TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes zu finden oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Die hier dokumentierten Denkmäler wurden mit freundlicher Unterstützung lokaler Institutionen weitgehend selbst recherchiert. Die Fotos sind, wenn nicht anders angegeben, von Klaus Wegner.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

Ein Klick auf den schwarzen Balken am Anfang der Denkmaldokumentation von >Ahrensburg und >Ammersbek öffnet die Berichte über die temporäre Kunstaktion der Evangelischen Akademie in Zusammenarbeit mit dem KunstHaus am Schüberg im Sommer 2014: »Kriegerdenkmäler – Stumme Zeugen ins Gespräch bringen«

> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 

Ahrensburg

Feldsteinobelisk an der Kastanienallee

SH Ahrensburg

Das Denkmal in der Parkanlage hinter dem Ahrensburger Schloß trägt eine geweißte Gussbetontafel für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs. Darunter ist eine Messingtafel für die Opfer der Weltkriege und des Nationalsozialismus angebracht. Das Denkmal hat an jeder Seite ein aus Natursteinen gemauertes Eisernes Kreuz als Relief.

Inschriften:
Tafel aus Gussbeton mit Stahlhelm umgeben von Lorbeerzweigen als Relief: Gewidmet / den im Weltkriege 1914-18 / gefallenen Söhnen der / Gemeinde Ahrensburg.
Darunter: Wer sein Leben lässt für seine Brüder / ist der Liebe seiner Heimat wert
Messingtafel: Den Opfern der Weltkriege und des Nationalsozialismus

SH Ahrensburg Detail

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Aus den Archiven

Aus der Akte DOK 494 (16. Dezember bis zum 18. August 1950)

Das Denkmal enthielt fünf Bronzeplatten; vier mit Namen von Gefallenen aus Ahrensburg und eine mit Namen vom Kremerberg. Diese Platten wurden »seinerzeit im Zuge einer Mobaktion abmontiert und eingeschmolzen« (18. März 1948). Nach dem Kriege wurde geplant neue Platten gießen zu lassen. Letztendlich wird daraus nichts, da z. B. eine Firma mit anderen (wichtigeren) Aufträgen zu tun hat. Am 11. Juli schreibt der Pastor, er behalte das Problem weiter im Auge; »das Projekt ist aber wegen der Kosten der Bevölkerung nicht zu vermitteln«.

Bauamt 41 38 00 (2. Januar 1989 bis heute)

Es wird der Diebstahl zweier Gedenktafeln bemerkt:


1. Tafel »Den Ahrensburger Opfern des Nationalsozialismus«.
1 m x 0,4 m; Bronze; Rechnung vom 1982.


2. Tafel »Den Opfern der Weltkriege 1914 – 1918 1937 – 1945« (dreizeilig). Ca. 1 m x 0,8 m;
über der 1. Tafel (keine Rechnung oder Herstellungsdatum).

Der Magistrat entscheidet sich am 4. September 1989 für eine Tafel mit dem Text »Den Opfern der Weltkriege und des Nationalsozialismus«.

Fazit: Wann das Denkmal errichtet wurde und wer der Initiator und Finanzier war, ließ sich nicht feststellen. Aus den Unterlagen ergibt sich jedoch, dass das Denkmal mehrfach umgestaltet wurde.

Ursprünglich ist die gesamte Anlage mit der umlaufenden Feldsteinmauer, mit den zwei Durchbrüchen für den Fußweg und den Obelisken.

Original am Obelisken sind:

● Das leicht erhabene Eiserne Kreuz aus Feldstein im oberen schmaleren Teil, von einem umlaufenden Sims abgeteilt.

● Die helle Steinplatte (im unteren Viertel des Obeliskenmittelteils) mit einem leicht erhabenen Stahlhelm, links und rechts von einem Eichenzweig flankiert.

● Die erhabene Schrift (darunter), dreizeilig, links- und rechtsbündig in Großbuchstaben »Gewidmet den im Weltkrieg 1914 – 18
 gefallenen Söhnen der
 Gemeinde Ahrensburg«.

● Die ebenfalls erhabene Schrift (darunter), zweizeilig, links- und rechtsbündig in Großbuchstaben »Wer sein Leben läßt für seine Brüder ist der Liebe der Heimat wert«. 
Unbekannten Datums, jedoch nach 1945, sind die beiden identischen Zeitangaben aus Metall im 2. Viertel von oben des mittleren Teils: »1914 – 18« und »1939 – 45«. 


Wir danken Frau Angela Behrens und Herrn Klaus Tim für die Recherche.

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SH Ahrensburg VT2013 web

Foto: Dorothea Benedikt

● Viele Kränze am Obelisken – Volkstrauertag 2013

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Alte Ansichten

           SH Ahrensburg Altes Foto web


SH Ahrensburg alt

 

            SH Ahrensburg Karte web

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Kunst-Aktion zur 700-Jahr-Feier

Am Kriegerdenkmal Ahrensburg in der Kastanienallee


Präsentation durch die Künstler: am Freitag, den 29. August 2014 um 11:00 Uhr. Eine öffentliche Diskussion über die Kunstaktion, das Denkmal und mögliche Umgestaltungen fand am Mittwoch, 1. Oktober 2014 um 19:30 Uhr im Kulturzentrum Marstall am Schloss, Lübeckerstraße 8, statt. Wenn Sie mehr über die Intention der Kunstaktion wissen wollen, dann klicken Sie oben auf Aktivitäten >Initiativen.

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Gut 30 Interessierte hatten sich in der Remise des Kulturzentrums Marstall eingefunden, um die Meinung der Podiumsteilnehmer kennenzulernen. Die Ansichten waren sehr kontrovers, zum Teil sich widersprechend. Der früheren Bürgermeisterin von Ahrensburg, Frau Pepper, ist es aber in ihrer Moderation gelungen, die Vertreter der unterschiedlichen Meinungen gut zu Wort kommen zu lassen, sodass die Denkansätze deutlich wurden. Das Publikum hat sich lebendig und engagiert beteiligt; es gab kluge, durchweg konstruktive Diskussionsbeiträge. Ob das Gespräch über das Kriegerdenkmal weitergehen wird?

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Die Aktion beginnt

Freitag, 29. August 2014, 11:00 Uhr

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● Axel Richter vom KunstHaus am Schüberg in Aktion.

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● Trotz Regen finden sich interessierte Ahrensburger ein.

SH Ahrensburg Aktion5

● Pressetermin mit den beiden Künstler und Pastor Ulrich Hentschel.

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Und so sieht das Medienecho aus:

In der neuen Online-Zeitung: 
Stormarn kulturell – Magazin für Kunst, Theater, Musik und Literatur

erschien am 29. August 2014 der Beitrag: »Kunst eröffnet neue Sicht auf das Ehrenmal« 

www.stormarn-kulturell.de/kunst-eroeffnet-neue-sicht-auf-das-ehrenmal

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Am 26. August 2014 konnte man den Artikel »Weiße Wäsche als provokantes Gegenbild zu Kriegerdenkmälern« im Hamburger Abendblatt– Ausgabe Stormarn lesen.

 

PDF Download

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Am Tag der Installation hat sich der Journalist dann selbst ein Bild gemacht. Sein Bericht erschien in der Sonnabendausgabe des Hamburger Abendblatts – Ausgabe Stormarn am 30./31. August 2014.

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Ein einstimmiger Beschluss

Auf Vorschlag von Bürgermeister Michael Sarach hat der Bildungs-, Kultur- und Sportausschuss der Stadt Ahrensburg am 30. Juni der temporären Kunst-Aktion am Kriegerdenkmal in der Kastanienallee (in Sichtweite des Schlosses) zugestimmt, und zwar mit den Stimmen aller Fraktionen. Das ist eine gute Voraussetzung für die Arbeit von Axel Richter, dem Leiter des nahegelegenen KunstHaus am Schüberg, der auch schon mit der Skulptur »Über-See« von Roger Rigorth im Ahrensburger Stadtzentrum präsent  und darum bekannt ist. In der Begründung für den Beschluss heißt es: »Die Kunstaktion soll das Denkmal, das sonst zumeist unbeachtet bleibt und nur am Volkstrauertag als Ort des Gedenkens und der Erinnerung Aufmerksamkeit findet, in den Focus einer breiteren Öffentlichkeit rücken. Durch die mit der Kunstaktion für einige Tage erzeugte In-Frage-Stellung sollen vor allem auch jüngere und bis dahin weniger interessierte Bürgerinnen und Bürger angesprochen werden. Wichtig ist dabei die öffentliche Debatte: Was bedeutet uns heute die Erinnerung an die Toten, Soldaten, Zivilisten, Opfer der Schlachten des 1. Weltkriegs (und dabei auch die des 2. Weltkriegs)? Dazu gibt es natürlich verschiedene Deutungen und Einstellungen, in historischer, gesellschaftlicher und religiöser Hinsicht. Unser Ziel ist, diese miteinander in einen Dialog zu bringen. Dabei kann es auch zu neuen Formen der Gestaltung und der traditionellen Rituale kommen.«

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Ahrensburg24.de web

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> Weiße Wäsche – Kunstaktion 2014

 

Bünningstedt/Ammersbek
Kreis Stormarn

Gepflegte Anlage in der Ortsmitte

Dreiteiliges Denkmal mit einem großen Findling im Zentrum. Am Findling ist ein gesenktes Schwert aus Metall befestigt.

SH Buenningstedt gesamt

Inschriften:

1914 / 1918
As in a Stormwind de Eekboom, stebig un stark, / so hebt se wehrt sick – tru bit int Mark
Auf Hochdeutsch: Wie die Eiche im Sturmwind, standhaft und stark, so haben sie sich gewehrt – treu bis ins Mark

Links: Dem Gedenken unserer Toten 1939=1945
Rechts: Sie opferten ihr Leben für Volk und Heimat

SH Buenningstedt Stein

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SH Buenningstedt Ajepbah Wikimedia Commons

Foto: Ajepbah/wikimedia commons

● Volkstrauertag in Bünningstedt

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Hoisbüttel/Ammersbek

Hier wurde 1920 das erste Kriegerdenkmal der Gegend aufgestellt. Ein halbes Jahr später wurde dann in der Bergstedter Kirche eine Tafel angebracht, auf der dann schon der »Helden« gedacht wurde.

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● Geforderte Ehrfurcht vor Tod und Tapferkeit in Hoisbüttel

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» ... tru bit int Mark«

Die Gemeinde Ammersbek wünscht sich eine Kommentierung

In der Gemeinde Ammersbek gibt es gleich zwei Denkmäler zum Gedenken an die getöteten Soldaten. Der Bürgermeister und das KunstHaus am Schüberg haben schon viele gemeinsame Projekte durchgeführt. So sollte es auch diesmal sein. Wenn Sie mehr über die Intention der Kunstaktion wissen wollen, dann klicken Sie oben auf Aktivitäten >Initiativen.

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Echo in den Medien

Das Hamburger Abendblatt berichtet am 11. September 2014

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Kunstaktion

Ab Freitag, 29. August 2014 ab 15:00 Uhr war die Kunstinstallation am alten Dorfplatz in Hoisbüttel und anschließend an der Dorfstraße in Bünningstedt für 10 Tage zu sehen. Eine öffentliche Diskussion fand statt am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek« in Ammersbek.

Eine kleine, aber feine Runde diskutierte im Gemeindezentrum. Es wurde von der Aktion »Gedankenloses Gedenken« der Nachbargemeinde Bergstedt und von mulmigen Gefühlen beim bisherigen Ritual am Volkstrauertag in Ammersbek berichtet. Am Ende eines lebhaften Gesprächs stand wieder die Frage: Muss alles so bleiben wie es ist? Wie ist Ihre Meinung dazu, liebe Ammersbeker?

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Einladung

auf der Website der ev.-luth. Kirchengemeinde Hoisbüttel

SH Hoisbuettel Diskussion web

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Am Freitag, 29. August 2014
um 15:00 Uhr in Hoisbüttel


SH Hoisbuttel Aktion7

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● Pastor Ulrich Hentschel spricht über die künstlerische Intervention.

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● Bürgermeister Horst Ansén und Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling im Gespräch mit interessierten Ammersbekern.

SH Hoisbuttel Aktion1

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Am Freitag, 29. August 2014
um 16:00 Uhr in Bünningstedt

SH Buenningstedt Aktion1

SH Buenningstedt Aktion2

● Alle sind gespannt auf die Reaktionen der Ammersbeker und auf die Diskussion am Donnerstag, 4. September um 19:00 Uhr im Gemeindezentrum »An der Lottbek«.

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Im »Markt« wird die Kunstaktion am 27. August 2014 angekündigt:

SH Amm Markt 27 August web

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Im Hamburger Abendblatt – Ausgabe Stormarn erscheint am 26. August 2014 der Artikel: »Weiße Wäsche als provokantes Gegenbild zu Kriegerdenkmälern«.

 

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Appen, Kreis Pinneberg

In einem gepflegten Park an der Hauptstraße

Der schwarze Obelisk in der Ortsmitte hat einen aus Natursteinen gemauerten Sockel und einen Unterbau mit quadratischem Grundriss auf dem auf allen vier Seiten die Namen, Geburts- und Sterbedaten der toten Soldaten des 1. Weltkriegs eingraviert sind, dreimal 14 und einmal 13.

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Jede Seite des Obelisken trägt eine Inschrift:

Weltkrieg 1914-19

Niemand hat grössere Liebe denn die, dass er sein Leben lässet für seine Brüder

Ihren gefallenen Helden die dankbare Heimat

Glücklicher, der du die Sonne noch siehst, o grüss uns die Heimat, die wir getreu bis zum Tod mehr als das Leben geliebt

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      SH Appen Inschrift web

Auf zwei Seiten ist unter der Inschrift ein Lorbeerkranz eingraviert.

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Ascheberg, Kreis Plön

Denkmalsanlage an der Hauptstraße zur Seeseite

Das Kriegerdenkmal steht in einer hinten abgerundeten Anlage am Uferwäldchen des Plöner Sees. Halbhohe Mauern aus behauenen Feldsteinen begrenzen die Anlage.

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Hinten steht der Gedenkstein für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs auf einem altarartigen Unterbau. Unter einem eingravierten Eisernen Kreuz steht die Inschrift:

Dem Andenken der Gefallenen
1914 - 1918
Heldentum und Menschenliebe,
lebe, strebe du neuem Leben zu:
Ascheberg-Langenrade

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In die Mauer sind in Bodennähe unterschiedlich geformte Steine mit 37 Namen eingemauert worden, siehe Foto unten.

        SH Ascheberg mitStein web

Weiter vorne liegt ein großer heller Granitfindling für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs mit folgender schon sehr verwitterter Inschrift:

Den Opfern des Krieges (christliches Kreuz)
Totensonntag 1949

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Opfer

»Es ist nicht wahr, dass die Opfer mahnen, bezeugen, Zeugenschaft für etwas ablegen, das ist eine der furchtbarsten und gedankenlosesten, schwächsten Poetisierungen (...) Auf das Opfer darf sich keiner berufen. Es ist Missbrauch.
Kein Land und keine Gruppe, keine Idee, darf sich auf ihre Toten berufen.«

Ingeborg Bachmann: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.
Dieses Zitat steht auf einer Tafel zum Kriegerdenkmal in Neustadt in Holstein.

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Schloss Ascheberg

Auf den Namenssteinen sind auch zwei Bewohner des Schlosses aufgeführt:

Thilo, Graf von Brockdorff-Ahlefeldt
Carl-Lorenz, Graf von Brockdorff-Ahlefeldt

Seit dem 13. Jahrhundert existierte in Ascheberg ein Rittersitz, der um die Mitte des 15. Jahrhunderts von der Familie Rantzau erworben wurde. 1739 begann Hans Graf zu Rantzau, der auf Schloss Ascheberg wohnte, als erster Gutsherr in Holstein die Leibeigenschaft seiner Bauern aufzuheben. Der Graf teilte die Felder des Besitzes auf, überließ den Bauern das Land und erhob dafür von ihnen einen Zins. Zu dieser Zeit war ein großer Umbau der Anlage im barocken Stil geplant, die Pläne wurden aber nicht umgesetzt. Im 19. Jahrhundert kam das Schloss an die Familie der Grafen Brockdorff-Ahlefeld. Das heutige Ascheberger Schloss, ein schlichter klassizistischer Bau aus dem 19. Jahrhundert, wird als christliche Jugendfreizeit- und Erholungsstätte genutzt.

Nach Wikipedia

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Der Bildhauer
Historische Fotos
Paul von Lettow-Vorbeck
www.sachsenwald.de
Das Grab in Pronsdorf

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Aumühle

Im Garten des Bismarckschen Hotels »Waldesruh am See«

Das Restaurant und Hotel »Waldesruh am See« wirbt mit dem Satz: »Hotel am See im Adelsbesitz mit antik eingerichteten Zimmern, kostenlosem Frühstück und elegantem Restaurant«. Das Kriegerdenkmal aus Muschelkalk für die Schutztruppe in der damaligen Kolonie Deutsch-Ost-Afrika im 1. Weltkrieg steht im Garten nahe dem Wanderweg zum Mühlenteich. Der Bildhauer Walter von Ruckteschell, Adjudant von General Paul von Lettow-Vorbeck, hat es geschaffen. 1955 wurde es eingeweiht, noch ganz im Geiste der Kolonialzeit: es soll die deutschen Offiziere und deren rekrutierte einheimische Hilfstruppen ehren.

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In der Mitte der deutsche Soldat, alles überragend, detailreich mit typischer Uniform, Gewehr, Kurzschwert und Patronentaschen am Koppel dargestellt. Er beschattet die Augen, um in die Ferne gucken zu können. Er trägt kurze Hosen, seine Unterschenkel sind von den Schuhen bis zu den Knien mit Binden umwickelt – so war es üblich. Rechts hinter ihm steht ein kleinerer offensichtlich afrikanischer Soldat ebenso detailreich in der Askari-Uniform, auch bewaffnet und am Geschehen beteiligt. Er macht den Offizier auf etwas aufmerksam.

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Auch auf der Rückseite kann man viele Details erkennen: Am Gürtel des deutschen Offiziers hängt eine Tasche mit Trinkflasche, am Kurzschwert eine Quaste oder eine Kapsel. Der Askarisoldat trägt eine zusammengerollte Matte (hier nicht im Bild).

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Auf der anderen Seite kauert ein einheimischer Lastenträger barfuß mit gewickeltem Turban und nur mit einem knielangen Tuchrock bekleidet, er schaut nach unten, gestützt auf eine gerollte Matte, wohl die für den deutschen Offizier. Abgewandt von den beiden Soldaten macht er einen traurigen Eindruck, man hat Mitleid mit ihm. Sein Gesicht ist teilweise zerstört worden.

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Eine dem Sockel vorgesetzte Steintafel trägt die Inschrift:

Deutsch-Ost-Afrika 1914 - 19    

Die genaue Jahresangabe zum Ende des 1. Weltkriegs fehlt.

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Die Geschichte

Das Denkmal wurde von Bildhauer Walter von Ruckteschell geschaffen. Es soll an den Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika von 1914 bis 1918 erinnern sowie »an Altkanzler Fürst Otto von Bismarck, dessen diplomatisches Geschick Deutschland diese ehemalige Afrika-Kolonie einbrachte«, wie einem Zeitungsausschnitt vom 10. Mal 1955 über das Ereignis zu entnehmen ist.

Im 2. Weltkrieg vergrub die Witwe des Künstlers das Werk ihres Mannes, das in Düsseldorf wieder aufgestellt werden sollte. Dazu kam es jedoch nicht. Schließlich fand das Denkmal seinen Platz im Sachsenwald nahe der Bille, wo es im Mal 1955 vom damaligen Ministerpräsidenten Kai-Uwe von Hassel und Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg enthüllt wurde. An der Feier nahmen auch über fünfhundert Angehörige der ehemaligen »Schutztruppe« Ostafrika teil. »General Paul von Lettow-Vorbeck, den die alten Afrikaner besonders ehren wollten«, konnte aus Krankheitsgründen nicht dabei sein.

Nach Auskunft von Dr. Andreas von Seggern von der Bismarck-Stiftung

»Das ›Deutsch-Ostafrikaner Ehrenmal‹, eine safari-romantische Darstellung der Kolonialzeit, steht heute versteckt im Park des Restaurants Waldesruh in Hamburg-Aumühle. Ursprünglich sollte das Denkmal in den 1930ern in Potsdam errichtet werden, wo es wegen der geringen künstlerischen Qualität jedoch abgelehnt wurde. Dann wurde ein Standort in Düsseldorf in Erwägung gezogen. Im Zweiten Weltkrieg unterblieb die Aufstellung an einem öffentlichen Platz. Paul v. Lettow-Vorbeck hat sich persönlich für den jetzigen Standort stark gemacht.«

• Ein Zitat von der Website afrika-hamburg.de

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Der Bildhauer

Walter Alexander Moritz von Ruckteschell (geboren 1882 in St. Petersburg als Sohn eines später in Hamburg amtierenden baltendeutschen Pfarrers, ertrunken auf einer militärischen Mission 1941 im Mittelmeer) war ein deutscher Offizier der »Schutztruppe« für Deutsch-Ostafrika, Illustrator, Bildhauer und Schriftsteller.

1913 ging er mit seiner Frau Clara in die deutsche Kolonie Deutsch-Ostafrika, wo Ruckteschell Denkmäler und Skulpturen für öffentliche Plätze und Einrichtungen entwarf. Er meldete sich im Ersten Weltkrieg freiwillig zur »Schutztruppe« und wurde Adjudant von Paul von Lettow-Vorbeck. Ruckteschell verfasste als Ghostwriter einen Großteil von Lettow-Vorbecks erfolgreichem Buch »Heia Safari! Deutschlands Kampf in Ostafrika«, zu dem er offiziell nur die Illustrationen lieferte. Neben den vielen Illustrationen in der deutschen Kolonialliteratur, wendete sich Ruckteschell nach dem Ersten Weltkrieg vornehmlich der Gestaltung von Kriegsdenkmälern zu.

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• Ankunft am Lehrter Bahnhof: Ganz rechts Walter von Ruckteschell, neben ihm Paul von Lettow-Vorbeck

Walter von Ruckteschell schuf das umstrittene »Deutsch-Ostafrika-Ehrenmal«, das 1938 eingeweiht und zu beiden Seiten des Eingangs der » Lettow-Vorbeck-Kaserne« in Hamburg-Jenfeld aufgestellt wurde. Es stand in der Tradition einer direkt nach dem Ersten Weltkrieg einsetzenden Verehrung der deutschen Kolonial-Truppen, die zur Zeit der Nationalsozialisten kultartige Züge erlangte.

Nach Schließung der Kaserne, 1999, geriet auch die Aufstellung des Reliefs, im Rahmen einer Gedenkstätte für die Opfer der Kolonialzeit, in die Diskussion. Kritisiert wurde dabei, dass:

... ein Konzept, dass die historischen Bezüge erklärt [fehlt]. Das Askari-Relief zeigt eine Truppe afrikanischer Soldaten, die scheinbar treu ergeben ihrem weißen Offizier folgen. Dadurch werde der Blick auf die Herrschaftsverhältnisse des Kolonialreiches verwischt. Der Ausstellungsort ist problematisch. Die Lettow-Vorbeck-Kaserne wurde von den nationalsozialistischen Machthabern als zentraler Ort kolonialrevisionistischer Traditionspflege des Militärs eingerichtet. Zeitweise abgebaut, wurde das Relief 2003 im Rahmen des sogenannten »Tansania-Park«, unter Protesten, wiedererrichtet.

nach Wikipedia, 14. November 2017


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• Die zehn Steinzeichnungen von Ostafrikanern der »Lettow-Mappe« von Walter von Ruckteschell. Veröffentlicht wurde die Mappe in der Nachkriegszeit, das Vorwort schrieb Lettow-Vorbeck

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Historische Fotos

Als »Askari« wurden vor allem in Afrika einheimische Soldaten oder Polizisten in den Kolonialtruppen der europäischen Mächte bezeichnet. Foto aus der Zeit vor 1910.

HH Jenfeld Askaris vor 1910 web


Das Foto unten könnte fast als Vorbild für den Bildhauer gedient haben. Auch hier macht der Hilfssoldat wohl den deutschen Offizier auf etwas aufmerksam. Man kann genau die typische Kopfbedeckung mit Nackenschutz und die gewickelten Unterschenkel sehen.

 

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        Foto: Walther Dobbertin/Wikimedia Commons

Lesen Sie auch unsere Dokumentation des »Schutztruppenehrenmales« in Hamburg Jenfeld:
www.denk-mal-gegen-krieg.de

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Paul von Lettow-Vorbeck

• Paul Emil von Lettow-Vorbeck (20. März 1870 in Saarlouis – 9. März 1964 in Hamburg-Othmarschen) war ein deutscher Offizier, zuletzt General der Infanterie sowie Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika im 1. Weltkrieg.

Lettow-Vorbeck war laut seinem Biografen dem Historiker Uwe Schulte-Varendorff ein »Militarist, der im Soldatentum die höchste Form des menschlichen Dasein erblickte«. Im Krieg seien für ihn alle Mittel erlaubt gewesen, wie seine rücksichtslose Kriegsführung in Ostafrika zeige. Die für ihn rassisch minderwertigen Afrikaner habe er als reines »Menschenmaterial« betrachtet. Als »autoritärer Selbstdarsteller« und »absoluter Machtmensch« habe er sich in seinen »selbstverherrlichenden Schriften« seine eigene Wirklichkeit geformt.

In mehreren deutschen Städten waren und sind Straßen nach Paul von Lettow-Vorbeck benannt. Auch Schulen und Kasernen erhielten seinen Namen. Seit der Jahrtausendwende hat eine kritische Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands zu Debatten über diese Namenspraxis geführt. Infolgedessen wurden in einer Reihe von Orten nach Lettow-Vorbeck benannte Straßen und Einrichtungen umbenannt.

Nach Wikipedia, 15. Juni 2017
Lesen Sie mehr: wikipedia.org/wiki/lettow-vorbeck

• Inzwischen hat das Bild vom Edelmann im ostafrikanischen Busch Risse bekommen. »Es gibt nichts an Lettow-Vorbeck, das heute noch verehrungswürdig wäre«, schreibt der Historiker Uwe Schulte-Varendorff in seiner Lettow-Vorbeck-Biografie »Kolonialheld für Kaiser und Führer«. Und manche, wie die »Süddeutsche Zeitung«, nennen ihn »wohl einen der größten Kriegsverbrecher« in der deutschen Geschichte.

Spiegel.de, 27. September 2013
Lesen Sie mehr: www.spiegel.de/lettow-vorbeck

       SH Aumuehle Lettow Vorbeck Bundesarchiv Bild 183 H27605 Herbstmanover bei Celle web 

       Paul von Lettow-Vorbeck (rechts) als Gast beim großen
       Truppenmanöver bei Celle im September 1935.

 

Weitere Hintergrundtexte und viele Informationen aus den ehemaligen deutschen Kolonien auf der Website:
www.freiburg-postkolonial.de

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www.sachsenwald.de

Gregor Graf von Bismarck, der diese Website betreibt, sieht das anders. Er beschreibt das Denkmal so:

»Skulptur von General Paul von Lettow Vorbeck
Lettow Vorbeck (geboren am 20. März 1870 in Saarlouis; gestorben 9. März 1964 in Hamburg) kämpfte im Ersten Weltkrieg als Generalmajor in Tanganjika, dem heutigen Tansania. Dies wurde in der Zeit von 1885 bis 1918 als Deutsch-Ostafrika bezeichnet und war die größte Kolonie des Deutschen Reiches.
Bei seinen Gegnern galt er als geschickter, großherziger und ritterlicher Soldat. Er bildete seine schwarzen Askari Truppen wie Preußische Offiziere aus. Als er in den 1950er Jahren nach Tansania reiste, um seinen Askaris ihren Lohn vom Ersten Weltkrieg zu bezahlen, wurde er wie ein Held empfangen. Vorbeck war ein Gegner der Nazis. Sein aufregendes Leben wurde in vielen verschiedenen, sehr lesenswerten Büchern veröffentlicht.«

SH Aumuehle Bismarck Website web

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Das Grab in Pronsdorf

Lettow-Vorbecks Tochter heiratete einen Grafen zu Rantzau, den Gutsherrn von Pronsdorf am Wardersee in Ostholstein.

Dort ist Paul von Lettow-Vorbeck am 9. März 1964 begraben worden. Eine Ehrenkompanie der Bundesmarine war angetreten und Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel hielt die Grabrede.

              SH Aumuehle Grab Lettow Vorbeck 02 web

SH Aumuehle Grab Lettow Vorbeck 01 web


Lesen Sie hier Auszüge der Berichterstattung in der TAZ von 2013 zum Kampf der Angehörigen um seinen Ruf. Dabei geht es um Identität und Integrität, die Bewertung der Kolonialgeschichte und moralische Standards.

Auszüge/TAZ 2013

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Grabplatte daneben
Der Gedenkstein der Zwangsarbeiter
Die Geschichte des Denkmals
Das Grab von Karl Dönitz
Der Waldfriedhof

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Aumühle

Auf dem kirchlichen Waldfriedhof Aumühle-Wohltorf

Eine großzügige Anlage für die toten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs. Über eine breite gepflasterte Fläche, auf der Denkmalsseite von einer halbhohen Mauer begrenzt, betritt der Besucher über zwei flache Stufen den halbrunden, ebenfalls mauerbegrenzten Denkmalsplatz.

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Der Block in der Mitte, auch gemauert aus bunten behauenen Feldsteinen steht vor einem hoch aufragenden christlichen Holzkreuz, drumherum läuft ein lichtes rundes Schriftband aus Metall mit dem Text:

DEN OPFERN DER KRIEGE 1914 - 1918 + 1939 - 1945

Die Architekten Bernhard Hopp und Rudolf Jäger aus Hamburg erhielten 1957 den Auftrag, das Denkmal von 1924 so umzugestalten, wie wir es heute sehen können. Lesen Sie weiter unten über die wechselvolle Geschichte des Denkmals.

 

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Auf den drei eingelassenen Bronzetafeln auf der Frontseite sind in erhabenen Buchstaben die 70 Namen von toten Soldaten des 1. Weltkriegs, aufgeteilt nach ihrem Herkunftsort, zu lesen. Die Tafeln wurden vom ursprünglichen Denkmal von 1932, siehe weiter unten, übernommen.

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Rechts neben dem Vorplatz steht jetzt der alte Denkmalstein: ein großer Findling mit dem Relief eines Stahlhelms mit Kurzschwert. Darunter steht:
1914:18

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Die Grabplatte daneben

Am Weg an der linken Seite der Denkmalsanlage kommt man an einer großen Grabplatte vorbei:

Georg Ritter v. Schönerer
Gutsherr zu Schloss Rosenau Nieder-Österreich 1842 - 1921.
Ein Kämpfer für Alldeutschland.

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Georg Heinrich Ritter von Schönerer war ein östereichischer Gutsherr und Politiker. Schönerer hatte von 1879 bis zur Jahrhundertwende Bedeutung als Führer zunächst der Deutschnationalen und später der Alldeutschen Vereinigung. Er war ein heftiger Gegner des politischen Katholizismus, ein radikaler Antisemit und übte starken Einfluss auf den jungen Adolf Hitler aus, der ihn als eines seiner Vorbilder ansah.

Er vertrat eine völkisch-germanische Ideologie, die mit einem radikalen Antisemitismus Hand in Hand ging, der bei ihm konsequent »rassisch« begründet wurde. Seine Alldeutsche Bewegung verlangte 1900 im Wiener Parlament, eine Prämie für jeden »niedergemachten« Juden auszusetzen. Schönerer verkündete damals völkisch-antisemitische Parolen wie: »durch Reinheit zur Einheit – Ohne Juda, ohne Rom / wird gebaut Germaniens Dom« oder »Die Religion ist einerlei / im Blute liegt die Schweinerei«.

Nach Wikipedia, 4. Februar 2017


Durch die Finanzierung eines Sponsors erhielt Georg von Schönerer auf dem Aumühler Friedhof ein »auf Dauer angelegtes Grab«.

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Der Gedenkstein der Zwangsarbeiter

Nicht ohne Weiteres sieht man ein weiteres Denkmal. Der Findling ist vom Weg aus nicht zu sehen. Man muss sich schon auf die Rückseite der Anlage begeben, um ihn zu entdecken.
 

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Der Gedenkstein ist russischen Kriegsgefangenen gewidmet, die im Sachsenwald Zwangsarbeit verrichten mussten. Die Inschrift:

In den Jahren 1941 – 1942 wurden mehr als 30 unbekannte russische Kriegsgefangene auf dem Friedhof in Aumühle beigesetzt.
Sie waren im Lager Ödendorf untergebracht und arbeiteten im Forst Sachsenwald.
Zwischen 1950 – 1960 wurden die meisten auf russische Soldatenfriedhöfe umgebettet.

SH Aumuehle Stein web


Die Ev.-luth. Kirchengemeinde Aumühle veröffentlichte 2012 einen ausführlichen Aufsatz von Lothar Neinass zur Geschichte des Waldfriedhofs. Lesen Sie hier das Kapitel zum Gedenkstein für die russischen Zwangsarbeiter, in dem zum Schluß auch ein geeigneterer Platz für den Stein angemahnt wird.

Gedenkstein Zwangsarbeiter

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Die Geschichte des Denkmals 


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Foto: Gemeindearchiv Aumühle

• Am Heldengedenktag 1932 wurden die drei Bronzetafeln mit den Namen der getöteten Soldaten aus Aumühle, Friedrichsruh und Wohltorf angebracht.

Die Errichtung eines Ehrenmales für die gefallenen Soldaten erschien den Bürgern in Aumühle und Wohltorf wichtig. In den beiden Gemeinden bildete sich ein Kriegerverein, der eine Erinnerungsstätte für die Gefallenen des Weltkrieges von 1914 bis 1918 schaffen wollte. Die Pläne sahen einen von einer Feldsteinmauer eingefassten runden Hof vor. In der Mitte sollte auf einem ebenfalls aus Feldsteinen gemauerten Sockel ein großer Findling stehen. In den Feldstein eingemeißelt waren ein Stahlhelm und ein Schwert sowie die Jahreszahlen 1914/18. Unterhalb des Findlings war auf einer Steintafel zu lesen:

Die Edelsten sind auf deiner Höhe erschlagen. Wie sind die Helden gefallen! 2. Sam. 1 Vers 19

In der Bibel lautet der Vers 19 vollständig:
»Die Edelsten in Israel [!] sind auf deiner Höhe erschlagen ...«

(Zitiert wiederum aus dem Aufsatz von Lothar Neinass, dem wir sehr herzlich danken)

Lesen Sie hier die ganze wechselvolle Geschichte des Denkmals, in deren Verlauf der Findling auch schon mal vergraben worden war. Lothar Neinass hat sie für die Kirchengemeinde aufgeschrieben.


Geschichte des Denkmals

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Das Grab von Karl Dönitz

Karl Dönitz, geboren am 16. September 1891 in Grünau bei Berlin; gestorben am 24. Dezember 1980 in Aumühle, war ein deutscher Marineoffizier – ab Januar 1943 Großadmiral, Nationalsozialist. NSDAP-Mitglied, enger Gefolgsmann Adolf Hitlers und letztes Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches.

Anfang 1936 wurde Dönitz »Führer der U-Boote« und war in der deutschen Kriegsmarine die treibende Kraft beim Aufbau der U-Boot-Waffe. Ende Januar 1943 zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ernannt, wurde er in Hitlers politischem Testament vom 29. April 1945 zu dessen Nachfolger als Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht ernannt.

Nach Hitlers Suizid am 30. April 1945 setzte Dönitz am 5. Mai 1945 eine bereits Ende April vorbereitete geschäftsführende Reichsregierung unter Lutz Graf Schwerin von Krosigk als Leitendem Reichsminister ein, die allgemein als »Regierung Dönitz« oder »Flensburger Regierung« bekannt ist. Ungefähr zwei Wochen nach der am 8. Mai erklärten bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht wurden am 23. Mai 1945 Dönitz, die hohen Generäle des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und alle Mitglieder der Regierung verhaftet, die in der Marinesportschule auf dem Marinestützpunkt in Flensburg-Mürwik residierten.

Dönitz gehörte zu den 24 Angeklagten im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Er wurde wegen Führens von Angriffskriegen und Kriegsverbrechen schuldig gesprochen und am 1. Oktober 1946 zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er bis zum 1. Oktober 1956 vollständig verbüßte.

Nach Wikipedia, 4. Februar 2017

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Foto:Udo Grimmberg/Wikimedia Commons


Das Familiengrab Dönitz mit einer ungewöhnlich großen Darstellung des gekreuzigten Jesus aus dunklem Holz befindet sich ebenfalls auf dem Waldfriedhof.
Auf den liegenden hellen Platten stehen die Namen und Daten von Karl Dönitz, seiner Frau und seinen im 2. Weltkrieg ums Leben gekommenen Söhnen, beides Marinesoldaten.

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Noch in den neunziger Jahren gab es uniformierte Aufmärsche von Neonazis am Grab, mittlerweile geht es eher unauffällig zu beim »Heldengedenken« der rechten Szene. Die Kränze auf dem Farbfoto vom 4. Februar 2017 waren am 28. Dezember 2016, wohl aus Anlass des Sterbetages von Dönitz, von Neonazis niedergelegt worden, siehe Foto unten. Der Stahlhelm, den sie vor den Kränzen plaziert hatten, war im Februar nicht mehr zu entdecken.

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Ein Bericht aus dem Jahr 2011 von Volker Weiss, Frankfurter Rundschau:

Von der Öffentlichkeit unbemerkt trafen sich dort knapp 30 Personen. In kleinen Grüppchen seien sie über den Friedhof gelaufen und hätten sich vor einer Ruhestätte versammelt, erinnert sich eine Anwohnerin. Ein Kranz der NPD wurde niedergelegt, ehe man zum Kriegerdenkmal weiterzog. Die Dame hatte ein »Heldengedenken« norddeutscher Neonazis am Grab von Großadmiral a.D. Karl Dönitz beobachtet.

Schon bei der Beerdigung des letzten Oberbefehlshabers der deutschen Kriegsmarine vor dreißig Jahren war es auf dem Friedhof mit der Ruhe vorbei. Viertausend Trauergäste kamen, um Dönitz das letzte Geleit zu geben.
Die Presse listete die Kranzschleifen auf: Veteranenverbände der Marine, Wehrmacht und Waffen-SS, die »Nationalzeitung« und Rudolf Hess rühmten den Verstorbenen. Die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger hielt die Ehrenwache, auch die heute verbotene Wiking-Jugend marschierte auf. Angehörigen der Bundeswehr war die Teilnahme an der Zeremonie in Uniform vom Verteidigungsministerium verboten worden ...

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel:
www.fr-online.de/kultur/neonazis--heldengedenken--auf-dem-waldfriedhof

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Der Waldfriedhof

Seit März 1911 gibt es den
 Waldfriedhof in Aumühle. Die
 Witwe von Fürst Herbert von 
Bismarck, Marguerite von
 Bismarck, überließ im Namen
 ihres damals 12-jährigen Sohnes Otto der Kirchengemeinde Aumühle kostenlos ein Waldgelände von 18 000 qm für den Friedhof und weitere 17 000 qm für den Bau der Kirche und eines Gemeindehauses. In der Überlassungsurkunde für den Friedhof wurde beiden Kirchengemeinden, Aumühle und Wohltorf, das dauernde Nutzungsrecht übertragen.

Das Eigentum der Waldfläche für den Friedhof einschließlich der Bäume auf dem Gelände blieb bei der Familie von Bismarck.

Während die Anlage des Friedhofes bereits ab 1911 umgesetzt wurde, konnten die Kirchen in Aumühle und Wohltorf erst in den Jahren von 1928 bis 1930 gebaut werden.


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Foto: Matzematik/Wikimedia Commons

• Die Bismarck-Gedächtnis-Kirche neben dem Waldfriedhof

 

»Ein ungewöhnlicher Name. Kann ein Politiker, auch wenn er eine entscheidende Figur der deutschen und europäischen Geschichte war, Namenspatron einer Kirche sein?« fragt Pastor Georg Laitenberger auf der Website der Gemeinde. Lesen Sie weiter auf:

www.kirche-aumuehle.de

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Bad Bramstedt

Am Wäldchen Herrenholz direkt an der B 206

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs hat der Berliner Bildhauer Heinrich Missfeldt geschaffen. Über fünf Stufen erreicht man eine Backsteinmauer, die als Fundament eine bunte Natursteinmauer hat. Vor dem Bogen in der Mitte kniet in einer flachen Nische auf einem herausragenden Sockel eine Trauernde. Missfeldt hat sie dem Erscheinungsbild der Gottesmutter Maria nachempfunden. 1924 ist das Denkmal eingeweiht worden. 

 

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Links und rechts von der Figur sind die Backsteine palmblattartig vermauert worden, darunter sind Kranzhalterungen angebracht. Auf jeder Seite schließt sich eine niedrigere Steinmauer an mit je drei eingelassenen Tafeln. Auf jeder Tafel stehen 15 Namen mit Geburts- und Sterbedatum. Das Denkmal schließt an den Seiten mit je einem Pfeiler ab, der mit einem Zierelement aus Sandstein bedacht wurde.

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In den Sockel der Trauernden ist die Widmungsplatte aus Sandstein eingelassen. Links und rechts ein Eisernes Kreuz mit den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs. Unten ein geschwungener Eichenzweig, darüber die Inschrift:

Zum Gedächtnis unserer Gefallenen

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Die Trauernde blickt auf einen lorbeerumkränzten Stahlhelm mit Kinnriemen, der auf einem kurzen oder auch vielleicht abgebrochenem Schwert liegt.

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Die ursprünglich helle Figur aus Sandstein und die Tafeln haben durch pflanzlichen Belag eine grünliche Färbung angenommen.

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Hinter der Trauernden sieht man ein gemauertes christliches Kreuz, was die Assoziation zur Marienfigur verstärkt.

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An der rechten schmalen Seite der Sockelplatte ist der Name des Bildhauers H.Missfeldt eingraviert.
 

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Die Geschichte

Im Sockel des Denkmals ist 1924 eine Urkunde eingemauert worden. Jan-Uwe Schadendorf, der heutige Chronist von Bad Bramstedt, schreibt:

»Der Text zeigt deutlich, wie sehr der seinerzeitige Ruhrkampf die Stimmung im Lande beeinflußte und wie sehr deutsch-nationale Stimmungen auch hier am Orte festzustellen sind. Nun ist deutsch-national nicht gleich nationalsozialistisch, aber den ein oder anderen Namen finden wir Jahre später an vorderer Stelle am Orte wieder als die  Nationalsozialisten die Macht ergriffen.«

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URKUNDE

zum Ehrenmal für die im Weltkriege 1914 – 1918 gefallenen Söhne der Stadt Bad Bramstedt.

Auf Veranlassung des Kriegervereins für Bad Bramstedt und Umgegend wählten im Jahre 1921 die Vereine und Körperschaften Bad Bramstedts einen Ausschuß für die Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkriege 1914 – 1918 gefallenen Söhne der Stadt. Dieser Ausschuß bestand aus folgenden 11 Personen: Lehrer Otto Schnepel als Vorsitzendem, Buchhändler Alfred Warnemünde als Kassierer, Bürgermeister Reimer Jensen, Bürgermeister a.D. Gottlieb Freudenthal, Photograph Julius Struve, Holz- und Kohlenhändler Claus Hein, Maurermeister Johannes Wrage, Photograph Friedrich Hamann, Organist August Kühl, Viehhändler Hermann Langhinrichs und dem während der Ausführung des Denkmals verstorbenen Leutnant zur See a.D. Curt Lorenz. Der erste Entwurf zum Denkmal und die dafür gesammelten Geldmittel wurden ein Opfer der GeIdentwertung.

Erst nach Einführung der Rentenmark konnte der Ausschuß den Bau des Denkmals beginnen. Der Entwurf zum Denkmal ist vom Bildhauer Heinrich Mißfeldt, Berlin, einem geborenem Holsteiner, der auch die 6 Namenstafeln, die Sandsteinfigur, die Pfeilerbedachung und die Widmungstafel in seiner Werkstatt in Berlin anfertigte, während die Maurerarbeiten vom Steinhauer Johannes Wrage und das Bruchsteinmauerwerk vom Steinhauer Wilhelm Kreutz, beide aus Bad Bramstedt, ausgeführt wurden.

Die Grundsteinlegung zum Denkmal erfolgte am 16. September 1924 durch den Ausschuß. Im Sockel des Denkmals sind eingemauert:
1 ) diese Urkunde,
2) deutsches Papier- und Hartgeld sowie Notgeldscheine der Stadt Bad Bramstedt,
3) einige Zeitungen.

Zur Zeit der Grundsteinlegung des Ehrenmals war
Präsident des Deutschen Reiches Ebert,
preußischer Ministerpräsident Braun,
Oberpräsident in Schleswig – Holstein Kürbis,
Landrat des Kreises Segeberg Dr. Ilsemann,
Bürgermeister von Bad Bramstedt Jensen.

Zur Zeit der tiefen Erniedrigung Deutschlands, als Franzosen und Belgier an Rhein, Ruhr und Saar über das Versailler Friedensdiktat hinaus das Recht beugten und Gewalttat auf Gewalttat häuften, als viele Tausende deutscher Männer, Frauen, Greise und Kinder um ihrer Treue zum deutschen Vaterlande willen aus diesen Gebieten von Haus und Hof vertrieben wurden, als Männer wie Leo Schlageter und Willy Dreyer als Märtyrer der Deutschen Sache starben, als das deutsche Vaterland infolge der fortwährenden Bedrückungen der Feinde, vor allem der seine Kräfte übersteigenden Reparationslasten unter vielen inneren Unruhen, ja Bürgerkämpfen litt, ist die Arbeit für dieses Denkmal begonnen und ausgeführt worden, das da sein soll ein Zeichen des Dankes an die Gefallenen und eine Mahnung an das lebende Geschlecht und die Nachkommen, den herrlichen Geist unsrer Gefallenen lebendig zu erhalten und zu beherzigen, daß der Weg zu Deutschlands Freiheit nur durch Deutschlands Einigkeit geht.

»Und stehst du dann, mein Volk, bekränzt vom Glücke
in deiner Vorzeit heilgem Siegerkranz,
vergiß die treuen Toten nicht und schmücke
auch unsre Urne mit dem Eichenkranz!“                 
(Theodor Körner)

Bad Bramstedt , den 6. September 1924.

Der Ausschuß für die Errichtung des Ehrenmals

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Das Original von 1921

Die gleiche Skulptur hatte Heinrich Missfeldt schon für die Kirche »Zum guten Hirten« in Berlin Friedenau gefertigt.

»Nach dem Ersten Weltkrieg errichtete die Gemeinde ein von Heinrich Mißfeldt geschaffenes Denkmal für ihre gefallenen Mitglieder. Wegen der großen Zahl der Gefallenen ließ man den Plan fallen, Namenstafeln an den Wänden der Kirche anzubringen. Das Denkmal besteht aus einer überlebensgroßen trauernden Frauenfigur, die – mit gefalteten Händen kniend – auf einen vor ihr liegenden, lorbeergeschmückten Stahlhelm blickt. In der Mitte des Sockels befindet sich ein Schränkchen zum Aufbewahren des Ehrenbuchs mit den Namen der Gefallenen. Das Ehrenmal sollte ursprünglich in der Eingangshalle aufgestellt werden. Wegen einer Heizungsinstallation wurde dann die der Kanzel gegenüberliegende Nische hergerichtet. Das Denkmal wurde am 16. April 1921 enthüllt. Weil bei den Umbauarbeiten zur Vergrößerung des Altarraums die Nischen später zugemauert wurden, steht das Ehrenmal jetzt im Kirchenschiff direkt beim Eingang links an der Wand.«

Nach Wikipedia, 9. 11. 2016

 

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Foto: Bodo Kubrak / Wikimedia Commons


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Der Bildhauer

Heinrich Missfeldt wurde am 20. Dezember 1872 in Suchsdorf bei Kiel geboren und starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.

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Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Bad Segeberg, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.

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Denkmal für die Opfer des 2. Weltkriegs

Links hinter dem Missfeldt-Denkmal erreicht man über eine sieben- und eine vierstufige Treppe die Denkmalsanlage für die Toten des 2. Weltkriegs. Über einem Sockel aus gelben Backsteinen erheben sich sieben gemauerte Stelen, die am oberen Rand die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs mit aufgesetzten Metallziffern tragen. Der Gartenbauarchitekt Gustav Lüttge aus Hamburg hat das Denkmal entworfen, er übernahm auch die Bauleitung. Am Volkstrauertag 1957 wurde es eingeweiht.

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Jan-Uwe Schadendorf schreibt:

»In den Bramstedter Nachrichten vom 15. und 18.11.1957 erschienen folgende Beiträge zur Einweihung des Denkmals der im Kriege 1939-45 Gefallenen. Es fällt auf, dass von 12 Millionen Kriegstoten die Rede ist, was wohl die deutschen meint und nicht die anderer Staaten.«

15.11.1957:
Die Arbeiten beim neuen Ehrenmal im Herrenholz sind soweit vorgeschritten, daß das Mauerwerk – der Säulengang – fertiggestellt ist. Im Augenblick wird der Weg gepflastert. Der Gestalter des Ehrenmals, Gartenarchitekt Lüttge, Hamburg, konnte sich kürzlich von den guten Fortschritten beim Bau des Ehrenmals überzeugen. Herr Lüttge, der auch die Gesamtleitung des Baues inne hat, bedankt sich sehr herzlich bei dem Ehrenmalausschuß für die bisher geleistete Arbeit.

Am kommenden Sonntag, dem 17. November 1957 – am Volkstrauertag – wird mit dem Schlußstein eine Kassette eingemauert, die eine Urkunde, die Protokolle des Ausschusses für Errichtung eines Ehrenmals 1939/45 sowie verschiedene Schriftstücke, Bilder und Zeitungen‚ enthält. Die Einmauerung findet im Anschluß an die Feierstunde anläßlich des Volkstrauertages statt.

Im kommenden Frühjahr werden die gärtnerischen Arbeiten in Angriff genommen. Wenn dann das neue Ehrenmal endgültig seiner Bestimmung übergeben werden kann, dann wird es eine Gedenkstätte sein, die mustergültig und beispielhaft dasteht! Der Beauftragte der Landesregierung Schleswig-Holstein, Regierungsbaurat Rose, hat bereits das Bramstedter Ehrenmal als vorbildlich hingestellt! Darüber hinaus aber wird es eine würdige Gedenkstätte sein, die unserer heutigen Einstellung zum Tode entspricht.

 

18.11.1957:

Schlußstein Ehrenmal 1939-1945 gelegt

Gestern vormittag wurde im Anschluß einer Feierstunde zum Volkstrauertag der Schlußstein in das Mauerwerk des Ehrenmals 1939—1945 gesetzt. Die Abordnungen der Bramstedter Verbände, unter ihnen Bürgermeister Gebhardt und Gartenarchitekt Gustav Lüttge, der Gestalter des neuen Ehrenmals, nahmen daran teil. Der Vorsitzende des »Ausschusses für Errichtung eines Ehrenmals 1939—1945«, Otto Kruse, wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung dieses Augenblicks hin. Zur Erinnerung an diesen Tag wurde mit dem Schlußstein eine kupferne Kassette für die Nachwelt eingemauert. Die Kassette hat dankenswerter Weise Klempnermeister Heinrich Kiel, Bad Bramstedt, dem Ausschuß zur Verfügung gestellt. In der Kassette befanden sich eine Ausgabe der »Bramstedter Nachrichten« vom 15. 11. 1957 (Nr. 267), die Protokollhefte des Ehrenmalausschusses, 5 Anteilscheine und 30 Sammlerausweise von der Sammlung für das Ehrenmal, eine Zeitschrift »Garten und Landschaft«, in der Regierungsbaurat Rose, Kiel, das Ehrenmal als mustergültig hinstellt, zwei Fotografien vom Arbeitseinsatz beim Ehrenmal sowie eine Urkunde des Ehrenmalausschusses.

Die Urkunde, die Otto Kruse verlas, hatte folgenden Wortlaut:

Urkunde

zum Ehrenmal für die Opfer des zweiten Weltkrieges 1939 –1945 der Stadt Bad Bramstedt.

Am 13. Januar 1954 wurde in Bad Bramstedt von den Vertretern der Vereine, Verbände, Schulen und andere Körperschaften ein Ausschuß gewählt, der den Auftrag erhielt, für die Opfer des 2. Weltkrieges ein Ehrenmal vorzubereiten und zu errichten.

Dieser Ausschuß bestand aus folgenden Personen:
Vorsitzender: Otto Kruse – als Vertreter des »Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge«
Schriftführer: Otto Schnepel – als Vertreter der Bramstedter Gesangvereine
Kassenführer: Fritz Rettke – als Vertreter des »Verbandes deutscher Soldaten«
Beisitzer: Heinrich Papke – als Vertreter des »Bundes vertriebener Deutscher«
Herbert Brauer – als Vertreter des »Reichsbundes der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner u. Hinterbliebenen«
Werner Sandow – als Vertreter des Heimkehrerverbandes

Der Entwurf zum Ehrenmal stammt von dem Gartenarchitekten Gustav Lüttge, Hamburg 36, Warburgstraße 33, der auch die Gesamtleitung der Bauarbeiten inne hatte. Die Mittel zur Erstellung dieses Ehrenmals wurden durch freiwillige Spenden aus allen Bevölkerungskreisen der Stadt Bad Bramstedt aufgebracht. Die Erdarbeiten und der größte Teil der notwendigen anderen Arbeiten sind im freiwilligen Arbeitseinsatz von den Bramstedter Vereinen, Verbänden, Schulen und Handwerkern unter Leitung von Otto Kruse getätigt worden.

Die Einmauerung dieser Urkunde erfolgte am Sonntag, dem 17. November 1957 – am Volkstrauertag. Mit dieser Urkunde wurden die Protokolle des Ausschusses, verschiedene Schriftstücke, Bilder u. Zeitungen eingemauert.

Zur Zeit der Erbauung dieses Ehrenmals war
Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland: Theodor Heuß,
Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland: Konrad Adenauer,
Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein: Kay Uwe von Hassel,
Landrat des Kreises Segeberg: Dr. Alnor,
Bürgervorsteher der Stadt Bad Bramstedt: Otto Kruse,
Bürgermeister der Stadt Bad Bramstedt: Heinrich Gebhardt.

Unerbittlich hat das Schicksal im zweiten Weltkrieg 1939 – 1945 zugeschlagen, ohne Ansehen der Person, ob arm oder reich, Nord- oder Süddeutscher, Bürgerlicher oder Sozialist, ob evangelisch oder katholisch – alle sind sie unter der Sense gefallen. Es traf nicht nur die wehrhafte Mannschaft, sondern auch Mütter und Mädchen, Greise und Kinder. Zwölf Millionen fielen in beiden Weltkriegen an den Fronten, im Bombenhagel der Städte, auf der Flucht oder hinter dem Stacheldraht der Gefangenenlager.

Trotz Kriegs- und bitterster Nachkriegsjahre hat das deutsche Volk nicht verlernt, seine Gefallenen zu achten und zu ehren. Ein Volk, das seine Toten nicht mehr ehrt, hat seine Kraft und damit seine Daseinsberechtigung verloren!

Das hier erbaute Ehrenmal soll sein eine Mahnung an das lebende Geschlecht und deren Nachkommen, die Opfer des Krieges nicht zu vergessen! Die Toten mahnen! Sie mahnen zum Frieden! So soll das Ehrenmal auch sein ein Mahnmal für den Frieden!

»Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht,
daß Frieden bleibe,
Frieden zwischen den Menschen,
Frieden zwischen den Völkern!«
(Bundespräsident Prof. Theodor Heuß)

Bad Bramstedt, den 17. November 1957

Der Ausschuß für Errichtung des Ehrenmals 1939—1945

Nach Verlesung dieser Urkunde wurde die Kassette von Herrn Heinrich Kiel zugelötet und dann mit dem Schlußstein eingemauert. Abschließend rief Otto Kruse die Versammelten auf, auch weiterhin dem Ehrenmalausschuß in seiner Arbeit zu unterstützen.

 

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Einer der Anteilsscheine, über die Spenden für das Denkmal eingeworben wurden.

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Wir danken sehr herzlich Jan-Uwe Schadendorf, der uns erlaubte, Zeitungsartikel, Texte der Urkunden und zwei der historischen Fotos zu zeigen, die auf seiner Website verwendet werden. Lesen Sie mehr auf:

>> www.alt-bramstedt.de

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Bad Segeberg

Neben dem Turmeingang zur Marienkirche und dem Friedhof

Das Kriegerdenkmal aus Muschelkalk steht heute zwischen der Treppe für Fußgänger und Auf- und Abfahrt für Fahrräder und Rollstühle. Der Berliner Bildhauer Heinrich Missfeldt (1872 - 1945) hat es entworfen. Am 26. November 1922 wurde es eingeweiht.


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Auf dem vielstufigen Sockel in der Form eines Sarkophags liegt hingesunken ein nackter Soldat mit einem Stahlhelm auf dem Kopf und einem abgebrochenen Schwert in der rechten Hand, den muskulösen Körper notdürftig mit einem Umhang bedeckt. Die ehemals weiße Skulptur ist jetzt grün bemoost. Man sieht keine Verletzung, trotzdem hat die Statue den Namen »Sterbender Krieger« erhalten.

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An der Seite des Sarkophags ist heute über einem großen christlichen Kreuz eingraviert:
Den Toten der Kriege

Darunter:
Die Kirchengemeinde Segeberg

Auf einer Stufe unter dem nackten »Helden« läuft als Spruchband rundherum der Bibelvers Johannes 15.13 in der Fassung der Lutherbibel von 1912:
Niemand hat grössere Liebe
denn die
dass er sein Leben lässt
für seine Freunde

Zwischen die Wörter ist jeweils ein achtstrahliger Stern gesetzt, um die kurze Seite mit »denn die« aufzufüllen, sind rechts und links waagerechte Ankersymbole angefügt.

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An der gegenüber liegenden kurzen Seite ist über dem Wort »Freunde« die Signatur des Bildhauers Missfeldt eingraviert.

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Vor einigen Jahren war der »Sterbende Krieger« noch nicht von Verkehrswegen umschlossen ...

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Foto: Sönke Rahn / Wikimedia Commons

... und errichtet wurde das Denkmal 1922 an der Längsseite der Kirche in einer kleinen Parkanlage, die den 1909 geschlossenen Friedhof vor der Kirche ersetzt hatte und die heute nur Rasenfläche ist. Am 4. Oktober 1916 war dort die Parkanlage als »Ehrenfriedhof« eingeweiht worden: »Geplant ist hier an dieser Stätte für all die Gefallenen unserer Gemeinde ein größeres Denkmal nach Beendigung des Krieges (aus dem Segeberger Kreis- und Tageblatt, 6. Oktober 1916). Die Parkanlage wurde von Carl Ernst Friedrich Stämmler (1839 - 1926), Kunst- und Handelsgärtner und Stadtrat angelegt. Von 1906 bis 1920 gehörte er der Kirchengemeinde Segeberg an. Auf dem Luftbild von 1935 ist das Denkmal ganz rechts unten zu sehen, das Bild darunter hat der Segeberger Fotograf Antonius Dellgrün (1888 - 1973) im Jahr 1932 gemacht. Dellgrün wurde am 12. März 1933 bei den Wahlen zum Segeberger Stadtparlament als NSDAP-Mitglied zum Stadtvertreter gewählt und blieb es bis Kriegsende.

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SH Segeberg alt gesamt web

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Alte Postkarte

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Auf diesem Foto von 1927 kann man erkennen, dass die Frontseite des Denkmals ursprünglich anders gestaltet war. In der Schrifttype Leipzig Fraktur stand dort:

Unseren teuren Gefallenen
die Kirchengemeinde Segeberg

Darunter als Schmuckelement zwei gekreuzte Eichenzweige. Auch der Bibelvers Johannes 15.13 auf dem umlaufenden Spruchband war früher in der alten Schrift graviert und hatte vermutlich zwischen den Wörtern ein anderes Schmuckelement.

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Die Geschichte

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wollten die Segeberger den toten Soldaten ein Denkmal setzen. Von den 14 eingegangenen Entwürfen waren alleine drei von Heinrich Missfeldt: »Sterbender Krieger«, eine trauernde Frauengestalt (siehe Kriegerdenkmal in Bad Bramstedt) und eine Säule gekrönt wahlweise von einem Adler oder einem Eisernen Kreuz (siehe das ehemalige Kriegerdenkmal in Bokel, Kreis Pinneberg). Vom 2. bis 4. Mai 1922 waren die Entwürfe im Gewerbevereinshaus ausgestellt. Ende April 1922 traf sich der Denkmalsausschuss: »Zunächst war die Frage zu prüfen, ob die schlanke Säule, Obelisk oder Pyramide oder ob ein breites wuchtiges Denkmal vorzuziehen sei« (Segeberger Kreis- und Tageblatt). Wichtig war den Ausschussmitgliedern die Wirkung des zukünftigen Denkmals, die es nach allen Seiten entfalten sollte. Das Denkmal des schließlich an Hand eines Tonmodells des Bildhauers Heinrich Missfeldt erwählten »Sterbender Krieger« kostete 80 000 Mark. Um diese Summe aufbringen zu können wurde eifrig die Spendentrommel gerührt. Größere Summen kamen von ehemaligen Segebergern, die mittlerweile in den USA oder Dänemark lebten. Eugen Bornhöft aus Chicago zum Beispiel spendete 15 000 Mark. Auch der Segeberger Bankdirektor Heinrich Harck, Mitglied im Denkmalsausschuss, gab eine größere Summe. Am 14. November 1923 löste sich der Denkmalsausschuss auf.

Am 25. Oktober 1964 wurde das Denkmal dann an einen Platz nahe dem Turmeingang der Marienkirche umgesetzt, wo es auch heute noch steht. Die erste Gedenkfeier am neuen Platz fand anlässlich eines Treffens des Traditionsverbandes der ehemaligen 110 I.D. statt. Der Kommandeur des Panzergrenadierbatallions 182 Oberstleutnant Fahrenkamp übernahm durch Tagesbefehl die Patenschaft für das »Ehrenmal«.

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Die Einweihung

Am frühen Nachmittag des 26. November 1922, am Totensonntag, wurde das Denkmal eingeweiht. Zahlreiche Militärvereine, der Segeberger Kampfgenossenverein von 1870/71, Abordnungen von Sportvereinen und Schulen und die Mitglieder der Segeberger Liedertafel waren auf dem Marktplatz angetreten und marschierten in Reih und Glied unter Trommelwirbel und Glockengeläut von der Marienkirche zum geschmückten Denkmal.

»Nachdem der Sängerclub 1870/71 und die Liedertafel Segeberg das Lied ›Dem Andenken der Gefallenen‹ gesungen hatten, übergab der Vorsitzende des Segeberger Militärvereins und Schriftleiter Rudolph Jacoby das Denkmal der Stadt Segeberg, im Namen des Denkmalsausschußes, allen die zum Bau des Denkmals beigetragen, dem Künstler, Bildhauer Mißfeldt, Berlin, der zur Feier erschienen war, für das Werk den Dank des Ausschußes aussprach und die Jugend ermahnte sich die Gefallenen zum Vorbild zu nehmen, in ihrer Treue und Pflichterfüllung dem Vaterland gegenüber« (Segeberger Kreis- und Tageblatt vom 28. November 1922).

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Wir danken sehr herzlich Peter Sauer aus Bad Segeberg für die historischen Fotos und seine Recherchearbeit, aus der wir zitieren durften.

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Der Bildhauer

Heinrich Missfeldt wurde am 20. Dezember 1872 in Suchsdorf bei Kiel geboren und starb am 27. Oktober 1945 in Torgau.

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Seine Eltern waren der Ziegeleibesitzer Detlef Missfeldt und Elsabe Sinn. Nach einer Lehre als Holzbildhauer in Kiel ging er zum Studium nach Berlin. Viele Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein wurden in seinem Berliner Atelier entworfen. Zum Beispiel das in Hörnerkirchen, Glückstadt, Bad Bramstedt, Bokel (zum Teil abgetragen), Garding, Husum, Kappeln und Kiel.

1936 entwarf er Reliefbilder vom Kopf Hermann Görings und Adolf Hitlers, 1937 wurden sie in der Lehrgießerei des Lautawerks der Vereinigte Aluminium-Werke AG hergestellt – Sandguss, Aluminium, poliert.

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Bebensee, Kreis Segeberg

Gepflegt in der Dorfmitte

Das Kriegerdenkmal wurde kunstvoll aus Natursteinen gemauert und mit einer Metalltafel versehen. Es liegt an der Hauptstraße in der Nähe des Feuerwehr- und Gemeindehauses.


SH Bebensee gesamt


Inschrift:
Eisernes Kreuz mit Eichenlaub und Lorbeerzweig
1914-18 . 1939-45
Uns rief das Va / terland in seiner / Not . Wir zogen / aus zum frühen / Tod . Wir taten / unsere Pflicht. / Vergesst uns nicht!

SH Bebensee Stein

1955 wurde das Denkmal von Propst Jäger aus Bad Segeberg geweiht. Es werden keine Namen genannt.

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Geschichte

... Traurig war die Rückkehr der Armee aus dem Feld. Um den am Weltkrieg teilgenommenen Soldaten den Dank des Dorfes darzubringen, veranstaltete der Lehrer am 11. Oktober 1919 ein »Kriegerfest«. Das ganze Dorf beteiligte sich an dem Fest, an dem Ansprachen gehalten, Lieder gesungen und Gedichte vorgetragen wurden. ... (Seite 116)

... 1933. Es wurde ein Antrag gestellt, zu Ehren der gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges ein Ehrenmal zu errichten, dazu einen Platz herzurichten, auf dem eine Eiche gesetzt werden konnte. Beiden Anträgen wurde entsprochen. Das Ehrenmal und die Eiche wurden auf dem Dreieck vor dem Hause Hugo Möller sen. gesetzt. Doch nach dem 2. Weltkrieg wurde die Gedenkstätte aufgehoben. ... (Seite 124)

... 1955 wurde im Rahmen einer besonderen Feierstunde das Ehrenmal der Gemeinde für die Toten beider Weltkriege von Propst Jäger, Bad Segeberg geweiht. ... (Seite 159)

Zitiert aus: »Bebensee vor und während der Jahrtausendwende«. Eine Chronik von Horst Schumacher, 2005

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Böklund,
Kreis Schleswig-Flensburg

Auf dem Friedhof der Böklunder Kirche

Vier Steinstufen führen vom Friedhof hinter der Kirche hinunter zum heutigen Denkmalsplatz. Der Findlingsstein für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs stand ursprünglich am Friedhofseingang. Nach 1945 wurde der Stein in den hinteren Friedhofsbereich verlegt und Anfang der 50er Jahre erweiterten die Gemeinden Böklund, Stolk und Süderfahrenstedt den neuen Platz um zwei Denkmäler für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

SH Boklund Treppe web

Auf dem vorne und hinten durch ein Steinmäuerchen bzw. eine Steinreihe abgerundeten Platz steht in der Mitte ein hohes Holzkreuz auf einem Natursteinfundament. Rechts davon wurde ein Findling für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs ebenfalls auf ein gemauertes Natursteinfundament gesetzt. Er erhielt unter einem eingravierten Eisernen Kreuz die Inschrift:
Ihren im Weltkriege 1939-1945 gebliebenen Söhnen
Die dankbare Heimat

Alle, die gefallen in Meer und Land, sind, Herr, gefallen in deine Hand.

SH Boklund Detlef Tauscher web

Der umgesetzte Findling trägt, ebenfalls unter einem Eisernen Kreuz, die Inschrift:
Ihren im Weltkriege 1914-1918 gebliebenen Söhnen
die dankbare Heimat

Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde.

SH Boklund 1WK web

Auch in diesen gemauerten Sockel sind, wie in die beiden anderen, Metallplatten mit den Namen der toten Soldaten eingelassen, geordnet nach den Gemeindeteilen, in denen sie gewohnt hatten. 46 Namen für die Toten des 1., 154 Namen für die Toten des 2. Weltkriegs.

SH Boklund Kreuz web

SH Boklund Fuss web

Wir danken herzlich Herrn Pastor Detlef Tauscher, der diese Fotos nach dem Volkstrauertag 2014 aufgenommen hat.

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Bosau, Kreis Ostholstein

Am Garten des Pastorats der St.-Petri-Kirche

In einem wunderschönen Staudenbeet stehen drei Gedenksteine. Links daneben sind in eine Natursteinmauer fünf Platten eingelassen: zwei helle Namensplatten und drei dunklere mit Inschriften.

SH Bosau gesamt web
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Die Findlinge

SH Bosau Stein Wir web

Inschrift: 1914 1918 (Eisernes Kreuz) Wir für Euch

 

        SH Bosau rechts web

Inschrift: 1939 - 1945 (Eisernes Kreuz) Jesus für uns

Die Inschriften auf den beiden Steinen sind im Aufbau gleich gestaltet, die Formulierungen entsprechen sich. Das ist kein Zufall. Der Kriegstod der Soldaten (Wir für Euch) wird gleichgesetzt mit dem Kreuzestod Christi (Jesus für uns), als Opfertod für die Menschheit. Die Soldaten haben sich ebenfalls »für uns« geopfert, ihr Tod ist deshalb gerechtfertigt.
Diesen Gedanken findet man oft auf Kriegerdenkmälern, meistens sind sie von Kirchengemeinden wie hier oder auf Friedhöfen aufgestellt. Er ist als Trost für die Angehörigen der getöteten Soldaten gedacht, ist aber nie mit einer kriegskritischen Haltung verbunden, sondern will dem Kriegstod einen Sinn geben.

 

        SH Bosau Heimat web

Dazwischen steht der große, hohe Stein der Heimatvertriebenen:

Heimat
Niemals vergessen
Niemals verzichten
du bleibst deutsch
Die Heimatvertriebenen der Gem. Bosau
1952

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Die Mauer

SH Bosau St Mauer web

Die dunklen Tafeln haben von links nach rechts die Inschriften:
1914 - 1918
Unseren lieben Gefallenen
1939 - 1945

Die hellen Tafeln tragen Name und Sterbetag von 19 toten Soldaten aus dem 1. Weltkrieg.

Im Hintergrund rechts sieht man die eingerüstete St.-Petri-Kirche

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Der Kriegerverein Bosau

(Kampfgenossenverein von 1870/71

Das sogenannte »Sedanfest« wurde am 7. September 1879 gefeiert. Auf dem Programm standen auch die Übergabe und die Weihe der Fahne. Die von den Damen der Gemeinde Bosau gestiftete Fahne wurde dem am 11 August 1878 gegründeten Kampfgenossenverein übergeben. Leider verbrannte diese Fahne am 22. Mai 1890 bei einem Großfeuer in Hassendorf. Im September 1900 erhielt der Kriegerverein eine völlig gleiche Fahne mit der Aufschrift: »Gehorsam, Treue, Tapferkeit des deutschen Kriegers Ehrenkleid«. Sie wurde in der Bosauer Kirche durch Pastor Piening geweiht.

Aus der Hutzfelder Chronik von Helmut Schröder

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Historisches Foto

Anfang der 50er-Jahre sah die Denkmalsanlage so aus:

SH Bosau 50er Jahre web


Später wurde das christliche Kreuz zwischen den Steinen: »1914 1918 / Wir für Euch« und »1939 - 1945 / Jesus für uns« durch den Stein der Heimatvertriebenen »Heimat / Niemals vergessen / Niemals verzichten / du bleibst deutsch« ersetzt. Die Anlage wurde insgesamt umgestaltet. Wurde auch der Ort gewechselt?

Wir danken Herrn Helmut Schröder aus Hutzfeld für das Foto.

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Brackrade, Kreis Ostholstein

An der T-Kreuzung des Dorfes

Durch ein mit Eisernen Kreuzen verziertes Tor betritt man eine Anlage, die mit behauenden Feldsteinen erbaut wurde. Von vorne und den Seiten führen vier Stufen auf den Denkmalsplatz.

SH Brackrade seitlich web

In eine vierstufige Pyramide mit oben aufgesetztem Eisernen Kreuz sind in der Mitte zwei Steinplatten eingefügt. Die größere trägt über den 18 Namen der im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten die Inschrift:
1914   STARBEN   1918
FÜR IHR VATERLAND

SH Brackrade gesamt web

Auf der nächsten Stufe darunter steht:
EHRENVOLL FÜR EINE GUTE SACHE IST DER TOD

 

             SH Brackrade Inschrift web

Vor der Pyramide liegt ein Feldstein mit der sehr verwitterten Aufschrift:
Unseren Toten 1939 – 1945

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Hinterm Schilderwald liegt das Kriegerdenkmal:

SH Brackrade Schilder web

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I N H A L T
Das Denkmal
Ehrung der SS
Die Inschrift
Die Geschichte in Bildern
Erhebung Schleswig-Holsteins
Deutsch-Französischer Krieg
Der Soldat im Wald

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Breiholz, Kreis Rendsburg- Eckernförde

An der Hauptstraße

Die große gepflegte Denkmalsanlage ist hauptsächlich den getöteten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs gewidmet.

SH Breiholz weiter web

Eine kunstvolle Mauer aus bunten Feldsteinen mit schmiedeeisernem Schmuck grenzt die Anlage von der Durchgangsstraße ab. Durch eine verzierte Pforte gelangt man auf das großzügige Gelände.

SH Breiholz Anlage web

Auf einem Sandweg geht man auf das Hauptdenkmal zu, vorbei an zwei gemauerten Feldsteinbottichen für Blumen. Der mittlere Teil des Denkmals besteht aus einem zweistufigen Feldsteinsockel mit aufgestelltem Findling. Die Seitenflügel tragen die Namenstafeln, wie wir später sehen werden, sind die Flügel nachträglich angesetzt worden.

SH Breiholz Denkmal web

Die Inschrift auf dem Findling unter einem Eisernen Kreuz in Kontur:

1914 - 18
1939 - 45

SH Breiholz Inschrift web

Auf der eingelassenen schwarzen Steintafel darunter die Inschrift:

Sie kämpften
Sie starben
Sie leben

 

SH Breiholz links 1WK web

Auf dem linken Flügel sind die drei Namenstafeln der 44 getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs eingelassen. Sie werden mit Dienstgrad (abgekürzt), Vor- und Nachnamen und Sterbedatum genannt. Dafür wurden die alten Tafeln des ursprünglichen (siehe weiter unten) Denkmals verwendet. Weil im 2. Weltkrieg doppelt so viele Soldaten getötet oder vermißt wurden und die Tafeln auf beiden Flügeln gleich hoch sein sollten, fügte man kurzerhand je eine Ergänzungstafel mit zwei Namen von Soldaten aus dem 2. Weltkrieg unten an.

SH Breiholz rechts web

Auf den drei Tafeln des rechten Flügels nun also die restlichen 82 getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs wieder mit Dienstgrad (abgekürzt), Vor- und Nachnamen und Sterbedatum. Von den 88 Soldaten gelten 31 als vermißt.

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Ehrung der SS

Für die Dienstgradbezeichnung der Mitglieder der SS aus Breiholz wird auf den Tafeln des Denkmals die Siegrune benutzt.

SH Breiholz rechts SS1

SH Breiholz rechts SS2

SH Breiholz links 1WK SS

Ursprünglich ist die Siegrune die Bezeichnung für ein Zeichen der völkischen Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts.

In der Zeit des Nationalsozialismus war die einfache Siegrune das Emblem des Deutschen Jungvolks in der Hitler-Jugend. Die aus der Sturmabteilung ausgegliederte Schutzstaffel (SS) der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei wurde zunächst mit den Anfangsbuchstaben SS bezeichnet, später schrieb und druckte man diese zwei Buchstaben stets in Runenform. Manche Schreibmaschinen jener Zeit hatten eine Sondertype für das gezackte SS. Durch ihre geschickte Proportionierung sollten sie offenbar einen Ausdruck von Dynamik sowie Bedrohlichkeit erwecken. Von der SS wurde die doppelte Siegrune als Symbol auf ihrer so genannten »Hausfahne« sowie auf Kraftwagen-Standern verwendet. Ferner fand man sie auf Kragenspiegeln und Stahlhelmen der Waffen-SS.

Neben dem Hakenkreuz ist die Siegrune das Symbol, das am deutlichsten auf nationalsozialistische Vorstellungen oder Absichten hinweist. Nach § 86a StGB ist die Verwendung dieses Zeichens strafbar. Mit geringfügigen Änderungen der graphischen Ausformung versuchen Gestalter einschlägiger rechtsextremer CD-Cover und Aufnäher das Verbot zu unterlaufen. Außerhalb der Bundesrepublik Deutschland benutzen aktive Neonazis das Zeichen weiterhin sehr offen.

Nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017

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Die Inschrift

So wird sie 1921 in ein Bild übersetzt, das den Kriegswitwen und -waisen Spendengeld einbringen soll:

Hambuger Warte 1a web

Rückseite:

Hambuger Warte 1b web

Diese Gutscheine wurden vom Verlag der Wochenzeitung »Hamburger Warte« verkauft. Am 14. Dezember 1918 erschien die erste Ausgabe der »Hamburger Warte«, eine »politische Kampfschrift« gegen Marxismus und Judentum. Herausgeber war Friedrich Carl Holtz (1882 - 1939), ein deutscher, nationalistischer und antisemitischer politischer Schriftsteller und Verleger.

Holtz war zunächst als Beamter im hamburgischen Staatsdienst tätig, schied aber per 31. Dezember 1913 wegen des Vorwurfs der Unterschlagung aus. Nachdem er als Freiwilliger bereits 1900/1901 in Tientsin am Chinafeldzug teilgenommen hatte und kriegsuntauglich zurückgekehrt war, meldete er sich zu Beginn des 1. Weltkrieges erneut freiwillig an die Front. Ende 1918 kehrte er in seine Heimatstadt Hamburg zurück. In seiner Zeitung »Hamburger Warte« wandte er sich u.a. im März 1919 in einer Sonderausgabe mit einer Anklageschrift gegen den »Diktator Heinrich Laufenberg« als Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates. 1922 erfolgte auf der Grundlage des Republikschutzgesetzes wegen eines Hetzartikels zum Rathenau-Mord das Verbot der Hamburger Warte. Holtz wich daraufhin nach München aus und gab dort den »Fridericus« als neue zentrumsfeindliche, antipazifistische und antisemitische Wochenzeitung heraus. Daneben gründete er in Berlin »Die Fackel« als zweite »vaterländische Wochenschrift«. 1929 war er in Hamburg beteiligt an der Gründung der Gewerkschaft Deutsche Hilfe, »damit den Gewerkschaften der Roten die Spitze geboten werde«. Holtz blieb seiner deutschvölkischen und antisemitischen Tradition verbunden und begrüßte mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten das »neue Deutschland«.

nach Wikipedia, abgerufen am 15. 12. 2017

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Die Geschichte in Bildern

Wie so oft, kann man auch in Breiholz von historischen Bildern die Geschichte des Denkmals ablesen. Hier sieht man also das ursprüngliche Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs. Es besteht aus dem zweistufigen Sockel und dem Findling, wie wir es als Mittelteil des heutigen Denkmals kennen.

SH Breiholz Bild1 web

Die Inschrift unter dem Eisernen Kreuz auf dem Findling ist eine andere, leider hier nicht zu entziffern. Die drei Namenstafeln sind vorne und an den Seiten in den Sockel eingelassen. Das Denkmal stand auf einem kleinen gepflasterten Platz und hatte die damals beliebte Abgrenzung aus Pfeilern und Ketten.

 

SH Breiholz Ruckseite web

Auf dem Foto kann man auch heute erkennen, dass die Flügel nachträglich angesetzt worden sind.

 

SH Breiholz Karte web

Damals zierte die Pforte auch ein Eisernes Kreuz, das hat man später entfernt. Vor dem Denkmal standen noch weiße Bänke zum Verweilen.

SH Breiholz 1960er Jahre web

Die beiden letzten Postkarten sind aus den 60er Jahren.

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Erhebung Schleswig-Holsteins

Auf dem Denkmalsgelände sind zwei weitere Steine aufgestellt. Ein kleiner Findling zur »Erhebung Schleswig-Holsteins« am 24. März 1848 mit den Jahreszahlen:

1848 – 51
1898

SH Breiholz 1848 web

Das Emblem darüber wurde herausgebrochen, Der Form nach könnte es das damalige Wappen Schleswig-Holsteins gewesen sein:

SH Breiholz Wappen web

Unter der Krone die Hände zum »Up ewig ungedeelt« verschlungen. Darunter die Zeichen: Zwei Löwen für Schleswig-Flensburg, das Nesselblatt für Holstein, der Reiter für Dithmarschen und der Schwan für Stormarn.

Die Schleswig-Holsteinische Erhebung entstand im Zusammenhang mit den revolutionären Bewegungen 1848 als Konflikt zwischen den nationalistischen Strömungen in Dänemark und Deutschland. Die Schleswig-Holsteiner strebten die gemeinsame Loslösung der beiden Herzogtümer aus dem deutsch-dänischen Gesamtstaat und die Eingliederung beider in den Deutschen Bund an. Die dänischen Nationalisten wiederum strebten einen Nationalstaat an, zu dem nur das Herzogtum Schleswig gehören sollte. Über diesem Konflikt kam es zu einem – mit Unterbrechungen – dreijährigen Krieg (1848 – 1851), bei dem die Schleswig-Holsteiner von den Staaten des Deutschen Bundes unterstützt wurden und an dessen Ende die dänische Seite siegte.

Dem britischen Premier Lord Palmerston (1784 bis 1865) zufolge war die Schleswig-Holstein-Frage so kompliziert, dass nur drei Menschen sich darin auskennen würden: Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzgemahl von Queen Victoria, der schon tot sei, ein Professor, der verrückt geworden sei, und er selbst, doch habe er alles wieder vergessen, sonst wäre er auch verrückt geworden.

1849 errichteten die »Schleswig-Holsteinischen Kampfgenossen« einen Gedenkstein auf dem Alten Friedhof in Flensburg, er sollte die ewige Verbindung zwischen Schleswig und Holstein symbolisieren. 1851 entfernten ihn die dänischen Behörden. 1898, zur Feier des 50. Jahrestages der Eroberung der dänischen Festungsanlagen, wurde ein Abguss des alten Denkmals aufgestellt.

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Deutsch-Französischer Krieg

Ein weiterer Findling trägt eine verzierte eiserne Tafel zum Gedenken an die 13 Kriegsteilnehmer von 1870/71, die aufgesetzten Buchstaben sind allerdings weitgehend abhanden gekommen.

Über den Namen mit Dienstgrad die Inschrift:

Zum steten Gedenken
für Diejenigen
aus der Dorfschaft Breiholz,
welche den deutsch-französischen Krieg
im Jahre 1870 und 71 in Frankreich
mit gemacht haben

Der frühere Standort der Tafel war an der Hauptstraße 99.

 

     SH Breiholz 1870 71 web

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits.

Auslöser war der Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck ließ die Emser Depesche, mit der er darüber informiert worden war, dass König Wilhelm I. die französischen Forderungen abgelehnt hatte, in provokant verkürzter Form veröffentlichen. Dies erregte auf beiden Seiten nationalistische Empörung und veranlasste den französischen Kaiser Napoléon III. am 19. Juli 1870 zur Kriegserklärung an Preußen.

Von den großen Schlachten gingen im gesamten Kriegsverlauf alle für Frankreich verloren oder endeten im Patt. Trotzdem fand sich die französische Regierung erst im Februar 1871, nach dem Fall von Paris, zum Vorfrieden von Versailles bereit. Offiziell endete der Krieg am 10. Mai 1871 mit dem Frieden von Frankfurt, der hohe Reparationen sowie die Abtretung Elsaß-Lothringens durch Frankreich vorsah.

Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Deutschen Krieg von 1864 und 1866 gilt der Konflikt mit Frankreich als dritter und letzter der deutschen Einigungskriege. Noch während seines Verlaufs traten Baden, Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei, der sich mit Wirkung vom 1. Januar 1871 Deutsches Reich nannte. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel „Deutscher Kaiser“ an, Otto von Bismarck wurde erster Reichskanzler. In Frankreich hatte der Krieg nicht nur die endgültige Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich. Beides belastete die deutsch-französischen Beziehungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

nach Wikipedia, abgerufen am 9. 12. 2017

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Der Soldat im Wald

Wenige Kilometer hinter Breiholz beginnt ein Wäldchen in dem in einem privaten Garten aufgebahrt ein steinerner Soldat liegt.

SH Breiholz Soldat3 web

Wie kann man sich das erklären?

SH Breiholz Soldat4 web

Er lag bis 1967 in der »Ehrenhalle« von St. Marien in Flensburg, der ehemaligen Garnisons- und ältesten Stadtkirche Flensburgs. Das 1920 geschaffene Werk ist typisch für die martialischen Kriegerdenkmäler des 1. Weltkriegs.

SH Breiholz Soldat1 web
Foto: PicturePress / Stern 1967 / Ulrich Mack

Im Frühjahr 1967 forderten die drei Pastoren von St. Marien, Gerhard Jastram, Dr. Oswald Krause und Wolfgang Friedrichs die Entfernung des Kriegerdenkmals aus der Kirche. Sie stellten damit das nationalprotestantische Verständnis der lutherischen Kirchen in Frage und die Landeskirche vor eine Zerreißprobe. Die knappe Mehrheit der Pastorenschaft und der Propst standen auf ihrer Seite. Traditionsverbände und Bundeswehr, vertreten durch den Prinzen zu Schleswig-Holstein und die Admiralität der Bundesmarine hielten dagegen.

Der damalige Bundesjustizminister Gustav Heinemann freute sich drei Jahre vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten über die drei Flensburger Pastorenen und schickte ihnen ein Glückwunschschreiben, in dem er sie ermunterte, fest zu bleiben. Er zeigte so erneut seine demonstrativ strikte Haltung gegen das Militär.

SH Breiholz Soldat2 web
Foto: Archiv Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag (shz)

Nach seiner Entfernung war das Kriegerdenkmal zunächst in der Nähe der Marienkirche vergraben worden. 1972 verschenkte es die Gemeinde an die »Arbeitsgemeinschaft der Kriegsopfer- und Kriegsteilnehmerverbände« (VdK). Darum lag der Soldat jetzt im Wald bei Nord-Tackesdorf auf dem Gelände der VdK-Einrichtung »Karl Kappert«, Erholungsheim Heidkate in der Waldstraße 4. Als das Heim geschlossen wurde, kam er samt Grundstück in Privatbesitz.

Lesen Sie mehr auf dieser Website unter »Der Flensburger Denkmalstreit« >Veränderung oder bestellen Sie das Buch »Bruchlinien« von Stephan Linck. Es erschien zum 50. Jahrestag des Flensburger Kirchenstreits, herausgegeben von Broder Schwensen, Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte e.V., Band 83. Für 19,90 Euro bei: >www.stadtgeschichte-flensburg.de

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
Der Hindenburgstein
Die Dolchstoßlegende
Reichskriegerbund »Kyffhäuser«

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Breitenfelde,
Kreis Herzogtum Lauenburg

Vor der Kirche

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs ist ein mächtiger, ca. 6 Meter hoher stumpfer Obelisk aus Natursteinen.

SH Breitenfelde web

Auf der Spitze steht ein Kreuz, einem schlichten Grabkreuz aus Baumstämmen mit übergehängtem Eichenlaub-Kranz nachempfunden.

SH Breitenfelde Kreuz web


Der eingelassene Findling mit glatter Frontseite trägt unter einem konturierten Eisernen Kreuz die Widmung:

Unseren Gefallenen und Vermissten
1914 – 1918   1939 – 1945

Darunter ein Zitat aus der Bibel:

Ich lebe und ihr sollt auch leben
Johannes 14, 19

Zitate aus der Bibel sollen auf vielen Kriegerdenkmälern dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben.

SH Breitenfelde Widmung web


An allen vier Seiten sind schwarze Namenstafeln eingelassen. Geordnet nach den Orten des Kirchspiels sind die Namen und Sterbe- bzw. Vermisstendaten der Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs hintereinander aufgeführt.

SH Breitenfelde Namenstafel web

Vom Hauptweg auf dem Kirchhof geht ein gepflasterter Weg zum Kriegerdenkmal, gegenüber führt der Weg zu einem Findling, der sich im Vergleich zum Kriegerdenkmal sehr klein ausnimmt.

SH Breitenfelde beide web


Unter einem zarten Kreuz steht dort:

Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

SH Breitenfelde Stein web

Auch wenn die Intention der Ergänzung vermutlich darauf abzielte, die Botschaft des Kriegerdenkmals zu relativieren, bewirkt sie doch das Gegenteil.

Die Millionen Opfer des Nationalsozialismus werden in Zusammenhang gebracht mit den Soldaten, die am Verbrechen des Zweiten Weltkriegs beteiligt waren.

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Die Geschichte

Aus der Ortschronik von Hermann Harms (Seite 156):


32 Breitenfelder starben für Kaiser und Reich. Für die 85 Kriegsgefallenen des Kirchspiels wurde 1921 auf dem alten Kirchhof ein Denkmal errichtet. Am Volkstrauertag gedachte alljährlich im Anschluß an den Gottesdienst die Kirchengemeinde vor dem Kriegerdenkmal ihrer Gefallenen – unter Beteiligung des örtlichen Reichskriegerbundes »Kyffhäuser«. Bei der traditionellen Gedenkfeier erfuhren die stolzen Worte Hindenburgs, die er 1918 sprach, verbal oder in Gedanken eine tröstende und erhebende Neubelebung: »Aufrecht gehen wir aus dem Kampf, den wir über vier Jahre gegen eine Welt von Feinden geführt haben.«

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Der Hindenburgstein

SH Breitenfelde Hindenburgstein web

Der Stein zu Ehren von Hindenburgs 70. Geburtstag neben dem Kriegerdenkmal in Breitenfelde.

SH Breitenfelde Paul von Hindenburg 1914 web

• Foto aus dem Jahr 1914

Paul von Hindenburg (2.10.1847 - 2.8.1934) war ein deutscher Generalfeldmarschall und Politiker. Im 1. Weltkrieg übte die von ihm geführte Oberste Heeresleitung von 1916 bis 1918 quasi diktatorisch die Regierungsgewalt aus. Hindenburg wurde 1925 zum zweiten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt. Hindenburg bekam zunächst im Zusammenhang mit seinen Verdiensten im 1. Weltkrieg Ehrenbürgerschaften verliehen. Insbesondere anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 1917 sprachen mehrere Städte diese Ehrung aus, an vielen Orten wurden »Hindenburgsteine« aufgestellt.

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 (»Machtergreifung«) gingen erneut zahlreiche Städte des Deutschen Reichs dazu über, ihn, neben führenden Politikern der NSDAP, trotz fehlenden Ortsbezugs zu ihrem Ehrenbürger zu ernennen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden diese Ehrungen von einzelnen Städten wieder aberkannt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 28. Februar 2017

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Die Dolchstoßlegende

Nach der Niederlage [im 1. Weltkrieg], die im Nachhinein durch die so genannte »Dolchstoßlegende« von vielen Deutschen bereitwillig uminterpretiert wurde, und dem Versailler Vertrag entwickelte sich zu Beginn der 1920er Jahre in vielen Köpfen eine Trotz-Haltung, ein »Jetzt erst recht«-Gedanke, der Kritik an der deutschen Kriegspolitik nicht zuließ.

Die »Dolchstoßlegende« ist eine Verschwörungstheorie der damaligen politisch Rechten, die 1919 von Feldmarschall Paul von Hindenburg, der unfähig war, sich das eigene Versagen bei der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg einzugestehen, zusätzlich genährt wurde. Sie besagt, dass das deutsche Heer »im Felde unbesiegt« war, aber die Heimat ihm durch die Agitationen der politischen Linken und die Revolution 1918 in den Rücken gefallen sei. Diese Theorie entbehrt jeder berechtigten historischen Grundlage, sie stieß jedoch bei vielen Deutschen auf offene Ohren und trug, von den Nationalsozialisten bereitwillig aufgegriffen, schließlich auch zum Scheitern der Weimarer Republik bei. (Vgl. Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte. Bonn 2002.)

Aus Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Reichskriegerbund »Kyffhäuser«

Der »Kyffhäuser-Bund der Deutschen Landes-Krieger-Verbände« führte diesen Namen seit dem 2. Mai 1900. Die Gesamtzahl der Stimmen im »Kyffhäuser-Bund« betrug 61, welche sich auf 27 deutsche Landesverbände mit 30 651 Vereinen und 2 703 772 Mitgliedern verteilten (1913).
Die Zeit des neuen Kyffhäuserbundes bis zum 1. Weltkrieg war, neben der Pflege der Kameradschaft und Wahrung alter Traditionen, geprägt von ideologischen Auseinandersetzungen mit der erstarkenden Sozialdemokratie. »Für Gott, König und Vaterland – Gegen die Sozialisten«. Nach dieser Devise handelten die deutschen Kriegervereine, der Sozialismus wurde als innerer nationaler Feind angesehen. Eine vom Vorstand des Deutschen Kriegerbundes bereits im Jahre 1888 herausgegebene Schrift bezeichnete ehemalige Soldaten, die sich zur Sozialdemokratie bekannten, als ihrem Fahneneid untreu und daher als unwürdig zu betrachten seien, den Kriegervereinen anzugehören. Dieser Kampf, besonders nach den Ergebnissen der Reichstagswahl 1903, rückte immer mehr in den Vordergrund und wurde schließlich von den Kriegervereinen selber als ihre wichtigste Pflicht betrachtet. Erst mit Beginn des 1. Weltkrieges hob der Kyffhäuserbund unter Zustimmung aller Landesverbände im Mai 1915 diese Satzungsbestimmung auf. Ein Zugeständnis auf die parteilose Kameradschaft auf den Schlachtfeldern.
Mit Ende des Krieges, der gleichzeitigen Auflösung der Monarchie und dem Chaos der Nachkriegszeit lebten die ideologischen Differenzen verstärkt wieder auf. Wenn auch viele ehemaligen Soldaten das Ende der Monarchie als Verrat ansahen und darüber enttäuscht und wütend waren, viel schlimmer wurde der »Schandvertrag« von Versailles angesehen.
Am 13./14. September 1919 fand die erste Vertreterversammlung nach dem Krieg statt. Es galt, neue Ziele und Wege zu finden, die dem verlorenen Krieg und der aufgelösten Monarchie Rechnung trugen. Der Präsident des Kyffhäuserbundes, Excellenz von Heeringen, bekräftigte nochmals in seiner Eröffnungsrede die Kyffhäuser-Idee. Es sei die Aufgabe des Kyffhäuserbundes, dem Kaiser und den Fürsten treue Erinnerung zu bewahren und nationales Pflichtbewusstsein zu leben. Deutsch leben und Deutsch denken hieß die Devise. Als äußeres Zeichen diesen Gedankens übertrug der Kyffhäuserbund dem Generalfeldmarschall von Hindenburg die Ehrenpräsidentschaft.

Ab 1922 – Deutscher Reichskriegerbund »Kyffhäuser«

1925 war ein besonderes Jahr für den Kyffhäuserbund. Erstmals fand ein gesamtdeutscher Kriegertag statt. Der Anklang bei den Veteranen war so groß, dass dieser Tag in den darauf folgenden Jahren wiederholt stattfand.
Auf der Kyffhäusertagung vom 7. Mai 1933 in Berlin bekannte sich der damalige Präsident mit dem ganzen Kyffhäuserbund zu Adolf Hitler und besiegelte damit das Ende der bis dato selbständigen Landesverbände. Die parlamentarische Vereinsführung wurde abgeschafft. An die Stelle des Mehrheitsbeschlusses trat die Führeranordnung. Eine Bundestracht mit Kyffhäusermütze und Kyffhäuserarmbinde wurde eingeführt, dazu musste die Hakenkreuz-Armbinde getragen werden.
Der Abschluss der inneren Organisation erfolgte am 1. April 1937 mit der Neugliederung des Kyffhäuserbundes, der in 13 Landesgebiete (nicht mehr Landesverbände) eingeteilt wurde. Diese entsprachen jetzt den Oberabschnitten der SS.

Ab 1938 – NS-Reichskriegerbund (»Kyffhäuserbund«) e.V.

Mit der Verordnung vom 4. März 1938 wurden alle anderen Soldatenbünde in den NS-Reichskriegerbund eingegliedert. Am 3. März 1943 löste Adolf Hitler den Kyffhäuserbund auf Reichsebene auf. Anlass war die verlorene Schlacht von Stalingrad. Das Vermögen wurde der NSDAP übertragen und die weiter bestehenden lokalen Vereine, die in der Endphase des 2. Weltkriegs den Grundstock für die Volkssturm-Einheiten bildeten, der Partei unterstellt.

Nach 1945

Durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 (Auflösung und Liquidierung der Naziorganisationen) vom 10. Oktober 1945 werden alle Organisationen und Einrichtungen, die der nationalsozialistischen Herrschaft gedient haben, »abgeschafft und für ungesetzlich erklärt«, so unter anderem auch der NS-Reichskriegerbund.
1952 begann die Wiedergründung des Verbandes mit allen Landesverbänden. Heute betont er seine Rolle als Reservisten- und Schießsportverband. Dass er sich dabei eher am rechten Rand des politischen Spektrums bewegt, macht ein Spiegel-Artikel von 1990 ansatzweise deutlich.

Nach Wikipedia, abgerufen am 28. Februar 2017

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