingtafel für die Opfer der Weltkriege und des Nationalsozialismus angebracht. Das Denkmal hat an jeder Seite ein aus Natursteinen gemauertes Eisernes Kreuz als Relief.

Inschriften:
Tafel aus Gussbeton mit Stahlhelm umgeben von Lorbeerzweigen als Relief: Gewidmet / den im Weltkriege 1914-18 / gefallenen Söhnen der / Gemeinde Ahrensburg.
Darunter: Wer sein Leben lässt für seine Brüder / ist der Liebe seiner Heimat wert
Messingtafel: Den Opfern der Weltkriege und des Nationalsozialismus

SH Ahrensburg Detail

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Aus den Archiven

Aus der Akte DOK 494 (16. Dezember bis zum 18. August 1950)

Das Denkmal enthielt fünf Bronzeplatten; vier mit Namen von Gefallenen aus Ahrensburg und eine mit Namen vom Kremerberg. Diese Platten wurden »seinerzeit im Zuge einer Mobaktion abmontiert und eingeschmolzen« (18. März 1948). Nach dem Kriege wurde geplant neue Platten gießen zu lassen. Letztendlich wird daraus nichts, da z. B. eine Firma mit anderen (wichtigeren) Aufträgen zu tun hat. Am 11. Juli schreibt der Pastor, er behalte das Problem weiter im Auge; »das Projekt ist aber wegen der Kosten der Bevölkerung nicht zu vermitteln«.

Bauamt 41 38 00 (2. Januar 1989 bis heute)

Es wird der Diebstahl zweier Gedenktafeln bemerkt:


1. Tafel »Den Ahrensburger Opfern des Nationalsozialismus«.
1 m x 0,4 m; Bronze; Rechnung vom 1982.


2. Tafel »Den Opfern der Weltkriege 1914 – 1918 1937 – 1945« (dreizeilig). Ca. 1 m x 0,8 m;
über der 1. Tafel (keine Rechnung oder Herstellungsdatum).

Der Magistrat entscheidet sich am 4. September 1989 für eine Tafel mit dem Text »Den Opfern der Weltkriege und des Nationalsozialismus«.

Fazit: Wann das Denkmal errichtet wurde und wer der Initiator und Finanzier war, ließ sich nicht feststellen. Aus den Unterlagen ergibt sich jedoch, dass das Denkmal mehrfach umgestaltet wurde.

Ursprünglich ist die gesamte Anlage mit der umlaufenden Feldsteinmauer, mit den zwei Durchbrüchen für den Fußweg und den Obelisken.

Original am Obelisken sind:

● Das leicht erhabene Eiserne Kreuz aus Feldstein im oberen schmaleren Teil, von einem umlaufenden Sims abgeteilt.

● Die helle Steinplatte (im unteren Viertel des Obeliskenmittelteils) mit einem leicht erhabenen Stahlhelm, links und rechts von einem Eichenzweig flankiert.

● Die erhabene Schrift (darunter), dreizeilig, links- und rechtsbündig in Großbuchstaben »Gewidmet den im Weltkrieg 1914 – 18
 gefallenen Söhnen der
 Gemeinde Ahrensburg«.

● Die ebenfalls erhabene Schrift (darunter), zweizeilig, links- und rechtsbündig in Großbuchstaben »Wer sein Leben läßt für seine Brüder ist der Liebe der Heimat wert«. 
Unbekannten Datums, jedoch nach 1945, sind die beiden identischen Zeitangaben aus Metall im 2. Viertel von oben des mittleren Teils: »1914 – 18« und »1939 – 45«. 


Wir danken Angela Behrens und Klaus Tim für die Recherche.

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Volkstrauertag 2013

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Foto: Dorothea Benedikt

● Viele Kränze am Obelisken – Volkstrauertag 2013

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Historische Postkarten

           SH Ahrensburg Altes Foto web


SH Ahrensburg alt

 

            SH Ahrensburg Karte web

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Kunst-Aktion zur 700-Jahr-Feier

Am Kriegerdenkmal Ahrensburg in der Kastanienallee


Präsentation durch die Künstler: am Freitag, den 29. August 2014 um 11:00 Uhr. Eine öffentliche Diskussion über die Kunstaktion, das Denkmal und mögliche Umgestaltungen fand am Mittwoch, 1. Oktober 2014 um 19:30 Uhr im Kulturzentrum Marstall am Schloss, Lübeckerstraße 8, statt.

Die Intention der Kunstaktion

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Gut 30 Interessierte hatten sich in der Remise des Kulturzentrums Marstall eingefunden, um die Meinung der Podiumsteilnehmer kennenzulernen. Die Ansichten waren sehr kontrovers, zum Teil sich widersprechend. Der früheren Bürgermeisterin von Ahrensburg, Frau Pepper, ist es aber in ihrer Moderation gelungen, die Vertreter der unterschiedlichen Meinungen gut zu Wort kommen zu lassen, sodass die Denkansätze deutlich wurden. Das Publikum hat sich lebendig und engagiert beteiligt; es gab kluge, durchweg konstruktive Diskussionsbeiträge. Ob das Gespräch über das Kriegerdenkmal weitergehen wird?


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Einladung Ahrensburg2 web

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Die Aktion beginnt

Freitag, 29. August 2014, 11:00 Uhr

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● Axel Richter vom KunstHaus am Schüberg in Aktion.

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● Trotz Regen finden sich interessierte Ahrensburger ein.

SH Ahrensburg Aktion5

● Pressetermin mit den beiden Künstler und Pastor Ulrich Hentschel.


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Und so sieht das Medienecho aus:

In der neuen Online-Zeitung: 
Stormarn kulturell – Magazin für Kunst, Theater, Musik und Literatur

erschien am 29. August 2014 der Beitrag: »Kunst eröffnet neue Sicht auf das Ehrenmal« 

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Am 26. August 2014 konnte man den Artikel »Weiße Wäsche als provokantes Gegenbild zu Kriegerdenkmälern« lesen.

Hamburger Abendblatt, Ausgabe Stormarn

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Am Tag der Installation hat sich der Journalist dann selbst ein Bild gemacht. Sein Bericht erschien in der Sonnabendausgabe des Hamburger Abendblatts – Ausgabe Stormarn am 30./31. August 2014.

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Ein einstimmiger Beschluss

Auf Vorschlag von Bürgermeister Michael Sarach hat der Bildungs-, Kultur- und Sportausschuss der Stadt Ahrensburg am 30. Juni der temporären Kunst-Aktion am Kriegerdenkmal in der Kastanienallee (in Sichtweite des Schlosses) zugestimmt, und zwar mit den Stimmen aller Fraktionen. Das ist eine gute Voraussetzung für die Arbeit von Axel Richter, dem Leiter des nahegelegenen KunstHaus am Schüberg, der auch schon mit der Skulptur »Über-See« von Roger Rigorth im Ahrensburger Stadtzentrum präsent  und darum bekannt ist. In der Begründung für den Beschluss heißt es: »Die Kunstaktion soll das Denkmal, das sonst zumeist unbeachtet bleibt und nur am Volkstrauertag als Ort des Gedenkens und der Erinnerung Aufmerksamkeit findet, in den Focus einer breiteren Öffentlichkeit rücken. Durch die mit der Kunstaktion für einige Tage erzeugte In-Frage-Stellung sollen vor allem auch jüngere und bis dahin weniger interessierte Bürgerinnen und Bürger angesprochen werden. Wichtig ist dabei die öffentliche Debatte: Was bedeutet uns heute die Erinnerung an die Toten, Soldaten, Zivilisten, Opfer der Schlachten des 1. Weltkriegs (und dabei auch die des 2. Weltkriegs)? Dazu gibt es natürlich verschiedene Deutungen und Einstellungen, in historischer, gesellschaftlicher und religiöser Hinsicht. Unser Ziel ist, diese miteinander in einen Dialog zu bringen. Dabei kann es auch zu neuen Formen der Gestaltung und der traditionellen Rituale kommen.«


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Ahrensburg24.de web

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> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 


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Das Denkmal in Bünningstedt
Volkstrauertag 2012
Das Denkmal in Hoisbüttel

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Bünningstedt/Ammersbek
Kreis Stormarn

Gepflegte Anlage in der Ortsmitte

Dreiteiliges Denkmal mit einem großen Findling im Zentrum. Am Findling ist ein gesenktes Schwert aus Metall befestigt.

SH Buenningstedt gesamt

Inschriften:

1914 / 1918
As in a Stormwind de Eekboom, stebig un stark, / so hebt se wehrt sick – tru bit int Mark
Auf Hochdeutsch: Wie die Eiche im Sturmwind, standhaft und stark, so haben sie sich gewehrt – treu bis ins Mark

Links: Dem Gedenken unserer Toten 1939=1945
Rechts: Sie opferten ihr Leben für Volk und Heimat

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Volkstrauertag 2012


SH Buenningstedt Ajepbah Wikimedia Commons

Foto: Ajepbah/wikimedia commons

● Volkstrauertag in Bünningstedt

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Hoisbüttel/Ammersbek

Hier wurde 1920 das erste Kriegerdenkmal der Gegend aufgestellt. Ein halbes Jahr später wurde dann in der Bergstedter Kirche eine Tafel angebracht, auf der dann schon der »Helden« gedacht wurde.

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● Geforderte Ehrfurcht vor Tod und Tapferkeit in Hoisbüttel

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» ... tru bit int Mark«

Die Gemeinde Ammersbek wünscht sich eine Kommentierung

In der Gemeinde Ammersbek gibt es gleich zwei Denkmäler zum Gedenken an die getöteten Soldaten. Der Bürgermeister und das KunstHaus am Schüberg haben schon viele gemeinsame Projekte durchgeführt. So sollte es auch diesmal sein.

Die Intention der Kunstaktion

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Echo in den Medien

Das Hamburger Abendblatt berichtet am 11. September 2014

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Kunstaktion

Ab Freitag, 29. August 2014 ab 15:00 Uhr war die Kunstinstallation am alten Dorfplatz in Hoisbüttel und anschließend an der Dorfstraße in Bünningstedt für 10 Tage zu sehen. Eine öffentliche Diskussion fand statt am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek« in Ammersbek.

Eine kleine, aber feine Runde diskutierte im Gemeindezentrum. Es wurde von der Aktion »Gedankenloses Gedenken« der Nachbargemeinde Bergstedt und von mulmigen Gefühlen beim bisherigen Ritual am Volkstrauertag in Ammersbek berichtet. Am Ende eines lebhaften Gesprächs stand wieder die Frage: Muss alles so bleiben wie es ist? Wie ist Ihre Meinung dazu, liebe Ammersbeker?

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Einladung

auf der Website der ev.-luth. Kirchengemeinde Hoisbüttel

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Am Freitag, 29. August 2014
um 15:00 Uhr in Hoisbüttel


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● Pastor Ulrich Hentschel spricht über die künstlerische Intervention.

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● Bürgermeister Horst Ansén und Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling im Gespräch mit interessierten Ammersbekern.

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Am Freitag, 29. August 2014
um 16:00 Uhr in Bünningstedt

SH Buenningstedt Aktion1

SH Buenningstedt Aktion2

● Alle sind gespannt auf die Reaktionen der Ammersbeker und auf die Diskussion am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek«.


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Im »Markt« wird die Kunstaktion am 27. August 2014 angekündigt:

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Am 26. August 2014 konnte man den Artikel »Weiße Wäsche als provokantes Gegenbild zu Kriegerdenkmälern« lesen.

Hamburger Abendblatt, Ausgabe Stormarn

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschriften
Der Obelisk

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Appen, Kreis Pinneberg

In einem gepflegten Park an der Hauptstraße

Der schwarze Obelisk in der Ortsmitte hat einen aus Natursteinen gemauerten Sockel und einen Unterbau mit quadratischem Grundriss auf dem auf allen vier Seiten die Namen, Geburts- und Sterbedaten der toten Soldaten des 1. Weltkriegs eingraviert sind, dreimal 14 und einmal 13.

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Jede Seite des Obelisken trägt eine Inschrift:

Weltkrieg 1914-19

Glücklicher, der du die Sonne noch siehst, o grüss uns die Heimat, die wir getreu bis zum Tod mehr als das Leben geliebt

Niemand hat grössere Liebe denn die, dass er sein Leben lässet für seine Brüder

Ihren gefallenen Helden die dankbare Heimat

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Auf zwei Seiten ist unter der Inschrift ein Lorbeerkranz eingraviert.

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Die Inschriften

Glücklicher, der du die Sonne noch siehst,
o, grüß uns die Heimat, die wir, getreu bis zum Tod,
mehr als das Leben geliebt

Der Text wurde von den Spartanern 480 v. Chr. dem tapferen König Leonidas und seinen 300 Männern im Pass der Thermophylen auf ihre Grabsäule gesetzt. Die mehrtägige Schlacht bei den Thermopylen fand zu Beginn des Zweiten Perserkrieges, vermutlich um den 11. August 480 v. Chr., statt.

Die Thermopylen, der Engpass zwischen Kallidromos-Gebirge und dem Golf von Malia, waren seit jeher von hoher strategischer Bedeutung. In der Antike maß der durchschnittlich 15 Meter breite Durchgang an den beiden engsten Stellen nur wenige Meter. Infolge von Versandung hat er sich bis heute auf mehrere Kilometer ausgedehnt.

480 v. Chr. stand ein großes persisches Heer unter König Xerxes I. vor diesem Durchgang. Das Kommando über die Truppen hatte der spartanische König Leonidas. Erst ein Verrat erlaubte es den Persern, die griechischen Linien zu umgehen und die griechischen Truppen einzukesseln. Leonidas hatte dieses Manöver in Betracht gezogen und einen Teil seiner Truppen mit der Bewachung des Umgehungspasses beauftragt. Als diese die Perser herankommen sahen, zogen sie sich in eine nahegelegene Befestigungsanlage zurück. Dessen ungeachtet führten die Perser ihr Umgehungsmanöver weiter durch.

Am Morgen des dritten Tages erreichten Spähläufer Leonidas' Lager, die ihm von der Umgehung berichteten. Leonidas handelte von nun an in dem Bewusstsein, dass ein vollkommener Rückzug die Vernichtung durch die persische Reiterei nach sich ziehen würde. Er beschloss, mit seinen 300 Spartanern den Engpass zu halten, um den Abzug des griechischen Hauptheers zu decken.

Die Thermopylenschlacht wurde später als Beispiel singulären Heldenmutes dargestellt und gefeiert. Auch in der Neuzeit wurde sie immer wieder als Beispiel für einen heroischen Opfertod in Anspruch genommen:

In unmittelbarem Bezug auf den Schauplatz sagte Thomas Mann in einer BBC-Ansprache über diese Thermopylenschlacht von 1941: »Ein Grieche steht gegen sechs oder sieben von euch. Daß er es wagt, daß er den Engpaß der Freiheit mit seinem Leibe deckt, ist erstaunlich – nicht, daß ihr siegt. Ist euch ganz wohl bei der Rolle, in die das Spiel der Geschichte euch drängt – wenn nun das Menschheitssymbol der Thermopylen an Ort und Stelle sich wiederholt? Die Griechen sind’s wieder – und wer seid ihr?«

nach Wikipedia, abgerufen am 10. Mai 2018


Niemand hat grössere Liebe denn die, dass er sein Leben lässet für seine Brüder

So spricht Jesus am Ende des Johannes-Evangeliums (15,13). Es ist ein Beispiel für die pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods. Christliche Analogien sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben und ihn als »Opfertod« verklären. 


Ihren gefallenen Helden die dankbare Heimat

Obwohl der Erste Weltkrieg so ungleich viel mehr Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.

Die häufigste Bezeichnung für die Gefallenen ist das Wort »Helden«. Dieser Begriff macht die toten Soldaten zu Vorbildern.

Der Begriff »Gefallener« für die getöteten Soldaten [...] suggeriert, dass der Soldat im Kampf stehend, oder besser vorwärts stürmend von einer Kugel getroffen wurde und dann tot zu Boden fiel. Dass der reale Kriegstod zumeist weitaus brutaler ist, wird in diesem Begriff verschleiert.

Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

nach Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Der Obelisk

Der Obelisk ist eine ebenso klassizistische wie klassische Denkmalsform, die bis ins Dritte Reich hinein immer wieder für Kriegerdenkmäler gewählt wurde. Diese Bezeichnung meint eine vierkantige Säule, die sich nach oben verjüngt und eine Pyramide als Spitze trägt. Die Errichtung eines Obelisken lässt sich als formale »Mode« weder einer bestimmten Zeit noch einem bestimmten Stifterkreis zuordnen, der Obelisk war seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert eine gängige, überall, auch in der zivilen Grabmalskunst, gebräuchliche Denkmalsform.

Gerade die kleineren Gemeinden entschieden sich nach dem 1870/71er Kriege bis zu den 1890er Jahren häufig für die Errichtung eines Obelisken. Im späteren 19. Jahrhundert wurde diese klassizistische Form dann aber meist von den germanisierenden Findlingen verdrängt.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Das Denkmal
Schloss Ascheberg

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Ascheberg, Kreis Plön

Denkmalsanlage an der Hauptstraße zur Seeseite

Das Kriegerdenkmal steht in einer hinten abgerundeten Anlage am Uferwäldchen des Plöner Sees. Halbhohe Mauern aus behauenen Feldsteinen begrenzen die Anlage.

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Hinten steht der Gedenkstein für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs auf einem altarartigen Unterbau. Unter einem eingravierten Eisernen Kreuz steht die Inschrift:

Dem Andenken der Gefallenen
1914 - 1918
Heldentum und Menschenliebe,
lebe, strebe du neuem Leben zu:
Ascheberg-Langenrade

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In die Mauer sind in Bodennähe unterschiedlich geformte Steine mit 37 Namen eingemauert worden, siehe Foto unten.

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Weiter vorne liegt ein großer heller Granitfindling für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs mit folgender schon sehr verwitterter Inschrift:

Den Opfern des Krieges (Kreuz)
Totensonntag 1949

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Schloss Ascheberg

Auf den Namenssteinen sind auch zwei Bewohner des Schlosses aufgeführt:

Thilo, Graf von Brockdorff-Ahlefeldt
Carl-Lorenz, Graf von Brockdorff-Ahlefeldt

Seit dem 13. Jahrhundert existierte in Ascheberg ein Rittersitz, der um die Mitte des 15. Jahrhunderts von der Familie Rantzau erworben wurde. 1739 begann Hans Graf zu Rantzau, der auf Schloss Ascheberg wohnte, als erster Gutsherr in Holstein die Leibeigenschaft seiner Bauern aufzuheben. Der Graf teilte die Felder des Besitzes auf, überließ den Bauern das Land und erhob dafür von ihnen einen Zins. Zu dieser Zeit war ein großer Umbau der Anlage im barocken Stil geplant, die Pläne wurden aber nicht umgesetzt. Im 19. Jahrhundert kam das Schloss an die Familie der Grafen Brockdorff-Ahlefeld. Das heutige Ascheberger Schloss, ein schlichter klassizistischer Bau aus dem 19. Jahrhundert, wird als christliche Jugendfreizeit- und Erholungsstätte genutzt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 20. Mai 2015

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Der Bildhauer
Historische Fotos
Paul von Lettow-Vorbeck
www.sachsenwald.de
Das Grab in Pronsdorf

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Aumühle

Im Garten des Bismarckschen Hotels
»Waldesruh am See«

Das Restaurant und Hotel »Waldesruh am See« wirbt mit dem Satz: »Hotel am See im Adelsbesitz mit antik eingerichteten Zimmern, kostenlosem Frühstück und elegantem Restaurant«. Das Kriegerdenkmal aus Muschelkalk für die Schutztruppe in der damaligen Kolonie Deutsch-Ost-Afrika im 1. Weltkrieg steht im Garten nahe dem Wanderweg zum Mühlenteich. Der Bildhauer Walter von Ruckteschell, Adjudant von General Paul von Lettow-Vorbeck, hat es geschaffen. 1955 wurde es eingeweiht, noch ganz im Geiste der Kolonialzeit: es soll die deutschen Offiziere und deren rekrutierte einheimische Hilfstruppen ehren.

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In der Mitte der deutsche Soldat, alles überragend, detailreich mit typischer Uniform, Gewehr, Kurzschwert und Patronentaschen am Koppel dargestellt. Er beschattet die Augen, um in die Ferne gucken zu können. Er trägt kurze Hosen, seine Unterschenkel sind von den Schuhen bis zu den Knien mit Binden umwickelt – so war es üblich. Rechts hinter ihm steht ein kleinerer offensichtlich afrikanischer Soldat ebenso detailreich in der Askari-Uniform, auch bewaffnet und am Geschehen beteiligt. Er macht den Offizier auf etwas aufmerksam.

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Auch auf der Rückseite kann man viele Details erkennen: Am Gürtel des deutschen Offiziers hängt eine Tasche mit Trinkflasche, am Kurzschwert eine Quaste oder eine Kapsel. Der Askarisoldat trägt eine zusammengerollte Matte (hier nicht im Bild).

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Auf der anderen Seite kauert ein einheimischer Lastenträger barfuß mit gewickeltem Turban und nur mit einem knielangen Tuchrock bekleidet, er schaut nach unten, gestützt auf eine gerollte Matte, wohl die für den deutschen Offizier. Abgewandt von den beiden Soldaten macht er einen traurigen Eindruck, man hat Mitleid mit ihm. Sein Gesicht ist teilweise zerstört worden.

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Eine dem Sockel vorgesetzte Steintafel trägt die Inschrift:

Deutsch-Ost-Afrika 1914 - 19    

Die genaue Jahresangabe zum Ende des 1. Weltkriegs fehlt.

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Die Geschichte

Das Denkmal wurde von Bildhauer Walter von Ruckteschell geschaffen. Es soll an den Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika von 1914 bis 1918 erinnern sowie »an Altkanzler Fürst Otto von Bismarck, dessen diplomatisches Geschick Deutschland diese ehemalige Afrika-Kolonie einbrachte«, wie einem Zeitungsausschnitt vom 10. Mal 1955 über das Ereignis zu entnehmen ist.

Im 2. Weltkrieg vergrub die Witwe des Künstlers das Werk ihres Mannes, das in Düsseldorf wieder aufgestellt werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht. Schließlich fand das Denkmal seinen Platz im Sachsenwald nahe der Bille, wo es im Mal 1955 vom damaligen Ministerpräsidenten Kai-Uwe von Hassel und Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg enthüllt wurde. An der Feier nahmen auch über fünfhundert Angehörige der ehemaligen »Schutztruppe« Ostafrika teil. »General Paul von Lettow-Vorbeck, den die alten Afrikaner besonders ehren wollten«, konnte aus Krankheitsgründen nicht dabei sein.

Nach Auskunft von Dr. Andreas von Seggern von der Bismarck-Stiftung

»Das ›Deutsch-Ostafrikaner Ehrenmal‹, eine safari-romantische Darstellung der Kolonialzeit, steht heute versteckt im Park des Restaurants Waldesruh in Hamburg-Aumühle. Ursprünglich sollte das Denkmal in den 1930ern in Potsdam errichtet werden, wo es wegen der geringen künstlerischen Qualität jedoch abgelehnt wurde. Dann wurde ein Standort in Düsseldorf in Erwägung gezogen. Im Zweiten Weltkrieg unterblieb die Aufstellung an einem öffentlichen Platz. Paul v. Lettow-Vorbeck hat sich persönlich für den jetzigen Standort stark gemacht.«

• Ein Zitat von der Website afrika-hamburg.de

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Der Bildhauer

Walter Alexander Moritz von Ruckteschell (geboren 1882 in St. Petersburg als Sohn eines später in Hamburg amtierenden baltendeutschen Pfarrers, ertrunken auf einer militärischen Mission 1941 im Mittelmeer) war ein deutscher Offizier der »Schutztruppe« für Deutsch-Ostafrika, Illustrator, Bildhauer und Schriftsteller.

1913 ging er mit seiner Frau Clara in die deutsche Kolonie Deutsch-Ostafrika, wo Ruckteschell Denkmäler und Skulpturen für öffentliche Plätze und Einrichtungen entwarf. Er meldete sich im Ersten Weltkrieg freiwillig zur »Schutztruppe« und wurde Adjudant von Paul von Lettow-Vorbeck. Ruckteschell verfasste als Ghostwriter einen Großteil von Lettow-Vorbecks erfolgreichem Buch »Heia Safari! Deutschlands Kampf in Ostafrika«, zu dem er offiziell nur die Illustrationen lieferte. Neben den vielen Illustrationen in der deutschen Kolonialliteratur, wendete sich Ruckteschell nach dem Ersten Weltkrieg vornehmlich der Gestaltung von Kriegsdenkmälern zu.

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• Ankunft am Lehrter Bahnhof: Ganz rechts Walter von Ruckteschell, neben ihm Paul von Lettow-Vorbeck

Walter von Ruckteschell schuf das umstrittene »Deutsch-Ostafrika-Ehrenmal«, das 1938 eingeweiht und zu beiden Seiten des Eingangs der » Lettow-Vorbeck-Kaserne« in Hamburg-Jenfeld aufgestellt wurde. Es stand in der Tradition einer direkt nach dem Ersten Weltkrieg einsetzenden Verehrung der deutschen Kolonial-Truppen, die zur Zeit der Nationalsozialisten kultartige Züge erlangte.

Nach Schließung der Kaserne, 1999, geriet auch die Aufstellung des Reliefs, im Rahmen einer Gedenkstätte für die Opfer der Kolonialzeit, in die Diskussion. Kritisiert wurde dabei, dass:

... ein Konzept, dass die historischen Bezüge erklärt [fehlt]. Das Askari-Relief zeigt eine Truppe afrikanischer Soldaten, die scheinbar treu ergeben ihrem weißen Offizier folgen. Dadurch werde der Blick auf die Herrschaftsverhältnisse des Kolonialreiches verwischt. Der Ausstellungsort ist problematisch. Die Lettow-Vorbeck-Kaserne wurde von den nationalsozialistischen Machthabern als zentraler Ort kolonialrevisionistischer Traditionspflege des Militärs eingerichtet. Zeitweise abgebaut, wurde das Relief 2003 im Rahmen des sogenannten »Tansania-Park«, unter Protesten, wiedererrichtet.

nach Wikipedia, 14. November 2017


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• Die zehn Steinzeichnungen von Ostafrikanern der »Lettow-Mappe« von Walter von Ruckteschell. Veröffentlicht wurde die Mappe in der Nachkriegszeit, das Vorwort schrieb Lettow-Vorbeck


Lesen Sie hierzu auch unseren Bericht über das Ruckteschell-Heim in Hamburg Eilbek

Hamburg Eilbek

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Historische Fotos

Als »Askari« wurden vor allem in Afrika einheimische Soldaten oder Polizisten in den Kolonialtruppen der europäischen Mächte bezeichnet. Foto aus der Zeit vor 1910.

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Das Foto unten könnte fast als Vorbild für den Bildhauer gedient haben. Auch hier macht der Hilfssoldat wohl den deutschen Offizier auf etwas aufmerksam. Man kann genau die typische Kopfbedeckung mit Nackenschutz und die gewickelten Unterschenkel sehen.

 

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        Foto: Walther Dobbertin/Wikimedia Commons

Lesen Sie auch unsere Dokumentation des »Schutztruppenehrenmales« in Hamburg Jenfeld

Hamburg Jenfeld

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Paul von Lettow-Vorbeck

• Paul Emil von Lettow-Vorbeck (20. März 1870 in Saarlouis – 9. März 1964 in Hamburg-Othmarschen) war ein deutscher Offizier, zuletzt General der Infanterie sowie Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika im 1. Weltkrieg.

Lettow-Vorbeck war laut seinem Biografen dem Historiker Uwe Schulte-Varendorff ein »Militarist, der im Soldatentum die höchste Form des menschlichen Dasein erblickte«. Im Krieg seien für ihn alle Mittel erlaubt gewesen, wie seine rücksichtslose Kriegsführung in Ostafrika zeige. Die für ihn rassisch minderwertigen Afrikaner habe er als reines »Menschenmaterial« betrachtet. Als »autoritärer Selbstdarsteller« und »absoluter Machtmensch« habe er sich in seinen »selbstverherrlichenden Schriften« seine eigene Wirklichkeit geformt.

In mehreren deutschen Städten waren und sind Straßen nach Paul von Lettow-Vorbeck benannt. Auch Schulen und Kasernen erhielten seinen Namen. Seit der Jahrtausendwende hat eine kritische Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands zu Debatten über diese Namenspraxis geführt. Infolgedessen wurden in einer Reihe von Orten nach Lettow-Vorbeck benannte Straßen und Einrichtungen umbenannt.

Nach Wikipedia, 15. Juni 2017

wikipedia.org/wiki/lettow-vorbeck


• Inzwischen hat das Bild vom Edelmann im ostafrikanischen Busch Risse bekommen. »Es gibt nichts an Lettow-Vorbeck, das heute noch verehrungswürdig wäre«, schreibt der Historiker Uwe Schulte-Varendorff in seiner Lettow-Vorbeck-Biografie »Kolonialheld für Kaiser und Führer«. Und manche, wie die »Süddeutsche Zeitung«, nennen ihn »wohl einen der größten Kriegsverbrecher« in der deutschen Geschichte.

Spiegel.de, 27. September 2013

www.spiegel.de/lettow-vorbeck

       SH Aumuehle Lettow Vorbeck Bundesarchiv Bild 183 H27605 Herbstmanover bei Celle web 

       Paul von Lettow-Vorbeck (rechts) als Gast beim großen
       Truppenmanöver bei Celle im September 1935.

 

Weitere Hintergrundtexte und viele Informationen aus den ehemaligen deutschen Kolonien auf der Website:

www.freiburg-postkolonial.de

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www.sachsenwald.de

Gregor Graf von Bismarck, der diese Website betreibt, sieht das anders. Er beschreibt das Denkmal so:

»Skulptur von General Paul von Lettow Vorbeck
Lettow Vorbeck (geboren am 20. März 1870 in Saarlouis; gestorben 9. März 1964 in Hamburg) kämpfte im Ersten Weltkrieg als Generalmajor in Tanganjika, dem heutigen Tansania. Dies wurde in der Zeit von 1885 bis 1918 als Deutsch-Ostafrika bezeichnet und war die größte Kolonie des Deutschen Reiches.
Bei seinen Gegnern galt er als geschickter, großherziger und ritterlicher Soldat. Er bildete seine schwarzen Askari Truppen wie Preußische Offiziere aus. Als er in den 1950er Jahren nach Tansania reiste, um seinen Askaris ihren Lohn vom Ersten Weltkrieg zu bezahlen, wurde er wie ein Held empfangen. Vorbeck war ein Gegner der Nazis. Sein aufregendes Leben wurde in vielen verschiedenen, sehr lesenswerten Büchern veröffentlicht.«

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Der Link zum Denkmal funktioniert im Moment nicht.

www.sachsenwald.de

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Das Grab in Pronsdorf

Lettow-Vorbecks Tochter heiratete einen Grafen zu Rantzau, den Gutsherrn von Pronsdorf am Wardersee in Ostholstein.

Dort ist Paul von Lettow-Vorbeck am 9. März 1964 begraben worden. Eine Ehrenkompanie der Bundesmarine war angetreten und Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel hielt die Grabrede.

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SH Aumuehle Grab Lettow Vorbeck 01 web


Lesen Sie hier Auszüge der Berichterstattung in der TAZ von 2013 zum Kampf der Angehörigen um seinen Ruf. Dabei geht es um Identität und Integrität, die Bewertung der Kolonialgeschichte und moralische Standards.

Auszüge/TAZ 2013

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Grabplatte daneben
Der Gedenkstein der Zwangsarbeiter
Die Geschichte des Denkmals
Das Grab von Karl Dönitz
Der Waldfriedhof

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Aumühle

Auf dem kirchlichen Waldfriedhof Aumühle-Wohltorf

Eine großzügige Anlage für die toten Soldaten beider Weltkriege. Über eine breite gepflasterte Fläche, auf der Denkmalsseite von einer halbhohen Mauer begrenzt, betritt der Besucher über zwei flache Stufen den halbrunden, ebenfalls mauerbegrenzten Denkmalsplatz.

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Der Block in der Mitte, auch gemauert aus bunten behauenen Feldsteinen steht vor einem hoch aufragenden christlichen Holzkreuz, drumherum läuft ein lichtes rundes Schriftband aus Metall mit dem Text:

DEN OPFERN DER KRIEGE 1914 - 1918 + 1939 - 1945

Die Architekten Bernhard Hopp und Rudolf Jäger aus Hamburg erhielten 1957 den Auftrag, das Denkmal von 1924 so umzugestalten, wie wir es heute sehen können. Lesen Sie weiter unten über die wechselvolle Geschichte des Denkmals.

 

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Auf den drei eingelassenen Bronzetafeln auf der Frontseite sind in erhabenen Buchstaben die 70 Namen von toten Soldaten des 1. Weltkriegs, aufgeteilt nach ihrem Herkunftsort, zu lesen. Die Tafeln wurden vom ursprünglichen Denkmal von 1932, siehe weiter unten, übernommen.

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Rechts neben dem Vorplatz steht jetzt der alte Denkmalstein: ein großer Findling mit dem Relief eines Stahlhelms mit Kurzschwert. Darunter steht:
1914:18

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Die Grabplatte daneben

Am Weg an der linken Seite der Denkmalsanlage kommt man an einer großen Grabplatte vorbei:

Georg Ritter v. Schönerer
Gutsherr zu Schloss Rosenau Nieder-Österreich 1842 - 1921.
Ein Kämpfer für Alldeutschland.

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Georg Heinrich Ritter von Schönerer war ein östereichischer Gutsherr und Politiker. Schönerer hatte von 1879 bis zur Jahrhundertwende Bedeutung als Führer zunächst der Deutschnationalen und später der Alldeutschen Vereinigung. Er war ein heftiger Gegner des politischen Katholizismus, ein radikaler Antisemit und übte starken Einfluss auf den jungen Adolf Hitler aus, der ihn als eines seiner Vorbilder ansah.

Er vertrat eine völkisch-germanische Ideologie, die mit einem radikalen Antisemitismus Hand in Hand ging, der bei ihm konsequent »rassisch« begründet wurde. Seine Alldeutsche Bewegung verlangte 1900 im Wiener Parlament, eine Prämie für jeden »niedergemachten« Juden auszusetzen. Schönerer verkündete damals völkisch-antisemitische Parolen wie: »durch Reinheit zur Einheit – Ohne Juda, ohne Rom / wird gebaut Germaniens Dom« oder »Die Religion ist einerlei / im Blute liegt die Schweinerei«.

• Nach Wikipedia, 4. Februar 2017


Durch die Finanzierung eines Sponsors erhielt Georg von Schönerer auf dem Aumühler Friedhof ein »auf Dauer angelegtes Grab«.

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Der Gedenkstein der Zwangsarbeiter

Nicht ohne Weiteres sieht man ein weiteres Denkmal. Der Findling ist vom Weg aus nicht zu sehen. Man muss sich schon auf die Rückseite der Anlage begeben, um ihn zu entdecken.
 

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Der Gedenkstein ist russischen Kriegsgefangenen gewidmet, die im Sachsenwald Zwangsarbeit verrichten mussten. Die Inschrift:

In den Jahren 1941 – 1942 wurden mehr als 30 unbekannte russische Kriegsgefangene auf dem Friedhof in Aumühle beigesetzt.
Sie waren im Lager Ödendorf untergebracht und arbeiteten im Forst Sachsenwald.
Zwischen 1950 – 1960 wurden die meisten auf russische Soldatenfriedhöfe umgebettet.

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Die Ev.-luth. Kirchengemeinde Aumühle veröffentlichte 2012 einen ausführlichen Aufsatz von Lothar Neinass zur Geschichte des Waldfriedhofs. Lesen Sie hier das Kapitel zum Gedenkstein für die russischen Zwangsarbeiter, in dem zum Schluß auch ein geeigneterer Platz für den Stein angemahnt wird.

Gedenkstein Zwangsarbeiter

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Die Geschichte des Denkmals 


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Foto: Gemeindearchiv Aumühle

• Am Heldengedenktag 1932 wurden die drei Bronzetafeln mit den Namen der getöteten Soldaten aus Aumühle, Friedrichsruh und Wohltorf angebracht.

Die Errichtung eines Ehrenmales für die gefallenen Soldaten erschien den Bürgern in Aumühle und Wohltorf wichtig. In den beiden Gemeinden bildete sich ein Kriegerverein, der eine Erinnerungsstätte für die Gefallenen des Weltkrieges von 1914 bis 1918 schaffen wollte. Die Pläne sahen einen von einer Feldsteinmauer eingefassten runden Hof vor. In der Mitte sollte auf einem ebenfalls aus Feldsteinen gemauerten Sockel ein großer Findling stehen. In den Feldstein eingemeißelt waren ein Stahlhelm und ein Schwert sowie die Jahreszahlen 1914/18. Unterhalb des Findlings war auf einer Steintafel zu lesen:

Die Edelsten sind auf deiner Höhe erschlagen. Wie sind die Helden gefallen! 2. Sam. 1 Vers 19

In der Bibel lautet der Vers 19 vollständig:
»Die Edelsten in Israel [!] sind auf deiner Höhe erschlagen ...«

(Zitiert wiederum aus dem Aufsatz von Lothar Neinass, dem wir sehr herzlich danken)

Lesen Sie hier die ganze wechselvolle Geschichte des Denkmals, in deren Verlauf der Findling auch schon mal vergraben worden war. Lothar Neinass hat sie für die Kirchengemeinde aufgeschrieben.


Geschichte des Denkmals

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Das Grab von Karl Dönitz

Karl Dönitz, geboren am 16. September 1891 in Grünau bei Berlin; gestorben am 24. Dezember 1980 in Aumühle, war ein deutscher Marineoffizier – ab Januar 1943 Großadmiral, Nationalsozialist. NSDAP-Mitglied, enger Gefolgsmann Adolf Hitlers und letztes Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches.

Anfang 1936 wurde Dönitz »Führer der U-Boote« und war in der deutschen Kriegsmarine die treibende Kraft beim Aufbau der U-Boot-Waffe. Ende Januar 1943 zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ernannt, wurde er in Hitlers politischem Testament vom 29. April 1945 zu dessen Nachfolger als Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht ernannt.

Nach Hitlers Suizid am 30. April 1945 setzte Dönitz am 5. Mai 1945 eine bereits Ende April vorbereitete geschäftsführende Reichsregierung unter Lutz Graf Schwerin von Krosigk als Leitendem Reichsminister ein, die allgemein als »Regierung Dönitz« oder »Flensburger Regierung« bekannt ist. Ungefähr zwei Wochen nach der am 8. Mai erklärten bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht wurden am 23. Mai 1945 Dönitz, die hohen Generäle des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und alle Mitglieder der Regierung verhaftet, die in der Marinesportschule auf dem Marinestützpunkt in Flensburg-Mürwik residierten.

Dönitz gehörte zu den 24 Angeklagten im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Er wurde wegen Führens von Angriffskriegen und Kriegsverbrechen schuldig gesprochen und am 1. Oktober 1946 zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er bis zum 1. Oktober 1956 vollständig verbüßte.

• Nach Wikipedia, 4. Februar 2017

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Foto:Udo Grimmberg/Wikimedia Commons


Das Familiengrab Dönitz mit einer ungewöhnlich großen Darstellung des gekreuzigten Jesus aus dunklem Holz befindet sich ebenfalls auf dem Waldfriedhof.
Auf den liegenden hellen Platten stehen die Namen und Daten von Karl Dönitz, seiner Frau und seinen im 2. Weltkrieg ums Leben gekommenen Söhnen, beides Marinesoldaten.

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Noch in den neunziger Jahren gab es uniformierte Aufmärsche von Neonazis am Grab, mittlerweile geht es eher unauffällig zu beim »Heldengedenken« der rechten Szene. Die Kränze auf dem Farbfoto vom 4. Februar 2017 waren am 28. Dezember 2016, wohl aus Anlass des Sterbetages von Dönitz, von Neonazis niedergelegt worden, siehe Foto unten. Der Stahlhelm, den sie vor den Kränzen plaziert hatten, war im Februar nicht mehr zu entdecken.

SH Aumuehle 28 Dez 2016 Nazis web

 

Ein Bericht aus dem Jahr 2011 von Volker Weiss, Frankfurter Rundschau:

Von der Öffentlichkeit unbemerkt trafen sich dort knapp 30 Personen. In kleinen Grüppchen seien sie über den Friedhof gelaufen und hätten sich vor einer Ruhestätte versammelt, erinnert sich eine Anwohnerin. Ein Kranz der NPD wurde niedergelegt, ehe man zum Kriegerdenkmal weiterzog. Die Dame hatte ein »Heldengedenken« norddeutscher Neonazis am Grab von Großadmiral a.D. Karl Dönitz beobachtet.

Schon bei der Beerdigung des letzten Oberbefehlshabers der deutschen Kriegsmarine vor dreißig Jahren war es auf dem Friedhof mit der Ruhe vorbei. Viertausend Trauergäste kamen, um Dönitz das letzte Geleit zu geben.
Die Presse listete die Kranzschleifen auf: Veteranenverbände der Marine, Wehrmacht und Waffen-SS, die »Nationalzeitung« und Rudolf Hess rühmten den Verstorbenen. Die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger hielt die Ehrenwache, auch die heute verbotene Wiking-Jugend marschierte auf. Angehörigen der Bundeswehr war die Teilnahme an der Zeremonie in Uniform vom Verteidigungsministerium verboten worden ...

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Der Waldfriedhof

Seit März 1911 gibt es den
 Waldfriedhof in Aumühle. Die
 Witwe von Fürst Herbert von 
Bismarck, Marguerite von
 Bismarck, überließ im Namen
 ihres damals 12-jährigen Sohnes Otto der Kirchengemeinde Aumühle kostenlos ein Waldgelände von 18 000 qm für den Friedhof und weitere 17 000 qm für den Bau der Kirche und eines Gemeindehauses. In der Überlassungsurkunde für den Friedhof wurde beiden Kirchengemeinden, Aumühle und Wohltorf, das dauernde Nutzungsrecht übertragen.

Das Eigentum der Waldfläche für den Friedhof einschließlich der Bäume auf dem Gelände blieb bei der Familie von Bismarck.

Während die Anlage des Friedhofes bereits ab 1911 umgesetzt wurde, konnten die Kirchen in Aumühle und Wohltorf erst in den Jahren von 1928 bis 1930 gebaut werden.


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Foto: Matzematik/Wikimedia Commons

• Die Bismarck-Gedächtnis-Kirche neben dem Waldfriedhof

 

»Ein ungewöhnlicher Name. Kann ein Politiker, auch wenn er eine entscheidende Figur der deutschen und europäischen Geschichte war, Namenspatron einer Kirche sein?« fragt Pastor Georg Laitenberger auf der Website der Gemeinde.

www.kirche-aumuehle.de

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