NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denk- mäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften zerstört wurden. Aber immer noch sind heute viele hundert Krieger- denkmäler dokumentiert. Etliche von diesen waren durch die Ent- fernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Neu erschienen sind die ersten vier Bände einer ausführlichen Zusammenstellung zahlreicher Denk- und Mahnmale aus der Publikationsreihe »Der Erste Weltkrieg – Das Andenken an die Gefallenen im Weltkrieg 1914-1918« von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de). Viele unserer Fotos durften wir mit seiner freundlichen Erlaubnis übernehmen.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.


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Das Denkmal
Die Schifferkirche

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Ahrenshoop

Auf dem Darß, Landkreis Nordvorpommern

Das Kriegerdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs ist ein eher runder Findling hinter der Schifferkirche am Paetowweg. Er trägt acht eingemeißelte Namen.

Inschrift:
Für  (Eisernes Kreuz)  uns
starben den Heldentod

1914-1918

MP Ahrenshoop KD web

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Die Schifferkirche

Die Kirche in Ahrenshoop mit ihrer eigenwilligen Gestaltung, einem Tonnengewölbe aus Holz, wurde 1951 vom Architekten Prof. Hardt-Waltherr Hämer konzipiert und errichtet. Wir wissen leider nicht, wie er über die kriegsverherrlichende Inschrift auf dem Stein hinter »seiner« Kirche gedacht hat.

MP Schifferkirche AhrenshoopSchiwago Wikimedia Commons web

Foto: Schiwago/Wikimedia Commons

Lesen Sie mehr über dieses interessante Bauwerk auf der Website:

www.schifferkirche.de

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Das Denkmal
Der Rachegedanke
Das Eiserne Kreuz
Besuch 2018

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Altenkirchen

Landkreis Vorpommern-Rügen

Ein kantiger schwarzer Stein, vorne poliert, mit Eisernem Kreuz auf einem helleren Steinpodest ist den toten Soldaten des 1. Weltkriegs gewidmet. Die Inschrift lautet:

Unsern im Weltkriege 1914-1918
gefallenen Helden zur Ehre
Die Kirchengemeinde Altenkirchen
Möge aus ihren Gebeinen der Rächer erstehen

Die Kirchengemeinde der nahegelegenen evangelischen Pfarrkirche hat das Kriegerdenkmal ca. 1920 errichten lassen.




Aus dieser letzter Zeile spricht ein aggressiver Revanchismus. Revanchismus bezeichnet eine politische Einstellung, die die gewaltsame Rache (frz. revanche) für militärische und politische Niederlagen oder die Annullierung von Friedensverträgen zum Ziel hat. Nach dem 1. Weltkrieg stießen die Bedingungen des Versailler Vertrages in Deutschland sowohl bei der Bevölkerung als auch bei der Regierung auf starken Widerspruch. Für die politische Rechte war die »Schmach« des Versailler Vertrag Anlass, sich nach einem Rächer zu sehnen.


    

Am unteren Rand ist ein Relief zu sehen. Aus dem Boden kommt ein ausgestreckter Arm mit erhobener Faust – die Rächerfaust!


     MP Altenkirchen 2018 Seite web

Die Ansicht auf den unpolierten, flachen Stein von der Seite ...


     MP Altenkirchen 2018 hinten web

... und von hinten mit Blick auf die Rasenfläche vor dem Denkmal.


MP Altenkirchen 2018 EK web


Das Eiserne Kreuz trägt der Zeit entsprechend oben eine Krone, ein »W« für Wilhelm II in der Mitte und unten, kaum noch lesbar, die Jahreszahl 1914, für den Beginn der breit angelegten Verleihung des »Ehrenzeichens« für Soldaten im 1. Weltkrieg.

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Der Rachegedanke

»Möge aus unseren Knochen ein Rächer erstehen« – das ist ein Vers aus Vergils Werk »Aeneis«.


»In diesem römischen Nationalepos, das in der Frühzeit des augusteischen Principats entstanden ist (29-19 v. Chr.), verflucht die sagenumwobene Herrscherin Karthagos ihren treulosen Liebhaber Aeneas mit den Worten: ›exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor!‹ (»Möge aus unseren Knochen ein Rächer erstehen«). Während Dido zornbebend ihren Fluch ausstößt, steht sie auf den Mauern ihrer Stadt und sieht die Segelschiffe des Trojaners am Horizont entschwinden. In ihrer ohnmächtigen Wut kann sie nur noch darauf hoffen, dass die ihr angetane Schmach einst von einem Nachgeborenen ihres Volkes gerächt werden würde. ... Im pommerschen Altenkirchen, auf der Insel Rügen, spricht Dido Deutsch. ... Unweit der evangelischen Pfarrkirche, deren Ursprünge auf das 12. Jahrhundert zurückgehen, errichtete die Kirchengemeinde um 1920 ein schlichtes Gefallenendenkmal. Auf der polierten Vorderseite des roh behauenen Feldsteins steht unter der Widmung für die ›gefallenen Helden‹ in kleinerer Schriftgröße: ›Möge aus ihren Gebeinen der Rächer erstehen.‹ Um diesen Fluch bildlich zu bekräftigen, ist am unteren Ende des Steins zudem noch eine erhobene Faust an langem Arm eingemeißelt. In diesem Fall wenden sich keine rachsüchtigen Toten an die Lebenden, sondern es wird von den christlichen Denkmalsetzern selbst der Wunsch nach Vergeltung unverhohlen zum Ausdruck gebracht. Fußnote: Zeit und Umstände der Denkmalsstiftung in Altenkirchen sind leider nicht mehr bekannt, Unterlagen nach freundlicher Auskunft des Pfarrers in der Gemeinde nicht mehr vorhanden.«

»Aus Rache und Triumph, Krieg Gefühle und Gedenken in der Moderne«, Loretana de Libero, De Gruyter, S.19/20, 61

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5. Juni 2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Besuch 2018

 

MP Altenkirchen 2018 web


Die Rachefaust ist inzwischen fast vollständig von Gebüsch verdeckt. Wir treffen eine alte Dame, die im Häuschen neben dem Denkmal wohnt. Sie schämt sich für das Denkmal, aber nicht für den Rachegedanken, sondern für die Nichtbeachtung. Vor 1945 hätten oft zwei schmucke Marinesoldaten vom Kap Arkona Ehrenwache beim Denkmal gehalten.

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Das Denkmal
Die Geschichte
»Deutschland muss leben ...«
Die Schrift
Die neue Tafel
Der historische Ort

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Alt Rehse

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Ein runder Findling vor dem Eingang zur Kirche und zum Friedhof trägt über den Namen der getöteten Soldaten die Inschrift:

Den Heldentod starben aus der Gemeinde Alt-Rehse
1914 – 1918

Darunter:

Deutschland muß leben
auch wenn wir sterben müssen

Er wurde 1937, kurz vorm 2. Weltkrieg, aufgestellt.

MP Alt Rehse 

MP AltREhse SteinuKirche web

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Die Geschichte

Der Stein stand zu DDR-Zeiten unbeachtet hinter dem Kulturhaus, die Inschrift war verblichen und nicht mehr zu entziffern. 1992 holten Alt Rehser Bürger ihn hervor und stellten ihn an die Mauer zum Kirch- und Friedhof.

MP Alt Rehse 2 web

• Die Fahrt auf der Baggerschaufel durchs Dorf Alt Rehse

MP Alt Rehse 3 web

• Das Ziel: An der Steinmauer zum Kirch- und Friedhof soll er stehen

MP Alt Rehse 1 web

• Mit vereinten Kräften wird der Stein ausgerichtet

Erst als die verblasste Schrift nachgemalt worden war, konnte man die Inschrift lesen. Was nun?

Wir danken dem Ehepaar Krug von der Pension »Altes Pfarrhaus« für die Fotos aus dem Jahr 1992.

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»Deutschland muss leben ...«

Die Zeile »Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!« stammt aus dem Gedicht »Soldatenabschied« von Heinrich Lersch. Unter dem Eindruck seiner Einberufung 1914 schrieb er es in das Gebetbuch seiner Mutter.

MP Alt Rehse Lied

Heinrich Lersch (1889 - 1936) wurde zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus, im Mai 1933, in die Preußische Akademie der Künste berufen. Im Oktober 1933 gehörte er zu den 88 deutschen Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichneten. Nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg unterzeichnete er am 19. August 1934 einen Aufruf der Kulturschaffenden anlässlich der Volksbefragung zur Vereinigung des Amtes des Reichskanzlers und Reichspräsidenten in der Person von Adolf Hitler. Im August 1935 trat Lersch in die NSDAP ein,im selben Jahr erhielt er den mit 200 Mark dotierten Rheinischen Literaturpreis.

Nach Kriegsende wurden in der Sowjetischen Besatzungszone Lerschs Werke »Deutschland muss leben« (1914), »Herz! Aufglühe dein Blut!« (1916), »Klinge hinaus, schlagender Schall« (1940), »Wir Werkleute« (1936) und »Das dichterische Werk« (1944) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.

nach Wikipedia, abgerufen am 20.7.2015

 

Auf mehreren Kriegerdenkmäler auf dem Gebiet der Nordkirche ist diese Zeile zu lesen, auch in Hamburg. 1979 veröffentlichte eine Autorengruppe um Roland Jaeger das Buch »Ein Kriegsdenkmal in Hamburg«. Lesen sie hier den Beitrag zu Heinrich Lersch. Wir danken den Autoren, dass wir die Seite zur Verfügung stellen können.

Jäger u.a. Lerschgedicht


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Die Schrift

     MP Alt Rehse Schrift web       

Aus der Werbeschrift einer Satzanstalt im »Dritten Reich«

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Die neue Tafel

             MP AltRehse neue Tafel web

Auf den rechten Pfeiler der Eingangspforte zum Kirchhof ist kürzlich eine Bronzetafel angebracht worden, um dem martialischen Spruch auf dem Findling etwas entgegenzusetzen. Die Inschrift lautet:

Wir gedenken der 12 Gefallenen aus Alt Rehse, die im II. Weltkrieg ihr Leben ließen.
Wir trauern um die zahllosen anderen Opfer von Krieg, Gewalt, Vertreibung und jeder Art von Unmenschlichkeit.
Wir mahnen zu Versöhnung, Verständigung und Frieden.
Wir bitten bewahrt die Schöpfung, achtet das Leben, seid menschlich

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Der historische Ort

Im Jahre 1935 wurde in dem kleinen mecklenburgischen Ort Alt Rehse in der Nähe Neubrandenburgs eine »reichsweit« einmalige Einrichtung für die ideologische Schulung von deutschen Ärztinnen und Ärzten, Hebammen, Apothekern sowie Angehörigen der gesundheitspolitischen Institutionen eröffnet. Gleichzeitig wurden die alten Gutsarbeiterhäuser des Ortes abgerissen und Alt Rehse zu einem nationalsozialistischen Musterdorf umgestaltet.
Die »Führerschule der Deutschen Ärzteschaft Alt Rehse« wurde von vielen führenden Nationalsozialisten besucht und nahm innerhalb der ärztlichen Fortbildung im »Dritten Reich« eine zentrale Rolle ein.
Hier vermittelte man den Schulungsteilnehmerinnen und Teilnehmern die ideologische Ausrichtung auf die weltanschaulichen und rassenpolitischen Zielsetzungen der NS-Gesundheitspolitik.
Auf der Grundlage von »Eugenik« beziehungsweise »Rassenhygiene« wurde von den Dozenten eine Gesundheitspolitik verbreitet, die zu den gesetzlich vorgeschriebenen Zwangssterilisationen an so genannten »rassisch minderwertigen« und angeblich »erblich belasteten« Menschen bis hin zum tausendfachen Mord an Patientinnen und Patienten in den Heil- und Pflegeanstalten führte.
In der Ausstellung »Alt Rehse und der gebrochene Eid des Hippokrates« wird dokumentiert, in wie weit sich Ärztinnen und Ärzte, aber auch Hebammen, Apotheker und Verwaltungsmitarbeiter in den Dienst des Nationalsozialismus haben stellen lassen oder in die Verbrechen der NS-Diktatur verstrickt sind. Zudem wird auf historische Hintergründe von Eugenik und Euthanasie verwiesen.

Wir sind bemüht, so viele Informationen wie möglich zur Verfügung zu stellen und neben der Ausstellung zukünftig auch weitere Veranstaltungen durchzuführen. Alt Rehse ist ein historischer Standort, dessen Bedeutung niemals in Vergessenheit geraten sollte. Deshalb bemühen wir uns um ein flächendeckendes Bekanntwerden der Einrichtung und der Erforschung der historischen Hintergründe. Als gemeinnütziger Verein werden wir nur beschränkt gefördert. Deshalb freuen wir auf über jedwede finanzielle Unterstützung und Spenden.

       Stein www.ebb alt rehse

Zitiert von der Website der Erinnerungs- Bildungs- und Begegnungsstätte Alt Rehse e.V.

www.ebb-alt-rehse.de

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Das Denkmal
Die Geschichte
Zustand vor 20 Jahren
Historische Postkarten
1916: Feierliche Nagelung
Die Gegenüberstellung

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Bad Doberan

Landkreis Rostock

Das Kriegerdenkmal für die getöteten und vermissten Soldaten aus Doberan stand auf dem Buchenberg bei der Klosterkirche. Im Volksmund wurde es »Backenzahn« genannt. Es war ein hoher Klinkerbau im expressionistischen Stil mit quadratischem Grundriß. Durch hohe, sich nach oben verjüngende Zwischenräume konnte man ins Innere treten. Es war Ende der 1920er Jahre gebaut worden, entworfen vom Architekten und Baumeister Hans Carlson aus Bad Doberan, der damals auch die Baukosten bezahlt hatte. Im Inneren stand eine gemauerte eckige Säule mit eingelassenen Terrakottaplatten, auf denen die Widmung und die Namen der toten und vermissten Soldaten zu lesen waren. Auf der Urkunde als Spendenbestätigung für Spender anlässlich der Grundsteinlegung 1926 stand:
»Zur Erinnerung an die, die ihre Treue zum Vaterlande mit dem Tode besiegelt haben. Im Jahre tieffster Erniedrigung Deutschlands und größter wirtschaftlicher Not 1926/27 opferte unser lieber Mitbürger ......... zur Errichtung des Ehrenmals für die im Weltkriege 1914/18 gefallenen Helden einen Geldbetrag von ... RM, was mit tiefem Herzensdank bescheinigt wird«.


MP Doberan Spenden web

Hier können Sie sich das Dokument aus dem Jahr 1926 ansehen:

Spendenbescheinigung

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Die Geschichte

Das ursprüngliche Kriegerdenkmal war baufällig geworden und da die Stadt kein Geld zur Verfügung stellen konnte, gründeten besorgte Bürger den Verein »Denkmale Bad Doberan e.V.«, um den »Backenzahn« zu retten. Die Stadt hatte einen Vertrag geschlossen, in dem der Verein das Recht erhielt, die Sanierung zum Erhalt des Denkmales vorzubereiten und durchzuführen. Zu den bewilligten Fördermitteln des Landesamts für Denkmalspflege sollten Bürgerspenden für die Reparaturarbeiten gesammelt werden. Am 22. Dezember 2000 war der Zustand des Denkmals jedoch so gefährlich geworden – unterhalb des Denkmals verläuft die Bundesstraße 105 – dass der Stadtrat den Abriss genehmigte. Die Terrakottaplatten wurden eingelagert und der Rest des »Backenzahns« war Bauschutt.

Vier Jahre später begannen der Verein und der neu entstandene »Freundeskreis Backenzahn«, insgesamt 25 Mitglieder, den Wiederaufbau zu planen. Bis 2007 konnte die Stadt kein Geld dazu geben, aber dann ab 2008 bot der Verein »Denkmale Bad Doberan e.V.« schon Führungen und Erläuterungen zur Geschichte und zum Wiederaufbau des Denkmals »Backenzahn« an. Jetzt steht er da, ohne die Säule im Inneren und ohne Mauereinfassung, aber doch als »Backenzahn« zu erkennen. Der Neubau hat 252.000 Euro gekostet.

 

MP Doberan Wikswat gesamt web

Foto: Wikswat@de.wikipedia / Wikipedia Commons

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Das Denkmal steht in direkter Sichtachse zum Münster und zur Klosteranlage. Rechts und links vom weißen Kreuz ist je eine Birke gesetzt worden.

             MP Doberan An d 2 web

                    Fotos: An-d / Wikipedia Commons

Heute steht ein schlichtes weißes Holzkreuz vor dem Denkmal

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Zustand Vor 20 Jahren

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1996 steht noch die Klinkerumfassung und die gemauerte eckige Säule im Inneren des »Backenzahns« mit der Widmung und den Namen der toten und vermissten Soldaten auf eingelassenen Terrakottaplatten. Am Mauerwerk sieht man Schäden und Graffiti.

             MP BadDoberan 1995 Schimanke2 web

                Fotos: Margrit Schimanke

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Historische Postkarten

MP Bad Doberan Karte2 web

MP Doberan Karte web

Auf den Postkarten ist die Denkmalsanlage in ihrem ursprünglichen Zustand zu sehen. Eine in etwa mannshohe Klinkermauer umgab den »Backenzahn«, an allen vier Seiten waren je nach Gefälle zwei- bis sechsstufige Treppen eingelassen. Im Inneren sieht man die gemauerte Säule mit Widmung (1914 1918) und Namen.

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1916: Feierliche Nagelung

Um die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung zu erhöhen, wurden in dieser Zeit überall in Deutschland »Nagelungen eines Gedenkzeichens« durchgeführt. Es wurden Nägel verkauft, die dann in ein vorgefertigtes »Kriegswahrzeichen« gehauen wurden. Die Spenden kamen in Bad Doberan der Kriegsfürsorge zugute, zur Unterstützung von Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen.


MP Doberan Nagelung web

 

Lesen Sie hier die Argumente von Magistrat und Bürgerausschuss:

Feierliche Nagelung

 
Wir danken sehr herzlich Margrit Schimanke, die uns all diese Dokumente zur Verfügung gestellt hat.

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Die Gegenüberstellung

In der Nähe des Kriegerdenkmals, im Bachgarten der Klosteranlage, steht seit 1986 das Denkmal für die Opfer des Faschismus in Bad Doberan, geschaffen von Reinhard Dietrich. Er nimmt das Motiv der Mauerspalten des »Backenzahns« auf und interpretiert sie als beängstigende Zwangslage von gequälten Menschen, die sich aber doch schließlich nach oben befreien können. Diese Denkmal steht – im Gegensatz zum neu aufgebauten »Backenzahn« – in der Liste der Baudenkmale in Bad Doberan.

MP Doberan Denkmal fur die Opfer des Faschismus Schiwago web

Foto: Schiwago / Wikipedia Commons

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Das Denkmal
Statistik
Das aufgegebene Land

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Bargischow

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Zwei größere Findlinge übereinander, verbunden und gestützt durch vermauerte kleine Feldsteine stehen vor der Mauer zum Kirchhof. Der obere Findling trägt unter einem schwarzen Eisernen Kreuz in einer runden Vertiefung die Inschrift:

Ehre unseren gefallenen Helden
1914 – 1918

MP Bargischow


Die Inschrift auf dem unteren Findling:

Der ist ein Mann, der sterben kann für
Freiheit, Pflicht und Recht

Eisernes Kreuz und Inschriften sind nach 2008 restauriert worden, siehe Foto unten.

MP Bargischow Inschrift

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Statistik

Überregionale Aufmerksamkeit bekam Bargischow durch die hohen Wahlergebnisse der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands). Die NPD konnte in Bargischow bisher folgende Ergebnisse erzielen: Landtagswahl 2006 - 31,6 %, Kommunalwahl 2009 - 21,4 %, Landtagswahl 2011 - 22,1 %.

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Das aufgegebene Land

MP Bargischow Reportage

Foto: Dirk Eisermann

Ein kleines Dorf und ein großes Problem. Nazis in Vorpommern.
Eine Reportage von Wolfgang Bauer aus dem Jahr 2008. 

Wolfgang Bauer, 2008

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Das Denkmal
»Treue um Treue«

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Belsch

Landkreis Ludwigslust-Parchim

In der Mitte ein hoher Obelisk, gemauert aus Feldsteinen, oben ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen, vorne eine große Metalltafel. Drumherum ein Zaun mit kunstvoll gemauerten Pfosten im Kreis.

MP Belsch ganz

Inschrift auf der Metalltafel:

1914 (Eisernes Kreuz im Kranz) 1918
im Weltkrieg zum Schutz für die Heimat
gaben ihr Leben


              MP Belsch Namen        

Unter den Namen der getöteten Soldaten steht:

Wachse Du Freiheit der deutschen Eichen.
Wachse empor über unsere Leichen.
Vaterland höre den heiligen Eid!
Treue um Treue!

Die dankbare Gemeinde!

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»Treue um Treue«

Erlass von Heeresinspekteur Bruno Kasdorf vom 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai:
»Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte] wird der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom ›Karfreitagsgefecht‹ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.
In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.
In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches ›Treue um Treue‹ für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.«

Die im Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:
»Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift ›Treue um Treue‹. (…) Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch ›Treue um Treue‹ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.«

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Das Denkmal
Die Inschrift

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Buchholz

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs ist eine grob umrissene Steinplatte, die auf ihrer glatten Frontseite ein sehr martialisches Symbol trägt:
Ein erhobenes Schwert, von einer entschlossenen Hand ergriffen ist hier dargestellt. Es wirkt, als hätte es der Krieger von hinten durch den Stein geschlagen und als hielte er jetzt das Schwert drohend dem Feind entgegen. Neben der Spitze des Schwerts stehen die Jahreszahlen für die Dauer des 1. Weltkriegs: 1914 und 1918, darüber liest man die Inschrift:

Es starben für Dich

Rechts und links vom Schwert ahnt man die Namen der getöteten Soldaten, es ist keiner mehr zu entziffern.

MP Buchholz gesamt web


Das Kriegerdenkmal steht auf einem Sockel, an dem eine Texttafel angebracht ist. Ein kleinerer Platz um das Denkmal ist mit Feldsteinen begrenzt, er wurde an den Ecken mit Kiefern bepflanzt.

 

MP Buchholz Gross web

Fotos: Matthias Hübner/www.dorfkirchen-in-mv.de

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Die Inschrift

Dieses »für Dich« soll bei den Betrachtern Betroffenheit erzeugen. Die Inschrift verpflichtet die Lebenden mindestens zum Wahren eines würdigen Andenkens. In der Zeit zwischen den Weltkriegen muss sie aber auch interpretiert werden als Aufforderung den Tod der Soldaten durch einen neuen, dann siegreichen Krieg zu vergelten. Das sind die Lebenden den Toten schuldig. Für diese Lesart spricht auch das zum Kampf aufgerichtete Schwert, von einer entschlossenen Faust gehalten.

Dazu ein Zitat aus der Urkunde, die im Grundstein des Kriegerdenkmals am Pinneberger Bahnhof eingelassen worden ist: »Das Ehrenmal wird an der Vorderseite ein aufrechtes Schwert tragen. Hiermit soll die Mannhaftigkeit und der Wehrwille des deutschen Mannes vor aller Welt bekundet werden.«

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Das Denkmal
2003 auf dem Denkmalsberg
Verhüllungsaktion am 21.6.2004
Wer war Otto Ernst Remer?

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Burg Stargard

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Die mittelalterliche Burg Stargard auf dem Burgberg gab der Stadt ihren Namen. Sie ist die nördlichste erhaltene Höhenburg Deutschlands und das älteste profane Bauwerk in Mecklenburg-Vorpommern. Stargard lässt sich aus dem Slawischen ableiten und steht für »stari gard« (Alte Burg). Sechs Jahre nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde dort eine Denkmalsanlage für die getöteten Soldaten gebaut. Neun Stufen führen zu dem großen Findling in der Mitte des Platzes, der von einer halbrunden Natursteinmauer eingefasst wird. Auf den Abschlusspfeilern der Mauer steht je eine metallene Feuerschale mit verziertem Fuß. In die Mauer eingelassen sind drei Tafeln mit den kaum noch zu lesenden Namen der toten Soldaten. Auf dem Findling steht in weißer Schrift unter einem konturierten Eisernen Kreuz:

1914 / 1918
Unsern gefallenen Helden

MP Burg Stargard Ruchhoft Plau Wikimedia Commons Burg Stargard Kriegerdenkmal 1914 18

© Ruchhöft-Plau/Wikimedia Commons

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2003 auf dem Denkmalsberg

Im Oktober letzten Jahres trotteten 50 Neonazis mit Fackeln und Fahnen auf den Burg Stargarder Denkmalsberg, um dem Wehrmachtsgeneral Otto Ernst Remer zu gedenken. Der gebürtige Neubrandenburger wirkte an der Niederschlagung des Militäraufstandes vom 20. Juli 1944 mit und blieb bis in den Tod ein Nazi, der den Holocaust leugnete. Dessen Enkel im Geiste gaben sich richtig Mühe – offenbar putzten sie das Denkmal vorher und beeindruckten abends mit einem »Laienspiel« und dem »Absingen des Liedes Ein junges Volk steht auf!«. Dass der Stein an den 1.Weltkrieg erinnert, störte MAF[Mecklenburgische Aktionsfront]-AnhängerInnen dabei nicht. Die Inschrift »Unseren gefallenen Helden« reichte dem rechten Huldigungsdrang. In Teterow lockte am 22. November 2003 zusätzlich Freibier und Gratis-Glühwein zum Heldengedenken. Wiederum im Fackelschein schmückten hier etwa 50 Neonazis die Krypta des dortigen Ehrenmals mit ihren Flaggen. Am 25. April diesen Jahres versammelte sich die rechte Gemeinschaft erneut auf dem Burg Stargarder Denkmalsberg – allerdings diesmal als ungeplante Ersatzhandlung. Kurz zuvor hatten hundert Alt- und Neonazis versucht, bei Carpin ein Gräberfeld zu Ehren der Waffen-SS zu errichten, die vor 59 Jahren hier noch kurz vor Kriegsende gegen die Rote Armee kämpfte. Die Polizei zerstörte den Runenwald, den Mecklenburgische und Pommersche Aktionsfront offenbar gemeinsam geplant hatten. Gemeinsame Sache machten die beiden Nazi-Bündnisse auch gegen die Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht« in Peenemünde.

Deutsche als Opfer

Mit der Kampagne »Opa war in Ordnung« stellten sich die Nazis von heute nicht nur klar auf die Seite der Täter von gestern – sie konstruieren gar eine deutsche Opferrolle. So propagierte die Mecklenburgische Aktionsfront am 8.Mai diesen Jahres in Neubrandenburg, Burg Stargard, Neustrelitz und bis hinein nach Brandenburg die »Befreiungslüge«. Auf den Flugblättern, Plakaten, Transparenten und Aufklebern werden die Millionen Toten der NS-Herrschaft völlig vernachlässigt und die Deutschen, die das System mehrheitlich stützten, zu den Leidtragenden stilisiert. Dafür werden Verbrechen einiger Sowjetsoldaten und Angriffe der Alliierten als Beleg angeführt. Den Angriff der Briten und Amerikaner auf Dresden bezeichneten die Demagogen der MAF bei einem Aufmarsch gar als »Bombenholocaust«. Puren Revisionismus tragen die Neonazis auf einem anderen Transparent herum – die Aufschrift »Es ist kein Verbrechen, Volk und Vaterland zu schützen« verwandelt den mörderischen Aggressor in einen Beschützer.

        MP Burg Stargard Nazi1 web

        • Kranz für Otto Ernst Remer

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Verhüllungsaktion am 21.6.2004

Die Pressemitteilung:

Denkmal in Burg Stargard verhüllt: Deutsche Täter sind keine Helden! 

Kritik an Kriegsverherrlichung und Neo-Nazi-Treff

In Burg Stargard wurde heute um 10 Uhr ein Stein auf dem Denkmalsberg mit schwarzer Folie eingehüllt. Gleichzeitig wurde mit Blumen den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Antifaschist(inn)en aus Burg Stargard und Neubrandenburg wollen damit gegen die Inschrift des Steins und seine Nutzung durch örtliche Neonazis protestieren.


MP Burg Stargard Aktion1 web

• Beide Berichte stehen auf der Website www.links-lang.de

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Wer war Otto Ernst Remer?

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             © Das Bundesarchiv / Wikimedia Deutschland

• Generalmajor Remer mit Orden und Ärmelband im Januar 1945

Otto Ernst Remer, geboren am 18. August 1912 in Neubrandenburg war ein deutscher Wehrmachtsoffizier. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 war er an der Niederschlagung des Umsturzversuchs beteiligt. Nach dem 2. Weltkrieg trat er als rechtsextremistischer Politiker und Publizist hervor und wurde wiederholt wegen Volksverhetzung verurteilt.

Im April 1933 trat Remer in die Reichswehr ein. Im April 1942 wurde er als Hauptmann zur Division Großdeutschland versetzt. Im Mai 1943 erhielt er für seine militärischen Leistungen das Ritterkreuz verliehen, im November des gleichen Jahres als 325. Soldaten der Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Nach einer schweren Verwundung wurde Remer Anfang 1944 als Kommandeur zum Wachbataillon »Großdeutschland« nach Berlin versetzt.

Das Wachbataillon vom Berliner Stadtkommandanten Paul von Hase, einem der Beteiligten am Umsturzversuch des 20. Juli 1944, war dafür vorgesehen, während der »Operation Walküre« das Regierungsviertel abzusperren und u. a. Joseph Goebbels zu verhaften. Remer führte diesen Besetzungsbefehl zunächst aus.

Einer der Offiziere des Wachbataillons bekam Zweifel, ob Hitler tatsächlich tot sei. Er schlug vor, sich bei Goebbels zu erkundigen. Der Propagandaminister verband den Offizier telefonisch mit Adolf Hitler, der Remer telefonisch den Befehl erteilte, den Putsch niederzuschlagen.

Remer, ein überzeugter Anhänger des Diktators, verhaftete daraufhin seinen Vorgesetzten Paul von Hase und trug damit zum Scheitern der »Operation Walküre« bei.Nach der Niederschlagung beförderte ihn Hitler zum Oberst. Die Propaganda feierte ihn als Helden.

Nach seiner Gefangennahme 1945 wurde Remer von den US-Amerikanern an die Briten übergeben, die ihn bis 1947 internierten. Anschließend wohnte er in Varel und erlernte das Maurerhandwerk.

Remer betätigte sich in den folgenden Jahrzehnten als rechtsextremer Politiker und Publizist und wurde in der Folge in mehreren Gerichtsverfahren verurteilt. So z. B.:

• 1951 wegen übler Nachrede gegen Personen des öffentlichen Lebens (Bundeskanzler und -minister) durch das Landgericht Verden zu einer viermonatigen Haftstrafe, die er verbüßte.

• 1952 wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener durch das Landgericht Braunschweig (Remer-Prozess) zu drei Monaten Freiheitsentzug, dem er sich durch Flucht ins Ausland entzog. Er war dann mehrere Jahre lang als Militärberater des ägyptischen Präsidenten Nasser sowie in Syrien tätig.

• 1985 wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener durch das Amtsgericht Kaufbeuren zu 50 Tagessätzen. Er hatte ein Flugblatt mit Schmähungen gegen Widerstandskämpfer des 20 Juli verteilt.

• 1986 wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener durch das Landgericht Kempten zu drei Monaten zur Bewährung. Er hatte Videokassetten des französischen Holocaustleugners Robert Faurisson vertrieben.

• 1992 wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass durch das Landgericht Schweinfurt.

• 1993 wird die Revision dagegen vom Bundesgerichtshof abgewiesen.

• 1994 Flucht vor der 22-monatigen Haftstrafe nach Spanien.

• 1997 Tod in einem Ort bei Marbella/Spanien.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 16.9.2015

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