TRADITIONEN WERDEN GEPFLEGT

Kriegerdenkmäler in Schleswig-Holstein

Die in den Dörfern und Städten Schleswig-Holsteins zahlreichen Kriegerdenkmäler sind oft im Zentrum des Ortes zu finden oder in eigene Grünanlagen integriert. Die häufig zu findenden Namenstafeln getöteter Soldaten, die der persönlichen Erinnerung dienen sollen, sind gleichwohl mit den verbreiteten Deutungen versehen: Verehrung der Soldaten als Helden, Verklärung ihres Todes als Opfer für König und Vaterland und Legitimation des Krieges bestimmen diese Denkmäler. Aufrufe zum Frieden und gegen Krieg finden sich eher selten. Soweit bekannt, werden diese Kriegerdenkmäler fast überall am Volkstrauertag für die traditionellen Rituale des Gedenkens genutzt. Einige sind weitgehend unbeachtet, zum Beispiel der überlebensgroße »Held« in Eckernförde und selbst Einheimischen nicht immer bekannt.

Die hier dokumentierten Denkmäler wurden mit freundlicher Unterstützung lokaler Institutionen weitgehend selbst recherchiert. Die Fotos sind, wenn nicht anders angegeben, von Klaus Wegner.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

Osterstedt,
Kreis Rendsburg-Eckernförde

Der Bildhauer und Maler Bendix Passig ist hier geboren

SH Osterstedt total

Das Denkmal für die getöteten Soldaten beider Weltkriege in einer großzügigen und gepflegten Anlage ist ein Gesamtkunstwerk des Osterstedter Kunstmalers und Bildhauers  Bendix Passig (5. Februar 1864 - 19. Oktober 1957).

SH Osterstedt Mitte


An der Frontseite vier Reliefs mit Abschieds- und Kampfszenen. 

SH Osterstedt Relief rechts

SH Osterstedt Relief links  

An den Seiten zwei Pfeiler mit den Namen der 22 bzw. 52 Kriegstoten der Weltkriege.

Inschrift:
Zum stillen
 Gedenken 
unserer 
Gefallenen 
1914 – 1918
 (rechts)
1939 – 1945 (links)

Im Park weitere Werke des Künstlers sowie eine Stele mit den Jahreszahlen 1848, 1898 und 1870/71.

               SH Osterstedt Gruppe

               ● Eins der Werke über die man staunen kann

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Aus den Aufzeichnungen des Meieristen Julius Babbe von 1937

1870-1871
Nach dem Krieg 1870 - 1871 wurden Beratungen abgehalten, wie man am besten ein bis in die fernste Zukunft hinein erhalten bleibendes Andenken an den glücklich verlaufenden Deutsch-Französischen-Krieg schaffen könnte.
Man kam dahin überein, man wolle zur Erinnerung an die große Zeit auf dem Meenland Eichen pflanzen. Der Bauer Matthiesen lieferte die Eichen aus seinen Waldungen.
In der Mitte des abgesteckten Platzes hinein wurde eine Doppeleiche gepflanzt.
Um diese herum andere Eichen. In jedes Pflanzloch kam eine Fuhre Mergel. Daher haben sich die Bäume verhältnismäßig gut entwickelt.

1872
Im April fand die feierliche Einweihung des Platzes statt. Lehrer Reimer Sievers hielt die Weihrede. Er weihte den Ort auf den Namen »Friedenshain«. Die ganze Bevölkerung nahm Anteil an den Feierlichkeiten. Die Schulkinder mit den schulentlassenen Jugendlichen sangen unter Leitung von Lehrer Sievers Choräle und vaterländische Lieder. Die Feier nahm einen erheblichen Verlauf.

1898
Im März 1898, zur 50-jährigen Erhebung Schleswig-Holsteins wurde vor der Doppeleiche ein Gedenkstein aufgestellt und eingeweiht. Der Gedenkstein trägt die Jahreszahl 1848 - 1851, 1870 - 1871 und 1898.

1914
Im Frühjahr 1914 wurde der Friedenshain parkartig erweitert. Der Wasserturm hatte in ihm bereits einen Platz gefunden. Der Maurer Joachim Seeland baute eine doppelte Springbrunnenanlage und eine Ruhebank aus Stein.
Der Kunstmaler Bendix Passig zierte die Anlage mit allerlei Figuren. Passig baute auch den großen Adler aus Zement, der auf dem großen Findling steht. Der Gärtner Hans Vollert erschuf die gärtnerische Anlage.
Das Ehrenmal ist erbaut zur Ehre und zum Andenken derer, die im Völkerringen 1914 - 1918 auf dem Feld der Ehre geblieben sind.
Hinter dem Denkmal steht ein Eichenwald bestehend aus 22 Eichen für die 22 Gefallenen aus Osterstedt.

1919
1919 hat der Bauer Andreas Matthiesen den Grund und Boden für diese Anlage kostenlos hergegeben. Die Osterstedter haben in gemeinsamer Arbeit die Sandkuhle, ein mit Wasser gefülltes Sandloch, zu einem schönen Teich umgearbeitet. Später hat der Arbeitsdienst das Ufer befestigt und eine Feuerlöschanlage an dem Teich geschaffen.
Das Denkmal ist vom Kunstmaler Passig entworfen und künstlerisch ausgestaltet. Es versinnbildlicht Deutschlands Macht und Größe vor dem Krieg, die Kameradentreue, den Heldenmut und die Hingabe für das Vaterland in dem großen Weltkrieg. Und es zeigt uns aber auch, wie böse und schlechte Elemente im Krieg hochkommen und sich breit machen.
Es erinnert auch an das tragische Ende des Krieges. An der Rückseite ist eine bronzene Tafel angebracht, auf dieser stehen die Namen der gefallenen Helden.

1920
1920 waren die Arbeiten an der ganzen Anlage beendet. Der Ort des Friedens wurde eingeweiht. Die Weihrede hielt der Lehrer Adolf Vollstedt. er hatte seiner Rede die Bibelworte zugrunde gelegt: »Ziehe deine Schuhe aus, denn das Land darauf du stehst, ist heiliges Land«.
Vollstedts Worte waren ergreifend und erbauend. Die Weihe wurde von Pastor Clausen aus Todenbüttel vorgenommen. Die Anlage wurde auf den Namen Ehrenhain geweiht.
In späteren Jahren hat Bendix Passig ein überlebensgroßes Germanenpaar aus Stein gefertigt. Es steht auf einem Steinsockel mitten in dem Parkteich.
Bei jeder größeren Feier im Ort gedenken die Osterstedter ihrer Toten. Ein weiser Mann hat einmal gesagt: »Die Kultur eines Volkes sei zu messen an dem Grad seiner Totenehrung«.
Es mag Wahrheit in diesen Worten liegen.

(Text auf einer Informationstafel an der Straße vor dem Park)



2. Infotafel

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Postkarte

SH Osterstedt Karte

Da hat der Besiegte noch sein Gewehr vor der Brust!

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Der Maler

Im Bestand des Museums in Hohenwestedt befindet sich auch dieses Gemälde von Bendix Passig. Da wird die Gesinnung dann endgültig klar.




Ein Ausschnitt:


SH Osterstedt Bendix Passig Ausschnitt web

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Die Heimatgemeinde

Osterstedt ist stolz auf den Künstler und Menschen Bendix Passig:

»Die menschlichen Tugenden waren stark entwickelt, von einer idealistischen Haltung geprägt, aber der Wirklichkeit eng verbunden.«

www.osterstedt.de

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Pinneberg

Zwischen Christuskirche und Bahnhof

Am Rande eines kleinen Gehölzes führt eine breite, 4-stufige Treppe zu einer übergroßen, aus hellen Sandsteinen errichteten Stele mit einem nach oben gerichteten bronzenen Schwert und einem Reichsadler auf einen Ehrenkranz mit Eisernem Kreuz. Die Inschriften an der Stele sind in den Stein graviert, an der Mauer als Relief herausgearbeitet worden.

SH Pinneberg ganz

Am Fuß der Stele:
 1914-1918

Inschrift an der Seite:

In unwandelbarer / Treue zum Vaterland / in der Hoffnung / auf den Sieg liessen / =312= Helden dieser / Stadt ihr teures Leben / auf dem Felde der Ehre

SH Pinneberg Inschrift


● Links an der Mauer:

Die Heimat / ruft ihre Kriegsgefangenen / und Vermissten

SH Pinneberg Tafel


Eine kleine Signatur weist auf das Entstehungsjahr 1934 hin

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Aus dem Stadtarchiv

Ursprünglich handelt es sich hier um ein Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Mit der Errichtung hat sich der Magistrat bereits seit 1926 beschäftigt. »Der Stadt Pinneberg mangelt es noch an einer Kriegerehrung für die im Weltkriege Gefallenen.«

In dem von Bürgermeister Backhaus 1933 einberufenen Denkmalsausschuss saßen Vertreter verschiedener Nazi-Organisationen, darunter z.B. Architekt Klaus Groth. Von der Stadt (neben dem Bürgermeister) der Stadtbaumeister Hansen und als Protokollführer der spätere Bürgermeister, Verwaltungs-Oberinspektor Glissmann.
Die Kosten für die Errichtung des Ehrenmals in Höhe von RM 12.000 wurden in voller Höhe aus Spenden (von Parteiorganisationen, von Firmen sowie Kleinstbeträge von Privatpersonen) bestritten. Die Spendenlisten sind hier leider nicht vorhanden. Da aber 1000 Ehrenurkunden gedruckt wurden um den einzelnen Spendern zu danken, werden es nicht wenige gewesen sein.

Der Anordnung des Reichsinnenministeriums von 1942, die Metallteile (Adler und Schwert) des Denkmals »zur Verstärkung der Metallreserve« abzuliefern, ist die Stadt bis Kriegsende nicht nachgekommen. Es wurde Zeit geschunden mit der Begründung des Arbeitskräftemangels und mit der Schwierigkeit ein so großes Gerüst zu errichten.

Im Rahmen der Entnazifizierung wurde 1945 das Hakenkreuz unter dem Adler durch ein eisernes Kreuz ersetzt. Genehmigung der britischen Militärregierung (Major W. Brook).

Der Hauptausschuss beschließt am 03.10.1949: »Das Denkmal soll vor Verfall geschützt werden.«

1952 beschloss der Magistrat eine Gedenktafel für Kriegsgefangene anzubringen und dauerhaft mit Grün zu schmücken und zu beleuchten.

Alljährliche Kranzniederlegungen am Volkstrauertag bis heute.

Wie auch andere noch heute vorhandene und genutzte Anlagen, wie
z. B. Bahnhofsplatz, Rosengarten, Sportanlagen, und Freibad, haben die Nationalsozialisten in den 1930er Jahren auch das Kriegerehrenmal am Bahnhof im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen errichten lassen.

Die Planungen der meisten Projekte reichen jedoch zurück in die Zeit der Weimarer Republik und wurden dann von den Nazis vereinnahmt.

Wir danken Martin Ramcke vom Stadtarchiv Pinneberg für diese Zusammenfassung.

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Die Einweihung

SH Pinneberg Einweihung web

● 1934: Bürgermeister Backhaus weiht das Ehrenmal am Bahnhof ein

Das Foto und das nachfolgende PDF stammen aus dem Buch »Pinneberg zur Zeit des Nationalsozialismus« von Johannes Seifert, herausgegeben von der VHS-Geschichtswerkstatt Pinneberg. Wir danken Rudi Ahrendt für's Einscannen.

 

PDF-Download

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Denkmalsgeschichte

Das Kapitel Pinneberg aus Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit (1987): »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg« können Sie hier lesen. Unser Dank gilt der Verfasserin.

 

PDF-Download

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Alte Postkarten

SH Pinneberg Karte ohne Adler web

... und da ist der Adler ab! Wird das Hakenkreuz gerade wieder durch ein Eisernes Kreuz ersetzt?

SH Pinneberg alt web

SH Pinneberg alt2 web

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Ratekau, Kreis Ostholstein

Vor und um die Vicelinkirche herum

Rechts und links vom Zugang in den Kirchhof steht je ein vierstufiger Pfeiler aus bunten behauenen Feldsteinen. Oben aufgestellt sind steinerne dreidimensionale Eiserne Kreuze.

SH Ratekau Eingang web

 

In jedem Pfeiler wurde ein größerer Stein mit Inschrift eingefügt.

 

SH Ratekau Stein web


Inschrift auf dem linken Pfeiler:
So selig ist kein Los
So heilig kein Gebot
Als sich für vieler Leben
Zu geben in den Tod
1914 – 1918

SH Ratekau Stein2 web


Inschrift auf dem rechten Pfeiler:
Ihren gefallenen
Vätern und Söhnen
in dankbarer Treue
die Kirchengemeinde Ratekau
1922

 

SH Ratekau Kirchenseite web


Um die Vicelinkirche herum zieht sich eine halbhohe Mauer aus behauenen bunten Feldsteinen. Einzelne herausragende Steine tragen die eingravierten Namen der toten Soldaten aus dem 1. Weltkrieg.

SH Ratekau Mauer web

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Pastor Hossenfelder

Joachim Hossenfelder war von 1954 bis 1969 Pastor für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Eutin in Ratekau.

SH Ratekau Hossenfelder web

Foto: privat

Pastor Hossenfelder ist gerade, dem Brautpaar voran, durch die »Kriegerdenkmalspforte« geschritten. Im August 1958 ist dieses Foto augenommen worden. In der Wanderausstellung »Neue Anfänge nach 1945? Wie die Kirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen« wird Hossenfelders Werdegang im Kapitel 4 »Streit um Schuld und Mitverantwortung« beschrieben. Mehr Informationen auf > www.nordkirche-nach45.de.

 

                  SH Ratekau Hossenfelder 1933 web

 

Der als »vaterländisch geprägte Persönlichkeit« und »soldatische Natur« charakterisierte Wilhelm Kieckbusch amtierte von 1930 bis 1976 ohne Unterbrechung als leitender Geistlicher der Eutinischen Landeskirche. In aller Öffentlichkeit setzte er sich nach 1945 für ehemals führende Theologen der nationalsozialistischen »Deutschen Christen« ein. Anderswo galten sie als untragbar. Kieckbusch nahm unter anderem die »Deutschen Christen« Hugo Rönck und Joachim Hossenfelder als Pastoren in seine Landeskirche auf. Hossenfelders Einstellung wurde vom damaligen Ratsvorsitzenden der EKD Otto Dibelius befürwortet. Weder Rönck noch Hossenfelder ließen nach 1945 jemals Reue über ihre Rolle im Nationalsozialismus erkennen.

Hugo Rönck war einer der radikalsten Vertreter der aggressiv antijüdischen Nationalkirchlichen Thüringer »Deutschen Christen«, frühes NSDAP-Mitglied und ab 1943 Präsident beziehungsweise Landesbischof der Thüringer Evangelischen Kirche. Und als glühender Antisemit einer der Initiatoren des Eisenacher »Entjudungsinstituts«. Noch 1944 bezeichnete er in seinen Predigten Hitler als »Führer von Gottes Gnaden«. Nach dem Krieg sah Rönck keine Notwendigkeit, sich von seiner Vergangenheit zu distanzieren, auch dann nicht, als »Der Spiegel« 1963 Einzelheiten aus seiner Thüringer Zeit aufdeckte. Er schmückte sich auch weiterhin mit dem Bischofstitel, den er sich kurz vor Kriegsende selbst verliehen hatte. Der Berliner Pfarrer Hossenfelder war treibendes Gründungsmitglied und erster Reichsleiter der »Deutschen Christen«. Er bekannte sich nach 1945 ebenfalls stolz zu dem Bischofsamt, das er als »Deutscher Christ« 1933 kurzzeitig inne gehabt hatte. Ansonsten bewahrte er über seine frühere Karriere strengstes Stillschweigen.

Text und Foto aus Kapitel 4, Tafel 4


Bis heute ist die Kirchengemeinde in Ratekau verpflichtet Joachim Hossenfelders Grab zu pflegen.

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Alte Postkarte

Man kann die zwei Pfeiler mit den Eisernen Kreuzen erkennen, die Mauer mit den Namensschildern scheint später errichtet worden zu sein.

 

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Ratzeburg

Das Denkmal am Röpersberg

1921 wurde die Anlage von dem Architekten Wilhelm Heilig geschaffen. Die Namen von 142 im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten der Stadt Ratzeburg sind darauf festgehalten. Um einen hohen Erdhügel, dessen Plattform zehn Linden krönen, gruppieren sich fünf Steinpfeiler, die fünf Kriegsjahre andeutend.

SH Ratzeburg Ropersberg gesamt web

Die Steinpfeiler tragen Jahreszahl und Inschrift, die lauten:

1914   Unseren Tapferen, die für Deutschland fielen und von der Heimat unvergessen im fremden Lande ruhen

1915   Kindern und Enkeln künden diese Steine die Namen der Väter, die einst für uns in Kampf und Tod zogen

1916   Lebe droben im Licht, o Vaterland, und zähle nicht die Toten, dir ist Liebes nicht eines zu viel gefallen

1917   Und wer den Tod im heiligen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im Vaterland

1918   Die dankbare Vaterstadt dem Gedenken ihrer gefallenen Söhne, die fern im Kampf für sie fielen

SH Ratzeburg Ropersberg Detail web


Die Anlage wurde am 21. Juni 1921 eingeweiht. Die 1928 in zweiter Auflage erschienene Chronik der Stadt Ratzeburg stellt die germanisierenden Bezüge des Kriegerdenkmals deutlich heraus:

»Am Abend des 21. Juni 1921 fand beim flackernden Schein der Sonnenwendfeuer und im Beisein einer nach Tausenden zählenden Trauergemeinde die Einweihung des Kriegerehrenmals statt, das die Stadt Ratzeburg ihren gefallenen Söhnen errichtet hat. Draußen auf einem hochgelegenen Felde am Farchauer Ende, abseits vom lärmenden Verkehr, erhebt sich ein Naturdenkmal, das in seiner Anlage und schlichten Größe an alte germanische Kultstätten erinnert.«


             SH Ratzeburg Ropersberg Allee web           
            
• Eine Allee führt zum Denkmalshügel

Wir danken herzlich dem Stadtarchivar von Ratzeburg Christian Lopau für die Erlaubnis seinen Text im Wesentlichen übernehmen zu dürfen und für die Fotos.

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Foto:Matzematik / Wikimedia Commons

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Die Einweihung

Am 21. Juni 1921 wurde die Anlage im Beisein des Architekten Wilhelm Heilig als Sonnwendfeier inszeniert eingeweiht. Superindendent Lange hielt die Feldpredigt, wobei wieder einmal verblüfft, wie er voller Inbrunst darlegt, dass Gott  exklusiv für das deutsche Volk Partei nimmt, auch immer genommen hat und auch in Zukunft nehmen wird. Wer die Predigt und die anschließende Festrede von Dr. Tamm liest und sich das Szenario mit Fackeln, Bataillonskapelle und Gesang vorstellt, der sieht den Boden für die Parolen der Nationalsozialisten bereitet.

 

PDF Download

Herzlichen Dank an die Damen des Kreisarchivs in Ratzeburg.

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Spendenaufruf

Mit Unterstützung vieler Spender und Organisationen sind 2014 die wesentlichen Renovierungsmaßnahmen – Säuberung der fünf Schrifttafeln für die einzelnen Kriegsjahre und Neuverfugung – durchgeführt worden. Lesen Sie hier mehr dazu:

www.herzogtum-direkt.de

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Ratzeburg

Vor der St. Georgsberger Kirche

Das Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs wurde vom schwäbischen Architekten Wilhelm Heilig geschaffen. Es wurde am 13. Mai 1923 unter der Teilnahme des Krieger- und Militärvereins eingeweiht und zwar an der Straße zwischen dem Bahnhof und der Kirche. Später wurde es an seinen heutigen Platz direkt gegenüber der Kirche versetzt. Wilhelm Heilig gestaltete auch die Kriegerdenkmäler in Gr. Grönau, Kasseburg, Lütau, Ratzeburg (Röpersberg) und Lauenburg/Elbe.

SH Ratzeburg StGeorgsberg gesamt web


Das Denkmal besteht aus einem Steinkreuz, das sich mehrere Meter hoch auf einer von hochstrebenden Buchen umgebenen Lichtung erhebt. Die Vorderseite enthält drei Reliefs. Oben den Reichsadler, in der rechten Klaue einen mit Pfeilen bespickten Schild tragend, darüber die Inschrift:
Viel Feind, viel Ehr

Im Querbalken links eine zerschossene Fahne mit der Inschrift:
Haltet aus im Sturmgebraus!

Rechts die Symbole eines Soldatengrabes, darunter die Worte:
Ich hatt’ einen Kameraden

In der Mitte sind die Jahreszahlen 1914 und 1918 eingelassen. Darunter stehen die Worte:
Kämpfend für Recht und Freiheit, für Heim und Herd, fielen 71 unserer Besten. Der, du Wanderer, diese Stätte betrittst, gedenke der Toten in Ehrfurcht und in Treue

Die Rückseite trägt über der Jahreszahl 1923 die Widmung:
In Einigkeit erbauten die 17 Gemeinden des Kirchspiels St. Georgsberg dieses Mal den Gefallenen zur Ehre, den Enkeln zur Mahnung

 

SH Ratzeburg StGeorgsberg Detail web


Ursprünglich war das Denkmal im Fuchswald aufgestellt worden. Im August 1967 wurde es auf den neuen Platz vor der St. Georgsberger Kirche umgesetzt.

Zusätzlich wurden drei Steinplatten für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs hinzugefügt.

Wir danken herzlich dem Stadtarchivar von Ratzeburg Christian Lopau für die Erlaubnis seinen Text im Wesentlichen übernehmen zu dürfen und für das Foto.

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Aus der Geschichte

»Neben der Straße vom Bahnhof Ratzeburg nach St. Georgsberg ragt im Buchenhochwald ein steinernes Kreuz, gedrungen und kräftig geformt, wie der Baustoff es erfordert. Die drei Felder, die Schaft und Balken bilden, werden ausgefüllt von sinnbildlichen Darstellungen des Erlebnisses ›Weltkrieg‹, deren Gestaltung, an sich ganz modern, dennoch unmittelbar an die handwerkliche Gebundenheit frühmittelalterlicher Steinbilder anschließt. Oben am Schaft sieht man den Reichsadler mit einem pfeilgespickten Schilde, dabei die stolzen Worte ›Viel Feind, viel Ehr‹, zur Linken eine von Kugeln zerfetzte Sturmfahne ›Haltet aus im Sturmgebraus‹, rechts Gräber im Felde mit dem erschütternd einfachen: ›Ich hatt’ einen Kameraden‹. Im Mittelfelde, das Schaft und Balken gemeinsam ist, stehen die Jahreszahlen, und in den Schaft ist in deutschen Buchstaben eine Inschrift eingehauen, deren wundervoll in den Raum gestellte Zeichen sagen: ›Kämpfend für Recht und Freiheit, für Heim und Herd fielen 71 unserer Besten. Der Du, Wanderer, diese Stätte betrittst, gedenke der Toten in Erfurcht und Treue!‹.

SH Ratzeburg St.Georgsberg alt web

In dieser eindringlichen Gestalt steht das Zeichen der Erinnerung am Rande des Alltags, den Vorübergehenden immer gegenwärtig und damit dem Vergessen sicher entrückt. Ist es in dieser Form nicht unendlich viel mehr als nur ein Bauwerk aus Findlingen mit einer Tafel etwa aus Bronze oder gar aus schwarzem Glase, das in künftigen Jahrzehnten und Jahrhunderten der Zeit seiner Erbauung immer etwas steinzeitlich Primitives anzudichten scheint? Ist ein Mal wie das St. Georgsberger nicht unendlich viel eindringlicher und wahrer, als ein Gebilde aus Kunststein oder Bronze, das in genau gleicher Ausführung auch an so und so viel anderen Orten steht?»

(zitiert aus: Wilhelm Hadeler, Wilhelm Heiligs Werke im Kreise Herzogtum Lauenburg, in: »Lauenburgische Heimat«, 3. Jahrgang, Heft 2, April 1927)

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Ich hatt’ einen Kameraden

»Der gute Kamerad« wurde 1809 von Ludwig Uhland in Tübingen gedichtet, Friedrich Silcher vertonte, ebenfalls in Tübingen, das Gedicht im Jahre 1825. Als Lied ist es besser bekannt unter der Anfangszeile der ersten Strophe: »Ich hatt’ einen Kameraden«. Es wurde vor allem von der politischen Reaktion instrumentalisiert, und zwar zur Beschönigung und Verklärung des Kriegsopfers und Heldentods. Das Lied vom »guten Kameraden« spielt im Trauerzeremoniell der deutschen Bundeswehr eine große Rolle. Es ist Bestandteil eines Begräbnisses mit militärischen Ehren und jeder militärischen Trauerfeier.

SH Ratzeburg StGeorgsberg Ich hatt web

 

Sehen Sie hier eine Sammlung von historischen und politischen Bildpostkarten von Karl Stehle, München, die diesen Liedtext zitieren:

www.goethezeitportal.de

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Was ist deutsche Kunst?

Nicht nur in politischer, auch in künstlerischer Hinsicht war die Phase des 1. Weltkriegs eine Epoche des Umbruchs. Bei seinem Beginn erhofften sich viele vom Krieg eine Gesundung des deutschen Kunstlebens. Die Diagnose, dass in der deutschen Kunst eine Entfremdung stattgefunden hatte, bildete die allgemeine Ansicht. Der Krieg sollte das »Gemüt« zurückbringen. Die weitverbreitete Forderung, die Kunst solle einen internationalen Charakter bekommen, wurde von konservativen, national denkenden Stimmen strikt abgelehnt. Andere polemisierten gegen das »Modebewußtsein« in der Kunst, weil es einen Bruch mit der Tradition beinhalte. Die Aussage, Findlinge und andere von Menschenhand nicht bearbeitete Naturdenkmäler befänden sich auf dem kulturellen Niveau von Höhlenmenschen, wurde scharf zurückgewiesen.

Nicht ganz so vernichtend, aber dennoch eindeutig für »edle Form und wahre Kunst« – hier beim Kriegerdenkmal auf dem St. Georgsberg – spricht sich der Verfasser eines Artikels in der Lauenburgischen Zeitung vom 6. Dezember 1921 aus:

 

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Im Turmraum der Kirche

Auch hier wird der getöteten Soldaten gedacht. Ein Kniender in Uniform, Koppel und Stahlhelm zeigt seine Handinnenflächen. Was will er uns mit dieser Geste sagen? Unter seinen Knien steht im schwarzen Band:
1914  1918 Dem Gedächtnis der gefallenen Brüder

Rechts und links vom Soldaten befinden sich dreispaltige Namenstafeln. Die Toten sind nach Heimatgemeinden geordnet, den Namen ist das Todesjahr vorangestellt.

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            SH Ratzeburg St.Georgsberg Kirche 2015 2 web

Der Schmuck in früheren Zeiten

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• Lange Blättergirlande und zwei Kränze von alten Kameraden

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Rendsburg-Neuwerk

Vor der Christkirche am Paradeplatz

Auf einem vierstufigen Sockel aus Backstein liegt der »Sterbende Soldat«, er hält seinen Stahlhelm im Arm. Er liegt dort in Kampfausrüstung: Uniformmantel, Stiefel, Koppel, Feldflasche und Stabhandgranate in der Wurfhand. Die Zahl 85 auf der Schulterklappe weist ihn als Mitglied des Regiments 85 aus. Das Denkmal aus Keramik von Richard Emil Kuöhl (1880 - 1961) wurde 1922 gefertigt und 1923 eingeweiht.

SH Rendsburg Wikimedia Commons Witz und Verstand web
Foto: Wikimedia Commons / Witz und Verstand


Der Sockel trägt die Inschriften:

1914 / 1918
Unseren Helden
Inf. Regt. Herzog von Holstein
(Holst.) Nr. 85

Später wurde darunter ergänzt:

und des
Traditionstruppenteils II. / I.  R. 46
1939 / 1945

SH Rendsburg ganz web

 

Auf der Rückseite:
Wanderer neig’ in Bescheidenheit
Dein Haupt vor dem Tode
und der Tapferkeit

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Das Signet von Richard Emil Kuöhl mit der Angabe des Entstehungsjahrs, daneben zwei Eichenblätter.

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Die Einweihung

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• Damals führte ein Weg zum Denkmal: Weihe am 19. + 20. Mai 1923

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• Auch nach 1945 gab’s noch viel Lorbeer für den sterbenden Krieger

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Die frühere Garnisonskirche

Das Gebäude der Christkirche entstand 1695 bis 1700 im Zusammenhang mit der Erweiterung der Rendsburger Festungsanlage Neuwerk nach einem Entwurf von Hans van Steenwinckel. Die Ausführung wurde zunächst D. Vijfhuysen anvertraut, ab 1698 dem Architekten Dominicus Pelli. Die Kirche diente nach ihrer Einweihung im Jahr 1700 als Garnisonskirche für die Offiziere und Soldaten der damals dänischen Garnison. Ihren Namen verdankte sie neben Jesus Christus dem dänischen König Christian V., auf dessen Anordnung sie gebaut worden war. Die Christkirche war bis 2009 durchgehend Kirche für die hier stationierten Soldaten. An der Wand hängen die Gedenktafeln für die in den Kriegen getöteten Soldaten: bei der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, im Deutsch-Französischen Krieg, beim Boxeraufstand in China, beim Herero-Aufstand in Afrika, im 1. Weltkrieg, im 2. Weltkrieg ... viele kriegsverherrlichende Sprüche sind darauf zu lesen.

Bis zur Auflösung der Rendsburger Garnison im Jahr 2010 ist die Christkirche regelmäßig für Gottesdienste der Militärseelsorge genutzt worden.

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Ein Beitrag in der Publikation »Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland« vom Frühling 2014 beschreibt die nötige Auseinandersetzung mit den »Unbequemen Denkmälern«. Ein Kommentar aus dem Gästebuch der Christkirche: »Ich sehe hier zu viel Ehre für Gefallene in sinnlosen Kriegen«.

Unbequeme Denkmäler

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Rendsburg – Die GarnisonsstadT

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges stand die Stadt von 1627 bis 1629 unter kaiserlich-deutscher Herrschaft. In den Jahren 1644 und 1645 wurde Rendsburg von schwedischen Truppen besetzt und wenig später erneut belagert. 1665 erhielt Rendsburg eine dauernde militärische Belegung und wird Garnisonsstadt.

350 Jahre lang war das Militär in der Stadt präsent. Die »Königl. Privilegierte Garnison-Apotheke« am Paradeplatz, der Garnisonfriedhof und die Arsenalstraße zeugen von der militärischen Geschichte.

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Foto: Wusel007 / Wikimedia Commons

• Der Gedenkstein auf dem Garnisonsfriedhof für die im 1. Weltkrieg getöteten Artilleristen trägt neben einem eisernen Kreuz und allerlei Kriegsgerät die Inschriften:
Den gefallenen Artilleristen des Kreises Rendsburg

Im umlaufenden verschlungenen Schmuckband steht:
Ultima Ratio Regis pro Gloria et Patria 1914–1918
Das letzte Mittel des Königs für Ruhm und Vaterland

Vor dem 1. Weltkrieg war Rendsburg die größte deutsche Garnison nach Metz.

SH Rendsburg Karte web

 

Später war das Korpshauptquartier der Nato für Schleswig-Holstein und Jütland in Rendsburg. Im Kalten Krieg waren die Hauptaufgaben des Korps die landseitige Verteidigung der Ostseezugänge sowie der nördlichen Grenze der Bundesrepublik Deutschland hin zur DDR in Schleswig-Holstein, also nördlich der Elbe. Die personelle Stärke betrug am Ende der 1990er Jahre etwa 40.000 Soldaten.

Rendsburg war seit der Gründung der Bundeswehr 1955 bis Ende 2009 eine Garnisonsstadt mit zwei Kasernen: Die im Stadtteil Neuwerk um die Jahrhundertwende 1900 erbaute Eiderkaserne und die im Norden gelegene Feldwebel-Schmid-Kaserne (bis 8. Mai 2000 »Rüdel-Kaserne«). Die Eiderkaserne wurde bereits Mitte 2008 geschlossen. Das in der Feldwebel-Schmid-Kaserne stationierte Ausbildungszentrum Heeresflugabwehrtruppe wurde Ende 2009 nach Munster verlegt und die Kaserne ebenfalls geschlossen.

Nach Wikipedia, 18. Oktober 2016

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Der Bildhauer Richard Kuöhl

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Seine handwerkliche Ausbildung als Kunsttöpfer erhielt er in einer der Modellfabriken dieses Zentrums keramischer Kunst. Nach dreijährigem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wurde er als leitender Modelleur einer bauchemischen Versuchsanstalt mit den modernsten Techniken der Tonbearbeitung vertraut. 1912 folgte er seinem Dresdener Architekturprofessor Fritz Schumacher nach Hamburg. Dort arbeitete er in den 1920er und 1930er Jahren mit fast industriellem Ausstoß. Es entstanden Skulpturen in Stein, Keramik und Reliefs in Terrakotta. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

Kriegerdenkmäler gehörten während der Weimarer Republik zu den häufigsten und begehrtesten Auftragswerken deutscher Bildhauer. Auch Kuöhl hatte bereits zahlreiche Kriegerdenkmäler ausgeführt, dabei war es ihm stets gelungen, die von nationalistisch und militärisch gesinnten Kreisen mit einem »Ehrenmal« beabsichtigte politische Aussage künstlerisch zu formulieren. »Nicht Jammer und Not, sondern Mannestat und Einsatzbereitschaft, das Heldische, Kraftvolle, das ein Mahnmal verkörpern muß, zeigen die »Ehrenmäler«, die er geschaffen hat ... immer wieder spricht ein trotziges ›Dennoch!‹ aus diesen Denkmälern.

»Neben idealisierten nackten Kriegern ... hatte er in kontinuierlicher Folge eine Darstellungsform des grobschlächtigen uniformierten deutschen Soldaten entwickelt, die den Vorstellungen der neuen Auftraggeber offenbar besonders entsprach: Im Mittelpunkt des Lübecker Ehrenfriedhofs, 1924, steht breitbeinig ein Infanterist, der den Helm zum Gebet abgenommen hat. Auf dem Klinkersockel des Regimentsdenkmals in Rendsburg, 1927, lagert ein sterbender Soldat, dem der Helm herabgesunken ist. Auf dem Klinkersockel des Kriegerdenkmals in Langenhorn, 1930, beugt ein Soldat mit abgenommenem Helm das Knie vor dem toten Kameraden.

Kuöhl war mit seiner Praxis als Bauplastiker und Mitarbeiter von Architekten, mit seiner praktischen Erfahrung als einsatzbereiter Gestalter von Soldatengrabmälern und Ehrenfriedhöfen an der Front, vor allen Dingen aber mit dieser Reihe von Soldatendarstellungen, die instinktsicher das trafen, was Kriegervereine und Rechtsparteien sich unter neuer deutscher Plastik vorstellen mochten, prädestiniert für weitere und größere Aufgaben dieser Art.«

Zitat aus Volker Plagemanns Buch »Vaterstadt, Vaterland, schütz Dich Gott mit starker Hand«, Hans Christians Verlag, 1986

Eine Autorengruppe um Roland Jäger veröffentlichte 1979 ein Buch über den »Kriegsklotz« hinterm Dammtorbahnhof in Hamburg (siehe auch > Kriegerdenkmäler Hamburg > Dammtor), das wohl umstrittenste Denkmal Kuöhls. Hier können Sie zwei Seiten daraus lesen:

 

Richard Kuöhl

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Schleswig

Auf dem Domfriedhof in der nördlichen Erweiterung

Das heutige Kriegerdenkmal ist zusammengesetzt aus Elementen des Denkmals für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs von 1920. Die Bausteine sind aus heimischem, die Bildhauerarbeiten sind aus schlesischem Granit. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde das etwas fremdartig anmutende frühere Denkmal zerlegt, um den Stein mit den Daten des 2. Weltkriegs ergänzt und bekam nach mehrmaligen Umsetzungen dann seinen heutigen Platz auf einer Anhöhe am Ende des Hauptweges. Das ist der Ort, den sich der Erbauer Dr. Wilhelm Jänecke seinerzeit schon für das Kriegerdenkmal gewünscht hatte.

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Foto: Joachim Thieme-Hachmann

Inschriften:
1914
1918
Dem Andenken der im Weltkriege Gefallenen
1939
1945
Sei treu bis in den Tod

Die letzte Zeile in großen gestalteten Lettern wird eingerahmt vom Reichsadler und dem Schleswiger Stadtwappen.

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Zwischen den Tonplatten, die an die in Schleswig umgekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter erinnern, wurde der Quader des alten Denkmals mit dem Eisernen Kreuz im Boden versenkt. Das Eiserne Kreuz als Kriegsauszeichnung wurde seit 1813 sowohl für »für Tapferkeit vor dem Feind« wie auch für Verdienste ohne Kampfeinsatz verliehen. Seit 1939 waren »Nicht-Kombattanten« von der Verleihung ausgeschlossen.

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. 

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Die geschichte

Das Denkmal soll dem Grabmal des Gotenkönigs Theoderich in Ravenna nachempfunden sein.


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Foto: Privatbesitz Margot Müller, Schleswig

• Bau des Kriegerdenkmals im Sommer 1920, im Anzug: Steinbildhauer Wilhelm Borgwardt

Aus der Baugeschichte, aufgeschrieben am 27. September 1920 von Dompastor W. W. Meyer:

»Im Frühjahr 1919 traten die Herren Bankvorsteher J. Franzen und Lederhändler A. Kühl. die beide im Weltkrieg ihren einzigen Sohn verloren hatten, an den Unterzeichneten heran zwecks Schaffung eines gemeinsamen Denkmals für die Gefallenen der Domgemeinde ...

Das Denkmal war alsgemeinsame Stiftung gedacht, und demgemäß wurde am 16. August 1919 ein Aufruf in den ›Schleswiger Nachrichten‹ erlassen ...

Darauf meldeten eine ganze Reihe von Interessenten Bereitwilligkeit und Beträge an. Man konnte zunächst mit einer Summe von 10-15 000 M rechnen. Mehrere Künstler, die mit Entwürfen zu dienen bereit waren, wurden über die leitenden Gedanken unterrichtet, auch wurde der Rat der Provinzial-Beratungsstelle für Kriegerehrungen in Flensburg eingeholt ...

Der Ausschuß tagte am 9. Februar 1920 im ›Börsenkeller‹ und beschäftigte sich mit den vorliegenden Entwürfen. Man wandte sich zunächst dem Entwurf des Baurats Dr. Jaenecke zu, von dem man ein vorläufiges Modell erbat, das später im Schaufenster von C. Jenter öffentlich ausgestellt wurde, angefertigt von dem Bildhauer Leibküchler in Berlin. In der zweiten Sitzung am 8. März wurde der Entwurf Jaenecke mit kleinen Änderungen angenommen und dem Baurat Dr. Jaenecke die Oberleitung bei der Ausführung übertragen. Von den Ausführungsangeboten wurde dasjenige der Firma H. Engel, das allein sich an feste Preise band (20 000 M), gewählt. Eine örtliche Besichtigung durch den Ausschuß am 13. März führte zur endgültigen Auswahl des Platzes für das Denkmal – vor der Domkapelle mit dem Gesicht nach dieser zu ...
 

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Foto: Privatbesitz Margot Müller, Schleswig

• 1921: Steinbildhauer Wilhelm Borgwardt mit Ehefrau Marie im Fond seines Automobils vor seinem Betrieb in der Plessenstraße 14

Der Rohbau ist aus heimischem Granit, behauen von Steinsetzer Kruse, aufgeführt von der Baufirma H. Engel. Die Bildhauerarbeiten liefert Bildhauer Borgwardt aus schlesischem Granit. Die Namenstafeln sind von der Carlshütte in Rendsburg gegossen [siehe hierzu auch das Denkmal in Büdelsdorf] Malermeister Gröning malt die Namen. Das Modell dazu fertigte Tischlermeister Hirschelmann an.

Am 17. Oktober ist die Enthüllung des Denkmals geplant. Heute wird dieser Baubericht nebst einem Verzeichnis der Stifter eingemauert.

Gott lasse die Gefallenen ruhen in seinem Frieden, uns aber wieder stark werden in seiner Kraft!« 


Am Sonntag, dem 24. Oktober 1920, fand nachmittags die feierliche Einweihung des Denkmals statt ... Pastor Meyer hielt die Weiherede. Das geweihte Denkmal wurde der Obhut des Kirchenvorstandes übergeben und in dessen Namen von Propst Stoltenberg übernommen.

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Die privaten Fotos und der Text stammen aus den Beiträgen zur Schleswiger Stadtgeschichte, Band 50: »Das Kriegerdenkmal auf dem Domfriedhof« von Gertrud Vierck-Nordmann, Seite 129f.

Wir danken sehr herzlich Klaus Nielsky, dem 1. Vorsitzenden der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte, für die Erlaubnis aus dem Beitrag von Gertrud Vierck-Nordmann zitieren und ein PDF des Beitrags zum Download zur Verfügung stellen zu dürfen.

 

Kriegerdenkmal Schleswig

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... und die Tonplatten davor?

Hier sind sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter begraben, die bei (teilweise heute noch existierenden) Schleswiger Firmen tätig waren und hier umkamen. Es sind 44 Grabplatten aus rotem Ton mit russischen und baltischen, vorwiegend litauischen Namen.
Warum liegen sie unkommentiert vor dem Denkmal mit seiner kriegsverherrlichenden Inschrift:
»Sei treu bis in den Tod«?

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Pastor Joachim Thieme-Hachmann hat dazu ein »Kirchliches Wort« zum Volkstrauertag 2015 in der shz veröffentlicht:

 

VVT 2015 P. Thieme-Hachmann
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Das Kriegsgefangenenlager auf dem Hesterberg

Auf dem Schleswiger Hesterberg befand sich im 2. Weltkrieg das Kriegsgefangenen-Stammlager XA, in dem bis zu 1 100 Kriegsgefangene untergebracht waren. Hinzu kamen etwa 850 zivile Fremd- und Zwangsarbeiter aus Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und der Sowjetunion. Sie wurden meist zwangsrekrutiert, in Privatquartieren, Lagern und Arbeitskommandos unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten und mussten im kommunalen und privaten Bereich Zwangsarbeit leisten.

Schülerinnen und Schüler haben 2007 ein Mahnmal für Zwangsarbeiter geschaffen. Die Kugeln im äußeren Kreis um das trauernde Mädchen stehen jeweils für eine Nation. Das Mahnmal steht in der Nähe der Kinder- und Jugendpsychatrie und des Kriegerdenkmals der Stadt Schleswig, an dem am Volkstrauertag Kränze niedergelegt werden.

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Stafstedt, Kreis Rendsburg-Eckernförde

Kriegerdenkmal in der Nähe des Günther-Fielmann-Platzes

In einer größeren baumbestandenen Anlage steht das monumentale Kriegerdenkmal für die toten Soldaten beider Weltkriege. Schmale Granitsteine, mit Eisenketten verbunden, säumen den Weg. Hinter der Buchenhecke am Eingang stehen zwei Fahnenmasten.

 

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In das aus Natursteinen gemauerte Kriegerdenkmal auf zweistufigem Sockel sind drei Tafeln eingelassen. Rechts und links sind die zwanzig toten Soldaten des 2. Weltkriegs mit Geburts- und Todestag aufgeführt.

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Auf der mittleren Tafel steht unter einem Eisernen Kreuz die Inschrift:

Zum ewigen Gedenken an die Opfer des Krieges
1939  1945
Wir Toten fordern als unser Recht
die alte Treue vom neuen Geschlecht

Oben auf dem Monument steht der schwarze Stein für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs. Schlecht leserlich steht dort in goldenen Lettern:

1914  (Eisernes Kreuz)  1918
Unsern gefallenen Helden zum Gedächtnis

Darunter sind zwanzig Namen mit Dienstgrad und Sterbetag aufgeführt.

 

 

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Die Inschrift

Die letzten Zeilen wollen nicht Trauer und Erschütterung unterstützen, sie nehmen die nächsten Generationen in die Pflicht, in »alter Treue« auch ihr Leben einzusetzen. Die Haltung, die hier weitergegeben wird, ist unangefochten von Zweifeln an Recht und Notwendigkeit von Krieg. Das erste Mal wird die Formulierung »Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht« bei der Einweihung des »Marine-Ehrenmals« 1927 verwendet.

Wir zitieren aus »Rache und Triumph: Krieg, Gefühle und Gedenken in der Moderne« von Loretana de Libero, 2013, Oldenbourg Wissenschaftsverlag. Frau de Libero ist Historikerin und Politikerin, von Mai 2012 bis 2015 war sie für die SPD Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, seit 2013 lehrt und forscht sie an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese.

Als »ein Mahnmal der Rache« war daher auch das »Marine-Ehrenmal« in Laboe gedacht, die nationale Kriegsgedenkstätte einer privaten Organisation, des 1891 gegründeten Bundes Deutscher Marine-Vereine. (...)
Am Montag, den 8. August 1927, verfolgten 10.000 Gäste die Grundsteinlegung. Unter Hammerschlägen deklamierten 22 prominente Vertreter aus Politik, Militär und Wissenschaft die unterschiedlichsten Sinnsprüche ... Als Vertreter der evangelischen Kirche erinnerte der Marineoberpfarrer Friedrich August Ronneberger in seiner Predigt darüber hinaus an das »kaudinische Joch«, unter welchem die Deutschen als »Sklaven« hindurch geschritten seien, und legte den 35.000 toten Seesoldaten folgende Formulierungen in den Mund:
»Sie rufen uns zu: ›Heraus, sofern ihr unserer noch gedenkt, die Schmach getilgt und die Ketten gesprengt! Wir Toten fordern als unser Recht, die alte Treue vom neuen Geschlecht.‹ Mancher Stein liegt freilich noch im Wege, aber wie einst Hermann der Cherusker bewusst die deutschen Stämme zum Kampf gegen römische Fremdherrschaft aufrief, so wird auch uns wieder ein Führer entstehen, der uns aus Nacht zum Licht führt, und der uns den Platz an der Sonne wiedergibt.«

Ronneberger zitierte in seinem martialischen Appellativ einen später von Karl Meister vertonten Zweizeiler, der von den Überlebenden »Treue« im Sinne der Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme des Krieges einfordert und sich auf mehreren Gefallenendenkmalen seiner Zeit wiederfindet. ... Überdies galten diese Zeilen für die Zeit nach 1945 weiterhin als sinnstiftend, insbesondere wenn die Stifter mangelnde Erinnerungsbereitschaft meinten beklagen zu müssen (vgl. etwa die Wiederaufnahme des Verses auf den erweiterten Kriegerdenkmälern in Stafstedt und Norderstapel in Schleswig-Holstein).

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Der Ehrenbürger

Im September 2009 machte die Gemeinde Stafstedt ihrem Ehrenbürger Günther Fielmann ein besonderes Geburtstagsgeschenk: der Dorfplatz, an dem das Elternhaus des Ehrenbürgers steht, wurde in seinem Beisein in Günther-Fielmann-Platz umbenannt. »Wir hier in Stafstedt sind stolz auf Professor Dr. Günther Fielmann. Sie, Herr Fielmann, bekennen sich zu ihrem Dorf, ihrer Heimat«, sagte Bürgermeister und Abgeordneter der CDU im Landtag von Schleswig-Holstein Hans Hinrich Neve.

2014 machten wir Herrn Fielmann auf das Kriegerdenkmal mit seiner fatalen Inschrift in seiner Heimatgemeinde aufmerksam. Wir erhielten keine Antwort.

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Süsel, Kreis Ostholstein

Umgesetzt vor die St. Laurentius Kirche

Heute steht das Kriegerdenkmal als eher schlichtes Steinkreuz in der angedeuteten Form eines Eisernen Kreuzes auf dem Kirchhof. Die Inschrift für die getöteten Soldaten des 2. Weltkriegs lautet:

Unseren Toten 1939 - 1945

SH Susel gesamt web

Ein Lorbeer- und ein Eichenzweig wachsen ineinander verschlungen aus einem Eisernen Kreuz.

            SH Susel 2WK gesamt web


Zur Kirche gewandt stehen die Inschriften zum 1. Weltkrieg:

Den im Weltkriege 1914 - 18
fürs Vaterland gefallenen Söhnen der Kirchengemeinde Süsel

Darüber im Relief ein Soldatenkopf mit Stahlhelm. Darunter ein Kurzschwert mit der Klinge nach unten, als Zeichen für den verlorenen Krieg, aber auch rechts und links vom Schwert je ein Lorbeerzweig.

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Unter dem Schwert steht:

Sie warten des ewigen Lebens nach der Verheißung Gottes
2. Makkabäer 7 · 36

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Alte Postkarten

Sie zeigen das Kriegerdenkmal an seinem früheren Standort in einer wuchtigen Anlage aus rundgemauerten, behauenen Feldsteinen. Vier Stufen führten zum Steinkreuz, das bis dahin nur die Inschriften und Reliefdarstellungen zum 1. Weltkrieg trägt.

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Auf freiem Feld: Geschmückt mit drei Kränzen, umgeben von Tannen.

SH Susel Postkarte1 web

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Bis heute erfahren die Herren Wilhelm I, Moltke und Bismarck eine besondere Ehrung auf dem Kirchhof der St. Laurentius Kirche:

SH Susel Steine web

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Thaden,
Kreis Rendsburg-Eckernförde

Gepflegte große Anlage mitten in einem kleinen Ort

Aus Natursteinen gemauertes dreiteiliges Denkmal gekrönt von einem plastischen Eisernen Kreuz.

SH Thaden Denkmal

 

Inschrift:
Sie gaben Ihr alles, / Ihr Leben, Ihr Blut, / sie gaben es hin / mit heiligem Mut / Für uns! / 1914 (Eisernes Kreuz) 1918


              SH Thaden Tafel


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Thürk

Am Wegedreieck der Straße »Zum Diekkamp«

1928 wurde hier das Kriegerdenkmal für die 15 toten Soldaten des Dorfes Thürk errichtet und eingeweiht. Der Berliner Bildhauer Prof. Hermann Hosaeus (1875 - 1958) hat es entworfen. Lesen Sie über ihn in unseren Dokumentationen über das Denkmal des Soldaten in Harburg und das in Wilhelmsburg.


SH Thuerk Anlage web


Das Denkmal in Thürk aus einer in Bogen geformten Sandsteinplatte trägt den Umriss eines Eisernen Kreuzes aus Metall. »Es sieht aus wie ein Eichenlaubblatt«, das sagte schon der Lehrer von Udo Harder, dem Heimatforscher von Thürk. Die Inschrift lautet:

Für Deutschland
1914         1918
zogen in Kampf und Tod

Zwischen den Jahreszahlen endet das Halbrelief eines nach unten geneigten zergebrochenen Schwerts mit verziertem Knauf, umrankt von einem Eichenzweig. Unter der Inschrift sind die 15 Namen der toten Soldaten des 1. Weltkriegs eingraviert.
 

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Die Sandsteinplatte steht auf einem runden Sockel aus vermauerten bunten Felssteinen.

 

   SH Thuerk Front web

 

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Die eingravierte Signatur von Hermann Hosaeus an der rechten Seite des Denkmals.

 

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1966 setzten Pioniere der Bundeswehr einen großen Findling neben das erste Denkmal. Die Namen der neun toten Soldaten des 2. Weltkriegs sind mit metallenen Lettern darauf angebracht. Mittlerweile ist er mit Efeu bewachsen.

 

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2005 wurde die baufällige Mauer der Denkmalsanlage abgerissen, die Dorfbewohner errichteten eine neue Einfassung mit Granitstehlen, die durch Ketten verbunden sind. Die Pforten an beiden Seiten tragen ein Eisernes Kreuz. Die Anlage ist großzügig und sehr gepflegt.

Wir danken Herrn Udo Harder für die Informationen, die wir der von ihm verfassten Thürker Chronik entnehmen durften.

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Historische Fotos

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1928: Die neue Denkmalsanlage am Wegedreieck ist eingeweiht, die Eiche hinter dem Denkmal ist gepflanzt – noch ist sie kleiner als das Denkmal selbst.

SH Thuerk 1928 web


1928: Die Buchstaben sind deutlich schwarz ausgemalt, das Eiserne Kreuz steht noch auf einer symbolischen Weltkugel.

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In den letzten Kriegstagen 1946 fiel eine englische Fliegerbombe auf die Anlage und zerstörte einen Teil der Mauer und die rechte Pforte.

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Die reparierte Mauer um die jetzt erweiterte Denkmalsanlage: der Findling mit den Namen der toten Soldaten des 2. Weltkriegs ist dazu gekommen.


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2005: die neue Umrandung – eine Gemeinschaftsarbeit der Dorfbewohner – ist fertiggestellt.


Wir danken Herrn Udo Harder für die Fotos. Er musste als 14-jähriger Junge mitansehen, wie neben der gerade aufgegebenen Dorfschule von Thürk das gesammelte Archiv des Lehrers verbrannt wurde. Schon damals war ihm klar, dass dort Schätze unwiederbringlich verloren gegangen sind. So werden wir wohl nie erfahren, wie das kleine Dorf Thürk in Ostholstein zu einem Denkmal von Prof. Hermann Hosaeus aus Berlin kam. Auch im Archiv der Technischen Universität Berlin, an der er gelehrt hat und die seinen Nachlass verwaltet, gibt es keinen Hinweis.

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Der Bildhauer

»Hermann Hosaeus wurde 1875 in Eisenach geboren. Aufgewachsen ist er in Buxtehude, und von hier aus lernte er Hamburg kennen. Er besuchte die Kunstgewerbeschulen in Dresden, Nürnberg, München und zuletzt die Berliner Akademie, wo er von 1898 bis 1900 Meisterschüler bei Reinhold Begas war. Sein Lebensmittelpunkt wurde Berlin, wo er 1922 Professor an der Technischen Universität Berlin-Charlottenburg wurde. Dass Hosaeus ein anerkannter Künstler war, unterstreicht auch seine Berufung an die Preußische Akademie der Künste. (...)

Sein eigentliches Betätigungsfeld wurde die Gestaltung von Kriegerdenkmälern. Im Kyffhäuserbund übernahm er den Vorstand und die Aufgabe des künstlerischen Beauftragten. Dieser Bund existierte seit 1900, er war der Dachverband der Deutschen Landeskriegerverbände. Ursprünglich oblag ihm die Pflege des Kyffhäuserdenkmals, das von 1891 bis 1897 zu Ehren des 1888 verstorbenen Kaisers Wilhelm I. errichtet wurde. Es gehört noch heute zu den imposantesten monumentalen Gedenkbauwerken Deutschlands. In diesem Bauwerk kam vor allem zum Ausdruck, sich vor inneren (gemeint ist die Sozialdemokratie) und äußeren Feinden zu schützen. Das war ganz im Sinne der Kriegervereine, die die Reichseinheit propagierten. 1922 wurde aus dem Kyffhäuserbund der Dachverband des Reichskriegerverbandes, der bald Wegbereiter der nationalsozialistischen Ideologie wurde. 1934 wurde er ›gleichgeschaltet‹ und 1943 auf Reichsebene aufgelöst.

Es verwundert nicht, dass Hosaeus sich in diesem Verein gut aufgehoben verstand, wo er während des Aufstiegs der Nationalsozialisten zahlreiche Aufträge erhielt, häufig wohl ohne Ausschreibung.«

Zitiert aus: Der »Harburger Soldat« und sein Erbauer Hermann Hosaeus, Ralf Busch im Harburger Jahrbuch 23, 2012

 

     SH Thuerk Hosaeus web

       Foto: Helmsmuseum

● Hermann Hosaeus mit dem Kopf des »Soldaten« in seiner Werkstatt. Das Denkmal steht in Harburg vor der Johanniskirche.

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Uetersen,
Kreis Pinneberg

Auf dem Friedhof in zentraler Lage

Im Oktober 1921 ist das Kriegerdenkmal fertiggestellt worden. Der Entwurf stammte von den Architekten »Koch und Prien« aus Hamburg, die Firma »Möller & Sternberg« aus Elmshorn hatte die Pläne ausgeführt. Der Bau wurde über Spenden finanziert, außer Sachleistungen waren gut 42.000 Mark zusammengekommen. Am 20. 11. 1921, am Totensonntag, wurde das Denkmal eingeweiht. Pastor Klappstein, der auch der Vorsitzende des Denkmalausschusses gewesen war, hielt die Predigt beim Gottesdienst in der Kirche sowie die Weiherede auf dem Friedhof, siehe PDF-Download weiter unten.

SH Uetersen gesamt

Im Halbrund das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs: fünf eckige Säulen mit acht Namenstafeln an den Seiten. Die 375 genannten Soldaten stammen zum größen Teil aus Uetersen, zum kleineren aus den Nachbargemeinden Moorrege, Neuendeich und Groß-Nordende. In der Mitte steht die Widmungstafel mit der Inschrift:
Den Helden / des Welt= / krieges 1914-1920 (!) / zum ewigen / Gedächtnis

Die Säulen sind verbunden durch Mauerwerk und einem Architrav, oben aufliegende behauene Sandsteine. Die Mitte wird gekrönt von einer Steinkugel und einem Metallkreuz.


SH Uetersen Kreuze


Das einzige figürliche Element ist eine Soldatenbüste im Halbrelief mit Stahlhelm im expressionistischen Stil. Die tiefen Falten im Gesicht wirken martialisch.

Darunter:
Niemand / hat grössere / Liebe denn die, dass / er sein Leben lässt / für seine / Freunde / Joh. 15, 13.

SH Uetersen Joh

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»Der ideale Soldat«

1930 beschreibt der NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg im »Mythus des 20. Jahrhunderts – Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit« das typische Gesicht des idealen Soldaten so:

»In allen Städten und in allen Dörfern Deutschlands sehen wir hier bereits die Ansätze dazu. Die Gesichter, die unterm Stahlhelm auf den Kriegerdenkmälern hervorschauen, sie haben fast überall eine mystisch zu nennende Ähnlichkeit. Eine steile durchfurchte Stirn, eine starke gerade Nase mit kantigem Gerüst, ein festgeschlossener schmaler Mund mit der tiefen Spalte eines angespannten Willens. Die weitgeöffneten Augen blicken geradeaus vor sich hin. Bewußt in die Ferne, in die Ewigkeit. Diese willenhafte Männlichkeit des Frontsoldaten unterscheidet sich merklich vom Schönheitsideal früherer Zeiten: die innere Kraft ist noch deutlicher geworden als zur Zeit der Renaissance und des Barock. Diese neue Schönheit ist aber auch ein arteigenes Schönheitsbild des deutschen Arbeiters, des heutigen ringenden Deutschen schlechtweg.«

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Für die Toten des 2.Weltkriegs ist eine liegende Platte hinzugefügt worden mit der Inschrift:
Den Opfern des Krieges 1939 - 1945

Auf der Rückseite befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer des 2.Weltkriegs. Nur wenige Meter entfernt eine Gedenkstätte für die antifaschistischen Widerstandskämpfer der Stadt und für die Kriegsgefangenen, Verschleppten und Zwangsarbeiter, die in Uetersen ihr Leben ließen. 

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SH Uetersen Volkstrauertag Huhu Uet wikimedia commons

Foto: Huhu Uet_wikimedia commons

● Volkstrauertag in Uetersen

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Denkmalsgeschichte

Das Kapitel Uetersen aus Claudia Eisert-Hilberts Examensarbeit (1987): »Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg« können Sie hier lesen. Unser Dank gilt der Verfasserin.

 

PDF-Download

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Ulsnis

Im Kirchhof von St. Wilhadi

Eine großzügige Anlage unter den weithin sichtbaren Eichen im Vorfeld des um die Kirche gelegenen Friedhofs. Der hölzerne Glockenturm steht auf einem Grabhügel aus der Bronzezeit. In die Stützmauer davor ist das Denkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs eingepasst. Links davon hinter der äußeren Baumreihe steht das Denkmal für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs aus dem Kirchspiel Ulsnis.

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Das Denkmal an der Seite besteht aus sieben Sandsteintafeln, die in eine gleichfarbige Sandsteinmauer eingesetzt wurden. Die Mauer ist gleichzeitig die Begrenzung des Kirchhofs. Auf je drei Tafeln zu beiden Seiten werden in erhabenen Buchstaben die Namen und Herkunftsorte der toten und vermißten Soldaten genannt, geordnet nach ihren Heimatorten.

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Die mittlere, etwas größere und oben abgerundete Tafel trägt in erhabenen vergoldeten Buchstaben die Inschrift unter dem Symbol eines verzierten Kronenkreuzes:

IHS

Die Jünglinge fallen
aber die auf den Herrn harren
kriegen neue Kraft
Jes. 40, 30

1939 - 1945

SH Ulsnis 2WK Mitte web


Der separat stehende hölzerne Glockenturm steht auf ansteigendem Gelände. Die Stützmauer aus bunten behauenen Feldsteinen ist vorne von einer massiven Sandsteinplatte bedeckt. Auf der Kante ist die Widmung eingraviert:

Unseren gefallenen Brüdern

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Darunter sind drei Sandsteintafeln mit Schmuckrahmen angebracht. Die mittlere, etwas zurückgesetzt, trägt die Inschrift:

1914 - 1918
Niemand hat groessere Liebe denn die, dass er sein Leben laesst fuer seine Freunde.
Joh. 15.13

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Die Buchstaben im tiefer gelegten Schriftband werden eingerahmt vom Relief zweier Stahlhelme mit Lorbeerzweig im runden Medaillon.

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Die beiden äußeren Tafeln sind jeweils dreifach unterteilt. Sie nennen die Herkunftsorte und in chronologischer Reihenfolge die Namen, das Todesdatum und den Sterbeort der toten und vermissten Soldaten aus dem Kirchspiel Ulsnis.

SH Ulsnis 1WK links web


Die Tafeln sind sehr aufwändig und kunstvoll gearbeitet und verziert. Über jedes Namensfeld wurde ein Eisernes Kreuz im Relief gesetzt. Die Buchstaben sind wieder im tiefer gelegten Schriftband erhaben gearbeitet.

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Das Christusmonogramm

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Auf dem Hauptstein des Denkmals zum 2. Weltkrieg ist ein Christusmonogramm abgebildet. Hierzu eine Information:

Das Nomen sacrum (der heilige Name) IHS leitet sich von der Transkription der ersten beiden und des letzten Buchstaben des griechischen Namens Jesu ab. Transkription bedeutet hier »Umschrift«, d.h. die Übertragung eines sprachlichen Ausdrucks von einem Schriftsystem in ein anderes.

IHS (und ihs) als Kurzform des Namens Jesus kann man in Bibeln des Mittelalters und an anderen Stellen sehr häufig finden. Bis ca. 1450 wurden in Bibeln und Urkunden die Worte Jesus und Christus und andere Nomina sacra (heilige Namen) praktisch nie ausgeschrieben. Zunächst war dieses Kürzel mit einem darüber liegenden Kürzungsstrich versehen, aus dem später ein Kreuz wurde.

Nach Wikipedia, 5.2.2017

Dieses Symbol soll dem mörderischen Soldatentod eine religiöse Weihe geben.

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Die St. Wilhadi-Kirche

»Schon von weitem sichtbar sind die hohen Eichen, die den Friedhof von Ulsnis umgeben. Mittendrin befindet sich die weiß gestrichene St. Wilhadi-Kirche. Genau an dieser Stelle wurde um 1150 n. Chr. eine erste Steinkirche erbaut. Damit ist die St. Wilhadi-Kirche in Teilen wohl die älteste erhaltene Kirche des Landstrichs Angeln.«
Infotafel vorm Kirchhof

Im Vorhaus der Kirche befindet sich noch eine »Gefallenengedenkstätte«.

 

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Gedenken an die Zwangsarbeiter

Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen und aus den von Deutschen besetzten Gebieten verschleppten Bewohnern war in den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges in jedem Ort in Deutschland der Normalfall. So befanden sich auch mehr als 120 Zwangsarbeiter zum Einsatz in der Landwirtschaft im Bereich der Gemeinde Ulsnis, vorwiegend polnischer und sowjetischer Herkunft.

Diese waren zunächst in drei Lagern in den Dörfern Ulsnis, Kius und Gunneby untergebracht. Später wurde von den NS-Behörden zugelassen, dass die Zwangsarbeiter auch direkt auf den Hofstellen einquartiert werden konnten.

Nachdem Gemeinde und Kirche jede Beteiligung hinsichtlich des Gedenkens an die Zwangsarbeiter abgelehnt hatten, wurde am 2. September 2000 auf Privatinitiative der Bewohner des Hauses Schleidörferstraße 29 für das Dorf Ulsnis, im Rahmen eines Festaktes zum Gedenken an die Zwangsarbeiter, eine Tafel am Haus angebracht.

Aufgrund zahlreicher Proteste wurde vorab eine Postwurfsendung folgenden Inhalts an alle Haushalte der Gemeinde verteilt.

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An alle Haushalte der Gemeinde Ulsnis

Warum dies in Ulsnis?

SH Ulsnis Tafel Zwangsarbeiter web

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

diese Tafel, die wir am Sonnabend, dem 2. September 2000, 10 Uhr, an unserem Hause anbringen werden, soll niemanden persönlich anklagen. Sie soll erinnern an einen Abschnitt unserer Geschichte, die zugleich ein Stück Dorfgeschichte ist. Sie soll erinnern an eine Zeit voller Unrecht und millionenfachem Leid – auch vieler Deutscher –, begangen von Deutschen im Namen Deutschlands. Sie soll dazu beitragen, dass das Wissen um unsere eigene Geschichte es uns möglich macht, sich ihr zu stellen, sie zu akzeptieren und mit ihr zu leben.

Einige Landwirte fühlen sich dennoch persönlich angegriffen. Sie betonen, dass die Zwangsarbeiter auf ihren Höfen gut behandelt wurden. Niemand will dies in Abrede stellen. Im Gegenteil: Es ehrt sie, dass sie sich über die unmenschlichen Vorschriften der nationalsozialistischen Gesetzgebung hinwegsetzten.

Ältere Leute im Dorf sagen, es seien keine Zwangsarbeiter gewesen, die in unserem Hause untergebracht waren, sondern Kriegsgefangene. Dazu muss man wissen, dass ab November1941 formell alle polnischen Kriegsgefangenen aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurden und den Status von Zivilarbeitern erhielten. Fortan unterstanden sie der örtlichen Polizei und der Gestapo und unterlagen »Sondergesetzen« und »Sonderbehandlung«. Ob Freiwillige, Kriegsgefangene oder nach Deutschland verschleppte Zivilisten – sie hatten einen nahezu rechtlosen Status, verbunden mit der Drohung, bei »Vergehen« bestraft, in ein KZ eingewiesen oder erhängt zu werden. Letzteres galt auf jeden Fall, wenn es zu einem Liebesverhältnis mit einer Deutschen kam, so geschehen zwar nicht in Ulsnis, aber in anderen Dörfern Angelns. Auf das Schönste und Natürlichste, was einem Menschen passieren kann, sich zu verlieben, stand die Todesstrafe, die »Sonderbehandlung«.

Leider wird dadurch, dass Landwirte und Nachbarn das Leid durch gute Behandlung zu lindern versuchten, das begangene Unrecht selbst nicht geringer. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Tafel hier anzubringen. Sie soll die Erinnerung lebendig halten, das Gedenken an die Opfer wahren.

Wir laden Sie herzlich ein.
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Die anfängliche Befürchtung vieler Bürger der Gemeinde Ulsnis, die Gedenktafel könnte zur Diskreditierung des Dorfes führen, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Passanten, die auf die Tafel aufmerksam werden, loben dies als ein Stück notwendiger Aufarbeitung unserer eigenen Geschichte.

Zitiert von der Website der politischen Gemeinde Ulsnis: wp.gunneby.de


Der Initiator der Tafel und Bewohner des Hauses Richard Krohn hat auf der Website www.zwangsarbeiter-s-h.de den Bericht »Vier Stationen Vergangenheit« veröffentlicht.

Bericht Richard Krohn

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Warder, Kreis Segeberg

An der Aussenmauer der Kirche zu Warder

Das Kriegerdenkmal für die 64 toten Soldaten der Kirchengemeinde des 1. Weltkriegs ist aus Muschelkalk. Es steht auf der bunten Feldsteinmauer, die die Kirche hier umgibt.

SH Warder 1WK ganz web

Das Denkmal hat die Form eines dreiflügeligen Altarbildes. Es ist mit kunstvollen Verzierungen und Strichmustern gearbeitet und wird von einem kleinen schwarzen Eisenkreuz gekrönt. Auf den drei senkrechten Flächen stehen die Namen mit Todesdatum, geordnet nach den Heimatorten. Die meisten kamen von den Gutshöfen Wensin, Rohlstorf, Müssen und Margarethenhof. Einige aus den Gemeinden Krems und Schieren. Warder gehört zur Gemeinde Rohlstorf.

SH Warder 1WK ganz 2 web


Der Widmungsstein liegt vor dem Denkmal, wie eine Bank zum Niederknien. Dort ist eingraviert:

Den gefallenen Helden
unserer Kirchengemeinde
1914 - 1918

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.

SH Warder 1WK Inschrift web


Das Denkmal wurde am 9. Oktober 1921 eingeweiht. Pastor Mohr schreibt in der Kirchenchronik:
»Im Gottesdienst waren über 500 Erwachsene, bei der Weihung des Denkmals noch weit mehr. Manche Kirchengänger waren umgekehrt, da sie keinen Platz mehr in der Kirche fanden. Bei der Weihung herrschte herrlichster Herbstsonnenschein. Der See lag klar und blank wie ein Spiegel. An freiwilligen Gaben für die Gestaltung und Errichtung des Ehrenmals haben sich die Gemeindeglieder fast ausnahmslos beteiligt.«


Ungefähr in der Bildmitte sieht man das Denkmal an der Aussenwand der Kirche.

SH Warder 1WK mit Kirche web

Links von der Kirche und dem alten Friedhof liegt der neue mit dem Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 2. Weltkriegs.

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2. Weltkrieg

Am Ende des Hauptweges steht das hohe schlichte Kreuz aus Eichenholz. Im unteren Drittel sind die Jahreszahlen des 2. Weltkriegs, 1939 und 1945, und ein Eisernes Kreuz aus hellem Metall angebracht. Das große Holzkreuz steht vor einer halbrunden geschwungenen Feldsteinmauer.

SH Warder 2WK web


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Die Einweihung

Am 9. Oktober 1951, genau 30 Jahre nach der Einweihung des Denkmals an der Kirchenmauer, bat Pastor Bredner die Gemeindeglieder des Kirchspiels Warder um Spenden für das »Ehrenmal« für »alle, die ihr Leben ließen für unser Vaterland«.

 

Spendenaufruf

Am Totensonntag, den 25. November 1951 fand dann die Einweihungsfeier im Anschluß an den Gottesdienst statt. Pastor Bredner hielt die Predigt in der Kirche, Verwalter Honerkamp vom Gut Wensin die Rede am Denkmalskreuz. Umrahmt von Liedern und Posaunenklängen weihte Pastor Bredner das »Ehrenmal«. Die Segeberger Zeitung beschrieb die Feier am nächsten Tag:

 

Artikel 26.11.

SH Warder 2WK Einweihung web


Ganz im Gegensatz zu dem schlichten Holzkreuz war das Programm der Feier mit Pathos aufgeladen. Unter anderem sang der Gg. Alms-Männerchor aus Bad Segeberg ein vertontes Gedicht des glühenden Antisemiten Börries Freiherr von Münchhausen, einem Urgroßonkel von Jutta Ditfurth:

Was steht ihr am Grabe mit weinendem Blick!
Laßt Gott seine Gabe und tretet zurück.
Von ihm ist das Leben zur Erde gekommen,
Von Stürmen und Stößen umtobt,
Der Herr hat’s gegeben, Der Herr hat’s genommen,
Der Name des Herrn sei gelobt!

Schaut auf zu den Sternen, dort glänzt euer Glück.
In ewige Fernen kehrt einst ihr zurück!
Aus wanderndem Leben zur Heimat gekommen
Durch göttliches Leiden erprobt.
Der Herr hat’s gegeben usw.


Programm

Foto, Dokumente: Archiv der Kirchengemeinde Warder Nr. 306. Herzlichen Dank!


Jutta Ditfurth hat das Leben ihres Urgroßonkels, seine »Rassen«-Ideologie und die heutige Verehrung rechtsextremer, radikal-völkischer Gruppen für ihn in einem lesenswerten Buch beschrieben. »Der Baron, die Juden und die Nazis. Reise in eine Familiengeschichte«, Hoffmann und Campe.

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Zitate aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

Für Deutschland gestorben

Von Clemens Tangerding

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...
Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu:
»Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

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