TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von 

Ahrensburg und Ammersbek

öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«.

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.

 


I N H A L T
Das Denkmal
Die Informationstafel
Die Geschichte
Historische Postkarten
Graf Waldersee
Freiherr von Fritsch

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Itzehoe, Kreis Steinburg

Der Soldat neben der St. Laurentii-Kirche, vorm Haus der Propstei

Im August 1925 wurde das Kriegerdenkmal aufgestellt – auf einem damals freien Platz neben der St. Laurentii-Kirche. Ein sich nach unten verjüngender Sockel aus hellem Stein wurde mit einer breiten quadratischen Steinplatte belegt. Sie zeigt auf einem umlaufenden Relief vier Szenen mit Soldaten im Krieg. Oben steht ein Soldat mit Helm und Mantel, in der Hand einen großen Eichenzweig, den linken Fuß auf eine Erhöhung gestellt, die wie ein Geschütz aussieht.

Die nur noch schwer zu entziffernde Inschrift auf dem Sockel lautet:

Den Gefallenen des Feldartillerieregiments Graf Waldersee (Schl.) No. 9 des Reservefeldartillerieregiments und deren Kriegsformationen 1914-1918

Das Denkmal ist später durch zwei Gedenksteine ergänzt worden, die Reliefs aus Kupfer von Alfred Graf Waldersee und vom Freiherrn Werner von Fritsch zeigen. Sie wurden am 5. Juni 1955 enthüllt. Weitere Informationen können Sie weiter unten lesen.


SH Itzehoe Soldat

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Die Informationstafel

Der Heimatverbandes für den Kreis Steinburg hat vor dem Denkmal eine Tafel aufgestellt:

Das »Neunerdenkmal« ist ein Ehren- und Mahnmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen 378 Soldaten des Feldartillerieregiments 9.

Es wurde 1925 mit Spenden aus der Bevölkerung errichtet – ein Zeichen Ihrer Verbundenheit mit den »Neunern«, dem Traditionsregiment der Itzehoer Garnison seit 1889, in dem viele Freiwillige der Stadt und aus dem Umland gedient hatten.

Ausgeführt wurde das Denkmal vom Itzehoer Steinmetzbetrieb F. Kolbe nach dem Entwurf des Bildhauers Hans Jenkel, Berlin.
Der Platz, auf dem das Denkmal steht, gehörte seit dem 12. Jahrhundert bis 1762 zum ersten Friedhof der Kirchengemeinde.
Die später an seinen Seiten hinzugefügten Gedenksteine erinnern an hochrangige Heerführer, beide ehemals Regimentschefs der Itzehoer Artilleristen.

SH Itzehoe mit Tafel

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Die Geschichte

Das »Neuner-Denkmal« steht in der Kirchenstraße vor dem Propstenhaus. Es wurde am 2. August 1925 enthüllt.

Gestiftet wurde es vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe, der Kameradschaftsvereinigung des Regiments Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schlesw.) Nr. 9, der die Mittel über Spenden aufbrachte. Es soll an das Regiment, seinen Kriegsruhm und seine Gefallenen im Ersten Weltkrieg erinnern. 374 Soldaten der Itzehoer Teile des Regiments waren gefallen. Nach einer Aufstellung im Heimatbuch des Kreises Steinburg, Bd. 3 sind insgesamt 790 Soldaten aus der Stadt und der Gemeinde Klosterhof Itzehoe im 1. Weltkrieg getötet worden.

Der Entwurf des Denkmals stammt von Hans Jenekell [auf der Informationstafel des Heimatverbandes für den Kreis Steinburg steht »Hans Jenkel«], Berlin-Friedenau. Durch die Inflation bedingt konnte der Neuner-Bund die Mittel für die Bauausführung des Denkmals durch den Künstler nicht aufbringen. Die Itzehoer Firma F. Kolbe übernahm dies zu einem wesentlich niedrigeren Preis, wobei Prof. Oehler aus Hamburg die bildhauerischen Arbeiten übertragen bekam.

SH Itzehoe Errichtung web

Die Inschrift auf dem Sockel lautet:

Den Gefallenen des Feldartillerieregiments Graf Waldersee (Schl.) No.9
Des Reservefeldartillerieregiments und deren Kriegsformationen 1914-1918.

Das Regiment hatte 1889 die städtischen Kasernen in der Moltkestraße bezogen, später auch das sog. Fiskalische Kasernement an der Oelixdorfer Straße. Anfänglich hieß es Schleswigsches Feldartillerie-Regiment Nr. 9 und wurde 1901 nach ihrem Chef in Regiment Generalfeldmarschall Graf Waldersee (schleswigsches) Nr. 9 umbenannt.

Das Denkmal wurde von zwei Seiten kritisiert. Zum einen stand die Stadt dem Projekt des Neuner-Bundes ablehnend gegenüber. Die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung befürchtete in dem Denkmal ein monarchisches Symbol und beschloss, sich nicht an der Finanzierung zu beteiligen. Nachdem das Denkmal aber von der Bevölkerung zum großen Teil begeistert akzeptiert wurde, hielt auch der Bürgermeister Rohde bei der Einweihung eine Festrede. Dass die Bedenken nicht unberechtigt waren, zeigt sich darin, daß viele Itzehoer bei der großangelegten zweitägigen Einweihungsfeier die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreichs hissten. Zum anderen stießen sich viele an der modernen Form des Denkmals. Sowohl am Sockel, der nach oben breiter wird und den Block mit dem Relief »emporhebt«, als auch an der Soldatenfigur, die die »Ruhe und Kraft« eines Soldaten auf Posten ausdrücken soll, schieden sich die Geister. Das Relief des Steinblocks, auf dem der Soldat steht, zeigt auf der einen Seite Kampfdarstellungen und auf der Gegenseite die »Todesruhe der zusammengeschossenen Batterie« (nach den Äußerungen des Bildhauers).

SH Itzehoe Einweihung web


                SH Itzehoe Kranz web
                 Fotos: Gemeinsames Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe

                 Im Juni 1952 in der Kirchenstraße

 

• Text zum Neuner-Denkmal aus dem Band »Itzehoe – genauer hingesehen: Wege durch die Stadt«. Herausgegeben vom Arbeitskreis Itzehoer Geschichte und dem Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe, 2000.

Wir danken Kirsten Puymann und Andrea Hahn für die historischen Fotos (Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe).

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Historische Postkarten

SH Itzehoe Postkarte 1939 web

                   SH Itzehoe Postkarte alt

● So frei stand das Kriegerdenkmal in seinen ersten Jahren

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SH Itzehoe Postkarte

 

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● Ein gutes Motiv für Grüße aus Itzehoe?

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Graf Waldersee

Von links guckt Graf Waldersee auf den Soldaten. Der Stein mit dem Relief aus Kupfer seiner Büste hat die Inschrift:

Dem Regimentschef (1896 - 1904)
Generalfeldmarschall Graf Waldersee
zum Andenken gewidmet
vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe

Das Relief wurde gestaltet von H. Klugt (14. Dezember 1879 - 15. Mai 1939) aus Hamburg.

SH Itzehoe links Waldersee web


Der Stein wurde am 5. Juni 1955 enthüllt.


SH Itzehoe Einweihung Waldersee web


»Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee war sechs Jahre lang Chef des Schleswigschen Feldartillerie-Regiments Nr. 9, das ab 1889 in Itzehoe stationiert war. Nach dem Ausbruch des sog. Boxeraufstandes in China im Mai 1900 wurde er Oberbefehlshaber der internationalen Armee bzw. des Expeditionskorps, die ihn niederwerfen sollten. Dem Boxeraufstand fielen viele Europäer zum Opfer, unter ihnen der Deutsche Gesandte. Boxeraufstand ist die ironische Bezeichnung der europäischen Mächte für den I-ho-ch’üan-Aufstand. Die chinesische Bewegung machte die Fremden, d.h. die Vertreter der europäischen Mächte, der USA, Rußlands und Japans für das um sich greifende Elend verantwortlich. Die Staaten hatten sich im Rahmen ihrer Kolonialpolitik in China festgesetzt. Als am stärksten gekränkte Nation übernahm Deutschland die Führung einer internationalen Truppe, um die Ordnung wiederherzustellen. Als Graf von Waldersee eintraf, war der Aufstand weitgehend niedergeworfen, und er führte nur noch blutige Strafexpeditionen durch. [...] Bei seiner Rückkehr im Jahr 1902 wurde Graf von Waldersee zum Ehrenbürger der Stadt Itzehoe ernannt. Beim Offizierskasino in der Kaiserstraße wurde ihm zu Ehren ein Gedenkstein aufgestellt. Dieser Stein wurde 1955 zum Gedenkstein am Neuner-Denkmal umgestaltet.«

zitiert aus »Itzehoe – Genauer hingesehen II«, Wege durch die Stadt. Herausgegeben vom Arbeitskreis Itzehoer Geschichte und dem Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe, 2005.

Wir danken Birgit Struck für die Bereitstellung der Publikation.

Itzehoe – Genauer hingesehen II, S. 107 - 109

 
Alfred Heinrich Karl Ludwig Graf von Waldersee, geboren am 8. April 1832 in Potsdam, gestorben am 5. März 1904 in Hannover, war ein preußischer Generalfeldmarschall. Er war von 1888 bis 1891 Chef des Großen Generalstabs und um 1900 Oberbefehlshaber eines multinationalen Truppenkontingents, das zur Niederschlagung des chinesischen »Boxeraufstands« nach Peking entsandt worden war.

Unter dem westlichen Bezeichnung »Boxeraufstand« (chinesisch: Bewegung der Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie) versteht man eine chinesische Bewegung gegen den europäischen, US-amerikanischen und japanischen Imperialismus.

In der Folge stellten sechs europäische Staaten sowie die USA und Japan ein Expeditionskorps für eine Intervention in China zusammen. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. hatte unverzüglich auf den Vorschlag einer gemeinsamen Militäraktion europäischer Staaten reagiert, weil sich in diesem Rahmen die verstärkte Rolle des Deutschen Reiches in der Weltpolitik demonstrieren ließ. Zu seiner Genugtuung konnte er erreichen, dass dem ehemaligen deutschen Generalstabschef Feldmarschall Alfred Graf von Waldersee der Oberbefehl über dieses gemeinsame Expeditionsheer übertragen wurde. Bei der Verabschiedung eines Teils der deutschen Truppen am 27. Juli in Bremerhaven hielt Wilhelm II. seine berüchtigte Hunnenrede:

»Eine große Aufgabe harrt eurer: ihr sollt das schwere Unrecht, das geschehen ist, sühnen. Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. Es ist das um so empörender, als dies Verbrechen begangen worden ist von einer Nation, die auf ihre alte Kultur stolz ist. Bewährt die alte preußische Tüchtigkeit, zeigt euch als Christen im freudigen Ertragen von Leiden, mögen Ehre und Ruhm euren Fahnen und Waffen folgen, gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel […] Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen. Pardon wird nicht gegeben, Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschlands in China in einer solchen Weise bekannt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen!«

nach Wikipedia, abgerufen am 7. Januar 2018

     SH Itzehoe Waldersee web

• Teil einer im Jahr 1901 mit der chinesischen Kaiserlichen Post in die Schweiz verschickten Postkarte.

Hauke Neddermann hat für »freedom roads! – postkoloniale Erinnerungskultur« eine Charakterisierung von Graf Waldersee geschrieben:

Waldersee

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Freiherr von Fritsch

Von rechts guckt Freiherr von Fritsch auf den Soldaten. Der Stein mit dem Relief aus Kupfer seiner Büste hat die Inschrift:

Generaloberst Freiherr v. Fritsch
Oberbefehlshaber des Heeres
KDR. 2. (Preuss) Artl. Rgt
Chef Artl. Rgt. 12

Auch dieser Gedenkstein wurde vom Neunerbund Hamburg-Itzehoe gestiftet. Der Entwurf stammt von Inge Blankenstein aus Itzehoe.

SH Itzehoe rechts Fritsch web

Thomas Ludwig Werner Freiherr von Fritsch, geboren am 4. August 1880 in Benrath, gestorben am 22. September 1939 bei Praga, Warschau, war ein deutscher Offizier, zuletzt Generaloberst sowie von 1936 bis zu seinem Sturz 1938 Oberbefehlshaber des Heeres.

Von April 1913 bis März 1914 gehörte er der Kriegsgeschichtlichen Abteilung II des Großen Generalstabes an, welche die Kriege Friedrichs des Großen bearbeitete, bevor er in die Aufmarsch-Abteilung versetzt wurde und somit an der deutschen Mobilmachung im August 1914 beteiligt war. Im 1. Weltkrieg diente Fritsch als Generalstabsoffizier in verschiedenen Funktionen.

Nach dem Regierungsantritt Hitlers wurde Fritsch von Hindenburg im Januar 1934 zum Chef der Heeresleitung ernannt. Im Juni 1935 wurde er Oberbefehlshaber des Heeres mit Beförderung zum Generaloberst am 20. April 1936. Er galt als Vertreter des alten, preußischen Konservatismus, was ihn in Konflikt mit Kriegsminister Werner von Blomberg und der SS brachte.

SH Itzehoe von Fritsch web
Foto: Bundesarchiv

• Werner von Fritsch (Mitte) mit Werner von Blomberg (links) und Erich Raeder (rechts) im Jahre 1936.

Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Affäre wurde Fritsch der Homosexualität bezichtigt und von seinem Posten als Oberbefehlshaber des Heeres entfernt. Es kam zu einem Prozess, in dem Fritsch am 18. März 1938 wegen erwiesener Unschuld von den Anschuldigungen freigesprochen und rehabilitiert wurde.

Am 11. August 1938 wurden Fritsch förmlich seine Rehabilitierung sowie seine Ernennung zum Chef seines alten Artillerieregiments 12 in Schwerin (Mecklenburg) bekanntgegeben.

Am 11. Dezember 1938 – also nach der Reichspogromnacht – schrieb Fritsch an Baronin Schutzbar:

»Bald nach dem Krieg kam ich zur Ansicht, daß drei Schlachten siegreich zu schlagen seien, wenn Deutschland wieder mächtig werden sollte: 1. die Schlacht gegen die Arbeiterschaft, sie hat Hitler siegreich geschlagen; 2. gegen die katholische Kirche, besser gesagt den Ultramontanismus, und 3. gegen die Juden. In diesen Kämpfen stehen wir noch mitten drin. Und der Kampf gegen die Juden ist der schwerste.«

Einen Monat vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erklärte Fritsch: »Der Endsieg ist eben nur möglich, wie der Führer betont hat, wenn das ganze Volk innerlich einig ist und fest dasteht, bereit alles einzusetzen.«

Er begleitete als Chef sein Artillerieregiment 12 im Polenfeldzug und fiel am 22. September 1939 bei Praga, einer Vorstadt von Warschau.

nach Wikipedia, abgerufen am 7. Januar 2018

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I N H A L T
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Das Denkmal
Tote Soldaten des 2. Weltkriegs
Die jüdische Familie Eichwald
Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

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Kappeln, Kreis Schleswig-Flensburg

Auf dem kirchlichen Friedhof von St. Nikolai

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs liegt perfekt in der zentralen Sichtachse des Kappeler Friedhofs.

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Es wurde erbaut nach einem Entwurf des Bildhauers Heinrich Missfeldt (1872 - 1945). Er zeichnet für diverse Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein verantwortlich, das in Bad Bramstedt ist dem Kappeler am ähnlichsten. Sie können es auch auf dieser Website kennenlernen.

 

SH Kappeln ganz web


Das etwa drei Meter hohe Denkmal besteht aus einem sarkophagähnlichen Sockel aus Sandstein, am Fuß ist er vierstufig gestaltet. Auf der Deckplatte kniet eine trauernde Frau, die rechte Hand ans Herz gedrückt, in der linken Hand einen Eichenlaubkranz haltend. Missfeldt hat sie dem Erscheinungsbild der Gottesmutter Maria nachempfunden. Vor ihr liegen Kriegsgerätschaften.

 

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Auf der Mitte der Frontplatte steht die Widmungsinschrift und unter einer Linie der Sinnspruch, umgeben von zwei Lorbeerzweigen, die den ehrenden Spruch verstärken sollen.

Ihren im Weltkriege 1914-18
gefallenen Söhnen in Dankbarkeit
die Kirchengemeinde Kappeln

Vaterland, für dich sterben
heißt im Andenken der Menschen
ewig leben.

In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

 

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SH Kappeln Detail web


Vor der Trauernden und dem ehrenden Eichenlaubkranz liegen Stahlhelm, ein Kurzschwert und ein Koppel, auf dessen Schloß das Relief nicht mehr zu erkennen ist. Die übliche Zier wäre ein Reichsadler und die Aussage »Gott mit uns«.

SH Kappeln von hinten web


An allen Seiten ist die Skulptur detailreich ausgearbeitet.

SH Kappeln Seite web

 

SH Kappeln Seite Namen web


Auf acht Sandsteintafeln an den vier Seiten des Sarkophags sind 139 Namen von getöteten Soldaten graviert und in vitriolrot (ochsenblutrot) ausgemalt. Genannt werden das Initial des Vornamens, der Nachname, Geburts- und Sterbedatum, wobei letzteres nicht immer bekannt war. Auf der Südseite sind aufgeführt die Toten aus Mehlby und Kappeln; im Osten aus Kappeln, Stutebüll und Roest; im Norden aus Kappeln und im Westen aus Grimsnis, Rabel, Mehlby und Buckhagen.

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Auf der angrenzenden Rasenfläche befinden sich 51 Kriegsgräber aus beiden Weltkriegen, teils mit Kreuzen, teils mit Bronzetafeln gekennzeichnet.

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tote Soldaten des 2. Weltkriegs

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Erinnerungstafel für eine Gruppe von 13 Soldaten, die am 7. Mai 1945 getötet wurden – einen Tag vor der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht.

SH Kappeln 2WK web


Diese Bodenplatte aus Metall ist den getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs gewidmet. Die 433 Namen, in zwei Spalten gesetzt, sind nach Sterbejahren geordnet, etwa ein Viertel der Sodaten ist als »VERMISST« angegeben. Oben und unten läuft das Spruchband:

Alle die gefallen in Meer und Land
sind gefallen in deine Hand.
Gib uns das Leben durch deinen Sohn
uns und den Toten vor deinem Thron.

Diese Anrufung Gottes ist einem Gedicht von Siegfried Goes entnommen, der auch als Soldat im 2. Weltkrieg getötet wurde:

All’, die gefallen in Meer und Land,
sind gefallen in deine Hand;
alle, die kämpfen im weiten Feld,
sind auf deine Gnade gestellt;
alle, die weinen in dunkler Nacht
sind von deiner Güte bewacht.
Gib uns Augen, daß wir es sehn,
wie deine Hände mit uns gehn;
gib uns Herzen, die deine Gnad
gläubig ergreifen früh und spat;
gib uns das Leben durch deinen Sohn,
uns und den Toten vor deinem Thron.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gibt auf seiner Website die Dienstgrade der getöteten Soldaten an, soweit sie bekannt sind. Dort sind für die 433 Namen auf dieser Platte alle möglichen Dienstgrade aufgeführt: vom Rottenführer bis zum Feldwebel.

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Die jüdische Familie Eichwald

1989 haben sich die Lehrerin der Gorch-Fock-Schule, Elisabeth Andresen, und ihre 9. Hauptschulklasse mit dem Schicksal der Familie Eichwald beschäftigt und eine Gedenktafel auf dem Friedhof angeregt, für die sie auch den Text formuliert haben. Die Schrifttype und den Platz auf dem Friedhof hat der Kirchenvorstand der St. Nikolai-Kirche bestimmt.

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Direkt neben der Platte für die Soldaten der Deutschen Wehrmacht, die unmittelbar und mittelbar am Massenmord an den Juden in Europa beteiligt war, liegt die Erinnerungstafel für die jüdische Familie Eichwald aus Kappeln, die Opfer des Nazi-Terrors wurde.

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Am 20. August 2004 hielt der Journalist Bernd Philipsen folgende Rede bei der Verlegung der Stolpersteine für die Familie Eichwald durch den Kölner Künstler Gunter Demnig:

Sieben Stolpersteine in Kappeln

Wer jemals in Auschwitz oder in einer anderen ehemaligen Todesfabrik Hitler-Deutschlands war, ist sprachlos angesichts der Monstrosität des Grauens, die jedes Vorstellungsvermögen sprengt. Dass aber hinter den endlos langen Zahlenkolonnen individuelle Lebensgeschichten und Schicksale stehen, wird einem erst dann richtig bewusst, wenn – wie heute hier – deutlich wird: es waren Nachbarn, Kollegen, Mitschüler, die zunehmend ausgegrenzt, dann verfolgt und schließlich umgebracht wurden.

Wie die Eichwalds in Kappeln. Sie waren – und ich benutze dieses Wort bewusst – echte Mitbürger, also Bürger, die mitmachen, sich einbrachten in das Kappelner Stadtleben, bürgerschaftliches Engagement übernahmen. »Ich war ein Kappelner Jung«, sagte – gewissermaßen stellvertretend für die gesamte Familie – einst Johnny Blunt, der als John Eichwald in Kappeln geboren wurde und hier seine Kindheit verbrachte.

Seit drei Generationen war die Familie Eichwald in Kappeln zu Hause. Sie besaß seit 1895 ein Textil- und Schuhwarengeschäft, später kam ein Tabakwarenladen hinzu.

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• Der Tabakladen der Familie Eichwald in der Mühlenstraße 36

Für Richard und Arthur Eichwald war es selbstverständlich, 1914 für Deutschland und den Kaiser in den Krieg zu ziehen. Sie bemühten sich um das Wohl der Stadt und ihrer Bürger, zum Beispiel durch ihren Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr. Oder durch ihre Mitwirkung in einer Guttemplerloge. Doch die Integration war trügerisch. Am 1. April 1933, schon kurz nach dem Machtantritt Hitlers, wurde ihr Geschäft von SA-Angehörigen boykottiert. Es sollte noch schlimmer kommen: in der Nacht zum 10. November 1938, dem so genannten Novemberpogrom, wurde die Familie Eichwald überfallen und verhaftet. In den Wohnungen kam es zu Plünderungen und Verwüstungen.

Hätten die Eltern keine Vorahnung gehabt, was noch weiter an Grausamkeiten auf jüdische Familien zukommen würde, dann hätten wir hier heute drei weitere Steine zu setzen gehabt. Die Jungs John, Kurt und Erik wurden noch 1938 mit Hilfe des Kindertransports nach England in Sicherheit gebracht. Dort überlebten sie die NS-Zeit.

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• Die Brüder Eichwald vor dem Tabakladen: John, der älteste der drei Eichwald-Söhne, war beim Kindertransport nach England 15, Erik war zwölf und Kurt erst zehn Jahre alt


Eltern, Großeltern und weitere Familienmitglieder der Eichwalds wurden deportiert und umgebracht:

- Senior Alfred Eichwald und seine Frau Emma wurden in Minsk ermordet
- ihre Söhne Arthur und Richard Eichwald in Neuengamme bzw. Minsk
- deren Ehefrauen Emilie Eichwald und Selly Eichwald in Minsk
- die Tochter von Alfred und Emma Eichwald, Jeanette Simenauer, ebenfalls in Minsk.

Damit war die gesamte in Deutschland verbliebene Familie Eichwald aus Kappeln ausgelöscht.

»Ob der alte Gott noch lebte? Manchmal könnte man daran verzweifeln«, schrieb Emma Eichwald 1941 angesichts der Deportationen in den Osten an Kappelner Freunde. In einem späteren Schreiben von Emma Eichwald nach Kappeln heißt es: »Wir wollen Deutschland nicht verlassen, ohne Ihnen noch Lebewohl zu sagen. Wir wurden [von Hamburg aus] evakuiert. [...] Wir werden uns wohl in diesem Leben nicht wiedersehen.«

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• Am 21. April 1939 wurde der Hausstand der Eichwalds öffentlich versteigert.


Selbst im Tod wurden sie gedemütigt, indem ihr Name durch eine Nummer ersetzt wurde. Sie erhielten kein eigenes Grab und keinen Stein, auf dem ihr Name steht. Von heute an erinnern wenigstens kleine Steine an das Schicksal einer Kappelner Familie.

Es ist zugleich das Vermächtnis von John Eichwald, der als britischer Staatsbürger Johnny Blunt 1988 Kappeln besuchte und sich gegen ein Vergessen und Verdrängen dieses dunklen Kapitels deutscher Gesichte wandte: »Vergessen? Nein, das darf nie vergessen werden!« Insofern sind die kleinen Steine auch Stolpersteine der Lokalgeschichte.

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Foto: Herbstwald / Wikimedia Commons


• Im Spätherbst 2007 wurde auf Initiative von Dietrich Weißmann, Lehrer an der Christopherus-Schule in Kappeln, und drei seiner Schüler der ehemalige »Arnisser Platz« in »Eichwaldplatz« umbenannt. Die Schüler hatten eine Projektarbeit über die Familie Eichwald geschrieben und den Antrag auf Umbenennung gestellt.

• Ein halbes Jahr haben sechs Schülerinnen und Schüler des 12. und 13. Jahrganges der Klaus-Harms-Schule und zwei Lehrer an der multimedialen Aufbereitung der jüdischen Vergangenheit von Kappeln gearbeitet. Wir verdanken ihnen die drei Bilder zur Familie Eichwald. Lesen Sie hier den Bericht:

Ein Kappeler Jung

 

• Hier noch der Link zu einem Bericht von Bernd Philipsen, erschienen im Schleiboten am 27. Januar 2009

Schleibote 2009

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Der Bildhauer Heinrich Missfeldt

Am 20. Dezember 1872 wurde er in Suchsdorf bei Kiel geboren, er starb am 27. Oktober 1945 in Torgau. Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Bad Segeberg, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

               SH Missfeldt 280 web

1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Missfeldts Kriegerdenkmäler in:

Schleswig-Holstein Bad Bramstedt
Schleswig-Holstein Bad Segeberg

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I N H A L T
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Das Denkmal
Der Stahlhelm
Das Schwert
Volkstrauertag 2018
Historisches Foto und Karten
 Die Kyffhäuser Kameradschaft
Sedankate

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Kasseedorf, Kreis Ostholstein

Am Ortseingang, vor dem Haus »Sedankate« (Bunter Hund)

Auf einer großen Grünfläche steht im hinteren Teil die Denkmalsanlage für die toten Soldaten beider Weltkriege. Sie wurde viele Jahre von Mitgliedern der Kyffhäuserkameradschaft von Kasseedorf betreut, bis 2018 wurde noch die Hecke von ihnen geschnitten. Jetzt hat die Gemeinde die Pflege übernommen.

SH Kasseedorf weit web

 

Das Grundstück wird hinten begrenzt durch die Stützmauer zum Garten der »Sedankate«, Eutinerstraße 25; an den Seiten durch verschiedene Gehölze; vorne durch eine Buchenhecke auf einer niedrigen Feldsteinmauer. Zwischen zwei Pfosten betritt man durch eine schlichte hölzerne Pforte das Areal.

 

SH Kasseedorf Treppe web


Inmitten der Wiese geht man über eine gemauerte Feldsteintreppe über drei tiefe, flache Stufen dem Denkmal entgegen. Am Ende dieser Treppe stand ursprünglich das Denkmal zum 1. Weltkrieg, siehe Historisches Foto weiter unten. Laut Hermann Knaack, einem Bewohner der »Sedankate«, wurde es zur Erweiterung nach dem 2. Weltkrieg nach hinten versetzt.

 

SH Kasseedorf Haus Denkmal web


Das Denkmal in der Mitte für die 17 toten und vermissten Soldaten des 1. Weltkriegs wurde am 26. Juni 1921 eingeweiht. Es steht zwischen zwei Säuleneiben, die über die Jahre die doppelte Größe des Denkmals erreicht haben. Der schroffe Findlingsstein steht auf einem gemauerten Sockel, an der rechten, unteren Seite wird er auch durch Felssteine ergänzt. Am Fuß der Eiben wurden runde Feldsteine aufgetürmt.

 

     SH Kasseedorf Tafel web


Auf den Findling ist eine oben geschwungene Bronzetafel gesetzt. Sie ist mit großen Ziernägeln an den herausragenden Ecken befestigt. Die Widmung lautet:

1914    1918
ES LIESSEN IHR LEBEN
FÜR DIE HEIMAT

Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland [die Heimat] von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 78. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

 

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Die Namen der 17 Soldaten sind in abgerundeter Schrift, oft kunstvoll verschränkt, geschrieben. Hinter einem sechszackigen Stern wird das Geburtsdatum genannt, hinter »gef.«, »verm.« oder »gest.« das Todesdatum, die Monate jeweils in römischen Ziffern. Die Namen sind sind zweispaltig gesetzt, der 17. in der Mitte darunter.

SH Kasseedorf Stahlhelm web


Zwischen den Jahreszahlen ist ein detailreiches Relief eingearbeitet worden: ein Stahlhelm auf einem herorisierenden Strahlenkranz, darunter ein Langmesser mit reichlich Lorbeerzweigen.

 

SH Kasseedorf Schwert web


Schon zwischen der letzten Zeile beginnt der verzierte Knauf eines gesenkten Schwertes im Relief, das sich zwischen den Namensspalten fortsetzt. Weiter unten können Sie mehr über die Bedeutung von Schwertern lesen.

 

SH Kasseedorf Tafel Kranz 1 web


Links und rechts vom Findlingsstein wurde nach dem 2. Weltkrieg eine hohe Feldsteinmauer angefügt, jeweils mit hervorstehendem Abschluss und seitlich angehäuften Findlingssteinen.

In symmetrischer Anordnung stehen jeweils aussen die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs, innen sind zwei polierte Tafeln aus rötlichem Granit eingelassen. Auf weißem Schriftband, mit überstehenden Ober- und Unterlängen der Buchstaben, kann man in versetzter Anordnung die Widmungen und Namen lesen. Die Namen der 26 getöteten und 14 vermissten Soldaten sind nach Sterbejahren geordnet.

Oben werden die Tafeln mit einem dreigliedrigen Linienband über Eck verziert.

 

SH Kasseedorf Tafel 2WK 1 web

 

Auf der linken Seite lautet die Widmung:

Die Heimat ehrt Euch
Unsere Gefallenen:

... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge. [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. Ralph Giordano rät deshalb, »gefallen« durch »umgebracht« zu ersetzen. [...]

Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 22 + 60f.

 

SH Kasseedorf Tafel Kranz web


Die rechte Seite der Mauer mit der aufgesetzten Zahl »1945«, das Jahr des Kriegsendes, der Befreiung vom Nationalsozialismus.

 

SH Kasseedorf Tafel 2WK web


Die Widmung lautet:

Ihr bleibt uns unvergessen

Es folgen die Namen der toten Soldaten aus dem Jahr 1945 und die der Vermissten.

Die Kyffhäuser Kameradschaft von Kasseedorf setzt sich für den Erhalt der Denkmalsanlage ein. 2007 wurde mit Unterstützung eines Steinmetzes die alte Farbe von den Granittafeln entfernt und die Schrift durch Ausmalen mit einem hellen Grauton wieder lesbar gemacht. Auch die verlorengegangenen Jahreszahlen 1939 und 1945 wurden ersetzt.

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

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Das Schwert

Das Schwert verweist auf die Helden der Antike und damit auf  eine »edle Gesinnung der Kämpfenden«. Artus, Parzival, Roland, Siegfried & Co. – tragen ihre Schwerter als Recken der Tapferkeit und Treue. Auf den Kriegerdenkmälern fordern Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, die nachfolgenden Generationen zu »Wehrwillen und Mannhaftigkeit« auf.

Das Schwert ist in der Menschheitsgeschichte die erste ausschließlich zum Töten anderer Menschen geschaffene Waffe. Ein Symbol der Macht: Wer auf dem Schlachtfeld unterlag, übergab dem Sieger seine Waffe. Das Schwert verleiht den Status eines Herrschers. Die englische Königin führt den Ritterschlag bis heute mit dem Schwert aus.

Nach dem Mittelalter verlor das Schwert seine Bedeutung als Waffe – und wurde in der Symbolsprache der Propaganda umso wichtiger. Im 1. Weltkrieg, dem ersten industriellen Krieg in der Geschichte, hatte das Schwert als Bild-Symbol auf Orden und Medaillen Hochkonjunktur. Auch im Nationalsozialismus galt das Schwert als Zeichen für heldenhaften Kampf. 

Ab 1980 wurde die Symbolkraft des Schwertes umgekehrt: Wer »Schwerter zu Pflugscharen« macht, schafft Frieden. »Schwerter zu Pflugscharen« ist ein Teilzitat aus der Bibel beim Propheten Micha, das zur Redewendung geworden ist. Es drückt das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion aus. Es wurde der Slogan staatsunabhängiger Abrüstungsinitiativen in der DDR, den auch Teile der westdeutschen Friedensbewegung übernahmen.


Schwerter zu Pflugscharen bei Wikipedia

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Volkstrauertag 2018

»In stillem Gedenken« möchte die Dorfschaft Kasseedorf mit dem Kranz unter der Inschrift »Ihr bleibt uns unvergessen« an die getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs erinnern.

SH Kasseedorf Kranz web


Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

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Historisches Foto und Postkarten

SH Kasseedorf Historisch web


Vor der Erweiterung nach dem 2. Weltkrieg stand der Denkmalsfindling an der Treppe zu der von der Holzpforte ein Kiesweg führte. Auf dem Gelände wuchs ein Wald aus Kiefern und anderen Gehölzen und Bäumen. Rechts und links am Denkmalstein standen einfache Sitzbänke.

SH Kasseedorf Karte web

 

SH Kasseedorf Karte2 web

 

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Die Kyffhäuser kameradschaft

Hermann Knaack, seit vielen Jahrzehnten Bewohner der Sedankate und Mitglied der Kyffhäuser Kameradschaft, erzählt: Heute sind wir noch 29 Mitglieder, in den 50er Jahren waren wir 120. Dann teilte sich der Verein 1979, die Kasseedorfer Schwentine-Schützen sind nur am Schießsport interessiert. Wir von der Kyffhäuser Kameradschaft treffen uns zweimal in der Woche im Vereinsheim. Aber wir haben Nachwuchsprobleme, es kommen keine Jungen nach.

»Um die Pflege der oft aufwendig gestalteten Orte der Erinnerung ist es nicht selten schlecht bestellt. Meist sind es einzelne die sich um den Erhalt kümmern.

In Kasseedorf ist dies die Kyffhäuser Kameradschaft. Sie setzte sich 2007 für das damals dem Verfall preisgegebene Ehrenmal ein und leistete mit dem Ersatz der verloren gegangenen Jahreszahlen 1939 und 1945 auch einen finanziellen Beitrag. Die ursprünglich auch gärtnerisch anspruchsvoll gestaltete Fläche vor den Gedenktafeln ist inzwischen einer Rasenfläche gewichen. Sie lässt sich so durch die Gemeindearbeiter einfacher pflegen. Bernhard Schrader, der sich bereits 2007 für den Erhalt eingesetzt hatte, wünscht sich zumindest eine ansprechende Bepflanzung direkt vor den Steinen an denen nur einmal im Jahr die niedergelegten Kränze für etwas Schmuck sorgen. Seiner Meinung nach ist eine Gesamtrenovierung des Ehrenmals längst überfällig, denn der Zahn der Zeit nage weiter an ihm. Die Kyffhäuser Kameradschaft fühle sich weiterhin verpflichtet beim Erhalt entsprechend der eigenen Möglichkeiten mitzuhelfen. Daher habe man nun die beiden Steintafeln mit den Namen saniert. Mit Unterstützung eines Steinmetzes wurde die alte Farbe entfernt, die Granittafeln gründlich gereinigt und die Schriftzüge und Namen durch Ausmalen mit einem hellen Grauton wieder lesbar und ansehnlich gemacht.«

• shz.de, Hartmut Buhmann, 9. November 2014


Der »Kyffhäuser-Bund der Deutschen Landes-Krieger-Verbände« führte diesen Namen seit dem 2. Mai 1900. Die Gesamtzahl der Stimmen im »Kyffhäuser-Bund« betrug 61, welche sich auf 27 deutsche Landesverbände mit 30 651 Vereinen und 2 703 772 Mitgliedern verteilten (1913).
Die Zeit des neuen Kyffhäuserbundes bis zum 1. Weltkrieg war, neben der Pflege der Kameradschaft und Wahrung alter Traditionen, geprägt von ideologischen Auseinandersetzungen mit der erstarkenden Sozialdemokratie. »Für Gott, König und Vaterland – Gegen die Sozialisten«. Nach dieser Devise handelten die deutschen Kriegervereine, der Sozialismus wurde als innerer nationaler Feind angesehen. Eine vom Vorstand des Deutschen Kriegerbundes bereits im Jahre 1888 herausgegebene Schrift bezeichnete ehemalige Soldaten, die sich zur Sozialdemokratie bekannten, als ihrem Fahneneid untreu und daher als unwürdig zu betrachten seien, den Kriegervereinen anzugehören. Dieser Kampf, besonders nach den Ergebnissen der Reichstagswahl 1903, rückte immer mehr in den Vordergrund und wurde schließlich von den Kriegervereinen selber als ihre wichtigste Pflicht betrachtet. Erst mit Beginn des 1. Weltkrieges hob der Kyffhäuserbund unter Zustimmung aller Landesverbände im Mai 1915 diese Satzungsbestimmung auf. Ein Zugeständnis auf die parteilose Kameradschaft auf den Schlachtfeldern.
Mit Ende des Krieges, der gleichzeitigen Auflösung der Monarchie und dem Chaos der Nachkriegszeit lebten die ideologischen Differenzen verstärkt wieder auf. Wenn auch viele ehemaligen Soldaten das Ende der Monarchie als Verrat ansahen und darüber enttäuscht und wütend waren, viel schlimmer wurde der »Schandvertrag« von Versailles angesehen.
Am 13./14. September 1919 fand die erste Vertreterversammlung nach dem Krieg statt. Es galt, neue Ziele und Wege zu finden, die dem verlorenen Krieg und der aufgelösten Monarchie Rechnung trugen. Der Präsident des Kyffhäuserbundes, Excellenz von Heeringen, bekräftigte nochmals in seiner Eröffnungsrede die Kyffhäuser-Idee. Es sei die Aufgabe des Kyffhäuserbundes, dem Kaiser und den Fürsten treue Erinnerung zu bewahren und nationales Pflichtbewusstsein zu leben. Deutsch leben und Deutsch denken hieß die Devise. Als äußeres Zeichen diesen Gedankens übertrug der Kyffhäuserbund dem Generalfeldmarschall von Hindenburg die Ehrenpräsidentschaft.

Ab 1922 – Deutscher Reichskriegerbund »Kyffhäuser«

1925 war ein besonderes Jahr für den Kyffhäuserbund. Erstmals fand ein gesamtdeutscher Kriegertag statt. Der Anklang bei den Veteranen war so groß, dass dieser Tag in den darauf folgenden Jahren wiederholt stattfand.
Auf der Kyffhäusertagung vom 7. Mai 1933 in Berlin bekannte sich der damalige Präsident mit dem ganzen Kyffhäuserbund zu Adolf Hitler und besiegelte damit das Ende der bis dato selbständigen Landesverbände. Die parlamentarische Vereinsführung wurde abgeschafft. An die Stelle des Mehrheitsbeschlusses trat die Führeranordnung. Eine Bundestracht mit Kyffhäusermütze und Kyffhäuserarmbinde wurde eingeführt, dazu musste die Hakenkreuz-Armbinde getragen werden.
Der Abschluss der inneren Organisation erfolgte am 1. April 1937 mit der Neugliederung des Kyffhäuserbundes, der in 13 Landesgebiete (nicht mehr Landesverbände) eingeteilt wurde. Diese entsprachen jetzt den Oberabschnitten der SS.

Ab 1938 – NS-Reichskriegerbund (»Kyffhäuserbund«) e.V.

Mit der Verordnung vom 4. März 1938 wurden alle anderen Soldatenbünde in den NS-Reichskriegerbund eingegliedert. Am 3. März 1943 löste Adolf Hitler den Kyffhäuserbund auf Reichsebene auf. Anlass war die verlorene Schlacht von Stalingrad. Das Vermögen wurde der NSDAP übertragen und die weiter bestehenden lokalen Vereine, die in der Endphase des 2. Weltkriegs den Grundstock für die Volkssturm-Einheiten bildeten, der Partei unterstellt.

Nach 1945

Durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 (Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen) vom 10. Oktober 1945 werden alle Organisationen und Einrichtungen, die der nationalsozialistischen Herrschaft gedient haben, »abgeschafft und für ungesetzlich erklärt«, so unter anderem auch der NS-Reichskriegerbund.
1952 begann die Wiedergründung des Verbandes mit allen Landesverbänden. Heute betont er seine Rolle als Reservisten- und Schießsportverband. Dass er sich dabei eher am rechten Rand des politischen Spektrums bewegt, macht ein Spiegel-Artikel von 1990 ansatzweise deutlich.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 28. Februar 2017

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Sedankate (Bunter Hund)

Das große Gelbklinkerhaus hinter der Denkmalsanlage ging als »Sedankate« in die Dorfgeschichte ein. Die Schlacht von Sedan fand am 1. und 2. September 1870 im Deutsch-Französischen Krieg statt und da das Richtfest des Hauses an einem 2. September gefeiert wurde, erhielt es diesen Namen.

Die Schlacht von Sedan bei Wikipedia


Später setzte sich die Bezeichnung »Bunter Hund« für das Haus durch und es erhielt an der Straßenseite sogar ein großes Schild mit dem Namen. Hermann Knaack führt den Namen auf die für ein Dorf ungewöhnliche Bauweise zurück. Früher hatte es auch noch viel mehr »bunte« Details, z.B. viele Türmchen, siehe historisches Foto.

SH Kasseedorf Bunter Hund web


Wir danken dem Ehepaar Knaack für das historische Foto und die Informationen.

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I N H A L T
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Das Denkmal
Ein Kommentar
Die Ergänzung
Am Volkstrauertag 2014

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Kiel

Auf dem Ostfriedhof, rechts neben der Kapelle

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs ist ein rötlicher-grauer kantiger Findling aus Granit. Er ist fast zweieinhalb Meter hoch und somit der größte Stein auf dem Ostfriedhof.

SH Kiel Soldaten fern web

Am unteren Rand steht in konturierten Ziffern:
1914-18

Auf der geraden Frontseite ist das lebensgroße Relief von zwei uniformierten Soldaten herausgearbeitet und poliert worden. Sie marschieren im kraftvollen Gleichschritt mit geschulterten Gewehren, Stahlhelmen, Marschgepäck, Messer und »Knobelbechern«. Der Jüngere guckt nach vorne, der Ältere mit Backenbart schaut zurück. Das Denkmal ist 1921 errichtet worden.

SH Kiel Soldaten web

Man bekommt einen Schreck, wenn man auf die Rückseite des Kriegerdenkmals schaut. Dort liegt ein toter Soldat in Uniform und Stiefeln. Im Fallen hat er wohl ein Tuch, Vorhang, eine Fahne (?) heruntergerissen.

SH Kiel Soldat hinten2 web


Darüber steht flächefüllend die Inschrift:
Fürs Vaterland kämpften unsere Brüder 1914 bis 1918.
Viele starben den Heldentod

Es folgt ein buchstabengroßes Eisernes Kreuz.

In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Das Denkmal ehrt die getöteten deutschen Soldaten als Brüder, durch dieses Wort wird eine familiäre Verbindung hergestellt, die die Soldaten zum Kampf verpflichtet hatte. Der häufigste im Zusammenhang mit toten Soldaten ist das Wort »Helden« oder »Heldentod«. Dieser Begriff macht die toten Soldaten zu Vorbildern. Er passt zur Symbolik von Stahlhelm, Uniform, Waffen und Eisernem Kreuz. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

SH Kiel Soldat hinten1 web

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Ein Kommentar

»Der Gedenkstein nimmt durch seine bildliche Ausgestaltung im Kieler Raum eine Sonderrolle ein. Er wurde möglicherweise von den Steinmetzen Dold oder Witzel geschaffen, wegen seiner künstlerischen Ausgestaltung vermutlich eher von einem studierten Bildhauer. Aufgestellt wurde er 1921. An dem Stein finden an den Volkstrauertagen seit 1952 Gedenkfeiern für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus statt. Lange erinnerte hier indes nichts an die Zeit des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg, bis die ehemalige SPD-Ratsfrau Lisel Hofer über die ›Ellerbeker Runde‹ und den Pastor der Bugenhagen-Gemeinde, Volker König, einen Zusatzstein ins Rollen brachten. So sorgte die Stadt Kiel 1983 für eine bescheidene Erweiterung der Anlage. Eine rötliche Granitplatte von 70 Zentimetern Breite wurde vor den wuchtigen Findling in den Boden gesetzt. Darauf ist in erhabenen Buchstaben eine knappe Inschrift geschlagen: ›Den Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung‹.«

• Zitiert aus Jens Rönnau, Open-Air-Galerie Kiel: Kunst und Denkmäler, Wachholtz Verlag 2011, S. 68

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Die Ergänzung

1983 wurde eine rechteckige Steinplatte vor das Kriegerdenkmal gelegt. Sie trägt die Inschrift:

Den Opfern von Krieg, Verfolgung und Vertreibung

Der Millionen Opfer der Nazi-Verbrechen vor einem riesigen Stein mit zwei bewaffneten marschierenden Soldaten zu gedenken kann nicht richtig sein. Eine Tafel am Boden kann diese martialische Botschaft nicht stören.

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Am Volkstrauertag 2014

SH Kiel Ostfriedhof Siegbert Brey Wikimedia Commons 1914 18 Kiel

Foto: Siegbert Brey / Wikimedia Commons

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I N H A L T
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Das Denkmal
• Die Aufschrift
Die Geschichte
Der Nordfriedhof – Marine- und Kriegsgedenkstätten
Eine historische Postkarte
1933: »Weihe des Gedenksteins«
Volkstrauertag 2015
Das Segelschulschiff Niobe

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Kiel

Auf dem Nordfriedhof zwischen den Feldern III und IV

Auf einer großzügigen Fläche zwischen dem alten Teil des Friedhofs und der Anlage mit den Kriegsgräbern des 2. Weltkriegs befindet sich auf einem dreistufigen Podest das Denkmal für die getöteten Soldaten der kaiserlichen Marine im 1. Weltkrieg. Auf dem altarähnlichen Stein liegt ein Anker mit Kette, der vom kurz vorher untergegangenen Segelschulschiff Niobe (s. unten) stammen soll.

SH Kiel Marine fern web

Die Frontseite des Steinblocks trägt, unter einem Eisernen Kreuz und den Jahreszahlen 1914 und 1918, die Aufschrift:
Wir Toten fordern als unser Recht
die alte Treue vom neuen Geschlecht

SH Kiel Marine vorne web

SH Kiel Marine Inschrift web

Auf der anderen Seite steht:
Im Weltkriege starben den Heldentod 1569 Offiziere und Beamte 718 Deckoffiziere 7349 Unteroffiziere 25197 Mannschaften der Kaiserlichen Marine

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Sehen Sie hierzu auch den Film »Nordkirche fordert Diskussion um Ehrenmale« im Schleswig-Holstein Magazin von Stella Peters

www.ndr.de/mediathek

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Die Aufschrift

Die Zeilen »Wir Toten fordern als unser Recht die alte Treue vom neuen Geschlecht« wollen nicht Trauer und Erschütterung unterstützen, sie nehmen die nächsten Generationen in die Pflicht, in »alter Treue« auch ihr Leben einzusetzen. Die Haltung, die hier weitergegeben wird, ist unangefochten von Zweifeln an Recht und Notwendigkeit von Krieg. Das erste Mal wird die Formulierung »Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht« bei der Einweihung des »Marine-Ehrenmals« 1927 verwendet.

Als »ein Mahnmal der Rache« war daher auch das »Marine-Ehrenmal« in Laboe gedacht, die nationale Kriegsgedenkstätte einer privaten Organisation, des 1891 gegründeten Bundes Deutscher Marine-Vereine. (...) Am Montag, den 8. August 1927, verfolgten 10.000 Gäste die Grundsteinlegung. Unter Hammerschlägen deklamierten 22 prominente Vertreter aus Politik, Militär und Wissenschaft die unterschiedlichsten Sinnsprüche ... Als Vertreter der evangelischen Kirche erinnerte der Marineoberpfarrer Friedrich August Ronneberger in seiner Predigt darüber hinaus an das »kaudinische Joch«, unter welchem die Deutschen als »Sklaven« hindurch geschritten seien, und legte den 35.000 toten Seesoldaten folgende Formulierungen in den Mund:

»Sie rufen uns zu: ›Heraus, sofern ihr unserer noch gedenkt, die Schmach getilgt und die Ketten gesprengt! Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht.‹ Mancher Stein liegt freilich noch im Wege, aber wie einst Hermann der Cherusker bewusst die deutschen Stämme zum Kampf gegen römische Fremdherrschaft aufrief, so wird auch uns wieder ein Führer entstehen, der uns aus Nacht zum Licht führt, und der uns den Platz an der Sonne wiedergibt.«

Ronneberger zitierte in seinem martialischen Appellativ einen später von Karl Meister vertonten Zweizeiler, der von den Überlebenden »Treue« im Sinne der Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme des Krieges einfordert und sich auf mehreren Gefallenendenkmalen seiner Zeit wiederfindet. ... Überdies galten diese Zeilen für die Zeit nach 1945 weiterhin als sinnstiftend, insbesondere wenn die Stifter mangelnde Erinnerungsbereitschaft meinten beklagen zu müssen (vgl. etwa die Wiederaufnahme des Verses auf den erweiterten Kriegerdenkmälern in Stafstedt und Norderstapel in Schleswig-Holstein).

• Zitiert aus »Rache und Triumph: Krieg, Gefühle und Gedenken in der Moderne« von Loretana de Libero, 2013, Oldenbourg Wissenschaftsverlag. Frau de Libero ist Historikerin und Politikerin, von Mai 2012 bis 2015 war sie für die SPD Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, seit 2013 lehrt und forscht sie an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese.

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Die Geschichte

Das von Marinebaurat Kelm und Oberintendanturrat Burmeister entworfene Denkmal wurde am 31. Mai 1933 – dem 17. Jahrestag der »Skagerrak-Schlacht« – eingeweiht. Diese Schlacht gilt als die größte Seeschlacht der Geschichte, an der 112 deutsche und 150 britische Schiffe beteiligt waren. Trotz der Übermacht der »Home Fleet« waren die Verluste auf britischer Seite erheblich größer als auf deutscher.

Die Deutschen feierten den Ausgang der Schlacht als taktischen Sieg und 2.551 ertrunkene deutsche Seemänner als »Helden«. Für die Reichsmarine war es »der größte Ruhmestag ihrer Geschichte«, der fortan alljährlich gefeiert wurde. Dieser »Ruhmestag« änderte natürlich nichts an der Übermacht der britischen Flotte und dem Kriegsverlauf.

Für die damalige Zeit bezeichnend wurde die Gedenkkultur für propagandistische Zwecke instrumentalisiert. Mit dem Sinnspruch des Denkmals wurde dem »neuen Geschlecht«, nämlich den Menschen im nationalsozialistischen Deutschland, bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem »Vaterland« abverlangt.

So stellte Marinepfarrer Sontag in seiner Weiherede fest: „Opfersinn und Pflichttreue und eine hingebende Vaterlandsliebe sind im neuen Deutschland in einem besonders starken Maße wieder erwacht.« Mit solchen Formulierungen sollte der Soldatentod als heldenhafte Aufopferung erscheinen und der wahre Grund für das tausendfache Sterben verschleiert werden.

Wir danken herzlich Waldemar Kruzel für die Recherche, für das Foto mit den Kränzen und seinen Text, den wir weitgehend übernommen haben. Vielen Dank auch Friedhofsmeister Frank Wunder, dass wir die gute Website vom Nordfriedhof »ausbeuten« durften.

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Nordfriedhof – Marine- und Kriegsgedenkstätten

Seit Kiel 1865 Marinestandort wurde, haben die Seestreitkräfte viele Spuren in der Stadt hinterlassen. Die mit 16 Hektar größte Kriegsgräberstätte Kiels ist der Nordfriedhof. Auf dem Gebiet der ehemaligen Schießstände im heutigen Stadtteil Kiel-Ravensberg wurde 1878 ein Garnisonsfriedhof – der heutige Nordfriedhof – eröffnet.

SH Kiel Marinegedenkstatten web

Plan Nordfriedhof

 
Seit 1878 sind hier mehrere Tausend Seeleute, Zwangsarbeiter, Opfer standrechtlicher Erschießungen und Bombenopfer begraben worden. Neben deutschen Militärangehörigen und Zivilisten fanden auch Soldaten, Kriegsgefangene und Internierte aus dem British Commonwealth und der Sowjetunion auf dem Nordfriedhof ihre letzte Ruhestätte.

Etwa 3000 Soldatengräber befinden sich auf dem Friedhof. Sie zeugen von der Entwicklung Kiels als Marinestützpunkt und ehemaligem Kriegshafen. 1992 wurde der Friedhof zum letzten Mal vergrößert.

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Eine historische Postkarte

SH Kiel Marine Postkarte

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1933: »Weihe des Gedenksteins«

Auf dem Kieler Garnisonfriedhof fand am heutigen Mittwochvormittag um 10 Uhr im Rahmen der Skagerrag-Gedenkfeiern die feierliche Enthüllung des Gedenksteins für die Gefallenen des Weltkrieges statt. An der Stelle, wo bis vor kurzem noch ein einfaches Kreuz als Erinnerung an die Opfer der Marine im großen Völkerringen stand, ist nach den Entwürfen des Marinebaurates Kelm und des Oberintendanturrates Burmeister dieser

neue Denkstein

entstanden. Auf einem mächtigen Granitsockel ruht ein Anker, das Symbol des Seemannes. Als Inschrift trägt der Stein nur den einfachen, aber doch eindringlich mahnenden Satz:

»Wir Toten fordern als unser Recht,
die alte Treue vom neuen Geschlecht!«

Auf der einen Seite des Gedenksteins haben der Marinesturm, SA., Polizei, Stahlhelm, ...., vaterländische Verbände, Kriegsvereine und auf der anderen das Musikkorps der 1. Marine-Artillerie-Abteilung sowie Abordnungen der Sperr-Abteilung der Schiffs-Artillerieschule und der Marineschule Kiel Wik Aufstellung genommen. Unter den Ehrengästen bemerkt man u. a. den früheren Stationschef Gottfried Hansen, ferner den früheren Stadtkommandanten von Klei, Konteradmiral Schumacher. Punkt 11 Uhr betritt der Stationschef Vizeadmiral Albrecht den Ehrenhain, gefolgt von den Konteradmiralen Schulze und Zander.

Sodann beginnt der feierliche Weiheakt mit dem dritten Vers des Niederländischen Dankgebets »Wir loben dich oben du Lenker der Schlachten«. Kaum sind die letzten Akkorde des Chorals verklungen, als

Marinepfarrer Sontag

den Gedenkstein betritt und in seiner Ansprache u. a. folgendes ausführt: Alljährlich feiert die Reichsmarine den 31. Mai als den größten Ruhmestag ihrer Geschichte. Skagerrak ist zu einem Gebot geworden. In seinem herben Klang vereinigt sich für uns all das, was an seinem Tage in hartem Männerkampf Großes und Tapferes geleistet wurde. Wenn wir heute feiern, so stehen wir in Ehrfurcht vor den Gefallenen dieser großen Nordseeschlacht, und das Wort Skagerrag ist zu einem mahnenden Begriff geworden, zu einem Begriff für all das, was in den harten, ernsten Zeiten des Krieges auf See an Bord deutscher Kriegsschiffe und an Land von deutschen Seemännern Großes und Tapferes geleistet wurde, zu einem Begriff für die Seegeltung des deutschen Volkes.

Darum ist auch das Ehrenmal, das heute in feierlichem Gottesdienst eingeweiht werden soll, nicht nur ein Ehrenmal für die gefallenen Kameraden der Skagerrakschlacht, sondern für alle jene, die auf See und an Land als deutsche Seeleute ihr Leben für das Vaterland dahingegeben haben.

In diesem Jahre können wir diesen Tag mit besonderem Dank und mit besonderem Stolz begehen, wenn die großen und herrlichen Eigenschaften, die den Sieg von Skagerrag ermöglichten, Opfersinn und Pflichttreue und eine hingebende Vaterlandsliebe uns im neuen Deutschland in einem besonders starken Maße wieder erwacht. Das Wort, das in den schweren Nachkriegsjahren uns die Gefallenen mahnend zuriefen: »Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht!« ist zu einem großen Teil Wirklichkeit geworden bei allen denen, in denen die Liebe zu Volk und Vaterland nicht vergessen ist, in denen, die sich in ernster und zäher Arbeit für die Freiheit und Erneuerung unseres Volkes eingesetzt haben. Heute wollen wir in Dankbarkeit aller derer gedenken, die in treuer Pflichterfüllung in der Nachkriegszeit für unser deutsches Volk eingetreten sind und ihr Leben hingaben für ihr Volk und Vaterland. Wir wollen aber auch eins nicht vergessen, unseren Herrgott, der uns diese großen Zeiten nur erleben ließ, weil seine Augen im deutschen Volke wieder treue Menschen gefunden hatten.

So wollen wir denn von dieser Skagerrakfeier hinausgehen an die Arbeit des Alltags mit dem letzten Einsatz unseres Wesens, unseres Könnens und unseres Herzens, in Treue zu Volk und Vaterland.

Nach dem Gebet weihte dann der Marinepfarrer Sontag den Gedenkstein mit folgendem Spruch ein:

»Das Ehrenmal aber sei ein Ehrenmal unerschütterlicher Dankbarkeit für unsere gefallenen Kameraden, als Gedächtnis für Deutschlands schwere aber große Zeit, als eine Mahnung deutscher Treue für nachfolgende Geschlechter!«

• Artikel in den »Kieler Neueste Nachrichten« vom 31. Mai 1933



SH Kiel Marine Artikel web

• »Kieler Neueste Nachrichten« vom 1. Juni 1933

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Volkstrauertag 2015

Am Volkstrauertag 2015 wurde in Kiel das »Ehrenmal« auf dem Kieler Nordfriedhof eingefärbt. Das Nachrichtenportal Indymedia Linksunten berichtete darüber:

Jedes Jahr zum Volkstrauertag trauert die deutsche Nation um ihre Helden. Helden nach deutscher Art sind nicht Widerstands- kämpferInnen gegen den Faschismus oder Betroffene der deutschen Vernichtungsaktionen.

Lieber trauert das Land um Soldaten der deutschen Angriffskriege, faschistische Milizen und Kriegsverbrecher. Inschriften in Ehrenmälern in ganzen Land berichten von Ehre, Treue, Heldenmut und Vaterland. Auf dem hässlichen Stein, der jetzt hübsch pink erstrahlt stand »Wir Toten fordern als unser Recht die alte Treue vom neuen Geschlecht« und »Im Weltkriege starben den Heldentod 1.569 Offiziere und Beamte 718 Deckoffiziere 7.349 Unteroffiziere 25.197 Mannschaften der kaiserlichen Marine«.


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SH Kiel Marine Anker web

Das Segelschulschiff Niobe

Der Anker auf dem Podest des Kriegerdenkmals für die kaiserliche Marine soll vom kurz zuvor gesunkenen Segelschulschiff Niobe stammen. Die Grab- und Gedenkstätte für die 
Besatzungsmitglieder der Niobe befindet sich inmitten von Kriegsgräbern des 1. Weltkriegs.

»Nicht klagen – Wieder wagen«
wird auf der Vorderseite gemahnt. Für die Marine, die Bevölkerung und natürlich die Angehörigen war der Untergang ein harter Schicksalsschlag. Trotz wirtschaftlich schwieriger Lage sammelte die deutsche Bevölkerung für die »Volksspende Niobe« rund eine Million Reichsmark.

Auf der Rückseite befindet sich eine in Stein eingefasst liegende Metalltafel mit den Namen und Geburtstagen der in die Heimat Überführten und in der See Gebliebenen.

Die Niobe wurde 1913 gebaut und fuhr zunächst als »Morten Jensen« unter dänischer, später als »Tyholm« unter norwegischer Flagge. Im ersten Weltkrieg wurde sie von einem deutschen U-Boot aufgebracht und fuhr daraufhin unter verschiedenen Namen. 1922 kaufte die Reichsmarine das Schiff und baute es zum Segelschulschiff um.

Am 26. Juli 1932 sank die Niobe infolge einer plötzlich aufkommenden Bö vor der Küste Fehmarns. Innerhalb weniger Minuten wurde sie auf die Seite gelegt und unter Wasser gedrückt. 69 der 109 Männer ertranken. Die anderen konnten durch die herbeieilenden Rettungsboote des Feuerschiffs und des Holzdampfers »Theresia L.M. Russ« gerettet werden.

Am 23. August 1932 fand auf dem Nordfriedhof die feierliche Beisetzung von 33 Besatzungsmitgliedern statt. Die Bevölkerung nahm großen Anteil an der Tragödie und verfolgte die Trauerfeier an den Radios.

Heute noch findet jedes Jahr eine feierliche Kranzniederlegung an der Gedenkstätte statt.

                    SH Kiel Nordfriedhof Niobe web

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I N H A L T
Das Denkmal
Der Adler

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Kükels, Kreis Segeberg

An der Hauptstraße

Ein Obelisk auf einem treppenförmig gemauerten Sockel aus rötlichen Natursteinen, oben ein steinerner Adler auf einer Kugel. Errichtet wurde es im Jahr 1921.

SH Kuekels gesamt


Auf der oberen grauen Granitplatte ein Eisernes Kreuz in Kontur.

Dann die Inschrift:
Unseren Helden 1914-1918

Darunter ein Helm im Halbrelief.

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg vom Deutschen Reich begonnen und verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.

Auf der unteren Tafel steht nach den Namen die Inschrift:
Treu und tapfer bis in den Tod

Hinter den Namen und dem Todestag der Soldaten steht ein O. (Osten) oder ein W. (Westen) für das Kriegsgebiet, in dem sie getötet wurden.

SH Kuekels Tafel

 

Nachträgliche Ergänzung aus dem Jahr 1958 an beiden Seiten mit den Namen der 32 getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs mit der Inschrift:
1939 Den Toten zum Gedenken / den Lebenden zur Mahnung 1945

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Der Adler

Steht für Stolz und Macht, für Weitblick, Mut und Kraft, für Kraft und Ausdauer.

Weiterer Text folgt

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