TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

»Die Auseinandersetzung mit den Denkmälern gehört zu unserer Erinnerungskultur. Dabei wird sichtbar, dass wir auch als Kirche lernen, die eigenen Verstrickungen in die Geschichte von Krieg und Gewalt kritisch zu beleuchten. Die Erinnerung ist notwendig, um in der Gegenwart Versöhnung zu leben und auch in Zukunft dem Frieden zu dienen.

Unter dem Motto: ›Erinnern – Erkennen – Gestalten‹ greift die Evangelische Akademie Hamburg einen Appell der Synode der Nordkirche auf, sich kritisch mit den vielen hundert Ehrenmalen im Lande auseinanderzusetzen.

Gerade die vielen öffentlichen Ehrenmäler zum ersten Weltkrieg zeigen den damals prägenden Einfluss nationalistischer und auch nationalsozialistischer Ideologie. Ehrenmale zum Zweiten Weltkrieg stehen nicht selten noch unter dem Einfluss der Formensprache jener Zeit.«

Gothard Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein


Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes aufgebaut oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von 

Ahrensburg und Ammersbek

öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«.

Fotos: Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche, wenn nicht anders angegeben.

 


I N H A L T
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Das Denkmal
Treue um Treue
Begriffsklärung
Das Eiserne Kreuz
Zeitgeist
Die Schrift

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Sagau, Kreis Ostholstein

Ein kleiner halbrunder Platz unter Bäumen in der Dorfmitte

Die Denkmalsanlage besteht aus drei Findlingen mit jeweils einer vorgesetzten rötlichen, polierten Steinplatte. Der mittlere Stein vor der großen Eiche in der Mitte der Anlage ist den toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet, die zwei Steine rechts und links davon den toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

SH Sagau weit web


Die Erdfläche zwischen den Steinen ist mit Kleingehölzen bepflanzt und mit flachen Trittsteinen belegt. Sie wird vorne mit einer gemauerten Felssteinstufe abgeschlossen. Ringsherum schließt sich eine Rasenfläche an. Das Halbrund wird hinten durch einen einfachen Holzlattenzaun begrenzt. Zwischen Zaun und Eiche ist eine gleichmäßige Reihe von fünf Lebensbäumen gesetzt worden. Zur Straße wird die Anlage rechts und links von der Steinstufe durch eine Lebensbaumhecke abgeschlossen.

SH Sagau gesamt web


Zum Volkstrauertag 2018 ist vor jedem Stein ein Kranz niedergelegt worden. Alle drei Findlinge tragen über den Steinplatten ein Eisernes Kreuz in schwarzer Kontur, als militärisches Ehrenzeichen.

 

SH Sagau 1WK web


Alle Steinplatten sind in der gleichen Art beschriftet: Die Buchstaben und Ziffern stehen auf einem weißen Band, die Ober- und Unterlängen gehen konturiert über das Band hinaus. Es ist eine Frakturschrift, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts häufig benutzt wurde.

Der Stein zum 1. Weltkrieg trägt die Widmung:

Unseren Gefallenen
zum Gedenken
1914 – 1918

Es folgen 23 Namen – die Vornamen sind teilweise abgekürzt – der toten Soldaten, geordnet nach Heimatorten: 16 aus Sagau, 4 aus Stendorf, 2 aus Freudenholm und einer aus Ochsenhals.

 

SH Sagau 2WK Treue web


Der linke Stein nennt die toten Soldaten, wieder geordnet nach Heimatorten, unter der Widmung:

Treue um Treue
1939 – 1945
Gefallen:

Es werden 12 Soldaten aus Sagau genannt, 12 aus Stendorf, 2 aus Bergfeld und zwei aus Freudenholm.

 

Die Treue der Gefallenen wird auf Denkmälern oft beschworen. [...] Sie verspricht den Toten damit »ewiges Gedenken«, ein Gedenken, das – wie die Liebe – den Tod transzendiert. Der Mythos der Treue, der Führer und Gefolgschaft zusammenschweißt und deshalb oft mit dem Attribut »heilig« in Verbindung gebracht wird, verpflichtet nun die Mit- und Nachwelt. Die Treue sei das Maß, an dem wir gemessen werden, meinte der Präsident des Deutschen Jagdbundes anlässlich der Gedenkveranstaltung des 8. Bundestreffens auf dem Hildesheimer Ehrenfriedhof. Treue sei aber nicht denkbar ohne Disziplin und ohne den Glauben an Gott. Kaum ein Begriff ist so anfällig gegen Missbrauch wie dieser.

• zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 53. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

 

SH Sagau 2WK Gedenken web


Auf dem rechten Stein steht:

Wir gedenken Euer
1939 – 1945
Vermißt:

Hier werden 7 Soldaten aus Sagau genannt, einer davon mit dem Zusatz Ochsenhals, 9 aus Stendorf und 3 aus Bergfeld.

 

SH Sagau Seite web

 
Es fällt auf, dass die Herkunftsorte der toten Soldaten in den beiden Weltkriegen sehr unterschiedlich vertreten sind.

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Treue um Treue

Traditionelle Tugendbegriffe wie »Ehre« und »Treue« oder auch »Kameradschaft«, »Gehorsam« usw. waren in der Sprache der SS-Ideologie reichlich enthalten. Jedoch hat die SS durch einen spezifisch nationalsozialistischen Gebrauch diesen Wörtern ihren eigenen Sinn verliehen. So war der Begriff »Treue« allein auf die Person Adolf Hitlers ausgerichtet. Dies drückte sich unter anderem im Eid der SS-Männer aus:

»Wir schwören Dir, Adolf Hitler (…) Treue und Tapferkeit. Wir geloben Dir und den von Dir bestimmten Vorgesetzten Gehorsam bis in den Tod« […]

 

SH Sagau 2WK Treue Detail web

 

»Treue« war innerhalb der SS-Ideologie ein widerspruchsloser Gehorsam. Durch die Gleichsetzung der Begriffe »Treue« und »Ehre« wurde ein Treuebruch zu einem Ehrverlust. Der Begriff »Ehre« verlor dadurch seinen traditionellen moralischen Inhalt. Denn die Ehre eines Soldaten etwa, der sich aus Ehrgefühl weigern könnte, an einem Kriegsverbrechen teilzunehmen, spielte im Ehrbegriff der SS keine Rolle mehr. Es zählte allein der blinde Gehorsam.
Die Projektion der Tugendbegriffe auf den Führer hin war notwendig, um den bedingungslosen Gehorsam auch bei verbrecherischen Befehlen zu erreichen. Dies konnte man nicht durch ein Gesetz erzwingen. Es bedurfte der Freiwilligkeit des Soldaten, die durch Umdeutung traditioneller Tugendideale erreicht wurde.

nach Wikipedia, abgerufen am 16.2.2014


»Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte] wird der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom ›Karfreitagsgefecht‹ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.

In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.

In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung des InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches ›Treue um Treue‹ für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.«

Die im Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:
»Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift ›Treue um Treue‹. (…) Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.«

Erlass von Heeresinspekteur Bruno Kasdorf vom 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai

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Begriffsklärung

Gefallen:
... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]

Neben diesem offenkundigen Euphemismus schränkt der Begriff »Gefallener« den Inhalt auf den Bedeutungsbereich ein, der im Englischen mit »killed in action« bezeichnet wird. Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: »im Felde gefallen« oder »auf dem Felde der Ehre gefallen«. Nicht auf ein »Gefallenendenkmal« gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen. [...]

An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 22 und 61

Gedenken:
Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

Ebd. S. 29

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Zeitgeist

Bedenkt man, dass die damals bei der Denkmalserrichtung Beteiligten fast ausnahmslos den Krieg, in welcher Form auch immer, selbst miterlebt hatten, ist es nachvollziehbar, dass ein Projekt zur Ehrung der gefallenen Soldaten Unterstützung fand. Dieses Festhalten am militärischen Gedenken wie auch die Selbstwahrnehmung der Soldaten als Opfer war seinerzeit schlüssig, doch für uns ist es heute »angesichts rechtsextremer Tendenzen unter den Veteranen und des aufwühlenden Streits um den verbrecherischen Charakter des nationalsozialistischen Krieges« (Kühne Thomas: Zwischen Vernichtungskrieg und Freizeitgesellschaft, S.92 in Nachkrieg in Deutschland) erschreckend. So waren die Veteranen, ihre Kriegserfahrungen, Erzählungen und Denkweisen, in den ersten Jahren des Wiederaufbaus noch integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft. Je ziviler und pluralistischer sich diese in den nächsten Jahrzehnten entwickeln sollte, desto isolierter würden viele Veteranen der Wehrmacht mit ihrer Weltsicht werden.

Der kalte Krieg stellte zunächst die Voraussetzung für das kollektive Vergessen der kriegerischen Extreme dar. Doch spätestens im Jahr 1995, mit Eröffnung der Wanderausstellung »Verbrechen der Wehrmacht« und der fotografischen Dokumentation der Kriegsverbrechen wurde mit dem Mythos der »Sauberen Wehrmacht« aufgeräumt. Indem die Täter der Wehrmacht ins Zentrum rückten, traten die persönlichen Opfer und Entbehrungen, die viele Soldaten zweifelsohne erlebt hatten, in den Hintergrund. Die polarisierte Sichtweise ist inzwischen differenzierter geworden. Heute ist bekannt, dass unter den Soldaten sowohl überzeugte Kämpfer, Mitmarschierer, Freiwillige, aber auch an die Front Gezwungene waren.

zitiert aus: Kriegerdenkmäler in der Friedensstadt, Aschendorff Verlag, 2018, S.93f

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Die Schrift

 

     MP Alt Rehse Schrift web       

Aus der Werbeschrift einer Satzanstalt im »Dritten Reich«

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I N H A L T
• 
Das Denkmal zum 1. Weltkrieg
• Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
Volkstrauertag 2018
Der Todesmarsch
Wegzeichen

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Sarau-Glasau, Kreis Segeberg

Direkt neben der Sarauer Kirche in der Gemeinde Glasau

 

SH Sarau 1WK hinten web


Ein hoch aufgerichteter Findlingsstein auf einem dreistufigen Podest ist das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

 

SH Sarau 1WK vorne web


Der äußere Ring aus Granitwürfeln ist von einem Sandweg umgeben. Die zwei nächsten Reihen werden nach innen versetzt von spitzen bunten Feldsteinen gebildet. Auf ähnlichen Denkmälern sind dort die Namen der toten Soldaten graviert, aber hier ist nichts zu erkennen. Die Namen stehen auf einer Holztafel in der Kirche.

SH Sarau 1WK Inschrift web


Unter einem Eisernen Kreuz lautet die Inschrift, schwarz ausgefüllt wie das Eiserne Kreuz:

1914 – 18.
Euch zum Dank
Uns zur Mahnung

»Ein Mahnmal mahnt so wenig wie
ein Denkmal denkt und ein Grabmal gräbt
man wollte sie nicht vergessen, die Burschen
man wollte allerdings vergessen die Tränen.«
• Georg Schwikart

Dieses Zitat steht auf einer kommentierenden Tafel zum Kriegerdenkmal in Neustadt in Holstein:

»Es ist nicht wahr, dass die Opfer mahnen, bezeugen, Zeugenschaft für etwas ablegen, das ist eine der furchtbarsten und gedankenlosesten, schwächsten Poetisierungen (...) Auf das Opfer darf sich keiner berufen. Es ist Missbrauch. Kein Land und keine Gruppe, keine Idee, darf sich auf ihre Toten berufen.«
Ingeborg Bachmann: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar


Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, wird der Kriegstod in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler als sinnvoll interpretiert, für den man den Soldaten danken muss.
Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

 

SH Sarau 1WK rechte Seite web


Auf dem Nebengrundstück ist die Grundschule von Sarau-Glasau erbaut worden.

 

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Das Denkmal zum 2. Weltkrieg

Einen Steinwurf entfernt steht das nächste Kriegerdenkmal mit der Rückseite zum ersten. Auf einen altarartigen Podest steht ein großes Steinkreuz.

 

SH Sarau beide web


Weg und Umgang des Denkmals sind von hellen Pflastersteinen begrenzt und mit dunklem Split aufgefüllt.

 

SH Sarau 2WK weit web


Der lange Weg zum Denkmal führt durch eine Allee von beschnittenen Lebensbäumen. Die Anlage ist sehr gepflegt.

 

SH Sarau 2WK nah web

 

SH Sarau 2WK EK web


Auf der Frontplatte ist herausgearbeitet worden:

UNSEREN TOTEN
1939 (Eisernes Kreuz in Doppelkontur) 1945

Durch die Darstellung des militärischen Ehrenzeichens »Eisernes Kreuz« ist klar, wer mit »Unseren Toten« gemeint ist: die toten Soldaten der Deutschen Wehrmacht.

 

SH Sarau 2WK Fuer euch web


Mit Blick auf die Kirche liest man auf dem Querbalken des hohen Steinkreuzes:

FÜR EUCH

Das Kreuz bei der Kirche und die Aussage »Für Euch« stellen eine Beziehung zwischen dem Tod im Krieg und dem Erlösungstod Christi her. Der Kreuzestod Christi, als Opfer für die Menschheit, wird dem Kriegstod der Soldaten gleichgesetzt, die sich ebenso opferten und deren Tod so gerechtfertigt wird. Christus wird eins mit den kämpfenden Soldaten, diese werden ihm gleich im Opfer ihres eigenen Lebens.

Jesus kennt seine Bestimmung und hat diesen Auftrag angenommen. Sein Leiden und sein Tod sind das Opfer, dass für die Erlösung der Menschheit gebracht werden muss. Der Kriegstod erfährt mit der Gleichsetzung einen Sinn, der ihn als Liebesbeweis wertet, als bereitwillige und bewußte Hingabe »FÜR EUCH«. Wer den Kriegstod als heilsnotwendig, wie den Tod Christi am Kreuz, ansieht, nimmt ihn als gottgegeben an. Die Hinterbliebenen sollen Trost darin finden, den Kriegstod so zu sehen.

... sondern greift von scheinbar neutraler Warte (»für Euch«, nicht »für uns«) den Opfergedanken auf, der starke Assoziationen zu christlichen Vorstellungen hervorruft. Damit rückt der Krieg in die Sphäre des überindividuellen Schicksals, dem sich die Soldaten in einer freien ethischen Entscheidung gestellt hätten, um die Gemeinschaft zu bewahren: Der Krieg als moralische Herausforderung und Verpflichtung.

Günter Kaufmann, Historische Denkmäler in Kiel in Demokratische Geschichte, Band 7, S. 277

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt [...]
Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.
Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. [...] Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Clemens Tangerding, Für Deutschland gestorben, Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

 

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Volkstrauertag 2018

 

SH Sarau VTT web


Die Gemeinde, die Kirchengemeinde, die Feuerwehren und Vereine haben »In stillem Gedenken« einen gemeinsamen Kranz mit schwarz-rot-goldener Schleife niedergelegt.

 

SH Sarau VTT Schleifen web


Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

Hartmut Häger, Kriegsgedenken in Hildesheim, S. 29

 

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Der Todesmarsch

Stephan Linck dokumentiert auf Seite 151 in seinem Buch »Neue Anfänge?« Band 2 die Probleme, die Gerhard Hoch Ende der 1980er Jahre bei der Erforschung des Todesmarsches von Auschwitz nach Holstein in der Gemeinde Glasau-Sarau bekam:

Das Kirchenamt leitete eine Anfrage Hochs auf Einsichtnahme in die Gemeindechronik an die Kirchengemeinde Sarau weiter. Dort wiederum wurde eine Kopie der Anfrage an Max Schmidt, dem ehemaligen SS-Kommandoführer des Todesmarsches, der in Sarau lebte, weitergeleitet, woraufhin dessen Anwälte Hoch mit Rechtsmitteln drohten. Hoch warf dem Kirchenamt ob des Vertrauensbruchs »Kumpanei« mit dem KZ-Kommandanten vor und es kam zu einem scharfen Schriftwechsel. Die Kirchengemeinde verweigerte Hoch trotz anderslautender Rechtslage die Einsicht in die Gemeindechronik. Bischof Wilckens versuchte vergeblich zugunsten von Hoch bei der Kirchengemeinde Sarau und Pastorin Großmann zu intervenieren, was von Hoch ausdrücklich anerkannt wurde.

1998 erschien Gerhard Hochs Buch »Von Auschwitz nach Holstein. Die jüdischen Häftlinge von Fürstengrube« in Hamburg.

Als 2003 der AKENS (Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e.V.) Gerhard Hoch eine Festschrift widmete schrieb der Neumünsteraner Propst i.R. Johannes Jürgensen das Vorwort, darin bedauerte er, »dass einige kirchliche Stellen es Gerhard Hoch sehr erschwert haben, einzelne Vorgänge zu klären, belastende und entlastende Tatbestände zu erheben«. Und bezeichnete Hoch als »Wegbereiter einer Versöhnungsarbeit«.

Lesen Sie über die Bedeutung von Gerhard Hoch für seine Heimat Holstein auf der Website der Gedenkstätte Ahrensbök:

Anstifter der ersten Stunde

 

Am 19. Januar 1945 begann im Auschwitz-Außenlager Fürstengrube in Oberschlesien die Evakuierung des Lagers, bedingt durch die herannahenden Truppen der Roten Armee. Fehlende Ernährung, Krankheiten, Erschöpfung, Misshandlungen und Morde forderten auf diesem Todesmarsch von Januar bis Mai 1945 mit mehreren Zwischenstationen zahlreiche Opfer.

Der Todesmarsch erfolgte unter Leitung des letzten Lagerleiters SS-Oberscharführer Max Schmidt aus Neuglasau.

Vom Zeitpunkt der Evakuierung an befanden sich noch 1283 Gefangene, meist jüdischer Herkunft, in Fürstengrube. Davon wurden etwa 250 erschossen und die verbliebenen rund 1000 Gefangenen auf einen Todesmarsch nach Gleiwitz getrieben, dort in offenen Bahnwaggons deportiert und innerhalb von 14 Tagen über Mauthausen in Österreich nach Nordhausen am Harz in das KZ Mittelbau transportiert. Bei dem Transport erfroren viele Häftlinge, die unzureichend gekleidet, ungeschützt und geschwächt durch die Lagerhaft einer Witterung von minus 20° nicht mehr standhalten konnten. Die Toten, die während der Fahrt starben, wurden zum Teil bereits auf der Fahrt kurzerhand aus dem Zug geworfen. Ihre Leichen fand man entlang der Bahnschienen und bestattete sie auf den angrenzenden Friedhöfen.

Nach der Ankunft der wenigen Überlebenden dieses Transportes wurden die Häftlinge in der unterirdischen Waffenfabrik der Oda-Werke in Blankenburg eingesetzt, einem Außenlager des KZ Mittelbau, wo sie die so genannten V-Waffen V1 und V2 in Zwangsarbeit herstellen mussten.

Nach vier Wochen im KZ Mittelbau wurden 200 überlebende Häftlinge gesammelt und nach Magdeburg getrieben. Auf dem Weg dorthin traf die Kolonne auf eine Gruppe von 300 Häftlingen – mehrheitlich sowjetische Kriegsgefangene sowie Holländer, Franzosen und Belgier – die gemeinsam weitergetrieben wurden.

Die Häftlinge wurden am 9. April 1945 auf einen offenen Schleppkahn verladen und über die Elbe nach Lauenburg und den Elbe-Lübeck-Kanal nach Lübeck transportiert, wo sie am 12. April 1945 im Industriehafen Lübeck-Vorwerk eintrafen.

Von dem Industriehafen Lübeck-Vorwerk aus wurden die Häftlinge am 13. April 1945 17 km weit über Bad Schwartau (dort wurden 3 Menschen erschossen), Pohnsdorf, Curau (auf dem Weg dorthin wurden 20 Menschen erschossen) nach Ahrensbök getrieben, das sie am 14. April 1945 erreichten. Dort wurden die Häftlinge in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe wurde in eine vier Kilometer entfernte Feldscheune bei Siblin, die andere sechs Kilometer in eine Scheune bei Glasau/Sarau getrieben.


SH Sarau Gut Glasau Genet Wikimadia Commons web
Foto: Genet / Wikimedia Commons

• Die Scheune auf Gut Glasau – 450 Meter von der Sarauer Kirche entfernt – im April 1945 Unterbringungsort für einen Teil der Häftlinge

Die Häftlinge verblieben dort bis zum 30. April 1945. Während dieser Zeit wurden weitere Häftlinge erschossen. Die aus Westeuropa stammenden Häftlinge wurden Ende April vom Schwedischen Roten Kreuz unter Graf Folke Bernadotte gerettet, bekannt als die Rettungsaktion der Weißen Busse.

Anfang Mai mussten die Häftlinge über Süsel nach Neustadt in Holstein marschieren. In Süsel wurden am Abend des 1. Mai 1945 14 oder 15 Häftlinge in einer Scheune erschossen.

In Neustadt wurden die verbliebenen Häftlinge auf die Cap Arcona verschifft. Durch einen Angriff von Jagdbombern der Royal Air Force, der am 3. Mai 1945 zur Versenkung der Cap Arcona führte, kamen die meisten der 4600 Häftlinge, die sich zur Zeit des Angriffes auf dem Schiff befanden, um.

Die Toten sind auf dem Waldfriedhof der Gemeinde Timmendorfer Strand, auf dem Ehrenfriedhof Cap Arcona in Neustadt und auf dem Ehrenfriedhof für die Toten der Cap Arcona- und Thielbek-Katastrophe bei Haffkrug begraben.

Nach Wikipedia, abgerufen am 28. März 2019


     SH Sarau Gedenkstein Gut Glasau web
     Foto aus der Dokumentation der Gedenkstätte Ahrensbök

• Die Familie von Hoff, Eigentümerin von Gut Glasau, stellten diesen Gedenkstein vor der Scheune auf: »Zum Gedenken an die Opfer des KZ-Klosterwerk in Blankenburg / Harz, die vom 3. – 30. April 1945 hier umkamen« und luden mehrere Jahre die Nachkommen der Opfer ein.


Eine ausführliche Dokumentation des Todesmarsches mit vielen Fotos und Landkarten finden Sie auf der Website der Gedenkstätte Ahrensbök.

Gedenkstätte Ahrensbök


Helge Buttkereit stellte sein aktuelles Buch über die Erinnerungskultur im Kreis Segeberg vor, als die Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?« Station in der Bad Segeberger Marienkirche machte.

Präsentation Sarau

Komplette Präsentation

Buchbestellung


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Wegzeichen

Seit dem 1. September 1999 markieren zwölf Stelen – frei und aufrecht stehende Platten aus Beton mit eingelassenen Tontafeln und Tonfiguren – die Wegstrecke, auf der im April 1945 etwa 500 Häftlinge aus den Konzentrationslagern Auschwitz-Fürstengrube und Mittelbau-Dora von Lübeck über Bad Schwartau, Pohnsdorf, Curau, Bokhof, Dunkelsdorf, Ahrensbök, Siblin, Sarau, Süsel bis nach Neustadt i.H. marschieren mussten, wo die meisten auf Häftlingsschiffen in der Lübecker Bucht während eines britischen Bombardements ihr Leben verloren.


                  SH Sarau Todesmarsch Genet Wikimedia Commons web
                  Foto: Genet / Wikimedia Commons

                  • Die Erinnerungsstele in Sarau an der Kirche

Die Wegzeichen sind das Werk von 15 jungen Menschen aus Polen, Tschechien, Weißrussland und aus Deutschland. Während eines gemeinsamen internationalen Sommerlagers – initiiert von der Gruppe 33, einer Bürgerinitiative, die sich als Arbeitsgemeinschaft zur Zeitgeschichte in Ahrensbök organisiert hatte – und in Zusammenarbeit mit der international aktiven Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste – arbeiteten sie 14 Tage lang unter Anleitung des Berliner Künstlers Wolf Leo. Nicht an Schuld, so Leo, sollen die Stelen erinnern, sondern an die Verantwortung der Nachgeborenen.

Lesen Sie mehr auf der Website der Gedenkstätte Ahrensbök unter »Wegzeichen erinnern und mahnen«

Wegzeichen

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
... und die Tonplatten davor?
Das Kriegsgefangenenlager auf dem Hesterberg

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Schleswig

Auf dem Domfriedhof in der nördlichen Erweiterung

Das heutige Kriegerdenkmal ist zusammengesetzt aus Elementen des Denkmals für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs von 1920. Die Bausteine sind aus heimischem, die Bildhauerarbeiten sind aus schlesischem Granit. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde das etwas fremdartig anmutende frühere Denkmal zerlegt, um den Stein mit den Daten des 2. Weltkriegs ergänzt und bekam nach mehrmaligen Umsetzungen dann seinen heutigen Platz auf einer Anhöhe am Ende des Hauptweges. Das ist der Ort, den sich der Erbauer Dr. Wilhelm Jänecke (1872 - 1928) seinerzeit schon für das Kriegerdenkmal gewünscht hatte.

SH Schleswig total web

Foto: Joachim Thieme-Hachmann

Inschriften:
1914
1918
Dem Andenken der im Weltkriege Gefallenen
1939
1945
Sei treu bis in den Tod

Die letzte Zeile in großen gestalteten Lettern wird eingerahmt vom Reichsadler und dem Schleswiger Stadtwappen.

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Zwischen den Tonplatten, die an die in Schleswig umgekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter erinnern, wurde der Quader des alten Denkmals mit dem Eisernen Kreuz im Boden versenkt. Das Eiserne Kreuz als Kriegsauszeichnung wurde seit 1813 sowohl für »für Tapferkeit vor dem Feind« wie auch für Verdienste ohne Kampfeinsatz verliehen. Seit 1939 waren »Nicht-Kombattanten« von der Verleihung ausgeschlossen.

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. 

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Die geschichte

Das Denkmal soll dem Grabmal des Gotenkönigs Theoderich in Ravenna nachempfunden sein.


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Foto: Privatbesitz Margot Müller, Schleswig

• Bau des Kriegerdenkmals im Sommer 1920, im Anzug: Steinbildhauer Wilhelm Borgwardt

Aus der Baugeschichte, aufgeschrieben am 27. September 1920 von Dompastor W. W. Meyer:

»Im Frühjahr 1919 traten die Herren Bankvorsteher J. Franzen und Lederhändler A. Kühl. die beide im Weltkrieg ihren einzigen Sohn verloren hatten, an den Unterzeichneten heran zwecks Schaffung eines gemeinsamen Denkmals für die Gefallenen der Domgemeinde ...

Das Denkmal war alsgemeinsame Stiftung gedacht, und demgemäß wurde am 16. August 1919 ein Aufruf in den ›Schleswiger Nachrichten‹ erlassen ...

Darauf meldeten eine ganze Reihe von Interessenten Bereitwilligkeit und Beträge an. Man konnte zunächst mit einer Summe von 10-15 000 M rechnen. Mehrere Künstler, die mit Entwürfen zu dienen bereit waren, wurden über die leitenden Gedanken unterrichtet, auch wurde der Rat der Provinzial-Beratungsstelle für Kriegerehrungen in Flensburg eingeholt ...

Der Ausschuß tagte am 9. Februar 1920 im ›Börsenkeller‹ und beschäftigte sich mit den vorliegenden Entwürfen. Man wandte sich zunächst dem Entwurf des Baurats Dr. Jaenecke zu, von dem man ein vorläufiges Modell erbat, das später im Schaufenster von C. Jenter öffentlich ausgestellt wurde, angefertigt von dem Bildhauer Leibküchler in Berlin. In der zweiten Sitzung am 8. März wurde der Entwurf Jaenecke mit kleinen Änderungen angenommen und dem Baurat Dr. Jaenecke die Oberleitung bei der Ausführung übertragen. Von den Ausführungsangeboten wurde dasjenige der Firma H. Engel, das allein sich an feste Preise band (20 000 M), gewählt. Eine örtliche Besichtigung durch den Ausschuß am 13. März führte zur endgültigen Auswahl des Platzes für das Denkmal – vor der Domkapelle mit dem Gesicht nach dieser zu ...
 

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Foto: Privatbesitz Margot Müller, Schleswig

• 1921: Steinbildhauer Wilhelm Borgwardt mit Ehefrau Marie im Fond seines Automobils vor seinem Betrieb in der Plessenstraße 14

Der Rohbau ist aus heimischem Granit, behauen von Steinsetzer Kruse, aufgeführt von der Baufirma H. Engel. Die Bildhauerarbeiten liefert Bildhauer Borgwardt aus schlesischem Granit. Die Namenstafeln sind von der Carlshütte in Rendsburg gegossen [siehe hierzu auch das Denkmal in Büdelsdorf] Malermeister Gröning malt die Namen. Das Modell dazu fertigte Tischlermeister Hirschelmann an.

Am 17. Oktober ist die Enthüllung des Denkmals geplant. Heute wird dieser Baubericht nebst einem Verzeichnis der Stifter eingemauert.

Gott lasse die Gefallenen ruhen in seinem Frieden, uns aber wieder stark werden in seiner Kraft!« 


Am Sonntag, dem 24. Oktober 1920, fand nachmittags die feierliche Einweihung des Denkmals statt ... Pastor Meyer hielt die Weiherede. Das geweihte Denkmal wurde der Obhut des Kirchenvorstandes übergeben und in dessen Namen von Propst Stoltenberg übernommen.

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Die privaten Fotos und der Text stammen aus den Beiträgen zur Schleswiger Stadtgeschichte, Band 50: »Das Kriegerdenkmal auf dem Domfriedhof« von Gertrud Vierck-Nordmann, Seite 129f.

Wir danken sehr herzlich Klaus Nielsky, dem 1. Vorsitzenden der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte, für die Erlaubnis aus dem Beitrag von Gertrud Vierck-Nordmann zitieren und ein PDF des Beitrags zum Download zur Verfügung stellen zu dürfen.

Vierck-Nordmann, Kriegerdenkmal Schleswig

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... und die Tonplatten davor?

Hier sind sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter begraben, die bei (teilweise heute noch existierenden) Schleswiger Firmen tätig waren und hier umkamen. Es sind 44 Grabplatten aus rotem Ton mit russischen und baltischen, vorwiegend litauischen Namen.
Warum liegen sie unkommentiert vor dem Denkmal mit seiner kriegsverherrlichenden Inschrift:
»Sei treu bis in den Tod«?

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Pastor Joachim Thieme-Hachmann hat dazu ein »Kirchliches Wort« zum Volkstrauertag 2015 in der shz veröffentlicht:

VVT 2015, P. Thieme-Hachmann


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Das Kriegsgefangenenlager auf dem Hesterberg

Auf dem Schleswiger Hesterberg befand sich im 2. Weltkrieg das Kriegsgefangenen-Stammlager XA, in dem bis zu 1 100 Kriegsgefangene untergebracht waren. Hinzu kamen etwa 850 zivile Fremd- und Zwangsarbeiter aus Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und der Sowjetunion. Sie wurden meist zwangsrekrutiert, in Privatquartieren, Lagern und Arbeitskommandos unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten und mussten im kommunalen und privaten Bereich Zwangsarbeit leisten.

Schülerinnen und Schüler haben 2007 ein Mahnmal für Zwangsarbeiter geschaffen. Die Kugeln im äußeren Kreis um das trauernde Mädchen stehen jeweils für eine Nation. Das Mahnmal steht in der Nähe der Kinder- und Jugendpsychatrie und des Kriegerdenkmals der Stadt Schleswig, an dem am Volkstrauertag Kränze niedergelegt werden.

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Volkstrauertag 2018
Die Geschichte
Der Findling
Erhebung Schleswig-Holsteins
Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

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Schmalensee, Kreis Segeberg

An der Hauptstraße, dem See gegenüber

Das Denkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege ist in den Hang hineingebaut worden. Es wurde am Totensonntag, den 25. November 1923 eingeweiht. Steinsetzmeister Johannes Suhr aus Bornhöved hat es geschaffen.

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Am schmalen Fußgängerweg begrenzt eine eher niedrige Feldsteinmauer die Anlage. Zwischen zwei gleichartigen Steinpfeilern mit ebenfalls gemauertem Dach erreicht man den Denkmalsplatz über fünf Steinstufen.

 

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Ein Kiesweg führt zum Denkmal, flankiert von Flächen mit immergrünem Wachholder- und Lebensbaumgebüsch. Auf diesem Foto sieht man auch die Endpfeiler der Hinterwand der Anlage, die von Steinkugeln gekrönt werden.

 

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Das Denkmal steht an einer geschwungenen bunten Feldsteinmauer. Es zitiert die Form eines antiken Tempels mit zwei Säulen, einem Horizontalbalken (Archtrav) und dem Giebeldach (Tympanon). Auf eine altarähnlich angedeutete Mauer ist eine Steintafel, wie ein Altarretabel, gesetzt. So wird ein Altaraufsatz genannt (Retabel, von lat. retabulum, sinngemäß »rückwärtige Tafel«).

 

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Im Mittelstein des Giebels ist das Relief eines Stahlhelms herausgearbeitet. Zwischen den Säulen ist in die Feldsteinmauer die große Granitplatte eingelassen, mit oben eingerücktem Halbrund.

 

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Oben ist ein Eisernes Kreuz auf Eichenlaub und Lorbeerzweigen als Relief aus Bronze angebracht. Das militärische Ehrenzeichen hat eine Perlenreihe als Kontur, oben die preußische Königskrone, in der Mitte ein »W« für Wilhelm II und unten »1914«, für das Jahr der erneuten Stiftung des Ordens. Er wurde seit dem 1. Weltkrieg bis 1945 durch eine breite Verleihpraxis zum bekanntesten deutschen Verdienstorden für Soldaten.

 

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Darunter steht in bronzenen Lettern einer Frakturschrift die Aufforderung:

Ehret
die Gefallenen
und Kriegsopfer
der Weltkriege

 

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Links daneben eine ebenso geformte Steinplatte, diesmal mit vier Schrauben aufgesetzt. Im Bogen die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, 1914 – 1918, darunter, wieder in bronzenen Frakturlettern, Vor- und Nachnamen und Todesdatum von 13 toten Soldaten. Zwei davon, ein Brüderpaar, sind als vermisst aufgeführt. Bruno Göttsch ist Sohn des Lehrers Heinrich Göttsch, der 1948 die erste Chronik von Schmalensee erstellt hat.

Auf der vorbildlichen Website der Gemeinde Schmalensee mit ausführlicher Darstellung der Geschichte des Ortes, kann man die Biografien von drei Soldaten lesen:

Bruno Göttsch

Adolf Blunk

Friedrich Voß

 

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Auf der rechten Seite in gleicher Art die Steinplatte für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs. Unter den Jahreszahlen 1939 – 1945 stehen 10 Namen, ebenso alphabetisch geordnet. Drei Soldaten sind als »verm.« angegeben.

 

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Der Ausgang ist mit zwei Eisenketten gesichert. Der Wert der Ketten kommt schon in der Kostenrechnung 1923 vor. In dieser Zeit sollten sie oft an die Situation Deutschlands nach dem »aufgezwungenen« Versailler Friedensvertrag, dem »Schandvertrag« erinnern. Als 1935 in der Zeit des Nationalsozialismus die Wehrpflicht wieder eingeführt wurde, ließen die Nationalsozialisten an manchen Orten die Ketten in einem symbolischen Akt zerbrechen.

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Die Inschrift

Ehret die Gefallenen und Kriegsopfer der Weltkriege. Ehre, nicht die Trauer um die Toten stehen im Vordergrund.

Ehre ... kann mehr bedeuten als nur jemanden in guter Erinnerung zu bewahren. Es kann die Absicht beinhalten, jemanden auszuzeichnen, also eine besondere Leistung, ein besonderes Verhalten, eine besondere Haltung hervorzuheben. Eine solche Form der Ehrung ist im [...] militärischen Bereich vor allem mit Orden [meist dem Eisernen Kreuz verbunden]. Das Kriegerdenkmal wird diesen Ordens- und Ehrenzeichen gleichsam zur Seite gestellt und posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 33. Hg. Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Gefallene
... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]

An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 22 und 61


Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

Das Eiserne Kreuz als militärische Ehrenzeichen mit Eichenlaub und Lorbeerzweig und die Darstellung vom Stahlhelm lassen keinen anderen Schluss zu: mit »Ehret die Gefallenen und Kriegsopfer der Weltkrieg« sind die toten Soldaten gemeint. Das verursacht Unbehagen in der heutigen Zeit, in der man von den Verbrechen der deutschen Wehrmacht weiß. Ist die Interpretation, mit »Kriegsopfern« seien alle Kriegsopfer, nicht nur Soldaten, gemeint, die Lösung? Der Historiker Klaus Latzel lehrt an der Technischen Universität Braunschweig. Er meint dazu in ZEITGeschichte 4/2018:

»Nach diesem Krieg und nach der erneuten Niederlage war an eine positive Sinnstiftung oder gar Verklärung des Kriegstodes, den zudem nun auch viele Zivilisten gestorben waren, nicht mehr zu denken. Die bundesdeutsche Erinnerung behalf sich mit einem abermaligen Rückgriff auf die Opferidee: Der ›Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft‹ zu gedenken wurde allmählich zur Standardformel. [...] Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden.«

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Volkstrauertag 2018

»Unseren gefallenen Kameraden zum Gedenken«: Diese Widmung hat die Freiwillige Feuerwehr von Schmalensee auf Ihre Kranzschleife drucken lassen. Hier geht es auf alle Fälle um die toten Soldaten.

SH Schmalensee VTT2018


Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29. Hg. Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

Die Stellungnahme von Bürgermeister Sönke Siebke:

»Die Gemeinde Schmalensee nutzt heute den Volkstrauertag dazu, im Zusammenwirken mit den Pastorinnen und Pastoren der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Bornhöved ein Gedenken und Mahnen zu praktizieren, dass alle Opfer von Krieg und Verfolgung, Ausgrenzung und Misshandlung einbezieht. Stets wird nach einer kurz gehaltenen Kranzniederlegung am Denkmal im benachbarten Gemeindesaal eine gemeinsame Andacht gehalten, an der neben Bürgern des Dorfes die Freiwillige Feuerwehr teilnimmt, die im Auftrag der Gemeinde zuvor den Kranz niedergelegt hat. Darüber hinaus setzt sich die Gemeinde Schmalensee in der Aufarbeitung der Dorfgeschichte kritisch mit dem jeweiligen Zeitgeist auseinander, der zum Bau bzw. zur Erweiterung des Denkmals geführt hat. ›Runde‹ Erinnerungstage werden genutzt, den heute im Dorf Lebenden über das Medium Gemeinde-Homepage aufzuzeigen, was Schmalenseerinnen und Schmalenseer 1914, 1919/1923, 1933, 1939 oder nach 1945 bewegte, irreleitete, verblendete. Stets mahnend, dass Revanchismus und Faschismus, die Ausgrenzung Anderer nicht wiederkehren dürfen.«

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Die Geschichte

Zitate aus der »Chronik von Schmalensee«, verfasst 1946 vom Lehrer in Schmalensee Heinrich Göttsch. Wegen Papiermangel konnte sie erst 1948 gedruckt werden.

»Nach einer langen Zeit goldigen Friedens im Glanze des Kaiserreiches kam dann aber das Unglück des 1. Weltkrieges von 1914–18. Gegen eine Welt von Feinden erlagen wir der Übermacht, und alle unsere Opfer waren umsonst gebracht. 13 unserer tapferen Söhne waren auf dem Felde der Ehre geblieben.

1923 wurde dann den Gefallenen ein Denkmal errichtet, das am Totensonntag dem 25. November eingeweiht wurde.

Das Segeberger Kreis- und Tageblatt: ... hielt Lehrer Göttsch eine Ansprache ... Nach 5jähriger Schmach und Schande, teils selbst verschuldet, fragt er sich, ob unsere Söhne umsonst gestorben sind. [Der] Redner mahnte, trotz allem an die Zukunft des deutschen Volkes zu glauben. Ein Volk, das sich im Krieg unvergleichlich heldenhaft bewährt habe, sei nicht der Versumpfung und dem Untergang geweiht. Der Deutsche werde sich wieder emporringen und Zucht und Ordnung, Recht und Treue, werde wieder des Glückes Unterpfand werden.

... hielt Pastor Schlüter eine tiefempfundene Weiherede ... bezog sich dann auf die Lage des Denkmals an der lebhaften Verkehrsstraße und dem schönen See und knüpfte daran verheißungsvolle Ausblicke in die Zukunft unserer Heimat und des Vaterlandes. Mahnend rufe das Denkmal allen Vorübergehenden zu: Bedenke, daß Du ein Deutscher bist!«

Die 14-Jährige Erna Saggau verlas zu Beginn der Feier ein Gedicht mit sieben Strophen. Die letzte lautete:

Ihr trugt das Panier deutscher Ehr,
ein jeder von Euch als ein Held
glorreich über Länder und Meer
nun rauscht Euer Ruhm durch die Welt!

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Nach einem Umzug durch Bornhöved am 1. Mai 1933 begaben sich die Teilnehmer nach Schmalensee, um am Denkmal eine »Hitler-Eiche« zu pflanzen. Am 20. April, »Führers Geburtstag«, kam es in den nächsten Jahren zu weiteren Feierstunden am Denkmal. Die toten Soldaten des 1. Weltkriegs wurden zu Helden stilisiert, denen nachgeeifert werden müsse und deren Tod nicht umsonst gewesen sei, denn der verlorene Krieg habe den Weg zur »Nationalen Revolution« unter Hitler geebnet.

Am 26. April 1952 berichtete die Segeberger Zeitung von der Absicht der Schmalenseer Gemeindevertretung, das Denkmal um die Namen der 10 toten Soldaten des 2. Weltkriegs zu erweitern.

Die Einweihung 1923 auf der Website der Gemeinde Schmalensee:

Einweihung

 

Die Chronik von Heinrich Göttsch erscheint 1948

Bericht auf der Website der Gemeinde

 

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Viele Uniformen am Denkmal nach 1952


Herzlichen Dank, dass wir Teile des umfangreichen Material der Gemeinde, erarbeitet vom Arbeitskreis Dorfgeschichte, verlinken dürfen.

 

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Der Findling

Am sogenannten Dreiecksplatz, unweit des Denkmals für die Weltkriege, steht der Gedenkstein für die Erhebung Schleswig-Holsteins 1848–51 und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. An beiden kriegerischen Auseinandersetzungen haben Männer aus Schmalensee teilgenommen.

 

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In der kleinen Anlage mit Rasen, Büschen, Parkbänken und einer stattlichen Eiche steht der Findling am Rand eines bescheidenen, mit hellen Feldsteinen umrandeten Beetes. Die Eiche ist vermutlich mit der Steinsetzung geplanzt worden.

 

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Eine helle Steintafel mit abgeschrägten Ecken ist in den Findling eingelassen worden.

 

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Unter der Kaiserkrone sind zwei gekreuzte Säbel graviert. Darunter:

1848 – 51
und
1870 – 71

Wilhelm I. aus dem Haus Hohenzollern war ab 1871 der erste Deutsche Kaiser. Wilhelm war in Preußen unter dem Namen Prinz von Preußen im Jahr 1840 Thronfolger und ab 1858 Prinzregent geworden. Ab 1861 König von Preußen, wurde er 1867 Präsident des Norddeutschen Bundes, aus dem 1871 das Deutsche Kaiserreich hervorging.

Mit der Gründung des kleindeutschen Nationalstaates 1871 stellte sich auch die Frage nach dessen symbolischer Repräsentation. Während des 19. Jahrhunderts wurde die Reichskrone zum Symbol des (groß-)deutschen Kaisertums, was sich in einer Flut von nationalen Bildern und Werken, die Darstellungen der Reichskrone aufweisen, zeigt. Für die neue kleindeutsche Monarchie unter preußischer Führung kam die Übernahme der Reichskrone nicht in Betracht. Zum einen befand sich die Reichskrone seit den napoleonischen Kriegen im Besitz der Habsburger und stand dem neuen Reich somit nicht zur Verfügung, zum anderen war sie durch ihr theologisches Programm und ihren reliquienhaften Charakter ein Ausdruck katholischen Glaubens und daher nicht für ein neues protestantisches Kaisertum geeignet. Die Verwendung einer einfachen heraldischen Mitrenkrone war aus denselben Gründen ebenso ausgeschlossen.

Man entwickelte eine eigene Kaiserkrone, die sich in der Form zwar an die Reichskrone anlehnte, aber sich auch bewusst von ihr unterschied.

Nach Wikipedia, abgerufen am 30. März 2019



SH Schmalensee Krone David Liuzzo Wikimedia Commons web
Foto: David Liuzzo / Wikimedia Commons

Krone des Preußisch-Deutschen Kaisers. Photographie des Holzmodells von 1872, bis 1940 ausgestellt in Schloss Monbijou, Berlin. Verbleib des Modells unbekannt.

 

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Der Dreiecksplatz mit Eiche und Schilderwald.

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Erhebung Schleswig-Holsteins

Die Schleswig-Holsteinische Erhebung entstand im Zusammenhang mit den revolutionären Bewegungen 1848 als Konflikt zwischen den nationalistischen Strömungen in Dänemark und Deutschland. Die Schleswig-Holsteiner strebten die gemeinsame Loslösung der beiden Herzogtümer aus dem deutsch-dänischen Gesamtstaat und die Eingliederung beider in den Deutschen Bund an. Die dänischen Nationalisten wiederum strebten einen Nationalstaat an, zu dem nur das Herzogtum Schleswig gehören sollte.

Über diesem Konflikt kam es zu einem – mit Unterbrechungen – dreijährigen Krieg (1848 – 1851), bei dem die Schleswig-Holsteiner von den Staaten des Deutschen Bundes unterstützt und nach anfänglichen Erfolgen schlussendlich von der dänischen Seite besiegt wurden.

Dem britischen Premier Lord Palmerston (1784 bis 1865) zufolge war die Schleswig-Holstein-Frage so kompliziert, dass nur drei Menschen sich darin auskennen würden: Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzgemahl von Queen Victoria, der schon tot sei, ein Professor, der verrückt geworden sei, und er selbst, doch habe er alles wieder vergessen, sonst wäre er auch verrückt geworden.

1849 errichteten die »Schleswig-Holsteinischen Kampfgenossen« einen Gedenkstein auf dem Alten Friedhof in Flensburg, er sollte die ewige Verbindung zwischen Schleswig und Holstein symbolisieren. 1851 entfernten ihn die dänischen Behörden. 1898, zur Feier des 50. Jahrestages der Eroberung der dänischen Festungsanlagen, wurde dieser Findling aufgestellt.

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Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

1870 stellte Napoleon III., im Zusammenhang mit der Erbfolge in Spanien, Forderungen an Preußen, die Wilhelm I. nicht erfüllen wollte. Die Ablehnung des Preußenkönigs wurde von Bismarck in der Emser Depesche, die in der Presse platziert wurde, so brüsk formuliert, dass der französische Kaiser sich veranlasst fühlte, den Preußen den Krieg zu erklären. Am 2. September 1870 errangen die Preußischen Truppen bei Sedan einen triumphalen Sieg, bei dem Napoleon III. gefangengenommen wurde. Die Schlacht bei Sedan war nicht kriegsentscheidend, wurde aber später zum nationalen Mythos stilisiert. Im Januar 1871 kam es zum Waffenstillstand. Am 18. Januar 1871 ließ sich Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser krönen. Damit war die Teilung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen in ein »kleines« Deutsches Reich und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn vollzogen.

zitiert aus: Kriegerdenkmäler in der Friedensstadt, Aschendorff Verlag, 2018, S.15f

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I N H A L T
Das Denkmal
Volkstrauertag 2018
Historische Postkarte
Der Stahlhelm
Gedenken in der Kirche

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Schönwalde am Bungsberg, Kreis Ostholstein

Vor dem kirchlichen Friedhof auf kommunalem Gebiet an der Hauptstraße

Auf einer ansteigenden Grünfläche vor dem kirchlichen Friedhof liegt in gerader Sichtachse, der Weg zum Friedhof zweigt nach links ab, das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege.

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Zwei Findlinge markieren den Weg, der von der Hauptstraße über drei Stufen führt. Zwischen zwei großen Eiben führt der Weg zum Denkmal.

 

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Am Ende erweitert sich der rötliche Sandweg nach einer Steinschwelle zum Denkmalsvorplatz.

 

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Das ursprünglich allein stehende Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs besteht aus einem Granitfindling auf einem altarähnlich vorgezogenen Sockel, gemauert aus Granitplatten.

 

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An der Frontseite sind zwei schwarze, teilweise polierte Steinplatten zu einer großen Fläche zusammengesetzt in die Granitplatten eingelassen worden. In 6 Spalten, getrennt durch polierte senkrechte Schmucklinien und waagerechte gerade Linien, werden die Namen der 44 toten Soldaten aufgeführt, geordnet nach Sterbedatum vom 22.8.1914 bis 24.7.1919. Davon werden drei Soldaten ohne Sterbedatum vermisst.

 

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Der Findling trägt die Inschrift:

1914 – 1918
1939 – 1945 (nachträglich hinzugefügt)
Dank und Ehre
unseren
Gefallenen

Dank und Ehre, nicht die Trauer um die Toten stehen im Vordergrund.

Ehre
... kann mehr bedeuten als nur jemanden in guter Erinnerung zu bewahren. Es kann die Absicht beinhalten, jemanden auszuzeichnen, also eine besondere Leistung, ein besonderes Verhalten, eine besondere Haltung hervorzuheben. Eine solche Form der Ehrung ist im zivilen Bereich mit der Verleihung von Ehrenbezeichnungen, Urkunden, Ehrenringen oder -plaketten oder auch Orden verbunden, im militärischen Bereich vor allem mit Orden [meist dem Eisernen Kreuz]. Das Kriegerdenkmal wird diesen Ordens- und Ehrenzeichen gleichsam zur Seite gestellt und posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit, Haltungen, die auch heute noch der Soldateneid einfordert. [...]

Die Ehrung kann sich zur Verehrung, zur Verklärung (Apotheose) steigern. Das verehrungswürdige Sujet verträgt keine Beschädigung, keine Beschmutzung. Das hat es mit dem Idol gemein oder im geistigen Kontext mit dem Ideal. Der Krieger mutiert zum Held, das Kriegerdenkmal zum Heldenehrenmal – und ist damit jeder kritischen Betrachtung entzogen. Der deutsche Soldat hat sich sui generis heldenhaft verhalten, so wenig wie er dürfen die Reichswehr oder die Wehrmacht in Zweifel gezogen werden. Die von Hindenburg am 18. November 1919 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Reichstags als Erklärung für die Niederlage des Ersten Weltkriegs vorgetragene »Dolchstoßlegende« oder die Proteste gegen die »Wehrmachtsausstellung« über von ihr begangene Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind Ausdruck der Bemühungen, sowohl die militärischen Institutionen wie auch die ihnen angehörenden Personen der geschichtlichen Realität und damit auch der Verantwortung zu entziehen.

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 33. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006


Gefallene
... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. [...]

Neben diesem offenkundigen Euphemismus schränkt der Begriff »Gefallener« den Inhalt auf den Bedeutungsbereich ein, der im Englischen mit »killed in action« bezeichnet wird. Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: »im Felde gefallen« oder »auf dem Felde der Ehre gefallen«. Nicht auf ein »Gefallenendenkmal« gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen. [...]

An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 22 und 61

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Darüber ist ein Stahlhelm im Relief aus dem Stein herausgearbeitet worden, der auf zwei gekreuzten Kurzschwertern liegt. Ein Zeichen für Soldaten des 1. Weltkriegs, die nach der militärischen Niederlage als »im Felde unbesiegt« galten und für die erwünschte Wehrhaftigkeit der nächsten Soldatengeneration, um den »schmachvollen« Frieden von Versailles zu rächen.

Die Dolchstoßlegende erklärt vom Deutschen Historischen Museum

 

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Hinter dem ursprünglichen Denkmal ist nach dem 2. Weltkrieg eine halbhohe Mauer aus bunten Feldsteinen errichtet worden, in die rechts und links Tafeln mit den Namen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs eingelassen sind. Die Tafeln sind fast quadratisch, sonst aber in Material und Machart der Tafel zum 1. Weltkrieg angepasst. Sie sind jetzt aus zwei Teilen übereinander zusammengesetzt, die Namen sind in drei Spalten aufgeteilt. Auf der rechten Seite werden 27 Namen mit Sterbedaten vom 29.8.44 bis 5.11.52 genannt, dazu kommen 30 Namen von Soldaten, die vermisst sind.

 

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In der Vergrößerung sieht man, dass die Schrift mit den verzierten Initialen des ursprünglichen Denkmals genau nachempfunden wurde. Manchmal laufen auch hier die Unterlängen der Buchstaben in die ebenfalls polierten Trennlinien.

 

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Auf der linken Seite werden 57 Namen genannt mit Sterbedaten vom 9.6.40 bis 28.8.44.


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Volkstrauertag 2018

Sechs prächtige Kränze, auch von Spendern, die man heute nicht mehr oft auf den Schleifenwidmungen lesen kann, zum Beispiel:

• Landsmannschaften Ostpreußen und Pommern: Zum Gedenken (mit Wappen)
• Sozialverband Schönwalde Kasseedorf: Zum Gedenken (auf schwarz-rot-goldener Schleife)

 

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Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

Ebd. S. 29

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»Die Realität sieht so aus, dass die Fahnenabordnungen und die Reihen der Uniformierten mit dem Bürgermeister, dem Pastor und dem Kirchenpatron, SKH dem Herzog von Oldenburg mitten drin, am Sonntagmorgen auf dem Weg von der Kirche zum kommunalen Ehrenmal am Friedhof links und rechts überholt werden von Menschen, die mit Brötchentüten in der Hand zum Frühstück eilen, PKWs zwängen sich während des Zuges an den Marschierenden vorbei, die dort – fast ein Höhepunkt des Rituals – vom überalterten Posaunenchor der Kirchengemeinde empfangen werden. Die Ansprache des Kompanieführers der Patenkompanie aus Eutin und die Worte des Bürgermeisters (der Pastor sagt an dieser Stelle nichts mehr), werden eingerahmt vom Schleswig-Holstein-Lied, der Nationalhymne und Ludwig Uhlands Lied Vom guten Kameraden – all dies findet praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Schnell löst sich dann die Versammlung auf. Mir selbst wird jedes Mal bewusst, dass wir, die Beteiligten, mit Mühe eine Tradition aufrechterhalten, deren Sinnhaftigkeit in dieser Form von Jahr zu Jahr mehr zerfällt.«

• Eine Analyse vom Schönwalder Pastor Dr. Arnd Heling im Jahr 2017


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Historische Postkarte

1958 in Schönwalde: oben rechts das Kriegerdenkmal – noch mehr Kränze – die weißen Schleifen leuchten vor der dunklen Steinwand. Einige weiße Bänke laden zum Verweilen ein.

 

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


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     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

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Gedenken in der Kirche

Am 28. Januar 2017 fand im Rahmen der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?« in der Kirche St. Marien, Flensburg, ein Workshop in der Akademie Sankelmark statt. Thema war: »Zwischen Tradition und Häresie – Zum Umgang mit Heldenverehrung in und um Kirchen«. Der Workshop nahm den Jahrestag des Flensburger Denkmalstreits zum Anlass, über den Umgang mit den Ehrentafeln und Kriegerdenkmälern nachzudenken.

Mehr Informationen

über den Flensburger Denkmalstreit

über die Ausstellungsstation St. Marien und den Workshop

 

Pastor Dr. Arnd Heling aus Schönwalde berichtete in seinem Vortrag über die Auseinandersetzung des Kirchengemeinderats mit der »Ehrenhalle« im Kirchenvorraum:

Probeweise wurde nach Pfingsten 2015 die 1957 hier in der Turmhalle konzipierte »Ehrenhalle« zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten und des Zweiten Weltkrieges entfernt.

An diese Maßnahme ist die Bedingung und die Selbstverpflichtung der Kirchengemeinde geknüpft, eine adäquate neue Form für das Gedenken an die Gefallenen und die Kriegsopfer im Raum der Kirche – möglicherweise auch in der 1947 errichteten, aber seit langem außer Funktion gesetzten Leichenhalle direkt neben der Kirche – zu entwickeln.

Der Kirchengemeinderat versteht die Mahnung zum Frieden und die Bewahrung der Erinnerung an die Opfer der Weltkriege im 20. Jahrhundert auch weiterhin als eine wichtige Funktion des kirchlichen Raumes.

Über den genauen Ort und die Art und Weise des Erinnerns und Gedenkens wird diskutiert – nicht nur in Schönwalde. Wir laden Sie ein, sich daran zu beteiligen. (...)

Woran also will man, soll man oder muss man eigentlich erinnern?

Es ist dies zweifellos der klassische Konflikt zwischen Denkmalpflege und Praktischer Theologie, der immer dann aufkommt, wenn es um das berechtigte Interesse der Kerngemeinde geht, den kirchlichen Lebensraum ihren realen gegenwärtigen Bedürfnissen anzupassen. Im Idealfall findet man einen Kompromiss.

Der Schönwalder KGR war und ist allerdings der Meinung, dass der Eingang, durch den man die Kirche betritt, frei von dem Gefallenengedenken sein sollte. Die Ehrenhalle hatte, wie dargelegt, zweifelsfrei ihre historische Berechtigung, für die damalige Generation und deren direkte Nachkommen. Doch sollte der Kirchraum heute in einer offeneren und einladenderen Atmosphäre zu betreten sein. Gerade dieser Bereich zwischen drinnen und draußen, die Übergangszone, sollte so wenig geprägt wie möglich sein, sondern eine letzte kurze Sammlung ermöglichen, bevor der Sakralraum betreten wird, der in besonderer Weise dem Gebet und der Begegnung mit Gott gewidmet ist.

Vortrag von Pastor Dr. Arnd Heling

Power Point-Präsentation

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Der Ehrenbürger

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Stafstedt, Kreis Rendsburg-Eckernförde

Kriegerdenkmal in der Nähe des Günther-Fielmann-Platzes

In einer größeren baumbestandenen Anlage steht das monumentale Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege. Schmale Granitsteine, mit Eisenketten verbunden, säumen den Weg. Hinter der Buchenhecke am Eingang stehen zwei Fahnenmasten.

 

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In das aus Natursteinen gemauerte Kriegerdenkmal auf zweistufigem Sockel sind drei Tafeln eingelassen. Rechts und links sind die zwanzig toten Soldaten des 2. Weltkriegs mit Geburts- und Todestag aufgeführt.

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Auf der mittleren Tafel steht unter einem Eisernen Kreuz die Inschrift:

Zum ewigen Gedenken an die Opfer des Krieges
1939  1945
Wir Toten fordern als unser Recht
die alte Treue vom neuen Geschlecht

Oben auf dem Monument steht der schwarze Stein für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Schlecht leserlich steht dort in goldenen Lettern:

1914  (Eisernes Kreuz)  1918
Unsern gefallenen Helden zum Gedächtnis

Darunter sind zwanzig Namen mit Dienstgrad und Sterbetag aufgeführt.

 

 

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Die Inschrift

Die letzten Zeilen wollen nicht Trauer und Erschütterung unterstützen, sie nehmen die nächsten Generationen in die Pflicht, in »alter Treue« auch ihr Leben einzusetzen. Die Haltung, die hier weitergegeben wird, ist unangefochten von Zweifeln an Recht und Notwendigkeit von Krieg. Das erste Mal wird die Formulierung »Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht« bei der Einweihung des »Marine-Ehrenmals« 1927 verwendet.

Als »ein Mahnmal der Rache« war daher auch das »Marine-Ehrenmal« in Laboe gedacht, die nationale Kriegsgedenkstätte einer privaten Organisation, des 1891 gegründeten Bundes Deutscher Marine-Vereine. (...) Am Montag, den 8. August 1927, verfolgten 10.000 Gäste die Grundsteinlegung. Unter Hammerschlägen deklamierten 22 prominente Vertreter aus Politik, Militär und Wissenschaft die unterschiedlichsten Sinnsprüche ... Als Vertreter der evangelischen Kirche erinnerte der Marineoberpfarrer Friedrich August Ronneberger in seiner Predigt darüber hinaus an das »kaudinische Joch«, unter welchem die Deutschen als »Sklaven« hindurch geschritten seien, und legte den 35.000 toten Seesoldaten folgende Formulierungen in den Mund:

»Sie rufen uns zu: ›Heraus, sofern ihr unserer noch gedenkt, die Schmach getilgt und die Ketten gesprengt! Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht.‹ Mancher Stein liegt freilich noch im Wege, aber wie einst Hermann der Cherusker bewusst die deutschen Stämme zum Kampf gegen römische Fremdherrschaft aufrief, so wird auch uns wieder ein Führer entstehen, der uns aus Nacht zum Licht führt, und der uns den Platz an der Sonne wiedergibt.«

Ronneberger zitierte in seinem martialischen Appellativ einen später von Karl Meister vertonten Zweizeiler, der von den Überlebenden »Treue« im Sinne der Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme des Krieges einfordert und sich auf mehreren Gefallenendenkmalen seiner Zeit wiederfindet. ... Überdies galten diese Zeilen für die Zeit nach 1945 weiterhin als sinnstiftend, insbesondere wenn die Stifter mangelnde Erinnerungsbereitschaft meinten beklagen zu müssen (vgl. etwa die Wiederaufnahme des Verses auf den erweiterten Kriegerdenkmälern in Stafstedt und Norderstapel in Schleswig-Holstein).

• Zitiert aus »Rache und Triumph: Krieg, Gefühle und Gedenken in der Moderne« von Loretana de Libero, 2013, Oldenbourg Wissenschaftsverlag. Frau de Libero ist Historikerin und Politikerin, von Mai 2012 bis 2015 war sie für die SPD Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, seit 2013 lehrt und forscht sie an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese.

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Der Ehrenbürger

Im September 2009 machte die Gemeinde Stafstedt ihrem Ehrenbürger Günther Fielmann ein besonderes Geburtstagsgeschenk: der Dorfplatz, an dem das Elternhaus des Ehrenbürgers steht, wurde in seinem Beisein in Günther-Fielmann-Platz umbenannt. »Wir hier in Stafstedt sind stolz auf Professor Dr. Günther Fielmann. Sie, Herr Fielmann, bekennen sich zu ihrem Dorf, ihrer Heimat«, sagte Bürgermeister und Abgeordneter der CDU im Landtag von Schleswig-Holstein Hans Hinrich Neve.

2014 machten wir Herrn Fielmann auf das Kriegerdenkmal mit der fatalen Inschrift in seiner Heimatgemeinde aufmerksam. Wir erhielten keine Antwort.

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I N H A L T
Die Denkmalsanlage
Die Inschrift in Fering
Für Deutschland gestorben
Das »Hohelied der Liebe«
Die Schlacht bei St. Jakob an der Birs

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Süderende auf Föhr, Kreis Nordfriesland

In einem Wäldchen hinter dem Kirchhof St. Laurentii

Durch diese weiße »Friesenpforte«, über einen Waldweg, kommt man zu der Denkmalsanlage für die toten Soldaten beider Weltkriege.

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Auf der Pforte steht was den Besucher erwartet:

1914     Ehrenmal     1939
1918                          1945

 

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Vom dunklen Waldweg sieht man den mittig stehenden dunklen Obelisken auf der Lichtung des runden Denkmalsplatzes.

 

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Um den mit Bodendeckern bepflanzten Mittelteil führt ein gepflegter Sandweg. In Verlängerung des Waldwegs führt ein Plattenpfad direkt zum Obelisken, so dass man ihn umrunden kann, um die Texte auf allen Seiten lesen zu können. Alle gravierten Texte und Symbole sind golden ausgemalt.

 

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Der mehrstufige Obelisk mit quadratischer Grundfläche besteht im Hauptteil aus fast schwarzem Granit.

 

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Gekrönt wird er von der Skulptur eines naturalistisch dargestellten sitzenden Adlers aus rötlichem Stein. Die riesigen Schwingen hat er aufgestellt.

 

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Unter der Kontur eines Eisernen Kreuzes im Strahlenkranz lesen wir die Inschrift:

Im Völkerringen 1914 = 1918
starben den Heldentod
fürs Vaterland
in treuer Pflichterfüllung:

Es folgen 27 Namen von toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

Die häufigste Bezeichnung für die toten Soldaten auf Kriegerdenkmälern ist das Wort »Helden«. Dieser Begriff macht die toten Soldaten zu Vorbildern. Er passt zur Symbolik vom Eisernem Kreuz. Obwohl der 1. Weltkrieg so viele Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die toten Soldaten und stilisierte ihr Schicksal. Soldaten die lebend aus dem Krieg zurückkehren, werden nicht als »Helden« bezeichnet, sie werden gar nicht erwähnt. So wird mit der Bezeichnung »Held« die besondere militärische Leistung des Soldaten geehrt, die vor allem in seinem Tod besteht.

Gefühle von Trauer werden hier nicht artikuliert, das würde auch nicht zu der Absicht vieler Stifter passen, durch die Kriegerdenkmäler nachfolgende Generationen für den Kriegsdienst zu begeistern.

Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem 1. Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt den höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Auf der Sockelstufe darunter sind umlaufend weitere Inschriften zu lesen. Auf der Frontseite die Widmung:

Den Gefallenen zur Ehre
Den Lebenden zur Mahnung
Kommenden Geschlechtern zur bleibenden Erinnerung
gewidmet von der Gemeinde St. Laurentii

Widmungen in diesem Duktus: »Gefallene – Lebende – Kommende/künftige Geschlechter« gibt es in vielen Abwandlungen. Sie beziehen sich auf die Inschrift des 18,83 Meter hohen Nationaldenkmals für die Befreiungskriege auf dem Kreuzberg bei Berlin.

König Friedrich Wilhelm III. ließ es zum Andenken an die Soldaten der preußischen Armee, die in den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 getötet worden waren, errichten. Der Altphilologe August Boeckh verfasste in seinem Auftrag die Widmungsinschrift:

Der König dem Volke,
das auf seinen Ruf hochherzig
Gut und Blut dem Vaterlande darbrachte.
Den Gefallenen zum Gedächtniß,
den Lebenden zur Anerkennung,
den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung

Auf der rechten Seite:
Die Liebe höret nimmer auf

Dies ist der Bibelvers 1. Korinther 13:8 aus dem »Hohelied der Liebe«. So wird der 1. Korintherbrief vom Apostel Paulus, 13. Kapitel, die Verse 1-13 genannt. Text siehe weiter unten.

Auf der Rückseite:
Unsere Seelen Gott
Unsere Leiber den Feinden

Dieser Spruch ist angelehnt an den Ausruf eines Soldatenanführers vor der Schlacht. In einer grausigen Schweizer Sage ist er zu lesen, siehe weiter unten.

Auf der linken Seite:
Niemand hat grössere Liebe denn die,
dass er sein Leben lässt für seine Freunde

So spricht Jesus am Ende des Johannes-Evangeliums (15,13). »Kriege, in denen planvoll getötet und grausam gestorben wird, fordern die Sinnstiftungsleistung des Kollektivs der Überlebenden auf ganz besondere Weise heraus.« (Kaiser 2010, Seite 12). Darum sollen oft christliche Analogien dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben.

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Ringsum sind im oberen Teil des Obelisken auf die vier Seiten verteilt 27 Vor- und Nachnamen von toten Soldaten des 1. Weltkriegs jeweils mit Geburtsort, Geburts- und Sterbedatum und Sterbeort genannt. An allen vier Seiten steht über den Namen ein gleich großen Eisernes Kreuz im Strahlenkranz.

 

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Sehen Sie hierzu auch den Film »Nordkirche fordert Diskussion um Ehrenmale« im Schleswig-Holstein Magazin von Stella Peters

www.ndr.de/mediathek

 

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Am äußeren Rand des Denkmalplatzes sind im dreiviertel Kreis 55 gleichartige Gedenksteine für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs aufgestellt.

 

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Graviert sind jeweils Vor- und Nachname, Geburtsdatum und -ort, Sterbedatum und -ort.

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Die Inschrift in Fering

Fering, im Deutschen auch Ferring, Föhring oder Föhrer Friesisch, ist ein nordfriesischer Dialekt, der auf Föhr (friesisch: Feer) im Kreis Nordfriesland gesprochen wird. Zusammen mit dem Dialekt Öömrang auf der benachbarten Insel Amrum bildet das Fering einen der zehn Hauptdialekte der nordfriesischen Sprache.

Etwa 3 000 Personen beherrschen diese Sprache noch. Eines der ersten schriftlichen Dokumente ist die Übersetzung von Martin Luthers Kleinem Katechismus ins Föhrer Friesisch um 1600. Auch das älteste überlieferte Sprachzeugnis in nordfriesischer Sprache stammt von Föhr, die zwar erst im 19. Jahrhundert aufgezeichnete, aber wahrscheinlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammende Ballade »A bai a reder«.

nach Wikipedia, abgerufen am 5. Januar 2018

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Hinter dem Denkmal steht eine größere Steinplatte mit einer gravierten und schwarz ausgemalten Widmung für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs im nordfriesischen Dialekt Fering.

Die Inschrift:

Jamens Greew uun a Freem, huar jam son blewen
hear ständ jamens Nööm uun Stian iinskreven
an Ruusen bleu jam to Iar
Hergods Frees as hear an diar.

1939 (Eisernes Kreuz) 1945

Hochdeutsche Übersetzung:

Euer Grab in der Fremde, wo ihr seid geblieben,
hier stehen Eure Namen in Stein eingeschrieben
und Rosen blühen Euch zur Ehre
Herrgotts Friede ist hier und da.

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Für Deutschland gestorben

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...

Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen. Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu: »Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

Zitate aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012 von Clemens Tangerding

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Das »Hohelied der Liebe«

Es  ist bis heute eine der schönsten Beschreibungen der Liebe. Bis heute ist das »Hohelied der Liebe« der meistgewählte Text, den Hochzeitspaare wählen, wenn sie kirchlich heiraten. Einzelne Verse werden als Spruch über Todesanzeigen gewählt. Hier das »Hohelied der Liebe« in der Lutherübersetzung – wie es Generationen von evangelischen Konfirmanden auswendig lernen mussten.

Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 13:

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.

4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,

5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,

6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;

7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.

9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.

10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.

11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.

12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.

13 Nun aber bleibt Glaube Hoffnung Liebe, diese drei; doch die Liebe ist die größte unter ihnen.

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Die Schlacht bei St. Jakob

Im bösen Jahre 1444, als die Eidgenossen im Bürgerkriege mit den Zürchern und den ihnen verbündeten Österreichern waren und daher um diese Stadt und ihre Festinen zu Felde lagen, zog mit einem Male ein großes französisches Heer durch das Elsaß hinauf gegen die Schweiz heran, um sie zu bekriegen. Es waren ihrer wohl an die fünfzigtausend Mann. Ihr Anführer war der französische Kronprinz, der Dauphin Ludwig. Sein gewaltiges Söldnerheer, die Armagnaken, welche die Schweizer die »armen Gecken« nannten, verbreitete, besonders ihrer wilden Reiterei wegen, überall Furcht und Schrecken.

Da ward es der guten Stadt Basel am Oberrhein heiß. Sie schloß die Tore voll Schrecken und schickte Eilboten zu den Eidgenossen, die eben um Zürich lagen, und bot um schnelle Hilfe. Unterdessen war der Dauphin, wie ihn die Leute hießen, zu Landskron mit seinem Heere angekommen. Von da aus gedachte er die reiche Stadt Basel zuerst zu nehmen und danach in die Lande der Eidgenossen einzubrechen. So schickte er vorerst unter General Sancerre achttausend Mann, denen er unter General Dammartin noch zehntausend folgen ließ, über einen kleinen Fluß, die Birs. Diese Truppen sollten ihm den Weg bereiten. Er selbst hielt sich mit dem Hauptheere hinter dem Fluß.

Jetzt schickten die bedrohten Städte Basel und Liestal wieder Eilboten an die Eidgenossen mit der Meldung, der Feind sei schon ins Land eingebrochen. Im freien Felde berieten nun die Eidgenossen, was zu tun sei. Endlich beschloß der Kriegsrat, eine starke Vorhut von dreizehnhundert Mann vorauszuschicken. Die sollten die Stellung des Feindes auskundschaften, jedoch unter keinen Umständen über den Birsfluß gehen. Hurtig brach nun diese Vorhut auf. Sie bestand vorab aus den Hirten der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden, aus Bernern, Solothurnern, Luzernern und Baslern. Bald begegneten sie einem französischen Reiterhaufen, der aber bei ihrem Angriff zerstob. Auch die Haufen Sancerres, auf die sich die Schweizer gleich mit wildem Ungestüm stürzten, jagten sie in eilige Flucht. Jetzt stießen sie auf die zehntausend Mann des Generals Dammartin, die eine Weile tapfer standhielten, sich aber dann über die Birs aufs Hauptheer zurückziehen mußten unter Zurücklassung vieler Wagen, Pferde, Waffen und Panner.

Als der französische Kronprinz Ludwig die Vorhut der Schweizer jenseits des Flusses erscheinen sah, zog er sein ganzes Heer zusammen. Aus der Stadt Basel aber eilten Boten zu den Eidgenossen, vor dem Übergang über die Birs warnend. Auch ihre eigenen Hauptleute erinnerten laut an das strenge Verbot, das sie beim Auszug erhielten, ja nicht über den Fluß zu gehen. Doch alle Warnungen, alle Befehle und alle Hinweise auf den dreißigmal stärkeren Feind waren umsonst. Die Eidgenossen knirschten mit den Zähnen vor Kampfwut, stampften den Boden und drohten gar, ihre Hauptleute in den Fluß zu werfen, wie sie die warnenden Boten von Basel erstochen hatten. Da gaben die Anführer nach, und einer rief laut aus: »So befehlen wir unsere Seelen Gott und die Leiber den Armagnaken!« Alle knieten nieder und verrichteten mit ausgebreiteten Armen das Schlachtgebet.

Danach erhob sich die kleine Vorhut von kaum über zweitausend Schweizern, und alle stürzten sich mit wildem Kriegsgeschrei in den Fluß.

Jetzt donnerten die französischen Stücke auf die Eidgenossen los. Aber sie wateten und schwammen vorwärts, auf das feindliche Ufer zu. Als sie dieses erreicht hatten, stürzte sich das ganze französische Heer über sie her, und obwohl sie dreinschlugen wie Rasende, wurden sie doch auseinandergerissen und mußten in getrennten Haufen den ungeheuren Feind bekämpfen. Ein größerer Haufen wurde rings von der welschen Reiterei umschlossen. Immer und immer wieder schlug er sie auf allen Seiten zurück, und die zu Tode verwundeten Eidgenossen hingen sich noch an die Beine der Pferde, um sie zu Fall zu bringen. Aber nach und nach wurden sie doch zusammengehauen, und nicht ein einziger blieb übrig. Einem Haufen Schweizer von etwa fünfhundert Mann jedoch gelang es, sich bis zum Siechenhaus in St. Jakob durch die lebendige Mauer von Reitern und Fußvolk durchzuhauen. Aber beim Siechenhaus erhob sich nun ein fürchterlicher Kampf. Die Eidgenossen waren im Friedhof des Siechenhauses völlig eingeschlossen. Für sie gab es keinen Ausweg mehr. Doch einmal über das andere schlugen sie die von allen Seiten auf sie einstürmenden Armagnaken zurück. Und als sie nun sahen, daß sie nimmer lebendig davonkamen, machten sie einen Ausfall um den andern und mähten sich fürchterlich mit ihren breiten Schwertern und Hellebarden in die dichtgedrängten Feinde hinein, bis sie von der nachdrückenden Übermacht wieder in den Garten des Siechenhauses zurückgedrängt wurden.

Jetzt gelang es den Armagnaken gar, das Siechenhaus und die Kapelle, die den Eidgenossen den Rücken deckten, in Brand zu stecken. Nun hatten die Schweizer nur noch den von einer niedrigen Mauer umzogenen Friedhofgarten im Besitz. Aber das schwere französische Geschütz donnerte die niedrige Mauer zusammen, und von allen Seiten brach nun der Feind herein wie ein Wildstrom. Jetzt verrichtete das zusammengeschmolzene Häuflein der Eidgenossen erst die große Blutarbeit. Wie wilde Tiere im brennenden Käfig wüteten sie, ums blutrote Schweizer Panner geschart. Ein immerwährendes Aufblitzen der Schwerter und das Krachen der Knüttel kam aus ihrem Haufen, als wären sie ein eingeschlossenes Donnerwetter. Schwerverwundete rissen sich die Pfeile aus dem Leib und schossen sie den Feinden ins Gesicht. Blutüberströmte schlugen mit den Armstummeln noch um sich. Andere rissen ihre Feinde an den Haaren mit sich zu Boden, um sie zu erwürgen. Noch im Sterben verbissen sie sich in den Gegner. Niemand bettelte ums Leben, alle wehrten sich stumm und verzweifelt bis zum letzten Atemzuge, bis endlich alles nur noch ein blutiger Haufen toter und sterbender Helden war.

Aber um die tapfere Schar herum, die das brennende Siechenhaus gräßlich beleuchtete, lagen mehr als achttausend Franzosen, darunter viele hohe Herren und Ritter. Zehn Stunden hatte die grause Schlacht gedauert. Sechzehn Eidgenossen, die am Morgen unter dem Donner der französischen Kanonen im Flug kehrtgemacht und ihr elendes Leben also feige davongebracht hatten, wurden zeitlebens verachtet und durften sich bei keinem öffentlichen Anlaß mehr blicken lassen.

Als nun nach der Schlacht ein gar stolzer Ritter des französischen Heeres, Burkhard Münch geheißen, über das Schlachtfeld ritt, rief er beim Anblick der toten und sterbenden Eidgenossen höhnisch: »Heute baden wir in Rosen!« - Da griff der zum Tod verwundete Hauptmann der Urner, Arnold Schick, mit blutender Hand und blutendem Herzen nach einem schweren Stein, richtete sich mit der letzten Kraft auf und rief, den Stein nach dem Ritter schleudernd: »Da friß eine der Rosen!« Jetzt sank der übermütige Ritter vom Pferd, und es schleifte ihn in wildem Galopp zu Tode.

»Wie hängt der Ritter auf dem Roß?
Sein Panzer ist ja rosenrot.
Legt ihn nur auf den Kirchhof fein,
dort wachsen viele Röselein!«

heißt es in einem alten Liede über die Schlacht. Der französische Kronprinz Ludwig aber, der mit Grauen den Heldentod der Schweizer gesehen hatte, sagte, mit diesen Schweizern wolle er nicht mehr Krieg führen, denn wenn schon die Vorhut solche Wunder der Tapferkeit verrichte und seinem großen Heere also zu schaffen gegeben habe, wie müßte er da mit dem eidgenössischen Gewalthaufen erst böse Erfahrungen machen. Und also zog er mit dem Heer der »armen Gecken« wieder von der Schweizer Grenze ab.

In der ganzen Eidgenossenschaft war große Trauer. Den Baslern aber erschien diese Niederlage als ein großer Sieg, und sie dankten Gott, daß er das schreckliche französische Heer dadurch so gnädig von ihren Mauern abgehalten hatte.

Quelle: Meinrad Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915.

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Das Denkmal
Historische Postkarten
Noch drei »Ehrenfindlinge«
Das Eiserne Kreuz

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Süsel, Kreis Ostholstein

Umgesetzt vor die St. Laurentius Kirche

An seinem früheren Standort stand das Kriegerdenkmal in in einer wuchtigen Anlage aus behauenen Feldsteinen. Heute steht das Kriegerdenkmal allein auf dem Kirchhof. Die Form ist die eines Eisernen Kreuzes, das nach unten verlängert wurde. Die Inschrift für die getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs lautet:

Unseren Toten 1939 - 1945

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Ein Lorbeer- und ein Eichenzweig wachsen ineinander verschlungen aus einem Eisernen Kreuz.

            SH Susel 2WK gesamt web


Zur Kirche gewandt stehen die Inschriften zum 1. Weltkrieg:

Den im Weltkriege 1914 - 18
fürs Vaterland gefallenen Söhnen der Kirchengemeinde Süsel

Darüber im Relief ein Soldatenkopf mit Stahlhelm. Darunter ein Kurzschwert mit der Klinge nach unten, als Zeichen für den verlorenen Krieg, aber auch rechts und links vom Schwert je ein Lorbeerzweig.

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SH Susel Kopf web


Unter dem Schwert steht:

Sie warten des ewigen Lebens nach der Verheißung Gottes
2. Makkabäer 7 · 36

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Historische Postkarten

Sie zeigen das Kriegerdenkmal an seinem früheren Standort in einer wuchtigen Anlage aus rundgemauerten, behauenen Feldsteinen. Vier Stufen führten zum Steinkreuz, das bis dahin nur die Inschriften und Reliefdarstellungen zum 1. Weltkrieg trägt.

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Geschmückt mit drei Kränzen, umgeben von Tannen.

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Noch drei »Ehrenfindlinge«

Bis heute erfahren die Herren Wilhelm I, Moltke und Bismarck eine besondere Ehrung auf dem Kirchhof der St. Laurentius Kirche:

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Das Eiserne Kreuz

Auf dem Wulfsdorfer Denkmal ist es mit Krone, großem »W« für Kaiser Wilhelm II und der Jahreszahl 1914 gearbeitet worden. Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5. Juni 2008

 

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T

Das Denkmal
Die Inschriften
Historische Fotos
Das Eiserne Kreuz
Erhebung Schleswig-Holsteins
Doppeleichen

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Tarbek, Kreis Segeberg

Am Dörpplatz beim Feuerwehrhaus

Neben der Einfahrt zum Feuerwehrhaus befindet sich das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege.

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Das ursprünglich allein stehende Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs wurde 1955 durch Seitenflügel mit Namenssteinen und eine Widmungstafel für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs ergänzt.

 

SH Tarbek mitTuer web

Umrahmt wird die Denkmalsanlage von einer hohen Hecke aus Kirschlorbeer und Rhododendren. Dahinter stehen drei Fahnenmasten. Eine niedrige Felssteinmauer mit stabilem schwarzen Eisenzaun und einer Pforte zwischen zwei gemauerten Pfeilern begrenzt die Anlage zur Straße hin.

 

SH Tarbek 4 web


Innen ist der Platz mit Kies aufgefüllt. Der hier gezeigte Kranz wurde zum Volkstrauertag 2018 vor der Tafel: »1939 - 1945 Unseren Helden zum Gedenken« niedergelegt.

 

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Hier sieht man die zwei Widmungstafeln. In den Sockel des ursprünglichen Denkmals wurde die ergänzende Tafel eingelassen.

 

SH Tarbek Stein web


Auf dem schroffen Findling ist oben ein Eisernes Kreuz im Relief zu sehen, mit Kaiserkrone, »W« für Kaiser Wilhelm II und dem Jahr der erneuten und enorm ausgeweiteten Stiftung des Ordens: 1914. Das Eiserne Kreuz und die darunter eingelassene Bronzetafel sind insgesamt von einer gravierten Linie umgeben.

 

SH Tarbek Schild 1WK web


Die Bronzetafel wurde mit vier Ziernägeln am Findling befestigt. Das ovale hervorgehobene Namensfeld wird gekrönt von einer Pickelhaube im Relief mit ehrendem Laub: rechts ein Lorbeer-, links ein Eichenzweig.

Die Pickelhaube (amtlich hieß sie: »Helm mit Spitze«) war eine zunächst rein militärische, dann auch polizeiliche Kopfbedeckung, die ab 1843 in der preußischen Armee eingesetzt wurde. Als verbesserter Kopfschutz wurde dann im Laufe des Jahres 1916 im deutschen Heer der Stahlhelm aus heißgepresstem Chromnickelstahl eingeführt.

Im Oval folgt in einer klassischen Serifenschrift:

Es fielen für’s Vaterland
1914 – 1918

Es werden fünf Namen mit Todesdatum genannt

Ehre ihrem Andenken!

 

SH Tarbek Tafel 2WK web


Im Podest eingelassen ist eine Tafel aus rötlichem, teils poliertem Granit mit der Widmung:

1939 (Eisernes Kreuz mit Innenkontur) 1945

Darunter, zur Mitte gekreuzt, ein Lorbeer- und ein Eichenzweig

Unseren Helden
Zum Gedenken

 

SH Tarbek rechts web


In die abfallend gemauerten Feldsteinseitenflügel sind jeweils fünf helle, oben abgerundete Steinplatten eingelassen.

 

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Darauf werden die Namen der 25 toten Soldaten des 2. Weltkriegs mit Geburts- und Sterbe- bzw. Vermisstendatum genannt. Ein Ordnungsprinzip ist nicht erkennbar. Es werden allerdings feine Unterschiede gemacht: Max Saggau z.B. hat ein »gef.«, während Alwin Hippe ein Kreuz vor seinem Sterbetag hat. Er ist vermutlich im Lazarett gestorben und nicht im »heldenhaften« Kampf.

 

SH Tarbek links web

 

SH Tarbek seitlich web

2001 erhält Tarbek sein Ortswappen, zum 700 jährigen Bestehen Tarbeks wurde 2005 neben der Kriegerdenkmalsanlage ein Gedenkstein mit dem neuen Wappen enthüllt.

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Die Inschriften

Fachleute definieren Begriffe, die auf den Denkmalstafeln in Tarbek genannt werden:

Vaterland: Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet. 

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

• Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 78


Ehre: Ehren kann mehr bedeuten als nur jemanden in guter Erinnerung zu bewahren. Es kann die Absicht beinhalten, jemanden auszuzeichnen, also eine besondere Leistung, ein besonderes Verhalten, eine besondere Haltung hervorzuheben. Eine solche Form der Ehrung ist im zivilen Bereich mit der Verleihung von Ehrenbezeichnungen, Urkunden, Ehrenringen oder -plaketten oder auch Orden verbunden, im militärischen Bereich vor allem mit Orden [meist dem Eisernen Kreuz]. Das Kriegerdenkmal wird diesen Ordens- und Ehrenzeichen gleichsam zur Seite gestellt und posthum kollektiv verliehen. Grund der Auszeichnung ist die durch den Tod besiegelte besondere Treue oder Tapferkeit, Haltungen, die auch heute noch der Soldateneid einfordert.

• Ebd., S. 33


Unseren Helden: Wie verhalten wir uns dazu, dass wir heute wissen, dass sich die Soldaten damals für das Falsche eingesetzt haben?

Gefallene: ... verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort.

• Ebd., S. 22

Die Überhöhung des soldatischen Opfers lässt sich nicht nur an den Kriegerdenkmälern ablesen, sondern auch am Siegeszug einer Metapher: »der Gefallenen«. [...] Ihre Stunde schlug im ersten Weltkrieg, als die unterschiedslose und massenhafte Vernichtung der Soldaten nach sprachlicher Bewältigung verlangte. Die Bezeichnung »Gefallene« eroberte jetzt Inschriften und Ansprachen, Briefe und Statistiken.
Im Wort »fallen« verschmolzen Abschiedsschmerz und Opfermythos, und mit jeder Verwendung wurde diese Verbindung abgerufen und bestätigt. Zugleich ließ sich der Ausdruck wie eine Abkürzung verwenden. Je selbstverständlicher wurde, dass ein Soldat der »fiel«, dies für das Vaterland, das Volk oder wofür auch immer tat, umso eher ließ sich auf die immer neue Benennung dieser Opferziele verzichten. Deren Gefühlswert übertrug sich auf das Wort »fallen«, das zur Chiffre all dieser Sinnstiftungen aufstieg. Wer gefallen war, der war jetzt stets schon für die vermeintlich gute Sache gestorben, der hatte seine Opferbereitschaft bewiesen.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 100

Gedenken: Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter. »Auf welchem dieser steinernen oder metallenen ›Ehrenmale‹ wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.« [Giordano, Die zweite Schuld, S. 324].

• zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29


Ende der 60er, Anfang der 70er gibt es in Deutschland einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Es kommen jüngere Historiker und jüngere Offiziere in verantwortliche Positionen, die vieles von dem was vor 1914 bis 1918 war hinterfragen, die auch ganz andere Fragen an die Vergangenheit stellen und an die entsprechenden Repräsentationen der Vergangenheit. Die sich fragen: Ist es noch zeitgemäß Erinnerungen zu pflegen, die Ausdruck von Aggression, Imperialismus und Hybris ist?

Michael Epkenhans, Historiker, Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam

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Historische Fotos

So sah das Denkmal vor der Erweiterung 1955 aus. Der Findling steht allein inmitten einer üppigen Bepflanzung.

 

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Die niedige Mauer wird vorne von zwei Eckpfeilern mit aufgesetzten Halbkugelsteinen begrenzt. Man betritt die kleine Anlage durch eine verzierte Eisenpforte.

SH Tarbek 1965 web


Auf der Postkarte aus dem Jahr 1965 sieht man schon die erweiterte Anlage, die im Herbst 1955 eingeweiht worden war. Jetzt wird der toten Soldaten beider Weltkriege gedacht. Der Findling hat die Seitenflügel bekommen, die Umzäunung ist erneuert und erweitert worden. Der Platz ist jetzt weitgehend mit Kies belegt. An beiden Seiten wurden Ruhebänke aufgestellt.

Später wurde die Umzäunung noch einmal neu gestaltet: weniger Pfeiler, eine auch optisch stabilere Abgrenzung und eine neue Pforte. Innen bleibt es beim Kies, eine runde Steinschale und schmale Beete können bepflanzt werden. So ist es bis heute.

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

Neben dem Thorshammer ist das Eiserne Kreuz das am häufigsten gezeigte Symbol in der rechten Szene. Es wird in allen erdenklichen Formen angeboten, z. B. als Ohrstecker, Anhänger oder Gürtelschnalle.

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Erhebung Schleswig-Holsteins

Neben der Anlage für die toten Soldaten beider Weltkriege befindet sich auf einer Raseninsel zwischen den Straßen ein Findling zur »Erhebung Schleswig-Holsteins« am 24. März 1848.

 

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Das Ensemble der drei Denkmäler vor der Einfahrt zum Feuerwehrhaus.

 

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Sehr schön sieht man hier den Findling mit der Erinnerungstafel an die Schleswig-Holsteinische Erhebung über die Jahrzehnte heute fast eingequetscht zwischen zwei Eichen – der Doppeleiche als Sinnbild für die Einheit von Schleswig und Holstein.

 

SH Tarbek Findling Tafel web


Die reich verzierte Gußtafel trägt die Inschrift:

Zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte Erhebung Schleswig-Holsteins
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Errichtet am 24. März 1898


Die Schleswig-Holsteinische Erhebung entstand im Zusammenhang mit den revolutionären Bewegungen 1848 als Konflikt zwischen den nationalistischen Strömungen in Dänemark und Deutschland. Die Schleswig-Holsteiner strebten die gemeinsame Loslösung der beiden Herzogtümer aus dem deutsch-dänischen Gesamtstaat und die Eingliederung beider in den Deutschen Bund an. Die dänischen Nationalisten wiederum strebten einen Nationalstaat an, zu dem nur das Herzogtum Schleswig gehören sollte.

Über diesem Konflikt kam es zu einem – mit Unterbrechungen – dreijährigen Krieg (1848 – 1851), bei dem die Schleswig-Holsteiner von den Staaten des Deutschen Bundes unterstützt und nach anfänglichen Erfolgen schlussendlich von der dänischen Seite besiegt wurden.

Dem britischen Premier Lord Palmerston (1784 bis 1865) zufolge war die Schleswig-Holstein-Frage so kompliziert, dass nur drei Menschen sich darin auskennen würden: Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzgemahl von Queen Victoria, der schon tot sei, ein Professor, der verrückt geworden sei, und er selbst, doch habe er alles wieder vergessen, sonst wäre er auch verrückt geworden.

1849 errichteten die »Schleswig-Holsteinischen Kampfgenossen« einen Gedenkstein auf dem Alten Friedhof in Flensburg, er sollte die ewige Verbindung zwischen Schleswig und Holstein symbolisieren. 1851 entfernten ihn die dänischen Behörden. 1898, zur Feier des 50. Jahrestages der Eroberung der dänischen Festungsanlagen, wurde dieser Findling aufgestellt.

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Doppeleichen

SH Doppeleichen Anzeige web
Anzeige des Gärtners Beck: »Zur Verherrlichung des Nationalgesanges«

An die Schleswig-Holsteinische Erhebung von 1848 erinnern die so genannten Doppeleichen, die in vielen Dörfern anlässlich des 50. Jahrestages am 24. März 1898 unter besonderen Feierlichkeiten gepflanzt wurden. Sie galten den schleswig-holsteinisch Gesinnten als Sinnbild für Freiheit und Unabhängigkeit von Dänemark sowie für die Einheit von Schleswig und Holstein. Deshalb findet man diese Art von Gedenkbäumen auch nur im nördlichsten Bundesland. Das Privileg von Ripen von 1460 und das Schlagwort »Up ewig ungedeelt« diente dabei den Schleswig-Holsteinern als Grundlage ihres Anspruchs. Die Idee der Doppeleiche kam erstmalig auf dem schleswig-holsteinischen Sängerfest 1844 in Schleswig auf, als das Schleswig-Holstein-Lied erstmalig gesungen wurde; hier heißt es in der 7. Strophe: »Teures Land, du Doppeleiche, unter einer Krone Dach, stehe fest und nimmer weiche, wie der Feind auch dräuen mag! Schleswig-Holstein, stammverwandt, wanke nicht, mein Vaterland!«.

Als Standort dieser Bäume wählte man besonders exponierte Plätze in der Dorfmitte oder in der Nähe von Schulen und Gaststätten. Es gab zwei Möglichkeiten, eine Doppeleiche zu schaffen: Entweder pflanzte man zwei Eichen in einem Pflanzloch so eng zusammen, dass aus einer Wurzel die Stämme wuchsen [wie in Tarbek], oder man ordnete die beiden Eichen so an, dass diese aus zwei Pflanzstellen herauswuchsen und im Stammbereich zusammengeführt wurde.

• Telse Stoy, Heimatgemeinschaft Eckernförde e. V., 2014. »Doppeleichen in Schleswig-Holstein«, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-261830, abgerufen: 18. Februar 2019.

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I N H A L T
Das Denkmal
Das Eiserne Kreuz

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Thaden,
Kreis Rendsburg-Eckernförde

Gepflegte große Anlage mitten in einem kleinen Ort

Aus Natursteinen gemauertes dreiteiliges Denkmal gekrönt von einem plastischen Eisernen Kreuz.

SH Thaden Denkmal

 

Inschrift:
Sie gaben Ihr alles, / Ihr Leben, Ihr Blut, / sie gaben es hin / mit heiligem Mut / Für uns! / 1914 (Eisernes Kreuz) 1918


              SH Thaden Tafel

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl in DER ZEIT vom 5. Juni 2008.

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Erweiterung
Historische Fotos
Der Bildhauer

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Thürk, Kreis Ostholstein

Am Wegedreieck der Straße »Zum Diekkamp«

1928 wurde hier das Kriegerdenkmal für die 15 toten Soldaten des Dorfes Thürk errichtet und eingeweiht. Der Berliner Bildhauer Prof. Hermann Hosaeus (1875 - 1958) hat es entworfen.


SH Thuerk Anlage web


Das Denkmal in Thürk aus einer in Bogen geformten Sandsteinplatte trägt den Umriss eines Eisernen Kreuzes aus Metall. »Es sieht aus wie ein Eichenlaubblatt«, das sagte schon der Lehrer von Udo Harder, dem Heimatforscher von Thürk. Die Inschrift lautet:

Für Deutschland
1914         1918
zogen in Kampf und Tod

Zwischen den Jahreszahlen endet das Halbrelief eines nach unten geneigten zergebrochenen Schwerts mit verziertem Knauf, umrankt von einem Eichenzweig. Unter der Inschrift sind die 15 Namen der toten Soldaten des 1. Weltkriegs eingraviert.
 

   SH Thuerk ganz web


Die Sandsteinplatte steht auf einem runden Sockel aus vermauerten bunten Felssteinen.

 

   SH Thuerk Front web

 

SH Thuerk Sign gross web


Die eingravierte Signatur von Hermann Hosaeus an der rechten Seite des Denkmals.


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Denkmäler von Hosaeus in:

Hamburg Harburg
Hamburg Wilhelmsburg
Schleswig-Holstein Eutin


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Die Erweiterung

SH Thuerk 2 WK web


1966 setzten Pioniere der Bundeswehr einen großen Findling neben das erste Denkmal. Die Namen der neun toten Soldaten des 2. Weltkriegs sind mit metallenen Lettern darauf angebracht. Mittlerweile ist er mit Efeu bewachsen.

 

SH Thuerk Pforte web


2005 wurde die baufällige Mauer der Denkmalsanlage abgerissen, die Dorfbewohner errichteten eine neue Einfassung mit Granitstehlen, die durch Ketten verbunden sind. Die Pforten an beiden Seiten tragen ein Eisernes Kreuz. Die Anlage ist großzügig und sehr gepflegt.

• Wir danken Udo Harder für die Informationen, die wir der von ihm verfassten Thürker Chronik entnehmen durften.

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Historische Fotos

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1928: Die neue Denkmalsanlage am Wegedreieck ist eingeweiht, die Eiche hinter dem Denkmal ist gepflanzt – noch ist sie kleiner als das Denkmal selbst.

   SH Thuerk 1928 webNEU


1928: Die Buchstaben sind deutlich schwarz ausgemalt, das Eiserne Kreuz steht noch auf einer symbolischen Weltkugel.

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In den letzten Kriegstagen 1946 fiel eine englische Fliegerbombe auf die Anlage und zerstörte einen Teil der Mauer und die rechte Pforte.

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Die reparierte Mauer um die jetzt erweiterte Denkmalsanlage: der Findling mit den Namen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs ist dazu gekommen.


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2005: die neue Umrandung – eine Gemeinschaftsarbeit der Dorfbewohner – ist fertiggestellt.


• Wir danken Udo Harder für die Fotos. Er musste als 14-jähriger Junge mitansehen, wie neben der gerade aufgegebenen Dorfschule von Thürk das gesammelte Archiv des Lehrers verbrannt wurde. Schon damals war ihm klar, dass dort Schätze unwiederbringlich verloren gegangen sind. So werden wir wohl nie erfahren, wie das kleine Dorf Thürk in Ostholstein zu einem Denkmal von Prof. Hermann Hosaeus aus Berlin kam. Auch im Archiv der Technischen Universität Berlin, an der er gelehrt hat und die seinen Nachlass verwaltet, gibt es keinen Hinweis.

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Der Bildhauer

»Hermann Hosaeus wurde 1875 in Eisenach geboren. Aufgewachsen ist er in Buxtehude, und von hier aus lernte er Hamburg kennen. Er besuchte die Kunstgewerbeschulen in Dresden, Nürnberg, München und zuletzt die Berliner Akademie, wo er von 1898 bis 1900 Meisterschüler bei Reinhold Begas war. Sein Lebensmittelpunkt wurde Berlin, wo er 1922 Professor an der Technischen Universität Berlin-Charlottenburg wurde. Dass Hosaeus ein anerkannter Künstler war, unterstreicht auch seine Berufung an die Preußische Akademie der Künste. (...)

Sein eigentliches Betätigungsfeld wurde die Gestaltung von Kriegerdenkmälern. Im Kyffhäuserbund übernahm er den Vorstand und die Aufgabe des künstlerischen Beauftragten. Dieser Bund existierte seit 1900, er war der Dachverband der Deutschen Landeskriegerverbände. Ursprünglich oblag ihm die Pflege des Kyffhäuserdenkmals, das von 1891 bis 1897 zu Ehren des 1888 verstorbenen Kaisers Wilhelm I. errichtet wurde. Es gehört noch heute zu den imposantesten monumentalen Gedenkbauwerken Deutschlands. In diesem Bauwerk kam vor allem zum Ausdruck, sich vor inneren (gemeint ist die Sozialdemokratie) und äußeren Feinden zu schützen. Das war ganz im Sinne der Kriegervereine, die die Reichseinheit propagierten. 1922 wurde aus dem Kyffhäuserbund der Dachverband des Reichskriegerverbandes, der bald Wegbereiter der nationalsozialistischen Ideologie wurde. 1934 wurde er ›gleichgeschaltet‹ und 1943 auf Reichsebene aufgelöst.

Es verwundert nicht, dass Hosaeus sich in diesem Verein gut aufgehoben verstand, wo er während des Aufstiegs der Nationalsozialisten zahlreiche Aufträge erhielt, häufig wohl ohne Ausschreibung.«

• Zitiert aus: Der »Harburger Soldat« und sein Erbauer Hermann Hosaeus, Ralf Busch im Harburger Jahrbuch 23, 2012

 

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       Foto: Helmsmuseum

Hermann Hosaeus mit dem Kopf des »Soldaten« in seiner Werkstatt. Das Denkmal steht in Harburg vor der Johanniskirche.

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I N H A L T
Das kommunale Denkmal
Die Geschichte
Die Informationstafel
Volkstrauertag 2018
Postkarten
Das Denkmal auf dem Friedhof
• »Der bröckelnde Adler«
Die Geschichte
Pastor Sommerfeldt
Der Bildhauer Richard Kuöhl
Ich hatt’ einen Kameraden

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Trittau, Kreis Stormarn

Auf dem Parkgelände zwischen Friedhof und Bahnhofsstraße

Text folgt

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SH Trittau Umgebung web

 

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Die Geschichte

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Die Informationstafel

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Volkstrauertag 2018

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Postkarten

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Das Denkmal auf dem Friedhof

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»Der bröckelnde Adler«

Hier muss das Ehrenmal sein. Hinter einem Gräberfeld auf dem Trittauer Friedhof wächst ein großer Rhododendron. Erst auf den zweiten Blick ist in dem Blattwerk ein steinerner Adler zu erkennen. Von nahem ist das Moos sichtbar, das auf seinen ausgebreiteten Schwingen wächst. Der Zement bröckelt, an den Flügelspitzen und den Klauen liegt der rostige Draht des Skeletts frei. Aber nicht der Adler ist das, was dieses Denkmal unbequem macht. Es ist der mannshohe Findling, auf dem der Adler sitzt, mit der eingemeißelten Inschrift: »Ehrlos das tapferste Heer / trifft es der Speer in den Rücken / Unfrei das freieste Volk, / wenn es sich selber verliert«.

Das ist eine Variation der Dolchstoßlegende. Diese Legende gab nicht der Übermacht der Feinde, sondern den Demokraten im Reich, vor allem den Sozialdemokraten, die Schuld an Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg. Sie ist längst widerlegt. Umstritten war sie schon, als das Trittauer Denkmal entstand. »Das mit dem Spruch hat schon 1919 erheblich Staub aufgewirbelt«, sagt Asmus Bergemann, der eine Broschüre über die Trittauer Ehrenmale geschrieben hat. »Die lokale SPD verwahrte sich dagegen. Es gab Demonstrationen.« Aber das Denkmal blieb, und die Inschrift blieb.

1926 kam noch ein zweites Kriegerdenkmal auf dem Trittauer Friedhof hinzu, mit einer Felsengruft, die an das Grab Jesu erinnert, und einer Sonne als Auferstehungssymbol. Ein Monument, das zeigt, wie Nation, Krieg und Religion miteinander verquickt wurden. In den 50er Jahren kam ein Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs hinzu. Seit 2012 steht das Doppel-Ehrenmal unter Denkmalschutz.

Es ist saniert und von der Straße aus sichtbar. Das Denkmal mit dem Adler und der Dolchstoß-Inschrift aber ist nicht saniert worden. Der Zement bröckelt, der Rhododendron wächst, und die Inschrift ist nur noch mit Mühe zu lesen. »Der Spruch soll nicht vertieft und wieder neu lesbar gemacht werden«, erklärt Bergemann, »das zieht nur die falschen Leute an.«

Das ungeliebte Erbe, Hanno Kabel, Lübecker Nachrichten Online, 7. September 2013


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Die Geschichte

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Pastor Sommerfeldt

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     SH Trittau Sommerfeldt web

 

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Der Bildhauer Richard Kuöhl

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Seine handwerkliche Ausbildung als Kunsttöpfer erhielt er in einer der Modellfabriken dieses Zentrums keramischer Kunst. Nach dreijährigem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wurde er als leitender Modelleur einer bauchemischen Versuchsanstalt mit den modernsten Techniken der Tonbearbeitung vertraut. 1912 folgte er seinem Dresdener Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Dort arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren mit fast industriellem Ausstoß. Es entstanden Skulpturen in Stein, Keramik und Reliefs in Terrakotta. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

     Kuoehl im Atelier 1930 web
        Foto: Stormarnsches Dorfmuseum

• Mitte der 1930er Jahre arbeitete Richard Kuöhl in seinem Atelier an der Tonfigur »Kind auf einem Seehund sitzend«

Kriegerdenkmäler gehörten während der Weimarer Republik zu den häufigsten und begehrtesten Auftragswerken deutscher Bildhauer. Auch Kuöhl hatte bereits zahlreiche Kriegerdenkmäler ausgeführt, dabei war es ihm stets gelungen, die von nationalistisch und militärisch gesinnten Kreisen mit einem »Ehrenmal« beabsichtigte politische Aussage künstlerisch zu formulieren. »Nicht Jammer und Not, sondern Mannestat und Einsatzbereitschaft, das Heldische, Kraftvolle, das ein Mahnmal verkörpern muß, zeigen die »Ehrenmäler«, die er geschaffen hat ... immer wieder spricht ein trotziges ›Dennoch!‹ aus diesen Denkmälern.

»Neben idealisierten nackten Kriegern ... hatte er in kontinuierlicher Folge eine Darstellungsform des grobschlächtigen uniformierten deutschen Soldaten entwickelt, die den Vorstellungen der neuen Auftraggeber offenbar besonders entsprach: Im Mittelpunkt des Lübecker Ehrenfriedhofs, 1924, steht breitbeinig ein Infanterist, der den Helm zum Gebet abgenommen hat. Auf dem Klinkersockel des Regimentsdenkmals in Rendsburg, 1927, lagert ein sterbender Soldat, dem der Helm herabgesunken ist. Auf dem Klinkersockel des Kriegerdenkmals in Langenhorn, 1930, beugt ein Soldat mit abgenommenem Helm das Knie vor dem toten Kameraden.

Kuöhl war mit seiner Praxis als Bauplastiker und Mitarbeiter von Architekten, mit seiner praktischen Erfahrung als einsatzbereiter Gestalter von Soldatengrabmälern und Ehrenfriedhöfen an der Front, vor allen Dingen aber mit dieser Reihe von Soldatendarstellungen, die instinktsicher das trafen, was Kriegervereine und Rechtsparteien sich unter neuer deutscher Plastik vorstellen mochten, prädestiniert für weitere und größere Aufgaben dieser Art.«

Zitat aus Volker Plagemanns Buch »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986

Eine Autorengruppe um Roland Jäger veröffentlichte 1979 ein Buch über den »Kriegsklotz« hinterm Dammtorbahnhof in Hamburg, das wohl umstrittenste Denkmal Kuöhls. Hier können Sie zwei Seiten daraus lesen:

Jäger u.a. / Kuöhl


Ebenfalls dokumentiert sind auf dieser Website Kuöhls Denkmäler in:

Hamburg Dammtor
Hamburg Langenhorn
Schleswig-Holstein Lübeck
Schleswig-Holstein Rendsburg
Schleswig-Holstein Wilster
Hamburg Neuenfelde
Hamburg Finkenwerder
Schleswig-Holstein Großhansdorf
Schleswig-Holstein Neumünster

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Ich hatt’ einen Kameraden

»Der gute Kamerad« wurde 1809 von Ludwig Uhland in Tübingen gedichtet, Friedrich Silcher vertonte, ebenfalls in Tübingen, das Gedicht im Jahre 1825. Als Lied ist es besser bekannt unter der Anfangszeile der ersten Strophe: »Ich hatt’ einen Kameraden«. Es wurde vor allem von der politischen Reaktion instrumentalisiert, und zwar zur Beschönigung und Verklärung des Kriegsopfers und Heldentods. Das Lied vom »guten Kameraden« spielt im Trauerzeremoniell der deutschen Bundeswehr eine große Rolle. Es ist Bestandteil eines Begräbnisses mit militärischen Ehren und jeder militärischen Trauerfeier.

SH Ratzeburg StGeorgsberg Ich hatt web

 

»Menschen könnten im normalen Leben bessere Freundschaften als im Schützengraben finden.«

Der pfälzische Pfarrer Detlev Besier, Leiter der landeskirchlichen Arbeitsstelle Frieden und Umwelt, am Volkstrauertag 2018


Sehen Sie hier eine Sammlung von historischen und politischen Bildpostkarten von Karl Stehle, München, die diesen Liedtext zitieren:

www.goethezeitportal.de


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I N H A L T
Das Denkmal
• »Der ideale Soldat«
Die Erweiterung
Volkstrauertag 2009
Die Geschichte

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Uetersen,
Kreis Pinneberg

Auf dem Friedhof in zentraler Lage

Im Oktober 1921 ist das Kriegerdenkmal fertiggestellt worden. Der Entwurf stammte von den Architekten »Koch und Prien« aus Hamburg, die Firma »Möller & Sternberg« aus Elmshorn hatte die Pläne ausgeführt. Der Bau wurde über Spenden finanziert, außer Sachleistungen waren gut 42.000 Mark zusammengekommen. Am 20. 11. 1921, am Totensonntag, wurde das Denkmal eingeweiht. Pastor Klappstein, der auch der Vorsitzende des Denkmalausschusses gewesen war, hielt die Predigt beim Gottesdienst in der Kirche sowie die Weiherede auf dem Friedhof, siehe Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit weiter unten.

SH Uetersen gesamt

Im Halbrund das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs: fünf eckige Säulen mit acht Namenstafeln an den Seiten. Die 375 genannten Soldaten stammen zum größen Teil aus Uetersen, zum kleineren aus den Nachbargemeinden Moorrege, Neuendeich und Groß-Nordende. In der Mitte steht die Widmungstafel mit der Inschrift:
Den Helden / des Welt= / krieges 1914-1920 (!) / zum ewigen / Gedächtnis

Die Säulen sind verbunden durch Mauerwerk und einem Architrav, oben aufliegende behauene Sandsteine. Die Mitte wird gekrönt von einer Steinkugel und einem Metallkreuz.


SH Uetersen Kreuze


Das einzige figürliche Element ist eine Soldatenbüste im Halbrelief mit Stahlhelm im expressionistischen Stil. Die tiefen Falten im Gesicht wirken martialisch.

Darunter:
Niemand / hat grössere / Liebe denn die, dass / er sein Leben lässt / für seine / Freunde / Joh. 15, 13.

SH Uetersen Joh

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»Der ideale Soldat«

1930 beschreibt der NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg im »Mythus des 20. Jahrhunderts – Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit« das typische Gesicht des idealen Soldaten so:

»In allen Städten und in allen Dörfern Deutschlands sehen wir hier bereits die Ansätze dazu. Die Gesichter, die unterm Stahlhelm auf den Kriegerdenkmälern hervorschauen, sie haben fast überall eine mystisch zu nennende Ähnlichkeit. Eine steile durchfurchte Stirn, eine starke gerade Nase mit kantigem Gerüst, ein festgeschlossener schmaler Mund mit der tiefen Spalte eines angespannten Willens. Die weitgeöffneten Augen blicken geradeaus vor sich hin. Bewußt in die Ferne, in die Ewigkeit. Diese willenhafte Männlichkeit des Frontsoldaten unterscheidet sich merklich vom Schönheitsideal früherer Zeiten: die innere Kraft ist noch deutlicher geworden als zur Zeit der Renaissance und des Barock. Diese neue Schönheit ist aber auch ein arteigenes Schönheitsbild des deutschen Arbeiters, des heutigen ringenden Deutschen schlechtweg.«

SH Uetersen Kopf web

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Die Erweiterung

Für die Toten des 2.Weltkriegs ist eine liegende Platte hinzugefügt worden mit der Inschrift:
Den Opfern des Krieges 1939 - 1945

Auf der Rückseite befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer des 2.Weltkriegs. Nur wenige Meter entfernt eine Gedenkstätte für die antifaschistischen Widerstandskämpfer der Stadt und für die Kriegsgefangenen, Verschleppten und Zwangsarbeiter, die in Uetersen ihr Leben ließen. 

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Volkstrauertag 2009

SH Uetersen Volkstrauertag Huhu Uet wikimedia commons

Foto: Huhu Uet_wikimedia commons

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Die geschichte

Das Kapitel Uetersen aus Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit (1987): »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg« können Sie hier lesen. Unser Dank gilt der Verfasserin.

Eisert-Hilbert, Uetersen, 1987

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 I N H A L T
Das Denkmal zum 2. Weltkrieg
Das Denkmal zum 1. Weltkrieg
Das Christusmonogramm
Die St. Wilhadi-Kirche
Gedenken an die Zwangsarbeiter

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Ulsnis, Kreis Schleswig-Flensburg

Im Kirchhof von St. Wilhadi

Eine großzügige Anlage unter den weithin sichtbaren Eichen im Vorfeld des um die Kirche gelegenen Friedhofs. Der hölzerne Glockenturm steht auf einem Grabhügel aus der Bronzezeit. In die Stützmauer davor ist das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs eingepasst. Links davon hinter der äußeren Baumreihe steht das Denkmal für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs aus dem Kirchspiel Ulsnis.

SH Ulsnis beide web


Das Denkmal an der Seite besteht aus sieben Sandsteintafeln, die in eine gleichfarbige Sandsteinmauer eingesetzt wurden. Die Mauer ist gleichzeitig die Begrenzung des Kirchhofs. Auf je drei Tafeln zu beiden Seiten werden in erhabenen Buchstaben die Namen und Herkunftsorte der toten und vermißten Soldaten genannt, geordnet nach ihren Heimatorten.

SH Ulsnis 2WK gesamt web


Die mittlere, etwas größere und oben abgerundete Tafel trägt in erhabenen vergoldeten Buchstaben die Inschrift unter dem Symbol eines verzierten Kronenkreuzes:

IHS

Die Jünglinge fallen
aber die auf den Herrn harren
kriegen neue Kraft
Jes. 40, 30

1939 - 1945

SH Ulsnis 2WK Mitte web


Der separat stehende hölzerne Glockenturm steht auf ansteigendem Gelände. Die Stützmauer aus bunten behauenen Feldsteinen ist vorne von einer massiven Sandsteinplatte bedeckt. Auf der Kante ist die Widmung eingraviert:

Unseren gefallenen Brüdern

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Das Denkmal zum 1. Weltkrieg

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Darunter sind drei Sandsteintafeln mit Schmuckrahmen angebracht. Die mittlere, etwas zurückgesetzt, trägt die Inschrift:

1914 - 1918
Niemand hat groessere Liebe denn die, dass er sein Leben laesst fuer seine Freunde.
Joh. 15.13

SH Ulsnis 1WK Denkmal web


Die Buchstaben im tiefer gelegten Schriftband werden eingerahmt vom Relief zweier Stahlhelme mit Lorbeerzweig im runden Medaillon.

SH Ulsnis 1WK Tafel web


Die beiden äußeren Tafeln sind jeweils dreifach unterteilt. Sie nennen die Herkunftsorte und in chronologischer Reihenfolge die Namen, das Todesdatum und den Sterbeort der toten und vermissten Soldaten aus dem Kirchspiel Ulsnis.

SH Ulsnis 1WK links web


Die Tafeln sind sehr aufwändig und kunstvoll gearbeitet und verziert. Über jedes Namensfeld wurde ein Eisernes Kreuz im Relief gesetzt. Die Buchstaben sind wieder im tiefer gelegten Schriftband erhaben gearbeitet.

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Das Christusmonogramm

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Auf dem Hauptstein des Denkmals zum 2. Weltkrieg ist ein Christusmonogramm abgebildet. Hierzu eine Information:

Das Nomen sacrum (der heilige Name) IHS leitet sich von der Transkription der ersten beiden und des letzten Buchstaben des griechischen Namens Jesu ab. Transkription bedeutet hier »Umschrift«, d.h. die Übertragung eines sprachlichen Ausdrucks von einem Schriftsystem in ein anderes.

IHS (und ihs) als Kurzform des Namens Jesus kann man in Bibeln des Mittelalters und an anderen Stellen sehr häufig finden. Bis ca. 1450 wurden in Bibeln und Urkunden die Worte Jesus und Christus und andere Nomina sacra (heilige Namen) praktisch nie ausgeschrieben. Zunächst war dieses Kürzel mit einem darüber liegenden Kürzungsstrich versehen, aus dem später ein Kreuz wurde.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 5.2.2017

Dieses Symbol soll dem mörderischen Soldatentod eine religiöse Weihe geben.

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Die St. Wilhadi-Kirche

»Schon von weitem sichtbar sind die hohen Eichen, die den Friedhof von Ulsnis umgeben. Mittendrin befindet sich die weiß gestrichene St. Wilhadi-Kirche. Genau an dieser Stelle wurde um 1150 n. Chr. eine erste Steinkirche erbaut. Damit ist die St. Wilhadi-Kirche in Teilen wohl die älteste erhaltene Kirche des Landstrichs Angeln.«

Infotafel vorm Kirchhof

Im Vorhaus der Kirche befindet sich noch eine »Gefallenengedenkstätte«.

 

SH Ulsnis Kirche web

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Gedenken an die Zwangsarbeiter

Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen und aus den von Deutschen besetzten Gebieten verschleppten Bewohnern war in den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges in jedem Ort in Deutschland der Normalfall. So befanden sich auch mehr als 120 Zwangsarbeiter zum Einsatz in der Landwirtschaft im Bereich der Gemeinde Ulsnis, vorwiegend polnischer und sowjetischer Herkunft.

Diese waren zunächst in drei Lagern in den Dörfern Ulsnis, Kius und Gunneby untergebracht. Später wurde von den NS-Behörden zugelassen, dass die Zwangsarbeiter auch direkt auf den Hofstellen einquartiert werden konnten.

Nachdem Gemeinde und Kirche jede Beteiligung hinsichtlich des Gedenkens an die Zwangsarbeiter abgelehnt hatten, wurde am 2. September 2000 auf Privatinitiative der Bewohner des Hauses Schleidörferstraße 29 für das Dorf Ulsnis, im Rahmen eines Festaktes zum Gedenken an die Zwangsarbeiter, eine Tafel am Haus angebracht.

Aufgrund zahlreicher Proteste wurde vorab eine Postwurfsendung folgenden Inhalts an alle Haushalte der Gemeinde verteilt.

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An alle Haushalte der Gemeinde Ulsnis

Warum dies in Ulsnis?

SH Ulsnis Tafel Zwangsarbeiter web

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

diese Tafel, die wir am Sonnabend, dem 2. September 2000, 10 Uhr, an unserem Hause anbringen werden, soll niemanden persönlich anklagen. Sie soll erinnern an einen Abschnitt unserer Geschichte, die zugleich ein Stück Dorfgeschichte ist. Sie soll erinnern an eine Zeit voller Unrecht und millionenfachem Leid – auch vieler Deutscher –, begangen von Deutschen im Namen Deutschlands. Sie soll dazu beitragen, dass das Wissen um unsere eigene Geschichte es uns möglich macht, sich ihr zu stellen, sie zu akzeptieren und mit ihr zu leben.

Einige Landwirte fühlen sich dennoch persönlich angegriffen. Sie betonen, dass die Zwangsarbeiter auf ihren Höfen gut behandelt wurden. Niemand will dies in Abrede stellen. Im Gegenteil: Es ehrt sie, dass sie sich über die unmenschlichen Vorschriften der nationalsozialistischen Gesetzgebung hinwegsetzten.

Ältere Leute im Dorf sagen, es seien keine Zwangsarbeiter gewesen, die in unserem Hause untergebracht waren, sondern Kriegsgefangene. Dazu muss man wissen, dass ab November1941 formell alle polnischen Kriegsgefangenen aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurden und den Status von Zivilarbeitern erhielten. Fortan unterstanden sie der örtlichen Polizei und der Gestapo und unterlagen »Sondergesetzen« und »Sonderbehandlung«. Ob Freiwillige, Kriegsgefangene oder nach Deutschland verschleppte Zivilisten – sie hatten einen nahezu rechtlosen Status, verbunden mit der Drohung, bei »Vergehen« bestraft, in ein KZ eingewiesen oder erhängt zu werden. Letzteres galt auf jeden Fall, wenn es zu einem Liebesverhältnis mit einer Deutschen kam, so geschehen zwar nicht in Ulsnis, aber in anderen Dörfern Angelns. Auf das Schönste und Natürlichste, was einem Menschen passieren kann, sich zu verlieben, stand die Todesstrafe, die »Sonderbehandlung«.

Leider wird dadurch, dass Landwirte und Nachbarn das Leid durch gute Behandlung zu lindern versuchten, das begangene Unrecht selbst nicht geringer. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Tafel hier anzubringen. Sie soll die Erinnerung lebendig halten, das Gedenken an die Opfer wahren.

Wir laden Sie herzlich ein.
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Die anfängliche Befürchtung vieler Bürger der Gemeinde Ulsnis, die Gedenktafel könnte zur Diskreditierung des Dorfes führen, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Passanten, die auf die Tafel aufmerksam werden, loben dies als ein Stück notwendiger Aufarbeitung unserer eigenen Geschichte.

• Zitiert von der Website der politischen Gemeinde Ulsnis: wp.gunneby.de

Der Initiator der Tafel und Bewohner des Hauses Richard Krohn hat auf dieser Website den Bericht »Vier Stationen Vergangenheit« veröffentlicht.

www.zwangsarbeiter-s-h.de

Bericht Richard Krohn

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