VIELFALT IN DER STADT

Kriegerdenkmäler in Hamburg

So unterschiedlich die ästhetisch-künstlerische Gestaltung, die Texte und Inschriften der Kriegerdenkmäler in Hamburg auch erscheinen mögen, gemeinsam sind den meisten die nachträgliche Stilisierung der getöteten Soldaten zu Helden und die Legitimation des Krieges als Kampf für Volk, Kaiser und Vaterland. Eine Absage an Krieg und Militär und ein Bewusstsein von Verantwortung und Schuld findet sich nicht.

155 Kriegerdenkmäler hat Kerstin Klingel in ihrer von der Landeszentrale für politische Bildung 2006 veröffentlichten Untersuchung für Hamburg dokumentiert. Die meisten davon sind nach dem 1.Weltkrieg errichtet worden: auf öffentlichen Plätzen, neben Kirchen, auf Friedhöfen. Alle diese Denkmäler sind über viele Jahrzehnte Orte der Kriegsverherrlichung gewesen und in der Regel bis heute gut erhalten. Nur sehr wenige sind neu oder umgestaltet worden.

Wir dokumentieren hier einige typische Beispiele aus verschiedenen Hamburger Stadtteilen. Die Fotos sind, wenn nicht anders angegeben, von Klaus Wegner.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von >Harburg (Soldat) öffnet den Bericht über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«

Finkenwerder

Zwei Kriegerdenkmäler bei der St. Nikolaikirche

Auf dem Hamburger Friedhof (auch »Alter Friedhof« genannt) am Finkenwerder Landscheideweg steht links hinter der Kapelle ein dreieckiges Sandsteinmonument für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Nachträglich wurden die Soldaten des 2. Weltkriegs einbezogen. Der Entwurf stammt von Richard Kuöhl (1880 - 1961), der auch den »Kriegsklotz« am Dammtor entworfen hat (siehe auf dieser Website > Dammtor). Das Denkmal wurde 1927 errichtet. An den Seiten stehen zwei Stelen aus Stein mit 93 eingravierten Namen.

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In der Spitze ist im Relief ein schwebender Engel im Strahlenkegel zu sehen, darunter liegt, ebenfalls im Relief, ein Soldat in Uniform, mit Stahlhelm und Patronengürtel, gebeugt über einen Toten oder Sterbenden. Der Friedhof wurde während der Sturmflut im Februar 1962 überschwemmt. Es wird vermutet, dass die Beschädigungen an den Reliefs daher rühren. Man könnte auch meinen, dass die Zerstörung der Gesichter von dem Engel und dem Toten bzw. Sterbenden mutwillig erfolgt sind.

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Die Inschrift darunter lautet:
Unseren Gefallenen 1914 – 1918 Hamburg Finkenwärder
1939 – 1945 (nachträglich)

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Der »Alte Friedhof Finkenwerder« ist einer von drei Friedhöfen in Finkenwerder. Er ist kulturgeschichtlich sehr interessant, die prächtigen Tore sind den Prunkpforten der reichen Obstbauernhöfe im Alten Land nachempfunden. Sie wurden, ebenso wie die Friedhofskapelle, vom Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher entworfen und in den Jahren 1926/27 errichtet. Gleichzeitig entstand das Kriegerdenkmal. Richard Kuöhl war 1912 nach Hamburg gezogen, wo er viel mit Fritz Schumacher zusammenarbeitete. Eines seiner Spezialgebiete, die Baukeramik, passte gut zu der Wiederbelebung des Backsteinbaus durch den Oberbaudirektor. Die Kapelle wurde lange als Abstellraum benutzt und wirkte verwahrlost. Seit dem Frühjahr 2015, als diese Fotos entstanden, wird sie erfreulicherweise renoviert. Die Kunstförderung Finkenwerder e. V. hat sich um die Trägerschaft beworben. Die Geschichtswerkstatt plant, das Ensemble als Gedenkort zu reaktivieren.

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Der Obelisk

Direkt bei der Kirche am Kirchenaußendeichsweg steht dieser Sandsteinobelisk mit aufgesetztem plastischen eisernen Kreuz. Der Entwurf stammt von Johann Köster. Im Relief zu sehen sind gekreuzte Lorbeerzweige mit großer Schleife unter der Inschrift und gekreuzte Schwerter verbunden mit gekreuzten Palmzweigen im Sockelbereich. Im untere Teil ist eine Tafel eingelassen mit 35 Namen von toten Soldaten, deren militärischer Rang und Sterbedatum und -ort.

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Die Inschrift lautet:
Es liessen ihr Leben im grossen Kriege 1914-1918.

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Alte Postkarte

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Warum gibt es zwei Denkmäler?

Bis 1937 wurde Finkenwerder durch den Landscheidebach neben der St. Nikolaikirche getrennt. Der nördliche Teil war seit 1445 hamburgisch und hatte seit 1919 den Status eines Vorortes, er wurde »Finkenwärder« geschrieben, siehe Inschrift auf dem Denkmal von Kuöhl. Der südliche Teil gehörte bis 1814 zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, bis 1866 zum Königreich Hannover und danach zu Preußen. Diese Teilung Finkenwerders wirkte sich besonders während der Cholera-Epidemie in Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts aus, als es den Bewohnern der Hamburger Seite bei Todesstrafe verboten war, in den Südteil der Insel zu reisen. Trotzdem kamen viele aus dem Nordteil, um am evangelischen Gottesdienst in der Kirche teilzunehmen, die direkt hinter der Landscheide auf der Lüneburger Seite liegt. Aber sogar im Kirchenschiff gab es eine Hamburger und eine Lüneburger Seite. Es gibt bis heute zwei Friedhöfe und zwei Kriegerdenkmäler für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs kaum 100 Meter voneinander entfernt. In den 1920er-Jahren wurde im Hamburger Teil unter Oberbaudirektor Fritz Schumacher der Bebauungsplan für das Gebiet zwischen der 1918 entstandene Deutschen Werft und der alten Auesiedlung aufgestellt. Dort befinden sich überwiegend Backsteinbauten im für das damalige Hamburg typischen Backsteinstil.

         
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© flamenc/wikimedia commons

»Landscheed un Niklaaskark« – der Landscheidebach in Finkenwerder

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Groß-Flottbek

Bei der Flottbeker Kirche

Ein Block aus Granitquadern steht auf einem Sockel mit acht eingelassenen Bronzetafeln. Die Umzäunung wird an den Ecken außen von Granit-Kugeln eingegrenzt. Im Jahr 1927 wurde das Kriegerdenkmal nach einem Entwurf von Rudolf Matzen errichtet. Die Kosten von ca. 10.000 Reichsmark wurden durch Spenden aus der Bevölkerung aufgebracht.

Inschriften:

1914 - 1918
1939 - 1945 (Zusatz nach 1963)

Es folgen 166 Namen von getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs.

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Spendenaufruf aus dem Jahr 1927

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Gerangel zwischen Bürgerverein und Denkmalsbehörde

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Oben die Mitteilung des Bürgervereins Flottbek-Othmarschen e.V. im Oktober 1962. Am 25. April 1963 folgte dann im Hamburger Abendblatt der Aufruf zur Selbsthilfe:

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Unser Dank gilt der Geschichtswerkstatt Ottensen für die Erlaubnis zur Nutzung der historischen Dokumente

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Volkstrauertag 1954

Redner ist Hans Harder Biermann-Ratjen, in dessen Andenken bis heute Personen mit der Biermann-Ratjen-Medaille geehrt werden, die sich um die Stadt Hamburg in kultureller Weise verdient gemacht haben. Er wurde erstmals 1949 im Wahlkreis Groß Flottbek in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt und gehörte ihr bis 1957 und erneut von 1961 bis 1963 an. Es könnte also durchaus sein, dass er diese Rede am Kriegerdenkmal in Groß Flottbek gehalten hat.

 

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Auf dem alten Friedhof in Hamm

Horner Weg, bei der Dreifaltigkeitskirche

Das dreiteilige Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs hat die Form eines Sarkophags. Es wurde 1920 eingeweiht. An allen Seiten stehen insgesamt 355 Namen, auf zwei Gedenksteinen daneben weitere 70.

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In der Mitte der Vorderseite liest man die Inschrift:

1914 – 1918
Der Tod ist verschlungen in den Sieg

Dazwischen ein verziertes Eisernes Kreuz im Relief. Darunter als Band:

Den tapfern Kriegern die dankbare Gemeinde

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»Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Dieses Zitat steht im 1. Korintherbrief, Kapitel 15, Vers 55. Im Zusammenhang des Paulusbriefes meint der Vers den Sieg des Lebens über den Tod, erreicht durch die Auferstehung der Toten. Da es in der Inschrift weiter heißt: ›Den tapfern Kriegern‹, dort also keine Heroisierung vorgenommen wird, soll das biblische Zitat mit dem Verweis auf die Auferstehung der gefallenen Soldaten Trost spenden.« (Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, S.98)

In der Weimarer Republik galt dieser Ort als Treffpunkt nationaler Verbände (Stahlhelm). Im Juli 1943 wurde die 250 Jahre alte Dreifaltigkeitskirche im Bombenkrieg zerstört. 1946 wurde das Denkmal dann von seinem ursprünglichen, weiter nach Osten, zu seinem heutigen Standort versetzt, um Platz für eine hölzerne Notkirche zu schaffen.

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Das »Totenhaus«

Dort, wo nach dem Krieg die Notkirche stand, wurde 2007 ein Mahnmal, das »Totenhaus«, errichtet und am 21. Oktober eingeweiht. Der Künstler Ulrich Lindow aus Husum erinnert an die Opfer von Nationalsozialismus und an jene, die 1943 bei der Zerstörung des Stadtteils während der Operation Gomorrha umkamen. Finanziert wurde das Mahnmal durch Spenden und mit der Unterstützung der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte.

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Das »Totenhaus« trägt auf zwei sich gegenüberliegenden Seiten Inschriften in Anlehnung an das Vaterunser:

»Vergib uns unsere Schuld.
Im Gedenken an die Menschen, die Opfer von Schuld und Leid geworden sind. Von deutschem Boden aus wurden von 1933 bis 1945 Gewalt, Terror, Mord und Vernichtung in die Welt der Völker getragen. Im Namen des nationalsozialistischen Deutschlands wurden einzelne Menschen, Gruppen, Minderheiten, Völker systematisch verfolgt, in Lagern drangsaliert, gefoltert und ermordet. Es wurde ein aller Gesetze und Regeln beraubter Vernichtungskrieg entfesselt, in dessen Schatten nahezu vollständig die europäische Judenheit ermordet worden ist.«

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»Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Am Ende schlugen Gewalt und Zerstörung auf deutschen Boden zurück. Der ›Feuersturm‹, im Juli 1943 durch alliierte Bombardierung Hamburgs ausgelöst, riss Zehntausende von Menschen aus Hamm in den Tod. Der Stadtteil Hamm und die alte Dreifaltigkeitskirche versanken in Schutt, Asche und Staub. Die einzig aus der alten Dreifaltigkeitskirche erhalten gebliebene Glocke ruft zum Gedenken und zur Buße und mahnt zum Frieden. Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.«

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Die »Bieber Glocke« aus dem Jahr 1829, die als einziges Teil der alten Kirche die Bombardierung 1943 überstanden hat, hängt im Inneren des Mahnmals, sie wird jeden Freitag um 15 Uhr angeschlagen.

Das »Totenhaus« ist fast vier Meter hoch, es besteht aus mit Rost überzogenen Stahlplatten. Als die Gemeinde Hamm 2007 den 50. Jahrestag der Weihe ihrer Kirche feierte, weihte Bischöfin Maria Jepsen in Anwesenheit von Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) das Mahnmal ein. »Bisher hat ein Mahnmal für diese Zeit im Stadtteil gefehlt. Diese Lücke wollen wir schließen«, sagte Pastor Christoph Henschen.

Vielen Dank dem Stadtteilarchiv Hamm für die Unterstützung.

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Die alte Dreifaltigkeitskirche

Der niederdeutsche Fachwerkbau von 1693, wurde im Bombenkrieg zerstört. 1957 wurde die neue Kirche geweiht, sie gilt als eine der modernsten der 1950er Jahre. Der Architekt Reinhard Riemerschmid hat sie geschaffen.

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Harburg

Auf dem Jüdischen Friedhof 

Der Friedhof war der Begräbnisplatz der Synagogengemeinde Harburg-Wilhelmsburg, er liegt an der Schwarzenbergstraße oberhalb des Elbhangs und umfasst etwa zwei Hektar.
Dort steht ein gemauertes Kriegerdenkmal aus Sandstein mit aufgesetztem Relief: ein Stahlhelm auf einem Lorbeerkranz, davor ein Davidstern. Das Monument ist zugänglich über zwei Steinstufen, es wird flankiert von zwei verzierten Steinurnen, davor steht eine Schale mit dem Relief eines siebenarmigen Leuchters. Auf der Rückseite befinden sich zwei Reliefs: ein Schwert, dessen Klinge mit dem Davidstern verwoben ist. Das Denkmal wurde im Frühjahr 1921 eingeweiht, den Entwurf hat Architekt Wilhelm Haller gefertigt.


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Inschriften:
Zum ehrenden Gedächtnis unserer teuren Toten die für ihr Vaterland starben
1914 - 1918

Weitere Inschriften in hebräischer Sprache, hier in der Übersetzung:
Israel, dein Stolz liegt erschlagen auf deinen Höhen.
Ach, die Helden sind gefallen

»Bei den beiden Denkmälern der jüdischen Friedhöfe Ohlsdorf und Harburg steht jeweils derselbe Bibelvers auf Hebräisch. Der Vers lautet in der biblischen Einheitsübersetzung: ... (2. Samuel, Kapitel 1, Vers 19) und steht im Klagelied Davids über den Tod des israelitischen Königs Saul und seines Sohnes, die im Kampf gegen die Philister gefallen waren. Dieser Vers ist eine Trauerbekundung, die aber auch nicht auf eine Heroisierung der Toten verzichtet.«

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Seite 98/99

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Rückseite:
Gedenkmal für jene Soldaten aus unserer Gemeinde, die auszogen und nicht in ihre Häuser zurückkehrten. Möge ihre Seele eingebunden sein in das Bündel des Lebens

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Ein jüdisches Kriegerdenkmal

1919 gab die jüdische Gemeinde für ihre im ersten Weltkrieg Gefallenen ein Kriegerdenkmal auf dem Friedhof und eine Gedenktafel in der Synagoge in Auftrag.

... Planung und Beschlussfassung für das Denkmal auf dem Friedhof verliefen weniger zügig. Im Zuge der Planung nahmen die Repräsentanten einen Ortstermin auf dem Friedhof wahr, um dort mit dem Architekten »Herrn Haller über das Denkmal selbst wie über den zu wählenden Platz zu beraten«.

Der Architekt hatte an dem von ihm vorgeschlagenen Ort, an dem das Denkmal tatsächlich errichtet wurde und heute noch steht, »ein einfaches Gerüst in Höhe des gedachten Denkmals aufgestellt«. Er konnte zumindest die anwesenden Repräsentanten von der »Trefflichkeit des Platzes, der dem projektierten Denkmal die ihm gebührende Würde geben wird«, überzeugen, denn sie stimmten mehrheitlich zu.

Das Projekt traf aber nicht auf ungeteilte Zustimmung. Die Kritik an der Denkmalsetzung zielte zum einen darauf hin, dass ein aufwändiges jüdisches Denkmal dem Antisemitismus Vorschub leisten könnte: Der Rechtsanwalt Friedmann »weist besonders auf die jetzigen antisemitischen Strömungen hin, die bei einer solchen hervortretenden Ehrung zu berücksichtigen wären«. Zum anderen richtete sich die Kritik gegen die mit der aufwändigen Gestaltung verbundenen Kosten: Der Justizrat Isidor Katzenstein (...) sprach sich eindringlich für »die Schaffung eines weniger kostspieligen Denkmals« aus und vertrat den Standpunkt, dass »eine Gedenksäule die gleiche Ehrung darstellen wird«. Die Mehrheit der Repräsentanten und der Gemeindemitglieder schlug die Bedenken der Kritiker aus.
Nachdem die Gemeindeversammlung von ihrem Rechnungsführer Iwan Hahn (...) hatte bestätigen lassen, »daß die Gemeinde in der Lage ist, diese Ausgabe zu machen«, stimmte sie mit zwei Gegenstimmen dafür, die Errichtung des Denkmals für 11.000 Mark bei dem Architekten Haller in Auftrag zu geben. Fertig gestellt war das Denkmal wohl schon im Herbst 1920, eingeweiht wurde es höchstwahrscheinlich im Frühjahr 1921.

Das Kriegerdenkmal besteht aus einer schlichten Mauer, die drei Seiten eines Rechtecks umschreibt, sowie einem altarähnlichen Postament, auf dem eine Pflanzschale steht. Auf der Mauerkrone ist ein Stahlhelm mit Lorbeerkranz angebracht, darunter ein Davidstern. Die Seitenflächen des Postaments sind profiliert, die Vorderseite schmückt die Darstellung eines siebenarmigen Leuchters. Die Pflanzschale ist mit einer Perlenschnur ornamentiert.

Durch Stahlhelm und Lorbeerkranz sowie durch die in deutscher Sprache gehaltene Bekundung, dass die Gefallenen der jüdischen Gemeinde »für ihr Vaterland starben«, demonstriert das Denkmal nationale und patriotische Gesinnung. Die jüdische Symbolik – siebenarmiger Leuchter und Davidstern – wie auch die hebräische Inschrift weisen zudem deutlich darauf hin, dass diese Gesinnung von Juden getragen wird. Ein Zeichen dafür, dass sich die jüdischen Auftraggeber als Angehörige des deutschen Nationalstaates verstanden.

Das Kriegerdenkmal wurde mit einer Entfernung von knapp zwölfeinhalb Metern gegenüber dem Friedhofseingang errichtet und ist damit vom Schwarzenbergpark aus deutlich zu erkennen. Da sich die Entscheidungsträger der jüdischen Gemeinde vom Architekten Gestaltung und Wirkung des geplanten Denkmals vor Ort genau demonstrieren ließen, ist anzunehmen, dass dessen umrissene Botschaft bewusst der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte. Vielleicht sah die Mehrheit der Gemeindemitglieder hier eine Chance, sich der übrigen Gesellschaft gegenüber als deutsche Patrioten dazustellen, die bereit gewesen waren, ihre Söhne für das Vaterland zu opfern. Vielleicht auch wurde gerade hierin eine Chance gesehen, antisemitischen Strömungen begegnen zu können.


Aus: Der jüdische Friedhof Harburg von Eberhard Kändler und Gil Hüttenmeister, erschienen im Christians Verlag, Hamburg 2004. Herausgeber: Kulturbehörde, Denkmalschutzamt. Das Kriegerdenkmal, Seite 40/41

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Auf dem jüdischen Friedhof gibt es weitere Inschriften auf Grabstellen, die an getötete Soldaten des 1.Weltkriegs erinnern:

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> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 

Harburg

Bremerstraße / Maretstraße vor der Kirche St. Trinitatis

Überlebensgroße Skulptur aus Bronze: ein marschierender Soldat im Mantel, mit Kopfverband und geschultertem Gewehr steht auf einer hohen rechteckigen Steinsäule mit Kreuzrelief, die rechte Stiefelspitze keck über’m Abgrund. Das Kriegerdenkmal wurde vom 1925 gegründeten »Ausschuss für die Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg gefallenen Söhne der Stadt Harburg« in Auftrag gegeben, dem neben dem damaligen Harburger Oberbürgermeister Denicke auch mehrere Senatoren und Harburger Fabrikdirektoren angehörten. Eingeweiht wurde das Kriegerdenkmal am 26. Juni 1932. Der Bildhauer Hermann Hosaeus (1875 – 1958) beschreibt sein Werk so: »... einen trotz der Verwundung wuchtig ausschreitenden Infanteristen«. Die Skulptur ist zwei Tonnen schwer und 4,80 Meter hoch. Inklusive Sockel beläuft sich die Höhe auf rund elf Meter.


HH Harburg

Foto: Kerstin Klingel

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Inschriften:
1914 - 1918

Den für das Vaterland gefallenen 2000 Söhnen der Stadt Harburg zur Ehre u. zum Gedächtnis

Wunden zum Trotz / tatbereit heute wie einst / und in aller Zeit / Deutschland für dich

Die Treue / steht zuerst zuletzt / im Himmel und auf Erden / wer ganz die Seele / dreinsetzt / dem soll / die Krone werden / EM Arndt


»Schon bei der Errichtung 1932 war das von 18 Kriegervereinen seit Mitte der 1920er Jahre geforderte Denkmal höchst umstritten. Die Sozialdemokraten sahen es als kriegsverherrlichend an. Die Zeitschrift ›Kunst im Dritten Reich‹ würdigte das Werk 1937 hingegen als ›Heroische Plastik‹.
Mit der Friedensbewegung zu Beginn der 1980er Jahre begannen heftige öffentliche Diskussionen um das Denkmal. Auf Initiative des Friedenspolitischen Zentrums Harburg [siehe weiter unten] wurde 1986 ein Wettbewerb zur Umgestaltung des Denkmals in ein ›Anti-Kriegsdenkmal‹ ausgeschrieben.«
Aus: Gedenkstätten in Hamburg, Wegweiser zu den Stätten der Erinnerung an die Jahre 1933 – 1945, S.100

Auch wenn die monumentale Skulptur eines marschierenden Soldaten seit 1988 durch die Figur eines trauernden Kindes ergänzt wurde, bleiben doch die Inschriften des Denkmals eine fortbestehende Herausforderung.


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● Das Gegendenkmal des Harburger Künstlers Hendrik-André Schulz

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Die alte Johanniskirche

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              • Kurz vor der Zerstörung 1943

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• Die zerstörte Kirche 1944, nur der Soldat blieb heil


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Fotos: Dirtsc / Wikimedia Commons (3)

• Das Gelände nach der Räumung 1946. Im Hintergrund die stehen gebliebenen Pastorate.

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Historische Postkarten

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● Ursprünglich war das Denkmal von außen an die Umfassungsmauer der St. Johanniskirche herangebaut. Die Kirche würde, so schrieb Hosaeus 1930 an den Denkmalsausschuss, »durch alle Jahrhunderte den immer gleichen Hintergrund für das Denkmal bieten«. 1944 wurde die St. Johanniskirche durch Bomben völlig zerstört.

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● Mit einer langen Eichengirlande bekränzt.

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● 1953 entstand an gleicher Stelle ein neues Kirchengebäude. Nun steht der Soldat frei. Hinter dem Turm sieht man die alten Pastoratsgebäude.

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Aus dem Harburger Jahrbuch
Nr.23

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Foto: Helmsmuseum

● Hermann Hosaeus mit dem Kopf des »Soldaten« in seiner Werkstatt

Wir danken herzlich Herrn Prof. Weiss und Frau Krause vom Archäologischen Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg / Helmsmuseum für die Hilfe und die Möglichkeit hier ein PDF Download aus dem Harburger Jahrbuch 23/2012, Herausgeber Stadtmuseum Harburg / Helmsmuseum, anbieten zu können. Sie können das Jahrbuch beim Museum bestellen, es kostet ca. 20 Euro. Man kann die Publikationen des Museums auch in der Bibliothek lesen und ansehen. Anmeldung unter der Telefonnummer: 040 42871 3681.

 

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»Der Soldat«

Eine Dokumentation über die Geschichte des Harburger Kriegerdenkmals. Herausgeber: Friedenspolitisches Informationszentrum Harburg (FRIZ), 1981.

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Erste Hilfe

Auszubildende von Aurubis restaurieren Harburger Denkmal

»Die Restaurierung des nicht mehr standsicheren Denkmals wird von Aurubis im Rahmen eines besonderen Ausbildungsprojektes erfolgen. Wir freuen uns, mit diesem Engagement unserer Verbundenheit zur Region Süderelbe erneut Ausdruck zu verleihen«, so Michaela Hessling, Pressesprecherin der Aurubis AG.
Unter fachkundiger Anleitung des Restaurators Stefan Lasch-Abendroth werden zwei Auszubildende von Aurubis die erforderlichen Schlosserarbeiten ausführen. Sie befinden sich im 3. Lehrjahr und erfahren eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Mit ihren Auszubildenden trägt Aurubis dazu bei, die Kosten für die Sanierung erheblich zu senken. (...)

Nachdem ein Gutachter festgestellt hatte, dass das Denkmal nicht mehr standfest ist, wurde es im Jahre 2008 eingerüstet und war seitdem verhüllt. Nun endlich erhält der Soldat Erste Hilfe.

Die Skulptur ist 2 Tonnen schwer und 4,80 Meter hoch. Inklusive Sockel beläuft sich die Höhe auf rund 11 Meter. Für die Überführung auf das Werksgelände wurde die Plastik im Oktober 2009 vom Sockel gehoben und wegen der Transporthöhe in zwei Teile getrennt.


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Foto: Zand

Das alte, korrodierte Stahlgerüst wird gegen eine neue Edelstahlhalterung ersetzt. Die kupferne Oberfläche der Skulptur soll trotz vorhandener Einschusslöcher nicht restauriert werden, um den historischen Bestand zu sichern. Alte Einschusslöcher zeugen von den Bombenangriffen des 2. Weltkrieges, die der Krieger aufrecht überstand. Die St. Johanniskirche hingegen wurde im November 1944 bei einem Bombenangriff zerstört.
Nach Sanierung wird das Denkmal wieder an seinen alten Standort zurückkehren.«

Zitiert aus der Pressemitteilung der Aurubis AG vom 7. April 2010

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Entstehung

Für das Harburger Kriegerdenkmal traten nicht die 18 Kriegervereine allein als Anreger und Stifter auf. Aber sie waren im Verein mit bürgerlichen Autoritäten stark daran beteiligt. Am 20. 1. 1925 wurde ein »Ausschuß für die Errichtung eines Ehrenmales für die im Weltkrieg gefallenen Söhne der Stadt Harburg« gegründet. Die Sozialdemokraten hatten gegen diese Form des Totengedenkens, die eher der Kriegsverherrlichung diene, protestiert und statt dessen ein Heim oder eine Unterstützung für Kriegsversehrte gefordert; sie waren aber mit dem Argument, daß ein Denkmal weniger kostspielig sei, abgewiesen worden. Auch in Harburg wurde zunächst der Ehrenfriedhof als Ort vorgesehen, doch die Forderung nach einem Platz, an dem das Denkmal täglich sichtbar war, setzte sich durch; 1930 wurde der Platz vor der Johanniskirche beschlossen. Hermann Hosaeus, ein schon um die Jahrhundertwende tätiger Denkmalbildhauer, wurde direkt beauftragt. Er schuf noch einmal ein naturalistisches Menschenbild, das in mehrfacher Lebensgröße auf einem Distanz gebietenden hohen Sockel aufgestellt wurde; ein Infanterist, in dem jeder Mann sich wiedererkennen sollte, mit dem aber auch das Reich identifiziert werden konnte. Mit einer Binde um die Kopfwunde hat er sich nach Verwundung und vorläufiger Niederlage erhoben und wendet sich entschlossen, ja furchterregend mit weitem kraftvollem Schritt wieder zu neuem Kampf nach vorn. Zwar rührt die Verwundung nicht von einem Dolchstoß her, aber sieht man in dem Soldaten wirklich das angeschlagene sich wieder erhebende Reich verkörpert, so gibt die Wunde am Kopf doch zu denken: Kritik an der Reichsregierung seit 1918?

Eine der Inschriften unterstreicht die Wirkung der trotzigen Bronzeskulptur: »Wunden zum Trotz / tatbereit heute wie einst / und in aller Zeit / Deutschland / für Dich«. Auch die Einweihungsreden unterstrichen diese Tendenz. In der der Enthüllung vorausgehenden kirchlichen Feier in der Johanniskirchesagte der Superintendent Feltrop: »Das Denkmal soll der Dank sein für das Heldentum und die Treue der gefallenen Krieger. Unsere Pflicht sei es, ihnen nachzueifern in der Liebe zum Vaterland ... Es will das in uns wecken und pflegen, was unser Volk führen kann aus der Nacht zum Licht, durch Kreuz zur Krone, durch Tod zu neuem Leben.«

Sozialdemokraten opponierten gegen solche Denkmäler, weil sie Kriegsverherrlichung verhindern wollten; der amtierende sozialdemokratische Oberbürgermeister Dudek hielt sich von der Einweihung fern. Von Kommunisten wurde in Harburg befürchtet, daß sie Beschädigungen und Verunzierungen des Denkmals vor der Einweihung vorhätten. Das bürgerliche Lager identifizierte sich inzwischen jedoch offenbar vollständig mit solchen Formen kriegsvorbereitender Propaganda. Einladungen an die Angehörigen der Gefallenen, an die 18 Kriegervereine, an den üblichen Kreis aus Verwaltung und Industrie, Vorfeier in der Kirche mit Ansprache des Superintendenten, Glockenläuten, Rede des konservativen Oberbürgermeisters im Ruhestand, Rede des Pastors in der Kirche, Rede eines Deutschnationalen, Kranzniederlegungen, Fahnenflattern, »Ich hat' einen Kameraden«, Deutschlandlied vor Tausenden von Menschen waren Kennzeichen einer Inszenierung, der sich kurz vor 1933 offenbar außer den in die Minderheit geratenen Arbeiterparteien niemand mehr entziehen konnte.

Zitiert aus Volker Plagemann, »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986, Seite136/137.

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Der Vorläufer

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Schüler der Johann-Heinrich-Voß-Schule, Eutin, im 1. Weltkrieg, das 1928 eingeweiht wurde, vier Jahre vor dem Harburger »Soldaten« – in der Haltung verblüffend ähnlich.

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In seiner Weiherede sagte der damalige Landespropst Paul Rahtgens, zehn Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs und fünf Jahre vor der Machtergreifung Hitlers: »Es ist ein feinsinniger Gedanke des Künstlers, ihm das Gewehr so über die Schulter zu legen, daß es mit der Gestalt des Jünglings ein Kreuz bildet. Wir sind jetzt ein Volk unter dem Kreuz. Aber als Christen leben wir durch das Kreuz dessen, der das Wort prägte ›Niemand hat größere Liebe, denn daß er das Leben läßt für seine Freunde‹. Das Kreuz ist für uns nicht nur das Zeichen des Überwindens und Siegens. Als deutsche Christen vertrauen wir, daß auch der Tod derer, um die wir trauern, nicht vergeblich gewesen ist, sondern eine Aussaat des Segens für künftige Geschlechter.«

Zitiert nach Horst Schinzel, »Eine Denkmalseinweihung 1928«, aus den Jahrbuch des Heimatverbandes Eutin, 1990.

Lesen Sie mehr über dieses Kriegerdenkmal in unserer Dokumentation unter >Schleswig-Holstein E-H, >>Eutin.

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»Tatbereit heute wie einst«?

Überlebensgroß in Hamburg-Harburg

Einen Tag vor dem Gemeindefest der Trinitatisgemeinde sollte am Samstag, den 30. August 2014 um 11:00 Uhr das Kriegerdenkmal neben der St.Johanniskirche durch die Präsentation der Kunstinstallation zum Thema gemacht werden. Eine öffentliche Diskussion darüber gab es am Freitag, den 12. September 2014 um 19:00 Uhr im Gemeindesaal der Johanniskirche, Bremer Straße. Wenn Sie mehr über die Intention der Kunstaktion wissen wollen, dann klicken Sie oben auf Aktivitäten >Initiativen.

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Ein lebhaftes Gespräch

Persönliche Betroffenheit mit Kritik an der Wäscheleine, friedenspolitisches Engagement mit Freude an der Aktion, Verbundenheit mit der Trinitatisgemeinde – viele Gründe gab es für die Teilnahme an der Diskussion am Freitagabend. Die unterschiedlichen Standpunkte wurden dargelegt und müssen sicher innerhalb der Gemeinde weiter erörtert werden.

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Einladung der Kirchengemeinde St. Trinitatis:

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Echo in den Medien

Das Hamburger Abendblatt schreibt am 11. September 2014

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Das Hamburger Abendblatt/Harburg & Umland berichtet am 11. September 2014 auf Seite 2

Hamburger Abendblatt Harburg und Umgebung 11.09.2014 web

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Das ElbeWochenblatt für Hamburgs Süden schreibt am 10. September 2014

elbewochenblatt 9.9.2014 web

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Das Hamburger Abendblatt/Harburg & Umland berichtet am 2. September 2014

Hamburger Abendblatt Harburger RS 2.9. Bild web

              Hamburger Abendblatt Harburger RS 2.9. Text web

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Die Kunstaktion beginnt

30. August 2014, 11:00 Uhr

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● Erste Interessierte finden sich ein. Zeitzeuginnen, wie sie sagen.

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● Pröpstin Decke und Pastorin Kaiser-Reis begleiten die Aktion.

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● Das Gegendenkmal zu Füßen des Soldaten wird einbezogen.

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Aus den Gemeindebriefen von
St. Trinitatis

Im Zusammenhang mit der Restaurierung des Soldaten im Jahr 2010 hat die Kirchengemeinde St. Trinitatis in Harburg in zwei Ausgaben ihres Gemeindebriefes (DIALOG) einige Informationen wieder veröffentlicht bzw. neu geschrieben. Die Seiten finden Sie hier als PDF Download.

Pastorin Sabine Kaiser-Reis
kaiser-reis@trinitatis-harburg.de

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Hummelsbüttel

Hummelsbüttler Hauptstraße 15

In die Mitte der Granitfindlingsgruppe ist ein detailreiches Bronzerelief gesetzt: Marschgepäck, Stahlhelm, Gewehr, Schwert und Eichenlaub. Der Hummelsbüttler Bildhauer Hermann Perl (* 1878 in Königsberg, + 1967 in Hamburg) hat das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs entworfen, er wohnte damals gleich neben dem Denkmalsplatz in dem Haus mit dem Elchkopf über der Tür. Die Errichtung des Denkmal wurde, wie oft in dieser Zeit, initiert von einem Kameradschaftsverein, hier mit dem Namen: »Militärische Kameradschaft und Kampfgenossen-Verein Hummelsbüttel«. Am 19. April 1925 wurde das Denkmal eingeweiht. Es steht in einer kleinen Anlage bei der Bushaltestelle »Am Gnadenberg«.

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Auf dem oberen Findling steht die eingravierte Inschrift:
Unsern Helden
1914 – 1918

Zusatz nach dem Ende des 2. Weltkriegs: 1939 – 1945

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Bis November 2013 stand das Denkmal noch alleine im Gebüsch:

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© Ajepbah/Wikimedia Commons

Doch seit 2003 forderten zunehmend Bürger und Politiker der SPD, Grünen und Linken das Kriegerdenkmal mit dem Militarismus verherrlichenden Hauptstein zeitgemäß zu kommentieren. Besonders die Widmung »Unseren Helden« sorgte dafür, dass regelmäßig Eingaben von Anwohnern bei den Bezirkspolitikern gemacht wurden, um das Denkmal zu verändern. Am 29. April 2009 anwortete die Bezirksamtsleitung noch uninteressiert bis abweisend auf eine Große Anfrage von fünf Mitgliedern der Bezirksversammlung. So wurden die Fragesteller, vier von »Die Linke«, einer von der »GAL«, kurzerhand abgebügelt:

 

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Nach zehn Jahren Streit einigten sich die Bezirksfraktionen im Februar 2013 schließlich auf einen Kompromiss: Das Kriegerdenkmal wird um einen Findling erweitert, der die Inschrift trägt:

Die Toten mahnen uns Lebende zu Frieden und Versöhnung

Die Anlage soll gemeinsam mit dem Heimatverein in Hummelsbüttel insgesamt aufgewertet und regelmäßig gepflegt werden. Die Finanzierung übernimmt das Bezirksamt.

Sogar das Hamburger Abendblatt berichtet am 6. Februar 2013:

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Es dauerte noch bis zum Volkstrauertag im November, dann wurde die erweiterte Anlage feierlich eingeweiht. Die Erneuerung soll 30.000 Euro gekostet haben, die Büsche wurden zurückgeschnitten, die Wege neu angelegt. Alles wirkt jetzt gepflegter, aber durch die auffällige Sichtachse, die genau auf den älteren, viel größeren Findling führt, fällt der Blick umso mehr auf die Helden-Inschrift und das bronzene Kriegsgepäck.

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© svenmahn/Wikimedia Commons

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Das Hamburger Wochenblatt/Fuhlsbüttel schreibt am 19. 11. 2013:

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Volkstrauertag 2015

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Kranzstifter von links nach rechts: CDU-Fraktion Wandsbek und die Freiwillige Feuerwehr mit einem kameradschaftlichen Gruß. Beim kleinen Findling stehen die Kränze vom Heimat- und vom Sportverein.

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Der Bildhauer Hermann Perl

Hermann Otto Gottlieb Perl wurde 1878 in Königsberg geboren, besuchte die dortige Kunstakademie und kam über Berlin zu seinem Onkel A. H. Wessely nach Hamburg. Der besaß eine sehr bekannte Ofen- und Tonwarenfabrik und hatte Kontakt zu vielen Künstlern, die für ihn arbeiteten. Er richtete seinem Neffen Hermann Perl am Falkenried ein Atelier ein. Perls erster größerer Auftrag war die Ausführung sämtlicher Bildhauerarbeiten im Innern des Hamburger Elbtunnels, der am 7. September 1911 eingeweiht wurde. Die grünen Tierdarstellungen, die hellen Gewölbekacheln und die wandbildartigen Keramiken in den Schachtgebäuden sind sein Werk, alle wurden in der Fabrik seines Onkels hergestellt.

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Hoheluft

Auf dem Gelände des Sport-Club Victoria Hamburg von 1895 e.V.. Ecke Lokstedter Steindamm/Martinistraße

Das Denkmal aus Muschelkalkstein ist 3,20 Meter hoch, es hat eine quadratische Grundfläche von 90cm x 90 cm. Oben aufgesetzt ist ein Stahlhelm auf Eichenlaub. Der Bildhauer Emmerich Oehler, geboren 1881 in Meißen, hat es 1920 geschaffen. Finanziert wurde es aus freiwilligen Spenden der Vereinsmitglieder.

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Die Widmung aus Metallbuchstaben und -ziffern lautet:

Denen, die für uns starben.
1914  1918
und
1939  1945 (nach dem 2. Weltkrieg hinzugefügt)

Dazwischen prangt ein kaiserliches Eisernes Kreuz

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An beiden Seiten trägt es die inzwischen stark verwitterten Namen der 83 toten Soldaten und den einer getöteten Krankenschwester aus dem 1. Weltkrieg. Die Inschrift auf der Rückseite ist nicht mehr lesbar. 

 

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SC Victoria Hamburg von 1895 e.V.

Der Verein ließ 1909 in Hamburg-Hoheluft auf dem von der Stadt gepachteten Sportgelände die erste überdachte Tribüne Norddeutschlands errichten. 1911 fand im neuen Stadion das erste in Hamburg ausgetragene Fußball-Länderspiel statt.

Der SC Victoria war in Norddeutschland bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg im Fußball führend und errang mehrere Meistertitel des Hamburg-Altonaer Fußball-Bundes und des Norddeutschen Fußball-Verbands. 1900 gehörte der Verein zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Fußball-Bundes. Auch nach seiner Blütezeit blieb der SC Victoria einer der bedeutenden Vereine Hamburgs.

1933 ordnete sich der Traditionsclub bereitwillig der nationalsozialistischen Diktatur unter; die »Vereinsnachrichten« aus dieser Zeit spiegeln die große Übereinstimmung mit der Politik der neuen Machthaber.

Aus: Herbert Diercks, Hamburger Fußball im Nationalsozialismus, Herausgegeben von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

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Die Geschichte

Im Archiv des Sport-Club Victoria sind alle Vereinsnachrichten seit 1907 lückenlos archiviert. Darum können Sie hier ausser den Namenslisten der toten Soldaten beider Weltkriege auch die Verlautbarungen des Vereins über die Planung und die Einweihung des Denkmals lesen. Wir danken sehr herzlich Herrn Helmke, dem 2. Vorsitzenden des SC Victoria, für seine Recherche.


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PDF-Download Namen 1. Weltkrieg

 

PDF-Download Namen 2. Weltkrieg

 

Später wurden noch fünf weitere Namen hinzugefügt: Karl Heinz Bock, Otto Dornfeldt, Paul Herrmann, Walter Klink und Carl Heinz Thiele.

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100 Jahre Victoria Hamburg

Aus diesem Anlass gab der Sport-Club 1995 ein Buch heraus, in dem die Jahre dokumentiert wurden. Der damalige Vorsitzende Horst Reinecke hat viele Monate daran gearbeitet. Lesen Sie hier einige Auszüge:

Vorwort: Im Ersten Weltkrieg verloren 83 Victorianer als Soldaten ihr Leben und eine Victorianerin als Sanitätsschwester.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 101 Victorianer. Zu ihnen gehörte auch ein 16jähriger Luftwaffenhelfer, der noch in den letzten Tagen im Fronteinsatz sein junges Leben lassen mußte.

Viele starben in Gefangenschaft oder gelten als vermißt.

Ungezählt sind die Victorianerinnen und Victorianer, die in der Heimat Opfer von Gewalt und Terror wurden.

Ihr Tod sei uns Mahnung und Pflicht, niemandem Unrecht zu tun und immer für Frieden und Freiheit einzutreten


Die erste Einberufung: Unser 1. Vorsitzender Herr Paul Koretz ist anlässlich des Krieges zwischen Österreich und Serbien als österreichischer Offizier einberufen worden und bereits abgereist. Er sendet uns einen letzten Abschieds-Gruss. Wir wünschen von Herzen, dass er bald gesund und mit Sieges-Lorbeer geschmückt wieder in unserer Mitte weilen wird.
VZ (Vereinszeitung) August 1914


Beginn des Ersten Weltkriegs: Seit dem Erscheinen unserer letzten Vereinszeitung sind Ereignisse eingetreten, wie die Welt sie vielleicht noch nie erlebt hat. Die Kriegsfurie ist über unser Land hereingebrochen. Gegen Deutschland, das in Bündnistreue zu Österreich stand, ist eine Welt von Feinden auferstanden.

Nun ist alles mit einem Schlage anders geworden. Die außerordentlich große Zahl Heerespflichtiger und Kriegsfreiwilliger hat die Reihen auch in unserem Verein stark gelichtet. Viele stehen schon im Felde oder bei der Marine. Das Deutsche Volk ist wie ein Mann dem Rufe des Kaisers gefolgt. Es gibt für uns nur eins: Wir müssen siegen! Lieb Vaterland magst ruhig sein!
VZ September 1914


Seit 2 Monaten ruhen nun endlich die Waffen! Wir sind heimgekehrt, nicht mit Siegeslorbeer geschmückt, nicht von jubelnden Siegesfanfaren begrüßt, aber mit offenen Armen von unseren Lieben daheim. Lange Jahre ersehnten wir das Ende des Krieges. Nun hat uns die Heimat wieder! Wir Glücklichen, die wir die Heimkehr doch noch erlebten!
VZ Januar 1919

Das Ehrenmal: Schon in der VZ Dezember 1916 (Kriegsnachrichten) erfolgt der erste Aufruf zu Spenden für die Errichtung eines Ehrenmals nach dem Krieg. Im Januar 1919 wird dieser Aufruf wiederholt und der Gedenkstein in Auftrag gegeben.


Wir dienen dem Vaterlande:
Ein Sturmwind weht seit einigen Wochen durch alle Gaue des deutschen Vaterlandes, alles, was morsch ist, mit sich reißend; nur was stark und gut und deutsch ist, hält dem Brausen stand. Deutschland ist erwacht!
VZ April 1933

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Grußzwang: Wir ordnen mit sofortiger Wirkung an, daß beim Betreten und Verlassen unseres Platzes, das Ehrenmal unserer Gefallenen zu grüßen ist, und zwar durch Abnehmen der Kopfbedeckung oder durch Erheben des rechten Armes.
VZ Mai 1933

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Sportjugend wird Hitlerjugend: Jeder junge Victorianer im Alter von 10 bis 18 Jahren ist vom 26. November 1933 an Hitlerjunge.
Unserem deutschen Sportgedanken Sieg Heil!

Volkssport: Der Gauleiter hat es den Vereinsführern zur Pflicht gemacht, ihre Volkssportabteilungen so auszubauen, daß sie alle Mitglieder zwischen 18 und 25 Jahren restlos erfassen. In unserem Club sind die freiwilligen Meldungen leider nur sehr spärlich, ganze 40 Mann. So ordne ich hiermit an, daß sich alle Kameraden, soweit sie nicht schon der SA., SS., St. angehören, umgehend zum Eintritt zu melden haben. Mitglieder, die dieser Anordnung nicht nachkommen, schließen sich von selbst aus der übrigen sportlichen Betätigung aus. Bei evtl. Austritt solcher Mitglieder, muß und werde ich diese dem Gau melden, der das weitere veranlassen wird. Heil Hitler!
VZ Oktober 1933


Kriegsbeginn 1. September 1939:
Trotz Kriegsbeginns sollte auf Anordnung des Reichssportführers der Spielbetrieb so umfangreich als möglich aufrechterhalten werden. Denn Sport ist die unerläßliche Voraussetzung für die Erziehung der Jugendlichen zu Wehrkraft und Wehrwillen. Wegen der vielen Einberufungen wurde den Vereinen gestattet, auch in den Pflichtspielen Gastspieler einzusetzen.

In der VZ November 1939 werden bereits knapp 100 Feldpostanschriften (...) veröffentlicht.


Das Ende: Es wird uns weh ums Herz, wenn wir an die vielen guten Kameraden denken, deren Verlust uns erst voll ins Bewußtsein dringen wird, wenn sie bei dem Appell nach Kriegsende fehlen, wenn wir ihnen nicht wieder die Hand drücken können.
Letzte VZ vor Kriegsende, August/September 1944

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Der Bildhauer

Prof. Emmerich Oehler wurde 1881 in Meissen geboren. Er studierte an der Kunstakademie in Dresden und war dort 1902 bis 1914 bei der Manufaktur angestellt. In Hamburg arbeitete er als Bildhauer und wurde Mitglied im Hamburger Künstlerverein und im Deutschen Werkbund. Man kann seine Werke betrachten, zum Beispiel in Berlin den »Schützen«, vor dem Schützenhof in Hakenfelde aus dem Jahr 1935 oder in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof das Grabmal von Paul Conström aus dem Jahr 1919.


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Foto: Michael Wasserburg_Gottesacker.wordpress.com

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Jenfeld

Neben der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in der Wilsonstraße

Zweiteiliges Denkmal aus Terrakotta mit Reliefs aus überlebensgroßen Figuren. Linke Seite: vier Lastenträger im Lendenschurz und einem Askari-Soldaten mit geschultertem Gewehr. Rechte Seite: vier Askari-Soldaten mit geschultertem Gewehr, angeführt von einem deutschen Offizier. Das Denkmal, nach einem Entwurf des Bildhauers Walter von Ruckteschell (1882-1941), wurde am 13. August 1939 eingeweiht. Walter von Ruckteschell war Adjudant von Paul von Lettow-Vorbeck, dem Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, während des 1.Weltkriegs. Die beiden Reliefs standen ursprünglich auf dem Gelände der Lettow-Vorbeck-Kaserne (Jenfeld). Auf der Informationstafel aus dem Jahr 2003 steht:

»Die Terrakotta-Reliefs erinnern an den Feldzug der deutschen Kolonialtruppen unter General Paul von Lettow-Vorbeck während des ersten Weltkriegs in der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Dieser Feldzug, in dessen Verlauf zwischen 1914 und 1918 etwa eine halbe Million Menschen, vorwiegend afrikanische Zivilisten, durch direkte und indirekte Kriegseinwirkungen ums Leben kamen, wurde in den Jahren nach 1918 als deutsche ›Heldentat‹ verklärt. Die Reliefs sollten die populäre Legende von der Treue der afrikanischen Soldaten zur deutschen Schutztruppe pflegen und die Forderung nach Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien legitimieren.«


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Foto: Kerstin Klingel

Inschriften: Schutztruppe 1914-18, rechts: Deutsch-Ost-Afrika


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             Fotos: HMJokinen

Beide Reliefs gehören zu einer Denkmalsanlage, deren Initiatoren verschiedene Denkmäler aus Nationalsozialistischer Zeit zum unrühmlichen Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte zusammenführen und bewahren möchten. Im sogenannten »Tansania-Park« soll dem Betrachter durch ausführliche Erläuterungen eine geschichtliche Einordnung ermöglicht werden. Kann das gelingen?

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Der »Tansania-Park«

»Tansania-Park« ist die inoffizielle Bezeichnung einer Denkmalanlage in Hamburg-Jenfeld, die Ehrenmale und Skulpturen aus der deutschen Kolonialgeschichte präsentiert. Sie wurde 2003 von dem privat initiierten Kulturkreis Jenfeld auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne geschaffen. Ein sinnfälliger Zusammenhang besteht bereits durch den Namensgeber des 1999 geschlossenen Bundeswehrstandortes Paul von Lettow-Vorbeck, dem Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, während des Ersten Weltkriegs. Da sich auf dem Gelände und an den Gebäudefassaden bereits zahlreiche Militär- und Kolonialsymbole befinden, wie Keramikreliefportraits der Militärs Hermann von Wißmann, Paul von Lettow-Vorbeck und Lothar von Trotha, sollten weitere Denkmale der deutschen und insbesondere der hamburgischen Kolonialgeschichte, die teilweise seit Jahren eingelagert sind, an diesem Ort aufgestellt werden.

Zentraler Bestandteil des Parks ist das Schutztruppen-Ehrenmal, das 1939 von der Wehrmacht zur Erinnerung an die deutschen Kolonialtruppen eingeweiht wurde. Neu aufgestellt wurden 2003 zwei, ebenfalls aus der Zeit des Nationalsozialismus stammende, sogenannte Askari-Reliefs. Es handelt sich dabei um Teile des ehemaligen Deutsch-Ostafrika-Kriegerdenkmals des Bildhauers und Adjutanten von Lettow-Vorbeck Walter von Ruckteschell aus dem Jahr 1939. Die Figurengruppen stellt einen weißen Schutztruppen-Offizier mit schwarzen Soldaten (Askari) und Trägern auf dem Marsch dar.

Die Initiatoren des Parks, der Kulturkreis Jenfeld, stellten dar, mit dem Tansania-Park einen Beitrag zur Aufarbeitung der deutsch-afrikanischen Vergangenheit leisten zu wollen. Der Park solle zur Verständigung der Länder beitragen und zum kulturellen Austausch anregen. Die Baubehörde übernahm die Kosten für Denkmalrestaurierung und Parkgestaltung. Ergänzt werden sollte die Anlage durch das Tanzania-Pavillon der Expo 2000 in Hannover. Im Gespräch war zeitweise auch die Aufstellung des umstrittenen Wissmann-Denkmals, das im Keller der Sternwarte Bergedorf eingelagert ist.

Für den September 2003 war die Einweihung des Parks unter Teilnahme eines Regierungsmitglieds aus Tansania geplant. Doch schloss sich Tansanias Staatspräsident Frederick Sumaye der internationalen Kritik an und zog die Unterstützung für das Projekt zurück. Eine offizielle Einweihung und damit behördliche Namensvergabe fand bis heute nicht statt.

Seit Anbeginn der Planung ist um den Tansania-Park in der Öffentlichkeit und den Medien eine Kontroverse entbrannt. Kritiker sehen in der unkommentierten Aufstellung der Denkmäler eine kolonialrevisionistische Heldenverehrung sowie die unkritische und verharmlosende Präsentation von Nazi-Hinterlassenschaften.

(Wikipedia)

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Die Kritiker


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                  Foto: HMJokinen

»Hunderster Jahrestag des Deutsch-Herero-Krieges am 12. Januar 2004: Aktion der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV) am sog. Askari-Denkmal in Hamburg. Die GfbV führte solche Gedenkaktionen auch an den (Kolonial-)Denkmälern in Berlin, Göttingen, Bremen, Münster und Düsseldorf durch. Auf dem Spruchband heißt es: ›Völkermord verjährt nicht! Vor 100 Jahren: Genozid der Deutschen Schutztruppe in Namibia‹. (Foto: Gesellschaft für bedrohte Völker e.V., Göttingen)

Als angeblichen ›Beitrag zur Völkerverständigung‹ hat in 2003 der Kulturkreis Jenfeld ein kolonialrevisionistisches Denkmal aus der NS-Zeit restaurieren und wiedererrichten lassen. Auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne (benannt nach jenem General und Oberbefehlshaber in ›Deutsch-Ostafrika‹) wurde in einem sog. ›Tansania-Park‹ neben einem kolonialen ›Schutztruppen-Ehrenmal‹ und in Nachbarschaft eines ›Trotha-Hauses‹ das ›Deutsch-Ostafrika-Kriegerdenkmal‹ (jetzt offensichtlich umbenannt in ›Askarireliefs‹) aufgestellt. Vor der Errichtung waren die Reliefs in der Sammlung Peter Tamm zwischengelagert gewesen. Die Baubehörde übernahm die Kosten für Denkmalrestaurierung und Parkgestaltung.

Die Terrakotta-Reliefs stellen fünf afrikanische Askarisoldaten und vier Träger im Dienste der deutschen Kolonialtruppen dar, geführt von einem deutschen Unteroffizier. Sie bringen sowohl kolonialrevisionistische als auch nationalsozialistische Auffassungen von ›Treue‹ und ›Gehorsam‹ der Schwarzen Soldaten zum weißen ›Führer‹ zum Ausdruck – einer der hartnäckigsten Mythen vom ›Kolonialidyll‹ und zugleich eine vermeintliche Legitimation, die Kolonien zurückzuerobern.

Geplant ist nun vom Kulturkreis Jenfeld, auch den tansanischen EXPO-Pavillon aus Hannover im Park aufzustellen und dort Projekte mit Hamburgs Partnerstadt Dar es Salaam vorzustellen. Damit würden in unzulässiger Weise der Name des heutigen, unabhängigen Staates Tansania und dessen Symbol in Verbindung mit kolonialverherrlichenden Insignien gebracht.

Um den ›Tansania-Park‹ ist seit 2003 in der Öffentlichkeit und den Medien eine kontroverse Diskussion entbrannt. Proteste begleiten das Projekt. Zahlreiche Menschen in dieser Stadt sind entschieden gegen die derzeitige Planung, die in mehrfacher Hinsicht ein Affront gegen tansanische StaatsbürgerInnen sowie hier lebende Afrodeutsche und MigrantInnen ist.

Die von der Stadt aufgestellten Infotafeln sind nicht in der Lage, den notwendigen Denkraum gegenüber den NS-Kolonialmonumenten zu öffnen. Ein Nutzungskonzept und eine Zielgruppenbeschreibung liegen nicht vor. Mit dem Argument, dass Finanzmittel für eine geschichtsdidaktische Parkgestaltung und -nutzung fehlten, wurden Alternativvorschläge gar nicht erst diskutiert.

Stadt und Bezirk sollten das Konzept überdenken, die Chance einer demokratischen Bürgerbeteiligung nutzen, einen Runden Tisch für alle Interessierten einrichten und die inhaltliche und räumliche Gestaltung des Areals öffentlich ausschreiben.

Bezirk und Stadtentwicklungsausschuss der Bürgerschaft planen nun im Rahmen des Senatsleitkonzeptes ›Wachsende Stadt‹ ›familiengerechtes Wohneigentum mit Flexibilität‹ auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne. Leider wird in der Politik nicht diskutiert, inwieweit das Kasernengelände denkmalgeschützt, erforscht, kommentiert und als Erinnerungsort zugänglich gemacht werden könnte. Wird hier, wie in der Hafencity, tabula rasa gemacht, verschwinden auch hier historische Strukturen, Bilder und Zeichen, anhand derer wir uns erinnern könnten?

Das Konzept Park Postkolonial schlägt vor, die Denkmäler zu erhalten und einen kritischen Lernort hier oder an einem anderen geeigneten Ort zu initiieren.«

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                                           Foto: Bildbestand der Deutschen Kolonialgesellschaft
                                                     in der Universitätsbibliothek Frankfurt

Herrenmenschen-Gehabe: Zahlmeister Fritsch lässt sich auf den Schultern von zwei Askarisoldaten durch Sümpfe tragen


Dieser Text stammt von der Website www.afrika-hamburg.de.
Unser herzlicher Dank geht an Frau Jokinen!

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Presse

www.hamburger-wochenblatt.de

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»Hamburg & Kolonialismus«

Aus der Aufsatzsammlung der GAL Bürgerschaftsfraktion Hamburg, 2007, S.38-41:
»Tansania-Park« oder postkolonialer Erinnerungsort?«

 

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Seit 2014 wird aufgearbeitet

Hamburg arbeitet die koloniale Vergangenheit auf – und stellt dafür 400 000 Euro bereit. Prof. Jürgen Zimmerer, Historiker an der Hamburger Uni soll sich darum kümmern. Er sagt: »Die Askari-Reliefs sind sowohl ein kolonialrevisionistisches Denkmal als auch ein nationalsozialistisch-expansionistisches«.

Lesen Sie mehr bei:

www.zeit.de/2014/45/askari-denkmal-hamburg-jenfeld

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Historisches Foto (vor 1910)

HH Jenfeld Askaris vor 1910 web


Als »Askari« wurden vor allem in Afrika einheimische Soldaten oder Polizisten in den Kolonialtruppen der europäischen Mächte bezeichnet.

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Die Lettow-Vorbeck-Kaserne

In den Jahren 2000 bis 2003 wurden einige Kasernengebäude als Sammelunterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber genutzt. Zeitweise waren hier bis zu 600 Menschen untergebracht – in unmittelbarer Nachbarschaft der Bundespolizei und auf einem Gelände, das bis heute durch Schranken und Zäune gesichert ist, an denen Schilder vor dem Gebrauch der Schusswaffe warnen. Die Kasernierung von Menschen auf der Flucht - von den Displaced Persons der Nachkriegszeit bis zu den Asylbewerbern der Gegenwart – gehört ebenso wie die NS- und Kolonialzeit zur Geschichte der Lettow-Vorbeck-Kaserne.

An den Wirtschaftsgebäuden finden sich noch immer Bauplastiken von Richard Kuöhl [siehe z. B. HH Dammtor], die militärische Ausrüstungsgegenstände wie Gewehr, Bajonett, Helm, Gasmaske, Messer, Handgranate, Trommel, und die Reichskriegsflagge zeigen.


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Foto: Heiko Möhle


Zitiert von der Website:

www.offene-kartierung.de

Lesen Sie dort mehr über den »Tansania Park«.

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Langenhorn

Langenhorner Chaussee, vor der St. Ansgar Kirche

1930 wurde vor der St. Ansgar Kirche das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs errichtet. Der Entwurf stammt vom Bildhauer Richard Emil Kuöhl (1880 - 1961).

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Die Skulptur aus Bronze stellt einen knienden Soldaten in Uniform dar, die Hände auf dem abgenommenen Stahlhelm gekreuzt. Richard Kuöhl hat dem Soldaten eine detailreiche Kriegsausrüstung mitgegeben: Patronengürtel, Kurzschwert, Trinkflasche, Proviantbeutel. Eindrucksvoll ist auch das starke Profil der Stiefel.

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Der Soldat kniet auf einer Bronzeplatte mit der Signatur Kuöhls.

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Die bronzene Skulptur hat jetzt einen Sockel aus gemauerten Klinkersteinen mit einer aufgesetzten Bronzetafel an der Frontseite. Die Inschrift lautet seit 1971:
Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Die Toten zweier Weltkriege mahnen: Wehret neuem Blutvergiessen

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Das Kriegerdenkmal steht heute in einem Hain neben der Kirche. Die von den Architekten Hermann Geißler und Otto Wilkening entworfene und 1929/1930 erbaute Kirche St. Ansgar, das Kriegerdenkmal und der zugehörige Hain wurden 2008 unter Schutz gestellt. Die Kirche gilt als bemerkenswerter Sakralbau aus der Phase des Neuen Bauens (laut Pressestelle des Senats in der Mitteilung vom 25. April 2008).

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Eine alte Postkarte

Hier sieht man den früheren Standort des Kriegerdenkmals, damals noch mit einem hellen Sockel und der alten Inschrift direkt auf dem Sockelstein:
Ich hatt’ einen Kameraden

Die Inschrift zitiert die erste Strophe des Gedichtes »Der gute Kamerad« von Ludwig Uhland.

HH Langenhorn Karte web

Die Kirche und das Denkmal sind im gleichen Jahr fertig gestellt worden: 1930. Das Denkmal war damals in die Treppe zum Kircheneingang eingefügt. Auf dem folgenden Foto der Kirche am 25. September 2011 erkennt man die Fenster, vor denen das Denkmal früher stand.

        St.Ansgar Kirche Langenhorn web

              © Ajepbah/Wikimedia Commons

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Das Gedicht

»Der gute Kamerad« wurde 1809 von Ludwig Uhland in Tübingen gedichtet, Friedrich Silcher vertonte, ebenfalls in Tübingen, das Gedicht im Jahre 1825. Als Lied ist es besser bekannt unter der Anfangszeile der ersten Strophe: Ich hatt’ einen Kameraden.

Ich hatt’ einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
Gilt’s mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär’s ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!

Der hier wiedergegebene Wortlaut stimmt mit der ursprünglichen Uhland-Fassung überein. Geringfügig an den heutigen Sprachgebrauch angepasst, spielt das Lied im Trauerzeremoniell der deutschen Bundeswehr eine große Rolle. Es ist Bestandteil eines Begräbnisses mit militärischen Ehren und jeder militärischen Trauerfeier.

Geschichte: »Der gute Kamerad« wurde vor allem von der politischen Reaktion instrumentalisiert, und zwar zur Beschönigung und Verklärung des Kriegsopfers und Heldentods. Die Deutungen des Gedichtes gehen jedoch weit auseinander. Auf der einen Seite wird dem Text bescheinigt, dass er »den Status einer hymnischen Verklärung des kriegerischen Solidaritätsgefühls in Einklang bringt mit dem Deutungspotenzial des Soldatentodes im Kampf gegen einen Feind«. Auf der anderen Seite steht die Auffassung, »das Gedicht gilt für alle gleichermaßen, der Feind wird nicht verteufelt. Daher eignet es sich auch nicht zur Propaganda, zum Anstacheln von Kampfeswillen, sondern ›nur‹ zur Trauer über die Getöteten.« Die Wandlungsfähigkeit des Begriffs Kameradschaft zeigt Thomas Kühne in seiner Habilitationsschrift. Er beschreibt für die gesamte politische Bandbreite von links bis rechts in der Zeit zwischen den Weltkriegen, wie ein politisch-agitatorischer Kameradschaftsmythos konstruiert wurde. Darauf konnten die Nationalsozialisten aufsetzen.

• Nach Wikipedia

 

Sehen Sie hier eine Sammlung von historischen und politischen Bildpostkarten von Karl Stehle, München, die diesen Liedtext zitieren:

www.goethezeitportal.de

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Die Einweihung

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Am 10. August ist die Glockenweihe mit Prof. Dr. Heinrich Reincke, Kirchenvorsteher in Fuhlsbüttel. Die Kirche wurde dann am 24. August eingeweiht. Senior D. Karl Horn in seiner Rede: »So steht es nun da, ein Zeugnis von der Missionsaufgabe der Kirche und der Missionskraft des Evangeliums, das darin verkündet werden wird; sein Turm ein aufgehobener Finger, nach oben weisend, woher allein Kraft und Hilfe kommen muß; der betende Krieger vor der in ruhiger Gelassenheit sich emporreckenden Hauptfront ein Sinnbild der betenden Gemeinde, die ihre Sorgen und Anliegen vor den Höchsten bringt ...«. In der Nacht zuvor waren Denkmal und Kirchentür mit roter Farbe beworfen worden. Wohl ein Protest von Sozialdemokraten und Kommunisten, die in Langenhorn stark vertreten waren, gegen den Soldatenhelden und die Pastoren, die ihn aufstellen ließen.

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Der Bildhauer Richard Kuöhl

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Seine handwerkliche Ausbildung als Kunsttöpfer erhielt er in einer der Modellfabriken dieses Zentrums keramischer Kunst. Nach dreijährigem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wurde er als leitender Modelleur einer bauchemischen Versuchsanstalt mit den modernsten Techniken der Tonbearbeitung vertraut. 1912 folgte er seinem Dresdener Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Dort arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren mit fast industriellem Ausstoß. Es entstanden Skulpturen in Stein, Keramik und Reliefs in Terrakotta. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

Kriegerdenkmäler gehörten während der Weimarer Republik zu den häufigsten und begehrtesten Auftragswerken deutscher Bildhauer. Auch Kuöhl hatte bereits zahlreiche Kriegerdenkmäler ausgeführt, dabei war es ihm stets gelungen, die von nationalistisch und militärisch gesinnten Kreisen mit einem »Ehrenmal« beabsichtigte politische Aussage künstlerisch zu formulieren. »Nicht Jammer und Not, sondern Mannestat und Einsatzbereitschaft, das Heldische, Kraftvolle, das ein Mahnmal verkörpern muß, zeigen die »Ehrenmäler«, die er geschaffen hat ... immer wieder spricht ein trotziges ›Dennoch!‹ aus diesen Denkmälern.

»Neben idealisierten nackten Kriegern ... hatte er in kontinuierlicher Folge eine Darstellungsform des grobschlächtigen uniformierten deutschen Soldaten entwickelt, die den Vorstellungen der neuen Auftraggeber offenbar besonders entsprach: Im Mittelpunkt des Lübecker Ehrenfriedhofs, 1924, steht breitbeinig ein Infanterist, der den Helm zum Gebet abgenommen hat. Auf dem Klinkersockel des Regimentsdenkmals in Rendsburg, 1927, lagert ein sterbender Soldat, dem der Helm herabgesunken ist. Auf dem Klinkersockel des Kriegerdenkmals in Langenhorn, 1930, beugt ein Soldat mit abgenommenem Helm das Knie vor dem toten Kameraden.

Kuöhl war mit seiner Praxis als Bauplastiker und Mitarbeiter von Architekten, mit seiner praktischen Erfahrung als einsatzbereiter Gestalter von Soldatengrabmälern und Ehrenfriedhöfen an der Front, vor allen Dingen aber mit dieser Reihe von Soldatendarstellungen, die instinktsicher das trafen, was Kriegervereine und Rechtsparteien sich unter neuer deutscher Plastik vorstellen mochten, prädestiniert für weitere und größere Aufgaben dieser Art.«

Zitat aus Volker Plagemanns Buch »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986

Eine Autorengruppe um Roland Jäger veröffentlichte 1979 ein Buch über den »Kriegsklotz« hinterm Dammtorbahnhof in Hamburg (siehe auch > Kriegerdenkmäler Hamburg > Dammtor), das wohl umstrittenste Denkmal Kuöhls. Hier können Sie zwei Seiten daraus lesen:

 

Kuöhl / Roland Jäger u.a.

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Lemsahl-Mellingstedt

Redderbarg am Ende der Sackgasse beim Schulteich

In einer kleinen Anlage mit Bänken und Fahnenstange steht das Klinkermonument für die getöteten Soldaten der zwei Weltkriege.

HH Lemsahl Anlage web


Der ältere Teil in der Mitte ist nach einem Entwurf von Oberbaurat Dipl. Ing. Wilhelm Klupp 1926 errichtet worden, einem Beamten des Senats unter Fritz Schumacher während der Weimarer Republik. Das Klinkermonument hat einen quadratischen Grundriß. Oben umlaufend steht die Keramik-Inschrift:
Lemsahl-Mellingstedt / seinen Heldensöhnen / in steter Ehrfurcht / und Dankbarkeit

Auf der Vorderseite unten: 1914-18

Vorn, links und rechts kann man 22 Namen von Soldaten lesen, wie die Inschrift in außergewöhnlichen Schmucklettern. Die Namen sind mittig auf hervortretende Keramikzeilen gesetzt. Das Monument wird oben von einem flachen Dach und einer Kugelspitze aus Kupfer abgeschlossen.

          HH Lemsahl Mitte web

HH Lemsahl linkeSei web   HH Lemsahl rechts web

Signatur auf der Rückseite:
Erbaut 1926 Dipl.Ing. W.Klupp

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Nicht nur auf dem Hummelsbütteler, sondern auch auf dem Lemsahl-Mellingstedter Denkmal ist die Rede von »Helden«, genauer gesagt, von »Heldensöhnen«. Der Begriff »Held« ist heute zwar nicht aus der Mode gekommen, wird aber nur noch ungern im Zusammenhang mit dem Militär verwendet. Und vor neunzig Jahren? Damals waren auch die Menschen auf dem Lande (also z.B. im Alstertal) nicht so dumm, dass sie glaubten, ihre getöteten Angehörigen hätten Heldentaten vollbracht. Sie ahnten, dass die jungen Männer elendig verreckt waren. Aber mit der Verzeichnung der Namen auf einem Denkmal oder gar der »Beförderung« zum »Helden« gewann das Sterben einen gewissen Sinn, und die Trauer der Hinterbliebenen wurde ein wenig gelindert.

Angelika Rosenfeld im Jahrbuch des Alstervereins 2014, Seite 22

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Später wurden an das Denkmal Seitenflügel aus kleineren Klinkersteinen für die getöteten Soldaten des 2.Weltkriegs gebaut.
Auf beiden Seiten sind über einer weißen Marmortafel aufgesetzte Bronzeziffern angebracht worden:
1939 bis 1945

Auf den Marmortafeln stehen 73 Namen. Passend zu den weißen Tafeln sind die Klinkersteine weiß verfugt. Die Abschlusskanten sind an die des älteren Mittelteil angeglichen worden. Am 14. November 1965 wurden die Seitenflügel eingeweiht.

HH Lemsahl 1 web

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HH Lemsahl Ajepbah web

© Ajepbah/Wikimedia Commons

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Lohbrügge

In einem Wäldchen am Hang

Unterhalb des Grundstücks »Am Langberg 99« führen zwei Wanderwege an dem großen Findling vorbei. Am 21. November 1920 wurde er feierlich eingeweiht, zusammen mit einem »Heldenhain«, der ihn wohl auch heute noch umgibt. Im Jahr 1999 plante die Garten- und Friedhofsabteilung des Bezirksamts Bergedorf einen Kinderspielplatz an diesem Ort und wollte dafür zahlreiche Bäume fällen. Wie man auf den aktuellen Fotos aus dem Jahr 2015 sieht, ist es dazu nicht gekommen.

HH Lohbrugge gesamt web

Das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs – mit der Anmutung eines Hünengrabs – besteht aus einem efeubewachsenen Erdhügel, der unregelmäßig mit kleinen Findlingssteinen und auch Ziegelsteinen gestützt wird.

HH Lohbrugge vorne web

Oben trohnt der große kantige Findling mit der Aufschrift:
1914 – 1918
Den Helden zur Ehre der Nachwelt zur Lehre

Darüber ist ein Eisernes Kreuz eingraviert. Obwohl der Denkmalsplatz insgesamt unbeachtet wirkt und der große Stein sehr bemoost ist, kann man die Schrift gut lesen; sie ist wohl vor nicht allzu langer Zeit nachgemalt worden.

HH Lohbrugge Stein web

Vor dem Stein liegt eine dunkle polierte Granittafel mit 30 schlecht lesbaren Namen.

HH Lohbrugge mitNamen web


Wir danken Christian Römmer vom Kultur- & Geschichtskontor der Initiative zur Erhaltung historischer Bauten e.V. für die Recherche.

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Die Einweihung

HH Lohbrugge Einweihung1 web

• Großer Aufmarsch im neu angepflanzten »Heldenhain«

HH Lohbrugge Einweihung2 web

• Viele Kränze, auch der Sozialdemokratische Ortsverein Boberg wollte sich da nicht ausschließen

Die historischen Bilder verdanken wir Christian Römmer vom Kultur- & Geschichtskontor der Initiative zur Erhaltung historischer Bauten e.V.
> www.geschichts-kontor.de

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Die 1940er Jahre

HH Lohbrugge 1940er web

© privat

• Am Lohbrügger Findling: Das Gedenken an die toten »Helden« des 1. Weltkriegs spielte in der NS-Zeit eine große Rolle.

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Findlinge

Der Findling kann als »Klassiker« unter den Denkmalsformen bezeichnet werden. Denkmalsfindlinge stehen meist unter einer Eiche auf einem größeren Platz. Die große Beliebtheit von Findlingsdenkmälern ist zunächst einmal in rein äußerlichen Faktoren begründet. Granitfindlinge standen in Norddeutschland allerorts zur Verfügung, die Eiszeit hatte sie aus Skandinavien mitgebracht. Das heißt, nach einem Findling musste nicht lange gesucht werden, der Transportaufwand war bei kleinen bis mittelgroßen Findlingen gering und meistens waren die Transportwege kurz. Zudem war es leicht möglich, die Findlinge mit nur wenig Bearbeitung in Denkmäler zu »verwandeln«: Bei den meisten Denkmälern wurde sich lediglich darauf beschränkt, die Vorderseite leicht zu glätten und eine Inschrift einzuhauen. Häufig umringte man den Findling mit kleineren Feldsteinen, die, real oder auch nur optisch, seinen Sockel bildeten. Alles in allem war die Errichtung eines Findlingsdenkmals finanziell gesehen eine sehr günstige Angelegenheit ...

Neben den pragmatischen »Vorzügen« bei der Entscheidung für ein Findlingsdenkmal gab es aber auch ideologische Gründe. Nach völkischer Lehre im 19. Jahrhundert wurden Findlinge als urgermanische Zeugnisse angesehen. Die so genannten »Hünengräber« aus prähistorischer Zeit wurden als germanische »Heldenhügel« gedeutet und ihnen wurde eine spezifische nationale Aura zugesprochen. Aus diesem Grund wurden sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Stiftern als besonders geeignet angesehen, identitätsstiftend zu wirken: eine geeinte deutsche Nation, die sich auf ihre germanischen Wurzeln besinnt ...

Auch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurden in Hamburg neuen Findlingsdenkmäler errichtet. Sie folgten in ihrer Bedeutung weiterhin der germanischen Tradition und zeugten von der nationalistischen Haltung der Stifter, für die der deutsche Geist im ersten Weltkrieg unzerstörbar war.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, S. 45-47, S. 65-66

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Lokstedt

Bei der Lutherbuche, Ecke Grandweg

Das Kriegerdenkmal wurde 1923 nach Entwürfen des Wandsbeker Architekten Rudolf Reuße gebaut. Es wurde von der damals selbständigen Gemeinde Lokstedt in Auftrag gegeben. Hier wurde das Kriegerdenkmal nicht in eine vorhandene Anlage integriert, sondern die Anlage wurde um das Denkmal herum gestaltet. Das in expressionistischer Architektursprache gebaute, hoch aufragende achtstrahligen Klinkersäule auf dreistufigem sternförmigen Podest liegt eingebettet in eine kreisförmige Anlage mit Hecken, symmetrisch angelegten Wegen, Rasenflächen, vier Klinkerbänken und einem Kranz aus Blutahornbäumen, als Zeichen für das für das »Vaterland« vergossene Blut. Im unteren Bereich des Denkmals sind acht Bronzeplatten angebracht, eine davon mit Reliefs aus gekreuzten Fahnen, Eisernem Kreuz, Sternen und einem Strahlenkranz, die anderen mit den 170 Namen der getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs. Am 4. Mai 2004 wurde das Kriegerdenkmal mit dem gesamten Platz unter Denkmalschutz gestellt.

»Das Kriegerdenkmal (…) wurde bemerkenswert frei von konventionellen Vorbildern gestaltet. Kristall, Flamme oder Stern 
mit Kometenschweif sind die vagen Assoziationen, die sich angesichts des extravaganten Klinkeraufbaus einstellen, der sich
 auf seinem achtstrahligen Sternsockel gleichsam aufzufalten scheint. Diese expressive, aufsteigende Geste korrespondiert
 mit der Inschrift am sockelartigen Unterbau.«
Ralf Lange: Architekturführer Hamburg, Stuttgart 1995, Seite 117

HH Lokstedt entfernt

               HH Lokstedt schmal


HH Lokstedt


Inschriften:
1914  1918

Den Gefallenen zum Gedächtnis
Den Lebenden ein Vermächtnis
Dem Vaterland der Schwur empor

1923 erbaut in Lokstedt


In der Parkanlage wachsen Blutahornbäume im Kreis, am umlaufenden Weg stehen vier gemauerte Sitzbänke mit dreieckigem Klinkerrückenteil im Stil des Denkmals.

HH Lokstedt Bank

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Die Geschichte des Kriegerdenkmals

In Lokstedt hatte man sich bereits 1918 Gedanken über eine Gefallenenehrung gemacht. Den ursprünglichen Plan eines Gefallenenehrenhains hatte man bald fallen gelassen und ein Entwurf des Groß-Borsteler Bildhauers Albrecht war von der Bevölkerung abgelehnt worden. Deshalb wurde im März 1922 von allen Lokstedter Vereinen ein Ausschuss eingesetzt, der beschloss, »ein Denkmal in monumentaler Form ins Leben zu rufen.«

Die Gemeinde stellte das Grundstück des bereits 1902 abgebrannten Quast’schen Hofes an der Ecke Grandweg/Lutherstraße [Bei der Lutherbuche] zur Verfügung. Man sammelte Geld – u. a. mit einem Fußballturnier auf dem ehemaligen HSV-Sportplatz an der Rothenbaumchaussee/Turmweg – und schrieb einen künstlerischen Wettbewerb aus. 31 Entwürfe gingen ein, die anschließend ausgestellt wurden. Eine Abstimmung der Ausstellungsbesucher ergab eine Mehrheit »für den Entwurf ›Unser Schwur‹ des Wandbeker Architekten Reuße. Der Entwurf ›Bleib Deutsch‹ des Gartenarchitekten Jakob Ochs hatte den Vorteil der besseren Platzverteilung. Beide Architekten einigten sich schnell über die Verschmelzung ihrer beiden Entwürfe.«

Nachdem die Erdarbeiten Ende März 1923 von der Lokstedter Bevölkerung erledigt worden waren, mauerte der Architekt Reuße am 1. April 1923 den Grundstein ein. Auf einem dreistufigen sternförmigen Podest wurde sodann eine achtstrahlige Klinkersäule mit acht Bronzetafeln errichtet; auf sieben Tafeln sind die Namen von 172 Gefallenen verewigt. Auf der achten Tafel befindet sich folgende Inschrift:

»1914       1918
Den Gefallenen zum Gedächtnis
Den Lebenden ein Vermächtnis
Dem Vaterland der Schwur
Empor
1923 erbaut in Lokstedt«

Der Platz ist mit Blutahornbäumen umpflanzt worden.

Die Denkmalsenthüllung fand am 11. Mai 1924 unter Beteiligung nahezu der gesamten Bevölkerung Lokstedts statt. Zunächst sprach Johannes Benöhr, der Vorsitzende des Ausschusses für die Gefallenenehrung (seit 25. März 1925 auch 1. Vorsitzender des Bürgervereins zu Lokstedt von 1888), Pastor Otte hielt die Weiherede und als letzter sprach Thomas Schütz, der Schatzmeister des Denkmalausschusses. Zum Abschluss überflog der Luftfahrtpionier Paul Bäumer den Platz und warf »einen prächtigen Kranz mit meterlanger Schleife« ab, der punktgenau auf der Plattform des Ehrenmals landete. Die Gesamtkosten für das Denkmal betrugen 9 946 Goldmark, allein für die acht Bronzetafeln wurden 389 871 929 000 Papiermark ausgegeben. (Seite 116)

... die Größe eines Denkmals und die Form einer Säule (die eigentlich nur als Siegessäule gebräuchlich war) deuten auf Trotz und Revanchismus (»Sieg in der Zukunft«) hin. ... (Seite 113)

Wir danken Jürgen Franz für den Auszug aus seinem Buch: »Lokstedt – Niendorf – Schnelsen / Die holsteinisch-deutsche Geschichte und der Erste Weltkrieg«, herausgegeben vom Forum Kollau. Die Zitate und Fotos stammen aus »Der Kollauer Chronik« II. Band aus dem Jahr 1929 von Dr. Adolph Hansen und Rudolf Sottorf.

HH Lokstedt Grundstein web

Grundsteinlegung in Lokstedt. Am 1. April 1923 (Ostersonntag) mauerte der Wandsbeker Architekt Rudolf Reuße den Grundstein mit den Worten:
»Ich nehme Dich, Stein, ich lege Dich als den 1. Stein in den Bau hinein. Du sollst Grundstein sein, um mit Dir im Verein soll das ganze Gestein unvergänglich sein, soll lange Jahrhunderte währen, den Lokstedter Helden zu Ehren.«

HH Lokstedt Einweihung web

● Die Einweihung am 11. Mai 1924.

HH Lokstedt Flieger web

● Paul Wilhelm Bäumer wirft einen Kranz mit meterlanger Schleife ab. Er war mit 43 Luftsiegen einer der »erfolgreichsten« Jagdflieger im 1. Weltkrieg. Nach dem Krieg stürzte er 1927 beim Einfliegen eines neuen Flugzeugtyps zwei Kilometer vor Öresund ins Meer. Er starb mit 31 Jahren.

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Die Kollauer Chronik

von Dr. Adolph Hansen und Rudolf Sottorf
Erschienen Weihnachten 1929

II. Band, Seite 129 - 132

 

PDF Download

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Volkstrauertag

Gedenken in den 80er Jahren mit Bundeswehr und Kriegervereinen.

HH Lokstedt 1980er Jahre web

HH Lokstedt Schoe2 web

Auch Mitglieder der Friedensinitiative Lokstedt legen ein Gebinde nieder. Eine der Frauen sieht das Denkmal als Ort der Trauer um Ihren »gefallenen« Verlobten an. Die FI versucht aber sich von den anderen Akteuren zu distanzieren.
   

HH Lokstedt Schoe3 web

Wir danken Walter Schönfeld für die Fotos

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Für das Vaterland?

»Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das ›Vaterland‹. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das ›deutsche Vaterland‹, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das ›deutsche Vaterland‹ stellt höchsten Wert dar. Dass dieses ›Vaterland‹ aus dem Streben nach politischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet. Nach der Niederlage, die im Nachhinein durch die so genannte ›Dolchstoßlegende‹ von vielen Deutschen bereitwillig uminterpretiert wurde, und dem Versailler Vertrag entwickelte sich zu Beginn der 1920er Jahre in vielen Köpfen eine Trotz-Haltung, ein ›Jetzt erst recht‹-Gedanke, der Kritik an der deutschen Kriegspolitik nicht zuließ.

Die ›Dolchstoßlegende‹ ist eine Verschwörungstheorie der damaligen politisch Rechten, die 1919 von Feldmarschall Paul von Hindenburg, der unfähig war, sich das eigene Versagen bei der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg einzugestehen, zusätzlich genährt wurde. Sie besagt, dass das deutsche Heer ›im Felde unbesiegt‹ war, aber die Heimat ihm durch die Agitationen der politischen Linken und die Revolution 1918 in den Rücken gefallen sei. Diese Theorie entbehrt jeder berechtigten historischen Grundlage, sie stieß jedoch bei vielen Deutschen auf offene Ohren und trug schließlich auch mit zum Scheitern der Weimarer Republik bei. (Vgl. Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte. Bonn 2002, S. 239).

Die revanchistische Haltung der Stifter drückt sich auf dem Denkmal in Lokstedt besonders drastisch aus. Dort wird das Zitat des Berliner Kreuzbergdenkmals folgendermaßen umgewandelt: ›Den Gefallenen zum Gedächtnis / Den Lebenden ein Vermächtnis / Dem Vaterland der Schwur / Empor‹.«

Zitiert aus Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, Seite 94-95

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Lokstedt

Die Denkmäler der Sportvereine an der Döhrntwiete

Der Turnverein Lokstedt von 1892 hat vor dem Vereinshaus ein Kriegerdenkmal erbaut. Es ist 14 toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet, die »Turnbrüder« waren. In einen hohen Findling auf einem aus behauenen Natursteinen gemauerten wuchtigen Sockel ist die Widmungstafel aus Bronze eingelassen.

HH Lokstedt Turn1 gesamt web


Sie hat einen Schmuckrand im Stil eines Bilderrahmens, mit Halbreliefs aus Eichenblättern und Bändern. Zwischen den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs steht ein stilisiertes Kreuz, darunter die Widmungsinschrift:

Zur Erinnerung an unsere gefallenen Turnbrüder
T. V. L. v. 1892

Es folgen die 14 Namen.

HH Lokstedt Turn1 Tafel web

 

Daneben befindet sich das Gelände des Fußballclubs Eintracht Lokstedt von 1908.

Die meisten der folgenden Informationen haben wir dem Buch von Jürgen Frantz »Lokstedt - Niendorf - Schnelsen. Die holsteinisch-deutsche Geschichte und der Erste Weltkrieg«, Edition Forum Kollau, entnommen:

35 Vereinsmitglieder sind als Soldaten im 1. Weltkrieg ums Leben gekommen. In der Festschrift zum 50-jährigen Vereinsjubiläum werden 25 Namen von toten Soldaten genannt. Auf der Skagerrak-Kampfbahn wurde ein Kriegerdenkmal in Form eines großen aufgerichteten Schwertes auf dreistufigem Postament aus Stein errichtet. Das Denkmal steht heute nicht mehr. Zur gleichen Zeit wurde direkt an der Döhrntwiete auf dem Vereinsgelände eine Anlage »Denkt an Versailles« errichtet. Dieses Denkmal sollte an die durch den Friedensvertrag von Versailles verlorenen ehemals deutschen Provinzen erinnern. Es bestand aus gemauerten Ziegelsteinsockeln auf denen Findlinge plaziert waren. Die größere Mittelsäule war demnach rechts und links umringt von mehreren kleineren Säulen, alle waren symbolträchtig mit einer langen Eisenkette umschlungen und verbunden. In der Mitte des Runds lag ein Kissenstein mit einem großen Eisernen Kreuz. Diese Anlage ist wahrscheinlich von vaterländischen Vereinen gestiftet worden.

Zitat von Volker Bulla bei einer Führung durch Lokstedt: »Vor dem 2. Weltkrieg wurde das Denkmal sicherlich auch für nationalistische Feiern am Rande der Skagerrak-Kampfbahn, wie die Sportfläche früher hieß, genutzt. Nach dem 2. Weltkrieg nahmen Altmetalldiebe alle Metalle mit.«

Umstanden war die ganze Anlage von einer Buchenhecke.

HH Lokstedt Turn2 gesamt web


Die Hecke wird auch heute noch gepflegt, die Anlage selbst ist völlig verwahrlost, mit Brombeerranken überwuchert.

HH Lokstedt Turn2 Eingang web

HH Lokstedt Turn2 Stein2 web

HH Lokstedt Turn2 Stein1 web

HH Lokstedt Turn2 Stein3 web

HH Lokstedt Turn2 Eisernes Kreuz web


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so sah die Anlage um 1930 aus:

HH Lokstedt Denkt an Versailles 1930 web

Auch von dem heute nicht mehr vorhandenen Kriegerdenkmal, ebenfalls am Rand der Skagerrak-Kampfbahn gelegen, gibt es eine historische Fotografie.

Das aufgerichtete Schwert ist ein deutlich kriegerisches Symbol auf Denkmälern, es signalisiert Kampfbereitschaft. In der Ikonographie des Militärs gilt das aufrecht stehende Schwert als Zeichen des Wehrwillens. Zitat aus der Urkunde, die im Grundstein des Kriegerdenkmals am Pinneberger Bahnhof eingelassen worden ist: »Das Ehrenmal wird an der Vorderseite ein aufrechtes Schwert tragen. Hiermit soll die Mannhaftigkeit und der Wehrwille des deutschen Mannes vor aller Welt bekundet werden.« Es gibt auch Kriegerdenkmäler mit gesenktem Schwert als Zeichen der Aufgabe z.B. in Lübstorf/Mecklenburg-Vorpommern oder mit abgebrochenem Schwert als Zeichen der Niederlage z.B. in Thürk/Schleswig-Holstein.

HH Lokstedt skagerrak kampfbahn 1930 web


Wir danken Hans-Jürgen Storr, der diese Fotografien aus dem Nachlass seines Vaters aufbewahrt hat, dafür dass wir sie hier zeigen dürfen und Joerg Kilian für die Dateien.


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»Denkt an Versailles«

Der Friedensvertrag von Versailles wurde bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 im Schloss von Versailles von den Mächten der Triple Entente und ihren Verbündeten bis Mai 1919 ausgehandelt.

Die deutsche Delegation durfte an den Verhandlungen nicht teilnehmen, sondern konnte erst am Schluss durch schriftliche Eingaben wenige Nachbesserungen des Vertragsinhalts erwirken. Der Vertrag konstatierte die alleinige Verantwortung Deutschlands und seiner Verbündeten für den Ausbruch des Weltkriegs und verpflichtete es zu Gebietsabtretungen, Abrüstung und Reparationszahlungen an die Siegermächte. Nach ultimativer Aufforderung unterzeichnete Deutschland am 28. Juni 1919 den Vertrag. Wegen seiner hart erscheinenden Bedingungen und der Art seines Zustandekommens wurde der Vertrag von der Mehrheit der Deutschen als illegitim und demütigend empfunden.

Die Unterschriften durch Hermann Müller und Johannes Bell, die durch die Weimarer Nationalversammlung 1919 in ihre Ämter gelangt waren, nährten die vor allem durch Paul von Hindenburg und Ludendorff sowie später von Adolf Hitler propagierte Dolchstoßlegende.

Nach Wikipedia, 13. Juni 2017
Lesen Sie mehr bei: wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles

 

Die Dolchstoßlegende war eine von der deutschen Obersten Heeresleitung in die Welt gesetzte Verschwörungstheorie, die die Schuld an der von ihr verantworteten militärischen Niederlage des Deutschen Reiches im 1. Weltkrieg vor allem auf die Sozialdemokratie und andere demokratische Politiker abwälzen sollte. Sie besagte, das deutsche Heer sei im Weltkrieg »im Felde unbesiegt« geblieben und habe erst durch oppositionelle »vaterlandslose« Zivilisten aus der Heimat einen »Dolchstoß von hinten« erhalten. Antisemiten verknüpften »innere« und »äußere Reichsfeinde« dabei zusätzlich mit dem Trugbild vom »internationalen Judentum«.

Sie gilt in der Zeitgeschichte als bewusst konstruierte Geschichtsfälschung und Rechtfertigungsideologie der militärischen und nationalkonservativen Eliten des Kaiserreichs. Sie lieferte dem Nationalsozialismus wesentliche Argumente und begünstigte seinen Aufstieg entscheidend.

Nach Wikipedia, 13. Juni 2017
Lesen Sie mehr bei: wikipedia.org/wiki/Dolchstoßlegende

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Die Skagerrak-Schlacht

Die Skagerrak-Schlacht vom 31. Mai 1916 bis zum 1. Juni 1916 in den Gewässern vor Jütland gilt als die größte Seeschlacht der Geschichte, an der 112 deutsche und 150 britische Schiffe beteiligt waren. Trotz der Übermacht der »Home Fleet« waren die Verluste auf britischer Seite erheblich größer als auf deutscher.

Die Deutschen feierten den Ausgang der Schlacht als taktischen Sieg und 2 551 ertrunkene deutsche Seemänner als »Helden«. Für die Reichsmarine war es »der größte Ruhmestag ihrer Geschichte«, der fortan alljährlich gefeiert wurde. Dieser »Ruhmestag« änderte natürlich nichts an der Übermacht der britischen Flotte und dem Kriegsverlauf.

Für die damalige Zeit bezeichnend wurde die Gedenkkultur für propagandistische Zwecke instrumentalisiert, den Menschen im nationalsozialistischen Deutschland wurde bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem »Vaterland« abverlangt.

Der Soldatentod sollte als heldenhafte Aufopferung erscheinen und der wahre Grund für das tausendfache Sterben verschleiert werden.

Bis mindestens 2010 benutzte der Fußballclub Eintracht Lokstedt von 1908 noch den Namen »Skagerrak-Kampfbahn« für seinen Sportplatz:


HH Lokstedt Skagerrak Kampfbahn

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