TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauer- tag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Die hier dokumentierten Denkmäler wurden mit freundlicher Unterstützung lokaler Institutionen weitgehend selbst recherchiert.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldoku-
mentation von 

Ahrensburg und
Ammersbek
öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.


I N H A L T
Das Denkmal
Der frühere Standort
Die Geschichte
Der Bildhauer Heinrich Missfeldt
Notgeld aus dem Jahr 1922
Eine historische Postkarte

...................................................................................................

Hörnerkirchen, Kreis Pinneberg

In der Ecke des Kirchhofs

Es [Das Kriegerdenkmal] besteht aus drei Schrifttafeln und einem Relief aus hellem Stein, das in der linken Ecke einen toten Soldaten zeigt, dessen Helm auf einem Podest liegt. Neben ihm stehen fünf Frauen in langen Umhängen und Lorbeerkränzen in den Händen. Ein Mann weist mit erhobener Hand eine von ihnen an, den Helm mit ihrem Kranz zu schmücken. Oben aufgesetzt ist ein Kreuz. Das Denkmal wird flankiert von zwei Tafeln mit den Namen der Toten.

Nachdem ein Feuer die Kirche am 20. September 1934 bis auf die Außenmauern zerstört hatte, wurde nordöstlich der Kirche am Rande des ehemaligen »Kirchhofes« eine neue Kriegerdenkmalsanlage errichtet, in die das alte Denkmal integriert ist.

Informationen von Helmut Trede, Autor des Buches: »Die Hörner Dörfer« Husum, 1989.


1921 wurde dem Entwurf des Berliner Bildhauers Heinrich Mißfeldt, geboren 1872, vom Denkmalsausschuß des Kirchspiels zugestimmt. In den Elmshorner Nachrichten vom 1.8.1921 wird erläutert: »Das Denkmal, das sich unmittelbar an die Südseite der Kirche lehnt, so daß es von der Straße aus in voller Front gesehen wird, stellt in seinem Mittelbilde in Reliefform 5 trauernde Frauengestalten dar, die ihren Kranz auf den »Altar des Vaterlandes« legen. Diese Frauengestalten verkörpern die fünf Gemeinden des Kirchspiels. Neben dem Altar steht die Gestalt der Hoffnung, deren erhobene Hand auf ein Kreuz weist, das nach oben hin das Mittelbild abschließt.« (Zitiert nach Claudia Eisert-Hilbert, 1987. Lesen Sie weiter im PDF weiter unten)

Am 25. Juli 1922 hielt der ehemalige Gemeindevorsteher aus Westerhorn Sandkamp die Weiherede. Zuvor hatte Pastor Fehrs einen Gottesdienst zur Denkmalseinweihung abgehalten.

SH Brande H Mitte

SH Brande H gesamt


Für den 1. Weltkrieg: 
Seinen im Weltkriege gefallenen Söhnen zum Gedächtnis! Das Kirchspiel Hörnerkirchen 

Linke Tafel:
 1914 - 1918

(im Eisernen Kreuz mit Eichenlaub und Lorbeerzweig)

Wir sind die Saat, von Deutschland ausgesät mit bebender Hand
und die Namen von toten Soldaten aus dem Kirchspiel

SH Brande H Tafel42

Rechte Tafel:
 1914 - 1918
(im Eisernen Kreuz mit Eichenlaub und Lorbeerzweig)

Wollt ernten ihr, so gebt euch hin wie wir dem Vaterland
und die Namen von toten Soldaten aus dem Kirchspiel

SH Brande H Tafel1

Für den 2. Weltkrieg
Auf beiden Außentafeln:
 1939 (Eisernes Kreuz) 1945
und jeweils die Namen von toten Soldaten aus dem Kirchspiel

...................................................................................................

Der frühere standort

SH Brande Hoernerkirchen alt

Vor dem Brand am 19. September 1934 stand der mittlere Teil des jetzigen Kriegerdenkmals in einer Fensternische der Kirche, die beiden Steintafeln mit den Namen der getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs hingen rechts und links daneben an der Kirchenmauer. Dieser Ort verstärkte die Symbolik im Mißfeldschen Relief vom »Altar des Vaterlandes«. Das Foto ist von Osten her aufgenommen. Die Kirche brannte damals bis auf die Umfassungsmauern nieder, beim Wiederaufbau wurde das Denkmal von der Außenwand gelöst und an den Kirchhofsrand versetzt, wo man nach 1945 das Gedenken an die toten Soldaten des 2. Weltkriegs hinzufügte. In der Kirche erinnert heute nur noch ein Messing-Lorbeerblatt-Kranz am Leuchter über der sogenannten Bläserecke links vom Altar daran, dass dort eine »Heldennische« eingerichtet werden sollte. Dazu kam es nicht und es sind auch keine Pläne erhalten.

• Wir danken Pastor Dr. Palmer für die Ablichtung und die Informationen.


SH Hoernerkirchen Karte


Das »Ehrenmal« war in dieser Zeit auch ein Postkartenmotiv. Die vier Bäumchen sind hineinretuschiert worden, dem Postkartengrafiker kam die Kirchenwand wohl nicht feierlich genug vor.

...................................................................................................

Die geschichte

Das Kapitel Hörnerkirchen aus Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit (1987): »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg« können Sie hier lesen. Unser Dank gilt der Verfasserin.

Eisert-Hilbert: Hörnerkirchen

...................................................................................................

Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

Er wurde am 20. Dezember 1872 in Suchsdorf bei Kiel geboren und starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.

               SH Missfeldt 280 web


Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Bad Segeberg, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.

...................................................................................................

Notgeld aus dem Jahr 1922

Auf dem 60-Pfg-Schein der Gemeinde Brande-Hörnerkirchen werden schon die Inschriften des Kriegerdenkmals von 1922 zitiert. Auf dem 40-Pfg-Schein steht: Uns Markplatz, grot und schön den ziert en witten Steen. Dor kannst Bescheid di hahlen wat uns de Weltkrieg stahlen. Frei übersetzt ins hochdeutsche: Unsern Marktplatz, groß und schön, den ziert ein weißer Stein. Dort kannst Bescheid Dir holen, was der Weltkrieg uns gestohlen.

Auf dem Notgeld ist das frühere Denkmal, erbaut 1874, für die toten Soldaten der Kriege im 19. Jahrhundert abgebildet. Es stand in den 1920er Jahren auf dem Marktplatz. Seit es 1936 abgebaut wurde, ist das Denkmal bei der Kirche das einzige in Hörnerkirchen.

SH Hoernerkirchen Notgeld web


SH Hoernerkirchen Notgeld2 web

...................................................................................................

Eine Historische Postkarte

SH Hoernerkirchen Alte Karte1916 web


Ganz links oben das Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz, in der Mitte ein Bild der Kirche – noch ohne das neue Kriegerdenkmal in der Fensternische. Die Karte ist ca. 1915 verkauft worden.

...................................................................................................

<<< schließen


I N H A L T
Das Denkmal
Die christlichen Symbole
Die Einweihung 1921
Notgeld
Die Ergänzung
Erinnerungskultur
Die Stele
Die Kirche St. Vicentius
Die Kriegsgefangenen

...................................................................................................

Husby, Kreis schleswig-Flensburg

Auf dem Friedhof der Kirche St. Vincentius

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege ist ein mit behauenen Feldsteinen gemauerter runder Turm mit stumpfer Kegelspitze.

SH Husby ganz web

Seit er am 30. Oktober 1921 eingeweiht wurde, trägt der Turm die nach Westen gerichtete Frontplatte aus Granit mit hohem schmalen Kreuz, den über die Kreuzachsen verteilten Jahreszahlen des 1. Weltkriegs und die Widmung, unterbrochen von der Senkrechten des Kreuzes:
Den im Kampf fürs Vaterland gefallenen Heldensöhnen der Kirchengemeinde Husby

Darunter (auf dem Foto nicht zu sehen):
Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben
Bibelstelle: Offenbarung des Johannes 2, 10b

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.
Die für fast alle Denkmäler typische Kriegstodverklärung findet eine Steigerung in einer spezifisch kirchlichen Deutung – von »christlich« zu sprechen verbietet der Respekt vor dem biblisch christlichen Glauben.

  SH Husby Fronttafel web

Sieben weitere Granitplatten, um den Turm herum angebracht, nennen die Namen der 67 toten Soldaten mit Geburts- und Todes- bzw. Vermißtentag, geordnet nach Ortsteilen der Kirchengemeinde. In jede Platte ist über den Namen zwischen den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs ein Tatzenkreuz eingraviert, darunter wurde – wenn es die Länge der Namensliste zuließ – ein schmales gesenktes Schwert gesetzt. Umrahmt ist das ganze auf allen acht Platten von einer feinen Linie, alle Gravuren sind blutrot ausgemalt.

  SH Husby von hinten web

1956 wurde das Kriegerdenkmal um die Namen der 173 toten Soldaten des 2. Weltkriegs erweitert. Acht schwere Platten wurden zu Füßen des Turm in die Lücken zwischen den senkrechten Platten ringsherum auf dem Boden verlegt. Eine kleine Steinplatte nennt im Relief eines Eisernen Kreuzes die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs.

SH Husby 1939 1945 web


Erneut sind die Namen geordnet nach den Ortsteilen der Kirchengemeinde. Die Buchstaben sind erhaben gearbeitet und wieder kunstvoll ausgeblockt. Je zwei Platten tragen das gleiche christliche Symbol über der Ortsangabe.

...................................................................................................

Die christlichen symbole

Hier das Christusmonogramm IHS: Das Nomen sacrum (der heilige Name) IHS leitet sich von der Transkription der ersten beiden und des letzten Buchstaben des griechischen Namens Jesu ab. Transkription bedeutet hier »Umschrift«, d.h. die Übertragung eines sprachlichen Ausdrucks von einem Schriftsystem in ein anderes. IHS (und ihs) als Kurzform des Namens Jesus kann man in Bibeln des Mittelalters und an anderen Stellen sehr häufig finden. Bis ca. 1450 wurden in Bibeln und Urkunden die Worte Jesus und Christus und andere Nomina sacra (heilige Namen) praktisch nie ausgeschrieben. Zunächst war dieses Kürzel mit einem darüber liegenden Kürzungsstrich versehen, aus dem später ein Kreuz wurde.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 5. Februar 2017

SH Husby IHS web

 

Das Christusmonogramm ΧΡ, auch Konstantinisches Kreuz genannt, ist nach dem Kreuz und dem Fisch das am häufigsten verwendete Symbol für Jesus Christus. Es wird seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. von Christen verwendet.
Das früheste christliche Emblem – noch vor dem Kreuz – ist die Abkürzung des Titels »Christus«. Die Ähnlichkeit der griechischen Buchstaben Χ (Chi) und Ρ (Rho) mit den lateinischen Buchstaben X und P veranlasste in späterer Zeit die Interpretation des Symbols als Kurzform des lateinischen Pax (Frieden) oder Pax Christi.
Konstantin der Große soll, nach einer Vision, in der ihm gesagt wurde »In diesem Zeichen wirst du siegen«, seiner Armee befohlen haben, es auf die Schilde zu malen.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 15. Februar 2017

SH Husby PX web

Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets, sind ein Symbol für Anfang und Ende, damit für das Umfassende, für Gott. Bibelstelle: Offenbarung 1, 8: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

SH Husby A web


Der Kreis und das vierarmig-symetrische Kreuz gehören zu den elementaren graphischen Zeichen. In dieser Kombination ist das Zeichen allgemein Symbol für Kirche und steht in Legenden von Landkarten für Kirchengebäude. Hier sind dem Kreis noch Aussparungen hinzugefügt, die einem Smiley unserer Zeit ähneln.

SH Husby Smile web

All diese Symbol-Varianten sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben.

....................................................................................................

Die Einweihung 1921

»Am Sonntag, den 30. Oktober, nachmittags 2 Uhr. Glockengeläute, Anmarsch der Vereine.« Pastor Lensch aus Flensburg hielt am Denkmal die Weiherede. Umrahmt von Liedern und Ansprachen wurde die Weiheurkunde verlesen und von Bauunternehmer Asmussen eingemauert.

SH Husby 1921 10 30 Einweihung Pastor Lensch Flensburg web


SH Husby Programmseite web


Die letzte Strophe aus dem Lied »Ehrenvoll sind sie gefallen«:

Und der Nachwelt soll es künden:
Wenn ein Volk die Toten ehrt,
Wird es einst auch wieder winden
Lorbeer um des Siegers Schwert

Programmzettel

....................................................................................................

Notgeld

Auch auf Notgeldscheinen wird die Einweihung des Kriegerdenkmals 1921 dokumentiert. Damals hieß das ganze Gelände »Ehrenfriedhof«. Der allgemeine Friedhof wurde erst 1926 von Pastor Barharn eingeweiht. Als erste zivile Amtshandlung wurde dort eine Soldatenmutter beigesetzt.

SH Husby Notgeld2 web

SH Husby Notgeld web

....................................................................................................

die ergänzung

Am 10. Juni 1956 erfolgte die Einweihung der Ergänzung durch die Namensplatten für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

SH Husby Archivfoto 2 web

Dritter von links: Peter Jensen, Ausacker

SH Husby Archivfoto 4 web


Dritter von links: Nicolaus Owesen, Gremmerup. Fünfter von links: Günther Claußen, Husby. Ganz rechts: Amtmann Hansen.

SH Husby Archivfoto 3 web

Blumenkästen stehen auf den Mauervorsprüngen, das Eiserne Kreuz mit den Jahreszahlen ist von Kränzen umgeben.

SH Husby 1956 06 10 Ehrenmal web

Das Foto von 1957 zeigt die gerade erfolgte Ergänzung, der umlaufende gepflasterte Weg, freier Raum und Bänke lassen die Anlage insgesamt größer als heute erscheinen.

SH Husby Archivfoto 1 web


Wir danken Johann Adam vom Kirchenkreisarchiv für die vielen Informationen und die historischen Fotos.


....................................................................................................

Erinnerungskultur

In Deutschland war die Trauer um die getöteten Soldaten gleichzeitig verbunden mit der Erinnerung an eine Niederlage.

Das Kriegserlebnis wurde zu einem Mythos geformt, der das Sinnhafte des Kampfes und der Opfer hervorheben sollte:

»Die Erinnerung an den Krieg wurde zu einem heiligen Erlebnis umgedeutet, das der Nation eine neue Tiefe der religiösen Empfindung gab und überall präsente Heilige und Märtyrer, Stätten nationaler Andacht und ein zum Nacheifern aufforderndes Erbe lieferte.« (Mosse, 13) Der Gefallenenkult wurde zu einem zentralen Bestandteil nationaler Selbstdarstellung und entwickelte besonders in Deutschland eine gewaltige politische Wirkung.

Das Ideal der Kameradschaft wurde auf die ganze Nation ausgedehnt. Die Gedächtnisfeiern an den Ehrenmälern auf öffentlichen Plätzen betonten den Vorbildcharakter der Gemeinschaft der Frontsoldaten. Im besiegten Deutschland wurde die »Volksgemeinschaft«, aus der heraus die Nation zu neuer Stärke erwachen sollte, zum Vermächtnis, das die Gefallenen den Überlebenden hinterlassen hatten.

Die allerorts errichteten Denkmäler trugen dazu bei, diesen Sinn, der dem Soldatentod beigelegt wurde, in die Öffentlichkeit zu tragen und im Bewusstsein zu erhalten.

Die von den Nationalsozialisten angestrebte Volksgemeinschaft ist ohne das idealisierte Vorbild der Frontkameradschaft des Ersten Weltkriegs nicht vorstellbar. Der Gefallenenkult erlebte im nationalsozialistischen Deutschland dann auch seine äußerste Steigerung.

• Christian Lopau, 2017, Vortrag im Ratzeburger Dom im Begleitprogramm der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?«

www.nordkirche-nach45.de

....................................................................................................

Die Stele

An der Nordseite der Anlage steht eine aufgerichtete Steinplatte mit der Inschrift:

Gedenket der gefallenen Männer, Frauen und Kinder, der Gefangenen, Verschleppten und Vertriebenen unseres Volkes und aller Völker

Darüber ein Ankerkreuz, darunter ein Zeichen, das wie ein Stern aussieht. Bei der ausgeklügelten christlichen Symbolik der Anlage kann es sich aber auch um das Zeichen »Iota Chi« handeln. »I«, der griechische Buchstabe Iota steht für Jesus, »X«; der griechische Buchstabe Chi für Christus. Der am Rand umlaufenden Text ikann man heute kaum entziffern.

  SH Husby Stein web


Als die Stele am 10. Juni 1956 errichtet wurde, konnte man den umlaufenden Text noch lesen:

In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost ich habe die Welt überwunden Joh. 16/33

Sie stand damals noch hinter dem Denkmal, am 20. Oktober 2004 wurde sie nach vorne neben den Denkmalsturm versetzt.

       SH Husby 1956 06 10 Einweihung Stele web

Bauzeichnung Stele

....................................................................................................

Die Kirche St. Vicentius

Das Kriegerdenkmal steht in der Sichtachse zur Kirche.

SH Husby mit Kirche web


Die St. Vincentius-Kirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sie einen hölzernen Vorgängerbau gehabt. Der heutige Bau ist romanisch und aus behauenen Granit-Quadern errichtet. Das spricht für die besondere Bedeutung der Kirche, denn von den 37 erhaltenen romanischen Kirchen in Angeln sind ansonsten nur die bedeutenden Bauten in Munkbrarup, Norderbrarup und Sörup aus diesem Material. Der mächtige Turm stammt aus gotischer Zeit, ist mit Schindeln gedeckt und weithin im Land sichtbar.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 17. Februar 2017

SH Husby kirche vincentus Frank Stegemann WikimediaCommons web

Foto: Frank Stegemann/Wikimedia Commons

SH Husby UlrikeLehmann wikimediaCommons web

Foto: Ulrike Lehmann/Wikimedia Commons

....................................................................................................

Die Kriegsgefangenen

Durch die Abwanderung von jungen Frauen und Männern in die Kriegsindustrie hatte es bereits vor dem 2. Weltkrieg Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft gegeben.

Mit dem Überfall auf Polen begann dann der Einsatz von Kriegsgefangenen. 1939 wurden für Erntearbeiten im ganzen Reichsgebiet rund 30 000 eingesetzt. Anfang Oktober 1939 waren es bereits 110 000 und im Februar 1940 270 000 Kriegsgefangene. Die Gefangenen wurden zunächst in großen Durchgangslagern gesammelt und dann zu den Stammlagern (Stalags) verteilt, die der Wehrmacht unterstanden. Auf den Dörfern wurden Tanzsäle der Gastwirtschaften oder andere geeignete Unterkünfte ausgewählt. Dann wurden auf den Dörfern Wachmannschaften aus älteren Soldaten gebildet. So geschah es auch in dem beliebten Tanzlokal in Husbyries. Die Polen aus dem Husbyrieser Lager, es waren ca. 100 Mann, wurden auf Höfe in Husby, Husbyholz, Hodderup, Lutzhöft und Gremmerup verteilt, wo sie die eingezogenen Knechte ersetzten, und wo sie auch verpflegt wurden. Als Bewachung dienten fünf deutsche Soldaten unter der Führung eines Unteroffiziers.

Wir danken Claus Olsen für seine Dokumentation.

....................................................................................................

<<< schließen


I N H A L T
Das Denkmal
Ein historisches Foto
Volkstrauertage

...................................................................................................

Hutzfeld

Gepflegte Anlage vor dem Feuerwehrhaus

Das Kriegerdenkmal wurde 1928 für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs mit bunten Felssteinen errichtet. Seit Ende 1955 wurde dann über eine Neugestaltung nachgedacht. Eine Spendensammlung Ende Oktober 1962 machte die Erweiterung des Denkmals möglich. Nach einer Gemeinschaftsleistung der Dorfbewohner, die Pläne des Lehrers Matthiesen umsetzten, wurde der Umbau am 7. September 1963 eingeweiht (Quelle: Chronik von Hutzfeld von Helmut Schröder). Vor dem Denkmal wurde ein großzügiger Kiesplatz angelegt, den man über zwei gemauerte Stufe erreichte. Rechts und links wurden viereckige Pfosten als Begrenzung der Anlage aufgemauert. Die Widmung wurde in großen goldfarbenen Lettern angebracht:

Zu Ehren der Toten
1914 – 18   1939 – 45

Ein Beet in voller Länge vor der Mauer ermöglicht eine Bepflanzung. Die Pyramide mit aufgesetztem Eisernen Kreuz aus dem Jahr 1928 trägt die eingelassenen Granittafeln aus der Zeit der Errichtung.

SH Hutzfeld 2016 web


Die Inschriften lauten auf der großen zentralen Tafel, über den 24 Namen:

1914 – 1918
erlitten den Heldentod

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg vom Deutschen Reich begonnen und verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.


             SH Hutzfeld Namen web


Darunter – etwas ungelenk auf der Platte verteilt – der Bibelvers Johannes 15.13 in der Fassung der Lutherbibel von 1912:

Niemand hat größere Liebe den die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde

So spricht Jesus am Ende des Johannes-Evangeliums (15,13). Dies ist ein Beispiel für eine pseudo-biblische Legitimation des Soldatentods.


SH Hutzfeld Niemand web


An den Seiten der Pyramide auf eingelassenen Steinen:

Unser Dank

Wir für euch


SH Hutzfeld Unser web

SH Hutzfeld Wir web


Der 1. Weltkrieg wurde vom Deutschen Reich im Streben nach einer Vormachtstellung in Europa begonnen. Diese beiden Inschriften suggerieren, dass die Soldaten zur Verteidigung der Menschen in Deutschland in den Krieg gezogen sind.

...................................................................................................

Ein Historisches Foto

SH Hutzfeld alt web


Ursprünglich stand die Pyramide allein auf einer kleinen Anhöhe, ohne flankierende Mauern.

...................................................................................................

Volkstrauertage

SH Hutzfeld 1963 web


1963 – der erste Volkstrauertag nach der Umgestaltung.


SH Hutzfeld VTT 2004 web

2004 – mit Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr


SH Hutzfeld VTT 2008 web

2008 – die Fahne mit dem Leitspruch der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland:

Gott zur Ehr’ dem Nächsten zur Wehr


Wir danken Herrn Helmut Schröder aus Hutzfeld für die Informationen und die Fotos von den Volkstrauertagen.


...................................................................................................

<<< schließen


I N H A L T
Das Denkmal
Die Informationstafel
Die Geschichte
Historische Postkarten
Graf Waldersee
Freiherr von Fritsch

...................................................................................................

Itzehoe, Kreis Steinburg

Der Soldat neben der St. Laurentii-Kirche, vorm Haus der Propstei

Im August 1925 wurde das Kriegerdenkmal aufgestellt – auf einem damals freien Platz neben der St. Laurentii-Kirche. Ein sich nach unten verjüngender Sockel aus hellem Stein wurde mit einer breiten quadratischen Steinplatte belegt. Sie zeigt auf einem umlaufenden Relief vier Szenen mit Soldaten im Krieg. Oben steht ein Soldat mit Helm und Mantel, in der Hand einen großen Eichenzweig, den linken Fuß auf eine Erhöhung gestellt, die wie ein Geschütz aussieht.

Die nur noch schwer zu entziffernde Inschrift auf dem Sockel lautet:

Den Gefallenen des Feldartillerieregiments Graf Waldersee (Schl.) No. 9 des Reservefeldartillerieregiments und deren Kriegsformationen 1914-1918

Das Denkmal ist später durch zwei Gedenksteine ergänzt worden, die Reliefs aus Kupfer von Alfred Graf Waldersee und vom Freiherrn Werner von Fritsch zeigen. Sie wurden am 5. Juni 1955 enthüllt. Weitere Informationen können Sie weiter unten lesen.


SH Itzehoe Soldat

...................................................................................................

Die Informationstafel

Der Heimatverbandes für den Kreis Steinburg hat vor dem Denkmal eine Tafel aufgestellt:

Das »Neunerdenkmal« ist ein Ehren- und Mahnmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen 378 Soldaten des Feldartillerieregiments 9.

Es wurde 1925 mit Spenden aus der Bevölkerung errichtet – ein Zeichen Ihrer Verbundenheit mit den »Neunern«, dem Traditionsregiment der Itzehoer Garnison seit 1889, in dem viele Freiwillige der Stadt und aus dem Umland gedient hatten.

Ausgeführt wurde das Denkmal vom Itzehoer Steinmetzbetrieb F. Kolbe nach dem Entwurf des Bildhauers Hans Jenkel, Berlin.
Der Platz, auf dem das Denkmal steht, gehörte seit dem 12. Jahrhundert bis 1762 zum ersten Friedhof der Kirchengemeinde.
Die später an seinen Seiten hinzugefügten Gedenksteine erinnern an hochrangige Heerführer, beide ehemals Regimentschefs der Itzehoer Artilleristen.

SH Itzehoe mit Tafel

...................................................................................................

Die Geschichte

Das »Neuner-Denkmal« steht in der Kirchenstraße vor dem Propstenhaus. Es wurde am 2. August 1925 enthüllt.

Gestiftet wurde es vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe, der Kameradschaftsvereinigung des Regiments Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schlesw.) Nr. 9, der die Mittel über Spenden aufbrachte. Es soll an das Regiment, seinen Kriegsruhm und seine Gefallenen im Ersten Weltkrieg erinnern. 374 Soldaten der Itzehoer Teile des Regiments waren gefallen. Nach einer Aufstellung im Heimatbuch des Kreises Steinburg, Bd. 3 sind insgesamt 790 Soldaten aus der Stadt und der Gemeinde Klosterhof Itzehoe im 1. Weltkrieg getötet worden.

Der Entwurf des Denkmals stammt von Hans Jenekell [auf der Informationstafel des Heimatverbandes für den Kreis Steinburg steht »Hans Jenkel«], Berlin-Friedenau. Durch die Inflation bedingt konnte der Neuner-Bund die Mittel für die Bauausführung des Denkmals durch den Künstler nicht aufbringen. Die Itzehoer Firma F. Kolbe übernahm dies zu einem wesentlich niedrigeren Preis, wobei Prof. Oehler aus Hamburg die bildhauerischen Arbeiten übertragen bekam.

SH Itzehoe Errichtung web

Die Inschrift auf dem Sockel lautet:

Den Gefallenen des Feldartillerieregiments Graf Waldersee (Schl.) No.9
Des Reservefeldartillerieregiments und deren Kriegsformationen 1914-1918.

Das Regiment hatte 1889 die städtischen Kasernen in der Moltkestraße bezogen, später auch das sog. Fiskalische Kasernement an der Oelixdorfer Straße. Anfänglich hieß es Schleswigsches Feldartillerie-Regiment Nr. 9 und wurde 1901 nach ihrem Chef in Regiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schleswigsches) Nr. 9 umbenannt.

Das Denkmal wurde von zwei Seiten kritisiert. Zum einen stand die Stadt dem Projekt des Neuner-Bundes ablehnend gegenüber. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung befürchtete in dem Denkmal ein monarchisches Symbol und beschloss, sich nicht an der Finanzierung zu beteiligen. Nachdem das Denkmal aber von der Bevölkerung zum großen Teil begeistert akzeptiert wurde, hielt auch der Bürgermeister Rohde bei der Einweihung eine Festrede. Dass die Bedenken nicht unberechtigt waren, zeigt sich darin, daß viele Itzehoer bei der großangelegten zweitägigen Einweihungsfeier die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreichs hissten. Zum anderen stießen sich viele an der modernen Form des Denkmals. Sowohl am Sockel, der nach oben breiter wird und den Block mit dem Relief »emporhebt«, als auch an der Soldatenfigur, die die »Ruhe und Kraft« eines Soldaten auf Posten ausdrücken soll, schieden sich die Geister. Das Relief des Steinblocks, auf dem der Soldat steht, zeigt auf der einen Seite Kampfdarstellungen und auf der Gegenseite die »Todesruhe der zusammengeschossenen Batterie« (nach den Äußerungen des Bildhauers).

SH Itzehoe Einweihung web


                SH Itzehoe Kranz web
                 Fotos: Gemeinsames Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe

                 Im Juni 1952 in der Kirchenstraße

 

• Text zum Neuner-Denkmal aus dem Band »Itzehoe – genauer hingesehen: Wege durch die Stadt«. Herausgegeben vom Arbeitskreis Itzehoer Geschichte und dem Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe, 2000.

Wir danken Kirsten Puymann und Andrea Hahn für die historischen Fotos (Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe).

...................................................................................................

Historische Postkarten

SH Itzehoe Postkarte 1939 web

                   SH Itzehoe Postkarte alt

● So frei stand das Kriegerdenkmal in seinen ersten Jahren

SH Itzehoe Karte3 web

 

SH Itzehoe Postkarte

 

           SH Itzehoe Karte4 web

 

SH Itzehoe Karte3 web

● Ein gutes Motiv für Grüße aus Itzehoe?

...................................................................................................

Graf Waldersee

Von links guckt Graf Waldersee auf den Soldaten. Der Stein mit dem Relief aus Kupfer seiner Büste hat die Inschrift:

Dem Regimentschef (1896 - 1904)
Generalfeldmarschall Graf Waldersee
zum Andenken gewidmet
vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe

Das Relief wurde gestaltet von H. Klugt (14. Dezember 1879 - 15. Mai 1939) aus Hamburg.

SH Itzehoe links Waldersee web


Der Stein wurde am 5. Juni 1955 enthüllt.


SH Itzehoe Einweihung Waldersee web


»Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee war sechs Jahre lang Chef des Schleswigschen Feldartillerie-Regiments Nr. 9, das ab 1889 in Itzehoe stationiert war. Nach dem Ausbruch des sog. Boxeraufstandes in China im Mai 1900 wurde er Oberbefehlshaber der internationalen Armee bzw. des Expeditionskorps, die ihn niederwerfen sollten. Dem Boxeraufstand fielen viele Europäer zum Opfer, unter ihnen der Deutsche Gesandte. Boxeraufstand ist die ironische Bezeichnung der europäischen Mächte für den I-ho-ch’üan-Aufstand. Die chinesische Bewegung machte die Fremden, d.h. die Vertreter der europäischen Mächte, der USA, Rußlands und Japans für das um sich greifende Elend verantwortlich. Die Staaten hatten sich im Rahmen ihrer Kolonialpolitik in China festgesetzt. Als am stärksten gekränkte Nation übernahm Deutschland die Führung einer internationalen Truppe, um die Ordnung wiederherzustellen. Als Graf von Waldersee eintraf, war der Aufstand weitgehend niedergeworfen, und er führte nur noch blutige Strafexpeditionen durch. [...] Bei seiner Rückkehr im Jahr 1902 wurde Graf von Waldersee zum Ehrenbürger der Stadt Itzehoe ernannt. Beim Offizierskasino in der Kaiserstraße wurde ihm zu Ehren ein Gedenkstein aufgestellt. Dieser Stein wurde 1955 zum Gedenkstein am Neuner-Denkmal umgestaltet.«

zitiert aus »Itzehoe – Genauer hingesehen II«, Wege durch die Stadt. Herausgegeben vom Arbeitskreis Itzehoer Geschichte und dem Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe, 2005.

Wir danken Birgit Struck für die Bereitstellung der Publikation.

Itzehoe – Genauer hingesehen II, S. 107 - 109

 
Alfred Heinrich Karl Ludwig Graf von Waldersee, geboren am 8. April 1832 in Potsdam, gestorben am 5. März 1904 in Hannover, war ein preußischer Generalfeldmarschall. Er war von 1888 bis 1891 Chef des Großen Generalstabs und um 1900 Oberbefehlshaber eines multinationalen Truppenkontingents, das zur Niederschlagung des chinesischen »Boxeraufstands« nach Peking entsandt worden war.

Unter dem westlichen Bezeichnung »Boxeraufstand« (chinesisch: Bewegung der Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie) versteht man eine chinesische Bewegung gegen den europäischen, US-amerikanischen und japanischen Imperialismus.

In der Folge stellten sechs europäische Staaten sowie die USA und Japan ein Expeditionskorps für eine Intervention in China zusammen. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. hatte unverzüglich auf den Vorschlag einer gemeinsamen Militäraktion europäischer Staaten reagiert, weil sich in diesem Rahmen die verstärkte Rolle des Deutschen Reiches in der Weltpolitik demonstrieren ließ. Zu seiner Genugtuung konnte er erreichen, dass dem ehemaligen deutschen Generalstabschef Feldmarschall Alfred Graf von Waldersee der Oberbefehl über dieses gemeinsame Expeditionsheer übertragen wurde. Bei der Verabschiedung eines Teils der deutschen Truppen am 27. Juli in Bremerhaven hielt Wilhelm II. seine berüchtigte Hunnenrede:

»Eine große Aufgabe harrt eurer: ihr sollt das schwere Unrecht, das geschehen ist, sühnen. Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. Es ist das um so empörender, als dies Verbrechen begangen worden ist von einer Nation, die auf ihre alte Kultur stolz ist. Bewährt die alte preußische Tüchtigkeit, zeigt euch als Christen im freudigen Ertragen von Leiden, mögen Ehre und Ruhm euren Fahnen und Waffen folgen, gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel […] Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen. Pardon wird nicht gegeben, Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschlands in China in einer solchen Weise bekannt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen!«

nach Wikipedia, abgerufen am 7. Januar 2018

     SH Itzehoe Waldersee web

• Teil einer im Jahr 1901 mit der chinesischen Kaiserlichen Post in die Schweiz verschickten Postkarte.

Hauke Neddermann hat für »freedom roads! – postkoloniale Erinnerungskultur« eine Charakterisierung von Graf Waldersee geschrieben:

Waldersee

...................................................................................................

Freiherr von Fritsch

Von rechts guckt Freiherr von Fritsch auf den Soldaten. Der Stein mit dem Relief aus Kupfer seiner Büste hat die Inschrift:

Generaloberst Freiherr v. Fritsch
Oberbefehlshaber des Heeres
KDR. 2. (Preuss) Artl. Rgt
Chef Artl. Rgt. 12

Auch dieser Gedenkstein wurde vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe gestiftet. Der Entwurf stammt von Inge Blankenstein aus Itzehoe.

SH Itzehoe rechts Fritsch web

Thomas Ludwig Werner Freiherr von Fritsch, geboren am 4. August 1880 in Benrath, gestorben am 22. September 1939 bei Praga, Warschau, war ein deutscher Offizier, zuletzt Generaloberst sowie von 1936 bis zu seinem Sturz 1938 Oberbefehlshaber des Heeres.

Von April 1913 bis März 1914 gehörte er der Kriegsgeschichtlichen Abteilung II des Großen Generalstabes an, welche die Kriege Friedrichs des Großen bearbeitete, bevor er in die Aufmarsch-Abteilung versetzt wurde und somit an der deutschen Mobilmachung im August 1914 beteiligt war. Im 1. Weltkrieg diente Fritsch als Generalstabsoffizier in verschiedenen Funktionen.

Nach dem Regierungsantritt Hitlers wurde Fritsch von Hindenburg im Januar 1934 zum Chef der Heeresleitung ernannt. Im Juni 1935 wurde er Oberbefehlshaber des Heeres mit Beförderung zum Generaloberst am 20. April 1936. Er galt als Vertreter des alten, preußischen Konservatismus, was ihn in Konflikt mit Kriegsminister Werner von Blomberg und der SS brachte.

SH Itzehoe von Fritsch web
Foto: Bundesarchiv

• Werner von Fritsch (Mitte) mit Werner von Blomberg (links) und Erich Raeder (rechts) im Jahre 1936.

Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Affäre wurde Fritsch der Homosexualität bezichtigt und von seinem Posten als Oberbefehlshaber des Heeres entfernt. Es kam zu einem Prozess, in dem Fritsch am 18. März 1938 wegen erwiesener Unschuld von den Anschuldigungen freigesprochen und rehabilitiert wurde.

Am 11. August 1938 wurden Fritsch förmlich seine Rehabilitierung sowie seine Ernennung zum Chef seines alten Artillerieregiments 12 in Schwerin (Mecklenburg) bekanntgegeben.

Am 11. Dezember 1938 – also nach der Reichspogromnacht – schrieb Fritsch an Baronin Schutzbar:

»Bald nach dem Krieg kam ich zur Ansicht, daß drei Schlachten siegreich zu schlagen seien, wenn Deutschland wieder mächtig werden sollte: 1. die Schlacht gegen die Arbeiterschaft, sie hat Hitler siegreich geschlagen; 2. gegen die katholische Kirche, besser gesagt den Ultramontanismus, und 3. gegen die Juden. In diesen Kämpfen stehen wir noch mitten drin. Und der Kampf gegen die Juden ist der schwerste.«

Einen Monat vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erklärte Fritsch: »Der Endsieg ist eben nur möglich, wie der Führer betont hat, wenn das ganze Volk innerlich einig ist und fest dasteht, bereit alles einzusetzen.«

Er begleitete als Chef sein Artillerieregiment 12 im Polenfeldzug und fiel am 22. September 1939 bei Praga, einer Vorstadt von Warschau.

nach Wikipedia, abgerufen am 7. Januar 2018

................................................................................................... 

<<< schließen


I N H A L T
• 
Das Denkmal
Tote Soldaten des 2. Weltkriegs
Die jüdische Familie Eichwald
Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

....................................................................................................

Kappeln, Kreis Schleswig-Flensburg

Auf dem kirchlichen Friedhof von St. Nikolai

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs liegt perfekt in der zentralen Sichtachse des Kappeler Friedhofs.

     SH Kappeln FH Allee web

Es wurde erbaut nach einem Entwurf des Bildhauers Heinrich Missfeldt (1872 - 1945). Er zeichnet für diverse Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein verantwortlich, das in Bad Bramstedt ist dem Kappeler am ähnlichsten. Sie können es auch auf dieser Website kennenlernen.

 

SH Kappeln ganz web


Das etwa drei Meter hohe Denkmal besteht aus einem sarkophagähnlichen Sockel aus Sandstein, am Fuß ist er vierstufig gestaltet. Auf der Deckplatte kniet eine trauernde Frau, die rechte Hand ans Herz gedrückt, in der linken Hand einen Eichenlaubkranz haltend. Missfeldt hat sie dem Erscheinungsbild der Gottesmutter Maria nachempfunden. Vor ihr liegen Kriegsgerätschaften.

 

SH Kappeln Widmung web


Auf der Mitte der Frontplatte steht die Widmungsinschrift und unter einer Linie der Sinnspruch, umgeben von zwei Lorbeerzweigen, die den ehrenden Spruch verstärken sollen.

Ihren im Weltkriege 1914-18
gefallenen Söhnen in Dankbarkeit
die Kirchengemeinde Kappeln

Vaterland, für dich sterben
heißt im Andenken der Menschen
ewig leben.

In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

 

SH Kappeln Figur web

 

SH Kappeln Detail web


Vor der Trauernden und dem ehrenden Eichenlaubkranz liegen Stahlhelm, ein Kurzschwert und ein Koppel, auf dessen Schloß das Relief nicht mehr zu erkennen ist. Die übliche Zier wäre ein Reichsadler und die Aussage »Gott mit uns«.

SH Kappeln von hinten web


An allen Seiten ist die Skulptur detailreich ausgearbeitet.

SH Kappeln Seite web

 

SH Kappeln Seite Namen web


Auf acht Sandsteintafeln an den vier Seiten des Sarkophags sind 139 Namen von getöteten Soldaten graviert und in vitriolrot (ochsenblutrot) ausgemalt. Genannt werden das Initial des Vornamens, der Nachname, Geburts- und Sterbedatum, wobei letzteres nicht immer bekannt war. Auf der Südseite sind aufgeführt die Toten aus Mehlby und Kappeln; im Osten aus Kappeln, Stutebüll und Roest; im Norden aus Kappeln und im Westen aus Grimsnis, Rabel, Mehlby und Buckhagen.

SH Kappeln Kreuze web


Auf der angrenzenden Rasenfläche befinden sich 51 Kriegsgräber aus beiden Weltkriegen, teils mit Kreuzen, teils mit Bronzetafeln gekennzeichnet.

SH Kappeln Name Platte web

....................................................................................................

tote Soldaten des 2. Weltkriegs

SH Kappeln Namenplatte web

Erinnerungstafel für eine Gruppe von 13 Soldaten, die am 7. Mai 1945 getötet wurden – einen Tag vor der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.

SH Kappeln 2WK web


Diese Bodenplatte aus Metall ist den getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs gewidmet. Die 433 Namen, in zwei Spalten gesetzt, sind nach Sterbejahren geordnet, etwa ein Viertel der Sodaten ist als »VERMISST« angegeben. Oben und unten läuft das Spruchband:

Alle die gefallen in Meer und Land
sind gefallen in deine Hand.
Gib uns das Leben durch deinen Sohn
uns und den Toten vor deinem Thron.

Diese Anrufung Gottes ist einem Gedicht von Siegfried Goes entnommen, der auch als Soldat im 2. Weltkrieg getötet wurde:

All’, die gefallen in Meer und Land,
sind gefallen in deine Hand;
alle, die kämpfen im weiten Feld,
sind auf deine Gnade gestellt;
alle, die weinen in dunkler Nacht
sind von deiner Güte bewacht.
Gib uns Augen, daß wir es sehn,
wie deine Hände mit uns gehn;
gib uns Herzen, die deine Gnad
gläubig ergreifen früh und spat;
gib uns das Leben durch deinen Sohn,
uns und den Toten vor deinem Thron.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gibt auf seiner Website die Dienstgrade der getöteten Soldaten an, soweit sie bekannt sind. Dort sind für die 433 Namen auf dieser Platte alle möglichen Dienstgrade aufgeführt: vom Rottenführer bis zum Feldwebel.

....................................................................................................

Die jüdische Familie Eichwald

1989 haben sich die Lehrerin der Gorch-Fock-Schule, Elisabeth Andresen, und ihre 9. Hauptschulklasse mit dem Schicksal der Familie Eichwald beschäftigt und eine Gedenktafel auf dem Friedhof angeregt, für die sie auch den Text formuliert haben. Die Schrifttype und den Platz auf dem Friedhof hat der Kirchenvorstand der St. Nikolai-Kirche bestimmt.

SH Kappeln Eichwald web

Direkt neben der Platte für die Soldaten der Deutschen Wehrmacht, die unmittelbar und mittelbar am Massenmord an den Juden in Europa beteiligt war, liegt die Erinnerungstafel für die jüdische Familie Eichwald aus Kappeln, die Opfer des Nazi-Terrors wurde.

SH Kappeln beide web

Am 20. August 2004 hielt der Journalist Bernd Philipsen folgende Rede bei der Verlegung der Stolpersteine für die Familie Eichwald durch den Kölner Künstler Gunter Demnig:

Sieben Stolpersteine in Kappeln

Wer jemals in Auschwitz oder in einer anderen ehemaligen Todesfabrik Hitler-Deutschlands war, ist sprachlos angesichts der Monstrosität des Grauens, die jedes Vorstellungsvermögen sprengt. Dass aber hinter den endlos langen Zahlenkolonnen individuelle Lebensgeschichten und Schicksale stehen, wird einem erst dann richtig bewusst, wenn – wie heute hier – deutlich wird: es waren Nachbarn, Kollegen, Mitschüler, die zunehmend ausgegrenzt, dann verfolgt und schließlich umgebracht wurden.

Wie die Eichwalds in Kappeln. Sie waren – und ich benutze dieses Wort bewusst – echte Mitbürger, also Bürger, die mitmachen, sich einbrachten in das Kappelner Stadtleben, bürgerschaftliches Engagement übernahmen. »Ich war ein Kappelner Jung«, sagte – gewissermaßen stellvertretend für die gesamte Familie – einst Johnny Blunt, der als John Eichwald in Kappeln geboren wurde und hier seine Kindheit verbrachte.

Seit drei Generationen war die Familie Eichwald in Kappeln zu Hause. Sie besaß seit 1895 ein Textil- und Schuhwarengeschäft, später kam ein Tabakwarenladen hinzu.

SH Kappeln FamEichwald web

• Der Tabakladen der Familie Eichwald in der Mühlenstraße 36

Für Richard und Arthur Eichwald war es selbstverständlich, 1914 für Deutschland und den Kaiser in den Krieg zu ziehen. Sie bemühten sich um das Wohl der Stadt und ihrer Bürger, zum Beispiel durch ihren Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr. Oder durch ihre Mitwirkung in einer Guttemplerloge. Doch die Integration war trügerisch. Am 1. April 1933, schon kurz nach dem Machtantritt Hitlers, wurde ihr Geschäft von SA-Angehörigen boykottiert. Es sollte noch schlimmer kommen: in der Nacht zum 10. November 1938, dem so genannten Novemberpogrom, wurde die Familie Eichwald überfallen und verhaftet. In den Wohnungen kam es zu Plünderungen und Verwüstungen.

Hätten die Eltern keine Vorahnung gehabt, was noch weiter an Grausamkeiten auf jüdische Familien zukommen würde, dann hätten wir hier heute drei weitere Steine zu setzen gehabt. Die Jungs John, Kurt und Erik wurden noch 1938 mit Hilfe des Kindertransports nach England in Sicherheit gebracht. Dort überlebten sie die NS-Zeit.

SH Kappeln drei Brueder web

• Die Brüder Eichwald vor dem Tabakladen: John, der älteste der drei Eichwald-Söhne, war beim Kindertransport nach England 15, Erik war zwölf und Kurt erst zehn Jahre alt


Eltern, Großeltern und weitere Familienmitglieder der Eichwalds wurden deportiert und umgebracht:

- Senior Alfred Eichwald und seine Frau Emma wurden in Minsk ermordet
- ihre Söhne Arthur und Richard Eichwald in Neuengamme bzw. Minsk
- deren Ehefrauen Emilie Eichwald und Selly Eichwald in Minsk
- die Tochter von Alfred und Emma Eichwald, Jeanette Simenauer, ebenfalls in Minsk.

Damit war die gesamte in Deutschland verbliebene Familie Eichwald aus Kappeln ausgelöscht.

»Ob der alte Gott noch lebte? Manchmal könnte man daran verzweifeln«, schrieb Emma Eichwald 1941 angesichts der Deportationen in den Osten an Kappelner Freunde. In einem späteren Schreiben von Emma Eichwald nach Kappeln heißt es: »Wir wollen Deutschland nicht verlassen, ohne Ihnen noch Lebewohl zu sagen. Wir wurden [von Hamburg aus] evakuiert. [...] Wir werden uns wohl in diesem Leben nicht wiedersehen.«

SH Kappeln Versteigerung1939 web

• Am 21. April 1939 wurde der Hausstand der Eichwalds öffentlich versteigert.


Selbst im Tod wurden sie gedemütigt, indem ihr Name durch eine Nummer ersetzt wurde. Sie erhielten kein eigenes Grab und keinen Stein, auf dem ihr Name steht. Von heute an erinnern wenigstens kleine Steine an das Schicksal einer Kappelner Familie.

Es ist zugleich das Vermächtnis von John Eichwald, der als britischer Staatsbürger Johnny Blunt 1988 Kappeln besuchte und sich gegen ein Vergessen und Verdrängen dieses dunklen Kapitels deutscher Gesichte wandte: »Vergessen? Nein, das darf nie vergessen werden!« Insofern sind die kleinen Steine auch Stolpersteine der Lokalgeschichte.

SH Kappeln Stolpersteine Eichwald Herbstwald Wikimedia Commons web

Foto: Herbstwald / Wikimedia Commons


• Im Spätherbst 2007 wurde auf Initiative von Dietrich Weißmann, Lehrer an der Christopherus-Schule in Kappeln, und drei seiner Schüler der ehemalige »Arnisser Platz« in »Eichwaldplatz« umbenannt. Die Schüler hatten eine Projektarbeit über die Familie Eichwald geschrieben und den Antrag auf Umbenennung gestellt.

• Ein halbes Jahr haben sechs Schülerinnen und Schüler des 12. und 13. Jahrganges der Klaus-Harms-Schule und zwei Lehrer an der multimedialen Aufbereitung der jüdischen Vergangenheit von Kappeln gearbeitet. Wir verdanken ihnen die drei Bilder zur Familie Eichwald. Lesen Sie hier den Bericht:

Ein Kappeler Jung

 

• Hier noch der Link zu einem Bericht von Bernd Philipsen, erschienen im Schleiboten am 27. Januar 2009

Schleibote 2009

....................................................................................................

Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

Am 20. Dezember 1872 wurde er in Suchsdorf bei Kiel geboren, er starb am 27. Oktober 1945 in Torgau. Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Bad Segeberg, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

               SH Missfeldt 280 web

1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Missfeldts Kriegerdenkmäler in:

Schleswig-Holstein Bad Bramstedt
Schleswig-Holstein Bad Segeberg

....................................................................................................

<<< schließen


I N H A L T
• 
Das Denkmal
Ein Kommentar
Die Ergänzung
Am Volkstrauertag 2014

....................................................................................................

Kiel

Auf dem Ostfriedhof, rechts neben der Kapelle

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs ist ein rötlicher-grauer kantiger Findling aus Granit. Er ist fast zweieinhalb Meter hoch und somit der größte Stein auf dem Ostfriedhof.

SH Kiel Soldaten fern web

Am unteren Rand steht in konturierten Ziffern:
1914-18

Auf der geraden Frontseite ist das lebensgroße Relief von zwei uniformierten Soldaten herausgearbeitet und poliert worden. Sie marschieren im kraftvollen Gleichschritt mit geschulterten Gewehren, Stahlhelmen, Marschgepäck, Messer und »Knobelbechern«. Der Jüngere guckt nach vorne, der Ältere mit Backenbart schaut zurück. Das Denkmal ist 1921 errichtet worden.

SH Kiel Soldaten web

Man bekommt einen Schreck, wenn man auf die Rückseite des Kriegerdenkmals schaut. Dort liegt ein toter Soldat in Uniform und Stiefeln. Im Fallen hat er wohl ein Tuch, Vorhang, eine Fahne (?) heruntergerissen.

SH Kiel Soldat hinten2 web


Darüber steht flächefüllend die Inschrift:
Fürs Vaterland kämpften unsere Brüder 1914 bis 1918.
Viele starben den Heldentod

Es folgt ein buchstabengroßes Eisernes Kreuz.

In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Das Denkmal ehrt die getöteten deutschen Soldaten als Brüder, durch dieses Wort wird eine familiäre Verbindung hergestellt, die die Soldaten zum Kampf verpflichtet hatte. Der häufigste im Zusammenhang mit toten Soldaten ist das Wort »Helden« oder »Heldentod«. Dieser Begriff macht die toten Soldaten zu Vorbildern. Er passt zur Symbolik von Stahlhelm, Uniform, Waffen und Eisernem Kreuz. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

SH Kiel Soldat hinten1 web

...................................................................................................

Ein Kommentar

»Der Gedenkstein nimmt durch seine bildliche Ausgestaltung im Kieler Raum eine Sonderrolle ein. Er wurde möglicherweise von den Steinmetzen Dold oder Witzel geschaffen, wegen seiner künstlerischen Ausgestaltung vermutlich eher von einem studierten Bildhauer. Aufgestellt wurde er 1921. An dem Stein finden an den Volkstrauertagen seit 1952 Gedenkfeiern für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus statt. Lange erinnerte hier indes nichts an die Zeit des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg, bis die ehemalige SPD-Ratsfrau Lisel Hofer über die ›Ellerbeker Runde‹ und den Pastor der Bugenhagen-Gemeinde, Volker König, einen Zusatzstein ins Rollen brachten. So sorgte die Stadt Kiel 1983 für eine bescheidene Erweiterung der Anlage. Eine rötliche Granitplatte von 70 Zentimetern Breite wurde vor den wuchtigen Findling in den Boden gesetzt. Darauf ist in erhabenen Buchstaben eine knappe Inschrift geschlagen: ›Den Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung‹.«

• Zitiert aus Jens Rönnau, Open-Air-Galerie Kiel: Kunst und Denkmäler, Wachholtz Verlag 2011, S. 68

...................................................................................................

Die Ergänzung

1983 wurde eine rechteckige Steinplatte vor das Kriegerdenkmal gelegt. Sie trägt die Inschrift:

Den Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung

Der Millionen Opfer der Nazi-Verbrechen vor einem riesigen Stein mit zwei bewaffneten marschierenden Soldaten zu gedenken kann nicht richtig sein. Eine Tafel am Boden kann diese martialische Botschaft nicht stören.

...................................................................................................

Am Volkstrauertag 2014

SH Kiel Ostfriedhof Siegbert Brey Wikimedia Commons 1914 18 Kiel

Foto: Siegbert Brey / Wikimedia Commons

...................................................................................................

<<< schließen


I N H A L T
• 
Das Denkmal
• Die Aufschrift
Die Geschichte
Der Nordfriedhof – Marine- und Kriegsgedenkstätten
Eine historische Postkarte
1933: »Weihe des Gedenksteins«
Volkstrauertag 2015
Das Segelschulschiff Niobe

....................................................................................................

Kiel

Auf dem Nordfriedhof zwischen den Feldern III und IV

Auf einer großzügigen Fläche zwischen dem alten Teil des Friedhofs und der Anlage mit den Kriegsgräbern des 2. Weltkriegs befindet sich auf einem dreistufigen Podest das Denkmal für die getöteten Soldaten der kaiserlichen Marine im 1. Weltkrieg. Auf dem altarähnlichen Stein liegt ein Anker mit Kette, der vom kurz vorher untergegangenen Segelschulschiff Niobe (s. unten) stammen soll.

SH Kiel Marine fern web

Die Frontseite des Steinblocks trägt, unter einem Eisernen Kreuz und den Jahreszahlen 1914 und 1918, die Aufschrift:
Wir Toten fordern als unser Recht
die alte Treue vom neuen Geschlecht

SH Kiel Marine vorne web

SH Kiel Marine Inschrift web

Auf der anderen Seite steht:
Im Weltkriege starben den Heldentod 1569 Offiziere und Beamte 718 Deckoffiziere 7349 Unteroffiziere 25197 Mannschaften der Kaiserlichen Marine

SH Kiel Marine hinten web


Sehen Sie hierzu den Film »Nordkirche fordert Diskussion um Ehrenmale« im Schleswig-Holstein Magazin von Stella Peters

S-H Magazin 11.3.2018

...................................................................................................

Die Aufschrift

Die Zeilen »Wir Toten fordern als unser Recht die alte Treue vom neuen Geschlecht« wollen nicht Trauer und Erschütterung unterstützen, sie nehmen die nächsten Generationen in die Pflicht, in »alter Treue« auch ihr Leben einzusetzen. Die Haltung, die hier weitergegeben wird, ist unangefochten von Zweifeln an Recht und Notwendigkeit von Krieg. Das erste Mal wird die Formulierung »Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht« bei der Einweihung des »Marine-Ehrenmals« 1927 verwendet.

Als »ein Mahnmal der Rache« war daher auch das »Marine-Ehrenmal« in Laboe gedacht, die nationale Kriegsgedenkstätte einer privaten Organisation, des 1891 gegründeten Bundes Deutscher Marine-Vereine. (...) Am Montag, den 8. August 1927, verfolgten 10.000 Gäste die Grundsteinlegung. Unter Hammerschlägen deklamierten 22 prominente Vertreter aus Politik, Militär und Wissenschaft die unterschiedlichsten Sinnsprüche ... Als Vertreter der evangelischen Kirche erinnerte der Marineoberpfarrer Friedrich August Ronneberger in seiner Predigt darüber hinaus an das »kaudinische Joch«, unter welchem die Deutschen als »Sklaven« hindurch geschritten seien, und legte den 35.000 toten Seesoldaten folgende Formulierungen in den Mund:

»Sie rufen uns zu: ›Heraus, sofern ihr unserer noch gedenkt, die Schmach getilgt und die Ketten gesprengt! Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht.‹ Mancher Stein liegt freilich noch im Wege, aber wie einst Hermann der Cherusker bewusst die deutschen Stämme zum Kampf gegen römische Fremdherrschaft aufrief, so wird auch uns wieder ein Führer entstehen, der uns aus Nacht zum Licht führt, und der uns den Platz an der Sonne wiedergibt.«

Ronneberger zitierte in seinem martialischen Appellativ einen später von Karl Meister vertonten Zweizeiler, der von den Überlebenden »Treue« im Sinne der Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme des Krieges einfordert und sich auf mehreren Gefallenendenkmalen seiner Zeit wiederfindet. ... Überdies galten diese Zeilen für die Zeit nach 1945 weiterhin als sinnstiftend, insbesondere wenn die Stifter mangelnde Erinnerungsbereitschaft meinten beklagen zu müssen (vgl. etwa die Wiederaufnahme des Verses auf den erweiterten Kriegerdenkmälern in Stafstedt und Norderstapel in Schleswig-Holstein).

• Zitiert aus »Rache und Triumph: Krieg, Gefühle und Gedenken in der Moderne« von Loretana de Libero, 2013, Oldenbourg Wissenschaftsverlag. Frau de Libero ist Historikerin und Politikerin, von Mai 2012 bis 2015 war sie für die SPD Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, seit 2013 lehrt und forscht sie an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese.

...................................................................................................

Die Geschichte

Das von Marinebaurat Kelm und Oberintendanturrat Burmeister entworfene Denkmal wurde am 31. Mai 1933 – dem 17. Jahrestag der »Skagerrak-Schlacht« – eingeweiht. Diese Schlacht gilt als die größte Seeschlacht der Geschichte, an der 112 deutsche und 150 britische Schiffe beteiligt waren. Trotz der Übermacht der »Home Fleet« waren die Verluste auf britischer Seite erheblich größer als auf deutscher.

Die Deutschen feierten den Ausgang der Schlacht als taktischen Sieg und 2.551 ertrunkene deutsche Seemänner als »Helden«. Für die Reichsmarine war es »der größte Ruhmestag ihrer Geschichte«, der fortan alljährlich gefeiert wurde. Dieser »Ruhmestag« änderte natürlich nichts an der Übermacht der britischen Flotte und dem Kriegsverlauf.

Für die damalige Zeit bezeichnend wurde die Gedenkkultur für propagandistische Zwecke instrumentalisiert. Mit dem Sinnspruch des Denkmals wurde dem »neuen Geschlecht«, nämlich den Menschen im nationalsozialistischen Deutschland, bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem »Vaterland« abverlangt.

So stellte Marinepfarrer Sontag in seiner Weiherede fest: „Opfersinn und Pflichttreue und eine hingebende Vaterlandsliebe sind im neuen Deutschland in einem besonders starken Maße wieder erwacht.« Mit solchen Formulierungen sollte der Soldatentod als heldenhafte Aufopferung erscheinen und der wahre Grund für das tausendfache Sterben verschleiert werden.

Wir danken herzlich Waldemar Kruzel für die Recherche, für das Foto mit den Kränzen und seinen Text, den wir weitgehend übernommen haben. Vielen Dank auch Friedhofsmeister Frank Wunder, dass wir die gute Website vom Nordfriedhof »ausbeuten« durften.

...................................................................................................

Nordfriedhof – Marine- und Kriegsgedenkstätten

Seit Kiel 1865 Marinestandort wurde, haben die Seestreitkräfte viele Spuren in der Stadt hinterlassen. Die mit 16 Hektar größte Kriegsgräberstätte Kiels ist der Nordfriedhof. Auf dem Gebiet der ehemaligen Schießstände im heutigen Stadtteil Kiel-Ravensberg wurde 1878 ein Garnisonsfriedhof – der heutige Nordfriedhof – eröffnet.

SH Kiel Marinegedenkstatten web

Plan Nordfriedhof

 
Seit 1878 sind hier mehrere Tausend Seeleute, Zwangsarbeiter, Opfer standrechtlicher Erschießungen und Bombenopfer begraben worden. Neben deutschen Militärangehörigen und Zivilisten fanden auch Soldaten, Kriegsgefangene und Internierte aus dem British Commonwealth und der Sowjetunion auf dem Nordfriedhof ihre letzte Ruhestätte.

Etwa 3000 Soldatengräber befinden sich auf dem Friedhof. Sie zeugen von der Entwicklung Kiels als Marinestützpunkt und ehemaligem Kriegshafen. 1992 wurde der Friedhof zum letzten Mal vergrößert.

................................................................................................... 

Eine historische Postkarte

SH Kiel Marine Postkarte

...................................................................................................

1933: »Weihe des Gedenksteins«

Auf dem Kieler Garnisonfriedhof fand am heutigen Mittwochvormittag um 10 Uhr im Rahmen der Skagerrag-Gedenkfeiern die feierliche Enthüllung des Gedenksteins für die Gefallenen des Weltkrieges statt. An der Stelle, wo bis vor kurzem noch ein einfaches Kreuz als Erinnerung an die Opfer der Marine im großen Völkerringen stand, ist nach den Entwürfen des Marinebaurates Kelm und des Oberintendanturrates Burmeister dieser

neue Denkstein

entstanden. Auf einem mächtigen Granitsockel ruht ein Anker, das Symbol des Seemannes. Als Inschrift trägt der Stein nur den einfachen, aber doch eindringlich mahnenden Satz:

»Wir Toten fordern als unser Recht,
die alte Treue vom neuen Geschlecht!«

Auf der einen Seite des Gedenksteins haben der Marinesturm, SA., Polizei, Stahlhelm, ...., vaterländische Verbände, Kriegsvereine und auf der anderen das Musikkorps der 1. Marine-Artillerie-Abteilung sowie Abordnungen der Sperr-Abteilung der Schiffs-Artillerieschule und der Marineschule Kiel Wik Aufstellung genommen. Unter den Ehrengästen bemerkt man u. a. den früheren Stationschef Gottfried Hansen, ferner den früheren Stadtkommandanten von Klei, Konteradmiral Schumacher. Punkt 11 Uhr betritt der Stationschef Vizeadmiral Albrecht den Ehrenhain, gefolgt von den Konteradmiralen Schulze und Zander.

Sodann beginnt der feierliche Weiheakt mit dem dritten Vers des Niederländischen Dankgebets »Wir loben dich oben du Lenker der Schlachten«. Kaum sind die letzten Akkorde des Chorals verklungen, als

Marinepfarrer Sontag

den Gedenkstein betritt und in seiner Ansprache u. a. folgendes ausführt: Alljährlich feiert die Reichsmarine den 31. Mai als den größten Ruhmestag ihrer Geschichte. Skagerrak ist zu einem Gebot geworden. In seinem herben Klang vereinigt sich für uns all das, was an seinem Tage in hartem Männerkampf Großes und Tapferes geleistet wurde. Wenn wir heute feiern, so stehen wir in Ehrfurcht vor den Gefallenen dieser großen Nordseeschlacht, und das Wort Skagerrag ist zu einem mahnenden Begriff geworden, zu einem Begriff für all das, was in den harten, ernsten Zeiten des Krieges auf See an Bord deutscher Kriegsschiffe und an Land von deutschen Seemännern Großes und Tapferes geleistet wurde, zu einem Begriff für die Seegeltung des deutschen Volkes.

Darum ist auch das Ehrenmal, das heute in feierlichem Gottesdienst eingeweiht werden soll, nicht nur ein Ehrenmal für die gefallenen Kameraden der Skagerrakschlacht, sondern für alle jene, die auf See und an Land als deutsche Seeleute ihr Leben für das Vaterland dahingegeben haben.

In diesem Jahre können wir diesen Tag mit besonderem Dank und mit besonderem Stolz begehen, wenn die großen und herrlichen Eigenschaften, die den Sieg von Skagerrag ermöglichten, Opfersinn und Pflichttreue und eine hingebende Vaterlandsliebe uns im neuen Deutschland in einem besonders starken Maße wieder erwacht. Das Wort, das in den schweren Nachkriegsjahren uns die Gefallenen mahnend zuriefen: »Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht!« ist zu einem großen Teil Wirklichkeit geworden bei allen denen, in denen die Liebe zu Volk und Vaterland nicht vergessen ist, in denen, die sich in ernster und zäher Arbeit für die Freiheit und Erneuerung unseres Volkes eingesetzt haben. Heute wollen wir in Dankbarkeit aller derer gedenken, die in treuer Pflichterfüllung in der Nachkriegszeit für unser deutsches Volk eingetreten sind und ihr Leben hingaben für ihr Volk und Vaterland. Wir wollen aber auch eins nicht vergessen, unseren Herrgott, der uns diese großen Zeiten nur erleben ließ, weil seine Augen im deutschen Volke wieder treue Menschen gefunden hatten.

So wollen wir denn von dieser Skagerrakfeier hinausgehen an die Arbeit des Alltags mit dem letzten Einsatz unseres Wesens, unseres Könnens und unseres Herzens, in Treue zu Volk und Vaterland.

Nach dem Gebet weihte dann der Marinepfarrer Sontag den Gedenkstein mit folgendem Spruch ein:

»Das Ehrenmal aber sei ein Ehrenmal unerschütterlicher Dankbarkeit für unsere gefallenen Kameraden, als Gedächtnis für Deutschlands schwere aber große Zeit, als eine Mahnung deutscher Treue für nachfolgende Geschlechter!«

• Artikel in den »Kieler Neueste Nachrichten« vom 31. Mai 1933



SH Kiel Marine Artikel web

• »Kieler Neueste Nachrichten« vom 1. Juni 1933

...................................................................................................

Volkstrauertag 2015

Am Volkstrauertag 2015 wurde in Kiel das »Ehrenmal« auf dem Kieler Nordfriedhof eingefärbt. Das Nachrichtenportal Indymedia Linksunten berichtete darüber:

Jedes Jahr zum Volkstrauertag trauert die deutsche Nation um ihre Helden. Helden nach deutscher Art sind nicht Widerstands- kämpferInnen gegen den Faschismus oder Betroffene der deutschen Vernichtungsaktionen.

Lieber trauert das Land um Soldaten der deutschen Angriffskriege, faschistische Milizen und Kriegsverbrecher. Inschriften in Ehrenmälern in ganzen Land berichten von Ehre, Treue, Heldenmut und Vaterland. Auf dem hässlichen Stein, der jetzt hübsch pink erstrahlt stand »Wir Toten fordern als unser Recht die alte Treue vom neuen Geschlecht« und »Im Weltkriege starben den Heldentod 1.569 Offiziere und Beamte 718 Deckoffiziere 7.349 Unteroffiziere 25.197 Mannschaften der kaiserlichen Marine«.


...................................................................................................


SH Kiel Marine Anker web

Das Segelschulschiff Niobe

Der Anker auf dem Podest des Kriegerdenkmals für die kaiserliche Marine soll vom kurz zuvor gesunkenen Segelschulschiff Niobe stammen. Die Grab- und Gedenkstätte für die 
Besatzungsmitglieder der Niobe befindet sich inmitten von Kriegsgräbern des 1. Weltkriegs.

»Nicht klagen – Wieder wagen«
wird auf der Vorderseite gemahnt. Für die Marine, die Bevölkerung und natürlich die Angehörigen war der Untergang ein harter Schicksalsschlag. Trotz wirtschaftlich schwieriger Lage sammelte die deutsche Bevölkerung für die »Volksspende Niobe« rund eine Million Reichsmark.

Auf der Rückseite befindet sich eine in Stein eingefasst liegende Metalltafel mit den Namen und Geburtstagen der in die Heimat Überführten und in der See Gebliebenen.

Die Niobe wurde 1913 gebaut und fuhr zunächst als »Morten Jensen« unter dänischer, später als »Tyholm« unter norwegischer Flagge. Im ersten Weltkrieg wurde sie von einem deutschen U-Boot aufgebracht und fuhr daraufhin unter verschiedenen Namen. 1922 kaufte die Reichsmarine das Schiff und baute es zum Segelschulschiff um.

Am 26. Juli 1932 sank die Niobe infolge einer plötzlich aufkommenden Bö vor der Küste Fehmarns. Innerhalb weniger Minuten wurde sie auf die Seite gelegt und unter Wasser gedrückt. 69 der 109 Männer ertranken. Die anderen konnten durch die herbeieilenden Rettungsboote des Feuerschiffs und des Holzdampfers »Theresia L.M. Russ« gerettet werden.

Am 23. August 1932 fand auf dem Nordfriedhof die feierliche Beisetzung von 33 Besatzungsmitgliedern statt. Die Bevölkerung nahm großen Anteil an der Tragödie und verfolgte die Trauerfeier an den Radios.

Heute noch findet jedes Jahr eine feierliche Kranzniederlegung an der Gedenkstätte statt.

                    SH Kiel Nordfriedhof Niobe web

...................................................................................................

<<< schließen

 

I N H A L T
Das Denkmal
Der Adler

...................................................................................................

Kükels, Kreis Segeberg

An der Hauptstraße

Ein Obelisk auf einem treppenförmig gemauerten Sockel aus rötlichen Natursteinen, oben ein steinerner Adler auf einer Kugel. Errichtet wurde es im Jahr 1921.

SH Kuekels gesamt


Auf der oberen grauen Granitplatte ein Eisernes Kreuz in Kontur.

Dann die Inschrift:
Unseren Helden 1914-1918

Darunter ein Helm im Halbrelief.

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg vom Deutschen Reich begonnen und verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.

Auf der unteren Tafel steht nach den Namen die Inschrift:
Treu und tapfer bis in den Tod

Hinter den Namen und dem Todestag der Soldaten steht ein O. (Osten) oder ein W. (Westen) für das Kriegsgebiet, in dem sie getötet wurden.

SH Kuekels Tafel

 

Nachträgliche Ergänzung aus dem Jahr 1958 an beiden Seiten mit den Namen der 32 getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs mit der Inschrift:
1939 Den Toten zum Gedenken / den Lebenden zur Mahnung 1945

...................................................................................................

Der Adler

Steht für Stolz und Macht, für Weitblick, Mut und Kraft, für Kraft und Ausdauer.

Weiterer Text folgt

...................................................................................................

 

<<< schließen


I N H A L T
• 
Das Denkmal
Die Geschichte
Eine historische Postkarte
Die KZ-Gedenkstätte

....................................................................................................

Ladelund, Kreis Nordfriesland

Große Anlage an der Dorfstraße

Durch ein breites Tor, verziert mit einem großen Eisernen Kreuz betritt man die gepflegte Denkmalsanlage. In der Mitte erhebt sich auf einer Rasenfläche ein Blumenbeet in Weißrot. Ein mit Klinkersteinen im Eingangsbereich und mit rötlichen Natursteinfliesen im Rund gepflasterter Weg führt drumherum. Am äußeren Rand liegen in einem Kiesbett zwischen Zierbüschen kleine Findlingssteine mit den Namen der toten Soldaten aus dem 2. Weltkrieg. Im hinteren Bereich steht eine halbrunde Mauer aus bunten behauenen Feldsteinen.

SH Ladelund gesamt web


Im erhöhten Mittelteil befindet sich die größte Tafel mit der Widmung. Auf hellgrauem Grund sind im goldähnlichen Farbton Eisernes Kreuz und Eichenlaub im Relief herausgearbeitet. In einer Querspange darunter steht die Inschrift:

Zum Gedenken unserer Gefallenen
1914-1918 + 1939-1945
Boverstedt Ladelund Bramstedt

SH Ladelund Denkmal web


In die seitlichen Mauerteile sind je drei gleiche Namenstafeln eingelassen. Jeweils unter einem Eisernen Kreuz in Kontur stehen dort die Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs und ihr Sterbetag in schwarzer Schrift.

             SH Ladelund Detail web

Die kleinen Findlinge für die getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs im Kiesbett am Rand: Je nach Größe sind die Namen, wo vorhanden der Sterbetag, der Sterbeort und die Todesumstände (vermißt, in Kriegsgefangenschaft ...) für einen oder zwei Soldaten in die Steine graviert. Es wird ein Unterschied gemacht zwischen gef. (gefallen) und gest. (gestorben). Es ist zu vermuten, dass »gef.« der ehrenvollere Zusatz war.

SH Ladelund Steine web

 

SH Ladelund mitte web

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs stand ursprünglich auf dem Kirchhof von St. Petri in Ladelund, siehe Bild unten. Wahrscheinlich ist es nach dem 2. Weltkrieg abgetragen worden und die Namenstafeln sind in die neue Denkmalsanlage an der Dorfstraße für beide Weltkriege integriert worden.

...................................................................................................

Die geschichte

1919 Amtsbezirk Ladelund
Der Kriegerverein Ladelund und Umgebung hat beschlossen, die Errichtung eines Denkmals für unsere gefallenen Helden in die Wege zu leiten. Geplant ist ein Denkmal mit einer Gedenktafel mit den Namen sämtlicher Gefallener des Amtsbezirks Ladelund. Ein solches Denkmal erfordert, wenn etwas wirklich Hübsches geschaffen werden soll, bei den heutigen Preisen natürlich erhebliche Kosten. Aber sind wir unseren Tapferen, die für uns ihr Bestes, ihr Leben, dahingaben, nicht zu größtem Dank verpflichtet? Ist nicht das größte Opfer, das wir ihnen bringen, ein nichts gegen das, was sie gaben?

Darum: Ihr alle, die Ihr zu Hause gewesen seid, euern Geschäften nachgehen konntet, nichts von den Schrecken des Krieges merktet, und Ihr, die Ihr Eure lieben Angehörigen wieder gesund bei Euch habt, und Ihr, liebe Kameraden, die Ihr in den Gefallenen einen treuen Freund verloren, mit dem Ihr Mühen und Strapazen des Weltzuges geteilt habt, aber selbst gesund in die Heimat zurückgekehrt seid, Ihr alle, denkt an die lieben Gefallenen, tragt einen Teil Eurer ungeheuren Schuld dadurch ab, daß Ihr reichlich gebt bei der stattfindenden Sammlung für ihren Gedenkstein! Ehrt das Andenken dieser Helden dadurch, daß Ihr helft, ihnen ein würdiges Wahrzeichen zu errichten! Keiner stehe zurück!
Der Vorstand. Kriegerverein Ladelund und Umgegend


Ladelund. den 22. Januar 1920
Ein Architekt aus Flensburg war hier anwesend, um einen geeigneten Platz für den Gedenkstein für die Gefallenen des Kirchspiels auszusuchen. Es wurde hierfür der Platz vor dem Eingang zum Kirchhof vorgeschlagen. Falls der Gedenkstein dort zu stehen kommt, [soll] ein treppenförmiger Aufbau zu beiden Seiten des Kirchhofs geschaffen werden.


Kirchspiel Ladelund 1920
Da das Denkmal für unsere Gefallenen in Auftrag gegeben ist, bitte ich sämtliche Gemeindemitglieder des Kirchspiels Ladelund, – mit Ausnahme von Westre – die Angehörige im Kriege verloren haben, deren genauen Namen und Todestag mir mündlich oder schriftlich bis zum 10. Februar d. Js. mitzuteilen, da sie sonst nicht berücksichtigt werden können.
Lehrer Nissen, Ladelund


»Lecker Anzeiger«, den 1. März 1920
Der Entwurf für das Denkmal für die Gefallenen der Gemeinde Ladelund wurde den Ausschußmitgliedern von Architekt Andresen=Flensburg [vgl. Hattstedt] vorgelegt und fand allgemeine Zustimmung. Mit den Vertretern der Kirchengemeinde einigte man sich auf ein großes Steindenkmal, das auf sechs Tafeln die Namen der Gefallenen aufweist, vor dem Eingang zum Kirchhof. Dieses geplante Denkmal wird nicht nur eine würdige Ehrung der fürs Vaterland gefallenen, teuren Toten, sondern auch eine dauernde Zierde des Dorfes, sowie eine erhebliche Verbesserung und Verschönerung des Aufgangs zur Kirche sein. Allerdings werden, entsprechend der heutigen teuren Zeit, die Kosten recht erheblich sein, so daß an den Herstellungskosten noch ungefähr 5 – 6.000 M fehlen werden, für jetzige Verhältnisse ja eine verhältnismäßig geringe Summe. So hofft man denn bestimmt, daß die alte Opferfreudigkeit der Gemeinde Ladelund sich auch bei dieser guten Sache wieder beweist, und durch eine 2. Sammlung die fehlenden Mittel leicht aufgebracht werden. Mit den Vorarbeiten wird bereits in den nächsten Tagen begonnen.


30. April 1920
Zu Ehren der 1914 – 18 fürs Vaterland gefallenen und vermißten Söhne der Gemeinde Ladelund und des Gutsbezirks Boverstedt wird man am Eingang zum Kirchhof ein hübsches Denkmal errichten. Der Sockel von Feldsteinen ist fertig gestellt und die Steinplatte mit den 30 Namen der Gefallenen und Vermißten, den Gebr. Kirchhof in Flensburg in Auftrag gegeben, sind auch in etwa 14 Tagen fertig, sodaß hoffentlich die Einweihung des Denkmals um die Pfingstzeit erfolgen kann.


»Lecker Anzeiger«, den 20. Mai 1920
Die Einweihungsfeier des Denkmals für die Gefallenen wird hier in einfacher, sinniger Weise am 6. Juni begangen. Der frühere Abgeordnete Dr. Schifferer wird die Weiherede halten. Der Feier am Denkmalsplatz geht ein Kirchgang voran und folgt eine gemeinsame Kaffeetafel. Die benachbarten Kriegervereine werden gebeten, Fahnendeputationen zu entsenden. Das Denkmal wird aus einer großen Widmungstafel und fünf kleineren Tafeln bestehen. Auf der letzteren stehen 30 Namen verzeichnet, 27 sind gefallen, einer ist später an den Wunden gestorben und zwei werden vermißt.

SH Ladelund alt web


»Lecker Anzeiger«, den 13. Juni 1920
In der vollbesetzten Kirche hielt Herr Pastor Matthiesen heute nachmittag eine Predigt zu Ehren der im Kriege gefallenen Gemeindeangehörigen. Daran schloß sich die eigentliche Denkmalsweihe, die mit dem Liede »Harre meine Seele« begann. Auf Wunsch der Gemeinde hatte Dr. Schifferer, der frühere Landtagsabgeordnete des Kreises Tondern, die Weiherede übernommen. In zu Herzen gehender Weise erinnerte der Redner noch einmal an die Zeit, wo die deutschen Brüder in der Siegesgewißheit hinauszogen, um für das Vaterland zu kämpfen, an die Sieges- und die Trauerbotschaften für die Angehörigen der vielen Gefallenen und stellte sich die Frage, ob wohl alles umsonst gewesen. Er erinnerte daran, daß unsere Kämpfer die Schrecken und Verwüstungen des Krieges aus dem Lande fernhielten, daß durch den gemeinschaftlichen Kampf der deutschen Stämme die Einheit des Reiches gerettet und die Grundlage für die Wiedergeburt und die Wiederaufrichtung gegeben wurde, daß ferner die Taten der Gefallenen und das Andenken an die toten Helden den Männern und Frauen voranleuchten.


Eilt sehr  –  Bekanntmachung  –  Von Haus zu Haus
An alle Einwohner der Gemeinde Ladelund
Betrifft: Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen und Vermißten des letzten Weltkrieges.
Am Donnerstag, dem 31. Juli 1952 um 19,00 Uhr findet in der Gastwirtschaft von Carl Nissen, Ladelund eine Ortsversammlung statt, zu der alle Einwohner der Gemeinde Ladelund und Beverstedt hiermit eingeladen werden.
In dieser Versammlung soll für jeden Einwohner die Gelegenheit gegeben werden, sich zu der obigen Angelegenheit frei zu äußern, um zunächst feststellen zu können ob ein allgemeines Interesse für die Errichtung eines Ehrenmals besteht.
Ferner soll die Lage und auch die Finanzierung desselben eingehend besprochen werden.
Wegen der Aufstellung einer Liste von allen Gefallenen und Vermißten beider Weltkriege, werden die Angehörigen gleichzeitig gebeten, die noch vorhandenen Unterlagen zu der Versammlung mitzubringen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.
Die Gemeindeverwaltung, gez. Johannsen


Eilt sehr  –  Bekanntmachung  –  Von Haus zu Haus
An alle Einwohner der Gemeinde Ladelund
Betrifft: Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen.
Um den Plan zur Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen in der Gemeinde Ladelund verwirklichen zu können, tritt die Gemeindeverwaltung mit der Bitte an alle Einwohner heran, sich so viel wie möglich durch freiwillige Mitarbeit, zunächst an der Planierung und Herrichtung des vorgesehenen Platzes, zu beteiligen um dadurch die Kosten des Gesamtplanes wesentlich herabzusetzen.
Es kommen für diese Arbeiten hauptsächlich junge und kräftige Personen in Frage. Wir bitten alle Arbeitgeber ihre angestellten Arbeitskräfte einschl. der erwachsenen Söhne für einige Stunden freizugeben.
Anmeldungen zwecks Eintragung in die Liste mit Angabe der Zeit ihres Erscheinens nimmt die Gemeindeverwaltung Ladelund entgegen.
Ladelund, den 12. 11. 52         
Gemeindeverwaltung Ladelund, gez. Johannsen

 

All diese Nachrichten stammen aus dem Dorfmuseum Ladelund. Die verstorbene Frau Vollertsen hat sie gesammelt und Frau Friedrichsen hat sie für uns herausgesucht. Herzlichen Dank!

...................................................................................................

Eine historische Postkarte

SH Ladelund Karte web

...................................................................................................

Die KZ-Gedenkstätte

Hundert Meter entfernt liegt ein anderer Gedenkort Ladelunds, die älteste KZ-Gedenkstätte Schleswig-Holsteins am authentischen Ort und eine der ältesten in Deutschland. Sie ist seit ihren Anfängen eine Einrichtung in der der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Petri
 Ladelund, fest verankert in der regionalen Bevölkerung und im örtlichen Gemeindeleben. Seit 1950 leistet KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund einen wichtigen Beitrag für das historische und politisch-gesellschaftliche Bewusstsein im Lande Schleswig-Holstein. Seit 1995 wird ihre Arbeit vom Kirchenkreis Nordfriesland und
 der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland mitgetragen und begleitet.

Bereits im August 1946 fand an den Gräbern der Ladelunder KZ-Opfer die erste öffentliche Gedenkfeier statt, an der auch ehemalige Häftlinge beteiligt waren. Es war die Entscheidung der Angehörigen der Opfer, die Toten auf dem Ladelunder Friedhof zu belassen. Die Gräber wurden der Ausgangs- und Mittelpunkt einer langjährigen Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit, die von einigen Überlebenden sowie vielen Angehörigen und Nachkommen der Opfer, Einheimischen und einem engagierten Freundeskreis bis heute mitgetragen wird.

SH Ladelund KZgedenk1950 web

• 1950: Gedenken an den KZ-Gräbern mit 130 Angehörigen aus den Niederlanden. Bis heute finden diese jährlichen Begegnungen statt.

Das Lager Ladelund war eines von 87 Aussenlagern des Konzentrationslagers Hamburg-Neuengamme. Es existierte vom 1. November bis zum 16. Dezember 1944. In Ladelund wurden die Baracken des 1938 errichteten Reichsarbeitsdienstlagers verwendet. Wo der Platz in den Baracken für 200 bis 250 junge Männer im Reichsarbeitsdienst ausgelegt war, wurde nun die zehnfache Menge Menschen eingepfercht. Über 2000 Männer wurden als KZ-Häftlinge aus Neuengamme und Husum-Schwesing nach Ladelund geschafft, um Panzergräben in Zwangsarbeit und mit einfachsten Mitteln auszuheben. Die Lebensbedingungen der Häftlinge waren verheerend. Bis zur Auflösung des Lagers am 16.12.1944 starben über 300 Häftlinge an Unterernährung, Kälte, Erschöpfung, Krankheiten, Misshandlungen …

Seit 1990 erinnert eine wissenschaftliche Dauerausstellung an das Schicksal der Häftlinge und zeigt, wie es nach 1945 zu einer Annäherung zwischen Ladelundern und den Angehörigen der Opfer gekommen ist.

www.kz-gedenkstaette-ladelund.de

...................................................................................................

<<< schließen


I N H A L T
• 
Das Denkmal
Denkmal für die deutschen Kriegsgefangenen
Zwischen ...
Die erste Fassung
Historische Postkarten
Der Verband der Heimkehrer

....................................................................................................

Langstedt, Kreis Schleswig-Flensburg

In der Dorfmitte zwischen Ulmenallee und An de Brüng

Die parkähnliche Anlage ist sehr gepflegt, große Rasenflächen wechseln sich ab mit Buchenhecken, Rosenbeeten, Sandwegen, mit Granit- und Katzenkopfsteinen gepflasterten Wegen. Im zentralen Rund sind Sitzbänke aufgestellt.

SH Langstedt gesamt web


Das Rund am Ende der Anlage ist den Denkmalsteinen der getöteten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs aus Langstedt vorbehalten. Auf dem runden Rosenbeet in der Mitte steht eine hohe Säuleneiche.

SH Langstedt Denkmal web

 
Das Hauptdenkmal in der Mitte steht auf einem Sockel aus zwei Reihen gemauerter Natursteinen. Der Widmungsstein hat einen Fuß und ein geformtes Dach mit einem Stahlhelm im Relief. Das Denkmal wurde nach dem 1. Weltkrieg von der Dorfschaft Langstedt gestiftet. Die Inschrift in schwarz lautet:

Unseren tapferen Söhnen
in Ehrfurcht und Dankbarkeit

Sie stritten und litten
für deutsche Ehr

Zwischen den Jahreszahlen der beiden Weltkriege ein Eisernes Kreuz. In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Das Denkmal ehrt die getöteten deutschen Soldaten als tapfere Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: »für deutsche Ehr«. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

     SH Langstedt links web

An den Schmalseiten sind jeweils neun Namen mit Todesdatum und Sterbeort angegeben.

     SH Langstedt rechts web

Auch aus der Dorfchronik erfahren wir, dass von den 84 Soldaten, die in den 1. Weltkrieg gezogen sind, 18 getötet wurden.

 

SH Langstedt linke Seite web

 

SH Langstedt rechte Reihe web

Links und rechts vom Hauptstein wurden im Halbbogen verschieden große Findlinge gesetzt, in die die Namen der 35 im 2. Weltkrieg getöteten Soldaten aus Langstedt graviert sind.

     SH Langstedt Stein 2WK web

Angegeben sind Geburts- und Sterbedatum, der Sterbeort bzw. die Kriegsfront und gef. für gefallen, ein Kreuz für gestorben, verm. für vermisst. Auf den größeren Steinen scheinen Familienangehörige zusammengefasst worden zu sein.

 

SH Langstedt Blick vom Denkmal web

...................................................................................................

Denkmal für die Deutschen Kriegsgefangenen

Der Weg vom Denkmal führt über das Buchenheckenrund bis zu einer Stele aus Metall am anderen Ende der Anlage.

SH Langstedt Saeule web

An den Seiten und oben ist sie leicht gebogen, sie hat einen grün lackierten Fuß.

     SH Langstedt Saeule Text web

Im Text wird ein Wunsch formuliert. In großen, expressiven Lettern rechtsbündig gesetzt, lautet er:

Das Leid der Gefangenen
sei ein Baustein für die Zukunft

Welches Haus mit dem Baustein errichtet werden soll, wird nicht gesagt, erschließt sich aber zum Teil aus den Intentionen des Verbandes der Heimkehrer.

SH Langstedt Heimkehrer Sign web

Errichtet vom Verband der Heimkehrer
im Juni 1959

Lesen Sie weiter unten mehr über diesen Verband und hier noch einen von vielen, im Wesentlichen gleichlautenden, Beiträgen aus dem Jahrbuch des VdH von 1952 »Wir mahnen die Welt«:

Jahrbuch 1952

...................................................................................................

Zwischen ...

... Kriegerdenkmal und Kriegsgefangenenstele noch ein Parforceritt durch die deutsche Geschichte:

SH Langstedt 1848 web

Zur Erinnerung a. d. Erhebung
Schleswig=Holstein 1848

SH Langstedt 1990 web

... und mit schwarz-rot-goldenem Fähnchen:

3. Oktober 1990

................................................................................................... 

Die erste Fassung

 

SH Langstedt Chronik web

In der Chronik von Langstedt im Eggebeker Heimatbuch von Wilhelm Clausen findet man dieses Bild: hier sind die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs noch recht und links vom Stahlhelm graviert und die Widmung heißt:

Die Gemeinde Langstedt
ihren tapferen Söhnen

Die kleine Unterzeile ist nicht lesbar.

Zum Vergleich noch einmal die Widmung aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg:

Unseren tapferen Söhnen
in Ehrfurcht und Dankbarkeit

Sie stritten und litten
für deutsche Ehr

................................................................................................... 

Historische Postkarten

SH Langstedt Karte1920 web

• aus dem Jahr 1920: hinter dem einzeln stehenden Denkmal scheint damals noch ein Wald zu sein.

SH Langstedt Karte3 web

 

SH Langstedt Karte1972 web

Aus dem Jahr 1972: die kleinen Findlinge sind dazu gekommen, die Eiche ist gepflanzt.

................................................................................................... 

Der Verband der Heimkehrer, ...

... Kriegsgefangenen und Vermißtenangehörigen Deutschlands e. V. (VDH) besteht seit 1950. Über die auch revanchistischen Intentionen dieses Verbandes erfahren Sie mehr in einer Rezension von Elke Kimmel für den Deutschlandfunk. Birgit Schwelling: Heimkehr – Erinnerung – Integration. Der Verband der Heimkehrer, die ehemaligen Kriegsgefangenen und die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft, erschienen im Ferdinand Schöningh Verlag.

Zitat: »Dem VdH indes ging es stets um mehr als einen herzlichen Empfang für die Heimkehrer. Besonders in den ersten Jahren seines Bestehens setzte er sich massiv für die finanzielle Entschädigung der Veteranen ein. Dabei nutzte er nicht nur die emotionale Anteilnahme, die die Bevölkerung den Heimkehrern entgegen brachte, sondern er drohte auch implizit damit, dass im Falle einer ausbleibenden Wiedergutmachung eine dauerhafte Entfremdung der Kriegsgefangenen von der Gesellschaft eintreten könne, mit ähnlichen Folgen wie in der Weimarer Republik. Schwelling charakterisiert diese Mitglieder:

›Es waren ehemalige Soldaten der Wehrmacht – also einer Armee, die an einem verbrecherischen Krieg beteiligt waren – und es waren ehemalige Kriegsgefangene. Das heißt, der Krieg hat sich für diesen Personenkreis zum Teil noch bis in die Jahre 1955/56 hingezogen. Jemand, der 1940 zur Wehrmacht einzog und 1955 aus einem sowjetischen Lager zurückkehrte, hatte 15 Jahre in diesem Ausnahmezustand verbracht.‹

Die Verbandsführung wurde nie müde zu betonen, dass sie die angeblich staatsgefährdenden Veteranen im demokratischen Sinne bändige. Ein Erfolg der VdH-Politik war, dass am 30. Januar 1954 ein Entschädigungsgesetz für Kriegsgefangene in Kraft trat.«

Rezension im Dlf

...................................................................................................

<<< schließen


I N H A L T
• 
Das Denkmal
Historische Fotos
Die Findlinge
Die Kirche St. Katharinen
Lensahn

....................................................................................................

Lensahn, Kreis Ostholstein

Neben der Kirche St. Katharinen

Neben dem Haupteingang steht die zweistufige Pyramide – das Kriegerdenkmal der Dörfer für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs – kunstvoll aus bunten Feldsteinen gemauert. Auch der Vorplatz ist mit Feldsteinen gepflastert. Im Zentrum ist die siebeneckige Widmungstafel aus Granit eingelassen. Das Denkmal ist 1923 eingeweiht worden. Davor liegt eine Gedenkplatte für die Toten des 2. Weltkriegs.


SH Lensahn ganz web


Oben das Halbrelief eines Stahlhelms auf zwei gekreuzten Dolchen, darunter die Inschriften:

1914–18.
Unseren gefallenen Helden
In Dankbarkeit das Kirchspiel Lensahn

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg vom Deutschen Reich begonnen und verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.

Der 1. Weltkrieg wurde vom Deutschen Reich im Streben nach einer Vormachtstellung in Europa begonnen. Die Formulierung »In Dankbarkeit« suggeriert, dass die Soldaten zur Verteidigung der Menschen in Deutschland in den Krieg gezogen sind.

SH Lensahn Tafel web


An den Seiten sind jeweils drei große Findlinge aufgestellt. Die Inschriften und Namen sind nur noch schwer zu lesen, nur ein Eisernes Kreuz ist oben auf allen Steinen zu erkennen.

SH Lensahn links web


Einige Findlinge sind von hinten mit kleineren Steinen abgestützt. Im Hintergrund sieht man die Reste des alten Friedhofs.

SH Lensahn rechts web


Der breite Weg zum Haupteingang von St. Katharinen führt am der Denkmalsanlage vorbei. Über drei Stufen erreicht man die Pyramide.


SH Lensahn Anlage web

................................................................................................... 

Historische Fotos

SH Lensahn alt web

 

SH Lehnsan alt2 web


................................................................................................... 

Die Findlinge

SH Lensahn Stein4 web


SH Lensahn Stein2 web


SH Lensahn Stein1 web


SH Lensahn Stein5 web


SH Lensahn Stein6 web


SH Lensahn Stein3 web

 

................................................................................................... 

Die Kirche St. Katharinen

Der Baubeginn als Gründung der Schauenburger Landesherren war um das Jahr 1245. Der frühgotische Backsteinbau war ursprünglich eine flach gedeckte Kastensaalkirche, ohne Strebepfeiler und Gewölbe, ohne Chor und Turm. Der alte Eingang mit den noch erhaltenen grün-glasierten Steinen befindet sich an der Südseite.

Um 1300 erhält die Kirche ein Gewölbe, erst 1464 wird der 23 Meter hohe Turm, mit seinen massiven Mauern wirkt neben dem 36 Meter langen Kirchenschiff recht gedrungen.

1933/34 wird die Kirche umfassend saniert. Unter anderem gestaltet die Flensburger Künstlerin lna Hoßfeld die fünf Glasfenster für den Altarraum und die beiden kleinen Sakristeifenster. Dem Wunsch des damaligen Kirchenvorstandes, die Konterfeis von Adolf Hitler und Paul von Hindenburg in den Fenstern abzubilden, wurde – Gott sei Dank – nicht stattgegeben.

• Quelle: www.kirche-lensahn.de

 

SH Lensahn Kirche Gurkentee Wikimedia Commons web
Foto: Gurkentee / Wikimedia Commons


Der Blick aus der Tür fällt auf das Kriegerdenkmal.

             SH Lensahn Blick aus der Kirchentuer web


...................................................................................................

Lensahn

Lensahn war bis an die Schwelle dieses Jahrhunderts landwirtschaftlich geprägt, seit 1650 gehörte es mit dem jetzigen Gut Lensahner Hof zum Privatbesitz des Adelshauses Holstein-Gottorf, dem späteren großherzoglichen Haus Oldenburg. Weitere Güter, aus denen sich die heutigen amtsangehörigen Gemeinden des Amtes Lensahn entwickelten, kamen zum Familienbesitz hinzu. Die Hoheitsgewalt übte der Grundherr noch bis in dieses Jahrhundert hinein aus. Erst im Jahre 1928 wurden Lensahn und gleichzeitig alle anderen amtsangehörigen Gemeinden freie Gemeinden mit dem Recht auf Selbstverwaltung.

• Quelle: www.lensahn.de

...................................................................................................

<<< schließen


I N H A L T
Das Denkmal
Die neue Gedenkkultur
Volkstrauertag 2017
Der Bildhauer Fritz Behn
Der Landsturmmann in Ivenack

...................................................................................................

Lübeck

In der St. Jakobi Kirche

Das Kriegerdenkmal »Trauernder Landsturmmann«, das bis heute in der Kirche St. Jakobi in Lübeck steht, ist 1919 vom Bildhauer Fritz Behn geschaffen worden.

             SH Luebeck Landsturmmann fern web

Im September 2017 ist der steinerne Landsturmmann durch eine 8 Meter lange Stoffbahn verdeckt worden, ohne dass er dahinter komplett verschwindet. Siehe weiter unten.

             SH Luebeck Landsturmmann web


Der ca. 3 Meter große Landsturmmann hat ein Gewehr mit Bajonett in der rechten Hand. Er ist mit Uniformmantel, Koppel mit Patronentasche und Stiefeln bekleidet.

             SH Luebeck Landsturmmann Detail web

Der schnauzbärtige Landsturmmann trägt seinen Stahlhelm vor dem Herzen, der Kopf ist gesenkt. Er ist ein älterer Mann, kein junger Soldat.

SH Lubeck Jacobi Namen web

In die Ziegelsteine rechts und links vom Landsturmmann sind die Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs graviert.

SH Lubeck Jacobi Juli 2016 web neu


Viele Kerzen brennen an einem sonnigen Julitag im Jahr 2016 für den Landsturmmann.

...................................................................................................

Die Neue Gedenkkultur

Die Kirchengemeinde hatte die renommierte österreichische Künstlerin Maria Moser beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, der Gefallenen des Krieges als Opfer und nicht als Helden zu gedenken.

In ihrem Werk hat Maria Moser die Skulptur von Fritz Behn durch eine 8 Meter hohe translozierende Stoffbahn in der Form eines angedeuteten Kreuzes verdeckt, ohne dass diese dahinter komplett verschwindet. Die »Alte Gedenkkultur« tritt in den Schatten des neuen Denkens. Die Farbigkeit des mit durchsichtigen Glasfarben bemalten Stoffes, orientiert sich bewusst an der Farbigkeit der Lutherrose und soll zur Diskussion anregen, d.h. die schwarzen, roten, weißen – in Mischung von Schwarz und Weiß – auch grauen Farbtöne der Lutherrose finden sich auf der Stoffbahn wieder. Blau und Gold spiegelt sich im Wasser des quadratischen Beckens. Das Gedenken der Toten findet im Angesicht des Kreuzes statt. Der Soldat als Zeichen für die Absurdität von Krieg und Gewalt steht hinter dem lichtdurchfluteten Kreuz. Die Papierwand soll zum Beschriften von Gebeten und Wünschen einladen.

• Aus dem Informationen auf den Wänden rechts neben der Installation. Den vollständigen Text und Statements der Künstlerin und des Kurators Björn Engholm können Sie hier lesen:

Text zur Gedenkkultur


Am 9. September 2017 lud die Kirchengemeinde zur Vernissage ein.

SH Luebeck Jakobi 2017 01 web

     SH Luebeck Jakobi 2017 VTT 06 web


Die Ziegelsteine mit den Namen der toten Soldaten sind jetzt mit weißen Stoffbahnen verdeckt, damit die leuchtenden Farben der Stoffbahn besser zur Geltung kommen.

     SH Luebeck Jakobi 2017 05 web

 

SH Luebeck Jakobi 2017 VTT 05 web


Das Wasserbecken soll die Farben Blau, das Wasser und Gold, das Kerzenlicht, symbolisieren.

...................................................................................................

Volkstrauertag 2017

SH Luebeck Jakobi 2017 VTT 01 web

Während des Gottesdienstes zum Volkstrauertag gingen die Besucher für eine Gedenkminute ins nördliche Seitenschiff und stellten Kerzen auf die Glasplatte des Wasserbeckens.

Pastor Lutz Jedeck ließ in seiner Predigt mit vielen Zitaten den Geist, der in der Entstehungszeit des Denkmals herrschte, lebendig werden.

...................................................................................................

Der Bildhauer Fritz Behn

Der Münchner Bildhauer Fritz Behn (16. Juni 1878 Klein Grabow – 26. Januar 1970 München) ist ein Enkel des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Theodor Behn. Schon früh erringt er Berühmtheit mit seinen Tierplastiken, die nach seinen Reisen durch die Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (heute Tansania, Ruanda und Burundi) entstehen. Er ist ein entschiedener Befürworter der deutschen Kolonialherrschaft und Vertreter eines rigiden Herrenstandpunktes gegenüber den Kolonialvölkern. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet Behn sich als Freiwilliger und kommt an der Westfront und im Ägäischen Meer zum Einsatz.

Nach dem Krieg bewegt er sich sowohl in konservativen wie in rechtsradikalen Kreisen und vertritt nationalistische und antidemokratische Positionen. Eine Zeit lang ist er Präsident des 1920 von ihm mitbegründeten Bayerischen Ordnungsblockes, eines Verbandes völkisch-nationalistischer Organisationen. Auch in seinen zahlreichen Zeitschriftenartikeln positioniert er sich auf Seiten der extremen Rechten. Um 1920 engagiert sich Behn im Umkreis der Nationalsozialisten und soll 1923 auch der SA beigetreten sein. Bis in die 1930er Jahre hinein tritt er als Schöpfer zahlreiche Kriegerdenkmäler in Erscheinung. Außerdem ist er ein gefragter Porträtist. Im Verlauf seines Lebens entstehen über 100 Büsten, u.a. von Bach, Beethoven, Bismarck, Mussolini, Hitler, Hindenburg, Furtwängler, Schweitzer, Callas und Adenauer.

Im Jahr 1927 bekleidet er für kurze Zeit das Amt des Präsidenten der Münchner Künstlergenossenschaft. Im Mai 1928 ist Behn Mitunterzeichner des von dem NS-Chefideologen Alfred Rosenberg erlassenen Aufrufs zur Gründung des »Kampfbundes für deutsche Kultur«. Er ist »Gelegenheitsberichterstatter« im Feuilleton des NS-Kampfblattes ›Völkischer Beobachter‹. Als erklärter Gegner avantgardistischer Kunst polemisiert er gegen den »Kunstbolschewismus« und das »Chaos der Kulturzersetzung«.

Noch im Monat von Hitlers Machtübernahme votiert Behn für die Wiedereinsetzung der bayerischen Monarchie. In der Folgezeit lässt er eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem NS-Regime erkennen, wohl auch deshalb, da er keine großen Staatsaufträge erhält. Es entstehen weitere – von privaten Auftraggebern aus der Industrie finanzierte – Kriegerdenkmäler, so in Oberhausen, Hannover, Nürnberg und Osnabrück. Für die Wehrmacht entwirft er Hoheitszeichen in den Kasernenanlagen. Außerdem erhält er den Auftrag für ein Martin-Luther-Denkmal in Lübeck und das Heinrich-von-Buz-Denkmal in Augsburg.

Von 1937 bis 1940 ist Behn auf der Großen Deutschen Kunstausstellung im Münchner Haus der Deutschen Kunst vertreten.

1939 erhält er den Ruf an die Akademie der Bildenden Künste in Wien. Behn ist bei Eintritt in die Akademie nicht Mitglied der NSDAP. Von Gauleiter und Reichstatthalter der Ostmark Baldur von Schirach erhält er Aufträge für einige Porträtbüsten. Entwürfe für größere Werke, darunter ein Orpheus-Brunnen, bleiben unausgeführt, da man ihm nach Ausbruch des Krieges die Zuteilung von Bronze verweigert. 1943 erhält er den Emanuel-Geibel-Preis der Stadt Lübeck.

Im Juni 1945 wird Behn seines Amtes an der Wiener Kunstakademie enthoben. Die Spruchkammer München stuft ihn in die Gruppe 5 der Entlasteten ein. Behn lebt mittellos in seinem Landhaus in Ehrwald/Tirol.

In Günsbach im Elsass wird im Jahr 1969 das schon einige Jahre zuvor von Behn fertiggestellte Albert-Schweitzer-Denkmal eingeweiht.

Zu seinem 90. Geburtstag wird Fritz Behn mit der Lübecker Senatsplakette ausgezeichnet.

Zwischen 1973 und 2006 gibt es in Bad Dürrheim im Schwarzwald ein privates Fritz-Behn-Museum. Der Werkbestand des aufgelösten Fritz-Behn-Museums kommt im November 2007 beim Münchner Auktionshaus Neumeister zur Versteigerung. Der allergrößte Teil der Arbeiten gelangt in die private Kunstsammlung von Karl H. Knauf nach Berlin.

Text: Joachim Zeller

In der 2016 erschienen Behn-Biographie von Joachim Zeller wird die schillernde Persönlichkeit des Künstlers folgendermaßen charakterisiert:

»(…) der politisierende Bildhauer Behn hat seine Person und Lebensleistung durch seine schon lange vor 1933 begonnene Mitarbeit auf Seiten der extremen Rechten – von seinem kolonialistischen Herrenmenschentum der frühen Jahre ganz zu schweigen – diskreditiert und sich selbst ins Abseits gestellt. Er mischte in den völkischen und nationalsozialistischen Kreisen Münchens mit und bekämpfte die Republik von Weimar. (…) Politisch ein Erzkonservativer, mehr noch ein Reaktionär, ließ er die Distanz zu den totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts vermissen und machte sich sogar, wie sein Mussolini-Buch zeigt, zu deren Propagandisten (…) Überblickt man das Œuvre von Fritz Behn, wird deutlich, dass er im Großen und Ganzen keine ›Nazi-Kunst‹ lieferte, jedenfalls keine Werke im Stile von NS-Staatskünstlern wie Arno Breker oder Josef Thorak. Nicht zu übersehen ist gleichwohl, dass mancher seiner Arbeiten der braune Hauch des Nazismus entströmt. Dieser Verrat Behns an seiner Kunst ist nicht zu leugnen. Und doch, ein Protagonist der NS-Staatskunst war Behn nicht. Er erhielt keinen einzigen großen repräsentativen Auftrag von Seiten des NS-Regimes. Die damaligen Machthaber bekundeten ein nur mäßiges Interesse an seiner Kunst, obwohl sie ihm zur Professur in Wien verhalfen. Das Hauptwerk seiner Wiener Jahre, der nicht zur Ausführung gelangte Orpheus-Brunnen, kann weder ikonographisch, noch stilistisch der NS-Kunst zugeschrieben werden. Davon abgesehen ist mit dem dichotomischen Bild der ›Nazi-Kunst‹ auf der einen und der als ›entartet‹ verfemten Avantgardekunst auf der anderen Seite der Kunst in Deutschland zwischen 1933 und 1945 nicht beizukommen. Fritz Behn ist dem breiten Mittelfeld zuzurechnen, das aus einer eher traditionell, mitunter moderat-modern arbeitenden Künstlerschaft bestand. Bei alledem kann Fritz Behn, dessen bildhauerisches Werk der Wiederentdeckung harrt, zu den wichtigen Animaliers des 20. Jahrhunderts gezählt werden. Mit seinen besten Werken ist er in eine Reihe mit Tierbildhauern vom Range eines August Gaul, Rembrandt Bugatti, François Pompon, Ewald Mataré, Gerhard Marcks, Philipp Harth oder einer Renée Sintenis zu stellen. Mit ihnen zusammen trug er dazu bei, der autonomen Tierplastik zum Durchbruch zu verhelfen.«

Joachim Zeller: Wilde Moderne. Der Bildhauer Fritz Behn (1878-1970), Berlin 2016, S. 141 f

In Lübeck sind noch mehr Werke von Fritz Behn zu sehen, z.B. auf dem »Ehrenfriedhof« das Denkmal »Sterbender Krieger«:

Der Ehrenfriedhof in Lübeck

...................................................................................................


Der Landsturmmann in Ivenack

Fritz Behn hat die Figur des Landsturmmanns zweimal für eine Kirche verwendet. In Marmor steht er als Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs am Altar der Schlosskirche in Ivenack in Mecklenburg. Die Schlange, als Symbol für den Feind, liegt unter seinen Stiefeln und versinnbildlicht die damalige Vorstellung vom deutsches Heer, das »im Felde unbesiegt« gewesen sei.

     SH Luebeck Ivenack Schlosskirche WC Peter Schmelzle cc by sa 3.0 web
     Foto:Wikimedia Commons / Peter Schmelzle / cc-by-sa-3.0


»Gestiftet von dem Grafenpaar Plessen schuf Fritz Behn vor 1929 [1925] einen deutschen Frontsoldaten im Hochrelief, der betend auf einem ›besiegten Feindtier‹ (Gehrig, Von Gefallenenmälern in Mecklenburg, 1929, S. 416) steht. Mochten nach 1918 die militärische Lage, die Situation in den besetzten Gebieten ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass aggressive Motive dieser Art auf Kriegerdenkmälern weitgehend fehlten, wurde der konservierte Hass auf die belgischen, französischen oder britischen Besatzer selbst nach deren Abzug selten offen über gegnerische Landes-Allegorien kommuniziert. Die Schlange scheint im kaiserlichen wie republikanischen Deutschland nahezu das einzige emotionsfördernde Feind-Attribut, das Denkmalsstifter aus dem abendländischen Erinnerungsreservoir schöpften.«

zitiert aus Loretana de Libero, Rache und Triumph – Krieg, Gefühle und Gedenken in der Moderne, De Gruyter, S. 236

...................................................................................................

 

<<< schließen

 

I N H A L T
Der »Ehrenfriedhof«
»Helm ab zum Gebet«
Volkstrauertag
Die Entstehungsgeschichte
Der Bildhauer Richard Kuöhl
Der Bildhauer Fritz Behn
Weitere Gedenksteine
Die Idee des »Ehrenfriedhofs«
Historische Fotos

...................................................................................................

Lübeck

»Ehrenfriedhof« beim Burgtor

Auf dem »Ehrenfriedhof« werden als einzigem der fünf städtischen Friedhöfe keine Bestattungen mehr vorgenommen. Er dient als reine Gedenkstätte an die Opfer beider Weltkriege aus Lübeck und Hamburg und ist komplett mit Soldatengräbern, zivilen Kriegsopfern und Kriegerdenkmälern belegt. Da es sich bei diesen Gräbern ausschließlich um Kriegsgräber im Sinne des Gräbergesetzes handelt, laufen die Nutzungsrechte nie ab, und die Gräber werden unbegrenzt vom Bereich Stadtgrün und Verkehr der Hansestadt Lübeck gepflegt.

Der »Ehrenfriedhof« ist etwa fünf Hektar (50.000 m2) groß, umfasst 1882 Grabstätten und ca. 500 Gedenksteine. Er liegt an der Travemünder Allee in Höhe der Kreuzung Sandberg/Heiliger-Geist-Kamp und gegenüber dem Burgtorfriedhof.

...................................................................................................

»Helm ab zum Gebet«

Das Denkmal für die toten Soldaten des 3. Hanseatischen Infanterie Regiments Lübeck Nr. 162 im 1. Weltkrieg liegt im Zentrum einer halbkreisförmigen Anlage in der Hauptachse des Ehrenfriedhofs.

SH Luebeck Helm ab web 2

 

            SH Luebeck Helm ab Detail web


1924 entwarf der Bildhauer Richard Kuöhl im Auftrag des Städtischen Friedhofamtes Lübeck die vier Meter hohe Statue »Helm ab zum Gebet« aus Muschelkalk. Die vier Meter hohe Statue steht im Vorhof des Ehrenfriedhofs – dahinter eine Mauer im Halbkreis, an der für jedes Kriegsjahr eine Tafel eingelassen ist. Sie dokumentieren die Namen der getöteten Soldaten und ihre Einsatzorte. Die Statue steht auf einem runden Sockel. Sie soll einen an den Gräbern von getöteteten Kameraden verharrenden Soldaten darstellen. Er hält seinen Helm vor der Brust, steht breitbeinig da, in Uniformmantel, mit Patronengürtel und Stiefeln, sein kantiges Gesicht ist leicht gesenkt. An der Seite trägt er ein Langmesser und eine Feldflasche. Eine Tafel zwischen seinen Stiefeln zeigt das Wappen des Regiments, den Lübecker Doppeladler.

             SH Luebeck Helm ab seitlich web

Auf dem Sockel befindet sich die Inschrift:
1914 - 1918 den gefallenen Helden des Inf. Regts. Lübeck
3. Hanseatisches Nr. 162
85 Offiziere 1755 Unteroffiziere und Mannschaften

Eingerahmt wird die Inschrift von einer Zeile aus Ludwig Uhlands Gedicht »Der Gute Kamerad«:
Ich hatt’ einen Kameraden, einen bessren findst Du nicht


SH Luebeck Helm ab Inschrift web


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Kuöhls Denkmäler in:

Hamburg Dammtor
Hamburg Langenhorn
Schleswig-Holstein Rendsburg
Schleswig-Holstein Wilster
Hamburg Neuenfelde
Hamburg Finkenwerder
Schleswig-Holstein Großhansdorf
Schleswig-Holstein Neumünster
und besonders kurios Hamburg Moorburg

...................................................................................................

Volkstrauertag

SH Lubeck Volkstrauertag web

Foto: Andreas Braeger

SH Lubeck November2009 web

Foto: 1970gemini@GermanWikipedia

Alljährlich am Volkstrauertag gedenken am Kriegerdenkmal »Helm ab zum Gebet« Vertreter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge sowie Abgesandte der Hansestadt Lübeck und der politischen Parteien der getöteten Soldaten. In der Mitte des Bildes liegt der Kranz des Bundesministers der Verteidigung. Das Foto ist 2009 aufgenommen worden.

SH Lubeck Ehrenfriedhof NPD web

Aber auch die NPD und andere Neonazis fühlen sich aufgerufen, der »Helden« zu gedenken.

...................................................................................................

Die EntstehungsGeschichte

Am 29. Juli 1919 genehmigte der Senat der Freien und Hansestadt Lübeck der Abwicklungsstelle des Infanterie-Regiments Lübeck unter Verwendung der Mittel aus der regimentseigenen Loigny-Stiftung die Errichtung des Kriegerdenkmals. Es wurde zum zentralen Gedenkort des Friedhofs.

In der Jahresversammlung des Offiziervereins 162 des Jahres 1921 wurde die Errichtung eines »dem Platze würdigen Ehrenmals« beschlossen. Der Lübecker Architekt Karl von Ladiges (1878 - 1952) stand dem Projekt seit dem Frühjahr 1922 beratend zur Seite.

Es wurde ein Denkmals-Ausschuss unter dem Vorsitz des Generals von Heynitz und den Ehrenvorsitzenden Bürgermeister Neumann und General der Infanterie von Morgen gebildet.

Der Ausschuss stand mehrmals vor der Frage, angesichts der zerrinnenden Geldmittel, den Plan der Errichtung vorläufig aufzugeben.

Die Architekten Lübecks erboten sich dann aber auf Anregung von Karl von Ladiges einen Wettbewerb durchzuführen, der für den Ausschuss kostenlos sein sollte. Von Ladiges nahm daran allerdings nicht teil. Die Entscheidung fiel dann auf den Entwurf »Morituri« von Oberbaurat Virck, Architekt Meyer und dem Hamburger Bildhauer Kuöhl mit der Maßgabe, dass die kniende Figur des am Grabe seiner Kameraden betenden Kriegers aus dem Entwurf in eine aufrechte, nicht allein Trauer, sondern auch Kraft, Trotz und Vertrauen in die Zukunft dokumentierende Kriegergestalt umzuwandeln sei. Dies entspräche dem Geist ihrer 162er.

Von der Realisierung dieser Maßgabe überzeugten sich die Ausschussmitglieder in den verschiedenen Stadien der Entwicklung durch persönliche Besichtigung in der Werkstatt des Bildhauers.

Der Ausschuss erwog das Für und Wider der zur Wahl stehenden Aufstellungsorte. Sie wurden besichtigt und unter Aufstellung von Stangengerüsten verglichen. Das Regimentsdenkmal steht nun nicht irgendwo, sondern an zentraler Stelle der Hauptachse des »Ehrenfriedhofs«. Diese Stellung behielt es auch nach der Erweiterung des »Ehrenfriedhofs« durch die Opfer des 2. Weltkriegs.

Die für den 27. Juli 1924 festgesetzte feierliche Enthüllung des Denkmals musste in aller Stille erfolgen. Am 2. Regimentstag der 162er, dem 10. Mai 1925, wurde dann aber die Einweihung im festlichen Rahmen nachgeholt. Der Weihegottesdienst wurde in der überfüllten Marienkirche abgehalten, danach zog man zum »Ehrenfriedhof«, wo die Weihe von Pastor Balcke durchgeführt wurde.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 15. 4. 2015

...................................................................................................

Der Bildhauer Richard Kuöhl

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Seine handwerkliche Ausbildung als Kunsttöpfer erhielt er in einer der Modellfabriken dieses Zentrums keramischer Kunst. Nach dreijährigem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wurde er als leitender Modelleur einer bauchemischen Versuchsanstalt mit den modernsten Techniken der Tonbearbeitung vertraut. 1912 folgte er seinem Dresdener Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Dort arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren mit fast industriellem Ausstoß. Es entstanden Skulpturen in Stein, Keramik und Reliefs in Terrakotta. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

Kriegerdenkmäler gehörten während der Weimarer Republik zu den häufigsten und begehrtesten Auftragswerken deutscher Bildhauer. Auch Kuöhl hatte bereits zahlreiche Kriegerdenkmäler ausgeführt, dabei war es ihm stets gelungen, die von nationalistisch und militärisch gesinnten Kreisen mit einem »Ehrenmal« beabsichtigte politische Aussage künstlerisch zu formulieren. »Nicht Jammer und Not, sondern Mannestat und Einsatzbereitschaft, das Heldische, Kraftvolle, das ein Mahnmal verkörpern muß, zeigen die »Ehrenmäler«, die er geschaffen hat ... immer wieder spricht ein trotziges ›Dennoch!‹ aus diesen Denkmälern.

»Neben idealisierten nackten Kriegern ... hatte er in kontinuierlicher Folge eine Darstellungsform des grobschlächtigen uniformierten deutschen Soldaten entwickelt, die den Vorstellungen der neuen Auftraggeber offenbar besonders entsprach: Im Mittelpunkt des Lübecker Ehrenfriedhofs, 1924, steht breitbeinig ein Infanterist, der den Helm zum Gebet abgenommen hat. Auf dem Klinkersockel des Regimentsdenkmals in Rendsburg, 1927, lagert ein sterbender Soldat, dem der Helm herabgesunken ist. Auf dem Klinkersockel des Kriegerdenkmals in Langenhorn, 1930, beugt ein Soldat mit abgenommenem Helm das Knie vor dem toten Kameraden.

Kuöhl war mit seiner Praxis als Bauplastiker und Mitarbeiter von Architekten, mit seiner praktischen Erfahrung als einsatzbereiter Gestalter von Soldatengrabmälern und Ehrenfriedhöfen an der Front, vor allen Dingen aber mit dieser Reihe von Soldatendarstellungen, die instinktsicher das trafen, was Kriegervereine und Rechtsparteien sich unter neuer deutscher Plastik vorstellen mochten, prädestiniert für weitere und größere Aufgaben dieser Art.«

Zitat aus Volker Plagemanns Buch »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986

Eine Autorengruppe um Roland Jäger veröffentlichte 1979 ein Buch über den »Kriegsklotz« hinterm Dammtorbahnhof in Hamburg, das wohl umstrittenste Denkmal Kuöhls. Hier können Sie zwei Seiten daraus lesen:

Jäger u.a. Kuöhl, S. 28 - 31

...................................................................................................

 

Der Bildhauer Fritz Behn

Die aus ursprünglich weißem Muschelkalk gefertigte Skulptur von Fritz Behn steht auf einer halbrunden Rasenfläche des Lübecker »Ehrenfriedhofs«. Behn, geboren am 16. Juni 1878 in Klein Grabow, gestorben am 26. Januar 1970 in München, widmete die Plastik »Der sterbende Krieger« seinem Schwager, dem Hauptmann und Rechtsanwalt Dr. Küstermann. Er hatte die Skulptur schon 1916, während des Krieges, fertiggestellt (siehe auch die Postkarte weiter unten). Die Ergänzungen, Sockel und Inschriften, zum Kriegerdenkmal waren dann eine Stiftung der Witwe.

SH Luebeck FritzBehn weit web


Einem antiken griechischen Helden nachempfunden ist der Akt eines muskulösen sterbenden Kriegers, der in unnatürlicher Haltung auf dem Boden sitzt. Der Kopf mit Stahlhelm ist gesenkt, er fasst sich mit der linken Hand ans Herz und hält mit dem ausgestreckten rechten Arm sein zerbrochenes Schwert.

SH Luebeck FritzBehn vorne web

Die Inschrift vorn auf dem Sockel lautet nach einem Vers des Lübecker Schriftstellers Otto Anthes:

Der mir der Liebste war, ihm sei es ein Grüßen der Liebe
Allen, die fielen wie er, schmerzlichen Dankes ein Mal

Auf der Rückseite die Widmung:

Dem Gedenken Dr. jur. Hans Hermann Küstermann
Gefallen im Priesterwald 1915

Die Buchstaben von »Gedenk« sind zerstört worden.

             SH Luebeck FritzBehn seitlich web

Die einzelnen Felder bzw. Plätze des »Ehrenfriedhofs« liegen wegen des Gefälles der Sandbergkoppel auf unterschiedlichem Niveau. Dadurch entsteht eine natürliche Abtreppung, mit dem sterbenden Krieger im Vordergrund und der Treppe zum zentralen ovalen Feld im Hintergrund.

SH Luebeck FritzBehn hinten web

Der Münchner Bildhauer Fritz Behn (1878 – 1970) ist ein Enkel des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Theodor Behn. Schon früh erringt er Berühmtheit mit seinen Tierplastiken, die nach seinen Reisen durch die Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (heute Tansania, Ruanda und Burundi) entstehen. Er ist ein entschiedener Befürworter der deutschen Kolonialherrschaft und Vertreter eines rigiden Herrenstandpunktes gegenüber den Kolonialvölkern. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet Behn sich als Freiwilliger und kommt an der Westfront und im Ägäischen Meer zum Einsatz.

Nach dem Krieg bewegt er sich sowohl in konservativen wie in rechtsradikalen Kreisen und vertritt nationalistische und antidemokratische Positionen. Eine Zeit lang ist er Präsident des 1920 von ihm mitbegründeten Bayerischen Ordnungsblockes, eines Verbandes völkisch-nationalistischer Organisationen. Auch in seinen zahlreichen Zeitschriftenartikeln positioniert er sich auf Seiten der extremen Rechten. Um 1920 engagiert sich Behn im Umkreis der Nationalsozialisten und soll 1923 auch der SA beigetreten sein. Bis in die 1930er Jahre hinein tritt er als Schöpfer zahlreiche Kriegerdenkmäler in Erscheinung. Außerdem ist er ein gefragter Porträtist. Im Verlauf seines Lebens entstehen über 100 Büsten, u.a. von Bach, Beethoven, Bismarck, Mussolini, Hitler, Hindenburg, Furtwängler, Schweitzer, Callas und Adenauer.

Im Jahr 1927 bekleidet er für kurze Zeit das Amt des Präsidenten der Münchner Künstlergenossenschaft. Im Mai 1928 ist Behn Mitunterzeichner des von dem NS-Chefideologen Alfred Rosenberg erlassenen Aufrufs zur Gründung des »Kampfbundes für deutsche Kultur«. Er ist »Gelegenheitsberichterstatter« im Feuilleton des NS-Kampfblattes ›Völkischer Beobachter‹. Als erklärter Gegner avantgardistischer Kunst polemisiert er gegen den »Kunstbolschewismus« und das »Chaos der Kulturzersetzung«.

Noch im Monat von Hitlers Machtübernahme votiert Behn für die Wiedereinsetzung der bayerischen Monarchie. In der Folgezeit lässt er eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem NS-Regime erkennen, wohl auch deshalb, da er keine großen Staatsaufträge erhält. Es entstehen weitere – von privaten Auftraggebern aus der Industrie finanzierte – Kriegerdenkmäler, so in Oberhausen, Hannover, Nürnberg und Osnabrück. Für die Wehrmacht entwirft er Hoheitszeichen in den Kasernenanlagen. Außerdem erhält er den Auftrag für ein Martin-Luther-Denkmal in Lübeck und das Heinrich-von-Buz-Denkmal in Augsburg.

• Text: Joachim Zeller

 

In Lübeck sind noch mehr Werke von Fritz Behn zu sehen, z.B. in der Jacobikirche.

»Trauernder Landsturmmann« von Fritz Behn

...................................................................................................

Weitere Gedenksteine

              SH Lubeck Ehrenfriedhof4 web

 

             SH Lubeck Ehrenfriedhof2 web

 

             SH Lubeck Ehrenfriedhof1 web

 

             SH Lubeck Ehrenfriedhof3 web

                    Alle vier Fotos: Concord / Wikimedia Commons

...................................................................................................

Die Idee des »Ehrenfriedhofs«

SH Lubeck Ehrenfriedhof web

Foto: Peter Oldekop/Wikimedia Commons

Die Grundidee des städtischen Ehrenfriedhofs am Sandberg stammt von Harry Maasz, geboren am 5. Januar 1880 in Cloppenburg, gestorben am 24. August 1946 in Lübeck. Er war von 1912 bis 1922 Leiter des Lübecker Gartenbauamts und bezeichnete sich selbst gerne als Gartenbaukünstler. An der Anlage des Ehrenfriedhofs lässt sich erkennen, wie Harry Maasz die Topografie der Landschaft in seine Gestaltungen einbezog. Eingebettet in das Gefälle des Sandbergs verteilen sich 1.884 Gräber, davon 1.817 Kriegsgräber, sowie mehrere Skulpturen auf einzelne Felder und Plätze. Es sind mal ovale, mal runde Waldlichtungen, die verschiedenen Opfergruppen gewidmet sind. Zentrum und Ursprung der fünf Hektar großen Anlage ist seit 1915 das »ovale Feld« – ein weites Rasenfeld mit Gedenktafeln. Der Ehrenfriedhof ist die größte öffentliche Anlage, die Harry Maasz in Lübeck erschaffen hat. Er ist auch einer der Wenigen, der dort ein Nichtkriegsgrab erhalten hat.

Nach einem Text der Stadtentwicklungsbehörde Lübeck

                   SH Preetz Maazs web

• Der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz (1880 - 1946)

...................................................................................................

Historische Fotos

 

SH Lubeck Postkarte1a web

Der Hauptplatz des »Ehrenfriedhofs« im Jahr 1915 noch ohne den »sterbenden Krieger« von Fritz Behn.

SH Ehrenfriedhof Luebeck Pfingsten 1916 web

Pfingsten 1916: Gedächtnisfeier für die auf dem »Ehrenfriedhof ruhenden Helden« am 4. Juni. Pastor Ziesenitz hält die Rede.

SH Luebeck Alte KarteBehn web

Schon 1916, während des Krieges, hatte Fritz Behn den »sterbenden Krieger« fertiggestellt. Hier auf der Postkarte sehen wir ihn noch ohne den Sockel, den er auf dem »Ehrenfriedhof« erhielt.

 

SH Lubeck Postkarte1 web

Ca. 1919 ist der »sterbende Krieger« aufgestellt worden und dazu noch viele Namenstafeln für tote Soldaten des 1. Weltkriegs. Die Tafeln mit der dazugehörenden Bepflanzung wirken wie Gräber.


...................................................................................................

<<< schließen

 

I N H A L T
Das Denkmal
Die Vorgeschichte
Die Einweihung
Der Bildhauer Pagels
Die Possehl-Stiftung

...................................................................................................

Lübeck

Auf dem Marienkirchhof

Seit 1929 steht das Denkmal dicht an der Mauer der Kirche St. Marien auf einem dreistufigen Podest. Der Bildhauer Hermann Joachim Pagels aus Berlin hat es für die Kirchengemeinde aus schwedischem Granit geschaffen. Am Totensonntag 1929 wurde das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten der Gemeinde eingeweiht.

SH Luebeck St Marien web

 

Auf der Vorderseite des Hauptblocks steht die Widmung:
Die sanct Marien-Gemeinde ihren Toten
1914   1918

Später hinzugefügt wurde:

und 1939    1945

Oben läuft ein Schriftband mit dem Bibelspruch (1 Kor 13,13):
Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe

Auf der Rückseite erscheint das Werkzeichen der Marienkirche.

Auf dem Granitblock sitzt eine dornenkranzumzogene Weltkugel, die für die Trauer der ganzen Welt stehen soll. Darüber ein Kreuz aus Bronze

Der Hauptblock des Denkmals aus Granit wiegt 23 000 Kilo, er wurde mit einem Schiff aus Schweden in den Lübecker Hafen gebracht.


SH Luebeck St Marien Michael web

Auf der Ostseite steht im Schriftband die Zeile aus einem Altniederländischen Dankgebet:

Herr mach uns frei

Darunter das Relief des Drachentöters St. Michael. Siehe dazu auch die Dokumentation des Kriegerdenkmals in Heiligenhafen.

Der Erzengel Michael in Heiligenhafen

 

SH Luebeck St Marien Georg web
 
Auf der Westseite steht im Schriftband der Titel einer Kantate von Johann Sebastian Bach (BMV 197):

Gott ist unsere Zuversicht

Darunter das Relief des Drachentöters St. Jürgen.

................................................................................................... 

Die VorGeschichte

Der Plan für ein Kriegerdenkmal in St. Marien wurde schon in den Kriegsjahren gefasst. Man dachte an den Ausbau einer der größeren Seitenkapellen zu einer Ehrenhalle. Auch andere Vorschläge, die mit dem »Ehrenfriedhof« in Lübeck in Verbindung standen, wurden gemacht.

»Ehrenfriedhof«

Die anderen Hauptkirchen Lübecks stellten im Laufe der Jahre Gedenktafeln auf oder errichteten Kapellen für die im 1.Weltkrieg getöteten Soldaten ihrer Gemeinde.

Im Jahre 1920 begann auch die Marien-Gemeinde mit der Vorbereitung eines Denkmals. Auf die öffentliche Ausschreibung unter den in Lübeck geborenen oder hier wirkenden Künstlern und Kunstgewerblern wurden 48 Entwürfe von 38 Bewerbern eingereicht, die in der Bürgermeisterkapelle der Kirche öffentlich ausgestellt wurden.

Von der aus Mitgliedern des Kirchenvorstandes und Kunstsachverständigen gebildeten Jury wurden drei Entwürfe zur Ausführung vorgeschlagen: von Regierungsbaumeister a. D. Blohm und Bildhauer Oskar Ulmer (1888–1963) aus Hamburg; von den Architekten Runge & Lenschow aus Lübeck und vom Architekten Meyer ebenfalls aus Lübeck. Von den Entwürfen kam jedoch keiner zur Ausführung, alle Verhandlungen zerschlugen sich.

Nach einer langen Unterbrechung wurde 1927 die Frage durch eine Projektierung des Bildhauers Richard Kuöhl wieder aufgenommen. In einem beschränkten Wettbewerb entschied sich der Kirchenvorstand dann aber für ein vor der Kirche aufzustellendes Denkmal nach dem Entwurf des aus Lübeck stammenden Bildhauers Hermann Joachim Pagels aus Berlin und im Innern der Kirche für eine Tafel mit den Namen der toten Soldaten, für die der ebenfalls aus Lübeck stammende Bildhauer Hans Schwegerle aus München einen Entwurf in Form eines Kreuzes geliefert hatte.

Vaterstaedtische Blaetter 1929 Nr1 Bild1 web


Nachdem alle Steinbrüche in Deutschland wegen der Transportschwierigkeiten auf dem Landwege abgesagt hatten, erhielten die schwedischen Karlshällawerke den Auftrag.

Der Hauptblock des Denkmals vor der Mauer von St. Marien erreichte am 25. Juni nach dreitägiger Fahrt auf dem Schiff den Lübecker Hafen. Dort wurde er von der Steinhauerfirma Ludwig Bruhn bearbeitet. Das Gestein entspricht etwa dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Grundstein der Kirche selbst. Am Sonnabend, dem 5. Oktober 1929, legte der Kirchenvorstand von St. Marien die Urkunde, in der die Vorgeschichte des »Ehrenmals« für die 318 toten Soldaten der St. Mariengemeinde zu Lübeck erzählt wird, in den Grundstein des Denkmals und am Dienstag, den 8. Oktober, erfolgte der Transport des Hauptblocks vom Hafen zu St. Marien. Der Granitstein, der 23 000 kg wiegt, hat mit den Seitenlängen von 1,80 m x 2,70 m x 1,57 m ein Volumen von ca. 7,6 Kubikmetern. Der Wagen der Firma Joachim Parbs wurde von 16 starken Pferden gezogen.

Vaterstaedtische Blaetter 1929 Nr1 Bild2 web


In den folgenden Wochen wurden die Reliefs durch den Berliner Bildhauer Moserker auf beiden Seiten eingehauen und die Schrift durch die Steinmetze der Firma Bruhn fertiggestellt. Auf der Rückseite erscheint jetzt das Werkzeichen der Marienkirche.

Hier können Sie sich den vollständigen Artikel über die Errichtung des Kriegerdenkmals in den »Vaterstädtischen Blättern« 1929, Nr.1 lesen:

Vaterstädtische Blätter 1, 1929

................................................................................................... 

Die Einweihung

Die Einweihung des Kriegerdenkmals und der Namenstafel im Innern der Marienkirche erfolgte in einem Trauergottesdienst am Totensonntag, den 24. November 1929.

Die Gemeinde stimmte folgendes Lied an: »Ruhm und Preis sei euch gesungen, die ihr mit aller Welt gerungen und Helden bliebt im harten Streit. Eure Leiber, euer Leben habt ihr als Schutzwall hergegeben für deutscher Heimat Sicherheit. Der Freiheit golden Licht schien euch ins Angesicht noch im Sterben. Die Freiheit brach in bitt’rer Schmach! Doch eure Saat reift neuem Tag!«

Die Predigt, in der unter anderem die Namen der 318 toten Soldaten der Gemeinde verlesen wurden, hielt Hauptpastor Denker. Nach Beendigung des Gottesdienstes folgte die Gemeinde dem Kirchenvorstand, den zahlreiche Abordnungen und Fahnenträgern auf den Kirchplatz. Unter Glockengeläut und dem von der Regimentskapelle gespielten Lied »Ich hab mich ergeben« wurde der Zug am Denkmal empfangen. Nach einer stillen Andacht enthüllte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Herr Dahms, das Denkmal mit den Worten: »Möge es für alle Zeit Zeugnis darüber ablegen, dass unser Geschlecht der teuren Toten unauslöschlich gedenkt«.

Den Kranzniederlegungen folgte die Weiherede von Pastor Pautke. Mit dem Lied »Ich hatt’ einen Kameraden« schloss die Feier.

Während der in Lübeck geborene Schwegerle der Veranstaltung beiwohnte, war Pagels durch eine Verpflichtung in der Villa Hügel in Essen verhindert.

Vaterstaedtische Blaetter 1929 Nr5 web 

Hier können Sie sich den vollständigen Artikel über die Einweihung des Kriegerdenkmals in den »Vaterstädtischen Blättern« 1929, Nr.5 ansehen

Vaterstädtische Blätter 5, Einweihung 1929

...................................................................................................

Der Bildhauer Pagels

Hermann Joachim Pagels (1876 - 1959) war ein Sohn von Heinrich Pagels, dem Seniorchef der seinerzeit deutschlandweit bedeutenden Firma Heinr. Pagels in der Breiten Straße zu Lübeck, einem Porzellan- und Haushaltswarengeschäft. Er war Mitschüler von Thomas Mann auf dem Katharineum. Mit Fritz Behn (1878 - 1970) und Hans Schwegerle (1882 - 1950) bildet er eine Gruppe von fast gleichaltrigen Lübeckern, die erfolgreiche Bildhauer wurden und deren Arbeiten dem Zeitgeschmack entsprachen.

Auf dem Burgtorfriedhof schuf Pagels 1921 das Mausoleum für Emil Possehl.

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde Pagels durch seine Adolf-Hitler-Büsten bekannt. Hitler erwarb von Pagels das Werk »Schwimmerin«  für 8000 Reichsmark. Pagels Werke wurden zur NS-Zeit auch 1936 auf der »Großen Münchner Kunstausstellung« gezeigt, wo er mit Marmor- und Bronzebüsten von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt und Generaloberst Walther von Brauchitsch vertreten war. Im Haus der Deutschen Kunst in München waren 1940 unter anderem seine Bronzebüsten von Rudolf Heß, Joseph Goebbels und Benito Mussolini ausgestellt.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 24. November 2015

...................................................................................................

Die Possehl-Stiftung

Die Possehl-Gruppe mit der Holding L. Possehl & Co. mbh wurde am 1. Mai 1847 von Ludwig Possehl mit Sitz in Lübeck gegründet. Sie betrieb einen Handel mit Kohlen und Eisen. Das Erbe des Gründers ging durch seinen Sohn, Emil Possehl, in eine Stiftung über. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in der Beckergrube der Lübecker Altstadt. Heute ist die in Anteilseignerschaft der gemeinnützigen Possehl-Stiftung befindliche Possehl-Gruppe ein weltweit tätiges Unternehmen. Es werden in 62 inländischen und 97 ausländischen Unternehmen mehr als 12 000 Menschen beschäftigt. Dabei arbeiten die Unternehmen weitgehend selbstständig. Der Mischkonzern erwirtschaftete zuletzt 3,283 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 24. November 2015

Die Lübecker Nachrichten schrieben am 11. April 2015 in ihrer Onlineausgabe:

»So viele Millionen: Wie die Possehl-Stiftung zu Geld kommt«

Sie gehört zu den größten wohltätigen Einrichtungen in Lübeck. Das Geld, das die Stiftung ausgibt, verdienen aber andere. Und die machen ihren Job richtig gut.

Alle Welt blickt auf Lübeck – und aufs Hansemuseum. Zwei Tage lang tagen die sieben Außenminister der wichtigsten Industrienationen dort – sechs Wochen vor der Eröffnung. 45 Millionen Euro kostet das Hansemuseum. Die Possehl-Stiftung hat 35,6 Millionen Euro hineingesteckt, die EU 9,42 Millionen Euro, die Stadt keinen einzigen Cent.

Woher kommt das viele Geld, das die Possehl-Stiftung anscheinend mühelos in Lübeck verteilt? Nicht nur ans Hansemuseum, sondern auch die jährlichen Millionen Euro die Kitas, Jugendprojekte, Schulen, Museen und lübsche Altstadthäuser erhalten. Diese Leichtigkeit im Umgang mit Finanzen hat nichts mit Glück zu tun, sondern mit geschicktem Management. Und das sitzt im sechsten Stock im Possehl-Haus in der Beckergrube 38-52. Dort hat der Vorstand L. Possehl & Co. mhH seine Chefetage. Vorsitzender ist Uwe Lüders. Er ist der Mann, der das Geld verdient, das die Stiftung wieder ausgibt. »Er ist mehr wert als ein Sechser im Lotto«, lobt Renate Menken, Vorsitzende der Possehl-Stiftung. Sie sitzt bezeichnenderweise noch einen Stock höher – in der siebten Etage des Hauses.

Die Stiftung ist alleinige Gesellschafterin dieses riesigen Konzerns L. Possehl. Er ist weltweit tätig, besteht mittlerweile aus 140 Gesellschaften, beschäftigt mehr als 11 500 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon arbeitet in Deutschland. L. Possehl ist ein Gemischtwarenladen: Die Palette der Unternehmen reicht von Edelmetallverarbeitungs-Firmen über Hersteller von Druckmaschinen, Halbleitern und Reinigungsmaschinen. Im vergangenen Jahr hat L. Possehl einen Rekordumsatz von 3,3 Milliarden Euro gemacht. Der Gewinn vor Steuern beträgt 125 Millionen Euro. Als Lüders seinen Job 2004 anfing, lag der Umsatz bei 695 Millionen Euro – und der Gewinn vor Steuern bei 22 Millionen Euro. Lüders hat den Gewinn des Konzerns fast versechsfacht.

Die Formel für die Possehl-Stiftung als Gesellschafter ist dabei ganz einfach. Je mehr Lüders verdient, desto mehr Geld kann Menken ausgeben. Denn ein Fünftel bis ein Viertel des Gewinns fließt an die Stiftung. Der Rest der Millionen bleibt im Unternehmen – und wird dort auch gebraucht. Der Konzern wird hanseatisch, konservativ, zurückhaltend geführt – und erweitert sich dabei stetig im Stillen. Lüders hat seit 2006 immerhin 19 Firmen gekauft – die haben den Konzern in der Wirtschaftskrise 2008 so gestärkt, dass er 2009 immer noch 21 Millionen Euro Gewinn verbucht hat.

Davon profitiert die Stiftung – und somit auch Lübeck. Denn das Budget der Stiftung ist mit dem Erfolg des Konzerns gestiegen. In den 90er Jahren und um die Jahrtausendwende betrug es zwischen 3,5 und fünf Millionen Euro pro Jahr. 2012 waren es schon elf Millionen Euro — in diesem Jahr sind es satte 15 Millionen Euro. So viel wie nie. »Das Budget der Stiftung wächst jedes Jahr um eine Million Euro«, sagt Menken...«

Josephine von Zastrow

SH Luebeck St Marien Schild web

• Schild neben dem Kriegerdenkmal an der Mauer von St. Marien

...................................................................................................

<<< schließen