NEUE SICHT AUF ALTE HELDEN?

Kriegerdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind nach dem 2. Weltkrieg viele Denk- mäler, mit zum Teil kriegsverherrlichenden Symbolen und Inschriften zerstört wurden. Aber immer noch sind heute viele hundert Krieger- denkmäler dokumentiert. Etliche von diesen waren durch die Ent- fernung besonders militaristischer Darstellungen verändert worden. Gleichzeitig wurden vielerorts Tafeln zur Erinnerung an den 2.Weltkrieg mit deutlichen Friedensaufrufen angebracht. Vereinzelt wurden nach dem Ende der DDR alte Kriegerdenkmäler wieder aufgestellt, siehe zum Beispiel den »Soldaten« in Stolpe auf Usedom.

Noch bestehende Denkmäler zum 1.Weltkrieg sind oft mit den bekannten Widmungen versehen: Unseren gefallenen Helden… Heldentod… Vaterland… auf dem Feld der Ehre... habt Dank ihr Krieger.

Neu erschienen sind die ersten vier Bände einer ausführlichen Zusammenstellung zahlreicher Denk- und Mahnmale aus der Publikationsreihe »Der Erste Weltkrieg – Das Andenken an die Gefallenen im Weltkrieg 1914-1918« von Matthias Hübner (www.dorfkirchen-in-mv.de). Viele unserer Fotos durften wir mit seiner freundlichen Erlaubnis übernehmen.

Ein Klick auf das Bild öffnet die Spalte mit Texten und Fotos zum Denkmal. Haben Sie weitere interessante Informationen oder historische Bilder zu den vorgestellten Kriegerdenkmälern? Dann würden wir sie gerne auf dieser Seite veröffentlichen.


I N H A L T
Das Denkmal
Die Mehrfachverwertung
Wilhelm Wandschneider

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Crivitz

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Die Skulptur »Kniender Krieger« des Bildhauers Wilhelm Wandschneider wurde für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs von Crivitz erneut gegossen. Das Denkmal zeigt die ideale Figur eines nackten Kriegers in Bronze. Halb auf dem Steinblock sitzend, kniet er mit leicht vornüber gebeugtem Oberkörper. Er stützt sich mit der einen Hand auf sein Schwert, während er mit der anderen einen Kranz aus Eichenlaub hält. Deutlich zeigt die Figur Wandschneiders Orientierung an antiken Vorbildern, insbesondere durch die »ideale Nacktheit« des Kriegers sowie in der Gestaltung des muskulösen Körpers. Der kleine würfelförmige Sockel erhebt sich auf zwei abgestuften Postamenten aus behauenen Granitsteinen. Die Bronzefigur hat die Gießerei Lauchhammer 1922 gegossen. Den Entwurf hatte Wilhelm Wandschneider schon 1909 aus Ton gefertigt, die 1910 entstandenen Gipsmodelle sind verschollen, sie sind wohl 1947 zerstört worden aufgrund des Befehls Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde zur Vernichtung von kriegstreibenden, militärischen Abbildungen.

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             MP Crivitz gesamt web

                    Fotos: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

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Die Mehrfachverwertung

Die gleiche Figur ist siebenmal für andere Denkmäler gegossen worden: für die toten Soldaten des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 / 71 in Saarlouis 1910 und Güstrow 1910 (siehe Foto), des 1. Weltkriegs in Koblenz 1919, Landsberg / Warthe 1919, Chemnitz 1922 und Berlin 1922, für ein Grabmal in Lüdenscheid (siehe Foto) 1920.

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2. September 1910: Einweihung des Kriegerdenkmals für die toten Soldaten von 1870 / 71 auf dem Wall in Güstrow

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Foto: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

1920: Grabmal »Müder Wanderer« der Familie Noelle in Lüdenscheid

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Wilhelm Wandschneider

Wilhelm Wandschneider (1866 - 1942), geboren und gestorben in Plau am See, war bis 1915 ein im In- und Ausland bekannter Bildhauer, der schon viele Aufträge und Preise erhalten hatte. Nach dem 1. Weltkrieg geriet eine große Zahl der bildenden Künstler – so auch Wandschneider – in existenzielle Bedrängnis. Die alten Auftraggeber öffentlicher Denkmäler gab es durch die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen nicht mehr, ebenso sank die Zahl privater Auftraggeber.

            MP Crivitz Wilhelm Wandschneider 1909 web

• Wilhelm Wandschneider, gemalt von Heinrich Hellhoff, 1909

Einzige Auftraggeber waren in den frühen 1920er Jahren die Militär- und Kriegervereine, die zunehmend mit revanchistischen Inhalten versehene Denkmäler für ihre gefallenen Kameraden errichten ließen. Als ab 1930 der Nationalsozialismus zunehmend erstarkte, wurde Wandschneider 1930 Mitglied der NSDAP und wie man an den Modellen (siehe Fotos unten) sehen kann, trifft er die Bildsprache der Nazis für deutsche »Helden« perfekt.

1936 fertigt Wandschneider eine Hitlerbüste an, 1940 lässt Hitler Wandschneiders Figur »Aphrodite« für die Reichskanzlei ankaufen; im gleichen Jahr wird Wandschneiders Denkmal für Kaiser Friedrich III. in Dortmund eingeschmolzen, »da es aus nationalsozialistischer Sicht weder einen historischen, noch einen künstlerischen Wert besaß«.

1926 verlieh die Stadt Plau Wandschneider zum 60. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde, am 26. April eröffnete das »Wandschneider-Museum«. Im März 1947 wurde das Museum aufgelöst, der Modellbestand fast komplett zerstört. 1994 eröffnete das »Bildhauermuseum Prof. Wandschneider« neu, es zeigt unter anderem 30 Originalplastiken.

 

             MP Wandschneider Atelier web

Das Regimentsdenkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs in Schweidnitz/Schlesien. Das Foto zeigt Wandschneider in seinem Atelier bei der Arbeit am Modell.

             MP Wandschneider Gesicht web

Das Kriegerdenkmal »Soldat« steht auf dem Soldatenfriedhof in Schwerin. 1936 wurde es für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs aufgestellt. Das Foto zeigt ein Detail des Modells in Wandschneiders Atelier.

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I N H A L T
Das Denkmal
So sah das Standbild aus
Die Denkmalsanlage
Fritz Richter-Elsner
Deminer Ulanen zwischen den Fronten
Ulanenstolz
1936: 700 Jahre Demmin
Eine Kulisse für’s Familienalbum
Feiern beim Ulanen
Das Modell des Reiters
Das »Ehrenmal am Stadion«

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Hansestadt Demmin

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Das Reiterdenkmal und der wie eine germanische Kultstätte inszenierte Aufgang wurde für die im 1. Weltkrieg getöteten Soldaten des 2. Pommerschen Ulanenregiments in den Jahren 1923/24 erbaut. Die Einweihung der Anlage fand am 3. August 1924 statt, am zehnten Jahrestag des Ausritts der Ulanen zum Fronteinsatz.

Nach 1935 war die Anlage für die Nationalsozialisten ein bevorzugter Ort für rassistische Kultfeiern. Der imposante Aufgang und die Reste des 1946 zerstörten Reiterstandbildes können in den Sandtannen besucht werden. Der Rest des viele Meter hoch gemauerten Sockels, auf dem der steinerne Ulan seinen Platz hatte, steht immer noch auf einer fünfstufigen Anhöhe, auf der Rückseite umgeben von einer abgerundeten Mauer, in deren Nischen Reliefs von Szenen aus dem Ulanenleben abgebildet waren. Auch sie wurden zerstört.

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© Erell / Wikimedia Commons


Der bildende Künstler Fritz Richter-Elsner hat das Ulanen-Denkmal in Demmin in den Jahren 1923 und 1924 geschaffen. Ab den 1920er Jahren hatte er sich auf die Gestaltung von Denkmälern verlegt. Im Nachkriegsdeutschland konnte er als Künstler nicht mehr Fuß fassen, zu sehr entsprach sein Stil dem der Nationalsozialisten. Er starb 1970 in Detmold.

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© Erell / Wikimedia Commons

             MP Demmin Ulanen1 Erell Wikimedia Commons Demmin web

                    © Erell / Wikimedia Commons

Der lange von Findlingen und hünengräberartigen Steinaufbauten gesäumte Aufgang.

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so sah das standbild aus

Die Fahne hoch und das Gewehr an der Seite: vor seiner Zerstörung 1946 ragte der steinerne Reiter über die Baumspitzen.

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            MP Demmin alt3

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Eins der 1945 zerstörten Reliefs in den Mauernischen: Ein toter Ulan liegt auf einem altarähnlichen Steinblock, äußerlich unverletzt, in Uniform, das Eiserne Kreuz in der linken Hand, den Uniformmantel quer über den Leib gelegt. Über ihm hängt ein großer Lorbeerkranz, seine jungen Adjudanten halten seinen Helm und seinen Degen.

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Die Denkmalsanlage

Das Ulanendenkmal in Demmin wurde in Jahren 1923/1924 zum Gedenken an die Gefallenen des 2. Pommerschen Ulanen-Regiments Nr. 9 errichtet. Demmin war von 1860 bis zur Auflösung der Einheit 1919/20 Garnison des auch als Weiße Ulanen bezeichneten Kavallerieregiments. 

Auf einer Hanglage am Westrand der Sandbergtannen, einem Waldgebiet im Osten Demmins in der Nähe des Bahnhofs, wurde das Denkmal aus zahlreichen, unterschiedlich stark bearbeiteten Findlingen errichtet. Diese stammten aus Megalithgräbern der Umgebung. Ein Großsteingrab bei Quitzerow wurde für den Bau völlig abgetragen. Größere Blöcke wurden gespalten und zum Teil als Runensteine aufgestellt. An einigen wurden Metallplatten mit den Namen der in den Kriegen 1866, 1870/71 und 1914-1918 gefallenen Ulanen angebracht. Oben auf dem Hügel befand sich eine Plattform mit einem Reiterstandbild.

Das Denkmal wurde vom »Bund vaterlandstreuer 9. Ulanen« durch Spenden finanziert und in Auftrag gegeben. Die Ausführung übernahm der Berliner Bildhauer Fritz Richter-Elsner, der ein Monument im Geiste des deutschen Nationalismus und Germanenkults schuf. Die Eröffnung fand am 3. August 1924, dem zehnten Jahrestag des Ausritts der Ulanen zum Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg, statt.

MP Demmin Ulanen Kette web

Am Eingang befand sich eine eiserne Kette, die an die Situation in Deutschland nach dem Versailler Vertrag erinnern sollte. Als 1935 in der Zeit des Nationalsozialismus die Wehrpflicht wieder eingeführt worden war, ließen die Nationalsozialisten die Kette in einem symbolischen Akt zerbrechen und an den Seiten des Eingangs befestigen.

1946 wurde das Reiterdenkmal zerstört und vergraben, die Inschriften entfernt und die Metallplatten mit den Namen der Gefallenen demontiert und eingelagert. Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Bruchstücke des Reiterstandbildes wieder ausgegraben. Einige größere Teile wurden wieder aufgestellt.

• Nach Wikipedia »Ulanendenkmal«, abgerufen am 12.6.2015

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Fritz Richter-Elsner

1923 – 1924 hat er das Ulanen-Denkmal in Demmin gestaltet. Anfang 1884 im thüringischen Köppelsdorf geboren, studierte er an der Industrie- und Kunstgewerbeschule Sonneberg und in München. Von 1905 bis 1916, also schon mit 21 Jahren, war er künstlerischer Leiter der renommierte Hofbildgießerei Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen. Auf dem dortigen Friedhof hinterließ er Zeugnisse seiner Arbeit: Skulpturen und ein Grabmal für den jüdischen Arzt Dr. Max Jacoby (heute zerstört).

Ab den 1920er Jahren verlegte sich Richter-Elsner auf die Gestaltung von Denkmälern. Mitte der 1930er Jahre geriet er in Zahlungsschwierigkeiten. Im Rahmen eines entsprechenden Briefwechsels erwähnt er seine Familie, von der aber weiter nichts bekannt ist.

Das Verhältnis von Richter-Elsner zum Nationalsozialismus lässt sich derzeit nicht klären. In einem Bericht der Silesia Nova von 2011 wird er spätestens für das Jahr 1943 als »Parteigenosse« bezeichnet, seine Werke sind aber nach der Machtergreifung deutlich zurückgegangen. Spätestens im März 1943 war Richter-Elsner zu einem Arbeitseinsatz abkommandiert. Ob das mit persönlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu begründen ist oder er nicht linientreu genug war, ist heute nicht feststellbar. Er konnte sich jedenfalls dann nur noch in der Freizeit um die Bildhauer-Aufträge kümmern.

Als Künstler konnte Richter-Elsner im Nachkriegsdeutschland nicht mehr Fuß fassen. Seine Formensprache entsprach zu sehr der von den Nazis geförderten Kunst und große Kriegerdenkmäler waren auch nicht mehr gefragt. Nachkriegswerke sind nicht bekannt. Fritz Richter-Elsner starb 1970 in Detmold.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 12.6.2015

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Der Nordkurier berichtete am 9. August 2013 in seiner Onlineausgabe über den Tag des offenen Denkmals. Wir zitieren daraus:

Demminer Ulanen zwischen den Fronten

Die Bedeutung solcher Gedächtnisorte im ideologiegetränkten Kontext von Krieg und Militärtradition, Opfergedenken und Heldenpathos ins öffentliche Bewusstsein zu rücken ist Ziel einer Aktion, die der Trägerverein am bundesweiten Denkmaltag plant – maßgeblich organisiert von Petra Clemens, Museumsmitarbeiterin und Kunsthistorikerin. Doch auch die Katholische Kirche und der Bibliotheksverein beteiligen sich an dem Programm – unter anderem öffnet an diesem Tag die Hanse-Bibliothek zu einer Lesung mit dem Autor Karl Schlösser.

Woraus Schlösser vortragen wird, ist unschwer zu erraten: Der aktuelle Band seiner »Fußnoten Demminer Geschichte« enthält ein bissig-ironisches Kapitel zum Thema Ulanenkult in Demmin. Und vor allem an der Kanone auf dem Bebelplatz vor der Bibliothek, im Gedenken an die Militärgeschichte der Ulanenstadt Demmin aufgestellt, gehen die Meinungen auseinander.

Nicht dass die Kanone nur Gegner hätte in Demmin. Sie hat auch viele Verfechter in Demmin, zweifelsohne. Darüber ins Gespräch zu kommen, darum geht es den Organisatoren des Denkmaltages an diesem polarisierenden Platz. Nicht nur kontrovers, sondern – hoffentlich – auch aufeinander hörend.

MP Demmin Ulanenkanone web

Ein weiterer »unbequemer« Ort schließlich, den dieser Denkmaltag »öffnen« will, steht unweit des Bebel- und Barlachplatzes: das Ulanendenkmal am Ende der Bergstraße. Wie sonst wohl nur die vor Jahresfrist aufgestellte Kanone spaltet das Memorial sein Publikum in zwei Lager: Die einen bewundern es und würden am liebsten das 1946 zerstörte Reiterstandbild wieder rekonstruieren lassen. Die anderen verdammen es als nationalistische Kriegsverherrlichung, regelmäßig werden die martialisch wirkenden Feldsteine mit Farbe bemalt.

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Das Denkmal birgt schon in sich all das Wohl und Wehe dieser Art von militärischem Gedenken. Errichtet 1924 zu Ehren der Gefallenen des 2. Pommerschen Ulanenregiments, stilisierten es die Nazis nach 1935 zum Weiheort ihres rassistischen Germanenkults hoch. Nach dem Krieg verwüsteten die Russen das Denkmal, in der DDR-Zeit war es aus dem öffentlichen Bewusstsein der Stadt verschwunden. Erst nach der Wende ließ die Stadt Demmin es wieder herrichten. Ein umstrittener Ort ist es geblieben – geachtet, doch wohl kaum von jemandem geliebt...

www.nordkurier.de

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Ulanenstolz

Stimmt der letzte Satz des Autors? Seit einiger Zeit gibt es die Seite

www.demminer-ulanen.de

Sie ist mit der offiziellen Website der Hansestadt Demmin verlinkt.

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1936: 700 Jahre Demmin

MP Demmin alteKarte1

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Oben rechts, über dem Ulanendenkmal, kann man übrigens das »Ehrenmal am Stadion« sehen. Siehe Informationen weiter unten.

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Eine Kulisse für’s Familienalbum 

 

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                   © Otto Paulsen - Großvater Chron-Paul/Wikimedia Commons rechtsverbindlicher
                   Lizenzvertrag: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

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Feiern beim Ulanen

 

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Das Modell des Reiters

 

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Das »Ehrenmal am Stadion«

1936 wurde es eingeweiht, noch ohne Figuren und Inschriften, nur ein Reichsapfel, das Herrschaftszeichen in Form einer Weltkugel mit aufgesetztem Kreuz, krönte das einem griechischen Tempel nachempfundene Gebäude. Wie auf der Karte zu lesen ist, wurde es Gedächtnishalle genannt.

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Ende der 30er Jahre taucht es auf alten Postkarten als »Ehrenmal an der Kampfbahn« oder als »Ehrenmal für die Gefallenen« wieder auf. Es hat überlebensgroße Statuen an der Frontseite dazu bekommen, eine Inschrift und obendrein einen stilisierten Reichsadler mit ausgebreiteten Schwingen statt des Reichsapfels. Die Heldenfiguren standen auf Podesten.

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1945 wurden dann die vier Figuren und der Adler wieder entfernt. In der Folgezeit wurde auch die Inschrift verändert.

An ihre Stelle trat in den 60er Jahren der neue Name des Gebäudes. Es wurde jetzt eher als Teil der Sportstätte gesehen und hieß nun, wie in großen Buchstaben zu lesen war, das »Stadion der Einheit«. Auf den Podesten steckten unterschiedliche Fahnen und an der Klinkerwand des Treppenaufgangs hing ein großes Schild mit der Aufschrift:

Für die Gesundheit und Lebensfreude!
Für Frieden und Sozialismus!
Auf zum IV. Deutschen Turn- und Sportfest

Heute heißt es nun ganz schlicht »Stadion der Jugend«. Auf den Podesten kann man jetzt seinen Turnbeutel ablegen.

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschrift
Historisches Foto
Der Bildhauer Hans Dammann

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Friedland

Landkreis Mecklenburgische Seenplatte

Das Denkmal für die getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs steht auf einer nach oben zulaufenden Sockelmauer aus bunten Natursteinen. Hinauf führt eine siebenstufige Steintreppe mit Seitenmäuerchen. Auf der höheren Ebene liegt in der Mitte auf einem Podest ein übergroßer Stahlhelm mit Eichenlaub verziert, das Podest ist an der oberen Kante mit einer steinernen Lorbeergirlande geschmückt. Um das Podest ist eine halbrunde tempelartige Szene mit sechs eckigen Säulen errichtet. An den Frontsäulen sind die Reliefs von gesenkten Schwertern zu sehen, die die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs teilen, links: 19 (Schwert) 14, rechts: 19 (Schwert) 18.

Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, fordern die nachfolgenden Generationen zu Wehrhaftigkeit auf. Zitat aus der Urkunde, die im Grundstein des Kriegerdenkmals am Pinneberger Bahnhof eingelassen worden ist: »Das Ehrenmal wird an der Vorderseite ein aufrechtes Schwert tragen. Hiermit soll die Mannhaftigkeit und der Wehrwille des deutschen Mannes vor aller Welt bekundet werden.« Siehe >Schleswig-Holstein, Pinneberg

Die Säulen werden oben verbunden mit einem breiten Architrav – einem ruhenden Horizontalbalken – auf dem mit erhabenen Buchstaben die Inschrift steht:

Friedlands Heldensöhnen geweiht

Das Kriegerdenkmal ist ein Werk des Bildhauers Hans Dammann aus Berlin, es wurde 1926 gebaut, die Einweihung erfolgte am 10. Oktober 1926.

 

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Foto: Ruchhöft-Plau / Wikimedia Commons

Von 1979 bis 1990 stand statt des Stahlhelms eine Urne auf dem Sockel. Der Stahlhelm als kriegerisches Symbol war entfernt worden. Einige Bürger von Friedland waren damit nicht einverstanden und vergruben ihn daraufhin heimlich hinter dem Denkmal. Am 1. März 1990 wurde der Stahlhelm ausgegraben und wieder auf den Sockel gesetzt. Die Urne musste verschwinden.

Am 16. November 1997 wurde die heutige (zweite) Gedenktafel angebracht. Die Inschrift: »Zum Gedenken der gefallenen und vermißten Soldaten sowie aller Opfer des II.Weltkrieges von 1939-1945 aus Friedland und Umgebung«.

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• Foto und Information von Matthias Hübner

www.dorfkirchen-in-mv.de

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Die Inschrift

Mehrheitlich ehren die Denkmäler die getöteten deutschen Soldaten des 1. Weltkriegs als Helden, als Brüder, als Söhne und in der Steigerung als Heldensöhne, die ihr Leben gaben für einen höheren Zweck: Kaiser und Reich, Volk und Vaterland. Dadurch soll das Töten und das Getötetwerden auf den Schlachtfeldern in den vom Deutschen Reich angegriffenen Ländern einen höheren und gerechtfertigten Sinn bekommen.


Obwohl der Erste Weltkrieg so ungleich viel mehr Menschenleben forderte und der Krieg verloren wurde, interpretierten die Stifter in den Inschriften fast aller Kriegerdenkmäler den Kriegstod als sinnvoll. Das anonyme Massensterben wurde ignoriert, stattdessen heroisierte man die Soldaten und stilisierte ihr Schicksal.

Die häufigste Bezeichnung für die Gefallenen ist das Wort »Helden«. Dieser Begriff macht die toten Soldaten zu Vorbildern. Er passt zur Symbolik von Stahlhelm, Waffen und Eisernem Kreuz. Durch die Ergänzung des Possessivpronomens, also »unseren Helden«, soll ein persönlicher Bezug zwischen den Gefallenen und den Stiftern des Denkmals hergestellt werden.

Eine weitere, häufig verwendete Bezeichnung ist »Söhne«. Durch den Verwandtschaftsausdruck wird eine Vertrautheit hergestellt, die Gefallenen werden familiär vereinnahmt.

Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone, 2006, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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Historisches Foto

Ein frühes Foto des Kriegerdenkmals mit zahlreichen Kränzen, damals ist es noch umgeben von ungepflastertem Grund und Boden.

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Auf den vier inneren Säulen scheinen die Namen der getöteten Soldaten aufgelistet zu sein.


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Der Bildhauer Hans Dammann

Hans Dammann, geboren am 16. Juni 1867 in Proskau, gestorben am 15. Juni 1942 in Berlin, war ein deutscher Bildhauer. Nach seiner Schulausbildung besuchte er die Technische Hochschule Hannover und bis 1895 die Königliche Akademie der Künste in Berlin.

             MP Friedland Hans Dammann web

Da Hans Dammann Reserveoffizier war, wurde er gleich zu Beginn des 1. Weltkriegs eingezogen. Schon nach wenigen Wochen kehrte der Hauptmann der Reserve verwundet nach Hause zurück. Er erweiterte in der Folgezeit sein bisheriges Repertoire um das Sujet des Soldatengrabmals. Genau wie bei seinen zivilen Grabdenkmälern wurden viele seiner Entwürfe teilweise leicht modifiziert oder mehrfach verwendet.

Gerade die Modelle seiner Soldatengrabmäler, die er ab 1916 erstellte, fanden in der Weimarer Republik als Kriegerdenkmäler eine Wiederverwendung.

• Nach Wikipedia, abgerufen am 16.7.2015


Von Hans Dammann stammt auch das Denkmal in Glücksburg / Schleswig-Holstein

Glücksburg

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I N H A L T
Das Denkmal
»Bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus«

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Glasow

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Der Obelisk steht auf einem dreistufigen Sockel, er trägt im oberen Bereich einen Lorbeerkranz aus Metall, darunter die Inschrift:

In Dankbarkeit den gefallenen Helden

Auf der Spitze sieht man noch die Halterung auf der wahrscheinlich früher ein Adler befestigt war.

MP Glasow


Das Kriegerdenkmal steht auf der Südseite des Kirchhofs.

MP Glasow Kirche web

© Matthias Hübner/www.dorfkirchen-in-mv.de

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»Bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus«

... Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung in der Sowjetischen Besatzungszone gibt am 5. 5. 1946 die Richtlinien für die Beseitigung faschistischer und militärischer Denkmäler heraus. Danach müssen alle Denkmäler militärischen Charakters beseitigt werden, sofern sie nicht besonderen künstlerischen Wert besitzen.

Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit den Kriegerdenkmälern, darin heißt es:

»Da sie als Erinnerung für die Gesamtheit der in den Kriegen Gefallenen gelten, muss jeder Eingriff mit starken Rückwirkungen auf die Bevölkerung rechnen. Zu beseitigen sind auch hier all jene Denkmäler usw. die Aufforderungen zur Rache, zum erneuten Kriegseinsatz, Verherrlichungen des Krieges usw. enthalten. Dies trifft nicht zu für Kriegerdenkmäler, die vor 1860 entstanden sind, da sie fast immer bescheiden in der Haltung sind und fast ausnahmslos einigen künstlerischen Wert besitzen. Kriegerdenkmäler nach 1918 sind fast ausnahmslos wertlos. Ihre Beseitigung ist anzuregen, falls nicht in Sonderfällen künstlerischer Rang vorliegt. Denkmäler mit künstlerischem Wert sind einem Museum zu übergeben. Die Säuberungsaktion soll als Willensausdruck breiter Schichten des Volkes vorgenommen werden.« Infolge der Richtlinien sind zunächst Listen zu erstellen gewesen. ...

Am 13. Mai 1946 wird der Befehl Nr. 30 der Alliierten Kontrollbehörde herausgegeben. Das ist eine Woche nach dem Rundschreiben der Deutschen Zentralverwaltung. Hier heißt es im Abschnitt Kriegerdenkmäler:
»Bei ihnen ist eine verbotene Absicht im Sinne des Befehls dort gegeben, wo durch angebrachte Inschriften, Embleme oder bildhafte Darstellungen über den Charakter des Totenmals hinaus dem Denkmal usw. ein militärischer Sinn gegeben wird. Als solche Inschriften gelten z.B. ›Vorwärts für Kaiser und Reich‹, ›Im Felde unbesiegt‹, ›Unseren siegreichen Helden‹, ›Ihr habt doch gesiegt‹ u.ä.m., als Darstellungen gleichen Inhalts sind anzusehen z.B. Darstellungen von Soldaten, die stürmen, marschieren, Handgranaten werfen, eine Fahne hochhalten, mit einem Ungeheuer ringen, Darstellungen, in denen ein Soldat an einen anderen eine Waffe weitergibt, u.ä.m. Auch einfache Wiedergabe von Waffen und Ausrüstungsgegenständen kann hierzu gezählt werden.« Ebenfalls wird eine Erstellung von Listen zur Erfassung aller Kriegerdenkmäler, bevor an deren Beseitigung herangegangen wird, gefordert.

Auf Grundlage des Befehls Nr. 30 der Alliierten und der Richtlinien der Deutschen Zentralverwaltung sind die schon erwähnten Listen der Jahre 1946/47 entstanden.

Deren Auswertung ist bis zum heutigen Tage noch nicht vollständig abgeschlossen. Es lässt sich aber feststellen, dass ca. 900 - 1000 Ehrenmale erfasst sind. Dazu kommen dann die bereits vor dem II. Weltkrieg vernichteten Kriegerdenkmäler und sicher auch noch ein Teil kleinerer Denkmäler die aus den verschiedensten Gründen nicht erfasst wurden.

Ende der 40er Jahre sind also fast alle Adler, Stahlhelme, Schwerter etc. von den Denkmälern verschwunden. Einzelne, vor allem figürliche Denkmäler sind vernichtet oder magazinisiert worden. Im nächsten Jahrzehnt erfolgte eine Welle der Umwidmungen. Ehemalige Weltkriegsdenkmäler oder auch nur ihre stehengebliebenen Sockel werden zu VVN-, OdF- oder personellen Denkmälern.

Hier sei nur kurz auf den Nexö-Stein ›unter einem alten deutschen Baum‹ in Greifswald verwiesen. Ursprünglich der Gedenkstein des Greifswalder Infanterie Regiments (Findling) erinnert er heute an den Dichter A. Nexö. Bei günstigem Lichteinfall lassen sich aber unter der Bronzeplatte mit dem Porträt Nexös die Jahreszahlen 1914, 1918 erkennen.

Ein weiteres Beispiel für die Umwidmung eines Gefallenensteines sei hier noch eingefügt. Es gab in Kühlungsborn zwei Denkmäler für die Gefallenen des I. Weltkrieges. Bei dem in Kühlungsborn-West gelegenen dreieckigen Steinblock beseitigte man nach 1945 die Namenstafel und brachte stattdessen ein Dreieck dort an. Dieses fortan den »Opfern des Faschismus« gewidmete Denkmal wurde etwa 1972 entfernt, als in der Strandstraße in Kühlungsborn-Ost ein neues den Opfern des Nationalsozialismus gewidmetes Denkmal eingeweiht wurde. Auch dieses befindet sich an derselben Stelle wie zuvor das Denkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges, teilweise wurde das alte Material verwendet. Es handelt sich um eine etwa 8 m lange Mauer, an der eine Metallskulptur der Künstlerin Renata Ahrens angebracht wurde – ein stilisierter Vogel.

Zitiert aus dem Vortrag von Margrit Schimanke gehalten auf einer Konferenz der Geschichtswerkstatt Rostock e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung, April 1996, Seite 4-5

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Geschichte
»Im Felde unbesiegt«
Botschaften aus den Fremdenbüchern
Das Eiserne Kreuz
Das Hoheitszeichen der Bundeswehr

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Glowe

Landkreis Vorpommern-Rügen

An der Hauptstraße von Glowe, in der Nähe des »Gasthauses zur Schaabe« befindet sich auf einem zurückliegenden Platz unter einer Eiche das Kriegerdenkmal für die toten Soldaten des 1. Weltkriegs.

MP Glowe Platz web


Rechts und links vom Hauptstein sind kleinere graue Granitfelsstücke aufgestellt, in die die Jahreszahlen des 1. Weltkriegs eingemeißelt und mit weißer Farbe ausgemalt worden sind.

Links: 1914
Rechts: 1918

Sitzbänke laden zum Verweilen ein.

 

MP Glowe gesamt web


Im Zentrum steht ein großer Granitfelsen, der von allen Seiten durch kleinere Findlingssteine gestützt wird. Der Findlingshaufen ist mit Efeu bewachsen.

 

MP Glowe Inschrift web


Unter einem Eisernen Kreuz in Doppelkontur ist auf einem geglätteten rechteckigen Feld die Inschrift eingemeißelt. In großen Lettern steht dort:

Ehre den Unbesiegten

Die weiße Farbe der ausgemalten Buchstaben ist sicher in letzter Zeit erneuert worden.

MP Glowe Tafel web


Darunter ist eine graue Steintafel eingepasst, ein Rand, die Buchstaben und Zahlen stehen auf einer tiefergelegten, schwarz polierten Fläche. Auf der Tafel werden die Vor- und Nachnamen von 13 toten Soldaten genannt. 12 von ihnen sind als »gef.« für gefallen markiert, einer wird vermisst. Dahinter steht bei den 12 Soldaten jeweils ihr Todestag und der Todesort. Über den Namen:

Im Weltkriege 1914 - 1918
starben für ihr Vaterland

Die Tafel ist an der linken oberen Ecke gebrochen.

 

     MP Glowe Rueckseite web

Die Rückseite des Denkmals mit Blick auf die niedrige Hecke, die den Platz umgibt und dahinter auf die Hauptstraße von Glowe.

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Die Geschichte

Text folgt

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»Im Felde unbesiegt«

Die Dolchstoßlegende war eine von der deutschen Obersten Heeresleitung in die Welt gesetzte Verschwörungstheorie, die die Schuld an der von ihr verantworteten militärischen Niederlage des Deutschen Reiches im 1. Weltkrieg vor allem auf die Sozialdemokratie und andere demokratische Politiker abwälzen sollte. Sie besagte, das deutsche Heer sei im Weltkrieg »im Felde unbesiegt« geblieben und habe erst durch oppositionelle »vaterlandslose« Zivilisten aus der Heimat einen »Dolchstoß von hinten« erhalten. Antisemiten verknüpften »innere« und »äußere Reichsfeinde« dabei zusätzlich mit dem Trugbild vom »internationalen Judentum«.

Diese Legende diente deutschnationalen, völkischen und anderen rechtsextremen Gruppen und Parteien zur Propaganda gegen die Ziele der Novemberrevolution, die Auflagen des Versailler Vertrags, die Linksparteien, die ersten Regierungskoalitionen der Weimarer Republik und die Weimarer Verfassung. Sie gilt in der Zeitgeschichte als bewusst konstruierte Geschichtsfälschung und Rechtfertigungsideologie der militärischen und nationalkonservativen Eliten des Kaiserreichs. Sie lieferte dem Nationalsozialismus wesentliche Argumente und begünstigte seinen Aufstieg entscheidend.

nach Wikipedia, abgerufen am 28. Juni 2018

 

Vor 85 Jahren formulierte Hindenburg die Dolchstoßlegende

»Deutschland steht im vierten Kriegsjahre militärisch und wirtschaftlich unerschüttert. Eine Welt von Feinden hat nicht vermocht, es nieder zu ringen. Da Waffen und Hunger Deutschlands Siegeswillen nicht nieder zwangen, griff der Feind zur Niedertracht. Er suchte Zwietracht zu säen, das Volk von seinem Kaiser zu trennen.«

In einer Rede während des Ersten Weltkriegs deutete Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg an, was bald nach der deutschen Niederlage im November 1918 in reaktionären Zeitungen zu lesen war: Das deutsche Heer sei im Felde unbesiegt geblieben, aber von Feinden aus der Heimat erledigt worden – von streikenden Arbeitern, pazifistischen Sozialdemokraten und linksradikalen Spartakisten.

Am 18. November 1919 nutzte Hindenburg den parlamentarischen Untersuchungsausschuss für die Schuldfragen des Weltkriegs, um die später als Dolchstoßlegende bekannt gewordene Propagandalüge zu formulieren:

»Ein englischer General sagte mit Recht: Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden. Wo die Schuld liegt, ist klar erwiesen.«

Der Feldmarschall täuschte mit seiner Aussage bewusst die Öffentlichkeit. Denn die Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und dem Generalquartiermeister Erich Ludendorff hatte nach der gescheiterten Sommeroffensive 1918 die Reichsregierung ultimativ aufgefordert, Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen. Am 29. September überzeugten Hindenburg und Ludendorff Kaiser Wilhelm II., dass angesichts der militärischen Überlegenheit des Gegners Deutschland den Krieg definitiv verloren habe. Die Verantwortung wollte die Oberste Heeresleitung jedoch nicht übernehmen, sondern die »Suppe sollen die essen«, wie Ludendorff sich ausdrückte, »die sie uns eingebrockt haben«. Gemeint waren damit die später als »Novemberverbrecher« diffamierten linksliberalen, sozial- und christdemokratischen Politiker.

Zu ihnen gehörte der sozialdemokratische Parteivorsitzende Philipp Scheidemann. Als er am 9. November 1918 von einem Fenster des Reichstags die deutsche Republik ausrief, sah er die reaktionären Kräfte auf dem Rückzug.

»Die wirklichen inneren Feinde, die Deutschlands Zusammenbruch verschuldet haben, sind still und unsichtbar geworden. Diese Volksfeinde sind hoffentlich für immer erledigt.«

Doch die antidemokratisch gesinnten Militärs und Politiker wollten sich mit der deutschen Niederlage in einem Krieg nicht abfinden, den sie als Verteidigungskrieg deklariert, tatsächlich aber als Eroberungsfeldzug angelegt hatten. Vor allem die Parteien der extremen Rechten, die Deutschnationale Volkspartei und die NSDAP, betrieben mit der Dolchstosslegende eine hasserfüllte Agitation gegen die Anhänger der Weimarer Republik. Dabei nutzten sie das Ansehen Hindenburgs propagandistisch für ihre Zwecke aus.

Gegenüber der Autorität des späteren Reichspräsidenten verblassten beispielsweise die mahnenden Worte eines hochrangigen Militärs wie Wilhelm Groener, dem Nachfolger Ludendorffs als Generalquartiermeister.

»Das größte Unrecht wäre es, das deutsche Volk zu schmähen, weil es am Schlusse des verlorenen Weltkrieges zusammen gebrochen ist. Man hatte es auf Bergeshöhen geführt, in eine Illusionswelt, in der es von Hoffnung zu Hoffnung auf den sicheren Sieg erhalten wurde. Vier Jahre lebte es in diesen Sphären. Letzten Endes sind wir der fortgesetzten Selbsttäuschung und einer irrigen Anwendung des Vernichtungsgedankens militärisch erlegen.«

Kaum eine andere Parole hat so viel zur Zerstörung der Weimarer Republik beigetragen wie die Dolchstoßlegende. Die Verratsvorwürfe, denen sich demokratische Politiker ausgesetzt sahen, erwiesen sich als schwere Hypothek für die junge Demokratie. Die Gewinner waren die Nationalsozialisten. Sie konnten die Geschichtslüge erfolgreich für ihren Kampf um die Macht einsetzen.

Schützenhilfe leistete ihnen dabei der Propagandist der Dolchstoßlegende, Paul von Hindenburg. Statt für Frieden und Demokratie einzutreten, beschwor er 1932 als Reichspräsident den »Geist von 1914« und die »Frontgesinnung«:

»Wie einst im Kriege die Not des Vaterlandes alles Trennende aufhob und die Massen des Volkes in gleicher Weise hingebungsvoll ihre Pflicht getan haben, so gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass Deutschland sich zu einer neuen Einigkeit im Gedanken an das Vaterland zusammenfindet.«

Aus einem Betrag von Otto Langels im Deutschlandfunk, 18. November 2004

 

»Unweit des ›Gasthauses zur Schaabe‹ befindet sich ein Kriegerdenkmal. Auf einem großen Granitfelsen ist eine Tafel angebracht mit den Namen jener Glower, die in diesem Krieg ihr Leben ließen. Eingemeißelt ist in großen Lettern unterhalb des sogenannten Balkenkreuzes eine Jahrhundertlüge: ›Ehre den Unbesiegten‹, denn Deutschland hat ja diesen Krieg verloren. Diese Aussage muss somit dem politischen Diskurs der Nachkriegszeit zugeordnet werden. Konservative und restaurative Kräfte haben immer wieder behauptet, dass der Krieg deshalb nicht gewonnen werden konnte, weil ›innere Kräfte‹ der kaiserlichen Armee in den Rücken gefallen waren. In deutschen Geschichtsbüchern fand diese Deutung als ›Dolchstoßlegende‹ ihren Eingang. Ein prominenter Vertreter dieser These war der spätere Reichspräsident Hindenburg. Er selbst war im 1. Weltkrieg einer der maßgeblichen Heerführer gewesen. Auch das Kriegerdenkmal von Glowe dokumentiert diese Geschichtslüge nun schon fast 100 Jahre.«

• Zitiert aus Werner Westphal, »Wem Gott will rechte Gunst erweisen ...«, siehe unten

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Botschaften aus den Fremdenbüchern

Werner Westphal hat ein interessantes Taschenbuch herausgebracht: »Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den läßt er mal nach Glowe reisen: Botschaften der Fremdenbücher vom Kap Arkona und dem Gasthof zur Schaabe in Glowe auf Rügen«. Die (verdeckten) Botschaften vermitteln dem Leser von heute einen Eindruck von der Vorstellungswelt vorangegangener Generationen.

Wir zitieren daraus von den Seiten 50 - 53:

Ȁhnlich wie bei den entsprechenden Eintragungen des Fremdenbuches am Kap Arkona wird auch in dem folgenden Text offen Partei ergriffen:

Paul Larché mit Frau Lotte
Nebst Kindern Lieselotte und Gretchen
vom 4. Juli bis 2. August 1914.
Unsere Sommerreise wurde leider durch die
Mobilisierung unterbrochen.
In ganz lieber Weise wurden wir durch
Frau Wessel verpflegt. Innigsten, herzlichsten
Dank hierfür.
Den lieben Glowern rufen wir ein »in Treue fest« zu.
Unseren Schirmherren, den lieben Gott,
wollen wir alle bitten, daß alles zum
Heil des Vaterlandes wird und wir uns
im Sommer ›1915‹ wiedersehen!
Friede im Lande
Freundschaft unter uns.
Glowe d. 2. August 1914, P. Larché

Für den heutigen Leser faszinierend ist die Authenzität dieser Eintragung. Sie wirkt schon in besonderer Weise dadurch, dass sie handschriftlich vorliegt. Der sachliche Inhalt und die Art und Weise der Darstellung vermittelt zahlreiche interessante Einblicke in die Gedankenwelt des Schreibers. Viele Deutsche, auch Intellektuelle, glaubten 1914, der Krieg werde von kurzer Dauer sein und er werde siegreich für Deutschland enden. Zeitzeugen haben immer wieder von der Kriegsbegeisterung großer Teile der deutschen Bevölkerung berichtet. Das zeigt auch dieser Eintrag. Der Gast der Schaabe hofft, ›dass alles zum Guten des Vaterlandes wird und wir uns im Sommer 1915 wiedersehen‹. Wir wissen nicht, ob der Schreiber im Sommer 1915 tatsächlich wieder in das Gasthaus zur Schaabe eingekehrt ist, denn eine entsprechende Eintragung ist nicht vorhanden. Aber wir wissen, dass der Krieg nicht ›zum Guten Deutschlands‹ endete, und er 1915 noch lange nicht beendet war. Der Gast sieht sich veranlasst, ›den lieben Glowern‹ auch ein politisches Diktum der damaligen Zeit zuzurufen: ›In Treue fest!‹ Die Parole, die auch 25 Jahre später von den Nazis verwendet wurde, suggerierte unbedingten Gehorsam und Pflichtgefühl als ewige Tugenden. Die Anrufung des lieben Gottes ›als unseren Schirmherren‹ gehörte zum täglichen Ritual der Gottesdienste an den Fronten des Krieges. ›Heil‹ wird in diesen Jahren vor allem in den süddeutschen Regionen als Grußformel im Sinne von ›etwas Gutes wünschen‹ verwendet. ›Zum Guten‹ wendete sich das von Anfang an abenteuerliche und unsinnige Kriegsunternehmen des deutschen Reiches nicht. [...] Mit den enormen Verlusten an Menschen und Material an allen Fronten des Krieges wuchs das Konfliktpotenzial in Deutschland selbst.«

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Das Eiserne Kreuz

Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5.6.2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Das Hoheitszeichen der Bundeswehr

Das Eiserne Kreuz ist bis heute das nationale Erkennungszeichen der Bundeswehr.

     MP Glowe Hoheitszeichen der Bundeswehr web


In dieser modernisierten Form hat es Ähnlichkeit mit dem Kreuz auf dem Glower Denkmal »Ehre den Unbesiegten«.

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I N H A L T
Das Denkmal
Das Kalendermotiv
Postkarte aus den 50er-Jahren
Die Geschichte
Mehrfach zu gebrauchen

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Gnoien

Landkreis Rostock

Vor dem Bahnhof an der Teterower Straße steht das Kriegerdenkmal für den 1.Weltkrieg. An der Spitze der Steinsäule ist an jeder Seite ein Eisernes Kreuz zu sehen, im unteren Bereich ist das Relief eines trauernden Soldaten mit Patronengürtel eingefügt. Dem Soldaten mit Stahlhelm auf dem geneigten Kopf und der rechten Hand am Herzen rutscht der lange Mantel von der Schulter. Das Denkmal ist insgesamt 450 cm hoch. Die Pflege des Denkmals übernimmt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Ortsgruppe Gnoien.

MP Gnoien ganz

Inschriften:

Unseren im Weltkriege 1914 - 1918 gefallenen Helden.

Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung.

Wanderer, neige dein Haupt in Ehrfurcht vor Tod und Tapferkeit.

 

MP Gnoien vorne    MP Gnoien Seite2

MP Gnoien Seite4    MP Gnoien Soldat

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Das Kalendermotiv

MP Gnoien Kalender web

November-Foto des Jubiläumskalenders,
herausgegeben zur »750 Jahre«-Feier von Gnoien im Jahr 2007.

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Postkarte aus den 50er-Jahren

MP Gnoien Postkarte web

Postkarte aus den 50er Jahren.
Druck: Paul Siems, Buch- und Kunsthandlung Gnoien.

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Die Geschichte

MP Gnoien Zeitung web


Dienstag, den 17. Januar 1922

Der Ausschuß zur Errichtung des Denkmals für unsere Gefallenen tagte am Freitag. Auf der Tagesordnung stand zunächst die Frage: Wie bringen und fördern wir die weiter erforderlichen Mittel, damit das Denkmal errichtet werden kann. Nach Berichterstattung des Kassiers stehen mit den noch in letzter Zeit eingegangenen Beträgen rund 17 000 Mk. zur Verfügung. Diese Summe reicht aber nicht, um ein Denkmal auszuführen, es wurde der Beschluß gefaßt, an die Körperschaften der Stadt ein Bittgesuch zu richten, zur Förderung des Denkmals eine Summe zu bewilligen. Möge solche nicht zu klein ausfallen. Sodann wurde beschlossen, am 11. Februar einen Basar größeren Stils zu veranstalten, man setzt hierauf nochmals die Hoffnung durch Unterstützung aller Bürger der Stadt, sowie der Umgegend das Werk zu vollenden. Eine Bittaktion soll ins Werk gesetzt werden, die Sachen, die zum Glücksrad, Verlosung usw. erforderlich sind, zu erbitten. Die Landbevölkerung soll gebeten werden, Lebensmittel etc. die zum Verkauf kommen sollen, zu stiften. Zur Hilfeleistung des Basars haben sich ca. 30 Damen aus der Stadt in den Dienst der Sache gestellt, denn es gilt viele Arbeit zu schaffen. Zum Schlusse sei noch erwähnt, daß geplant wird, das Stück »Anner Lüd Kinner« auch hier für diesen Zweck zur Aufführung gelangen zu lassen.

 

Donnerstag, den 20. April 1922

(Eingesandt. Die Schriftleitung lehnt die Verantwortung für den Inhalt dieser Rubrik ab)

Der Ausschuß des Krieger-Denkmals sieht sich, durch die Ausführungen mit Unterschrift »Mehrere Kriegsteilnehmer«, veranlaßt, zu der Sache Stellung zu nehmen.

Wir können wohl annehmen, daß wir unter »kleines Grüppchen« verstanden sind. Darauf sei hingewiesen, daß dieses »kleine Grüppchen« nicht nur aus Denkmalsinteressenten sondern aus Delegierten des Krieger-, Jäger-, Kriegsbeschädigten- und Männer-Turn- und Sport-Vereins besteht. Die lächerliche Auffassung von Ihnen, daß wir den Patriotismus in Erbpacht haben, erwidern wir damit, daß wir den Patriotismus nicht in Erbpacht haben, sondern im Herzen tragen.

Als Kriegsteilnehmer und alte Soldaten hätte man erwarten sollen, daß Sie Ihr Schreiben mit Ihren Namen gedeckt hätten, anstatt feige damit hinterm Berg zu halten.

Für den Denkmalsausschuß ist der Platz vor dem neuen Schulhause, der Rechte der Stadtverordneten-Versammlung gehorchend, längst vergessen und erledigt. Wir glauben behaupten zu können, daß Sie sich ganz gewaltig irren, wenn Sie meinen, die Mehrzahl der hiesigen Einwohner sei für den alten Friedhof. Wir wissen ganz genau, daß, wenn es zur Abstimmung gekommen wäre, die Mehrzahl für den Platz vor dem neuen Schulhause gestimmt hätte. Es ist auch dieses ein Zeichen, daß Sie vom Volkswillen keinen blassen Schimmer haben.

Der Denkmalsausschuß hat sich einstimmig für den Platz in den Bahnhofsanlagen entschieden mit der Begründung, daß wir unser Denkmal der Welt gegenüber nicht verstecken wollen, dieses wäre unseres Erachtens der Fall, wenn es nach dem alten Friedhof käme. Der alte Friedhof ist ein ruhiger und wir möchten sagen, wohl einer der besten Plätze mit hier in unserem Orte, aber er liegt an einem Ende der Stadt von dem sich der Verkehr mehr und mehr wegzieht. Der Hauptspaziergang der Gnoiener ist um die Koppel, nach dem Friedhof, Bahnhof und wieder zurück. Auf diesem Spazierweg ist dann manchem Gelegenheit gegeben, beim Denkmal einen Augenblick zu verweilen. Er wird es noch viel lieber tun, wenn die Stadt unsere Bitte erfüllt und den Platz durch gut angelegte gärtnerische Anlagen verschönert und durch Aufstellen von Bänken jedem ein Ausruhen ermöglicht.

Es ist recht schade, daß Sie sich nicht schon früher mit Ihren Ratschlägen gemeldet haben. Sie sind vielleicht eine stattliche Zahl und hätten auch wohl die Zeit dazu gehabt um für uns, – da wir alle, ohne Ausnahme, im täglichen Leben voll beschäftigt sind, – die schönen Findlinge zu sammeln und zusammenzutragen. Eine traurige Auffassung ist es, wenn Sie glauben, daß wir die Gefallenen durch Vergnügungen und Basare ehren wollen. Unser Dank soll bestehen in der Errichtung eines Denkmals für alle Zeiten. Alle Einwohner, Sie natürlich ausgenommen, werden wohl den Zweck unserer Veranstaltungen richtig erkannt haben.

Sie sprechen weiter von einem teuren und protzenhaften Denkmal. Hierüber scheinen Sie ganz und garnicht orientiert zu sein. Kommen Sie zu uns, wir werden Ihnen den Entwurf gerne zeigen, dann können Sie selbst urteilen, ob Sie berechtigt waren, das Wort protzenhaft zu gebrauchen. Im übrigen können wir Ihnen empfehlen, andere Städte aufzusuchen, damit Sie sehen, was diese für ihre Gefallenen getan haben. Die 15 000 Mk. hätten wir der Stadt gerne erspart, es war uns aber nicht möglich, bis zu diesem Zeitpunkt das Geld zusammenzubringen. Je länger wir mit dem Bau warten, je teurer wird er, wegen der Geldentwertung. Deswegen haben wir es mit Freuden begrüßt, daß der Bürgerausschuß uns die Summe bewilligte. Mit Ihrer »stillen Aufopferung« ist uns nicht gedient, wir müssen Taten sehen.
                                                                 Der Denkmalsausschuß


Anmerk. d. Red.: Nachdem nun genug Worte über die Denkmalsfrage gesagt worden sind und auch der Denkmals-Ausschuß zu Wort gekommen ist, so schließen wir hiermit endgültig die Debatte. Vor allen Dingen haben wir jetzt Klarheit, wo das Denkmal aufgestellt wird. Unseres Erachtens ist der Platz in den Bahnhofsanlagen nunmehr der geeignetste für das Kriegerdenkmal. Der Platz vor dem neuen Schulhause hätte sich für das Denkmal, was man zu errichten gedenkt, doch nicht so geeignet, wie derjenige in den Bahnhofsanlagen.

 

MP Gnoien Einweihung web

 

Die Ausschnitte und Zitate stammen aus der Zeitung »Bürger und Hausfreund«, Jahrgang 1922. Wir danken sehr herzlich Frau Marianne Teske von der Stadtinformation Gnoien für ihre sorgfältige und aufwendige Recherche.

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mehrfach zu gebrauchen

MP Dargun Vorderseite web

• Kriegerdenkmal in Dargun: der gleiche Soldat im anderen Umfeld

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Inschriften

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Gostorf

Landkreis Nordwestmecklenburg

Am 1. Mai 1922 wurde das Kriegerdenkmal in der Ortsmitte von Gostorf eingeweiht. Ein großer Findling auf einem gemauerten Feldsteinhaufen, umgeben von Kies- und Sandbetten. Oben ein aufgesetzter Stahlhelm aus Stein, darunter nach der ersten Inschrift die eingravierte Namensliste der getöteten Soldaten des 1. Weltkriegs. Ein früher angebrachtes Eisernes Kreuz ist entfernt worden.

Inschrift:
Ihren gefallenen Helden
von 1914-1918 gewidmet.
Gemeinde Gostorf

MP Gostorf


Unter den Namen die Inschrift:
Daß ihr Tod uns Lebende ermutet
Daß sie für Unwürdge nicht geblutet
Das beweise deutsches Vaterland

MP Gostorf Spruch 

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Die Inschriften

Diese Denkmäler sind vor allem in den 20er Jahren in zahlreichen Städten und Gemeinden errichtet worden. Sie bringen Deutungen des Kriegs und der deutschen Niederlage zum Ausdruck, die mit Heldenverehrung und Verklärung des Opfertodes für Kaiser und deutsches Vaterland sehr problematisch sind. Vielfach konnten diese Denkmäler in der Nazi-Zeit für die ideologische Einstimmung auf den 2.Weltkrieg genutzt werden. So sind sie zu stummen und gleichwohl immer noch präsenten Zeugen einer unheilvollen Geschichte geworden.

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Das Denkmal
»Für Deutschland gestorben«
Der Bibelspruch
Das Eiserne Kreuz
Das Schwert

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Groß Kiesow

Landkreis Vorpommern-Greifswald

Eine seltene, farblich intensive Form für ein Kriegerdenkmal ist dieses Buntglasfenster in der Kirche von Groß Kiesow. Das Fenster wurde 1920 gestiftet. Die typischen Symbole eines Kriegerdenkmals sind vorhanden: Eisernes Kreuz und Schwert mit Palmwedeln. Dazu kommt die Darstellung des gekreuzigten Christus mit der Kommentierung:

Sei getreu bis an den Tod,
so will ich dir die Krone des Lebens geben

Im abschließenden Band unten steht:
Den gefallenen Kriegern zum Gedächtnis 1920

Beschreibung nach Matthias Hübner, www.dorfkirchen-in-mv.de

MP Gr Kiesow

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Zitate aus der Beitrag des Deutschlandfunks vom 18.11.2012

Für Deutschland gestorben

Von Clemens Tangerding

... Die Gedenkstätten sind ausnahmslos Ausdruck des Bedürfnisses, das Gedenken an den Tod der Soldaten zu sakralisieren, also zu etwas Heiligem zu stilisieren. In Form von Kreuzen, Säulen, Räumen der Stille oder Plastiken wird nicht der Tod, sondern der vorgebliche Sinn dieses Todes dargestellt ...
Die Sakralisierung schirmt die Gedenkorte auch gegen Widerspruch ab, denn wer würde in einem Raum der Stille oder vor einem Kreuz laut protestieren? Die Ent-Profanisierung beschützt den Tod der Soldaten besonders vor Ansprüchen der Überlebenden. Obwohl diese im Einsatz eine Gruppe bildeten, grenzen die Denkmäler die Toten von den Versehrten ab.

Nur wer starb, wird in Inschriften und auf Tafeln geehrt, wer überlebte nicht. ... Psychische Krankheiten, lebenslange körperliche Schäden, Schwierigkeiten bei der beruflichen Widereingliederung ließen sich mit der Sakralisierung des Gedenkens nicht in Einklang bringen.

Auffällig ist auch, dass die Soldaten zwar als Söhne oder als Opfer, manchmal auch als Krieger benannt und dargestellt werden, nie aber als Tötende. Der Gefallene existiert als Begriff, es gibt aber keine Bezeichnung für den, der ihn zu Fall gebracht hat. Reinhart Koselleck meint dazu:
»Gestorben wird alleine, zum Töten des Anderen gehören zwei. Die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen umzubringen, konstituiert vielleicht mehr noch menschliche Geschichte als seine Grundbestimmung, sterben zu müssen.«

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Der Bibelspruch

Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Offenbarung 2, 10b

Dieser Vers steht im letzten Buch der Bibel, der so genannten Offenbarung des Johannes. Der Seher Johannes bekommt von Gott den Auftrag, diesen Satz in einem Brief an eine christliche Gemeinde zu schreiben. Die Offenbarung wurde in der Zeit der ersten Christenverfolgungen geschrieben.


Christliche Analogien sollen dem Soldatentod eine religiöse Weihe geben und ihn als »Opfertod« verklären. »Kriege, in denen planvoll getötet und grausam gestorben wird, fordern die Sinnstiftungsleistung des Kollektivs der Überlebenden auf ganz besondere Weise heraus.« (Kaiser 2010, Seite 12)

In Deutschland war die Trauer um die getöteten Soldaten gleichzeitig verbunden mit der Erinnerung an eine Niederlage. Das Kriegserlebnis wurde zu einem Mythos geformt, der das Sinnhafte des Kampfes und der Opfer hervorheben sollte:

»Die Erinnerung an den Krieg wurde zu einem heiligen Erlebnis umgedeutet, das der Nation eine neue Tiefe der religiösen Empfindung gab und überall präsente Heilige und Märtyrer, Stätten nationaler Andacht und ein zum Nacheifern aufforderndes Erbe lieferte.« (Mosse, 13) Der Gefallenenkult wurde zu einem zentralen Bestandteil nationaler Selbstdarstellung und entwickelte besonders in Deutschland eine gewaltige politische Wirkung.

Christian Lopau, 2017, Vortrag im Ratzeburger Dom im Begleitprogramm der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?«

www.nordkirche-nach45.de

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Das Eiserne Kreuz

In der Darstellung in Groß Kiesow ist es mit Krone, großem »W« für Kaiser Wilhelm II und der Jahreszahl 1914 gearbeitet worden. Nach einer Skizze des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III wurde der berühmte Baumeister Karl Friedrich Schinkel am 13. März 1813 mit der Erstellung einer entsprechenden Reinzeichnung für das erste Eiserne Kreuz beauftragt.

Am 8. August 1914 hatte Wilhelm II dann in seiner Eigenschaft als preußischer König die Stiftung seiner beiden Vorgänger erneuert und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit der vierten Stiftung zu Beginn des 2. Weltkriegs durch Adolf Hitler wurde es am 1. September 1939 auch offiziell zu einer deutschen Auszeichnung. Hitler verzichtete auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt und von der Rückseite wurden das Monogramm Königs Friedrich Wilhelms III. und das Eichenlaub entfernt.


SH Wulfsdorf Hitler EK web

• Auch Hitler trug das Ehrenkreuz an der Brust

»Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht. Um nur die größten Verbrecher unter ihnen zu nennen, sei auf Rudolf Lange verwiesen, der für den Mord an den Juden Lettlands verantwortlich war, und auf Friedrich Jeckeln, der Massaker um Massaker organisierte, in der Westukraine, in Kiew (Babij Jar) und in Riga. Beide bekamen schließlich das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.«

Zitiert aus einem Artikel »Orden für Massenmord« von Dieter Pohl 

DIE ZEIT, 5. Juni 2008

 

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als »Dachmarke« der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Nach Wikipedia, abgerufen am 7. 12. 2017

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Das Schwert

Schwerter, selbst wenn sie als Zeichen der Niederlage gesenkt oder abgebrochen dargestellt werden, fordern die nachfolgenden Generationen zu »Mannhaftigkeit und Wehrwillen« auf.

Zitat aus der Urkunde, die im Grundstein des Kriegerdenkmals am Pinneberger Bahnhof eingelassen worden ist:

»Das Ehrenmal wird an der Vorderseite ein aufrechtes Schwert tragen. Hiermit soll die Mannhaftigkeit und der Wehrwille des deutschen Mannes vor aller Welt bekundet werden.«

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I N H A L T
Das Denkmal
Die Einweihung 1920
Fotos Mitte der 90er-Jahre

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Kummer

Landkreis Ludwigslust-Parchim

Auf einem zentralen Platz in Kummer befinden sich Stele für die getöteten Soldaten des 1.Weltkriegs und Findling für die Opfer des 2.Weltkriegs. Es wurde 1920 eingeweiht.

MP Kummer gesamt

Inschriften oben auf der Stele:
1914 -1918 / Ihren gefallenen / Helden / aus der Gemeinde / Kummer / in Dankbarkeit / gewidmet.

In der Spitze der Stele ein Medallion mit gesenktem Schwert umgeben von Lorbeerzweigen.

MP Kummer Schwert


Auf dem Sockel:
Helden,
gefallen im Ringen Deutschlands
um Ehre und Sein,
nie wird ihr Name verklingen
heilig soll er uns sein.

               MP Kummer Spruch

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Die Einweihung 1920

               MP Kummer 1920

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Fotos Mitte der 90er-Jahre

Die damalige Kunstgeschichtsstudentin Margrit Schimanke fuhr durch Mecklenburg-Vorpommern und fotografierte Denkmäler für ihre Promotionsarbeit. Auch dieses, vielen Dank dafür!

 

             MP Kummer2 1995 Schimanke web

             MP Kummer 1995 Schimanke web

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