NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denkmäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften, zerstört worden. Aber immer noch sind heute viele hundert Kriegerdenkmäler dokumentiert. Etliche von diesen sind durch die Entfernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt, mit zunehmender Tendenz, wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom oder sogar Denkmäler für tote Wehrmachtssoldaten des 2.Weltkriegs neu aufgestellt, siehe Mueß.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Wenn nicht anders angegeben stammen die Fotos von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de) oder Marlise Appel, Evangelische Akademie der Nordkirche.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.

 

 


I N H A L T
Das Denkmal
Nach der »Wende« wieder hergerichtet

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Usedom

Landkreis Ostvorpommern

Im Wald am Ortsausgang in Richtung Stolpe befindet sich das sogenannte Ehrenmal. Am Zufahrtsweg ist ein Hinweisschild aufgestellt. Das Denkmal hat die Form einer flachen Stufenpyramide. Die Spitze bildet ein übergroßer Altar, der 180 cm hoch, 370 cm breit und 240 cm tief ist. Insgesamt wirkt die Anlage wie eine germanische Thingstätte. Sie wurde 1923 von einem pommerschen Architektenteam entworfen.

MP Usedom gesamt

MP Usedom seitlich

An die mittlere Stufe sind drei Steintafeln gelehnt.

MP Usedom Tafel1  

Den Heimattreuen
die treue Heimat

in unauslöschlicher Dankbarkeit
den Gefallenen
der Stadt Usedom und der
Gemeinden Amtswiek, Paske
Ostklüne, Welzien und Wilhelmshof
zum Gedächtnis

MP Usedom Tafel2  

Niemand hat grössere Liebe
denn die,
dass er sein Leben lässet
für seine Freunde.

MP Usedom Tafel3 

Wir vergehen -

Deutschland, unser Vater=
und Kinderland
muss bestehen.


An der untersten Stufe ist nachträglich eine Tafel angebracht worden.

Gewidmet allen Opfern
von Gewaltherrschaft
Unterdrückung und Krieg

Sie war kaputt, als diese Fotos entstanden sind.

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Nach der »Wende« wieder hergerichtet

»Seit der ›Wende‹ 1989 gab und gibt es vielfältige Bestrebungen Denkmäler abzureißen, aber auch wieder andere zu errichten. ... Auch erst in den letzten Jahren wieder hergerichtet ist die Denkmalsanlage am Ortsausgang von Usedom auf Usedom. Hierbei handelt es sich um eine vorwiegend gartenkünstlerische Anlage, in deren Zentrum eine Art übergroßer Altartisch gleich einer Thingstätte steht. Ca. 1923 wurde die Anlage von einem pommerschen Architektenteam geschaffen, deren Namen leider nicht überliefert sind. ABM-Kräfte reinigten die Anlage und unterhalten sie derzeit.«

• Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke, gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, S.5

Im Jahr 2015 kann man viele Kriegerdenkmäler aufzählen, die nach der »Wende« wieder hervorgeholt worden sind, zum Beispiel:
Stolpe
Alt Rehse

oder ihre entfernten Bestandteile wieder bekommen haben:
Adler in Neukalen
Helm Pasewalk
Schwert in Liepgarten
Helm Friedland

Was motiviert die Menschen dazu?

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Vorgeschichte
Die Einweihung
Die Geschichte in Bildern
Der Adler
Das Schwert
Der Lorbeerkranz
»Das wahre Germanentum«

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Waren, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

In der Parkanlage am Kietz am Ufer der Müritz

Text folgt

MP Waren weit web

 

MP Waren vorne ganz web

 

MP Waren Schwert web

 

MP Waren Kranz web

 

 

 

MP Waren Durchblick 2 web

 

MP Waren hinten web

 

MP Waren Durchblick web2

 

 

 

MP Waren Rillen web

 

MP Waren Seite web

 

MP Waren Aufgesetzt web

 

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Die Vorgeschichte

Oberst a.D. Roethe vom Warener Denkmalsverein sagte bei der Einweihung am Sonntag, den 26. Juni 1932, zur Geschichte des Denkmals:

»Sie ist lang, aber in kleinem Rahmen ein Spiegelbild unserer Deutschen Zerrissenheit und des inneren Wiederstreites der Meinungen. Schon im Frühjahr 1920 gewann der Gedanke an ein Kriegerdenkmal im Schoße unserer Militärvereine Leben. Er führte zu Verhandlungen mit den andern Schichten der Bevölkerung und erbrachte zunächst ein Ergebnis, das nicht befriedigen konnte. Der Friedenshain auf dem Bungenberge dient wohl dem Andenken an die Toten des Weltkrieges und der Revolution, ist aber nicht geeignet für die Pflege der Erinnerung an deutsches Heldentum, an Tapferkeit, Treue, Vaterlandsliebe und deutschen Kampfeszorn.

Die Militärvereine sahen sich gezwungen, die Idee eines neuen, eigenen Ehrenmals ins Auge zu fassen.«

 

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Die Einweihung

Text folgt

 

MP Waren 1932 Einweihung Stadtarchiv web


MP Waren 1932 Einweihung Rede Stadtarchiv web

 

MP Waren 1932 Kraenze Stadtarchiv web

 

MP Waren 1932 Illustration Stadtarchiv web

 

Sehen Sie hier die Zeitungsseiten im Original:

Warener Zeitung vom 28. Juni 1932, Seite 1

Seite 2


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Die Geschichte in Bildern

Text folgt

MP Waren 1935 PK2 Stadtarchiv web

 

MP Waren 1935 Park Stadtarchiv web

 

MP Waren 1935 PK5 Stadtarchiv web

 

 

MP Waren 1975 Stadtarchiv web

 

MP Waren 1999 Stadtarchiv web

 

MP Waren 2008 Stadtarchiv web


Alle historischen Bilder, die Seiten der Warener Zeitung vom 28. Juni 1932 von der Einweihung und die Informationen zur Geschichte verdanken wir Jürgen Kniesz, dem Leiter des Stadtgeschichtlichen Museums in Waren. Er war so freundlich und hat uns diese Schätze aus der Sammlung zur Verfügung gestellt.

Wer sich über die Denkmäler im Landkreis informieren möchte, kann im Museum das Heft 18 der Schriftenreihe des Warener Museums- und Geschichtsvereins »Denkmäler zur politischen Geschichte im Landkreis Müritz« erwerben.

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Der Adler

Oberst a.D. Roethe vom Warener Denkmalsverein beschrieb ihn in der Festrede vor der Enthüllung des Denkmals am Sonntag, den 26. Juni 1932 folgendermaßen:

»Der Adler des Steins, der nun sogleich vor Ihren Augen erscheinen wird, er ist das Bild des Adlers der Deutschen, das Sinnbild von Deutschlands Macht und Herrlichkeit. Noch verkrampft sich die rechte Klaue auf dem am Boden liegenden Stahlhelm, dem Zeichen der deutschen Wehrhaftigkeit. Aber schon sieht er in der Ferne das Morgenrot des kommenden Tages, schon regt er die Flügel.

So gebe der allmächtige Lenker der Geschicke der Völker, der uns diese Prüfungszeit auferlegt hat, daß gar bald der Adler des Deutschen Volkes die mächtigen Schwingen breite zum stolzen kühnen Fluge der Sonne entgegen in die ferne glückhafte Zukunft unseres Volkes. Und daß wir bald die Gelegenheit finden, das stolze Lied in die Lüfte zu jubeln, das der Dichterherold unserer Väter ihnen mitgab in die Kämpfe und Märsche nach Paris, wo sie sich die Kaiserkrone und das einige mächtige Reich holten – das Lied:

Flieg, Adler, flieg! Wir folgen nach
Ein Einig Volk in Waffen.
Wir folgen nach, ob tausendfach
Des Todes Pforten klaffen.
Und fallen wir: Flieg, Adler, flieg!
Aus unserm Blute wächst der Sieg.
Vorwärts!«

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Das Schwert

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Der Lorbeerkranz

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»Das wahre Germanentum«

Text folgt


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I N H A L T
Das Denkmal
Historische Fotos
Tafel in der Kirche St. Georg

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Wiek Auf Rügen

Landkreis Vorpommern-Rügen

Von vier Seiten kann man über drei Stufen den Denkmalsplatz vor der Kirche St. Georg betreten. Das Denkmal mit viereckigem Grundriss ist aus behauenen Natursteinen nach oben spitz zulaufend gemauert, auf der Spitze sitzt eine steinerne Kugel auf einem stilisierten Eichenkranz. 

MP Wiek DenkmalVorKirche web

Foto: Andreas Steinhoff / Wikipedia Commons

Kunstvoll herausgearbeitete Muster und ein Eisernes Kreuz im geschmückten Lorbeerkranz sind auf der Vorderseite zu sehen. Auf umlaufenden Bändern die Inschriften:

1914-1918
für Euch

Den Lebenden zum Vermächtnis,
Den Toten zum Gedächtnis
In ehrender Dankbarkeit,
die Kirchengemeinde Wiek


MP Wiek Denkmal nah web
Foto: Andreas Steinhoff / Wikipedia Commons

Die eingefügte Tafel auf der Vorderseite trägt unter einem Eisernen Kreuz die Inschrift:

In den Weltkrieg / zogen / aus unserer Mitte / für das Vaterland / in Kampf und Tod:

An den drei anderen Seiten sind die Namenstafeln eingelassen.

                MP Wiek Tafel 

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Historische Fotos

Früher war die umlaufende Inschrift schwarz eingefärbt und auf der Rasenfläche hinter dem Denkmal befand sich der Friedhof. Wir sehen hier das Denkmal ohne umstehende Bäume ...

   MP Wiek alt web


... und vor der Renovierung:


MP Wiek vor der Renovierung

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Tafel in der Kirche St. Georg

 

MP Wiek StGeorg Kirche web

Im Kirchenraum an der Säule gegenüber der Kanzel hängt eine Holztafel mit der Aufschrift:

Pastor Ernst Thimm
geb. am 18. Feb. 1905
gefallen am 17. Sept. 1941
im Osten als Leutnant an der Spitze seiner Kompanie


                MP Wiek Tafel Kirche web


Eingerahmt wird der Text oben von einem christlichen und unten von einem Eisernen Kreuz.

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Das Denkmal
Das Vaterland
Der Stahlhelm
Der Friedhof im Wald
Das Schloss
Von Wrangel

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Wrangelsburg

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Die Gemeinde Wrangelsburg wird vom Amt Züssow verwaltet. Sie liegt südöstlich der Kreisstadt Greifswald, hat 216 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2015) und ist flächenmäßig die kleinste Gemeinde im Amt.

MP Wrangelsburg weit web


Schloss Wrangelsburg ist ein Herrenhaus in Wrangelsburg. Es wurde 1880 errichtet und ist seit 2017 in Privatbesitz. Der Park, der sich entlang des Südufers des Sees hinter dem Schloss erstreckt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum englischen Landschaftspark erweitert.

Etwas versteckt, rechts vom Hauptweg, steht das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs von Wrangelsburg.

MP Wrangelsburg naeher web


Es ist ein schlicht aufgestellter, kantiger Findling mit einer geglätteten Frontseite.

     MP Wrangelsburg nah web


Unter einem Stahlhelm ist dort eine gußeiserne Platte eingelassen.

MP Wrangelsburg Stahlhelm web


Als Symbol für die toten Soldaten wurde ein Stahlhelm mit kräftigem Kinngurt gewählt. Er ist als Relief im tiefergelegten Kreis gearbeitet.

 

     MP Wrangelsburg Tafel ganz web

Auf der Platte mit schmalem Rahmen liest man von zehn toten Wrangelsburger Soldaten. Auf Mitte gesetzt wird jeweils in einer Zeile der Dienstgrad, Vor- und Nachname und die Einheit genannt. Dienstgrad und Einheit in kleinerer Schrift, in den üblichen Abkürzungen. In der vierten Zeile steht:

Ltn.   Hans Henning v. Kameke   Kür. Regt. 2

Da das Herrenhaus erst 1929 durch Erbschaft in den Besitz der Familie von Kameke kam, ist zu vermuten, dass das Denkmal erst nach 1929 errichtet wurde.

 

MP Wrangelsburg Tafel web


Die Überschrift der Namensliste lautet:

AUS WRANGELSBURG STARBEN FÜRS
VATERLAND IM WELTKRIEGE:

Darunter ist ein waagerechtes Schmuckelement eingefügt.

MP Wrangelsburg hinten web


Ein Foto der Rückseite des Steins zeigt noch einmal, wie versteckt er liegt. Bewohner erzählten uns, dass der Stein früher einen anderen Standort hatte, direkt an der Fahrstraße, näher am Herrenhaus.

 

MP Wrangelsburg hinten Detail web


Wappen oder Kriegssymbol auf der Rückseite – es ist nicht mehr zu erkennen.

 

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Das Vaterland

Aus Wrangelsburg starben fürs Vaterland: ... verbreitet die Botschaft, die Toten hätten mit ihrem Leben für die Gemeinschaft eingestanden. Sie hätten ihr Leben für das »Vaterland«, für die »Heimat«, für »uns« gegeben:


Wenn in den Inschriften explizit erwähnt wird, für was die Soldaten gestorben sind, ist es in den häufigsten Fällen das »Vaterland«. Die Verwendung dieses Begriffes war nach dem Ersten Weltkrieg meist mit einer nationalistischen Haltung verbunden: das deutsche Vaterland, mit dem die eigene Identität untrennbar verknüpft ist, und nur das deutsche Vaterland stellt höchsten Wert dar. Dass dieses »Vaterland« aus dem Streben nach europäischer Vormachtstellung mit im wahrsten Sinne Feuereifer in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, die Soldaten also in Wahrheit für einen Staat starben, der mittels ihrer Hilfe und ohne Rücksicht die eigenen Machtinteressen verfolgte, wird ausgeblendet.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S.78

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Der Stahlhelm

Neben dem militärischen Ehrenzeichen Eisernes Kreuz ist die Darstellung des Stahlhelms das meist gezeigte Symbol auf Kriegerdenkmälern. Wie kam es zu dieser Wirkmacht?

Die neuen Methoden der Artilleriekampfes im 1. Weltkrieg erforderten einen verbesserten Kopfschutz für die Soldaten. Der Lazarettarzt Professor August Bier (nach ihm ist z.B. eine Klinik in Malente benannt) beobachtete höchst gefährliche Granatsplitterverletzungen des Gehirns in erschreckender Häufigkeit und entwickelte darum zusammen mit dem Ingenieur Dr. Friedrich Schwerd den neuen Helm aus Stahl, der die bis dahin getragenen ledernen Pickelhauben ablöste. Die ersten 30 000 Helme wurden im Dezember 1915 an die Truppen an der Westfront ausgeliefert.

Die Vorstellung von der stählernen Schutzwirkung wurde fortan auf Postkarten, Kriegsanleiheplakaten, Schmuckblättern usw. propagandistisch ausgeschlachtet und symbolisch überhöht. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde dieser Symbolwert noch gesteigert.


     SH Kasseedorf Plakat Stahlhelm web

     Plakat von Ludwig Hohlwein zum 10. Reichsfrontsoldatentag 1929

Der Historiker Jürgen Kraus macht drei vorherrschende semantische Felder aus, die dem Stahlhelm in diesem propagandistischen Zusammenhang schon für die Zeit des Krieges zugeordnet werden können. Zum einen hoben die Kriegsanleiheplakate den einzelnen Soldaten aus dem »massenhaften Elend der Materialschlachten« heraus, der nun »gleichermaßen geschützt wie heroisiert durch den neuen Stahlhelm siegessicher als Heldenfigur auf den Plakaten erschien.« In seiner Funktion als Schutzhelm verwies er auf die Gefahren und den Tod auf dem Schlachtfeld und wurde von daher zum Symbol für die Front schlechthin. Viel stärker als die Pickelhaube, die nun endgültig als Symbol für das Militär abgelöst war, vermochte der Stahlhelm den veränderten Bedingungen des Krieges kurz vor dessen Ende auch symbolisch Rechnung zu tragen.

Ein zweites semantisches Feld ergab sich besonders in der zweiten Kriegshälfte aus »der Vorstellung der ›stählernen‹ Schutzwirkung des Stahlhelms«, die nahe legte, daß der so behelmte Soldat an der Front imstande war, dem permanenten Beschuß durch den übermächtigen Feind, dem ›Stahlgewitter‹, standzuhalten und damit ein Vorbild für den Durchhaltewillen an der Front und auch in der Heimat zu sein.

Das dritte semantische Feld folgt laut Kraus schließlich aus der großen formalen Ähnlichkeit des neuen Stahlhelms mit typischen Helmformen des Mittelalters. [...] Indem der Träger des Stahlhelms so in die Nähe der historischen Gestalt des Ritters »als Repräsentant des deutschen Heeres« gerückt wurde, was auf zahlreichen Plakaten der Zeit in vielfältiger Weise geschah, konnte er als überzeitlicher »Kämpfer für Deutschland« stilisiert werden, der »ganz wie seine Vorkämpfer über die Jahrhunderte hinweg Unheil von Deutschland abzuwehren bestimmt war.«

Aus Kriegsvolkskunde, Gottfried Korff (Hg.), Tübinger Vereinigung für Volkskunde e.V., 2005, S.130f

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Der Friedhof im wald

Wenn man weitergeht, erreicht man im Wald, fast am Ende des Sees, die Grabstätte der Familien von Homeyer und von Kameke.

 

MP Wrangelsburg Friedhof Assenmacher Wikimedia Commons web
Foto: Assenmacher / Wikimedia Commons

Ein Neffe des Wolgaster Getreidehändlers August Wilhelm Homeyer erwarb 1862 das Gut Wrangelsburg. Der 1865 in den Adelsstand erhobene Carl Leopold von Homeyer ließ um 1880 das neue Herrenhaus erbauen. Es soll auf dem mittleren Teil des Wrangelschen Schlosses errichtet worden sein. Über dem Obergeschoss des Herrenhauses befindet sich auch heute noch das Wappen der Homeyers: eine Getreidepflanze. 1929 fiel das Herrenhaus dann durch Erbschaft an die Familie von Kameke.

 

MP Wrangelsburg Kreuz web


Auf der anderen Seite des Weges, direkt am Seeufer, steht das Grabkreuz eines Ehepaares. Albrecht Eduard von Kameke / General Landschafts Direktor von Pommern / * 15.4.1831  + 30.5.1897 und Luise von Kameke / geb. von Heydebreck / * 9.11.1834 + 30.7.1898 ist es gewidmet.

Vermutlich hat der Generallandschaftsdirektor von Pommern am Ende des 19. Jahrhunderts den Schlossgarten zum englischen Landschaftspark erweitert.

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Das Schloss

Der damals noch Vorwerk genannte Ort wurde 1426 der adligen Familie von Neuenkirchen als Lehen übergeben. Nach nicht völlig gesicherten Überlieferungen geschah dies zum Dank dafür, dass Rolef von Neuenkirchen, der Herzog Wartislaw VIII 1393 auf einer Pilgerreise nach Jerusalem begleitet hatte, diesem aus einer finanziellen Notlage geholfen haben soll. Nach einem Brand ließ Christoph von Neuenkirchen um 1600 ein vierflügeliges Renaissanceschloss errichten, das im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Familie von Neuenkirchen kam Vorwerk 1643 in den Besitz von Feldmarschall Hermann Wrangel, Generalgouverneur von Livland. Er stammte aus dem alten baltischen Adelsgeschlecht Wrangel. Zweige der Familie bestehen bis heute in Deutschland und im Baltikum.

Sein Sohn Carl Gustav Wrangel, Generalgouverneur von Schwedisch-Pommern, ließ ab 1652 auf den Resten des inzwischen verfallenen Gebäudes ein Barockschloss errichten und nannte es ab 1653 Wrangelsburg. Für den Bau engagierte er den Erfurter Baumeister Casper Vogel.

Während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges wurde das Schloss 1677 beschädigt. Weiteren Schaden richtete 1686 ein Brand an. Das von Wrangels Erben, den Familien Wittenberg und Brahe, nicht mehr instandgesetzte Gebäude kam mit dem Gut 1769 an Malte Friedrich von Putbus. Dieser ließ die brauchbaren Dekorationen des Hauses und des Parks nach Putbus holen und Teile des Schlosses niederbrechen.

Das Schloss wechselte in der Folgezeit mehrfach die Besitzer und das Aussehen.

MP Wrangelsburg 1910 web
Foto: Pommersches Landesmuseum Greifswald

Die Westfassade von Schloss Wrangelsburg mit dem turmartigen Aufbau, 1910.

1929 kam das Herrenhaus schließlich durch Erbschaft in den Besitz von Karz von Kameke. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Besitzer entschädigungslos enteignet und das Gebäude Quartier der Sowjetischen Militäradministration.

nach Wikipedia, abgerufen am 20. März 2019

MP Wrangelsburg Erell Wikimedia Commons 2007 web
Foto: Erell / Wikimedia Commons


1946 wurde es Altersheim und von 1950 bis 1957 war hier ein Jugendwerkhof untergebracht. Anschließend diente es bis 1958 als Pflegeheim. Danach wurde es bis 1997 als Kinderheim genutzt.

Im Jahr 1999 wurde das Gebäude von der Gemeinde gekauft und bis 2012 genutzt, um einem weiteren Verfall entgegenzuwirken. Das Foto oben ist im Jahr 2007 entstanden. In dieser Zeit wurde mit einer Sanierung begonnen. Im Jahr 2012 erwarb der Energiekonzern EWE Schloss Wrangelsburg von der Gemeinde, weil geplant war, nahe Züssow einen großen unterirdischen Gasspeicher zu errichten. Das Haus wollte der Konzern für seine Mitarbeiter nutzen. Dazu kam es aber nicht.

MP Wrangelsburg Renov1 web


Daraufhin kaufte ein Neubrandenburger Unternehmer das Bauwerk für einen siebenstelligen Betrag und lässt es seit dem Sommer 2017 aufwändig sanieren. 


MP Wrangelsburg Renov2 web


Der Park soll weiterhin teilweise öffentlich zugänglich bleiben. Der ursprünglich vorhandene Turm wurde 2018 rekonstruiert und am 5. Juli 2018 auf das Gebäude gesetzt. Diese spektakuläre Aktion kann man sich in einem Film ansehen. Da staunt das Volk!

Film der Dachspitzenmontage


Die deutsche Steuergesetzgebung bevorzugt die Reichen. Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, in dem Vermögen nicht besteuert wird. 1997 wurde die Anwendung der Vermögenssteuer nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes ausgesetzt. Die Richter hatten die Methode beanstandet, mit der sie erhoben wurde, nicht die Steuer selbst. Doch es wurde keine veränderte Vermögenssteuer eingeführt. Die Vermögen bis ins kleinste Detail zu erfassen und gerecht zu besteuern ist schwierig. Der Gesetzgeber hat sich für die größere Ungerechtigkeit entschieden und besteuert Vermögen in Deutschland überhaupt nicht mehr. Das Ergebnis? Der Soziologe Sighard Neckel sagt dazu: »Was wir erleben ist eine Refeudalisierung der Gesellschaft.« Deutschland hat wieder einen Adel: den Geldadel!


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Von Wrangel

Ein Nachfahre der alten deutschbaltisch-schwedisch-pommerschen Offiziersfamilie Wrangel ist der preußische Generalfeldmarschall Friedrich Freiherr von Wrangel, ab 1864 Graf von Wrangel, geboren am 13. April 1784 in Stettin, gestorben am 1. November 1877 in Berlin.

Weniger als Heerführer – der Historiker Hans-Ulrich Wehler nennt ihn in Bezug auf den Feldzug von 1864 »völlig inkompetent« – denn als Berliner »Original« mit »drastischem Witz«, um das sich zahlreiche Anekdoten ranken, ging er in der preußischen Restaurationszeit nach 1849 ins kollektive Gedächtnis ein. Dabei wird häufig übersehen, dass er zeitlebens einen strikt militärischen, gegenrevolutionären Standpunkt vertrat und sich durch die Niederschlagung der Revolution von 1848 historisch profilierte. Der liberale dänische Literat Georg Brandes, ein feiner Beobachter der gesellschaftlichen Verhältnisse Preußen-Deutschlands in der Gründerzeit, kam so zu folgender Bewertung des alten Feldmarschalls:

»Wenn man hört, dass sich Kaiser Wilhelm bei der Enthüllung des Goethe-Denkmals zurückhielt, bei der des Wrangel-Denkmals aber einfand – Wrangel, dieser alte gestiefelte Kater, der immer mit Bonbons in den Taschen herumlief und die Berliner Straßenjugend hinter sich herzog und der nur merkwürdig war mit seinen neunzig Jahren und seinem unglaublich naiven und ungrammatikalischen Deutsch –, dann ist das allgemeinmenschlich gesehen schockierend, vom Standpunkt der deutschen Militärmonarchie ist es logisch. [...] Diesem alten Wrangel, der ein Haudegen und kein Heerführer war, wohnte der Geist inne, der Preußen groß gemacht hat. Als sein Sohn als junger Offizier in seinem Leichtsinn Schulden gemacht und schließlich den Namen des Vaters unter einen Wechsel gesetzt hatte, ging er in seiner Verzweiflung zu ihm und bat um Hilfe. Da antwortete der Alte: ›Du hast dich ehrlos betragen; ich betrachte dich nicht mehr als meinen Sohn‹. Als der Sohn fragte, was er denn jetzt noch habe, lautete die Antwort: ›Du hast deine Pistolen‹. Der Sohn ging hin und erschoss sich. Wie die deutsche Monarchie eingerichtet ist, trug in der Tat der Geist des alten Wrangel mehr als Goethes dazu bei, sie zusammenzuzimmern und ihr diese eigentümliche Atmosphäre zu verleihen.«

nach Wikipedia, abgerufen am 20. März 2019


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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Der Adler
1946: Der Befehl Nr. 30 der Alliierten Konrollbehörde
Historisches Foto
Erinnerung an Bruno Jackley
Der Kapp-Putsch
Der Bildhauer Hans Kies
Wo ist die Bronzefigur heute?
Die Initiative von Edgar Offel

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Wusterhusen

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Auf einer großzügigen Grünfläche an der Wolgaster Straße befindet sich die Denkmalsanlage für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aus dem Kirchspiel Wusterhusen. Der Mittelpunkt ist ein vier Meter hoher mehrstufiger Obelisk aus unterschiedlichem Gestein.

MP Wusterhusen Rund web


Der Obelisk erhebt sich in einem lockeren Kreis aus Heckenbuchen. Im inneren Kreis stehen 10 Stelen mit den Namen der toten Soldaten.

MP Wusterhusen gesamt web


Der Obelisk steht erhöht auf einem Erdhügel, der mit Feldsteinen befestigt wurde. Feine, schmale Steinplatten kombiniert mit grob gerundeten, breiten Granitplatten sind unter und über dem Widmungssockel übereinander gelegt.

 

MP Wusterhusen Widmung web


Die Inschrift lautet:

Unsern im
Weltkriege 1914-18
gefallenen Helden
die dankbare Heimat.

Kirchspiel Wusterhusen

 

MP Wusterhusen Spitze web


Die Spitze des Obelisken aus rötlich-gelben Granit ist raffiniert gedreht und trägt oben die Sitzplatte des flügelschwingenden Adlers.

 

MP Wusterhusen links web


Um das Denkmal herum sind 12 flache Steine aufgestellt, jeweils 115 cm hoch und 57 cm breit.

 

MP Wusterhusen rechts web


Auf den Steinen werden die Namen und Sterbedaten der Soldaten des Kirchspiels Wusterhusen aufgezählt, geordnet nach den einzelnen Ortschaften. Wir zeigen hier beispielhaft drei Steine.

 

     MP Wusterhusen Stein1 web

     MP Wusterhusen Stein2 web

     MP Wusterhusen Stein3 web


Die Ortschaften heißen außer Wusterhusen: Lubmin, Stilow, Brünzow, Pritzwald, Katzow, Nonnendorf, Gustebin, Kräpelin und Gahlkow.

 

MP Wusterhusen hinten web


Das ist der Blick von der alten Schule von schräg hinten auf das Kriegerdenkmal. Hinter der Schule liegt die Johanneskirche mit dem Friedhof. Auf der anderen Seite der Wolgaster Straße, dem Denkmal gegenüber, befindet sich das denkmalgeschützte Ensemble der Pastoratshäuser: das Pfarrhaus mit Scheune und Brunnen und das Pfarrwitwenhaus mit Stall. 

MP Wusterhusen Winter Wikimedia Commons Assenmacher web

Foto: Wikimedia Commons / Assenmacher

Das Denkmal im schneereichen Winter 2013.

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Die Inschrift

Unsern gefallenen Helden: Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.

»Gefallenendenkmal« verweist auf das Wort »fallen«, dem Wörter wie »hinfallen« aber auch »fällen« zuzuordnen sind. Der Tod im Krieg versinnbildlicht sich in diesen Wörtern. Er entkleidet sich im Wort »fallen« seines Schreckens, im Wort »fällen« verkleidet er sich in einen starken Baum, der von einem Naturereignis (Blitzschlag) oder einem übermächtigen technischen Mittel (Axt, Säge) umgelegt wurde. Es ist ein aseptischer Tod, der nichts mit den apokalyptischen Bildern gemein hat, die beispielsweise Erich Maria Remarque und Wolfgang Borchert in der Literatur oder Otto Dix in der bildenden Kunst hervorrufen: zerfetzte Gedärme, verpestete Lunge [...] Für das Fallen ist niemand so recht haftbar zu machen: der Schnee fällt, die Aktienkurse fallen – das Schicksal waltet hier wie dort. Ralph Giordano rät deshalb, »gefallen« durch »umgebracht« zu ersetzen.
Neben diesem offenkundigen Euphemismus schränkt der Begriff »Gefallener« den Inhalt auf den Bedeutungsbereich ein, der im Englischen mit »killed in action« bezeichnet wird. Die deutsche Sprache bevorzugt auch dafür einen schönfärbenden Ausdruck: »im Felde gefallen« oder »auf dem Felde der Ehre gefallen«. Nicht auf ein »Gefallenendenkmal« gehörten demnach alle, die beim Beschuss der Unterkunft, im Lazarett, auf dem Transport oder in Gefangenschaft ums Leben kamen.

 zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 22. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

Die Entscheidung für Metaphern deutet darauf hin, dass das Grauen des Kriegstodes vom Denkmal verbannt werden sollte. An den geliebten Menschen möchte man sich nicht im Zustand seiner Hinfälligkeit erinnern, sondern ihn als kraftvollen Menschen im Gedächtnis bewahren. Das am häufigsten verwendete Wort »Gefallener« (oder »gefallen«) schließt die Dimension des Kraftvollen in seine Definition ein. Die Vorstellung eines ritterlichen Turniers leuchtet auf. Nur ein Aufrechter kann zum Gefallenen werden.

Ebd. S. 60/61


Die dankbare Heimat: Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland [die Heimat] von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl. Denkmäler tradieren seit ihrem ersten Auftreten die Überzeugung, im Krieg für drei traditionsreiche Werte gekämpft zu haben: »für das Vaterland als höchstem Gut, dem der Einzelne unter Aufbietung aller Kräfte diente, zweitens der Monarchie, der er sich bereitwillig unterordnete und drittens seinem überzeugtem Christentum.« (zitiert nach Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, Band 1, S. 260) Ein solches Bewusstsein lässt nicht daran zweifeln, auf der richtigen Seite und für die gute Sache gekämpft zu haben.

Ebd. S.78

Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

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Der Adler

Der Adler ist als »der mächtigste König im Luftrevier« (Anfang des »Seeräuberlied«, das zum Marschliederkanon der Wehrmacht gehörte), der König der Lüfte und wehrhafter Beschützer seines Horstes. In der griechischen Mythologie ist er ein Attribut des Gottes Zeus. Als heraldisches Symbol diente er von 1433 bis 1806 den Kaisern des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen sowie deutschen Königen, Herzögen und Markgrafen als Wappenbild.

zitiert aus Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 137


1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Konrollbehörde herausgegeben, nach dem kriegsverherrlichende Botschaften und Symbole auf deutschen »Ehrenmälern« zu entfernen sind. Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern in der Sowjetischen Besatzungszone verschwunden. Die älteren Wusterhusener erzählen, dass »ihr« Adler in einem der Dorfteiche liegt. 1990, nach der »Wende«, war der Reichsadler in Wusterhusen wieder erwünscht. Ein Katzower Künstler bekam den Auftrag ihn herzustellen. Auf dem Kriegerdenkmal steht er nun stolz, in aufrechter Haltung auf der Spitze des Obelisken. Die Schwingen sind in senkrechter Stellung geöffnet.

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1946: Der Befehl Nr. 30

... Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone gibt am 5. 5. 1946 die Richtlinien für die Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler heraus. Danach müssen alle Denkmäler militärischen Charakters beseitigt werden, sofern sie nicht besonderen künstlerischen Wert besitzen.

Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Kriegerdenkmälern, darin heißt es:

»Da sie als Erinnerung für die Gesamtheit der in den Kriegen Gefallenen gelten, muss jeder Eingriff mit starken Rückwirkungen auf die Bevölkerung rechnen. Zu beseitigen sind auch hier all jene Denkmäler usw. die Aufforderungen zur Rache, zum erneuten Kriegseinsatz, Verherrlichungen des Krieges usw. enthalten. Dies trifft nicht zu für Kriegerdenkmäler, die vor 1860 entstanden sind, da sie fast immer bescheiden in der Haltung sind und fast ausnahmslos einigen künstlerischen Wert besitzen. Kriegerdenkmäler nach 1918 sind fast ausnahmslos wertlos. Ihre Beseitigung ist anzuregen, falls nicht in Sonderfällen künstlerischer Rang vorliegt. Denkmäler mit künstlerischem Wert sind einem Museum zu übergeben. Die Säuberungsaktion soll als Willensausdruck breiter Schichten des Volkes vorgenommen werden.« Infolge der Richtlinien sind zunächst Listen zu erstellen gewesen. ...

Am 13. Mai 1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde herausgegeben. Das ist eine Woche nach dem Rundschreiben der Deutschen Zentralverwaltung. Hier heißt es im Abschnitt Kriegerdenkmäler:
»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.« Ebenfalls wird eine Erstellung von Listen zur Erfassung aller Kriegerdenkmäler, bevor an deren Beseitigung herangegangen wird, gefordert.

Auf Grundlage des Befehls Nr. 30 der Alliierten und der Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung sind die schon erwähnten Listen der Jahre 1946/47 entstanden.

Deren Auswertung ist bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig abgeschlossen. Es lässt sich aber feststellen, dass ca. 900 - 1000 Ehrenmale erfasst sind. Dazu kommen dann die bereits vor dem II. Weltkrieg vernichteten Kriegerdenkmäler und sicher auch noch ein Teil kleinerer Denkmäler die aus den verschiedensten Gründen nicht erfasst wurden.

Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern [in der SBZ] verschwunden. Einzelne, vor allem figürliche Denkmäler sind vernichtet oder magazinisiert worden. Im nächsten Jahrzehnt erfolgte eine Welle der Umwidmungen. Ehemalige Weltkriegsdenkmäler oder auch nur ihre stehengebliebenen Sockel werden zu VVN-, OdF- oder personellen Denkmälern.

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, Seite 4-5

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Historisches Foto

In früheren Zeiten betrat man die Denkmalsanlage durch eine zweiflügelige weiße Holzpforte. Ein Sandweg führte zum Denkmal, und auch der runde Platz war bis zu den Namensstelen mit Sand bedeckt. Die Stelen überragten die Buchenhecke.

 

     MP Wusterhusen Alt web

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Erinnerung an Bruno Jackley

Zitiert aus »Bestandsaufnahme politischer Memoriale des Landes Mecklenburg-Vorpommern«, Dr. Wolf Karge, Hugo Rübesamen, Dr. Andreas Wagner, 1998, S. 478:

Auf dem Friedhof von Wusterhusen ruht Bruno Jackley. Während des Kapp-Putsches hatten sich die Landarbeiter von Wusterhusen bewaffnet, um die Republik zu verteidigen. Auf die Nachricht der Ermordung von fünf Greifswalder Arbeitern hin beschloß das Aktionskomitee in Wusterhusen, das Greifswalder Wasserwerk in Dietrichshagen zu besetzen, um die städtischen Arbeiter im Streik zu unterstützen. Doch ihr Angriffsplan war verraten worden, so daß es am 21. März 1920 zu einem erbitterten Gefecht kam. Mehrere Landarbeiter gerieten in Gefangenschaft und wurden von den Putschisten mißhandelt. Der 18jährige Landarbeiter Bruno Jackley war durch einen Unterleibsschuß schwer verletzt und wurde durch Gewehrschläge auf den Kopf ermordet.

Der Deutsche Landarbeiterverband setzte Bruno Jackley einen schlichten Grabstein. Auf dem Dorfplatz stellte man in der DDR eine Plastik des Berliner Künstlers Hans Kies auf, die nach 1990 abgebaut wurde. An das Denkmal erinnert nur noch eine fast unscheinbare Gedenktafel (34 mal 50 cm) auf dem Boden. Die Inschrift lautet:

Zu Ehren / der heldenhaften Kämpfer / gegen den Kapp-Putsch / und zur Erinnerung an / Bruno Jackley

 

MP Wusterhusen Tafel web

Foto: Wikimedia Commons / Assenmacher

Bei unserem Besuch in Wusterhusen 2018 trafen wir ehemalige Bewohner, die ihrem Geburtsort einen Besuch abstatteten. Sie waren empört darüber, dass der Adler 1990 wieder auf das Kriegerdenkmal gesetzt und gleichzeitig die Plastik für Bruno Jackley entfernt worden war.


... und so sah die Bronzefigur »Bewaffneter Arbeiter« von Hans Kies, 1966/70, signiert »Kies, Guss, Lauchhammer 1967« aus:


     MP Wusterhusen Skulptur Hans Kies web

Foto aus: Gedenkstätten der Arbeiterbewegung im Bezirk Rostock, Herausgeber: Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Bezirksleitung Rostock der SED und vom Bezirksvorstand Rostock der Gesellschaft für Sport und Technik.
Zweite von der Kommission örtliche Arbeiterbewegung überarbeitete Auflage 1973. S. 28

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Der Kapp-Putsch

Der Kapp-Putsch, auch Kapp-Lüttwitz-Putsch, vom 13. März 1920 war ein nach 100 Stunden gescheiterter, konterrevolutionärer Putschversuch gegen die nach der Novemberrevolution geschaffene Weimarer Republik. Anführer war General Walther von Lüttwitz mit Unterstützung von Erich Ludendorff, während Wolfgang Kapp mit seiner »Nationalen Vereinigung« nur eine Nebenrolle spielte.

Der Putschversuch brachte das republikanische Deutsche Reich an den Rand eines Bürgerkrieges und zwang die sozialdemokratischen Mitglieder der Reichsregierung zur Flucht aus Berlin. Die meisten Putschisten waren aktive Reichswehrangehörige oder ehemalige Angehörige der alten Armee und Marine, insbesondere der Marinebrigade Ehrhardt, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in reaktionären Freikorps organisierten, sowie Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP).

Einen großen Anteil am Scheitern des Putsches hatte, neben der bewaffneten Gegenwehr der Proletarier und Uneinigkeit der Militärs über die eigentliche Zielsetzung des Putsches, unzweifelhaft der Generalstreik – der größte in der deutschen Geschichte.

Gründe für den Putsch waren die Republikfeindlichkeit sowie die Frustration vieler früherer Soldaten, die nun in etwa 120 Freikorps organisiert waren. Konkreter Auslöser war am 29. Februar die Verfügung von Reichswehrminister Gustav Noske, die Marinebrigade Ehrhardt aufzulösen, da am 10. Januar 1920 der Versailler Friedensvertrag in Kraft getreten war, welcher das deutsche Heer auf 100 000 Mann sowie die Marine auf 15 000 Mann beschränkte. Dies bedeutete einen massiven Personalabbau der etwa 400 000 Mann starken Reichswehr von 1919, die meisten der damaligen Freikorps sollten aufgelöst werden. In diesem Punkt spielten aber die Führer der Freikorps nicht mit; die politischen Generäle waren nicht gewillt, auf die Instrumente ihrer politischen Macht zu verzichten und so kam es zu dem militärischen Staatsstreich vom 13. März 1920.

nach Wikipedia, abgerufen am 6. August 2018

 

MP Wusterhusen Bundesarchiv Bild 119 1983 0025 Kapp Putsch Berlin web

Foto: Bundesarchiv 119-1983-0025

• März 1920: Einzug der Marinebrigade Ehrhardt in Berlin, Berlin wird besetzt. Die Soldaten der Brigade pausieren mit der Kriegsflagge der Kaiserlichen Marine.


Lesen Sie mehr bei:

Gelsenzentrum

Wikipedia

Lebendiges Museum online


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Der Bildhauer Hans Kies

Hans Kies, geboren am 4. Dezember 1910 in Kolberg; gestorben am 4. Juni 1984 in Berlin, war ein deutscher Bildhauer und Politiker (KPD, SED). Er lernte nach dem Besuch der Volksschule in Berlin den Beruf des Maschinenschlossers. Als Arbeiter besuchte er eine Abendschule und gehörte einem Zirkel von Arbeiterzeichnern an. 1926 wurde er Mitglied des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Später trat er der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition bei. Er wurde 1929 Mitglied der KPD.

Ab 1931 studierte Hans Kies an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst (der späteren Staatlichen Hochschule für bildende Künste) in Berlin-Charlottenburg. Das Studium beendete er 1939. Anschließend ging er zum Militär, leistete seinen Dienst von 1940 bis 1945 und ging danach nach Usedom, wo er von 1945 bis 1950 Bürgermeister von Zinnowitz war. Nebenher arbeitete er als freier Künstler, ab 1950 freischaffend. 1958 wurde er Stadtverordneter von Berlin.

Hans Kies gehörte dem Künstlerkollektiv an, das von 1955 bis 1958 die Denkmäler im Konzentrationslager Buchenwald schuf. 1960 errichtete er am Friedhof der Märzgefallenen in Berlin-Friedrichshain das Denkmal »Roter Matrose«, welches an die Gefallenen der Novemberrevolution 1918 erinnern soll. Ebenfalls von ihm stammt die Karl-Marx-Gedenkstätte in Alt-Stralau von 1964. In Schwerin schuf er 1965 das Relief für die »Gedenkstätte verdienter Kämpfer für Demokratie und Sozialismus«. Von 1964 bis 1968 war er Zirkelleiter im Haus der jungen Talente in Berlin und im Kulturhaus der Automobilbauer in Ludwigsfelde.


MP Wusterhusen Bundesarchiv Bild 183 D0329 0013 001 Hans Kies web

Foto: Bundesarchiv_Bild_183-D0329-0013-001

• 1965 bei einer Ausstellungseröffnung. Von rechts: Prof. Otto Nagel, Vizepräsident der Deutschen Akademie der Künste, Bildhauer Hans Kies und Johanna Grotewohl

Ab 1969 wurde Hans Kies Dozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Hans Kies gehörte dem Präsidium des Verbandes Bildender Künstler der DDR an und war Vorsitzender des Bezirksvorstandes Berlin.

Nach Wikipedia, abgerufen am 6. August 2018


MP Wusterkusen Gedenktafel Kapp Putsch Wikimedia Commons OTFW Berlin web

Foto: Wikimedia Commons / OTFW, Berlin

Gedenktafel zum Kapp-Putsch in der Friedlander Straße 156, Berlin-Adlershof. Die Skulptur »Der Kämpfer« von Hans Kies wurde 1970 eingeweiht. Sie ist eine Kopie der Bronzefigur »Bewaffneter Arbeiter«, die 1967 für Wusterhusen gegossen wurde.

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Wo ist die Bronzefigur heute?

Auf der Website der Mecklenburger Antikdiele in Neustrelitz kann man sie unter dem Menüpunkt »Deko-Interieur« betrachten und für 22 000 Euro kaufen.

mecklenburger-antikdiele.de/grosse-bronzefigur-bewaffneter-arbeiter-von-hans-kies


MP Wusterhusen Angebot web
MP Wusterhusen Angebot text web


Im Begleittext auf der Website wird die Herkunft genannt:

MP Wusterhusen Angebot E Text web

 

Wie es aussieht, ist sie Anfang der 90-ern an einen Greifswalder »Kunsthändler« verkauft worden. Jedenfalls taucht sie in der Denkmalliste des Kreises Ostvorpommern von 1996 nicht mehr auf. Die  Landkreise hatten nach dem Denkmalschutzgesetz MV von 1991 die Aufgabe, bis 1996 alle Denkmäler zu erfassen. (Eine Liste der Denkmäler des DDR-Kreises Greifswald habe ich bisher nicht gefunden.)

zitiert nach dem Beitrag »Ein Denkmal taucht wieder auf« von Edgar Offel auf seiner Website:

wuhu.offelnet.de

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Die Initiative von Edgar Offel

Edgar Offel interessiert sich für die Denkmäler seiner Heimatstadt Wusterhusen.


Er schreibt dazu auf seiner Website

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I N H A L T
Das Denkmal
Der Heldentod
Findlinge
Die Deutsche Eiche
Der Amtskurier

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Zehlendorf

Landkreis Rostock

Unter einer mächtigen Eiche steht ganz dicht am Stamm das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

MP Zehlendorf Eiche ganz web


Eiche und Denkmal stehen auf einem annähernd dreieckigen Rasenplatz in der alten Dorfmitte.

MP Zehlendorf Rieseneiche web


Sie waren einmal von einem Zaun umgeben, von dem jetzt nur noch die eisernen Pfeiler und Streben übrig geblieben sind.

MP Zehlendorf Denkmal web


Das Denkmal steht auf einer kleinen Erhöhung, drei Stufen führen zu den Findlingssteinen. Der untere, fast viereckige, ist ein perfekter Sockel, der obere, in Dreiecksform, steht gut darauf. Auf ihm sind die Inschrift und die Namen der Soldaten zu lesen.

Am großen Wirtschaftsgebäude im Hintergrund sieht man noch den Hausschatten der alten Busstation. Dort steht jetzt eine schicke neue aus Glas und schwarzem Stahl. Am Denkmalsplatz ist nämlich auch Zehlendorfs Bushaltestelle.

MP Zehlendorf Stein web


Die Inschrift und die Namen sind kaum noch zu lesen, aber da sie dokumentiert sind, können wir sie hier bekanntgeben.

 

MP Zehlendorf Spitze web


In der Spitze ist ein Eisernes Kreuz in Kontur abgebildet. Darunter die Inschrift:

Weltkrieg 19 14/18
Es starben den Heldentod

Die Jahreszahlen sind als Bruch dargestellt.

 

MP Zehlendorf Korrektur web


Darunter die Namen und der militärische Dienstgrad von sieben Soldaten aus Zehlendorf, die im Krieg zu Tode gekommen sind.

Ernst Burmeister    Res. Jäg. Bat. 14
Adolf Krüger          Res. Inf. Regt. 78
Karl Greve             Gren. Regt. 89
Paul Brümmer        Art. Regt. 9
Hans Peters           Inf. Regt. 402
Hermann Bohn       Gren. Regt. 89
Wilhelm Löscher     Landw. Inf. Regt. 31

Die Dienstgrade, die uns wie böhmische Dörfer vorkommen, kannte damals jedes Kind. Im Kaiserreich blühte der Militarismus: so schneidig wie die preußischen Soldaten sollte die gesamte Gesellschaft sein: vom Greis bis zum Knirps. Unbedingter Gehorsam war das Ziel.

MP Zehlendorf Kinderkarte web


Bereits die Kinder wuchsen in einer militarisierten Umgebung auf. Kriegsspiele waren äußerst beliebt. In kaum einem Kinderzimmer fehlte ein Satz Bleisoldaten, ebenso gehörte der Matrosenanzug zur Grundausstattung. Zu Weihnachten sangen die Kleinen: »Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt mit seinen Gaben, Trommel, Pfeifen und Gewehr, Fahn’ und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegerheer möcht ich gerne haben.« In der Schule setzte sich die Einübung militärischer Denk- und Verhaltensmuster fort. Vielerorts glich das Schulleben einem zackigen Paukbetrieb, der wenig Raum ließ für Spontanität und Kreativität. [...]

»Lerne vom Militär!« – so lautete das Mantra der pädagogischen Fachliteratur. Das Aufstehen der Schüler beim Eintreten des Lehrers ins Klassenzimmer habe »mit einem einzigen Ruck zu geschehen« und müsse »klappen wie ein Bataillonstritt bei der Parade«, hieß es in einem Lexikon der Pädagogik. Im »Gänsemarsch mit regelrechtem Soldatenschritt« müssten die Schüler in den Pausen das Klassenzimmer verlassen und »zwei und zwei im Schulhof ordnungsgemäß auf und ab marschieren«.

Volker Ullrich, ZEITGeschichte 4/2018, S. 45


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Zurück nach Zehlendorf: 

MP Zehlendorf hinten web


Auf der Rückseite des Denkmals sieht man, wie perfekt der entstandene Raum zwischen den Findlingen ausgefüllt wurde.

 

MP Zehlendorf Dorfstrasse web2


Ein letzter Blick ins Dorf!

 

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Der Heldentod

»Sie starben den Heldentod« steht auf den Denkmälern. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.


Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen. Durch diese »Opferhelden« werden bestimmte Werte, die dieser Held verkörperte erhöht und für die Gesellschaft als besonders erstrebenswert definiert, wie z.B. die Opferbereitschaft, »Vaterlandsliebe«, Mut, Furchtlosigkeit. Im Gegenzug lässt sich gleichfalls nicht heldisches Benehmen erkennen: Zögern, Zaudern, Furcht, Illoyalität usw. Durch den universellen Anspruch des Heldengedenkens wird die »Leistung für das Gemeinwesen« anerkannt und wirkt fortan als Vorbild, was zur Militarisierung der Gesellschaft beiträgt (Opferheldenverehrung des 1. WK trug zu Militarisierung im Zuge des 2. WK. bei). »Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.« (Kurt Tucholsky)

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden

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Findlinge

Findlinge wecken Assoziationen zu germanischen und keltischen Hünengräbern und Dolmen. Die Romantik entdeckte sie wieder, nach den Befreiungskriegen verbreiteten sie sich als Denkmalstyp und setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend in Norddeutschland gegen den Obelisk durch. [...]

Findlinge sind große (Granit-)Steine aus der heimatlichen Landschaft. Die Denkmalstifter holten sie oft selbst aus der Heide oder aus dem Harz mühevoll herbei. Als Monolith steht der Findling für die Einheit des Landes, fast unbearbeitet, strahlt er Naturwüchsigkeit aus, selbst ein Teil der uralten Überlieferung mahnt er zu ewigem Gedenken.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 134. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

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Die deutsche Eiche

Die Eiche zählt schon lange als »deutscher« Baum. Ihr hartes Holz und das charakteristische, spät fallende Laub machten sie seit der Zeit der Germanen zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. In jüngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue.

Das Eichenlaub ist ein politisches und militärisches Symbol sowie eine Figur in der Heraldik, das den gelappten Laubblättern von in Mittel- und Südeuropa heimischen Eichenarten nachempfunden ist. Die Blätter können getrennt oder an einem Zweig angeordnet dargestellt sein.

Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der Reichsgründung 1871, die das Gefühl nationaler Einheit bestärkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in ähnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz.

Aus diesem Grund findet man Eichenlaub oft auf Orden, Symbolen und Münzen, so beispielsweise als Erweiterung des Ordens Pour le Mérite sowie auf dem Eisernen Kreuz. Während des Zweiten Weltkrieges gab es zudem das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub. Seit 1957 ist es Vorschrift, dass Orden aus der Zeit des Nationalsozialismus nur noch ohne das damals – bis auf wenige Ausnahmen – obligatorische Hakenkreuz getragen werden dürfen. Dieses wurde daher beim Eisernen Kreuz sowie dessen Erweiterungsstufen – wie bei den ersten Eisernen Kreuzen aus der Zeit der Befreiungskriege – durch drei Eichenblätter ersetzt.

Nach Wikipedia, abgerufen am 12. November 2019

 

MP Sagard Eisernes Kreuz web2


Das Eiserne Kreuz auf dem Denkmal zur Völkerschlacht bei Leipzig in Sagard auf Rügen.

Den Anlass der Ordensstiftung gaben die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu denen Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation »An mein Volk« aufgerufen hatte. Auf Grundlage einer Zeichnung des Königs wurde Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung beauftragt. Wörtlich heißt es dazu:

»Se. Königl. Maj. haben beschlossen, für die Dauer des jetzigen Krieges eine eigenthümliche Auszeichnung des Verdienstes eintreten zu lassen. Sie soll in einem schwarzen in Silber gefaßten Kreuz aus Gußeisen bestehen, und dessen Vorderseite ganz glatt und ohne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite aber zu oberst den Namenszug FW mit der Krone, in der Mitte drey Eichenblätter, unter die Jahreszahl 1813 enthalten. Se. Maj. haben allerhöchstselbst die anliegende Zeichnung davon entworfen, und wünschen eine sauber ausgeführte Zeichnung.«

 

MP Zehlendorf LeipzigOperDDR Wikimedia Commons Concord web
Foto: Wikimedia Commons / Concord

Das Emblem der DDR mit Eichenlaub über dem Eingang zum Opernhaus in Leipzig.

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Der Amtskurier

Immerhin hat es das Zehlendorfer Denkmal 2016 auf die Titelseite des Amtskuriers geschafft ... und siehe da: das alte Bushäuschen! Hier steht es noch!

 

MP Zehlendorf Amtskurier web


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I N H A L T
Das Denkmal
Verwendete Begriffe
Der Stein für die Soldaten des 2. Weltkriegs
Die Holztafel in der Kirche
Die Kirche St.-Jacobus

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Zirchow

Landkreis Vorpommern-Greifswald, auf der Insel Usedom

St. Jakobus, die Feldsteinkirche in Zirchow, auf einem steil aufstrebenden Hügel mitten im Dorf gehört zu den ältesten Bauwerken auf der Insel Usedom. Eine eigene, fast überdiemsionierte Steintreppe führt über 17 Stufen zum Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

     MP Zirchow Auto web


Die Durchfahrtsstraße ist viel befahren, viele Blicke werden an den auffälligen Treppenstufen entlang zum Denkmal hochwandern.

 

     MP Zirchow Treppe web


Für das kleine Monument sind Feldsteine verschiedener Größen, Formen und Farben vermauert worden.

 

MP Zirchow Denkmal 1WK web


Es sieht ein bisschen aus wie eine russische Matruschka, die rundliche Form teilt sich in Kopf (Widmungstafel), Bauch (Namenstafel) und Füsse (Sockel).

 

MP Zirchow Denkmal 1WK Tafel oben web


Die eingelassene Granitplatte schmückt oben ein Eisernes Kreuz mit preußischer Königskrone, dem »W« für König Wilhelm II., der in dritter Stiftung das Eiserne Kreuz als militärisches Ehrenzeichen 1914 erneuert hatte. Darunter ein Halbkranz aus ehrendem Eichenlaub mit verspielter Schleife. Beides sind zarte, flache Reliefs aus Bronze.

Unten eingerahmt wird das Eichenlaub von den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs:
1914       1918

Unten die Widmung:
Unseren
im Weltkrieg gefallenen
Helden
zum Gedächtnis

 

MP Zirchow Denkmal 1WK Tafel 2 web


Im Mittelteil ist eine weitere Granitplatte eingelassen auf der in zwei Spalten 16 Namen von toten Soldaten aufgezählt werden. Sie werden mit Vor- und Nachnamen und Todesdatum genannt. Geordnet sind sie auf den ersten Blick nach Todesdatum, aber ganz stimmt die Reihenfolge nicht. auch bei den Namen scheint etwas durcheinander geraten zu sein: aus Wilhelm Nahorn auf der »Ehrentafel« in der Kirche ist auf dem Denkmal Wilhelm Dahern geworden. Die wohl von Anfang an nicht sehr professionell gravierten Buchstaben haben beim Nachmalen teilweise ihre Form verloren.

 

     MP Zirchow seitlich web


Das Denkmal ist geschickt in den Hang hineingebaut. An der vorderen Seite sind an den Ecken größere Feldsteine eingebaut, die zwei weitere Namen tragen.

MP Zirchow Behn 1WK web


Albert Behn wird auch auf der »Ehrentafel« in der Kirche genannt.

 

MP Zirchow Buchholz 1WK web


Der tote Hermann Buchholz wurde wohl erst später gemeldet, in der Kirche wird er nicht genannt.

 

MP Zirchow von oben web


Der steile Berg von oben gesehen.

 

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Verwendete Begriffe

Helden / Heldentod:
»Sie starben den Heldentod« steht auf den Denkmälern. So, als ob das Sterben die Erfüllung ihres Lebens, die Bestimmung des soldatischen Auftrags ist. Der Tod eines Soldaten muss erklärt und gerechtfertigt werden und er begründet eine spezifische Erinnerungspflicht. Wobei es nicht die Toten sind, die die Lebenden dazu verpflichten könnten, es sind immer die Überlebenden, die als Denkmalstifter die Getöteten für ihre Zwecke benutzen, sie als Helden, als Retter des Vaterlands, als Vorbild für Treue und Pflichterfüllung benennen, deren Tod nicht sinnlos gewesen sein darf. Bis 1945 benutzen die Nationalsozialisten die toten Soldaten für eine Verpflichtung an die nachfolgende Generation, ihnen an Kampfesmut und Opferbereitschaft nicht nachzustehen.


Prinzipiell existieren keine Helden, sondern sie werden per Zuschreibung von außen dazu gemacht. Dies erkennt man bereits daran, dass heute andere Menschen als Helden gelten, als zur Zeit des 1. und  2. WK. Es handelt sich um eine Konstruktion, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll, denn nicht jeder Soldat ist ein Held. Auch werden andere am Krieg direkt oder indirekt Beteiligte (Dichter, Ärzte, Hausfrauen, Invaliden usw.) deutlich seltener als Helden verehrt – von Kriegsgegnern ganz zu schweigen. Durch diese »Opferhelden« werden bestimmte Werte, die dieser Held verkörperte erhöht und für die Gesellschaft als besonders erstrebenswert definiert, wie z.B. die Opferbereitschaft, »Vaterlandsliebe«, Mut, Furchtlosigkeit. Im Gegenzug lässt sich gleichfalls nicht heldisches Benehmen erkennen: Zögern, Zaudern, Furcht, Illoyalität usw. Durch den universellen Anspruch des Heldengedenkens wird die »Leistung für das Gemeinwesen« anerkannt und wirkt fortan als Vorbild, was zur Militarisierung der Gesellschaft beiträgt (Opferheldenverehrung des 1. WK trug zu Militarisierung im Zuge des 2. W.K. bei). »Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Krieg getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.« ( Kurt Tucholsky)

www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/frieden

Gedächtnis / Gedenken:
Doch nur scheinbar stellt sich das Kriegerdenkmal dem Vergessen in den Weg. Tatsächlich befördert es das Vergessen, indem es nur ausgewählte Aspekte des Geschehenen repräsentiert: Wirkungen ohne Ursachen, Geschehnisse ohne Geschichte, Ergebnisse ohne Prozesse, Namen ohne Persönlichkeit, Opfer ohne Täter.

Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, S. 29. Herausgegeben von Herbert Reyer, Stadtarchiv Hildesheim, Band 17, Gerstenberg, 2006

Vaterland:
Kriegerdenkmäler für den »gemeinen Mann« stehen in einer eigenen Tradition, die begann, als im 18. Jahrhundert das stehende Heer das Söldnerheer verdrängte und das stehende Heer sich durch die allgemeine Wehrpflicht – in Preußen 1814 eingeführt – zum Volksheer wandelte. Das Söldnerheer verrichtete ein riskantes aber Profit versprechendes Handwerk. Das Freiwilligen- oder Volksheer griff nicht des Geldes wegen zu den Waffen. Die Vorstellung, das Vaterland von feindlicher Besetzung zu befreien oder vor feindlichem Zugriff zu schützen, wurde auch in den Kriegen aufrechterhalten und propagiert, wo die Führung den Angriff befahl.

• Ebd., S. 78

Auf welchem dieser steinernen oder metallenen »Ehrenmale« wurde beim Namen genannt, für wen oder was gestorben worden ist? Kein Wort von nationaler Machtpolitik, von Hegemonialstreben, nackten Besitzinteressen, Beutegier, Eroberungsgelüsten und Weltherrschaftsphantasien, für die Millionen von deutschen und fremden Soldaten umgekommen sind. Diese Motive werden ebenso wenig genannt wie die Namen derer, die in den beiden Weltkriegen aus dem Massensterben Profit geschlagen, Blut in Gold verwandelt und zu ihrem eigenen militärischen Ruhm gewissenlos ganze Armeen geopfert haben.

Ralph Giordano, Die zweite Schuld, S. 324

Für Krone und Vaterland:
»Mit Gott für König und Vaterland« ist ein preußischer Wahlspruch. Diese Postkarte aus dem Jahr 1917 bildet ihn ab: Krone und Vaterland, von Gott geschützt.

MP Zirchow Karte web


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Der Stein für die Soldaten des 2. Weltkriegs

Zwischen Denkmal und Kirchentür wurde auf einer kleinen gepflasterten Fläche ein kantiger heller Stein aufgestellt.

 

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Eine Eiche – vielleicht zu diesem Zweck gepflanzt? – beschattet die dunkle, locker aufgesetzte Bronzetafel. Oder: auf der Tafel werden vier Männer mit dem Nachnamen »Eichmann« genannt, vielleicht hat ihre Familie für sie die Eiche gepflanzt.

 

MP Zirchow 2WK web


In einer klassischen Serifenschrift mit erhabenen Buchstaben heißt es in der Widmung:

ZUM GEDENKEN AN DIE OPFER
DES ZWEITEN WELTKRIEGES
UND DESSEN FOLGEN

 

     MP Zirchow Tafel 2WK web


Nun werden 34 Namen genannt. Wer erwartet, dass auch Frauen unter den Opfern des 2. Weltkriegs sind, sieht sich getäuscht: es sind 34 Männernamen.

Wer ist mit den »Opfern« gemeint? Die Opfer des Vernichtungskriegs der Deutschen Wehrmacht oder die toten Wehrmachtssoldaten auch oder ausschließlich, wie es für diese Tafel in Zirchow vermutet werden kann? Waren alle Opfer der »Bestie Krieg«, die ausgebrochen ist, von niemandem verschuldet und von niemandem gewollt? Nicht erfasst werden hierbei auch die Opfer des Deutschen Faschismus vor dem Krieg: Jüdinnen und Juden, die Menschen im Widerstand, Sinti und Roma, Schwule und Lesben, sogenannte Behinderte ...

Und ist mit »... und dessen Folgen« die nationalsozialistische Gewaltherrschaft gemeint oder die Flucht und Vertreibung aus den sogenannten Ostgebieten? Bei beidem müssten auch Frauennamen auftauchen.
 

Die »Opfer« gelten als solche von »Krieg und Gewaltherrschaft«. Nun war aber der Krieg, nun war die Wehrmacht, die ihn führte, zugleich ein Bestandteil dieser Gewaltherrschaft – sind die Angehörigen der Wehrmacht also Opfer ihrer selbst? Und war Roland Freisler, der 1945 in Berlin durch einen alliierten Luftangriff starb, ebenso ein Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wie die Widerstandskämpfer, die er zuvor als Präsident des Volksgerichtshofs an den Galgen geschickt hatte?

Soll diese unhistorische Gleichmacherei, welche die Unterschiede zwischen den Toten hinter dem Opferbegriff versteckt, nicht weitergeführt werden, dann muss sich das bundesdeutsche Totengedenken von diesem Begriff verabschieden. Was aber könnte an dessen Stelle treten? Denkmäler, so wird heute oft gefordert, sollten die paradoxe Botschaft ausdrücken, dass ihr Sinn gerade darin bestehe, keinen Sinn für den Tod bieten zu können. Die Schwierigkeit, dieser Anforderung gerecht zu werden, liegt letztlich in den Dimensionen des zu erinnernden Tötens und Sterbens selbst begründet. Die »postheroische« Gesellschaft der Bundesrepublik ist ein Kind der Erfahrung, dass sich alle Versuche der Verherrlichung von Krieg und Tod 1945 endgültig desavouriert hatten.

Klaus Latzel, ZEITGeschichte 4/2018, S. 101

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Die Holztafel in der Kirche

Eine reich verzierte zweifarbige Holztafel ist dort für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aufgehängt worden. Es werden darauf nun für Zirchow 14 Namen genannt und insgesamt 31 für die Orte Corswandt, Dargen, Kutzow, Ulrichshorst, Bossin, Görke und Cachlin. Es gibt einige Unstimmigkeiten mit der Namensliste auf dem Denkmal vor der Kirche, aber das ist sicher der chaotischen Nachkriegszeit geschuldet. Die Namen auf der Kirchentafel sind jedenfalls perfekt nach Sterbedatum geordnet.

 

     MP Zirchow Tafel Kirche web

Oben ist die Tafel, zwischen den Jahreszahlen des 1. Weltkriegs, mit einem stilisierten Kranz und Stahlhelm mit verschlungenem Kinnriemen geschmückt.

Unten lesen wir zwischen zwei Darstellungen von Eisernen Kreuzen:

SIE STARBEN DEN HELDENTOD
FÜR KRONE UND VATERLAND

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Die Kirche St.-Jacobus

Sie ist der älteste erhaltene Kirche auf Usedom. Auf dem Foto ist der gewaltige kirchenschiffsbreite Westturm zu sehen. Er hat ein Feldsteinuntergeschoss und einen eingezogenen, verbretterten Aufsatz mit schiefergedeckter Spitze.

MP Zirchow Sankt Jakobuskirche Wikimedia Commons Przykuta
Foto: Wikimedia Commons / Przykuta

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