TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauer- tag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Die hier dokumentierten Denkmäler wurden mit freundlicher Unterstützung lokaler Institutionen weitgehend selbst recherchiert.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldoku-
mentation von 

Ahrensburg und
Ammersbek
öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.


I N H A L T
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Das Denkmal
Die Geschichte
Eine historische Postkarte
Die KZ-Gedenkstätte

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Ladelund, Kreis Nordfriesland

Große Anlage an der Dorfstraße

Durch ein breites Tor, verziert mit einem großen Eisernen Kreuz betritt man die gepflegte Denkmalsanlage. In der Mitte erhebt sich auf einer Rasenfläche ein Blumenbeet in Weißrot. Ein mit Klinkersteinen im Eingangsbereich und mit rötlichen Natursteinfliesen im Rund gepflasterter Weg führt drumherum. Am äußeren Rand liegen in einem Kiesbett zwischen Zierbüschen kleine Findlingssteine mit den Namen der toten Soldaten aus dem 2. Weltkrieg. Im hinteren Bereich steht eine halbrunde Mauer aus bunten behauenen Feldsteinen.

SH Ladelund gesamt web


Im erhöhten Mittelteil befindet sich die größte Tafel mit der Widmung. Auf hellgrauem Grund sind im goldähnlichen Farbton Eisernes Kreuz und Eichenlaub im Relief herausgearbeitet. In einer Querspange darunter steht die Inschrift:

Zum Gedenken unserer Gefallenen
1914-1918 + 1939-1945
Boverstedt Ladelund Bramstedt

SH Ladelund Denkmal web


In die seitlichen Mauerteile sind je drei gleiche Namenstafeln eingelassen. Jeweils unter einem Eisernen Kreuz in Kontur stehen dort die Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs und ihr Sterbetag in schwarzer Schrift.

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Die kleinen Findlinge für die getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs im Kiesbett am Rand: Je nach Größe sind die Namen, wo vorhanden der Sterbetag, der Sterbeort und die Todesumstände (vermißt, in Kriegsgefangenschaft ...) für einen oder zwei Soldaten in die Steine graviert. Es wird ein Unterschied gemacht zwischen gef. (gefallen) und gest. (gestorben). Es ist zu vermuten, dass »gef.« der ehrenvollere Zusatz war.

SH Ladelund Steine web

 

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Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs stand ursprünglich auf dem Kirchhof von St. Petri in Ladelund, siehe Bild unten. Wahrscheinlich ist es nach dem 2. Weltkrieg abgetragen worden und die Namenstafeln sind in die neue Denkmalsanlage an der Dorfstraße für beide Weltkriege integriert worden.

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Die geschichte

1919 Amtsbezirk Ladelund
Der Kriegerverein Ladelund und Umgebung hat beschlossen, die Errichtung eines Denkmals für unsere gefallenen Helden in die Wege zu leiten. Geplant ist ein Denkmal mit einer Gedenktafel mit den Namen sämtlicher Gefallener des Amtsbezirks Ladelund. Ein solches Denkmal erfordert, wenn etwas wirklich Hübsches geschaffen werden soll, bei den heutigen Preisen natürlich erhebliche Kosten. Aber sind wir unseren Tapferen, die für uns ihr Bestes, ihr Leben, dahingaben, nicht zu größtem Dank verpflichtet? Ist nicht das größte Opfer, das wir ihnen bringen, ein nichts gegen das, was sie gaben?

Darum: Ihr alle, die Ihr zu Hause gewesen seid, euern Geschäften nachgehen konntet, nichts von den Schrecken des Krieges merktet, und Ihr, die Ihr Eure lieben Angehörigen wieder gesund bei Euch habt, und Ihr, liebe Kameraden, die Ihr in den Gefallenen einen treuen Freund verloren, mit dem Ihr Mühen und Strapazen des Weltzuges geteilt habt, aber selbst gesund in die Heimat zurückgekehrt seid, Ihr alle, denkt an die lieben Gefallenen, tragt einen Teil Eurer ungeheuren Schuld dadurch ab, daß Ihr reichlich gebt bei der stattfindenden Sammlung für ihren Gedenkstein! Ehrt das Andenken dieser Helden dadurch, daß Ihr helft, ihnen ein würdiges Wahrzeichen zu errichten! Keiner stehe zurück!
Der Vorstand. Kriegerverein Ladelund und Umgegend


Ladelund. den 22. Januar 1920
Ein Architekt aus Flensburg war hier anwesend, um einen geeigneten Platz für den Gedenkstein für die Gefallenen des Kirchspiels auszusuchen. Es wurde hierfür der Platz vor dem Eingang zum Kirchhof vorgeschlagen. Falls der Gedenkstein dort zu stehen kommt, [soll] ein treppenförmiger Aufbau zu beiden Seiten des Kirchhofs geschaffen werden.


Kirchspiel Ladelund 1920
Da das Denkmal für unsere Gefallenen in Auftrag gegeben ist, bitte ich sämtliche Gemeindemitglieder des Kirchspiels Ladelund, – mit Ausnahme von Westre – die Angehörige im Kriege verloren haben, deren genauen Namen und Todestag mir mündlich oder schriftlich bis zum 10. Februar d. Js. mitzuteilen, da sie sonst nicht berücksichtigt werden können.
Lehrer Nissen, Ladelund


»Lecker Anzeiger«, den 1. März 1920
Der Entwurf für das Denkmal für die Gefallenen der Gemeinde Ladelund wurde den Ausschußmitgliedern von Architekt Andresen=Flensburg [vgl. Hattstedt] vorgelegt und fand allgemeine Zustimmung. Mit den Vertretern der Kirchengemeinde einigte man sich auf ein großes Steindenkmal, das auf sechs Tafeln die Namen der Gefallenen aufweist, vor dem Eingang zum Kirchhof. Dieses geplante Denkmal wird nicht nur eine würdige Ehrung der fürs Vaterland gefallenen, teuren Toten, sondern auch eine dauernde Zierde des Dorfes, sowie eine erhebliche Verbesserung und Verschönerung des Aufgangs zur Kirche sein. Allerdings werden, entsprechend der heutigen teuren Zeit, die Kosten recht erheblich sein, so daß an den Herstellungskosten noch ungefähr 5 – 6.000 M fehlen werden, für jetzige Verhältnisse ja eine verhältnismäßig geringe Summe. So hofft man denn bestimmt, daß die alte Opferfreudigkeit der Gemeinde Ladelund sich auch bei dieser guten Sache wieder beweist, und durch eine 2. Sammlung die fehlenden Mittel leicht aufgebracht werden. Mit den Vorarbeiten wird bereits in den nächsten Tagen begonnen.


30. April 1920
Zu Ehren der 1914 – 18 fürs Vaterland gefallenen und vermißten Söhne der Gemeinde Ladelund und des Gutsbezirks Boverstedt wird man am Eingang zum Kirchhof ein hübsches Denkmal errichten. Der Sockel von Feldsteinen ist fertig gestellt und die Steinplatte mit den 30 Namen der Gefallenen und Vermißten, den Gebr. Kirchhof in Flensburg in Auftrag gegeben, sind auch in etwa 14 Tagen fertig, sodaß hoffentlich die Einweihung des Denkmals um die Pfingstzeit erfolgen kann.


»Lecker Anzeiger«, den 20. Mai 1920
Die Einweihungsfeier des Denkmals für die Gefallenen wird hier in einfacher, sinniger Weise am 6. Juni begangen. Der frühere Abgeordnete Dr. Schifferer wird die Weiherede halten. Der Feier am Denkmalsplatz geht ein Kirchgang voran und folgt eine gemeinsame Kaffeetafel. Die benachbarten Kriegervereine werden gebeten, Fahnendeputationen zu entsenden. Das Denkmal wird aus einer großen Widmungstafel und fünf kleineren Tafeln bestehen. Auf der letzteren stehen 30 Namen verzeichnet, 27 sind gefallen, einer ist später an den Wunden gestorben und zwei werden vermißt.

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»Lecker Anzeiger«, den 13. Juni 1920
In der vollbesetzten Kirche hielt Herr Pastor Matthiesen heute nachmittag eine Predigt zu Ehren der im Kriege gefallenen Gemeindeangehörigen. Daran schloß sich die eigentliche Denkmalsweihe, die mit dem Liede »Harre meine Seele« begann. Auf Wunsch der Gemeinde hatte Dr. Schifferer, der frühere Landtagsabgeordnete des Kreises Tondern, die Weiherede übernommen. In zu Herzen gehender Weise erinnerte der Redner noch einmal an die Zeit, wo die deutschen Brüder in der Siegesgewißheit hinauszogen, um für das Vaterland zu kämpfen, an die Sieges- und die Trauerbotschaften für die Angehörigen der vielen Gefallenen und stellte sich die Frage, ob wohl alles umsonst gewesen. Er erinnerte daran, daß unsere Kämpfer die Schrecken und Verwüstungen des Krieges aus dem Lande fernhielten, daß durch den gemeinschaftlichen Kampf der deutschen Stämme die Einheit des Reiches gerettet und die Grundlage für die Wiedergeburt und die Wiederaufrichtung gegeben wurde, daß ferner die Taten der Gefallenen und das Andenken an die toten Helden den Männern und Frauen voranleuchten.


Eilt sehr  –  Bekanntmachung  –  Von Haus zu Haus
An alle Einwohner der Gemeinde Ladelund
Betrifft: Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen und Vermißten des letzten Weltkrieges.
Am Donnerstag, dem 31. Juli 1952 um 19,00 Uhr findet in der Gastwirtschaft von Carl Nissen, Ladelund eine Ortsversammlung statt, zu der alle Einwohner der Gemeinde Ladelund und Beverstedt hiermit eingeladen werden.
In dieser Versammlung soll für jeden Einwohner die Gelegenheit gegeben werden, sich zu der obigen Angelegenheit frei zu äußern, um zunächst feststellen zu können ob ein allgemeines Interesse für die Errichtung eines Ehrenmals besteht.
Ferner soll die Lage und auch die Finanzierung desselben eingehend besprochen werden.
Wegen der Aufstellung einer Liste von allen Gefallenen und Vermißten beider Weltkriege, werden die Angehörigen gleichzeitig gebeten, die noch vorhandenen Unterlagen zu der Versammlung mitzubringen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.
Die Gemeindeverwaltung, gez. Johannsen


Eilt sehr  –  Bekanntmachung  –  Von Haus zu Haus
An alle Einwohner der Gemeinde Ladelund
Betrifft: Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen.
Um den Plan zur Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen in der Gemeinde Ladelund verwirklichen zu können, tritt die Gemeindeverwaltung mit der Bitte an alle Einwohner heran, sich so viel wie möglich durch freiwillige Mitarbeit, zunächst an der Planierung und Herrichtung des vorgesehenen Platzes, zu beteiligen um dadurch die Kosten des Gesamtplanes wesentlich herabzusetzen.
Es kommen für diese Arbeiten hauptsächlich junge und kräftige Personen in Frage. Wir bitten alle Arbeitgeber ihre angestellten Arbeitskräfte einschl. der erwachsenen Söhne für einige Stunden freizugeben.
Anmeldungen zwecks Eintragung in die Liste mit Angabe der Zeit ihres Erscheinens nimmt die Gemeindeverwaltung Ladelund entgegen.
Ladelund, den 12. 11. 52         
Gemeindeverwaltung Ladelund, gez. Johannsen

 

All diese Nachrichten stammen aus dem Dorfmuseum Ladelund. Die verstorbene Frau Vollertsen hat sie gesammelt und Frau Friedrichsen hat sie für uns herausgesucht. Herzlichen Dank!

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Eine historische Postkarte

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Die KZ-Gedenkstätte

Hundert Meter entfernt liegt ein anderer Gedenkort Ladelunds, die älteste KZ-Gedenkstätte Schleswig-Holsteins am authentischen Ort und eine der ältesten in Deutschland. Sie ist seit ihren Anfängen eine Einrichtung in der der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Petri
 Ladelund, fest verankert in der regionalen Bevölkerung und im örtlichen Gemeindeleben. Seit 1950 leistet KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund einen wichtigen Beitrag für das historische und politisch-gesellschaftliche Bewusstsein im Lande Schleswig-Holstein. Seit 1995 wird ihre Arbeit vom Kirchenkreis Nordfriesland und
 der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland mitgetragen und begleitet.

Bereits im August 1946 fand an den Gräbern der Ladelunder KZ-Opfer die erste öffentliche Gedenkfeier statt, an der auch ehemalige Häftlinge beteiligt waren. Es war die Entscheidung der Angehörigen der Opfer, die Toten auf dem Ladelunder Friedhof zu belassen. Die Gräber wurden der Ausgangs- und Mittelpunkt einer langjährigen Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit, die von einigen Überlebenden sowie vielen Angehörigen und Nachkommen der Opfer, Einheimischen und einem engagierten Freundeskreis bis heute mitgetragen wird.

SH Ladelund KZgedenk1950 web

• 1950: Gedenken an den KZ-Gräbern mit 130 Angehörigen aus den Niederlanden. Bis heute finden diese jährlichen Begegnungen statt.

Das Lager Ladelund war eines von 87 Aussenlagern des Konzentrationslagers Hamburg-Neuengamme. Es existierte vom 1. November bis zum 16. Dezember 1944. In Ladelund wurden die Baracken des 1938 errichteten Reichsarbeitsdienstlagers verwendet. Wo der Platz in den Baracken für 200 bis 250 junge Männer im Reichsarbeitsdienst ausgelegt war, wurde nun die zehnfache Menge Menschen eingepfercht. Über 2000 Männer wurden als KZ-Häftlinge aus Neuengamme und Husum-Schwesing nach Ladelund geschafft, um Panzergräben in Zwangsarbeit und mit einfachsten Mitteln auszuheben. Die Lebensbedingungen der Häftlinge waren verheerend. Bis zur Auflösung des Lagers am 16.12.1944 starben über 300 Häftlinge an Unterernährung, Kälte, Erschöpfung, Krankheiten, Misshandlungen …

Seit 1990 erinnert eine wissenschaftliche Dauerausstellung an das Schicksal der Häftlinge und zeigt, wie es nach 1945 zu einer Annäherung zwischen Ladelundern und den Angehörigen der Opfer gekommen ist.

www.kz-gedenkstaette-ladelund.de

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I N H A L T
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Das Denkmal
Denkmal für die deutschen Kriegsgefangenen
Zwischen ...
Die erste Fassung
Historische Postkarten
Der Verband der Heimkehrer

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Langstedt, Kreis Schleswig-Flensburg

In der Dorfmitte zwischen Ulmenallee und An de Brüng

Die parkähnliche Anlage ist sehr gepflegt, große Rasenflächen wechseln sich ab mit Buchenhecken, Rosenbeeten, Sandwegen, mit Granit- und Katzenkopfsteinen gepflasterten Wegen. Im zentralen Rund sind Sitzbänke aufgestellt.

SH Langstedt gesamt web


Das Rund am Ende der Anlage ist den Denkmalsteinen der getöteten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs aus Langstedt vorbehalten. Auf dem runden Rosenbeet in der Mitte steht eine hohe Säuleneiche.

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Das Hauptdenkmal in der Mitte steht auf einem Sockel aus zwei Reihen gemauerter Natursteinen. Der Widmungsstein hat einen Fuß und ein geformtes Dach mit einem Stahlhelm im Relief. Das Denkmal wurde nach dem 1. Weltkrieg von der Dorfschaft Langstedt gestiftet. Die Inschrift in schwarz lautet:

Unseren tapferen Söhnen
in Ehrfurcht und Dankbarkeit

Sie stritten und litten
für deutsche Ehr

Zwischen den Jahreszahlen der beiden Weltkriege ein Eisernes Kreuz. In dieser Inschrift steht nicht die Trauer im Vordergrund, vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Das Denkmal ehrt die getöteten deutschen Soldaten als tapfere Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: »für deutsche Ehr«. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

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An den Schmalseiten sind jeweils neun Namen mit Todesdatum und Sterbeort angegeben.

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Auch aus der Dorfchronik erfahren wir, dass von den 84 Soldaten, die in den 1. Weltkrieg gezogen sind, 18 getötet wurden.

 

SH Langstedt linke Seite web

 

SH Langstedt rechte Reihe web

Links und rechts vom Hauptstein wurden im Halbbogen verschieden große Findlinge gesetzt, in die die Namen der 35 im 2. Weltkrieg getöteten Soldaten aus Langstedt graviert sind.

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Angegeben sind Geburts- und Sterbedatum, der Sterbeort bzw. die Kriegsfront und gef. für gefallen, ein Kreuz für gestorben, verm. für vermisst. Auf den größeren Steinen scheinen Familienangehörige zusammengefasst worden zu sein.

 

SH Langstedt Blick vom Denkmal web

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Denkmal für die Deutschen Kriegsgefangenen

Der Weg vom Denkmal führt über das Buchenheckenrund bis zu einer Stele aus Metall am anderen Ende der Anlage.

SH Langstedt Saeule web

An den Seiten und oben ist sie leicht gebogen, sie hat einen grün lackierten Fuß.

     SH Langstedt Saeule Text web

Im Text wird ein Wunsch formuliert. In großen, expressiven Lettern rechtsbündig gesetzt, lautet er:

Das Leid der Gefangenen
sei ein Baustein für die Zukunft

Welches Haus mit dem Baustein errichtet werden soll, wird nicht gesagt, erschließt sich aber zum Teil aus den Intentionen des Verbandes der Heimkehrer.

SH Langstedt Heimkehrer Sign web

Errichtet vom Verband der Heimkehrer
im Juni 1959

Lesen Sie weiter unten mehr über diesen Verband und hier noch einen von vielen, im Wesentlichen gleichlautenden, Beiträgen aus dem Jahrbuch des VdH von 1952 »Wir mahnen die Welt«:

Jahrbuch 1952

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Zwischen ...

... Kriegerdenkmal und Kriegsgefangenenstele noch ein Parforceritt durch die deutsche Geschichte:

SH Langstedt 1848 web

Zur Erinnerung a. d. Erhebung
Schleswig=Holstein 1848

SH Langstedt 1990 web

... und mit schwarz-rot-goldenem Fähnchen:

3. Oktober 1990

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Die erste Fassung

 

SH Langstedt Chronik web

In der Chronik von Langstedt im Eggebeker Heimatbuch von Wilhelm Clausen findet man dieses Bild: hier sind die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs noch recht und links vom Stahlhelm graviert und die Widmung heißt:

Die Gemeinde Langstedt
ihren tapferen Söhnen

Die kleine Unterzeile ist nicht lesbar.

Zum Vergleich noch einmal die Widmung aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg:

Unseren tapferen Söhnen
in Ehrfurcht und Dankbarkeit

Sie stritten und litten
für deutsche Ehr

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Historische Postkarten

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• aus dem Jahr 1920: hinter dem einzeln stehenden Denkmal scheint damals noch ein Wald zu sein.

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Aus dem Jahr 1972: die kleinen Findlinge sind dazu gekommen, die Eiche ist gepflanzt.

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Der Verband der Heimkehrer, ...

... Kriegsgefangenen und Vermißtenangehörigen Deutschlands e. V. (VDH) besteht seit 1950. Über die auch revanchistischen Intentionen dieses Verbandes erfahren Sie mehr in einer Rezension von Elke Kimmel für den Deutschlandfunk. Birgit Schwelling: Heimkehr – Erinnerung – Integration. Der Verband der Heimkehrer, die ehemaligen Kriegsgefangenen und die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft, erschienen im Ferdinand Schöningh Verlag.

Zitat: »Dem VdH indes ging es stets um mehr als einen herzlichen Empfang für die Heimkehrer. Besonders in den ersten Jahren seines Bestehens setzte er sich massiv für die finanzielle Entschädigung der Veteranen ein. Dabei nutzte er nicht nur die emotionale Anteilnahme, die die Bevölkerung den Heimkehrern entgegen brachte, sondern er drohte auch implizit damit, dass im Falle einer ausbleibenden Wiedergutmachung eine dauerhafte Entfremdung der Kriegsgefangenen von der Gesellschaft eintreten könne, mit ähnlichen Folgen wie in der Weimarer Republik. Schwelling charakterisiert diese Mitglieder:

›Es waren ehemalige Soldaten der Wehrmacht – also einer Armee, die an einem verbrecherischen Krieg beteiligt waren – und es waren ehemalige Kriegsgefangene. Das heißt, der Krieg hat sich für diesen Personenkreis zum Teil noch bis in die Jahre 1955/56 hingezogen. Jemand, der 1940 zur Wehrmacht einzog und 1955 aus einem sowjetischen Lager zurückkehrte, hatte 15 Jahre in diesem Ausnahmezustand verbracht.‹

Die Verbandsführung wurde nie müde zu betonen, dass sie die angeblich staatsgefährdenden Veteranen im demokratischen Sinne bändige. Ein Erfolg der VdH-Politik war, dass am 30. Januar 1954 ein Entschädigungsgesetz für Kriegsgefangene in Kraft trat.«

Rezension im Dlf

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I N H A L T
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Das Denkmal
Historische Fotos
Die Findlinge
Die Kirche St. Katharinen
Lensahn

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Lensahn, Kreis Ostholstein

Neben der Kirche St. Katharinen

Neben dem Haupteingang steht die zweistufige Pyramide – das Kriegerdenkmal der Dörfer für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs – kunstvoll aus bunten Feldsteinen gemauert. Auch der Vorplatz ist mit Feldsteinen gepflastert. Im Zentrum ist die siebeneckige Widmungstafel aus Granit eingelassen. Das Denkmal ist 1923 eingeweiht worden. Davor liegt eine Gedenkplatte für die Toten des 2. Weltkriegs.


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Oben das Halbrelief eines Stahlhelms auf zwei gekreuzten Dolchen, darunter die Inschriften:

1914–18.
Unseren gefallenen Helden
In Dankbarkeit das Kirchspiel Lensahn

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg vom Deutschen Reich begonnen und verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.

Der 1. Weltkrieg wurde vom Deutschen Reich im Streben nach einer Vormachtstellung in Europa begonnen. Die Formulierung »In Dankbarkeit« suggeriert, dass die Soldaten zur Verteidigung der Menschen in Deutschland in den Krieg gezogen sind.

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An den Seiten sind jeweils drei große Findlinge aufgestellt. Die Inschriften und Namen sind nur noch schwer zu lesen, nur ein Eisernes Kreuz ist oben auf allen Steinen zu erkennen.

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Einige Findlinge sind von hinten mit kleineren Steinen abgestützt. Im Hintergrund sieht man die Reste des alten Friedhofs.

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Der breite Weg zum Haupteingang von St. Katharinen führt am der Denkmalsanlage vorbei. Über drei Stufen erreicht man die Pyramide.


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Historische Fotos

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Die Findlinge

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Die Kirche St. Katharinen

Der Baubeginn als Gründung der Schauenburger Landesherren war um das Jahr 1245. Der frühgotische Backsteinbau war ursprünglich eine flach gedeckte Kastensaalkirche, ohne Strebepfeiler und Gewölbe, ohne Chor und Turm. Der alte Eingang mit den noch erhaltenen grün-glasierten Steinen befindet sich an der Südseite.

Um 1300 erhält die Kirche ein Gewölbe, erst 1464 wird der 23 Meter hohe Turm, mit seinen massiven Mauern wirkt neben dem 36 Meter langen Kirchenschiff recht gedrungen.

1933/34 wird die Kirche umfassend saniert. Unter anderem gestaltet die Flensburger Künstlerin lna Hoßfeld die fünf Glasfenster für den Altarraum und die beiden kleinen Sakristeifenster. Dem Wunsch des damaligen Kirchenvorstandes, die Konterfeis von Adolf Hitler und Paul von Hindenburg in den Fenstern abzubilden, wurde – Gott sei Dank – nicht stattgegeben.

• Quelle: www.kirche-lensahn.de

 

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Foto: Gurkentee / Wikimedia Commons


Der Blick aus der Tür fällt auf das Kriegerdenkmal.

             SH Lensahn Blick aus der Kirchentuer web


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Lensahn

Lensahn war bis an die Schwelle dieses Jahrhunderts landwirtschaftlich geprägt, seit 1650 gehörte es mit dem jetzigen Gut Lensahner Hof zum Privatbesitz des Adelshauses Holstein-Gottorf, dem späteren großherzoglichen Haus Oldenburg. Weitere Güter, aus denen sich die heutigen amtsangehörigen Gemeinden des Amtes Lensahn entwickelten, kamen zum Familienbesitz hinzu. Die Hoheitsgewalt übte der Grundherr noch bis in dieses Jahrhundert hinein aus. Erst im Jahre 1928 wurden Lensahn und gleichzeitig alle anderen amtsangehörigen Gemeinden freie Gemeinden mit dem Recht auf Selbstverwaltung.

• Quelle: www.lensahn.de

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I N H A L T
Das Denkmal
Die neue Gedenkkultur
Volkstrauertag 2017
Der Bildhauer Fritz Behn
Der Landsturmmann in Ivenack und Gera

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Lübeck

In der St. Jakobi Kirche

Das Kriegerdenkmal »Trauernder Landsturmmann«, das bis heute in der Kirche St. Jakobi in Lübeck steht, ist 1919 vom Bildhauer Fritz Behn geschaffen worden.

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Im September 2017 ist der steinerne Landsturmmann durch eine 8 Meter lange Stoffbahn verdeckt worden, ohne dass er dahinter komplett verschwindet. Siehe weiter unten.

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Der ca. 3 Meter große Landsturmmann hat ein Gewehr mit Bajonett in der rechten Hand. Er ist mit Uniformmantel, Koppel mit Patronentasche und Stiefeln bekleidet.

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Der schnauzbärtige Landsturmmann trägt seinen Stahlhelm vor dem Herzen, der Kopf ist gesenkt. Er ist ein älterer Mann, kein junger Soldat.

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In die Ziegelsteine rechts und links vom Landsturmmann sind die Namen der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs graviert.

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Viele Kerzen brennen an einem sonnigen Julitag im Jahr 2016 für den Landsturmmann.

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Die Neue Gedenkkultur

Die Kirchengemeinde hatte die renommierte österreichische Künstlerin Maria Moser beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, der Gefallenen des Krieges als Opfer und nicht als Helden zu gedenken.

In ihrem Werk hat Maria Moser die Skulptur von Fritz Behn durch eine 8 Meter hohe translozierende Stoffbahn in der Form eines angedeuteten Kreuzes verdeckt, ohne dass diese dahinter komplett verschwindet. Die »Alte Gedenkkultur« tritt in den Schatten des neuen Denkens. Die Farbigkeit des mit durchsichtigen Glasfarben bemalten Stoffes, orientiert sich bewusst an der Farbigkeit der Lutherrose und soll zur Diskussion anregen, d.h. die schwarzen, roten, weißen – in Mischung von Schwarz und Weiß – auch grauen Farbtöne der Lutherrose finden sich auf der Stoffbahn wieder. Blau und Gold spiegelt sich im Wasser des quadratischen Beckens. Das Gedenken der Toten findet im Angesicht des Kreuzes statt. Der Soldat als Zeichen für die Absurdität von Krieg und Gewalt steht hinter dem lichtdurchfluteten Kreuz. Die Papierwand soll zum Beschriften von Gebeten und Wünschen einladen.

• Aus dem Informationen auf den Wänden rechts neben der Installation. Den vollständigen Text und Statements der Künstlerin und des Kurators Björn Engholm können Sie hier lesen:

Text zur Gedenkkultur


Am 9. September 2017 lud die Kirchengemeinde zur Vernissage ein.

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Die Ziegelsteine mit den Namen der toten Soldaten sind jetzt mit weißen Stoffbahnen verdeckt, damit die leuchtenden Farben der Stoffbahn besser zur Geltung kommen.

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Das Wasserbecken soll die Farben Blau, das Wasser und Gold, das Kerzenlicht, symbolisieren.

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Volkstrauertag 2017

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Während des Gottesdienstes zum Volkstrauertag gingen die Besucher für eine Gedenkminute ins nördliche Seitenschiff und stellten Kerzen auf die Glasplatte des Wasserbeckens.

Pastor Lutz Jedeck ließ in seiner Predigt mit vielen Zitaten den Geist, der in der Entstehungszeit des Denkmals herrschte, lebendig werden.

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Der Bildhauer Fritz Behn

Der Münchner Bildhauer Fritz Behn (16. Juni 1878 Klein Grabow – 26. Januar 1970 München) ist ein Enkel des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Theodor Behn. Schon früh erringt er Berühmtheit mit seinen Tierplastiken, die nach seinen Reisen durch die Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (heute Tansania, Ruanda und Burundi) entstehen. Er ist ein entschiedener Befürworter der deutschen Kolonialherrschaft und Vertreter eines rigiden Herrenstandpunktes gegenüber den Kolonialvölkern. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet Behn sich als Freiwilliger und kommt an der Westfront und im Ägäischen Meer zum Einsatz.

Nach dem Krieg bewegt er sich sowohl in konservativen wie in rechtsradikalen Kreisen und vertritt nationalistische und antidemokratische Positionen. Eine Zeit lang ist er Präsident des 1920 von ihm mitbegründeten Bayerischen Ordnungsblockes, eines Verbandes völkisch-nationalistischer Organisationen. Auch in seinen zahlreichen Zeitschriftenartikeln positioniert er sich auf Seiten der extremen Rechten. Um 1920 engagiert sich Behn im Umkreis der Nationalsozialisten und soll 1923 auch der SA beigetreten sein. Bis in die 1930er Jahre hinein tritt er als Schöpfer zahlreiche Kriegerdenkmäler in Erscheinung. Außerdem ist er ein gefragter Porträtist. Im Verlauf seines Lebens entstehen über 100 Büsten, u.a. von Bach, Beethoven, Bismarck, Mussolini, Hitler, Hindenburg, Furtwängler, Schweitzer, Callas und Adenauer.

Im Jahr 1927 bekleidet er für kurze Zeit das Amt des Präsidenten der Münchner Künstlergenossenschaft. Im Mai 1928 ist Behn Mitunterzeichner des von dem NS-Chefideologen Alfred Rosenberg erlassenen Aufrufs zur Gründung des »Kampfbundes für deutsche Kultur«. Er ist »Gelegenheitsberichterstatter« im Feuilleton des NS-Kampfblattes ›Völkischer Beobachter‹. Als erklärter Gegner avantgardistischer Kunst polemisiert er gegen den »Kunstbolschewismus« und das »Chaos der Kulturzersetzung«.

Noch im Monat von Hitlers Machtübernahme votiert Behn für die Wiedereinsetzung der bayerischen Monarchie. In der Folgezeit lässt er eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem NS-Regime erkennen, wohl auch deshalb, da er keine großen Staatsaufträge erhält. Es entstehen weitere – von privaten Auftraggebern aus der Industrie finanzierte – Kriegerdenkmäler, so in Oberhausen, Hannover, Nürnberg und Osnabrück. Für die Wehrmacht entwirft er Hoheitszeichen in den Kasernenanlagen. Außerdem erhält er den Auftrag für ein Martin-Luther-Denkmal in Lübeck und das Heinrich-von-Buz-Denkmal in Augsburg.

Von 1937 bis 1940 ist Behn auf der Großen Deutschen Kunstausstellung im Münchner Haus der Deutschen Kunst vertreten.

1939 erhält er den Ruf an die Akademie der Bildenden Künste in Wien. Behn ist bei Eintritt in die Akademie nicht Mitglied der NSDAP. Von Gauleiter und Reichstatthalter der Ostmark Baldur von Schirach erhält er Aufträge für einige Porträtbüsten. Entwürfe für größere Werke, darunter ein Orpheus-Brunnen, bleiben unausgeführt, da man ihm nach Ausbruch des Krieges die Zuteilung von Bronze verweigert. 1943 erhält er den Emanuel-Geibel-Preis der Stadt Lübeck.

Im Juni 1945 wird Behn seines Amtes an der Wiener Kunstakademie enthoben. Die Spruchkammer München stuft ihn in die Gruppe 5 der Entlasteten ein. Behn lebt mittellos in seinem Landhaus in Ehrwald/Tirol.

In Günsbach im Elsass wird im Jahr 1969 das schon einige Jahre zuvor von Behn fertiggestellte Albert-Schweitzer-Denkmal eingeweiht.

Zu seinem 90. Geburtstag wird Fritz Behn mit der Lübecker Senatsplakette ausgezeichnet.

Zwischen 1973 und 2006 gibt es in Bad Dürrheim im Schwarzwald ein privates Fritz-Behn-Museum. Der Werkbestand des aufgelösten Fritz-Behn-Museums kommt im November 2007 beim Münchner Auktionshaus Neumeister zur Versteigerung. Der allergrößte Teil der Arbeiten gelangt in die private Kunstsammlung von Karl H. Knauf nach Berlin.

Text: Joachim Zeller

In der 2016 erschienen Behn-Biographie von Joachim Zeller wird die schillernde Persönlichkeit des Künstlers folgendermaßen charakterisiert:

»(…) der politisierende Bildhauer Behn hat seine Person und Lebensleistung durch seine schon lange vor 1933 begonnene Mitarbeit auf Seiten der extremen Rechten – von seinem kolonialistischen Herrenmenschentum der frühen Jahre ganz zu schweigen – diskreditiert und sich selbst ins Abseits gestellt. Er mischte in den völkischen und nationalsozialistischen Kreisen Münchens mit und bekämpfte die Republik von Weimar. (…) Politisch ein Erzkonservativer, mehr noch ein Reaktionär, ließ er die Distanz zu den totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts vermissen und machte sich sogar, wie sein Mussolini-Buch zeigt, zu deren Propagandisten (…) Überblickt man das Œuvre von Fritz Behn, wird deutlich, dass er im Großen und Ganzen keine ›Nazi-Kunst‹ lieferte, jedenfalls keine Werke im Stile von NS-Staatskünstlern wie Arno Breker oder Josef Thorak. Nicht zu übersehen ist gleichwohl, dass mancher seiner Arbeiten der braune Hauch des Nazismus entströmt. Dieser Verrat Behns an seiner Kunst ist nicht zu leugnen. Und doch, ein Protagonist der NS-Staatskunst war Behn nicht. Er erhielt keinen einzigen großen repräsentativen Auftrag von Seiten des NS-Regimes. Die damaligen Machthaber bekundeten ein nur mäßiges Interesse an seiner Kunst, obwohl sie ihm zur Professur in Wien verhalfen. Das Hauptwerk seiner Wiener Jahre, der nicht zur Ausführung gelangte Orpheus-Brunnen, kann weder ikonographisch, noch stilistisch der NS-Kunst zugeschrieben werden. Davon abgesehen ist mit dem dichotomischen Bild der ›Nazi-Kunst‹ auf der einen und der als ›entartet‹ verfemten Avantgardekunst auf der anderen Seite der Kunst in Deutschland zwischen 1933 und 1945 nicht beizukommen. Fritz Behn ist dem breiten Mittelfeld zuzurechnen, das aus einer eher traditionell, mitunter moderat-modern arbeitenden Künstlerschaft bestand. Bei alledem kann Fritz Behn, dessen bildhauerisches Werk der Wiederentdeckung harrt, zu den wichtigen Animaliers des 20. Jahrhunderts gezählt werden. Mit seinen besten Werken ist er in eine Reihe mit Tierbildhauern vom Range eines August Gaul, Rembrandt Bugatti, François Pompon, Ewald Mataré, Gerhard Marcks, Philipp Harth oder einer Renée Sintenis zu stellen. Mit ihnen zusammen trug er dazu bei, der autonomen Tierplastik zum Durchbruch zu verhelfen.«

Joachim Zeller: Wilde Moderne. Der Bildhauer Fritz Behn (1878-1970), Berlin 2016, S. 141 f

In Lübeck sind noch mehr Werke von Fritz Behn zu sehen, z.B. auf dem »Ehrenfriedhof« das Denkmal »Sterbender Krieger«:

Der Ehrenfriedhof in Lübeck

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Der Landsturmmann in Ivenack

Fritz Behn hat die Figur des Landsturmmanns dreimal für eine Kirche verwendet. In Marmor steht er als Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs am Altar der Schlosskirche in Ivenack in Mecklenburg. Die Schlange, als Symbol für den Feind, liegt unter seinen Stiefeln und versinnbildlicht die damalige Vorstellung vom deutsches Heer, das »im Felde unbesiegt« gewesen sei.

     SH Luebeck Ivenack Schlosskirche WC Peter Schmelzle cc by sa 3.0 web
     Foto:Wikimedia Commons / Peter Schmelzle / cc-by-sa-3.0


»Gestiftet von dem Grafenpaar Plessen schuf Fritz Behn vor 1929 [1925] einen deutschen Frontsoldaten im Hochrelief, der betend auf einem ›besiegten Feindtier‹ (Gehrig, Von Gefallenenmälern in Mecklenburg, 1929, S. 416) steht. Mochten nach 1918 die militärische Lage, die Situation in den besetzten Gebieten ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass aggressive Motive dieser Art auf Kriegerdenkmälern weitgehend fehlten, wurde der konservierte Hass auf die belgischen, französischen oder britischen Besatzer selbst nach deren Abzug selten offen über gegnerische Landes-Allegorien kommuniziert. Die Schlange scheint im kaiserlichen wie republikanischen Deutschland nahezu das einzige emotionsfördernde Feind-Attribut, das Denkmalsstifter aus dem abendländischen Erinnerungsreservoir schöpften.«

zitiert aus Loretana de Libero, Rache und Triumph – Krieg, Gefühle und Gedenken in der Moderne, De Gruyter, S. 236


Der dritte Landsturmmann steht in der St. Marienkirche in Gera. Der »betende Krieger« wurde 1929 von der Familie des Textilfabrikanten Louis Hirsch für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs gestiftet. Er ist aus braunem Marmor gearbeitet. Ursprünglich stand er im Altarraum gegenüber der Kanzel. 1957 wurde er an die Südostecke des Kirchenschiffes umgesetzt, dort steht er bis heute.

     SH Luebeck Behn St Marien Gera2 web


     SH Luebeck Behn St Marien Gera1 web

 

Wir danken Sabine Kärsch vom Gemeindebüro der St. Marienkirche für die Informationen und die Fotos.

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I N H A L T
Der »Ehrenfriedhof«
»Helm ab zum Gebet«
Volkstrauertag
Die Entstehungsgeschichte
Der Bildhauer Richard Kuöhl
Der Bildhauer Fritz Behn
Weitere Gedenksteine
Die Idee des »Ehrenfriedhofs«
Historische Fotos

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Lübeck

»Ehrenfriedhof« beim Burgtor

Auf dem »Ehrenfriedhof« werden als einzigem der fünf städtischen Friedhöfe keine Bestattungen mehr vorgenommen. Er dient als reine Gedenkstätte an die Opfer beider Weltkriege aus Lübeck und Hamburg und ist komplett mit Soldatengräbern, zivilen Kriegsopfern und Kriegerdenkmälern belegt. Da es sich bei diesen Gräbern ausschließlich um Kriegsgräber im Sinne des Gräbergesetzes handelt, laufen die Nutzungsrechte nie ab, und die Gräber werden unbegrenzt vom Bereich Stadtgrün und Verkehr der Hansestadt Lübeck gepflegt.

Der »Ehrenfriedhof« ist etwa fünf Hektar (50.000 m2) groß, umfasst 1882 Grabstätten und ca. 500 Gedenksteine. Er liegt an der Travemünder Allee in Höhe der Kreuzung Sandberg/Heiliger-Geist-Kamp und gegenüber dem Burgtorfriedhof.

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»Helm ab zum Gebet«

Das Denkmal für die toten Soldaten des 3. Hanseatischen Infanterie Regiments Lübeck Nr. 162 im 1. Weltkrieg liegt im Zentrum einer halbkreisförmigen Anlage in der Hauptachse des Ehrenfriedhofs.

SH Luebeck Helm ab web 2

 

            SH Luebeck Helm ab Detail web


1924 entwarf der Bildhauer Richard Kuöhl im Auftrag des Städtischen Friedhofamtes Lübeck die vier Meter hohe Statue »Helm ab zum Gebet« aus Muschelkalk. Die vier Meter hohe Statue steht im Vorhof des Ehrenfriedhofs – dahinter eine Mauer im Halbkreis, an der für jedes Kriegsjahr eine Tafel eingelassen ist. Sie dokumentieren die Namen der getöteten Soldaten und ihre Einsatzorte. Die Statue steht auf einem runden Sockel. Sie soll einen an den Gräbern von getöteteten Kameraden verharrenden Soldaten darstellen. Er hält seinen Helm vor der Brust, steht breitbeinig da, in Uniformmantel, mit Patronengürtel und Stiefeln, sein kantiges Gesicht ist leicht gesenkt. An der Seite trägt er ein Langmesser und eine Feldflasche. Eine Tafel zwischen seinen Stiefeln zeigt das Wappen des Regiments, den Lübecker Doppeladler.

             SH Luebeck Helm ab seitlich web

Auf dem Sockel befindet sich die Inschrift:
1914 - 1918 den gefallenen Helden des Inf. Regts. Lübeck
3. Hanseatisches Nr. 162
85 Offiziere 1755 Unteroffiziere und Mannschaften

Eingerahmt wird die Inschrift von einer Zeile aus Ludwig Uhlands Gedicht »Der Gute Kamerad«:
Ich hatt’ einen Kameraden, einen bessren findst Du nicht


SH Luebeck Helm ab Inschrift web


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Kuöhls Denkmäler in:

Hamburg Dammtor
Hamburg Langenhorn
Schleswig-Holstein Rendsburg
Schleswig-Holstein Wilster
Hamburg Neuenfelde
Hamburg Finkenwerder
Schleswig-Holstein Neumünster
Hamburg Moorburg
Schleswig-Holstein Großhansdorf

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Volkstrauertag

SH Lubeck Volkstrauertag web

Foto: Andreas Braeger

SH Lubeck November2009 web

Foto: 1970gemini@GermanWikipedia

Alljährlich am Volkstrauertag gedenken am Kriegerdenkmal »Helm ab zum Gebet« Vertreter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge sowie Abgesandte der Hansestadt Lübeck und der politischen Parteien der getöteten Soldaten. In der Mitte des Bildes liegt der Kranz des Bundesministers der Verteidigung. Das Foto ist 2009 aufgenommen worden.

SH Lubeck Ehrenfriedhof NPD web

Aber auch die NPD und andere Neonazis fühlen sich aufgerufen, der »Helden« zu gedenken.

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Die EntstehungsGeschichte

Am 29. Juli 1919 genehmigte der Senat der Freien und Hansestadt Lübeck der Abwicklungsstelle des Infanterie-Regiments Lübeck unter Verwendung der Mittel aus der regimentseigenen Loigny-Stiftung die Errichtung des Kriegerdenkmals. Es wurde zum zentralen Gedenkort des Friedhofs.

In der Jahresversammlung des Offiziervereins 162 des Jahres 1921 wurde die Errichtung eines »dem Platze würdigen Ehrenmals« beschlossen. Der Lübecker Architekt Karl von Ladiges (1878 - 1952) stand dem Projekt seit dem Frühjahr 1922 beratend zur Seite.

Es wurde ein Denkmals-Ausschuss unter dem Vorsitz des Generals von Heynitz und den Ehrenvorsitzenden Bürgermeister Neumann und General der Infanterie von Morgen gebildet.

Der Ausschuss stand mehrmals vor der Frage, angesichts der zerrinnenden Geldmittel, den Plan der Errichtung vorläufig aufzugeben.

Die Architekten Lübecks erboten sich dann aber auf Anregung von Karl von Ladiges einen Wettbewerb durchzuführen, der für den Ausschuss kostenlos sein sollte. Von Ladiges nahm daran allerdings nicht teil. Die Entscheidung fiel dann auf den Entwurf »Morituri« von Oberbaurat Virck, Architekt Meyer und dem Hamburger Bildhauer Kuöhl mit der Maßgabe, dass die kniende Figur des am Grabe seiner Kameraden betenden Kriegers aus dem Entwurf in eine aufrechte, nicht allein Trauer, sondern auch Kraft, Trotz und Vertrauen in die Zukunft dokumentierende Kriegergestalt umzuwandeln sei. Dies entspräche dem Geist ihrer 162er.

Von der Realisierung dieser Maßgabe überzeugten sich die Ausschussmitglieder in den verschiedenen Stadien der Entwicklung durch persönliche Besichtigung in der Werkstatt des Bildhauers.

Der Ausschuss erwog das Für und Wider der zur Wahl stehenden Aufstellungsorte. Sie wurden besichtigt und unter Aufstellung von Stangengerüsten verglichen. Das Regimentsdenkmal steht nun nicht irgendwo, sondern an zentraler Stelle der Hauptachse des »Ehrenfriedhofs«. Diese Stellung behielt es auch nach der Erweiterung des »Ehrenfriedhofs« durch die Opfer des 2. Weltkriegs.

Die für den 27. Juli 1924 festgesetzte feierliche Enthüllung des Denkmals musste in aller Stille erfolgen. Am 2. Regimentstag der 162er, dem 10. Mai 1925, wurde dann aber die Einweihung im festlichen Rahmen nachgeholt. Der Weihegottesdienst wurde in der überfüllten Marienkirche abgehalten, danach zog man zum »Ehrenfriedhof«, wo die Weihe von Pastor Balcke durchgeführt wurde.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 15. 4. 2015

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Der Bildhauer Richard Kuöhl

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Seine handwerkliche Ausbildung als Kunsttöpfer erhielt er in einer der Modellfabriken dieses Zentrums keramischer Kunst. Nach dreijährigem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wurde er als leitender Modelleur einer bauchemischen Versuchsanstalt mit den modernsten Techniken der Tonbearbeitung vertraut. 1912 folgte er seinem Dresdener Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Dort arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren mit fast industriellem Ausstoß. Es entstanden Skulpturen in Stein, Keramik und Reliefs in Terrakotta. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

Kriegerdenkmäler gehörten während der Weimarer Republik zu den häufigsten und begehrtesten Auftragswerken deutscher Bildhauer. Auch Kuöhl hatte bereits zahlreiche Kriegerdenkmäler ausgeführt, dabei war es ihm stets gelungen, die von nationalistisch und militärisch gesinnten Kreisen mit einem »Ehrenmal« beabsichtigte politische Aussage künstlerisch zu formulieren. »Nicht Jammer und Not, sondern Mannestat und Einsatzbereitschaft, das Heldische, Kraftvolle, das ein Mahnmal verkörpern muß, zeigen die »Ehrenmäler«, die er geschaffen hat ... immer wieder spricht ein trotziges ›Dennoch!‹ aus diesen Denkmälern.

»Neben idealisierten nackten Kriegern ... hatte er in kontinuierlicher Folge eine Darstellungsform des grobschlächtigen uniformierten deutschen Soldaten entwickelt, die den Vorstellungen der neuen Auftraggeber offenbar besonders entsprach: Im Mittelpunkt des Lübecker Ehrenfriedhofs, 1924, steht breitbeinig ein Infanterist, der den Helm zum Gebet abgenommen hat. Auf dem Klinkersockel des Regimentsdenkmals in Rendsburg, 1927, lagert ein sterbender Soldat, dem der Helm herabgesunken ist. Auf dem Klinkersockel des Kriegerdenkmals in Langenhorn, 1930, beugt ein Soldat mit abgenommenem Helm das Knie vor dem toten Kameraden.

Kuöhl war mit seiner Praxis als Bauplastiker und Mitarbeiter von Architekten, mit seiner praktischen Erfahrung als einsatzbereiter Gestalter von Soldatengrabmälern und Ehrenfriedhöfen an der Front, vor allen Dingen aber mit dieser Reihe von Soldatendarstellungen, die instinktsicher das trafen, was Kriegervereine und Rechtsparteien sich unter neuer deutscher Plastik vorstellen mochten, prädestiniert für weitere und größere Aufgaben dieser Art.«

Zitat aus Volker Plagemanns Buch »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986

Eine Autorengruppe um Roland Jäger veröffentlichte 1979 ein Buch über den »Kriegsklotz« hinterm Dammtorbahnhof in Hamburg, das wohl umstrittenste Denkmal Kuöhls. Hier können Sie zwei Seiten daraus lesen:

Jäger u.a. Kuöhl, S. 28 - 31

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Der Bildhauer Fritz Behn

Die aus ursprünglich weißem Muschelkalk gefertigte Skulptur von Fritz Behn steht auf einer halbrunden Rasenfläche des Lübecker »Ehrenfriedhofs«. Behn, geboren am 16. Juni 1878 in Klein Grabow, gestorben am 26. Januar 1970 in München, widmete die Plastik »Der sterbende Krieger« seinem Schwager, dem Hauptmann und Rechtsanwalt Dr. Küstermann. Er hatte die Skulptur schon 1916, während des Krieges, fertiggestellt (siehe auch die Postkarte weiter unten). Die Ergänzungen, Sockel und Inschriften, zum Kriegerdenkmal waren dann eine Stiftung der Witwe.

SH Luebeck FritzBehn weit web


Einem antiken griechischen Helden nachempfunden ist der Akt eines muskulösen sterbenden Kriegers, der in unnatürlicher Haltung auf dem Boden sitzt. Der Kopf mit Stahlhelm ist gesenkt, er fasst sich mit der linken Hand ans Herz und hält mit dem ausgestreckten rechten Arm sein zerbrochenes Schwert.

SH Luebeck FritzBehn vorne web

Die Inschrift vorn auf dem Sockel lautet nach einem Vers des Lübecker Schriftstellers Otto Anthes:

Der mir der Liebste war, ihm sei es ein Grüßen der Liebe
Allen, die fielen wie er, schmerzlichen Dankes ein Mal

Auf der Rückseite die Widmung:

Dem Gedenken Dr. jur. Hans Hermann Küstermann
Gefallen im Priesterwald 1915

Die Buchstaben von »Gedenk« sind zerstört worden.

             SH Luebeck FritzBehn seitlich web

Die einzelnen Felder bzw. Plätze des »Ehrenfriedhofs« liegen wegen des Gefälles der Sandbergkoppel auf unterschiedlichem Niveau. Dadurch entsteht eine natürliche Abtreppung, mit dem sterbenden Krieger im Vordergrund und der Treppe zum zentralen ovalen Feld im Hintergrund.

SH Luebeck FritzBehn hinten web

Der Münchner Bildhauer Fritz Behn (1878 – 1970) ist ein Enkel des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Theodor Behn. Schon früh erringt er Berühmtheit mit seinen Tierplastiken, die nach seinen Reisen durch die Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (heute Tansania, Ruanda und Burundi) entstehen. Er ist ein entschiedener Befürworter der deutschen Kolonialherrschaft und Vertreter eines rigiden Herrenstandpunktes gegenüber den Kolonialvölkern. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldet Behn sich als Freiwilliger und kommt an der Westfront und im Ägäischen Meer zum Einsatz.

Nach dem Krieg bewegt er sich sowohl in konservativen wie in rechtsradikalen Kreisen und vertritt nationalistische und antidemokratische Positionen. Eine Zeit lang ist er Präsident des 1920 von ihm mitbegründeten Bayerischen Ordnungsblockes, eines Verbandes völkisch-nationalistischer Organisationen. Auch in seinen zahlreichen Zeitschriftenartikeln positioniert er sich auf Seiten der extremen Rechten. Um 1920 engagiert sich Behn im Umkreis der Nationalsozialisten und soll 1923 auch der SA beigetreten sein. Bis in die 1930er Jahre hinein tritt er als Schöpfer zahlreiche Kriegerdenkmäler in Erscheinung. Außerdem ist er ein gefragter Porträtist. Im Verlauf seines Lebens entstehen über 100 Büsten, u.a. von Bach, Beethoven, Bismarck, Mussolini, Hitler, Hindenburg, Furtwängler, Schweitzer, Callas und Adenauer.

Im Jahr 1927 bekleidet er für kurze Zeit das Amt des Präsidenten der Münchner Künstlergenossenschaft. Im Mai 1928 ist Behn Mitunterzeichner des von dem NS-Chefideologen Alfred Rosenberg erlassenen Aufrufs zur Gründung des »Kampfbundes für deutsche Kultur«. Er ist »Gelegenheitsberichterstatter« im Feuilleton des NS-Kampfblattes ›Völkischer Beobachter‹. Als erklärter Gegner avantgardistischer Kunst polemisiert er gegen den »Kunstbolschewismus« und das »Chaos der Kulturzersetzung«.

Noch im Monat von Hitlers Machtübernahme votiert Behn für die Wiedereinsetzung der bayerischen Monarchie. In der Folgezeit lässt er eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem NS-Regime erkennen, wohl auch deshalb, da er keine großen Staatsaufträge erhält. Es entstehen weitere – von privaten Auftraggebern aus der Industrie finanzierte – Kriegerdenkmäler, so in Oberhausen, Hannover, Nürnberg und Osnabrück. Für die Wehrmacht entwirft er Hoheitszeichen in den Kasernenanlagen. Außerdem erhält er den Auftrag für ein Martin-Luther-Denkmal in Lübeck und das Heinrich-von-Buz-Denkmal in Augsburg.

• Text: Joachim Zeller

 

In Lübeck sind noch mehr Werke von Fritz Behn zu sehen, z.B. in der Jacobikirche.

»Trauernder Landsturmmann«

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Weitere Gedenksteine

              SH Lubeck Ehrenfriedhof4 web

 

             SH Lubeck Ehrenfriedhof2 web

 

             SH Lubeck Ehrenfriedhof1 web

 

             SH Lubeck Ehrenfriedhof3 web

                    Alle vier Fotos: Concord / Wikimedia Commons

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Die Idee des »Ehrenfriedhofs«

SH Lubeck Ehrenfriedhof web

Foto: Peter Oldekop/Wikimedia Commons

Die Grundidee des städtischen Ehrenfriedhofs am Sandberg stammt von Harry Maasz, geboren am 5. Januar 1880 in Cloppenburg, gestorben am 24. August 1946 in Lübeck. Er war von 1912 bis 1922 Leiter des Lübecker Gartenbauamts und bezeichnete sich selbst gerne als Gartenbaukünstler. An der Anlage des Ehrenfriedhofs lässt sich erkennen, wie Harry Maasz die Topografie der Landschaft in seine Gestaltungen einbezog. Eingebettet in das Gefälle des Sandbergs verteilen sich 1.884 Gräber, davon 1.817 Kriegsgräber, sowie mehrere Skulpturen auf einzelne Felder und Plätze. Es sind mal ovale, mal runde Waldlichtungen, die verschiedenen Opfergruppen gewidmet sind. Zentrum und Ursprung der fünf Hektar großen Anlage ist seit 1915 das »ovale Feld« – ein weites Rasenfeld mit Gedenktafeln. Der Ehrenfriedhof ist die größte öffentliche Anlage, die Harry Maasz in Lübeck erschaffen hat. Er ist auch einer der Wenigen, der dort ein Nichtkriegsgrab erhalten hat.

Nach einem Text der Stadtentwicklungsbehörde Lübeck

                   SH Preetz Maazs web

• Der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz (1880 - 1946)

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Historische Fotos

 

SH Lubeck Postkarte1a web

Der Hauptplatz des »Ehrenfriedhofs« im Jahr 1915 noch ohne den »sterbenden Krieger« von Fritz Behn.

SH Ehrenfriedhof Luebeck Pfingsten 1916 web

Pfingsten 1916: Gedächtnisfeier für die auf dem »Ehrenfriedhof ruhenden Helden« am 4. Juni. Pastor Ziesenitz hält die Rede.

SH Luebeck Alte KarteBehn web

Schon 1916, während des Krieges, hatte Fritz Behn den »sterbenden Krieger« fertiggestellt. Hier auf der Postkarte sehen wir ihn noch ohne den Sockel, den er auf dem »Ehrenfriedhof« erhielt.

 

SH Lubeck Postkarte1 web

Ca. 1919 ist der »sterbende Krieger« aufgestellt worden und dazu noch viele Namenstafeln für tote Soldaten des 1. Weltkriegs. Die Tafeln mit der dazugehörenden Bepflanzung wirken wie Gräber.


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Vorgeschichte
Die Einweihung
Der Bildhauer Pagels
Die Possehl-Stiftung

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Lübeck

Auf dem Marienkirchhof

Seit 1929 steht das Denkmal dicht an der Mauer der Kirche St. Marien auf einem dreistufigen Podest. Der Bildhauer Hermann Joachim Pagels aus Berlin hat es für die Kirchengemeinde aus schwedischem Granit geschaffen. Am Totensonntag 1929 wurde das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten der Gemeinde eingeweiht.

SH Luebeck St Marien web

 

Auf der Vorderseite des Hauptblocks steht die Widmung:
Die sanct Marien-Gemeinde ihren Toten
1914   1918

Später hinzugefügt wurde:

und 1939    1945

Oben läuft ein Schriftband mit dem Bibelspruch (1 Kor 13,13):
Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe

Auf der Rückseite erscheint das Werkzeichen der Marienkirche.

Auf dem Granitblock sitzt eine dornenkranzumzogene Weltkugel, die für die Trauer der ganzen Welt stehen soll. Darüber ein Kreuz aus Bronze

Der Hauptblock des Denkmals aus Granit wiegt 23 000 Kilo, er wurde mit einem Schiff aus Schweden in den Lübecker Hafen gebracht.


SH Luebeck St Marien Michael web

Auf der Ostseite steht im Schriftband die Zeile aus einem Altniederländischen Dankgebet:

Herr mach uns frei

Darunter das Relief des Drachentöters St. Michael. Siehe dazu auch die Dokumentation des Kriegerdenkmals in Heiligenhafen.

Der Erzengel Michael in Heiligenhafen

 

SH Luebeck St Marien Georg web
 
Auf der Westseite steht im Schriftband der Titel einer Kantate von Johann Sebastian Bach (BMV 197):

Gott ist unsere Zuversicht

Darunter das Relief des Drachentöters St. Jürgen.

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Die VorGeschichte

Der Plan für ein Kriegerdenkmal in St. Marien wurde schon in den Kriegsjahren gefasst. Man dachte an den Ausbau einer der größeren Seitenkapellen zu einer Ehrenhalle. Auch andere Vorschläge, die mit dem »Ehrenfriedhof« in Lübeck in Verbindung standen, wurden gemacht.

»Ehrenfriedhof«

Die anderen Hauptkirchen Lübecks stellten im Laufe der Jahre Gedenktafeln auf oder errichteten Kapellen für die im 1.Weltkrieg getöteten Soldaten ihrer Gemeinde.

Im Jahre 1920 begann auch die Marien-Gemeinde mit der Vorbereitung eines Denkmals. Auf die öffentliche Ausschreibung unter den in Lübeck geborenen oder hier wirkenden Künstlern und Kunstgewerblern wurden 48 Entwürfe von 38 Bewerbern eingereicht, die in der Bürgermeisterkapelle der Kirche öffentlich ausgestellt wurden.

Von der aus Mitgliedern des Kirchenvorstandes und Kunstsachverständigen gebildeten Jury wurden drei Entwürfe zur Ausführung vorgeschlagen: von Regierungsbaumeister a. D. Blohm und Bildhauer Oskar Ulmer (1888–1963) aus Hamburg; von den Architekten Runge & Lenschow aus Lübeck und vom Architekten Meyer ebenfalls aus Lübeck. Von den Entwürfen kam jedoch keiner zur Ausführung, alle Verhandlungen zerschlugen sich.

Nach einer langen Unterbrechung wurde 1927 die Frage durch eine Projektierung des Bildhauers Richard Kuöhl wieder aufgenommen. In einem beschränkten Wettbewerb entschied sich der Kirchenvorstand dann aber für ein vor der Kirche aufzustellendes Denkmal nach dem Entwurf des aus Lübeck stammenden Bildhauers Hermann Joachim Pagels aus Berlin und im Innern der Kirche für eine Tafel mit den Namen der toten Soldaten, für die der ebenfalls aus Lübeck stammende Bildhauer Hans Schwegerle aus München einen Entwurf in Form eines Kreuzes geliefert hatte.

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Nachdem alle Steinbrüche in Deutschland wegen der Transportschwierigkeiten auf dem Landwege abgesagt hatten, erhielten die schwedischen Karlshällawerke den Auftrag.

Der Hauptblock des Denkmals vor der Mauer von St. Marien erreichte am 25. Juni nach dreitägiger Fahrt auf dem Schiff den Lübecker Hafen. Dort wurde er von der Steinhauerfirma Ludwig Bruhn bearbeitet. Das Gestein entspricht etwa dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Grundstein der Kirche selbst. Am Sonnabend, dem 5. Oktober 1929, legte der Kirchenvorstand von St. Marien die Urkunde, in der die Vorgeschichte des »Ehrenmals« für die 318 toten Soldaten der St. Mariengemeinde zu Lübeck erzählt wird, in den Grundstein des Denkmals und am Dienstag, den 8. Oktober, erfolgte der Transport des Hauptblocks vom Hafen zu St. Marien. Der Granitstein, der 23 000 kg wiegt, hat mit den Seitenlängen von 1,80 m x 2,70 m x 1,57 m ein Volumen von ca. 7,6 Kubikmetern. Der Wagen der Firma Joachim Parbs wurde von 16 starken Pferden gezogen.

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In den folgenden Wochen wurden die Reliefs durch den Berliner Bildhauer Moserker auf beiden Seiten eingehauen und die Schrift durch die Steinmetze der Firma Bruhn fertiggestellt. Auf der Rückseite erscheint jetzt das Werkzeichen der Marienkirche.

Hier können Sie sich den vollständigen Artikel über die Errichtung des Kriegerdenkmals in den »Vaterstädtischen Blättern« 1929, Nr.1 lesen:

Vaterstädtische Blätter 1, 1929

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Die Einweihung

Die Einweihung des Kriegerdenkmals und der Namenstafel im Innern der Marienkirche erfolgte in einem Trauergottesdienst am Totensonntag, den 24. November 1929.

Die Gemeinde stimmte folgendes Lied an: »Ruhm und Preis sei euch gesungen, die ihr mit aller Welt gerungen und Helden bliebt im harten Streit. Eure Leiber, euer Leben habt ihr als Schutzwall hergegeben für deutscher Heimat Sicherheit. Der Freiheit golden Licht schien euch ins Angesicht noch im Sterben. Die Freiheit brach in bitt’rer Schmach! Doch eure Saat reift neuem Tag!«

Die Predigt, in der unter anderem die Namen der 318 toten Soldaten der Gemeinde verlesen wurden, hielt Hauptpastor Denker. Nach Beendigung des Gottesdienstes folgte die Gemeinde dem Kirchenvorstand, den zahlreiche Abordnungen und Fahnenträgern auf den Kirchplatz. Unter Glockengeläut und dem von der Regimentskapelle gespielten Lied »Ich hab mich ergeben« wurde der Zug am Denkmal empfangen. Nach einer stillen Andacht enthüllte der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Herr Dahms, das Denkmal mit den Worten: »Möge es für alle Zeit Zeugnis darüber ablegen, dass unser Geschlecht der teuren Toten unauslöschlich gedenkt«.

Den Kranzniederlegungen folgte die Weiherede von Pastor Pautke. Mit dem Lied »Ich hatt’ einen Kameraden« schloss die Feier.

Während der in Lübeck geborene Schwegerle der Veranstaltung beiwohnte, war Pagels durch eine Verpflichtung in der Villa Hügel in Essen verhindert.

Vaterstaedtische Blaetter 1929 Nr5 web 

Hier können Sie sich den vollständigen Artikel über die Einweihung des Kriegerdenkmals in den »Vaterstädtischen Blättern« 1929, Nr.5 ansehen

Vaterstädtische Blätter 5, Einweihung 1929

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Der Bildhauer Pagels

Hermann Joachim Pagels (1876 - 1959) war ein Sohn von Heinrich Pagels, dem Seniorchef der seinerzeit deutschlandweit bedeutenden Firma Heinr. Pagels in der Breiten Straße zu Lübeck, einem Porzellan- und Haushaltswarengeschäft. Er war Mitschüler von Thomas Mann auf dem Katharineum. Mit Fritz Behn (1878 - 1970) und Hans Schwegerle (1882 - 1950) bildet er eine Gruppe von fast gleichaltrigen Lübeckern, die erfolgreiche Bildhauer wurden und deren Arbeiten dem Zeitgeschmack entsprachen.

Auf dem Burgtorfriedhof schuf Pagels 1921 das Mausoleum für Emil Possehl.

Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde Pagels durch seine Adolf-Hitler-Büsten bekannt. Hitler erwarb von Pagels das Werk »Schwimmerin«  für 8000 Reichsmark. Pagels Werke wurden zur NS-Zeit auch 1936 auf der »Großen Münchner Kunstausstellung« gezeigt, wo er mit Marmor- und Bronzebüsten von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt und Generaloberst Walther von Brauchitsch vertreten war. Im Haus der Deutschen Kunst in München waren 1940 unter anderem seine Bronzebüsten von Rudolf Heß, Joseph Goebbels und Benito Mussolini ausgestellt.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 24. November 2015

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Die Possehl-Stiftung

Die Possehl-Gruppe mit der Holding L. Possehl & Co. mbh wurde am 1. Mai 1847 von Ludwig Possehl mit Sitz in Lübeck gegründet. Sie betrieb einen Handel mit Kohlen und Eisen. Das Erbe des Gründers ging durch seinen Sohn, Emil Possehl, in eine Stiftung über. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in der Beckergrube der Lübecker Altstadt. Heute ist die in Anteilseignerschaft der gemeinnützigen Possehl-Stiftung befindliche Possehl-Gruppe ein weltweit tätiges Unternehmen. Es werden in 62 inländischen und 97 ausländischen Unternehmen mehr als 12 000 Menschen beschäftigt. Dabei arbeiten die Unternehmen weitgehend selbstständig. Der Mischkonzern erwirtschaftete zuletzt 3,283 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 24. November 2015

Die Lübecker Nachrichten schrieben am 11. April 2015 in ihrer Onlineausgabe:

»So viele Millionen: Wie die Possehl-Stiftung zu Geld kommt«

Sie gehört zu den größten wohltätigen Einrichtungen in Lübeck. Das Geld, das die Stiftung ausgibt, verdienen aber andere. Und die machen ihren Job richtig gut.

Alle Welt blickt auf Lübeck – und aufs Hansemuseum. Zwei Tage lang tagen die sieben Außenminister der wichtigsten Industrienationen dort – sechs Wochen vor der Eröffnung. 45 Millionen Euro kostet das Hansemuseum. Die Possehl-Stiftung hat 35,6 Millionen Euro hineingesteckt, die EU 9,42 Millionen Euro, die Stadt keinen einzigen Cent.

Woher kommt das viele Geld, das die Possehl-Stiftung anscheinend mühelos in Lübeck verteilt? Nicht nur ans Hansemuseum, sondern auch die jährlichen Millionen Euro die Kitas, Jugendprojekte, Schulen, Museen und lübsche Altstadthäuser erhalten. Diese Leichtigkeit im Umgang mit Finanzen hat nichts mit Glück zu tun, sondern mit geschicktem Management. Und das sitzt im sechsten Stock im Possehl-Haus in der Beckergrube 38-52. Dort hat der Vorstand L. Possehl & Co. mhH seine Chefetage. Vorsitzender ist Uwe Lüders. Er ist der Mann, der das Geld verdient, das die Stiftung wieder ausgibt. »Er ist mehr wert als ein Sechser im Lotto«, lobt Renate Menken, Vorsitzende der Possehl-Stiftung. Sie sitzt bezeichnenderweise noch einen Stock höher – in der siebten Etage des Hauses.

Die Stiftung ist alleinige Gesellschafterin dieses riesigen Konzerns L. Possehl. Er ist weltweit tätig, besteht mittlerweile aus 140 Gesellschaften, beschäftigt mehr als 11 500 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte davon arbeitet in Deutschland. L. Possehl ist ein Gemischtwarenladen: Die Palette der Unternehmen reicht von Edelmetallverarbeitungs-Firmen über Hersteller von Druckmaschinen, Halbleitern und Reinigungsmaschinen. Im vergangenen Jahr hat L. Possehl einen Rekordumsatz von 3,3 Milliarden Euro gemacht. Der Gewinn vor Steuern beträgt 125 Millionen Euro. Als Lüders seinen Job 2004 anfing, lag der Umsatz bei 695 Millionen Euro – und der Gewinn vor Steuern bei 22 Millionen Euro. Lüders hat den Gewinn des Konzerns fast versechsfacht.

Die Formel für die Possehl-Stiftung als Gesellschafter ist dabei ganz einfach. Je mehr Lüders verdient, desto mehr Geld kann Menken ausgeben. Denn ein Fünftel bis ein Viertel des Gewinns fließt an die Stiftung. Der Rest der Millionen bleibt im Unternehmen – und wird dort auch gebraucht. Der Konzern wird hanseatisch, konservativ, zurückhaltend geführt – und erweitert sich dabei stetig im Stillen. Lüders hat seit 2006 immerhin 19 Firmen gekauft – die haben den Konzern in der Wirtschaftskrise 2008 so gestärkt, dass er 2009 immer noch 21 Millionen Euro Gewinn verbucht hat.

Davon profitiert die Stiftung – und somit auch Lübeck. Denn das Budget der Stiftung ist mit dem Erfolg des Konzerns gestiegen. In den 90er Jahren und um die Jahrtausendwende betrug es zwischen 3,5 und fünf Millionen Euro pro Jahr. 2012 waren es schon elf Millionen Euro — in diesem Jahr sind es satte 15 Millionen Euro. So viel wie nie. »Das Budget der Stiftung wächst jedes Jahr um eine Million Euro«, sagt Menken...«

Josephine von Zastrow

SH Luebeck St Marien Schild web

• Schild neben dem Kriegerdenkmal an der Mauer von St. Marien

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschriften
Ein historisches Foto
Der Reichsarbeitsdienst

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Lütjenholm, Kreis Nordfriesland

Direkt am Dorfeingang

Die kleine gepflegte Anlage befindet sich neben dem Ortsausgangsschild, auf das die Dorfgemeinschaft freundlich »Tschüß« geschrieben hat. Sie ist den getöteten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs gewidmet. 1931 ist sie eingeweiht worden, 1953 wurde sie um die getöteten und vermißten Soldaten des 2. Weltkriegs erweitert.

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Eine bunte Feldsteinmauer schließt die Anlage zur Durchgangsstraße. Man betritt die Anlage durch eine schmiedeeiserne Pforte, die an zwei Pfosten aufgehängt ist.

 

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Der Platz ist mit Kies ausgelegt. Zwischen einer Steinkante und der Rhododendronbepflanzung rundherum, sind am Ende des Platzes im Halbrund die Gedenksteine aufgestellt.

 

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Das Hauptdenkmal ist ein vorne gerader Findlingstein auf einem bunten Feldsteinsockel mit eckigem Grundriß und wulstigen Fugen.

 

SH Luetjenholm Inschrift web

Oben ist ein Eisernes Kreuz in Kontur graviert. Kontur und Innenfläche mit ausgesparter Kaiserkrone sind schwarz ausgemalt, ebeso wie die Inschrift:

Wanderer der Du hier verweilst
falte still die Hände
denke eh du weiter gehst
einmal an dein Ende.
Suchst du irdischen Gewinn,
wirst du rastlos wandern,
diese gaben alles hin,
für das Wohl der anderen.

Darunter:

Zum Gedächtnis der im Weltkriegen
1914 - 18 u. 1939 - 45
gefallenen Söhne unseres Dorfes errichtet
1931 / 1953

 

SH Luetjenholm beide web

Davor ein dunklerer kleiner Findling auf einem Bruchsteinsockel in einem abgegrenzten Viereck mit Blumenbepflanzung.

 

SH Luetjenholm Osten web

Die Widmungsinschrift lautet:

Den ungezählten Gefallenen
und Vermißten des deutschen Ostens

 

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Rechts und links der Hauptsteine liegen kleine Findlinge mit den Namen der getöteten Soldaten mit Einsatzort und Todesjahr.

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Die Inschriften

Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal. In der Inschrift des Denkmals von Lütjenholm wird das Schicksal der getöteten Soldaten sogar als das sinnvollere beschrieben, denn wir, die Lebenden, sind in Gefahr nach irdischen Gewinnen zu streben und rastlos zu wandern, während die toten Soldaten ihr Leben für das Wohl der anderen hingaben und »ehrenvoll« gestorben sind. Es steht hier nicht die Trauer im Vordergrund vielmehr wird der Tod im Krieg in einen Zusammenhang gestellt, der ihn zu einem nicht zu hinterfragenden Opfer macht. Dass Soldaten auch Täter waren, wird auf allen Kriegerdenkmälern in Deutschland ausgeblendet.

Wenn getötete Soldaten als »gefallen« bezeichnet werden, suggeriert man, dass der Soldat im Kampf stehend oder vorwärts stürmend von einer Kugel getroffen wurde und dann tot zu Boden fiel. Dass der Kriegstod tatsächlich meistens brutaler ist, wird verschleiert, über die Realität des Sterbens in den Materialschlachten wird so hinweg getäuscht.

Die häufig verwendete Bezeichnung »Söhne« stellt eine Vertrautheit her, die getöteten Soldaten werden familiär vereinnahmt, denn familiäre Bindung verpflichtet.

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Ein historisches Foto

Dieses Foto ist wohl vor dem 2. Weltkrieg aufgenommen worden: der Findling für die »Gefallenen und Vermißten des deutschen Ostens« ist noch nicht gesetzt.

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Statt der heutigen Rhododendron-Büsche am Rand, wuchs damals Efeu am Denkmal hoch.

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Der Reichsarbeitsdienst

Wie überall in Deutschland wurden auch in Lütjenholm nach 1935 junge Menschen zum Arbeitsdienst verpflichtet.

SH Luetjenholm Arbeitsdienst web 

Die Funktion des Reichsarbeitsdienstes (RAD):

Seit 1935 war im NS-Regime der halbjährige Arbeitsdienst für männliche Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren obligatorisch, für weibliche freiwillig. Unter dem Motto »Mit Spaten und Ähre« zogen diese Arbeitskolonnen durch Deutschland, die – meist tatsächlich nur mit Spaten ausgerüstet – Moore trockenlegten, neues Ackerland kultivierten oder beim Bau der Reichsautobahnen und des Westwalls mitwirkten. [...] Wenige Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurde die Arbeitsdienstpflicht auch für weibliche Jugendliche eingeführt, die als »Arbeitsmaiden« karitative Aufgaben übernahmen, Mütter im Haushalt entlasteten oder zu Einsätzen in der Landwirtschaft herangezogen wurden. Männliche Arbeitsgruppen unterstützten im Krieg zumeist als Bau- und Instandsetzungstrupps die Wehrmacht und standen an Flugabwehrgeschützen. 1943 wurde der RAD Oberste Reichsbehörde, die Adolf Hitler direkt unterstand.

Zitiert aus: Arnulf Scriba, Deutsches Historisches Museum, Berlin, 7. August 2014

SH Luetjenholm RAD web

• Die Hausflagge des Reichsarbeitsdienstes

 

Innerhalb des nationalsozialistischen Systems erfüllte der Reichsarbeitsdienst mehrere Aufgaben. Den offiziellen Zweck nannte § 1 des Gesetzes über den Reichsarbeitsdienst:

»Der Reichsarbeitsdienst ist Ehrendienst am deutschen Volke. Alle jungen Deutschen beiderlei Geschlechts sind verpflichtet, ihrem Volke im Reichsarbeitsdienst zu dienen. Der Reichsarbeitsdienst soll die deutsche Jugend im Geiste des Nationalsozialismus zur Volksgemeinschaft und zur wahren Arbeitsauffassung, vor allem zur gebührenden Achtung der Handarbeit erziehen. Der Reichsarbeitsdienst ist zur Durchführung gemeinnütziger Arbeiten bestimmt.« Reichsarbeitsdienstgesetz vom 26. Juni 1935.

Der RAD verfolgte mehrere Ziele:

1. Ein Hauptziel war die Disziplinierung der jungen Generation, deren Angehörige während der Weltwirtschaftskrise oft jahrelang arbeitslos gewesen waren. Dem entsprach die paramilitärische Struktur des RAD. Konstantin Hierl prägte schon 1934 den sehr bezeichnenden Begriff »Soldat der Arbeit« für die Arbeitsdienstleistenden.

2. Der RAD war ein Versuch, die nationalsozialistische Ideologie der Volksgemeinschaft in die Praxis umzusetzen. Konstantin Hierl hob diesen Aspekt in seinen Reden besonders hervor: »Es gibt kein besseres Mittel, die soziale Zerklüftung, den Klassenhass und den Klassenhochmut zu überwinden, als wenn der Sohn des Fabrikdirektors und der junge Fabrikarbeiter, der junge Akademiker und der Bauernknecht im gleichen Rock, bei gleicher Kost den gleichen Dienst tun als Ehrendienst für das ihnen allen gemeinsame Volk und Vaterland.«

3. Die wirtschaftliche Bedeutung des Arbeitsdienstes war demgegenüber wegen mangelnder Arbeitsproduktivität gering.

4. Der Rad übernahm schließlich seit 1938 zunehmend Hilfsdienste für die Wehrmacht.

Danach war der RAD in seinen Anfängen ein Teil des nationalsozialistischen Erziehungssystems. Die Ableistung der Arbeitsdienstpflicht war Voraussetzung für die Zulassung zum Hochschulstudium.

Der RAD überhöhte Arbeit zum »Ehrendienst« an der »Volksgemeinschaft«. Besonders brisant und ideologisch paradox wurde dieser Anspruch dann, wenn an Projekten und Baustellen, an denen der RAD arbeitete, auch Zwangsarbeiter, Strafgefangene oder Häftlinge aus Arbeitserziehungslagern, mithin »Gemeinschaftsfremde«, eingesetzt wurden.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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